{"id":123046,"date":"2008-09-01T12:00:00","date_gmt":"2008-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/09\/jenny-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:31","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:31","slug":"jenny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/09\/jenny\/","title":{"rendered":"Biodiversit\u00e4t ist ein Agrarprodukt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Artenvielfalt f\u00f6rdern ist machbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie monoton gewordenen Agrarfl\u00e4chen k\u00f6nnen in der Tat rasch und markant \u00f6kologisch aufgewertet werden. Exemplarisch illustrieren dies Projekte der Schweizerischen Vogelwarte Sempach in der Champagne Genevoise und im Klettgau. Der Weg f\u00fchrt \u00fcber die Aufwertung mit \u00f6kologisch wertvollen Ausgleichsfl\u00e4chen, die Steigerung des Strukturreichtums im Landwirtschaftsgebiet und die Extensivierung der Bodennutzung. Eine allgemeine Reduktion des Pestizid- und D\u00fcngereinsatzes, wie im biologischen Landbau vorgelebt, steigert die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversit\u00e4t der Mikroorganismen. Mit angepassten Nutzungsformen und naturnahen Fl\u00e4chen kann die Artenvielfalt im Gr\u00fcn- und Ackerland merkbar gesteigert werden. Das quantitative Ziel, dass 10% der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che qualitativ hochwertige \u00f6kologische Ausgleichsfl\u00e4chen werden sollen, ist konkret und realistisch.&#13;<\/p>\n<h2>Mit angezogener Bremse Richtung \u00d6kologie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNoch weist erst 1,1% der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che im Mittelland eine gute \u00f6kologische Qualit\u00e4t auf. Dennoch verk\u00fcndet der Bauernverband bereits, die Landwirtschaft habe ihre Aufgabe erf\u00fcllt. Trotz diesen Beteuerungen h\u00e4lt der Artenschwund unvermindert an. Die Vogelbest\u00e4nde sind in den letzten 10 Jahren weiter geschrumpft &#8211; bei Feldlerche, Braunkehlchen und Kiebitz um je satte 20%. Dies sind untr\u00fcgliche Umweltindikatoren daf\u00fcr, dass der Verfassungsauftrag nur unbefriedigend umgesetzt wird. Ein wesentlicher Grund daf\u00fcr ist die widerspr\u00fcchliche Ausgestaltung des Direktzahlungssystems. Agrarsubventionen werden weiterhin mehrheitlich in Formen geleistet, die zu Marktverzerrungen f\u00fchren und die Umwelt belasten. Nur 6% der Direktzahlungen werden f\u00fcr Massnahmen zu Gunsten der Wildtiere und der Landschaft ausgerichtet, ganze 80% dagegen sind allgemeine Fl\u00e4chen- und Tierhaltungsbeitr\u00e4ge. Diese an Fl\u00e4che und Viehbestand gekoppelten Zahlungen f\u00fchren zwangsl\u00e4ufig zu einer weiteren Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion und laufen den \u00f6kologischen Bestrebungen diametral entgegen. Im Klartext: Die mit Steuermillionen eingeleitete \u00d6kologisierung wird mit Steuermilliarden aus der gleichen Bundeskasse untergraben.&#13;<\/p>\n<h2>Biodiversit\u00e4t als Chance<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine zukunftsgerichtete Agrarpolitik m\u00fcsste alles Interesse haben, auf eine nachhaltige und \u00f6kologische Landwirtschaft zu setzen. Diese er\u00f6ffnet den Landwirten mit der F\u00f6rderung der Biodiversit\u00e4t einen neuen eigenst\u00e4ndigen Einkommenszweig, der welthandelskonform ist und damit auch wesentlich zur wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit beitr\u00e4gt. Dabei entstehen attraktive Landschaften, die den Wildtieren im Kulturland das \u00dcberleben sichern und gleichzeitig f\u00fcr die Naherholung und den Schweizer Tourismus wichtig sind. \u00a0Die biologische Vielfalt ist ein exklusives, an den Standort gebundenes und damit konkurrenzloses Agrarprodukt. Mit ihrer F\u00f6rderung resultiert eine h\u00f6here Bodenfruchtbarkeit, und die Gew\u00e4sserbelastung wie auch die Produktionskosten sinken. Eine wildtierfreundliche Produktion ist zudem ein entscheidendes Argument, um hochwertige Schweizer Nahrungsmittel mit klarer Herkunftsgeschichte auf dem Markt zu positionieren. So kommen die Konsumenten in den Genuss gesunder, einheimischer Lebensmittel, die nicht nur nutztiergerecht, sondern auch wildtiergerecht produziert werden. Dass die F\u00f6rderung der Artenvielfalt allen Beteiligten Gewinn bringt, zeigt etwa das Engagement der Migros und der IP-Suisse ( <a href=\"http:\/\/www.terrasuisse.ch\">www.terrasuisse.ch<\/a> ). Solche Bem\u00fchungen brauchen und verdienen die volle Unterst\u00fctzung von Landwirtschaft, Politik, Forschung, Naturschutz, Grossverteilern und Konsumentinnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; Artenvielfalt f\u00f6rdern ist machbar &#13; Die monoton gewordenen Agrarfl\u00e4chen k\u00f6nnen in der Tat rasch und markant \u00f6kologisch aufgewertet werden. Exemplarisch illustrieren dies Projekte der Schweizerischen Vogelwarte Sempach in der Champagne Genevoise und im Klettgau. 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Dies ist seit 1996 verfassungsm\u00e4ssiger Auftrag an die Schweizer Landwirtschaft. Mit grossem Mehr hat das Schweizer Volk damals an der Urne die Weichen f\u00fcr eine multifunktionelle Landwirtschaft gestellt. Das Kulturland soll demnach nicht mehr nur als Produktionsfl\u00e4che von Lebensmitteln dienen, sondern auch wieder Lebensraum f\u00fcr Wildtiere werden. Die stark mechanisierte und chemisierte Landwirtschaft f\u00fchrte seit dem 2. Weltkrieg unter planwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer \u00dcberproduktion. Schwere Umweltsch\u00e4den waren die Folge, die sich insbesondere in Gew\u00e4sserverschmutzungen und im Artensterben manifestierten: 21 der 42 typischen Kulturland-Vogelarten sind existenziell bedroht. Auch Schmetterlinge, Amphibien und Pflanzen erlitten in den vergangenen Jahrzehnten einen grossen Aderlass.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123049,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8871","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b20a23c5966"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123046"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3196"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123046"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123046\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128068,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123046\/revisions\/128068"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3195"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123046"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123046"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123046"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123046"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}