{"id":123016,"date":"2008-09-01T12:00:00","date_gmt":"2008-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/09\/defilla-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:25","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:25","slug":"defilla-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/09\/defilla-3\/","title":{"rendered":"Knappheit an Energie und Preisentwicklung"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200809_06_Defilla_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Untersuchung des Bundesamtes f\u00fcr Energie (BFE) aus dem Jahre 2007 zu den Auswirkungen langfristig hoher \u00d6lpreise Vgl. Auswirkungen langfristig hoher \u00d6lpreise. Einfluss eines langfristigen hohen \u00d6lpreises auf Wirtschaftswachstum, Strukturwandel sowie Energieangebot und -nachfrage, Energiewirtschaftliche Grundlagen, BFE, M\u00e4rz 2007, <a href=\"http:\/\/www.bfe.admin.ch\">www.bfe.admin.ch<\/a> . kam zum Schluss, dass auf Grund verschiedener Substitutionsm\u00f6glichkeiten ein dauerhaftes Preisniveau von real \u00fcber 100 US-Dollar pro Fass (Preisniveau von 2001, entspricht heute nominal etwa 125 US-Dollar) nicht sehr wahrscheinlich ist. Allerdings sind kurzfristige Preisausschl\u00e4ge dar\u00fcber hinaus jederzeit m\u00f6glich.&#13;<\/p>\n<h2>Ursachen des Preisanstiegs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr den Laien ist es heute relativ einfach, sich \u00fcber den aktuellen Preisverlauf zu informieren. Vgl. z.B. http:\/\/de.wikipedia.org, Erd\u00f6l oder <a href=\"http:\/\/www.wtrg.com\/prices.html\">www.wtrg.com\/prices.html<\/a> . Schwieriger ist es jedoch, sich ein einigermassen klares Bild \u00fcber dessen Ursachen zu verschaffen. \u00a0 Zu den zu Unrecht erw\u00e4hnten Ursachen des Anstiegs geh\u00f6ren die Attentate auf das World Trade Center vom 11 . September 2001. Obwohl eine zeitliche Koinzidenz zum Anfang des Preisanstiegs besteht und eine Initialwirkung auf den Trend nicht ausgeschlossen ist, mag dieses Ereignis nicht erkl\u00e4ren, warum der Preis w\u00e4hrend der vergangenen Jahre fast dauernd in Richtung einer Erh\u00f6hung tendierte. \u00a0 Fest steht hingegen, dass sich seit mehreren Jahren grosse Schwellenl\u00e4nder wie China und Indien mit rasanten Wachstumsraten entwickeln und ihre Nachfrage nach Erd\u00f6l daher dauernd zunimmt. Im Fall China ist auch belegt, dass die Initialz\u00fcndung f\u00fcr den Trend hin zum Privatauto auf den Ausbruch der Sars-Epidemie Anfang 2002 zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, als sowohl \u00f6ffentliche Verkehrsmittel wie auch das Gemeinschaftstaxi und das Fahrrad auf Grund der akuten Infektionsgefahr verp\u00f6nt waren. Falsch w\u00e4re aber zu glauben, dass sich dieser Trend seit dem Ende der Epidemie verlangsamt hat. Das anhaltende Wirtschaftswachstum hat den Lebensstil mit eigenem Fahrzeug gef\u00f6rdert. Im Entwicklungsland China wird in den n\u00e4chsten Jahren der Gesamtverbrauch an fossilen Energien das Niveau der USA erreichen, auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch dabei noch f\u00fcnfmal geringer ist. Dies weist allerdings auch auf die potenziell noch bevorstehende Entwicklung hin.&#13;<\/p>\n<h2>Vergleich mit den Erd\u00f6lschocks in den Siebzigerjahren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm das Ph\u00e4nomen des Preisanstiegs besser verstehen zu k\u00f6nnen, mag ein Vergleich mit den beiden Erd\u00f6lschocks der Siebzigerjahre n\u00fctzlich sein. Damals ist der Erd\u00f6lpreis von 2 US-Dollar im Jahre 1971 innerhalb von zehn Jahren auf den H\u00f6chststand von 36 US-Dollar geklettert, was eine Multiplizierung um den Faktor 18 bedeutet. Die Proportionen sind diesmal \u00e4hnlich, wenn man vom historischen Tiefstand Ende 1998 von 12 US-Dollar ausgeht. Im Vergleich zum j\u00fcngst erreichten Maximum von 145 US-Dollar entspricht dies einer Multiplizierung um den Faktor 12 innerhalb von zehn Jahren. \u00a0 Ein wesentlicher Unterschied zu den Siebzigerjahren ist hingegen die Ursache des Anstiegs. Damals stand das politisch motivierte Erd\u00f6lembargo der Opec-L\u00e4nder gegen die OECD-Staaten im Vordergrund, mitunter eine k\u00fcnstliche Verknappung des Angebots im Rahmen des damaligen Handelskriegs und der iranischen Revolution. Heute kann betreffend Angebot h\u00f6chstens gesagt werden, dass dessen Ausweitung als Konsequenz des zunehmenden Nationalismus rund um die Ressourcenf\u00f6rderung (sogenannter \u00abRessourcennationalismus\u00bb, vgl. Im Artikel von A. Brunetti auf Seite 4ff in dieser Ausgabe wird gezeigt, warum ein kleiner Nachfrageanstieg im Falle unelastischer Angebots- und Nachfragekurven zu einem grossen Preisanstieg f\u00fchren kann. Dies zeigt sich darin, dass die Angebotskurve auf Grund der Verz\u00f6gerung steiler ansteigt. Die Angebotskurve wird durch die Grenzkosten bestimmt. Sie entsteht, wenn man die Produzenten entsprechend ihrer Produktionskosten pro Fass in eine Grafik \u00fcbertr\u00e4gt, den billigsten zuerst, den teuersten am Schluss. Man weiss, dass heute billigeres Erd\u00f6l zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde, jedoch nicht produziert werden kann, da keine entsprechenden F\u00f6rderanlagen installiert werden. Unter dem Zeichen des Ressourcennationalismus nimmt die Ausweitung der Kapazit\u00e4ten in den meisten F\u00f6rderl\u00e4ndern den Stellenwert eines politischen und nicht eines wirtschaftlichen Entscheids ein.&#13;<\/p>\n<h2>Wie dauerhaft ist der Preisanstieg?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie interessanteste Frage ist, wie dauerhaft der Preisanstieg oder zumindest das heutige Preisniveau wohl sein mag. Auch hier kann man zum Vergleich einen Blick zur\u00fcck in die Vergangenheit werfen: Im Jahr 1986 sank der Er\u00f6lpreis innerhalb weniger Monate auf ein Drittel seines vorherigen Niveaus. Gleichzeitig hat Saudi-Arabien eine neue Vertragsform, den sogenannten Net-Back-Vertrag, eingef\u00fchrt. Eine Blase war geplatzt, weil sich Saudi-Arabien fortan weigerte, die von der Opec beschlossene F\u00f6rderbeschr\u00e4nkung fortzuf\u00fchren. F\u00fcr die anderen, weniger bedeutenden Opec-Staaten war die F\u00f6rderbeschr\u00e4nkung schon vorher blosses Lippenbekenntnis gewesen. Sie hatten sich nicht mehr daran gehalten. Durch die alleinige Einhaltung der F\u00f6rderbeschr\u00e4nkung hatte Saudi-Arabien in den vorangehenden Monaten und Jahren bedeutende Verluste seines Marktanteils hinnehmen m\u00fcssen. Daher hat es seine Haltung 1986 ge\u00e4ndert. Gibt es Anzeichen f\u00fcr eine \u00e4hnliche Blase im Jahr 2008? \u00a0 Selbstverst\u00e4ndlich kann diese Frage erst im Nachhinein mit Sicherheit beantwortet werden. Die Existenz einer Blase ist heute aber viel weniger wahrscheinlich als in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Damals wurde die F\u00f6rderung auf Grund des Entscheids eines kleinen Gremiums von Erd\u00f6lministern zweimal k\u00fcnstlich gedrosselt, n\u00e4mlich zwischen 1973 und 1975 und noch st\u00e4rker zwischen 1979 und 1983 (siehe Grafik 2 ). Eine k\u00fcnstliche Drosselung bildet insofern leicht eine Blase, als sie durch einen entsprechenden Entscheid wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann. Ganz anders sieht es in j\u00fcngster Zeit aus: Es ist keine Drosselung feststellbar. Vielmehr hat der Pro-Kopf-Verbrauch seit 1998 stets zugenommen, insgesamt um etwa 2%. Da die Weltbev\u00f6lkerung in diesem Zeitraum um ca. 8% angestiegen ist, hat der Erd\u00f6lverbrauch insgesamt um 10% zugenommen. Der Verbrauch wird nicht in wenigen Monaten schrumpfen. \u00a0 Die Grafik 2 ist auch in anderer Hinsicht interessant: Sie zeigt indirekt die Abh\u00e4ngigkeit des Verbrauchs vom Einkommen, d.h. von der Konjunktur. Zwischen 1989 und 1995 ist der Pro-Kopf-Brennstoffverbrauch merklich geschrumpft. Dies ist durch die damalige Verschlechterung der Weltkonjunktur bedingt, welche das Einkommen verringerte und die Nachfrage d\u00e4mpfte. Genau genommen war nur die Nachfrage nach Brennstoff betroffen. Die weltweite Treibstoffnachfrage ist nicht konjunkturabh\u00e4ngig, sondern strukturell bedingt und steigt st\u00e4ndig an.&#13;<\/p>\n<h2>Peak-Oil-Theorie: Ein valabler Erkl\u00e4rungsansatz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Beantwortung der Frage nach der Existenz einer Blase ist auch das Element Peak Oil zu ber\u00fccksichtigen. Die Peak-Oil-Theorie stammt aus dem Jahre 1956 Anf\u00e4nge der Erd\u00f6lindustrie vor 1880, Rockefeller-Zeit 1890-1911, beide Weltkriege und Opec-Blase 1973-1986. &#8211; eine Art \u00abBadewanne\u00bb durchzulaufen scheint. In Expertenkreisen geht man davon aus, dass bis heute weltweit 46% des Billig\u00f6ls oder 27% der Summe aus billigem und teurerem (sogenannt nicht-konventionellem) Erd\u00f6l verbraucht ist. Bei heutigem Verbrauch reicht das Billig\u00f6l nur noch bis 2050. Somit k\u00f6nnte sich bewahrheiten, dass wir beim Billig\u00f6l nur noch wenige Jahre vom Peak entfernt sind, dass der Peak aber f\u00fcr \u00d6l insgesamt (d.h. das billige und das teurere zusammengenommen) weiter entfernt ist. Der Erd\u00f6lpreis d\u00fcrfte das Preisband wechseln und sich f\u00fcr die kommenden Jahrzehnte auf einem h\u00f6heren Niveau einpendeln. Die Frage lautet demnach: Wie hoch wird dieses Preisband sein, und wann wird es erreicht? \u00a0 Der Hauptfehler der Peak-Oil-Theorie besteht darin, den Warenfluss des Erd\u00f6langebots mit dem Warenlager des geologischen Erd\u00f6lvorkommens zu verwechseln. Wenn das Lager schrumpft, muss nicht notwendigerweise der Fluss schrumpfen. Der heutige Preisanstieg ist z.B. auch bei Metallen wie Aluminium und Stahl zu beobachten, bei denen der Angebotsfluss mit dem zunehmenden Nachfragefluss nicht Schritt zu halten vermag. Aluminium und Eisen sind aber das drittrespektive das vierth\u00e4ufigste Element in der Erdkruste (8% respektive 5% des Gewichts) und somit in sehr grossen Mengen verf\u00fcgbar. Das Lager ist also bei weitem nicht ausgesch\u00f6pft, insbesondere weil der Schrott dieser Metalle vermehrt wiederverwendet wird. Die gemeinsame Ursache f\u00fcr den steigenden Preis und das ungen\u00fcgende Angebot all dieser Rohstoffe ist mangelnde Investitionst\u00e4tigkeit.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00fcrden f\u00fcr die Investitionst\u00e4tigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Investitionst\u00e4tigkeit wird selbstverst\u00e4ndlich durch die steigenden Preise angekurbelt. Sie wird allerdings durch eine Vielzahl von H\u00fcrden behindert. Im Gegensatz zum Warenverkehr, bei dem die WTO die H\u00fcrden seit der Gr\u00fcndung des GATT 1947 schrittweise abgebaut hat, und dem Dienstleistungsverkehr, bei welchem erstmals mit der Gr\u00fcndung der WTO 1994 und nun in der Doha-Runde \u00fcber den Abbau von H\u00fcrden verhandelt wird, hat man es bei den Investitionen bisher noch nicht einmal geschafft, den Grundsatz der Investitionsfreiheit, eventuell mit entsprechenden Ausnahmen, international in einem multilateralen Abkommen zu verankern. Vor zehn Jahren scheiterten das Multilateral Investment Agreement (MAI) der OECD und gleichzeitig das Zusatzabkommen zum Energiechartavertrag \u00fcber Energieinvestitionen, welche beide dieses Ziel verfolgten. In der Doha-Runde der WTO wurde der Bereich Investitionszulassung ebenfalls nach kurzer Zeit wieder von der Traktandenliste gestrichen. Er wird seit Anfang dieses Jahrzehnts in den umfassenden Freihandelsabkommen verhandelt, welche die Schweiz mit Partnerl\u00e4ndern (meist im Rahmen der Efta) abschliesst. Ausser dem revidierten Gr\u00fcndungsabkommen der Efta sind solche Abkommen mit Chile, Korea, Mexiko und Singapur in Kraft. Energiereiche L\u00e4nder schliessen aber den Zugang ausl\u00e4ndischer Investoren in ihren Energiesektor aus. Auch die Schweiz hat im Energiesektor zahlreiche Vorbehalte betreffend ausl\u00e4ndische Investoren. Somit m\u00fcssen noch gewaltige H\u00fcrden \u00fcbersprungen werden, damit die Investitionst\u00e4tigkeit allgemein die f\u00fcr sie notwendige Freiheit erh\u00e4lt und der Energiesektor im Speziellen nicht mehr als Ausnahme vorbehalten wird.&#13;<\/p>\n<h2>Alternativen zum Erd\u00f6l als Treibstoff<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich gibt es heute vier realistische M\u00f6glichkeiten, Erd\u00f6l beim Verkehr zu ersetzen: Gasverfl\u00fcssigung (Gas to Liquide oder GTL), Biotreibstoffe (Biomass to Liquide oder BTL), Kohleverfl\u00fcssigung (Coal to Liquide oder CTL) sowie Hybrid- und Elektroantriebe. \u00a0 &#8211; Die Gasverfl\u00fcssigung wird heute in vielen OECD-L\u00e4ndern steuerlich entlastet. Auf den meisten internationalen M\u00e4rkten (ausser im angels\u00e4chsischen Raum) ist der Erdgaspreis vertraglich an den Erd\u00f6lpreis gebunden. erschwert, welche verhindert, dass Erdgas strukturell billiger werden kann als Erd\u00f6l. In etwa 20 Jahren ist mit einem Peak-Gas (\u00e4hnlich dem Peak Oil) zu rechnen. Die verbleibende Zeitspanne ist f\u00fcr viele Schwellenl\u00e4nder zu kurz, um internationale Gaspipelines amortisieren zu k\u00f6nnen. Die Umstellung m\u00fcsste daher prim\u00e4r von Gasf\u00f6rderl\u00e4ndern kommen. Bisher hat einzig Iran entsprechende Absichten ge\u00e4ussert. Gas ist dem Erd\u00f6l somit nur hinsichtlich CO 2 -Ausstoss \u00fcberlegen. \u00a0 &#8211; Biotreibstoffe werden in Brasilien seit Jahrzehnten entwickelt und in OECD-Staaten \u00e4hnlich der Gasverfl\u00fcssigung steuerlich gef\u00f6rdert. Mehrere Studien belegen, dass auf Land produzierte Biotreibstoffe h\u00f6chstens ein Teilersatz herk\u00f6mmlicher Treibstoffe sein k\u00f6nnen. Biotreibstoffe brauchen etwa hundertmal so viel Land wie Photovoltaik und dazu sehr grosse Wassermengen. Dies ist auch dann der Fall, wenn deren Produktion nicht auf Basis von Nahrungsmittelpflanzen beruht. Aus diesem Grund werden Biotreibstoffe Erd\u00f6lprodukte erst dann definitiv verdr\u00e4ngen k\u00f6nnen, wenn sie auf Basis von im offenen Meer aufgezogenem Plankton und Algen produziert werden. Es ist schwierig vorherzusagen, wann und zu welchem Preis dies erfolgen k\u00f6nnte. \u00a0 &#8211; Die Kohleverfl\u00fcssigung besteht in S\u00fcdafrika seit vielen Jahren und ist bei heutigen Preisen ebenfalls marktreif. Sie wird in OECD-L\u00e4ndern nicht gef\u00f6rdert, weil sie bez\u00fcglich CO 2 -Bilanz im Vergleich mit den herk\u00f6mmlichen Treibstoffen eine Verdopplung der Emissionen bringt. In OECD-L\u00e4ndern kann sie erst nach Marktreife der CO 2 -Abspeicherung und Lagerung eingef\u00fchrt werden. In der Zwischenzeit d\u00fcrfte sie in denjenigen Schwellenl\u00e4ndern ausgebaut werden, welche \u00fcber ausreichende Kohlevorr\u00e4te und viel S\u00fcsswasser verf\u00fcgen sowie keine oder gen\u00fcgend grossz\u00fcgige CO 2 -Reduktionsziele vereinbaren. Sie d\u00fcrfte priorit\u00e4r im internationalen Schiffsverkehr eingesetzt werden, falls die Anrechenbarkeit solcher Emissionen im Rahmen der internationalen Post-Kyoto-Vereinbarung weiterhin nicht geregelt wird. Die Einf\u00fchrung dieser Technologie ist ein politischer und nicht ein wirtschaftlicher Entscheid. Mit einer Peak-Kohle ist fr\u00fchestens in etwa hundert Jahren zu rechnen. \u00a0 &#8211; Hybride Fahrzeuge sind heute ebenfalls marktreif. Vollelektrische Fahrzeuge k\u00f6nnten sich bei Verbesserung der Batterietechnologie in den n\u00e4chsten Jahren ebenfalls durchsetzen. Eine g\u00e4nzliche Elektrifizierung des motorisierten Verkehrs w\u00fcrde aber in OECD-L\u00e4ndern eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Stromproduktion und der Kapazit\u00e4t des Stromnetzes bedingen. In Schwellenl\u00e4ndern w\u00e4re der erforderliche Ausbau noch gr\u00f6sser. Diese Variante hat somit die h\u00f6chsten Einstiegskosten und ist daher prim\u00e4r OECD-L\u00e4ndern vorbehalten. Sie ist jedoch auch die einzige, welche die Energieeffizienz des motorisierten Verkehrs von heute ca. 20% auf 50%-60% verbessern k\u00f6nnte. Damit der Strompreis auch in dieser Variante wettbewerbsf\u00e4hig bleibt, darf keine Stromproduktionstechnologie ausgeschlossen werden. Dies ist ein politischer, nicht ein wirtschaftlicher Entscheid. Politisch ist dies denkbar ab dem Zeitpunkt der Marktreife der CO 2 -Abspeicherung und Lagerung, welche emissionsfreie Kohlekraftwerke erm\u00f6glicht, oder ab Marktreife der Kernenergie der Generation IV (vgl.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2<\/b>&#13;<br \/>\nSeit 2001 betreiben neun Staaten unter der F\u00fchrung der USA ein gemeinsames Forschungsprojekt namens Generation IV International Forum (GIF). Die Schweiz ist 2002 beigetreten. Heute hat das GIF 13 Mitglieder. Ziel ist, f\u00fcr den Zeitraum zwischen 2020 und 2030 neue Reaktortypen zu entwickeln, welche folgende vier Zielsetzungen erf\u00fcllen:- Erh\u00f6hter Beitrag zur Nachhaltigkeit durch W\u00e4rmekraftkoppelung, Wasserstoffproduktion, geringere Abfallproduktion und verbessertes Recycling nuklearer Abf\u00e4lle;- geringere Life-Cycle-Kosten und geringere finanzielle Risiken;- erh\u00f6hte Betriebssicherheit und Zuverl\u00e4ssigkeit;- erh\u00f6hte Proliferationsresistenz (d.h. gr\u00f6ssere technologische H\u00fcrden, ziviles Spaltmaterial in milit\u00e4risches umzuwandeln). Derzeit sind sechs Reaktortypen im Forschungsstadium. Neben diesen Verbesserungen in Schl\u00fcsselbereichen &#8211; wie die Verminderung langlebiger Abf\u00e4lle oder die Proliferationsresistenz &#8211; wird auch eine um 70- bis 210-mal bessere Ausnutzung der spaltbaren Rohstoffe durch Einsatz des Isotops Uran 238 oder von Thorium erwartet. Das heute gebrauchte Uran 235 reicht bei heutigem Verbrauch nur bis ca. 2050, \u00e4hnlich wie \u00d6l. ), welche sowohl die Verf\u00fcgbarkeit spaltbarer Ressourcen als auch die Abfallproblematik der Kernenergie entscheidend verbessert. In diesem Szenario k\u00f6nnte auch der Luftverkehr auf Wasserstoff umstellen. \u00a0 \u00a0 Alle vier Varianten sind bei heutigen Preisen marktnahe. Die Frage bleibt dennoch offen, bei welchem Preis und bei welchen politischen Rahmenbedingungen sich die eine oder andere auch in Schwellenl\u00e4ndern durchsetzen kann. Diese haben nicht die Mittel, mehrere Varianten gleichzeitig zu w\u00e4hlen. Daher kommt es nicht auf den Teilersatz, sondern letztlich auf den Gesamtersatz des heutigen Treibstoffes an.&#13;<\/p>\n<h2>Bei welchem Erd\u00f6lpreis kommen die Alternativen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Erd\u00f6l- und insbesondere der Treibstoffverbrauch ist durch die Tatsache charakterisiert, dass im Bereich Verkehr eine Substitution praktisch noch unm\u00f6glich ist. Die bestehende Motorentechnologie ist gut ausgereift, weit verbreitet und von einer fl\u00e4chendeckenden Infrastruktur abh\u00e4ngig. Diese Eigenschaften bewirken eine Tr\u00e4gheit des Systems und hohe Risiken bez\u00fcglich Weiterentwicklung. Um eine Ver\u00e4nderung zu bewirken, braucht es einen hohen und lang anhaltenden Preisschub. Derjenige der Siebzigerjahre hat dazu nicht ausgereicht oder war zeitlich zu kurz. Er war aber gen\u00fcgend stark, um die Verdr\u00e4ngung des Erd\u00f6ls aus den station\u00e4ren Verbrauchsarten &#8211; insbesondere Heizen &#8211; einzuleiten, wo Erd\u00f6l heute substituierbar ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abEntwicklung des realen Erd\u00f6lpreises, 1869-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abWeltweiter Erd\u00f6lverbrauch und reales BIP pro Kopf\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Ressourcennationalismus<\/b>&#13;<br \/>\nF\u00f6rderl\u00e4nder errichten staatliche Ressourcenmonopole und schaffen dadurch mehrere Preistreiber auf einmal: &#8211; Erstens wird die Anzahl Produzenten k\u00fcnstlich vermindert (oft nur ein staatlicher Produzent pro Land). Dadurch wird jeglicher interner Wettbewerb ausgeschaltet. &#8211; Zweitens wird die F\u00f6rdermenge durch politische Einwirkung tief gehalten. Dadurch erh\u00f6ht sich der Preis. &#8211; Drittens erheben F\u00f6rderl\u00e4nder Exportz\u00f6lle auf Energietr\u00e4gern. Somit entsteht ein Preisgef\u00e4lle zwischen dem nationalen und dem internationalen Energiepreis. &#8211; Viertens geh\u00f6ren solche staatlichen Energiemonopole oftmals zu den am schlechtesten gef\u00fchrten Unternehmen \u00fcberhaupt und erwirtschaften manchmal Verluste trotz einer ausserordentlich starken Nachfrage (z.B. Kirgistan, Mexiko). &#8211; Mangelnde Wirtschaftskultur, Korruption, Klientelismus, Politisierung, mangelnde Einnahmen- und Ausgabentransparenz sowie unerf\u00fcllbare staatliche Auflagen vermindern die Investitionst\u00e4tigkeit und wirken sich tendenziell erh\u00f6hend auf den zuk\u00fcnftigen Preis aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Kernreaktoren der Generation IV<\/b>&#13;<br \/>\nSeit 2001 betreiben neun Staaten unter der F\u00fchrung der USA ein gemeinsames Forschungsprojekt namens Generation IV International Forum (GIF). Die Schweiz ist 2002 beigetreten. Heute hat das GIF 13 Mitglieder. Ziel ist, f\u00fcr den Zeitraum zwischen 2020 und 2030 neue Reaktortypen zu entwickeln, welche folgende vier Zielsetzungen erf\u00fcllen:- Erh\u00f6hter Beitrag zur Nachhaltigkeit durch W\u00e4rmekraftkoppelung, Wasserstoffproduktion, geringere Abfallproduktion und verbessertes Recycling nuklearer Abf\u00e4lle;- geringere Life-Cycle-Kosten und geringere finanzielle Risiken;- erh\u00f6hte Betriebssicherheit und Zuverl\u00e4ssigkeit;- erh\u00f6hte Proliferationsresistenz (d.h. gr\u00f6ssere technologische H\u00fcrden, ziviles Spaltmaterial in milit\u00e4risches umzuwandeln). Derzeit sind sechs Reaktortypen im Forschungsstadium. Neben diesen Verbesserungen in Schl\u00fcsselbereichen &#8211; wie die Verminderung langlebiger Abf\u00e4lle oder die Proliferationsresistenz &#8211; wird auch eine um 70- bis 210-mal bessere Ausnutzung der spaltbaren Rohstoffe durch Einsatz des Isotops Uran 238 oder von Thorium erwartet. 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Der Erd\u00f6lmarkt ist ein globaler Markt, dessen Preisbildung durch Ereignisse rund um den Globus beeinflusst wird. Daher ist die Analyse nach den Ursachen eine spannende Geschichte. Vgl. zu all diesen Ausf\u00fchrungen auch S. Defilla, Energiepolitik. Wissenschaftliche und wirtschaftliche Grundlagen. Verlag R\u00fcegger, 2007. Welches sind die Ursachen dieser Preisentwicklung? Wie ist der aktuelle Preisanstieg im Vergleich mit den Phasen hoher Erd\u00f6lpreise in den Siebziger- und Achtzigerjahren einzuordnen? Wie dauerhaft ist sie? Und wie realistisch ist der Ersatz von Erd\u00f6l als Treibstoff? 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