{"id":123001,"date":"2008-09-01T12:00:00","date_gmt":"2008-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/09\/bretschger-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:20","slug":"bretschger-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/09\/bretschger-5\/","title":{"rendered":"Ressourcenknappheit, Innovation und nachhaltige Entwicklung"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200809_11_Bretschger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"267\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Ressourcenpreise und Rezessionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer j\u00fcngste Anstieg der \u00d6lpreise hat allgemein zu Besorgnis \u00fcber die langfristigen Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft gef\u00fchrt. Denn die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten scheinen zu zeigen, dass Verknappungen beim Ressourcenangebot und hohe Energiepreise negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Dynamik haben. So folgten nach den \u00d6lpreisspr\u00fcngen von 1973\/74, 1978\/80 und 1989\/90 &#8211; mit leichter Verz\u00f6gerung &#8211; weltweite Rezessionen. Entsprechend haben die Finanzminister der G8-Staaten die hohen \u00d6lpreise wiederholt als Bedrohung f\u00fcr die Entwicklung der Weltwirtschaft bezeichnet und die \u00d6lproduzenten aufgefordert, ihre F\u00f6rderquoten zu erh\u00f6hen. \u00a0In den Siebzigerjahren trafen die Erd\u00f6lpreisspr\u00fcnge eine Gesellschaft, die sich nach den Kriegsjahren auf ein gleichm\u00e4ssiges Wachstum der Wirtschaft eingestellt hatte. Allerdings wurden die Volkswirtschaften durch die rasant steigenden \u00d6lpreise rasch aus dem Tritt geworfen. Vergleicht man diese Entwicklung mit den ersten Jahren des dritten Millenniums, wird klar, dass es deutliche Unterschiede zwischen den zwei Phasen gibt. \u00a0Insgesamt hat die Weltwirtschaft den massiven Anstieg der Rohstoffpreise zwischen 2003 und 2008 sehr gut verkraften k\u00f6nnen. Als Gr\u00fcnde daf\u00fcr k\u00f6nnen vor allem folgende angef\u00fchrt werden: \u00a0&#8211; der Zeitraum des Preisanstiegs war dieses Mal l\u00e4nger; \u00a0&#8211; die Energieeffizienz der gesamten Wirtschaft hat sich deutlich erh\u00f6ht;\u00a0&#8211; die Wirtschaftsstruktur hat sich in Richtung Dienstleistungen entwickelt;\u00a0&#8211; die aussenwirtschaftlichen Beziehungen wurden in Richtung Osten diversifiziert;\u00a0&#8211; in den Siebzigerjahren gab es zus\u00e4tzliche Turbulenzen, wie z.B. auf den Devisen- und Exportm\u00e4rkten, welche die Entwicklung mitpr\u00e4gten.&#13;<\/p>\n<h2>Ressourcenverbrauch im internationalen Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Faktor Zeit spielt f\u00fcr den Ressourcenverbrauch eine grosse Rolle. Die Entwicklung neuer Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz braucht Zeit, ebenso der Ausbau von Marktstellungen und die Diversifikationsstrategien. Daher sollte die Ressourcenknappheit (bzw. die hohen Energiepreise) nicht allein in der kurzen Frist analysiert werden. Neben historischen Analysen eignet sich f\u00fcr den Vergleich langfristiger Wirkungen auch der internationale Querschnitt, d.h. der Vergleich von verschiedenen L\u00e4ndern. Die Ressourcenpreise sind im L\u00e4ndervergleich stark von der l\u00e4nderspezifischen Besteuerung dominiert. Da die internationalen Unterschiede in den Steuers\u00e4tzen \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume ziemlich konstant geblieben sind, l\u00e4sst sich aus dem L\u00e4ndervergleich ablesen, wie sich Wirtschaften l\u00e4ngerfristig an hohe bzw. tiefe Energiepreise anpassen.\u00a0Bei einer genaueren Analyse des Querschnitts stellt sich heraus, dass verschiedene L\u00e4nder mit hohen Energiepreisen &#8211; wie z.B. Japan &#8211; wirtschaftlich recht erfolgreich waren, w\u00e4hrend viele Energie-Tiefpreisl\u00e4nder &#8211; vor allem weniger entwickelte Erd\u00f6ll\u00e4nder wie Nigeria oder Venezuela &#8211; anhaltend niedrige Wachstumsraten aufweisen. Grafik 1 zeigt den Zusammenhang zwischen dem Energieverbrauch pro Kopf und dem Wachstum im Durchschnitt des Zeitraums 2000-2004 f\u00fcr 37 wirtschaftlich f\u00fchrende Staaten. Die Gegen\u00fcberstellung ergibt eine Streuung der Beobachtungen, wobei die einfache Korrelation (der durchschnittliche Zusammenhang) zwischen Energieverbrauch und Wachstum leicht negativ ist. Allerdings ist zu beachten, dass wirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge immer mehrdimensional sind, was in diesem Fall bedeutet, dass es andere (und wichtigere) Erkl\u00e4rungen f\u00fcr Wachstumsunterschiede zwischen den L\u00e4ndern gibt als die Energie. Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr den gefundenen negativen Zusammenhang liegt z.B. darin, dass einige Volkswirtschaften mit hohem Aufholpotenzial und daher hohem Wachstum &#8211; wie Indien und China &#8211; weniger Energie pro Kopf verbrauchten als reichere L\u00e4nder. Immerhin zeigt die Grafik, dass die einfache Gleichung \u00abweniger Energie = weniger Wachstum\u00bb nicht stimmen kann.&#13;<\/p>\n<h2>Wachstumsszenarien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWachstum wird grunds\u00e4tzlich durch die Anh\u00e4ufung (Akkumulation) von Kapital bestimmt, das sich aus physischem Kapital (Maschinen, Ausr\u00fcstung, Bauten) sowie Wissens- und Humankapital zusammensetzt. Vgl. Bretschger (1999). Die Zunahme an verf\u00fcgbarem Kapital hat in den letzten zwei Jahrhunderten in vielen L\u00e4ndern zu einer bis dahin nie beobachteten Zunahme des Wohlstands gef\u00fchrt. Aus den Daten sollte damit ein positiver Einfluss der Investitionen auf das Wachstum ersichtlich sein. Dasselbe gilt entsprechend f\u00fcr die Innovationst\u00e4tigkeit, welche das Wachstum ebenso f\u00f6rdert. Hingegen gilt das Erreichen von hohen Wachstumsraten normalerweise als umso schwieriger, je h\u00f6her das Einkommensniveau eines Landes liegt. \u00a0Grafik 2 zeigt den Einfluss der Investitionsquoten auf die Wachstumsraten in denselben 37 L\u00e4ndern, wenn die zus\u00e4tzlichen Einflussfaktoren Forschungsausgaben und Einkommensniveau konstant gehalten werden. Diese mehrdimensionale Analyse wird mit Hilfe eines geeigneten statistischen Verfahrens durchgef\u00fchrt, der so genannten multiplen Regressionsanalyse. Aus der Grafik wird ersichtlich, dass der Einfluss der Investitionen auf das Wachstum unter diesen Annahmen klar positiv ist. Allerdings ist diese Aussage wieder ein internationaler Durchschnitt; d.h. f\u00fcr einzelne L\u00e4nder kann der Effekt schw\u00e4cher oder st\u00e4rker sein.\u00a0Wie h\u00e4ngt aber die Akkumulation des Kapitals und der verschiedenen Kapitalarten vom Ressourcenverbrauch ab? Wird es in der Zukunft bei einem geringeren Ressourceneinsatz tiefere oder h\u00f6here Wachstumsraten geben? Grunds\u00e4tzlich sind zwei Szenarien denkbar: Das erste Szenario beruht auf der Annahme, dass teure Energie und Energiesparen zu einer gr\u00f6sseren Kapitalbildung f\u00fchren, womit sich eine zunehmende Entkoppelung der Einkommensentwicklung vom Ressourcenverbrauch ergibt. In diesem Fall kann Kapital &#8211; vor allem spezialisiertes Wissenskapital &#8211; nat\u00fcrliche Ressourcen wirkungsvoll ersetzen. Beispiele sind der Passivhausstandard mit minimaler Energiezufuhr oder Autos mit geringem Treibstoffverbrauch. Die Effekte k\u00f6nnen aber viel weiter gehen, wenn sich z.B. Siedlungsstrukturen, sektorale Strukturen oder Handelsstr\u00f6me an h\u00f6here Energiepreise anpassen. In den Siebzigerjahren wurden die grossen Potenziale zur Anpassung an h\u00f6here Energiepreise deutlich sichtbar, gerade auch in den USA. Die Bem\u00fchungen haben sich allerdings stark verflacht, als die Energiepreise wieder sanken und sich die Wirtschaftslage verbesserte. Wurde der auf intensiven Umweltverbrauch angelegte Lebensstil von gewissen politischen Gruppen unl\u00e4ngst noch als \u00abnicht verhandelbar\u00bb bezeichnet, hat sich die Mentalit\u00e4t nun wieder deutlich gewandelt &#8211; insbesondere in Kalifornien, das in der Umweltpolitik schon des \u00d6fteren eine Vorreiterrolle \u00fcbernommen hat. \u00a0Das zweite Szenario geht von einer weniger flexiblen Wirtschaft aus. Aus dieser Sicht wird prognostiziert, dass sich Kapital und Einkommen parallel zum Ressourcenverbrauch entwickeln und entsprechend zur\u00fcckgehen werden, wenn die nat\u00fcrlichen Ressourcen knapper werden. Der Grund liegt vor allem darin, dass h\u00f6here Ressourcenpreise zu gr\u00f6sseren Ausgaben f\u00fcr Ressourcen f\u00fchren, womit weniger Mittel f\u00fcr Investitionen zur Verf\u00fcgung stehen. Eine solche Vorstellung entspricht der seinerzeitigen Prognose des Club of Rome. Vgl. Meadows et al. (1972). Darin wurde gefolgert, dass jeder Tag mit weiterem Wachstum das Weltsystem n\u00e4her an seine fixen Grenzen treibt. Ohne eine M\u00e4ssigung der Wirtschaft, so wurde argumentiert, w\u00fcrden sich die Gefahren des Zusammenbruchs vergr\u00f6ssern. Damit wird eine begrenzte Substituierbarkeit des Naturkapitals durch akkumuliertes Kapital unterstellt, also eine negative Reaktion der Investitionen in Kapital, wenn sich der Ressourceneinsatz vermindert.&#13;<\/p>\n<h2>Induzierte Investitionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben dem physischen Kapital werden Human- und Wissenskapital f\u00fcr das Wachstum in modernen Wirtschaften immer wichtiger. Neues Wissen baut auf altem auf. Technisches Know-how wird mit organisatorischem und institutionellem Wissen verkn\u00fcpft, und zwar in jeder spezifischen Situation auf andere Art und Weise. Im Gegensatz zu den Rohstoffen gehen beim Wissen die Vorr\u00e4te nicht aus. Der Wissensaustausch funktioniert anders als der G\u00fctertausch, denn viele k\u00f6nnen dasselbe Wissen gleichzeitig produktiv einsetzen. Es gibt derzeit keine begr\u00fcndete Vermutung einer globalen Begrenzung der weiteren Wissensvermehrung. \u00a0In der Ressourcendiskussion sind bei der Wissensbildung die so genannten induzierten Investitionen speziell zu beachten. Schon in den Dreissigerjahren entwickelte Sir John Hicks die Theorie des induzierten technologischen Wandels. Vgl. Hicks (1932). Er postulierte, dass eine \u00c4nderung der relativen Preise der Produktionsfaktoren Anreize vermittelt, zus\u00e4tzliche Innovationsanstrengungen bei dem Produktionsfaktor zu unternehmen, der relativ teurer geworden ist. Im aktuellen Kontext w\u00fcrde dies bedeuten, dass steigende Energiepreise \u00fcber ausgel\u00f6ste Innovationen zu einer zus\u00e4tzlichen Erh\u00f6hung der Energieeffizienz f\u00fchren.\u00a0Grafik 3 zeigt schematisch, wie der Output in einer Volkswirtschaft von den Inputs Energie, Arbeit und Kapital (in drei Auspr\u00e4gungen) abh\u00e4ngt. Im Vergleich zwischen zwei Zeitpunkten (heute und morgen) ist ein sinkender Energieverbrauch dargestellt. Sorgt der abnehmende Einsatz der Energie f\u00fcr induzierte Investitionen, ergibt sich ein Zuwachs an Kapital, der &#8211; je nach Marktanreizen &#8211; \u00fcber die verschiedenen Kapitalarten verteilt ist. Als Resultat wird \u00abmorgen\u00bb im Vergleich zu \u00abheute\u00bb kapitalintensiver und energieextensiver produziert. Das erm\u00f6glicht einen konstanten oder sogar steigenden Output, garantiert ihn aber nicht. Die St\u00e4rke der verschiedenen Effekte muss \u00fcber geeignete empirische Verfahren ermittelt werden.\u00a0Was zeigt der Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Investitionst\u00e4tigkeit im internationalen Vergleich? Ohne die Ber\u00fccksichtigung von weiteren Determinanten der Investitionsquoten ist der Streubereich ziemlich gross, und es wird keine klare Korrelation ersichtlich. Wird aber ber\u00fccksichtigt, dass das Einkommensniveau, die Forschungsintensit\u00e4t und die Gr\u00f6sse einer Wirtschaft ebenfalls einen Einfluss auf die Investitionen haben, wird der Zusammenhang leicht negativ, wie in Grafik 4 dargestellt. Mit anderen Worten: Wenn andere Effekte konstant gehalten werden, wird etwas mehr investiert, sobald die Energie knapper wird. F\u00fcr detaillierte statistische Ergebnisse zu diesem Zusammenhang vgl. Bretschger (2006). \u00a0F\u00fcr das Human- und Wissenskapital k\u00f6nnen \u00e4hnliche statistische Aussagen gefunden werden. Werden demnach zus\u00e4tzliche Effekte konstant gehalten, sind die Korrelationen von allen Arten der Kapitalinvestitionen mit dem Energieverbrauch leicht negativ. Zur Absch\u00e4tzung des induzierten technischen Fortschritts sind auch Beispiele aus der Praxis hilfreich. Die Internationale Energieagentur (IEA) betont beispielsweise, dass ein erhebliches Potenzial f\u00fcr die Verbesserung der Energieeffizienz existiert, insbesondere in den energieintensiven Sektoren. Vgl. IEA (2008). Die Auswirkungen der Energiepreise auf energie-nahe Innovationen lassen sich am Beispiel Ungarns zeigen, das als eines von wenigen L\u00e4ndern \u00fcber detaillierte Forschungsdaten verf\u00fcgt: Die Forschungsausgaben im Bereich der Energie stiegen in der Zeit der Energiepreis-Hausse von 2001 bis 2005 um rund 300% &#8211; also weit mehr als die allgemeinen Forschungsaufwendungen. Damit kann die Hypothese der induzierten Investitionen von Hicks gest\u00fctzt werden; allerdings sind die Effekte im internationalen Durchschnitt nicht sehr stark. Dieser Befund k\u00f6nnte damit zusammenh\u00e4ngen, dass seit den Siebzigerjahren die Energieproblematik etwas in den Hintergrund geriet und erst seit 2003\/04 wieder an Intensit\u00e4t gewonnen hat. Es ist daher notwendig, die weitere Entwicklung zu verfolgen.&#13;<\/p>\n<h2>Was leistet der Markt?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJeden Tag werden in einer modernen Wirtschaft milliardenfache Zuteilungsprozesse \u00fcber den Preismechanismus gesteuert. Das Gesetz der Nachfrage, wonach bei h\u00f6heren Preisen weniger von einem Gut gekauft wird als bei niedrigeren Preisen, ist empirisch gut gest\u00fctzt, gerade auch beim Ressourcenverbrauch. Jedoch wird die Effizienz der M\u00e4rkte oft bezweifelt. Da Energie im t\u00e4glichen Leben ein sehr sp\u00fcrbarer Input ist, versteht sich der Wunsch, dass sie in gen\u00fcgendem Ausmass jederzeit und sicher zur Verf\u00fcgung steht. Die auf den M\u00e4rkten \u00fcbliche Regulierung von Angebot und Nachfrage durch die Preise und die fortgeschrittene Internationalisierung erscheinen einigen nicht als ausreichend. Es hat sich aber gezeigt, dass die Nachfrage auch bei der Energie systematisch auf die Preise reagiert, genau wie es die Theorie voraussagt. Ebenso ist der Energiehandel &#8211; insbesondere in der Schweiz &#8211; zu einem bl\u00fchenden Wirtschaftszweig herangewachsen. Die t\u00e4glich beobachteten Preisschwankungen und Arbitragegesch\u00e4fte lassen auf ein sehr gut funktionierendes Marktsystem schliessen. \u00a0In der Energiedebatte haben sich in letzter Zeit einige Mythen bez\u00fcglich des Marktverhaltens gebildet, die einer genaueren Betrachtung nicht standhalten. So kann gezeigt werden, dass sich Individuen im Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen genau so verhalten wie in anderen Bereichen und nicht etwa besonders inkonsequent sind. Es ist zu ber\u00fccksichtigen, dass energieintensive Produkte (z.B. grosse Autos) wie alle anderen G\u00fcter immer auch Eigenschaften aufweisen k\u00f6nnen, die besonders hoch in der Konsumentengunst liegen. Es ist auch nicht generell plausibel, dass eine Verminderung der inl\u00e4ndischen Energieproduktion zu Versorgungsl\u00fccken und einer geringeren Versorgungssicherheit f\u00fchrt. Die induzierten Investitionen fallen im Inland an. Zudem ist die Wirtschaft in vielen Bereichen \u00e4usserst stark internationalisiert und wird dennoch ohne L\u00fccken und sicher versorgt. Zentral f\u00fcr die Versorgung sind vor allem Diversifikation und Flexibilit\u00e4t.\u00a0Allerdings k\u00f6nnen M\u00e4rkte nicht reibungsfrei funktionieren, wenn Externalit\u00e4ten vorliegen, d.h. wenn Unbeteiligte durch T\u00e4tigkeiten gesch\u00e4digt oder bevorzugt werden, ohne dass eine Abgeltung \u00fcber den Markt stattfindet. Externalit\u00e4ten sind ein klassisches Beispiel von Marktversagen. Mit einigem Recht wurde festgestellt, dass das Klimaproblem weltweit das bisher bedeutendste Beispiel von Marktversagen darstellt. Nur durch eine Internalisierung der externen Effekte kann das Versagen der M\u00e4rkte beseitigt werden. Im Falle des Klimas m\u00fcssen staatliche und sogar \u00fcberstaatliche Stellen und Kooperationen diese schwierige Leistung erbringen.&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltige Entwicklung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZentral in der Debatte \u00fcber die Nachhaltigkeit ist die Forderung, dass die Lebensbedingungen k\u00fcnftiger Generationen mindestens dem heutigen Niveau entsprechen sollten. Vgl. Pittel (2002). Damit wird eine Fairness-Bedingung f\u00fcr den Generationenvergleich formuliert. Die Lebensbedingungen bestehen dabei aus verschiedenen Komponenten, vor allem aber aus dem materiellen Wohlstand und dem Zustand der nat\u00fcrlichen Umwelt. Steigende Ressourcenpreise helfen, das Naturkapital zu schonen und eine Anpassung an eine ressourcenarme Produktion zu erm\u00f6glichen. H\u00f6here Ressourcenpreise f\u00fchren zu steigenden Forschungsanstrengungen und zur Erh\u00f6hung des Potenzials, Wissen von reichen in arme L\u00e4nder zu transferieren. Dadurch k\u00f6nnen Entwicklungsimpulse ausgel\u00f6st werden, was verteilungspolitisch erw\u00fcnscht ist. Jedoch werden hohe Energiepreise oft als ungerecht dargestellt, da sie die Armen der heute lebenden Bev\u00f6lkerung scheinbar mehr belasten. Der empirische Befund ist allerdings ein anderer: Im internationalen Vergleich ist in L\u00e4ndern mit niedrigen Energie- und Rohstoffpreisen die Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen keineswegs gleichm\u00e4ssiger als in den anderen Staaten. Es ist eher umgekehrt. \u00a0Durch die Reflektion der \u00f6kologischen Knappheiten in den Marktpreisen und dadurch induzierte Innovationen kann eine \u00dcberwindung der Abh\u00e4ngigkeit des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch gelingen. Die Grenzen der Leistungserstellung der Wirtschaft werden durch die Verf\u00fcgbarkeit der Inputs und vor allem von deren Produktivit\u00e4t bestimmt, die nur mit technischen Neuerungen wachsen kann. Fossile Energietr\u00e4ger m\u00fcssen nicht zwingend durch neue Energietr\u00e4ger wie beispielsweise Biobrennstoffe abgel\u00f6st werden: Der zunehmende Einsatz von (Wissens-)Kapital ist in vielen F\u00e4llen effizienter. Das Bev\u00f6lkerungswachstum ist dabei eine weit weniger grosse Bedrohung f\u00fcr die Nachhaltigkeit, als gemeinhin angenommen wird, weil das f\u00fcr die Nachhaltigkeit zentrale Wissen in sehr arbeitsintensiven Prozessen gewonnen wird. Die Arbeit wurde deshalb auch schon als \u00abultimative\u00bb Ressource bezeichnet.&#13;<\/p>\n<h2>Ressourcenknappheit als m\u00f6gliche Triebfeder<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der langen Frist werden wir in jedem Fall mit weniger Ressourcen auskommen m\u00fcssen als bisher, da die fossilen Energietr\u00e4ger nach und nach wegfallen werden. Die Verringerung des Ressourcenverbrauchs muss dabei nicht eine Behinderung sein, sondern kann sich als wesentliche Triebkraft der langfristigen Entwicklung erweisen, wenn sie die Kapitalakkumulation geeignet in Gang bringt und in Schwung h\u00e4lt. Eine gen\u00fcgende Menge induzierter Investitionen ist f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung zentral. Eine sehr vorsichtige Auswertung der bisher vorliegenden empirischen Ergebnisse ergibt, dass negative Auswirkungen von sinkenden Energiemengen auf die Bildung von Kapital in den Daten nicht ersichtlich sind. Dies gilt sowohl f\u00fcr das physische Kapital als auch f\u00fcr Human- und Wissenskapital. Damit sind die Aussichten f\u00fcr ein weiteres Wachstum unter \u00f6kologischen Vorzeichen als g\u00fcnstig zu interpretieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abVergleich von Energieverbauch pro Kopf und Wachstum in 37 L\u00e4ndern, 2000-2004\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abEinfluss der Investitionsquote auf das Wachstum in 37 L\u00e4ndern, 2000-2004\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abTheorie der induzierten Kapitalbildung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4 \u00abEinfluss des Energieverbrauchs pro Kopf auf die Investitionsquote in 37 L\u00e4ndern, 2000-2004\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur &#8211; Bretschger, Lucas (1999): Growth Theory and Sustainable Development, Cheltenham, UK and Northampton, MA, US: Edward Elgar.- Bretschger, Lucas (2006): Energy Prices, Growth, and the Channels in Between: Theory and Evidence, Economics Working Paper Series 06\/47, ETH Zurich. &#8211; Heston, Alan, Robert Summers and Bettina Aten (2006): Penn World Table Version 6.2, Center for International Comparisons of Production, Income and Prices at the University of Pennsylvania.- Hicks, John (1932): The Theory of Wages, Macmillan, London.- IEA (2008): Energy Technology Perspectives: Scenarios &amp; Strategies to 2050, <a href=\"http:\/\/www.iea.org\">www.iea.org<\/a> .- Meadows, Donella, Dennis L. Meadows, J\u00f8rgen Randers, and William W. Behrens III (1972): Die Grenzen des Wachstums &#8211; Berichte des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags-Anstalt, M\u00fcnchen.- OECD: Gross Domestic Expenditure on Research and Development, http:\/\/puck.sourceoecd.org.- Pittel, Karen (2002): Sustainability and Endogenous Growth, Cheltenham, UK and Northampton, MA, US: Edward Elgar.- World Bank: World Development Indicators, http:\/\/web.worldbank.org.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Ressourcenpreise und Rezessionen &#13; Der j\u00fcngste Anstieg der \u00d6lpreise hat allgemein zu Besorgnis \u00fcber die langfristigen Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft gef\u00fchrt. Denn die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten scheinen zu zeigen, dass Verknappungen beim Ressourcenangebot und hohe Energiepreise negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Dynamik haben. 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