{"id":122936,"date":"2008-10-01T12:00:00","date_gmt":"2008-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/10\/colombier-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:39:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:39:47","slug":"colombier-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/10\/colombier-7\/","title":{"rendered":"Demografische Alterung und Gesundheitswesen &#8211; Mehrbelastungen prim\u00e4r in der Langzeitpflege"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200810_20_Colombier_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"249\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen f\u00fcr die Gesundheitspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem mittleren Demografieszenario des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (A-00-2005) wird sich die Zahl der \u00dcber-80-J\u00e4hrigen bis 2050 gegen\u00fcber 1991 praktisch vervierfachen und diejenige der 65- bis 80-J\u00e4hrigen fast verdoppeln. Dies d\u00fcrfte einen erheblichen Druck auf die Gesundheitsausgaben aus\u00fcben. Dazu gesellt sich eine \u00fcberaus dynamische Entwicklung der Gesundheitsausgaben in der Vergangenheit. So ist der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandprodukt (BIP) im Zeitraum von 1970 bis 2005 von 5,4% auf 11,4% angestiegen. Dies zeigt auf, dass im Gesundheitswesen auch anderen Kostentreibern &#8211; wie dem medizinisch-technischen Fortschritt &#8211; eine erhebliche Bedeutung zukommt. \u00a0Angesichts dieser Herausforderungen hat der Bundesrat das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) und die EFV beauftragt, Entwicklungsszenarien f\u00fcr das Gesundheitswesen zu erstellen (siehe Kasten 1 Entwicklungsszenarien sind erstmals im Januar 2008 im Rahmen der Legislaturfinanzplanung 2009 bis 2011 vom Bundesrat f\u00fcr das Gesundheitswesen ver\u00f6ffentlicht worden. Die Entwicklungsszenarien basieren auf dem im April 2006 in Kraft getretenen Artikel 8 der Finanzhaushaltsverordnung. Danach soll der Bundesrat periodisch, aber mindestens alle vier Jahre, f\u00fcr ein Aufgabengebiet des Staates Entwicklungen mit ihren finanziellen Folgen und m\u00f6gliche Steuerungs- und Korrekturmassnahmen aufzeigen, die \u00fcber den Horizont der Finanzplanung hinausgehen. Internet: <a href=\"http:\/\/www.efv.admin.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.efv.admin.ch<\/a>, Rubriken \u00abThemen\u00bb, \u00abBundesfinanzen\u00bb, \u00abFinanzplan\u00bb.). Vgl. BR (2008). Die Ausgabenentwicklung ist f\u00fcr den Zeitraum von 2005 bis zum Jahr 2050 projiziert worden. Dieser Zeithorizont wurde gew\u00e4hlt, um die Folgen der demografischen Alterung &#8211; insbesondere durch die \u00abBaby-Boom\u00bb-Generation &#8211; zu erfassen. Den Projektionen der Gesundheitsausgaben liegt die zentrale Annahme zugrunde, dass sich die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht \u00e4ndern werden (No-Policy-Change-Annahme). F\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Darstellung der Projektionen vgl. Colombier und Weber (2008a). Die am 13. Juni 2008 vom Parlament beschlossene Neuordnung der Pflegefinanzierung konnte in den vorliegenden Projektionen nicht ber\u00fccksichtigt werden. F\u00fcr die Neuordnung vgl. <a href=\"http:\/\/www.admin.ch\">www.admin.ch<\/a> , Rubriken \u00abDokumentation\u00bb, \u00abGesetzgebung\u00bb, \u00abBundesblatt\u00bb. Damit soll der Handlungsbedarf f\u00fcr die Politik aufgezeigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Projektionen der Gesundheitsausgaben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ausgabenprojektionen wurden f\u00fcr das gesamte Gesundheitswesen und f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand, welche ein gutes Drittel der Ausgabenbelastung tr\u00e4gt, durchgef\u00fchrt. Wie international \u00fcblich, wurden die Ausgaben f\u00fcr die Gesundheit ohne Langzeitpflege und die Langzeitpflege der \u00dcber-65-J\u00e4hrigen getrennt projiziert, weil teilweise unterschiedliche Kostentreiber in diesen beiden Bereichen wirken. Vgl. Europ\u00e4ische Kommission (2006) und Martins (2006). Neben einem Referenzszenario, welches mit dem Referenzszenario der diesbez\u00fcglichen Arbeiten der Europ\u00e4ischen Kommission \u00fcbereinstimmt, werden mehrere Alternativszenarien vorgestellt, um die Sensitivit\u00e4t der Gesundheitsausgaben auf die einzelnen Kostentreiber zu verdeutlichen und eine Idee \u00fcber das Ausmass der Unsicherheit der Projektionen zu gewinnen. Gleichzeitig fliesst das Referenzszenario in den Bericht \u00fcber die Langfristperspektiven der \u00f6ffentlichen Finanzen in der Schweiz ein. Die Langfristperspektiven zeigen die demografischen Wirkungen auf den Gesamtstaat auf (s. Weber, 2008; Weber et al., 2008). Dabei wurden die makro\u00f6konomischen Annahmen aus den Langfristperspektiven \u00fcbernommen. F\u00fcr die Ermittlung der demografischen Wirkungen wurde das mittlere Basisszenario des BFS (A-00-2005) herangezogen. \u00a0Ein grosses Augenmerk wurde auf den Zusammenhang zwischen der Morbidit\u00e4t &#8211; als Indikator f\u00fcr den Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung &#8211; und der Ver\u00e4nderung der Lebenserwartung gelegt. Aufgrund der bestehenden Unsicherheit \u00fcber diesen Zusammenhang sind in beiden Gesundheitsbereichen drei Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen bez\u00fcglich der Entwicklung des Gesundheitszustands aufgestellt worden. So wird im Referenzszenario angenommen, dass die Bev\u00f6lkerung nach 2005 eine Zeitspanne, welche der H\u00e4lfte der gestiegenen Lebenserwartung entspricht, in einem besseren Gesundheitszustand als die Bev\u00f6lkerung im Basisjahr 2005 erleben wird. Im Pure-Ageing-Szenario \u00e4ndert sich der Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber dem Basisjahr nicht, w\u00e4hrend im Healthy-Ageing-Szenario die Zeitspanne bei besserer Gesundheit der gesamten gestiegenen Lebenserwartung entspricht. \u00a0In allen Szenarien der Langzeitpflege wird davon ausgegangen, dass in diesem Bereich kein Produktivit\u00e4tsfortschritt herrscht und damit der Baumol-Effekt, ein spezieller Preiseffekt, vollst\u00e4ndig wirksam ist (siehe Kasten 2 Dieser angebotsseitige Effekt besagt, dass die Preise in einigen arbeitsintensiven Branchen &#8211; wie dem Gesundheitswesen &#8211; st\u00e4rker als in anderen Branchen steigen (Baumol, 1967). Dies l\u00e4sst sich wie folgt erkl\u00e4ren: Eine relativ unelastische Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen erm\u00f6glicht eine \u00fcber den annahmegem\u00e4ss tiefen Produktivit\u00e4tsfortschritt im Gesundheitswesen hinausgehende Lohnsteigerung. Gew\u00f6hnlich wird davon ausgegangen, dass die Reall\u00f6hne im Gesundheitswesen mit dem h\u00f6her liegenden Produktivit\u00e4tsfortschritt der Gesamtwirtschaft wachsen. Die Preissteigerung im Gesundheitswesen \u00fcbersteigt dann die allgemeine Inflationsrate um die Differenz zwischen dem gesamtwirtschaftlichen Produktivit\u00e4tsfortschritt und dem Produktivit\u00e4tsfortschritt im Gesundheitswesen. Ein vollst\u00e4ndiger Baumol-Effekt liegt vor, wenn es keinen Produktivit\u00e4tsfortschritt im Gesundheitswesen gibt.). Im Bereich Gesundheit ohne die Langzeitpflege wird nur in einem gesonderten Szenario &#8211; dem Baumol-Szenario &#8211; unterstellt, dass der Produktivit\u00e4tsfortschritt ein Viertel geringer als in der Gesamtwirtschaft ist. F\u00fcr die anderen Szenarien wird &#8211; wie in den Studien der OECD Vgl. Martins (2006). und der EU-Kommission Vgl. Europ\u00e4ische Kommission (2006). &#8211; kein Baumol-Effekt f\u00fcr die Gesundheit ohne die Langzeitpflege angenommen.\u00a0Im Bereich der Gesundheit ohne Langzeitpflege wird &#8211; mit Ausnahme des Baumol-Szenarios &#8211; unterstellt, dass die Ausgaben \u00fcberproportional zum gesamtwirtschaftlichen Einkommen &#8211; d.h. dem BIP &#8211; steigen. Zudem gehen einige Gesundheits\u00f6konomen davon aus, dass die N\u00e4he zum Tod einen wichtigeren Einfluss auf die Ausgaben im Bereich der Gesundheit ohne die Langzeitpflege als die Alterung hat. Vgl. Zweifel et al. (1999). Dies wird im Death-Related-Costs-Szenario ber\u00fccksichtigt, das zwischen den Ausgaben f\u00fcr die Menschen eines Jahrgangs, welche innerhalb eines Jahres sterben, und f\u00fcr diejenigen, welche das Jahr \u00fcberleben, unterscheidet. Schliesslich werden die Auswirkungen der zu beobachtenden Verlagerung der Altenpflege aus der Familie in die Spitex und die Pflegeheime im Szenario \u00abTrend zu formeller Pflege\u00bb illustriert.&#13;<\/p>\n<h2>Gesamte Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege bestehen zu drei Vierteln aus Ausgaben f\u00fcr Spit\u00e4ler, ambulante Behandlung und Arzneimittel; sie betrugen im Jahr 2005 9,1% des BIP. Die Projektionen zeigen, dass bei Ber\u00fccksichtigung des Baumol-Effekts die Ausgabenzunahme mit 2,8 Prozentpunkten des BIP bis zum Jahr 2050 am st\u00e4rksten ausf\u00e4llt (siehe Tabelle 1). Demgegen\u00fcber steigen die Ausgaben im Referenzszenario nur um 1,9 Prozentpunkte. Einen \u00e4hnlich grossen Einfluss wie der Baumol-Effekt hat eine Ver\u00e4nderung des Gesundheitszustands der Bev\u00f6lkerung auf die Ausgabenentwicklung. Im Pure-Ageing-Szenario nehmen die Ausgaben um 2,3 Prozentpunkte zu, w\u00e4hrend im Healthy-Ageing-Szenario der Ausgabenanstieg mit 1,4 Prozentpunkten deutlich geringer ausf\u00e4llt. Die Zunahme um 1,4 Prozentpunkte ist dann zu rund zwei Dritteln auf den Einkommenseffekt und zu einem Drittel auf die Alterung der Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Im Death-Related-Cost-Szenario steigen die Ausgaben um 1,8 Prozentpunkte, also um 0,1 Prozentpunkte weniger als im Referenzszenario. Entgegen der Annahme einiger Gesundheits\u00f6konomen fallen somit die Todesfallkosten nicht ins Gewicht. Dies ist damit zu erkl\u00e4ren, dass sich die Ausgaben f\u00fcr Todesf\u00e4lle und \u00dcberlebende in Jahrg\u00e4ngen mit hohen Todesfallzahlen &#8211; also in hohem Alter &#8211; nur wenig von einander unterscheiden. F\u00fcr weitergehende Ausf\u00fchrungen vgl. Colombier und Weber (2008b).&#13;<\/p>\n<h3>Anteil der \u00f6ffentlichen Hand<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie staatlichen Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege setzen sich haupts\u00e4chlich aus kantonalen und kommunalen Subventionen an die Spit\u00e4ler (2005: 79%) und der von Bund und Kantonen an private Haushalte gezahlten individuellen Pr\u00e4mienverbilligung (IPV; 2005: 16%) zusammen. F\u00fcr den Staat spielt die Entwicklung des Gesundheitszustands der Bev\u00f6lkerung eine gr\u00f6ssere Rolle als f\u00fcr die gesamten Gesundheitsausgaben ohne Langzeitpflege. Dies ist damit zu erkl\u00e4ren, dass die Ausgaben der IPV von der Entwicklung der Ausgaben f\u00fcr die obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) abh\u00e4ngig sind. Die OKP entrichtet Beitr\u00e4ge an die Langzeitpflege, deren Ausgaben sich dynamischer entwickeln. So nehmen die Ausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden bis 2050 mit 1,8 Prozentpunkten des BIP am st\u00e4rksten im Baumol-Szenario und im Pure-Ageing-Szenario zu. Sowohl im Referenzszenario als auch im Death-Related-Cost-Szenario steigen die Ausgaben bis 2050 auf 5,7% des BIP an. Im Healthy-Ageingszenario legen die Ausgaben um 1,1 Prozentpunkte zu. Die IPV-Ausgaben steigen aufgrund der Pflegebeitr\u00e4ge der OKP mit 0,5 Prozentpunkten am st\u00e4rksten im Pure-Ageing-Szenario. Die Ergebnisse f\u00fcr die Spitalbeitr\u00e4ge sind ein Spiegelbild der gesamten Gesundheitsausgaben. \u00a0Von der Ausgabenentwicklung in der Gesundheit ohne Langzeitpflege sind am st\u00e4rksten die kantonalen Haushalte betroffen, da sie rund zwei Drittel der \u00f6ffentlichen Spitalausgaben tragen und mit der Einf\u00fchrung des neuen Finanzausgleichs zwischen Bund und Kantonen zu Beginn des Jahres 2008 einen gr\u00f6sseren Anteil an der IPV \u00fcbernehmen. Die Belastung der kantonalen Haushalte steigt im Referenzszenario mit 1,1 Prozentpunkten des BIP von 2,8% im Basisjahr auf 3,9% im Jahr 2050. Hingegen bleibt die Belastung des Bundes bei 0,5% des BIP praktisch konstant. Die Ausgabenlast der Gemeinden nimmt von 1,0% auf 1,3% zu.&#13;<\/p>\n<h2>Gesamtausgaben f\u00fcr die Langzeitpflege<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ausgaben f\u00fcr die Langzeitpflege, welche sich aus den Ausgaben f\u00fcr die Pflegeheime und die spitalexterne Pflege (Spitex) zusammensetzen, betrugen im Jahr 2005 1,5% des BIP. Die Ausgabenentwicklung ist aufgrund des st\u00e4rkeren Einflusses der Alterung und des Gesundheitszustands der Bev\u00f6lkerung dynamischer als die der Gesundheitsausgaben ohne die Langzeitpflege, so dass sp\u00fcrbare Zusatzlasten auf die Gesellschaft zukommen d\u00fcrften. Dementsprechend deutlich steigen die Ausgaben im Referenzszenario bis 2050 um 2,2 Prozentpunkte des BIP (siehe Tabelle 2). Ebenso ist der Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung bedeutsam. So nehmen die Ausgaben im Healthy-Ageing-Szenario um 1,7 Prozentpunkte zu, w\u00e4hrend im Pure-Ageing-Szenario der Zuwachs im gleichen Zeitraum mit 2,8 Prozentpunkten um immerhin 1,1 Prozentpunkte h\u00f6her ausf\u00e4llt. Die Zunahme von 1,7 Prozentpunkten im Healthy-Ageing-Szenario l\u00e4sst sich ungef\u00e4hr zu zwei Dritteln mit der Alterung und zu einem Drittel mit dem Baumol-Effekt erkl\u00e4ren. Im Szenario \u00abTrend zu formeller Pflege\u00bb nehmen die Ausgaben um 2,5 Prozentpunkte zu. Eine j\u00fcngere Studie des Gesundheitsobservatoriums, die den Ausgabenanstieg f\u00fcr die Langzeitpflege bis 2030 sch\u00e4tzt, kommt zu vergleichbaren Ergebnissen. Vgl. Weaver et al. (2008).&#13;<\/p>\n<h3>Anteil der \u00f6ffentlichen Hand<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie \u00f6ffentliche Hand tr\u00e4gt ein gutes Drittel der Ausgaben f\u00fcr die Langzeitpflege. Dabei setzten sich die Ausgaben der \u00f6ffentlichen Hand im Jahr 2005 wie folgt zusammen: 44% der von Kantonen und Gemeinden finanzierten Beitr\u00e4ge an die Pflegeheime (23%) und an die Spitex (21%), 43% der von den Kantonen getragenen Erg\u00e4nzungsleistungen der AHV (inkl. Sozialhilfe) und 13% Hilflosenentsch\u00e4digung der AHV. Der Finanzierungsbedarf der \u00f6ffentlichen Hand an der Langzeitpflege betrug im Jahr 2005 0,5% des BIP. Aufgrund der No-Policy-Change-Annahme ist die Dynamik bei den \u00f6ffentlichen Ausgaben dieselbe wie bei den Gesamtausgaben der Langzeitpflege. Die \u00f6ffentlichen Ausgaben steigen im Referenzszenario bis 2050 mit 0,8 Prozentpunkten des BIP deutlich an. Im Pure-Ageing-Szenario verdreifachen sich die Ausgaben auf 1,5%, w\u00e4hrend sie im Healthy-Ageing-Szenario auf 1,1% zunehmen. Im Szenario \u00abTrend zu formeller Pflege\u00bb erreichen die Ausgaben im Jahr 2050 1,4% des BIP.&#13;<\/p>\n<h2>Internationaler Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer internationale Vergleich mit den Projektionen der EU-Kommission zeigt, dass die \u00f6ffentliche Hand in der Schweiz im Gesundheitswesen \u00e4hnlich durch den demografischen Wandel betroffen sein wird wie die europ\u00e4ischen Nachbarn. So liegt die projizierte Zunahme der Staatsausgaben f\u00fcr die Gesundheit ohne Langzeitpflege von 1,4 Prozentpunkten des BIP (im Referenzszenario) etwas unterhalb des Durchschnitts der L\u00e4nder der Eurozone, f\u00fcr die eine Zunahme von 1,7 Prozentpunkten (EU-Basisszenario) projiziert wird. Dahingegen ist der Ausgabenzuwachs bei der Langzeitpflege mit 0,8 Prozentpunkten etwas oberhalb des Durchschnitts der Eurozone, f\u00fcr welche ein Plus von 0,6 Prozentpunkten gesch\u00e4tzt wird.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorliegenden Projektionen zeigen, dass die demografische Alterung den erwartet hohen Einfluss auf die Entwicklung der Gesundheitsausgaben hat. Allerdings ist die Bedeutung in den beiden untersuchten Bereichen des Gesundheitswesens unterschiedlich. So ist sie insbesondere bei der Langzeitpflege f\u00fcr die \u00dcber-65-J\u00e4hrigen von erheblichem Gewicht. Als Pr\u00e4mien- und Direktzahler sind die privaten Haushalte davon stark betroffen, weil sie heute ungef\u00e4hr zwei Drittel der Ausgaben f\u00fcr die Langzeitpflege finanzieren. Inwieweit sich die genannten Belastungen durch die j\u00fcngst beschlossene Neuordnung der Pflegefinanzierung substanziell abfedern lassen, bleibt abzuwarten. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Zusatzbelastung der privaten Haushalte, der damit verbundenen intergenerationalen Lastenverschiebung und einer gr\u00f6sseren Transparenz in der Pflegefinanzierung erscheint ein fr\u00fcherer Vorschlag der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich, welcher die Aufspaltung der OKP in eine Grundversicherung f\u00fcr den Krankheitsfall und eine obligatorische Pflegeversicherung vorsieht, weiterhin pr\u00fcfenswert. Vgl. Abrahamsen und Schips (2002). \u00a0Der bedeutendste Kostentreiber im Gesundheitswesen ohne Langzeitpflege ist der Einkommenseffekt. Nach neueren Erkenntnissen der Gesundheits\u00f6konomik sind insbesondere angebotsseitige Kostentreiber von Relevanz. Vgl. Hsiao und Heller (2007). Folglich d\u00fcrfte sich durch Effizienzverbesserungen auf der Leistungsseite &#8211; wie die Einf\u00fchrung von Managed-Care-Modellen &#8211; eine erhebliche D\u00e4mpfung der projizierten Ausgabenentwicklung erreichen lassen. \u00a0Angesichts der Ausgabenrelevanz der Morbidit\u00e4t k\u00f6nnen ebenfalls Massnahmen zur Pr\u00e4vention und Gesundheitsf\u00f6rderung kostend\u00e4mpfend wirken. Wegen der demografischen Entwicklung wird der Bedarf an Gesundheits- und Pflegepersonal deutlich ansteigen. Aufgrund der vergleichsweise langen Ausbildungszeiten ist eine langfristige Planung der Personalressourcen im Gesundheitswesen empfehlenswert, um Knappheiten an Arbeitskr\u00e4ften m\u00f6glichst gering zu halten und damit den Kostendruck, der von den L\u00f6hnen und dem damit verbundenen Baumol-Effekt ausgeht, abzuschw\u00e4chen. \u00a0Insgesamt l\u00e4sst sich festhalten, dass die Ausgabenentwicklung im Gesundheitswesen zwar wesentlich, aber nicht zum \u00fcberwiegenden Teil durch die Alterung der Bev\u00f6lkerung getrieben wird. Dies bedeutet, dass durch geeignete politische Massnahmen ein nicht unbedeutender Anteil des projizierten Ausgabenanstiegs vermieden werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abAusgabenentwicklung im Gesundheitswesen ohne Langzeitpflege (in&nbsp;% und Prozentpunkten des BIP)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2 \u00abAusgabenentwicklung in der Langzeitpflege der \u00dcber-65-J\u00e4hrigen (in&nbsp;% und Prozentpunkten des BIP)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Entwicklungsszenarien Entwicklungsszenarien sind erstmals im Januar 2008 im Rahmen der Legislaturfinanzplanung 2009 bis 2011 vom Bundesrat f\u00fcr das Gesundheitswesen ver\u00f6ffentlicht worden. Die Entwicklungsszenarien basieren auf dem im April 2006 in Kraft getretenen Artikel 8 der Finanzhaushaltsverordnung. Danach soll der Bundesrat periodisch, aber mindestens alle vier Jahre, f\u00fcr ein Aufgabengebiet des Staates Entwicklungen mit ihren finanziellen Folgen und m\u00f6gliche Steuerungs- und Korrekturmassnahmen aufzeigen, die \u00fcber den Horizont der Finanzplanung hinausgehen. Internet: <a href=\"http:\/\/www.efv.admin.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.efv.admin.ch<\/a>, Rubriken \u00abThemen\u00bb, \u00abBundesfinanzen\u00bb, \u00abFinanzplan\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Baumol- und Einkommenseffekt <strong>Baumol-Effekt<\/strong>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieser angebotsseitige Effekt besagt, dass die Preise in einigen arbeitsintensiven Branchen \u2013 wie dem Gesundheitswesen \u2013 st\u00e4rker als in anderen Branchen steigen (Baumol, 1967). Dies l\u00e4sst sich wie folgt erkl\u00e4ren: Eine relativ unelastische Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen erm\u00f6glicht eine \u00fcber den annahmegem\u00e4ss tiefen Produktivit\u00e4tsfortschritt im Gesundheitswesen hinausgehende Lohnsteigerung. Gew\u00f6hnlich wird davon ausgegangen, dass die Reall\u00f6hne im Gesundheitswesen mit dem h\u00f6her liegenden Produktivit\u00e4tsfortschritt der Gesamtwirtschaft wachsen. Die Preissteigerung im Gesundheitswesen \u00fcbersteigt dann die allgemeine Inflationsrate um die Differenz zwischen dem gesamtwirtschaftlichen Produktivit\u00e4tsfortschritt und dem Produktivit\u00e4tsfortschritt im Gesundheitswesen. Ein vollst\u00e4ndiger Baumol-Effekt liegt vor, wenn es keinen Produktivit\u00e4tsfortschritt im Gesundheitswesen gibt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<strong>Einkommenseffekt<\/strong>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEmpirisch l\u00e4sst sich ein positiver \u00fcber-proportionaler Zusammenhang zwischen der gesamtwirtschaftlichen Einkommensentwicklung und den Gesundheitsausgaben beobachten. Allerdings ist es anhand der Daten schwierig, zwischen der vom Einkommen abh\u00e4ngigen Nachfrage und Angebotseffekten, welche sich im Einkommen niederschlagen, zu unterscheiden. Daher wird davon ausgegangen, dass durch den Einkommenseffekt eine Vielzahl von angebots- und nachfrageseitigen Kostentreibern erfasst werden kann. Dazu geh\u00f6ren etwa der medizinisch-technische Fortschritt, die zunehmenden Anspr\u00fcche der Bev\u00f6lkerung an das Gesundheitswesen oder die durch Anbieter im Gesundheitswesen aufgrund von Informationsasymmetrien \u2013 etwa zwischen Arzt und Patient \u2013 zus\u00e4tzlich generierte Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur &#8211; Abrahamsen, Y. und B. Schips (2002), Quantitative Analyse des Systems der Krankenpflegeversicherung, Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich.- Baumol, W.J. (1967), The Macroeconomics of Unbalanced Growth: The Anatomy of Urban Crisis, American Economic Review, 57, S. 415-26.- BR, Schweizerischer Bundesrat (2008), Entwicklungsszenarien f\u00fcr das Gesundheitswesen, in: Legislaturfinanzplan 2009-11, Abschnitt 5 und Anhang 7, <a href=\"http:\/\/www.efv.admin.ch\">www.efv.admin.ch<\/a> , Rubriken \u00abThemen\u00bb, \u00abBundesfinanzen\u00bb, \u00abFinanzplan\u00bb.- Bundesgesetz \u00fcber die Neuordnung der Pflegefinanzierung vom 13.Juni 2008, Bundesblatt Nr. 25, 24.Juni 2008, 5247-5250, <a href=\"http:\/\/www.admin.ch\">www.admin.ch<\/a> , Rubriken \u00abDokumentation\u00bb, \u00abGesetzgebung\u00bb, \u00abBundesblatt\u00bb.- Colombier, C. und W. Weber (2008a), Ausgabenprojektionen f\u00fcr das Gesundheitswesen bis 2050, Working Paper des \u00d6konomenteams EFV Nr. 10, <a href=\"http:\/\/www.efv.admin.ch\">www.efv.admin.ch<\/a> , Rubriken \u00abThemen\u00bb, \u00abWirtschaft und W\u00e4hrung\u00bb, \u00abWissenschaftliche Grundlagen &#8211; \u00d6konomenteam\u00bb, \u00abArbeitspapiere\u00bb.- Colombier, C. und W. Weber (2008b), Projecting Health Care Expenditure for Switzerland: Further Evidence Against the \u00abRed-Herring\u00bb-Hypothesis, pr\u00e4sentiert an der 64. Tagung des International Institute of Public Finance im August 2008, www.fdewb.unimaas.nl\/iipf\/Programme.htm.- Europ\u00e4ische Kommission (2006), The Impact of Ageing on Public Expenditure: Projections for the EU 25 Member States on Pensions, Health Care, Long-term Care, Education and Unemployment Transfers 2004-2050, European Economy Special Report Nr. 1\/2006.- Hsiao, W. und P.S. 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Werblow (1999), Ageing of Population and Health Care Expenditure: A Red-Herring?, Health Economics, 8, S. 485-96.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Herausforderungen f\u00fcr die Gesundheitspolitik &#13; Gem\u00e4ss dem mittleren Demografieszenario des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (A-00-2005) wird sich die Zahl der \u00dcber-80-J\u00e4hrigen bis 2050 gegen\u00fcber 1991 praktisch vervierfachen und diejenige der 65- bis 80-J\u00e4hrigen fast verdoppeln. Dies d\u00fcrfte einen erheblichen Druck auf die Gesundheitsausgaben aus\u00fcben. 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