{"id":123026,"date":"2008-09-01T12:00:00","date_gmt":"2008-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/09\/ganser-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:15","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:15","slug":"ganser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/09\/ganser\/","title":{"rendered":"Ressourcenknappheit und Peak Oil"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz verbraucht jeden Tag 38 Mio. Liter Erd\u00f6l. Der Anteil von Erd\u00f6l am Endenergiebedarf betr\u00e4gt 57%. Erd\u00f6l ist mit Abstand der wichtigste Energietr\u00e4ger unseres Landes. Mit Blick auf die Perspektiven, die Peak Oil bietet, ist es h\u00f6chste Zeit zum Handeln.&#13;<\/p>\n<h2>Wo liegt das F\u00f6rdermaximum?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWann der globale Peak Oil kommt, ist unter Experten umstritten. Einige glauben, dass wir uns bereits in dieser Phase befinden. Andere hingegen hoffen, dass wir das F\u00f6rdermaximum erst in zehn oder zwanzig Jahren erreicht haben werden. Zentral ist die Einsicht, dass die Erd\u00f6lf\u00f6rderung nicht endlos erh\u00f6ht werden kann. 1914 lag die globale F\u00f6rderung bei 1 Mio. Fass (\u00e0 159 Liter) pro Tag, 1945 bei 6 Mio. Fass. Danach folgte ein regelrechter Erd\u00f6lrausch. Heute liegt die Tagesf\u00f6rderung bei 87 Mio. Fass pro Tag. Doch wie viel h\u00f6her kann das noch gehen? Die Erd\u00f6lfirma Total meint, 100 Mio. Fass werde die Welt wohl nicht hergeben. Vertreter von Saudi Aramco sehen das F\u00f6rdermaximum schon bei 90 bis 95 Mio. Fass pro Tag. Sicher ist: Der Peak Oil ist ein Naturgesetz und kann weder durch Technik noch durch Geld abgewendet werden.&#13;<\/p>\n<h2>F\u00f6rderung bricht ein<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den USA hat die Erd\u00f6lf\u00f6rderung schon 1970 den Peak Oil erreicht und geht seither zur\u00fcck. Das gilt auch f\u00fcr Norwegen, Grossbritannien, Rum\u00e4nien, \u00c4gypten und Mexiko. Wer, so die bange Frage, kann diese Ausf\u00e4lle kompensieren sowie den Mehrbedarf von China und Indien abdecken? Russland scheint wohl am Limit zu sein. Ob und wie stark Saudi-Arabien, Nigeria und Irak die F\u00f6rderung noch erh\u00f6hen k\u00f6nnen, ist unklar. Nigeria und Irak sind von Unruhen und Krieg geplagt.&#13;<\/p>\n<h2>Verf\u00fcgbare Exportmenge wird kleiner<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIndonesien, das ebenfalls den Peak erreicht hat, musste im Mai 2008 sogar aus der Opec austreten, als es zum Netto-Erd\u00f6limporteur wurde. Die Zahlen zu Indonesien zeigen ein weiteres Problem: Der stetig wachsende Inlandkonsum hat die Exporte schwer belastet. \u00c4hnlich sind die Zahlen zu Venezuela, Saudi-Arabien und Iran: Dort ist der Treibstoff billig, der Konsum steigt, die verf\u00fcgbare Exportmenge wird kleiner.&#13;<\/p>\n<h2>Nicht-konventionelles Erd\u00f6l ist langsam<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00abGerade jetzt, wo die Energienachfrage stark anzieht, geht die Produktion von vielen konventionellen Erd\u00f6lfeldern auf der Welt zur\u00fcck\u00bb, warnte Shell im Juni 2007. \u00abWir sollten das Erd\u00f6l verlassen, bevor es uns verl\u00e4sst\u00bb, riet auch Faith Birol, Chef\u00f6konom der IEA. Statt Warnungen ernst zu nehmen, wird immer noch behauptet, es gebe gen\u00fcgend nicht-konventionelles Erd\u00f6l &#8211; also \u00d6lsande aus Kanada, Schwer\u00f6l aus Venezuela oder Tiefsee\u00f6l aus Brasilien. Es stimmt zwar, dass die nicht-konventionellen Reserven gross sind. Verschwiegen wird aber, dass dieses Erd\u00f6l nicht schnell gef\u00f6rdert werden kann, wenn das Angebot knapp ist.&#13;<\/p>\n<h2>Problem von der Branche negiert<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNat\u00fcrlich ist seit langem bekannt, dass Erd\u00f6l und auch Erdgas nur in beschr\u00e4nkten Mengen auf der Erde vorhanden sind und irgendwann eine Krise kommen muss. Das Problem wurde aber von der Branche systematisch negiert. \u00abIch bin davon \u00fcberzeugt, dass die n\u00e4chste \u00d6lkrise, oder genauer die n\u00e4chste \u00d6lpreis-Krise, in relativ weiter Ferne liegen d\u00fcrfte\u00bb, meinte Kurt Streiff, Pr\u00e4sident der Erd\u00f6l-Vereinigung, im M\u00e4rz 2001. Erd\u00f6l sei \u00abnoch f\u00fcr Generationen vorhanden\u00bb, beruhigte Esso Switzerland. \u00ab\u00dcber kurz oder lang werden die Preise wieder sinken\u00bb, glaubte Rolf Hartl, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Erd\u00f6l-Vereinigung, im Mai 2004 bei einem Erd\u00f6lpreis von 35 Dollar pro Fass. \u00abEin Szenario mit anhaltend hohen \u00d6lpreisen ist f\u00fcr mich nicht realistisch.\u00bb\u00a0Eine bessere Analyse stammt vom britischen Premier Gordon Brown: \u00abDer Grund, warum die Preise ansteigen, ist klar: Die Nachfrage w\u00e4chst, doch das Angebot ist zu klein, um die Nachfrage heute &#8211; und noch wichtiger in der Zukunft &#8211; zu decken\u00bb, so Brown im Mai 2008. \u00abDie Weltwirtschaft ist jetzt mit dem dritten Erd\u00f6lschock konfrontiert.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Weitere Infos zum Autor<\/b>&#13;<br \/>\nDer Autor ist Historiker und Friedensforscher. Er leitet die Peak-Oil-Forschung am Historischen Seminar der Universit\u00e4t Basel ( <a href=\"http:\/\/www.danieleganser.ch\">www.danieleganser.ch<\/a> ) und ist Pr\u00e4sident der Association for the Study of Peak Oil (Aspo) Schweiz ( <a href=\"http:\/\/www.peakoil.ch\">www.peakoil.ch<\/a> )<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Die Schweiz verbraucht jeden Tag 38 Mio. Liter Erd\u00f6l. Der Anteil von Erd\u00f6l am Endenergiebedarf betr\u00e4gt 57%. Erd\u00f6l ist mit Abstand der wichtigste Energietr\u00e4ger unseres Landes. 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Peak Oil bezeichnet das globale F\u00f6rdermaximum von Erd\u00f6l. Lokal konnte das Ph\u00e4nomen wiederholt beobachtet werden: Nach dem Peak geht die Produktion auf dem Erd\u00f6lfeld f\u00fcr immer zur\u00fcck. Der globale Peak Oil ist f\u00fcr die Schweizer Wirtschafts- und Energiepolitik von gr\u00f6sster Bedeutung, weil dann das Angebot die wenig elastische Nachfrage nicht mehr decken kann, die Erd\u00f6lpreise stark ansteigen sowie Inflations- und Rezessionsgefahren drohen. Mit dem Peak Oil beginnt eine langj\u00e4hrige Energiekrise, f\u00fcr die es keine einfachen und schnellen L\u00f6sungen gibt.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123029,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8863","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b204d5e968a"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123026"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3190"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123026"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123026\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128064,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123026\/revisions\/128064"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3190"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123026"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123026"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123026"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123026"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}