{"id":123081,"date":"2008-09-01T12:00:00","date_gmt":"2008-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/09\/von-witzke-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:47","slug":"von-witzke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/09\/von-witzke\/","title":{"rendered":"Agrarrohstoffe und ihre Preise: Hatte Malthus doch Recht?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Auch in Zukunft: Nachfrage h\u00f6her als Angebot<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Angebotswachstum wird aus mehreren Gr\u00fcnden mit der Nachfragesteigerung nicht Schritt halten k\u00f6nnen: Zum einen sind die f\u00fcr die Agrarproduktion verf\u00fcgbaren Fl\u00e4chenreserven begrenzt. Bis 2020 lassen sich die Ackerfl\u00e4chen weltweit um nur etwa 5% ausdehnen. Das Produktionswachstum, das n\u00f6tig ist, um die rasch wachsende Weltbev\u00f6lkerung in hinreichendem Umfang mit Nahrungsg\u00fctern zu versorgen, muss daher fast ausschliesslich durch die Steigerung der Produktivit\u00e4t derjenigen Fl\u00e4chen erreicht werden, die sich bereits heute in der landwirtschaftlichen Nutzung befinden. Dies wird sich aber nur schwer verwirklichen lassen, denn das j\u00e4hrliche Produktivit\u00e4tswachstum ist seit vielen Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig. Ein Grund hierf\u00fcr ist der Abbau der agrarwissenschaftlichen Forschung &#8211; vor allem in den reichen L\u00e4ndern, wo der weitaus gr\u00f6sste Teil der Forschung betrieben wird. Ein weiterer Grund ist, dass die Z\u00fcchtungsforschung mit den traditionellen Methoden zunehmend das Ertragspotenzial unserer Nutzpflanzen und -tiere ausgesch\u00f6pft hat.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Produktionskosten&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltlandwirtschaft verursacht 70% des globalen Wasserverbrauchs. Wasser wird aber immer knapper und damit teurer. Die moderne Landwirtschaft geh\u00f6rt dar\u00fcber hinaus zu den energieintensiven Wirtschaftsbereichen. Steigende Energiepreise f\u00fchren zu steigenden Kosten und damit zu sinkender Produktion. Auch das rasante Wachstum der Produktion von Bioenergie hat zum Preisauftrieb beigetragen, indem Fl\u00e4chen und andere Produktionsfaktoren aus der Nahrungsg\u00fcterproduktion abgezogen werden.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;und Agrarpreise &#8211; mit Folgen f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nH\u00f6here Agrarpreise sind gute Nachrichten f\u00fcr die Landwirte. Sie f\u00fchren aber zu einer Zunahme von Hunger und Mangelern\u00e4hrung vor allem in den armen L\u00e4ndern der Welt. Bereits heute sind mehr als 850 Mio. Menschen mangelern\u00e4hrt. Dies sind Menschen, die \u00fcber eine Kaufkraft von 1 US-Dollar je Tag oder weniger verf\u00fcgen und die den weitaus gr\u00f6ssten Teil ihres Einkommens f\u00fcr Nahrungsg\u00fcter ausgeben m\u00fcssen, um zu \u00fcberleben. Dauerhaft hohe Nahrungsg\u00fcterpreise erh\u00f6hen auch die Anreize f\u00fcr die Armen in den Entwicklungsl\u00e4ndern, auf dem Wege der Brandrodung zus\u00e4tzliche landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4chen zu gewinnen und dadurch ihre eigene Existenzgrundlage zu sichern. Bereits heute stellen aber Brandrodungen eine der wichtigsten Ursachen des vom Menschen verursachten Klimawandels dar. Etwa 18% aller Klimagase werden durch Brandrodungen von W\u00e4ldern freigesetzt. Damit tragen diese mehr zum Klimawandel bei als die weltweite Industrieproduktion oder das globale Transportwesen. Produktivit\u00e4tssteigerungen sind deshalb nicht nur f\u00fcr die Sicherung der Weltern\u00e4hrung, sondern auch f\u00fcr den Klimaschutz von zentraler Bedeutung.&#13;<\/p>\n<h2>Erfolg versprechende Strategie im Kampf gegen den Hunger<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Erfolg versprechende Strategie im Kampf gegen den Hunger in der Welt muss zumindest f\u00fcnf Komponenten aufweisen: Die eine ist eine weitere Steigerung der Produktivit\u00e4t der Weltlandwirtschaft durch Forschung und Ausbildung sowie Intensivierung der Fl\u00e4chennutzung. Die zweite ist die Produktion von Bioenergie, die bevorzugt Rest- und Abfallstoffe einsetzt oder die auf Fl\u00e4chen erfolgt, die sich nicht zur Nahrungsproduktion eignen. Die dritte ist ein liberales internationales Agrarhandelssystem, das die wirtschaftlichen Anreize nicht verzerrt. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die Abschaffung von Agrarsubventionen in den reichen L\u00e4ndern, sondern auch, dass die Entwicklungsl\u00e4nder endlich damit aufh\u00f6ren, die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise k\u00fcnstlich niedrig zu halten. Die vierte Komponente ist die Organisation von Nahrungsmittelhilfe als Nothilfe bei kurzfristigen Preisspitzen. Und die f\u00fcnfte ist die Refokussierung der nationalen und internationalen Entwicklungshilfe auf die Landwirtschaft, den wichtigsten Wirtschaftsbereich der Entwicklungsl\u00e4nder.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; Auch in Zukunft: Nachfrage h\u00f6her als Angebot &#13; Das Angebotswachstum wird aus mehreren Gr\u00fcnden mit der Nachfragesteigerung nicht Schritt halten k\u00f6nnen: Zum einen sind die f\u00fcr die Agrarproduktion verf\u00fcgbaren Fl\u00e4chenreserven begrenzt. Bis 2020 lassen sich die Ackerfl\u00e4chen weltweit um nur etwa 5% ausdehnen. 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Die Jahrtausendwende markiert allerdings das Ende dieser Entwicklung. Seit der Jahrtausendwende sind die Agrarpreise gestiegen. Der Grund hierf\u00fcr ist einfach: Derzeit steigt die weltweite Nachfrage nach Nahrungsg\u00fctern st\u00e4rker als das Angebot. Und diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen. In der ersten H\u00e4lfte des 21. Jahrhunderts wird sich die Nachfrage nach Nahrungsg\u00fctern verdoppeln, weil die Weltbev\u00f6lkerung um 50% zunehmen wird und weil steigende Einkommen in Entwicklungsl\u00e4ndern zu einer deutlichen Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs f\u00fchren werden. Ein Misserfolg im Kampf gegen den Hunger w\u00fcrde Malthus doch noch Recht geben.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123084,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8885","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b204840f06f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123081"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3204"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123081"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123081\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128075,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123081\/revisions\/128075"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123081"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123081"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123081"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123081"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}