{"id":122926,"date":"2008-10-01T12:00:00","date_gmt":"2008-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/10\/camenzind-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:09","slug":"camenzind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/10\/camenzind\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze regionaler Kostenunterschiede im Gesundheitswesen"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200810_19_Camenzind_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"261\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Gesundheitsausgaben der Schweiz im internationalen Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) lag der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im Jahr 2005 bei 11,4%. Damit nimmt sie im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein (vgl. Grafik 1). Nur in den USA ist dieser Anteil deutlich h\u00f6her: Nicht weniger als 15,4% des BIP betrugen dort die Ausgaben f\u00fcr die Gesundheit. Der Anteil der Schweiz lag leicht \u00fcber dem Niveau der direkten Nachbarl\u00e4nder: F\u00fcr Frankreich wurde ein Wert von 11,1%, f\u00fcr Deutschland von 10,7% und f\u00fcr \u00d6sterreich von 10,2% gemessen; etwas tiefer lag Italien mit 8,9%.\u00a0Ein Anteil von 11,4% am BIP bedeutet f\u00fcr die Schweiz, dass im Jahr 2005 insgesamt 53 Mrd. Franken f\u00fcr Gesundheitsg\u00fcter und Gesundheitsdienstleistungen ausgegeben wurden. Pro Kopf und Jahr sind dies rund 7100 Franken. Tabelle 1 zeigt, in welchen Bereichen der Leistungserbringung im Schweizer Gesundheitswesen die gr\u00f6ssten Ausgabenposten anfallen und durch welche Direktzahler diese Kosten finanziert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Bandbreite der interkantonalen Unterschiede<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas schweizerische Gesundheitswesen ist stark f\u00f6deralistisch aufgebaut: Die Kantone tragen die Hauptverantwortung f\u00fcr die Gesundheitsversorgung ihrer Bev\u00f6lkerung. Dieses System hat zur Folge, dass innerhalb der Schweiz bedeutende Kostenunterschiede zwischen den verschiedenen Kantonen bestehen. Wegen datenm\u00e4ssiger und methodischer Schwierigkeiten gibt es aber noch keine verl\u00e4ssliche kantonale Aufteilung der gesamten Gesundheitsausgaben. Am weitesten gediehen ist diesbez\u00fcglich die Arbeit von Crivelli et al. (2008), in welcher das Konzept der sozialisierten Gesundheitskosten \u00abLa spesa sanitaria socializzata\u00bb (vgl. Crivelli et al., 2008); diese entsprechen den Subventionen an die Leis-tungserbringer, den Pr\u00e4mienverbilligungsbeitr\u00e4gen an die Versicherten, den Nettopr\u00e4mien und den Kostenbeteiligungen der OKP. Es fehlen die Out-of-Pocket-Ausgaben der privaten Haushalte und die Nettopr\u00e4mien inkl. der Kostenbeteiligungen in der Krankenzusatzversicherung (VVG). entwickelt wird (vgl. Grafik 2). \u00a0Die sozialisierten Gesundheitsausgaben lagen im Kanton Genf mit knapp 6400 Franken fast zweieinhalb Mal so hoch wie im Kanton Appenzell Innerhoden mit knapp 2600 Franken. Generell herrscht im Gesundheitswesen der Schweiz ein West-Ost-Kostengef\u00e4lle: \u00dcberdurchschnittliche sozialisierte Ausgaben (d.h. mehr als 4000 Franken pro Person und Jahr) hatten im Jahr 2005 &#8211; neben Genf &#8211; die Kantone Basel-Stadt, Neuenburg, Waadt, Tessin, Jura und Bern. Sozialisierte Kosten von weniger als 3&#8217;000 Franken pro Person und Jahr fielen in Appenzell Innerrhoden, in Nid- und Obwalden sowie im Kanton Thurgau an.&#13;<\/p>\n<h2>Literaturrecherche: Methodisches Vorgehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Literaturrecherche wurde schwergewichtig in der Datenbank Econlit American Economic Association&#8217;s electronic bibliography of economic literature. durchgef\u00fchrt, wobei die Jahre 1986 bis Mitte 2007 zur Verf\u00fcgung standen. Daneben wurden weitere Literaturdatenbanken The Cochrane Database, Medline, HSTAT, RePEc sowie Google resp. Google Scholar. sowie das Internet konsultiert. Von den dabei gefundenen Hunderten von Artikeln und Studien wurden jene 100 Arbeiten, f\u00fcr welche der h\u00f6chste Erkl\u00e4rungsbeitrag vermutet wurde, im Volltext analysiert. Aus den Literaturverzeichnissen der analysierten Studien kamen noch einige Arbeiten hinzu, welche \u00fcber die elektronischen Datenbankrecherchen nicht gefunden werden konnten (sog. \u00abgraue Literatur\u00bb). Inhaltlich wurden die Studien nach zehn Forschungsfragen ausgewertet, welche die folgenden Aspekte der regionalen Kostunterschiede im Gesundheitswesen ansprechen:\u00a0&#8211; Welche theoretischen Erkl\u00e4rungsmodelle (\u00f6konomische Theorie) existieren?\u00a0&#8211; Welchen Einfluss haben Aufbau, Organisation und Finanzierung der Gesundheitssysteme?\u00a0&#8211; Welches sind die Gemeinsamkeiten der Erkl\u00e4rungs- und Wirkungsmodelle?\u00a0&#8211; Sind Unterschiede im Kostenniveau oder in der Kostenentwicklung relevanter?\u00a0&#8211; Welche Kostenaggregate (Gesamtkostenoder Sub-Modelle) werden analysiert?\u00a0&#8211; Welches sind gemeinsame Erkl\u00e4rungsfaktoren f\u00fcr die Kostenschwankungen?\u00a0&#8211; Welche Dauer haben die untersuchten Zeitintervalle?\u00a0&#8211; Wie stellt sich die Datensituation in der Schweiz und in anderen L\u00e4ndern dar?\u00a0&#8211; Welche Art der Regionalisierung (geografisches Analyseniveau) wird angewandt?\u00a0&#8211; Welche methodisch-statistischen (\u00f6konometrischen) Modelle werden verwendet?&#13;<\/p>\n<h2>Theoretisch-\u00f6konomische Erkl\u00e4rungsmodelle<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse verschiedenster internationaler Ann\u00e4herungen zur theoretischen Umschreibung des Kostengeschehens im Gesundheitswesen sind ziemlich bescheiden geblieben. Die Forschungsbem\u00fchungen im Bereich der Kostenunterschiede im Gesundheitswesen gelten 20 Jahre nach der bekannten Aussage von Culyer (1988, S. 29) immer noch als eine \u00abExpedition ohne Kompass\u00bb. Nicht verwunderlich ist daher, dass in der Literatur eine Vielzahl von Wirkungs- und Erkl\u00e4rungsmodellen existieren. Als Synthese dieser Vielfalt und angepasst auf die Verh\u00e4ltnisse in der Schweiz wurde das in Grafik 3 dargestellte Modell entwickelt.\u00a0Im Modell werden die vier Bereiche Bev\u00f6lkerung (Nachfrageseite), Versorgungssystem (Angebotsseite), Finanzierungssystem sowie politisches System unterschieden. F\u00fcr alle diese Bereiche gibt es eine Vielzahl von Faktoren, f\u00fcr die Wirkungen auf die regionalen Gesundheitskosten vermutet werden. \u00a0Bei den auf die Bev\u00f6lkerung bezogenen Erkl\u00e4rungsfaktoren handelt es sich um soziodemografische Faktoren wie den Bev\u00f6lkerungsbestand, die Bev\u00f6lkerungsbewegungen (Geburten, Todesf\u00e4lle, Ein- und Auswanderungen) und die Bev\u00f6lkerungsstruktur (Alter, Geschlecht, Nationalit\u00e4t). Hinzu kommen soziokulturelle Faktoren wie die Zugeh\u00f6rigkeit zu Sprachgruppen oder verschiedene Haushaltstrukturen. Auch lebt die Bev\u00f6lkerung eines Landes in einer bestimmten physikalischen resp. geografischen Umwelt (L\u00e4rm, Luft, Strahlung, Wasser, Urbanit\u00e4t, Topographie etc.) und befindet sich in verschiedenartigen Lebens-, Arbeits-, Einkommens- und Verm\u00f6genssituationen. Diese Faktoren haben ebenso Einfluss auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen und die Gesundheitskosten wie das Gesundheitsverhalten und der Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung. \u00a0Ein Bedarf wird erst zur effektiven Inanspruchnahme, wenn entsprechende Anbieter vorhanden sind und eine Finanzierung m\u00f6glich ist. In vielen Untersuchungen wird davon ausgegangen, dass sich die Pr\u00e4senz vieler Anbieter (Spit\u00e4ler, Pflegeheime, Grundversorger, Spezialisten) in einer Region eine eigene Nachfrage schafft (angebotsinduzierte Nachfrage). Es werden deshalb die Kostenfolgen von Indikatoren wie regionale Dichten an ambulanten Praxis\u00e4rzten oder an Spitalbetten untersucht. F\u00fcr unterschiedliche Behandlungsstrukturen (z.B. Anteil an station\u00e4ren Leistungen oder an Spezial\u00e4rzten) werden ebenso regionale Kostenfolgen vermutet wie f\u00fcr einen hohen Stand an technischer Ausr\u00fcstung.\u00a0Ob die Nachfrage eines Haushalts zu einer tats\u00e4chlichen Beanspruchung von Leistungen des Gesundheitssystems f\u00fchrt, h\u00e4ngt davon ab:\u00a0&#8211; ob ein Haushalt \u00fcber viele finanzielle Mittel zum Bezug von Leistungen verf\u00fcgt;\u00a0&#8211; ob diese Leistungen aus eigener Tasche bezahlt werden m\u00fcssen;\u00a0&#8211; ob diese Leistungen durch Sozialoder Privatversicherungen abgedeckt sind;\u00a0&#8211; ob viele Personen in der Bev\u00f6lkerung \u00fcber einen Versicherungsschutz verf\u00fcgen;\u00a0&#8211; ob viele dieser Leistungen durch den Staat subventioniert werden;\u00a0&#8211; ob viele Anreize zum (\u00fcberm\u00e4ssigen) Angebot oder der (\u00fcberm\u00e4ssigen) Inanspruchnahme von Leistungen im System eingebaut sind.\u00a0\u00a0Alle diese Aspekte lassen sich in Indikatoren fassen und hinsichtlich der Auswirkung auf die Gesundheitskosten analysieren.\u00a0Gesundheitsm\u00e4rkte sind mehr oder weniger staatlich administriert. Mengen (z.B. Spitalbetten) oder Kostenvolumina (z.B. Globalbudgets) durch die staatliche Planung werden vorgegeben. Diese Eingriffe des Staates haben Folgen auf die entstehenden Kosten im Gesundheitswesen, wobei das Ausmass &#8211; und manchmal sogar die Richtung &#8211; solcher Effekte in der Literatur umstritten ist. Bez\u00fcglich der Auswirkungen des Zentralisierungsgrades eines Gesundheitssystems geht die Meinung eher dahin, dass ein starker F\u00f6deralismus eine h\u00f6here Patientenzufriedenheit, aber auch h\u00f6here Gesundheitskosten mit sich bringt. Daneben finden direktdemokratische Instrumente wie die Initiative und das Referendum als Variablen der Beeinflussung von Gesundheitskosten Eingang in die Modelle.&#13;<\/p>\n<h2>Empirische Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze regionaler Kostenunterschiede<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie empirischen Studien k\u00f6nnen nach geografischen Kriterien in die drei Gruppen internationale Kostenunterschiede, regionale Kostenunterschiede Ausland sowie regionale Kostenunterschiede Schweiz eingeteilt werden.&#13;<\/p>\n<h3>Internationale Kostenunterschiede<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBei allen betrachteten internationalen L\u00e4ndervergleichen wird das BIP als der pr\u00e4gnanteste Erkl\u00e4rungsfaktor identifiziert. Der Einfluss des BIP auf das Niveau oder das Wachstum der Gesundheitskosten ist dabei immer positiv, und der errechnete Erkl\u00e4rungsbeitrag kann bis 90% erreichen. Viele Arbeiten finden einen solchen kostensteigernden Einfluss ebenfalls f\u00fcr einen h\u00f6heren Anteil an \u00e4lteren Personen (\u00fcber 65 Jahre) sowie f\u00fcr eine h\u00f6here \u00c4rztedichte f\u00fcr Grundversorger und f\u00fcr Spezialisten in ambulanten Praxen. Deutlich nachweisbar sind auch die kostensenkenden Wirkungen der Leistungsentsch\u00e4digungen in Form von Pauschalverg\u00fctungen sowie eine Steuerung durch Gatekeeping. Ebenfalls eine d\u00e4mpfende Wirkung auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen \u00fcben ein h\u00f6heres Bildungsniveau und Erwerbst\u00e4tigkeit aus. Hingegen existieren wenige international vergleichende Studien, bei denen epidemiologische Faktoren &#8211; wie Lebensstil, Morbidit\u00e4t oder Mortalit\u00e4t &#8211; in einem signifikanten Zusammenhang mit den Gesundheitskosten stehen. Teilweise kann dies auf die grossen Datenm\u00e4ngel in diesem Bereich zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h3>Regionale Kostenunterschiede im Ausland<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBei den Recherchen in den Datenbanken der internationalen gesundheits\u00f6konomischen und gesundheitsstatistischen Literatur findet man kaum Studien, welche sich explizit mit den regionalen Kostenunterschieden innerhalb eines Landes besch\u00e4ftigen. Dies hat vermutlich damit zu tun, dass keines der Gesundheitssysteme der westlichen L\u00e4nder eine derart starke f\u00f6deralistische Struktur aufweist wie jenes der Schweiz. Ein solches System erm\u00f6glicht es erst, dass ein derart ausgepr\u00e4gtes regionales Kostengef\u00e4lle entsteht und damit das Interesse von Politik und Wissenschaft an dieser Frage geweckt wird. \u00a0Gesundheits\u00f6konomische und -statistische Forschungsaktivit\u00e4ten zu regionalen Kostenunterschieden des Gesundheitswesens fanden sich am ehesten zu Kanada und Spanien. Die Gesundheitssysteme dieser beiden L\u00e4nder sind eher f\u00f6deralistisch ausgerichtet. Zudem gibt es hier auch sprachlich-kulturelle Besonderheiten (Katalonien und Baskenland in Spanien sowie die Provinz Qu\u00e9bec in Kanada), welche solche \u00abregionalpolitischen\u00bb Forschungen zu beg\u00fcnstigen scheinen. Weitere L\u00e4nder, zu welchen einige Arbeiten zu intranationalen Kostenunterschieden vorliegen, sind Frankreich und die USA. F\u00fcr andere L\u00e4nder wie Grossbritannien, Italien, D\u00e4nemark und Deutschland wurden nur vereinzelte Studien gefunden. \u00a0Zusammenfassend fanden sich in diesen Studien als wichtigste kostentreibende Einflussfaktoren ein hohes Einkommen, ein hoher Anteil der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung, ein hoher Anteil an Frauen, ein hoher Anteil Nicht-Erwerbst\u00e4tiger, ein niedriges Bildungsniveau, ein schlechter Gesundheitszustand, eine hohe \u00c4rztedichte, eine hohe Spitalresp. Spitalbettendichte sowie ein starker technischer Fortschritt. Als kostensteigernd erweisen sich zudem eine umfassende Versicherungsdeckung und relativ hohe Bundessubventionen an die Gliedstaaten.&#13;<\/p>\n<h3>Regionale Kostenunterschiede in der Schweiz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie meisten Untersuchungen zu den kantonalen Unterschieden im Niveau oder in der Entwicklung der Gesundheitskosten der Schweiz sind aus Datengr\u00fcnden entweder ausschliesslich auf die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) beschr\u00e4nkt oder versuchen allenfalls noch die Ausgaben des Staates f\u00fcr den Gesundheitsbereich mit zu ber\u00fccksichtigen. Bei knapp 20% Finanzierung der gesamten Gesundheitskosten durch den Staat und gut 30% durch die OKP verarbeiten diese Studien somit nur die Informationen zu einen Anteil von maximal 50% der Inanspruchnahme resp. der anfallenden Kosten des Gesundheitswesens. Das Leistungs- und Kostengeschehen im Bereich Privatversicherungen und private Haushalte (Out-of-Pocket) bleibt unber\u00fccksichtigt.\u00a0Unter diesen Einschr\u00e4nkungen finden die Arbeiten zur Schweiz F\u00fcr eine \u00dcbersicht vgl. Camenzind (2008, S. 116 ff). als kostensteigernde Erkl\u00e4rungsfaktoren die \u00c4rztedichte, die Altersstruktur, das Geschlecht, die Arbeitslosen-quote, den Urbanit\u00e4tsgrad, die lateinische Sprache und Kultur, die Apothekendichte sowie den technischen Fortschritt. Beim kantonalen Volkseinkommen halten sich die Studien, welche einen positiven und einen negativen Zusammenhang nachweisen, ungef\u00e4hr die Waage. Weitere signifikante Einflussfaktoren in Schweizer Studien sind die Mortalit\u00e4tsrate, das Nominallohnwachstum, die Spitalbettendichte, der Anteil an Spezialkliniken, das Mass an sozialer Ausgrenzung, die Abgabe von Medikamenten in Arztpraxen, der Ausl\u00e4nderanteil sowie die Preise f\u00fcr die Gesundheitsg\u00fcter und Dienstleistungen.&#13;<\/p>\n<h2>Methodisch-statistische Ergebnisse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie methodisch-statistische Betrachtung der ausgewerteten Studien ergibt, dass die panel\u00f6konometrische Analyse in allen betrachteten moderneren Arbeiten zur Erkl\u00e4rung von regionalen Kostenunterschieden die bevorzugte Sch\u00e4tztechnik darstellt. Das liegt vor allem daran, dass damit gleichzeitig Ver\u00e4nderungen der regionalen Kosten \u00fcber die Zeit als auch systematische Unterschiede zwischen den beobachteten Regionen ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vom Obsan durchgef\u00fchrte Literaturanalyse zu den regionalen Kostenunterschieden im Gesundheitswesen ergab die folgenden Erkenntnisse f\u00fcr die Schweiz:\u00a0&#8211; Untersuchungen zu regionalen Kostenunterschieden innerhalb der Schweiz sollten explorativ angelegt sein und auf einem umfassenden Wirkungsmodell basieren.\u00a0&#8211; Es ist m\u00f6glich, Unterschiede in Aufbau, Organisation und Finanzierung der kantonalen Gesundheitssysteme abzubilden.\u00a0&#8211; Ein Minimalkatalog an gemeinsamen Erkl\u00e4rungsfaktoren aus Schweizer Studien (vgl. folgenden Punkt) sollte bei allen Sch\u00e4tzungen innerhalb der Schweiz getestet werden.\u00a0&#8211; Die h\u00e4ufigsten Erkl\u00e4rungsfaktoren f\u00fcr die Kostenunterschiede innerhalb der Schweiz sind die \u00c4rztedichte (Grundversorger und Spezialisten), die Altersstruktur, die Geschlechteranteile, das Volkseinkommen, die Arbeitslosenquote, der Urbanit\u00e4tsgrad, die lateinische Sprache, die Apothekendichte und der technologische Fortschritt.\u00a0&#8211; Die Kostengr\u00f6ssen sollten m\u00f6glichst in ihre Mengen- und Preiskomponenten zerlegt und aufgeteilt nach Leistungserbringern und Direktzahlern analysiert werden.\u00a0&#8211; Die wichtigsten Datenquellen f\u00fcr die Schweiz sind der Datenpool Sant\u00e9suisse, die Statistiken der station\u00e4ren Betriebe und die Schweizerische Gesundheitsbefragung des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) sowie die Statistik der Staatsausgaben der Eidgen\u00f6ssischen Finanzverwaltung (EFV).\u00a0&#8211; Die zur Verf\u00fcgung stehenden Daten sollten m\u00f6glichst integral \u00fcber die gesamte verf\u00fcgbare Zeitperiode &#8211; z.B. ab Einf\u00fchrung des KVG 1996 &#8211; bis an den aktuellen Rand (2007) einbezogen werden.\u00a0&#8211; Analysen, welche ein tieferes Niveau als jenes der Kantone vergleichen, sollten angestrebt werden; mit Blick auf die gesundheitspolitische Praxis d\u00fcrfte dabei das regionale (politische) Konzept der Bezirke eine gute Wahl darstellen.\u00a0&#8211; Mit der Verwendung panel\u00f6konometrischer Ans\u00e4tze k\u00f6nnen das Niveau (Querschnitt) und der Verlauf (L\u00e4ngsschnitt) der Kosten resp. der Mengen und Preise simultan betrachtet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abAnteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt ausgew\u00e4hlter OECD-L\u00e4nder, 2005\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abSozialisierte Gesundheitskosten nach Kantonen, 2005\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abWirkungsmodell zur Erkl\u00e4rung der Gesundheitskosten in der Schweiz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abGesundheitskosten in der Schweiz nach Leistungserbringern und Direktzahlern, 2005\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) ist eine Organisationseinheit des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS), die im Rahmen des Projektes Nationale Gesundheitspolitik entstanden ist und von Bund und Kantonen einen Leistungsauftrag erh\u00e4lt. Das Obsan analysiert die vorhandenen Gesundheitsinformationen in der Schweiz. Es unter-st\u00fctzt Bund, Kantone und weitere Institutionen im Gesundheitswesen bei ihrer Planung, ihrer Entscheidfindung und in ihrem Handeln. Weitere Informationen sind zu finden auf <a href=\"http:\/\/www.obsan.ch\">www.obsan.ch<\/a> .&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur &#8211; Camenzind, P. (2008), Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze regionaler Kostenunterschiede im Gesund-heitswesen: Analyse der internationalen gesundheits\u00f6konomischen und -statistischen Literatur &#8211; mit besonderem Fokus auf die Schweiz; Arbeitsdokument 30, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan), Neuenburg.- Crivelli, L. et al. (2008), I costi dell&#8217;assicurazione malattia nel cantone del Ticino &#8211; Rapporto finale, Universit\u00e0 della Svizzera italiana, Lugano.- Culyer, A.J. (1988), Health expenditures in Canada: myth an reality; past and future; Canadian Tax Paper Nr. 82; Canadian Tax Foundation, Toronto.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Gesundheitsausgaben der Schweiz im internationalen Vergleich &#13; Gem\u00e4ss der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) lag der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im Jahr 2005 bei 11,4%. Damit nimmt sie im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein (vgl. Grafik 1). 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