{"id":123096,"date":"2008-07-01T12:00:00","date_gmt":"2008-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/07\/fuessler-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:57","slug":"fuessler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/07\/fuessler\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Perspektiven des projektbasierten Emissionshandels"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer globale Markt f\u00fcr Treibhausgaszertifikate w\u00e4chst zur Zeit sehr schnell. Gem\u00e4ss eines Berichtes der Weltbank The World Bank, State and Trends of the Carbon Market 2008, Mai 2008. stieg das Volumen der umgesetzten Zertifikate 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 58% auf 1,7 Mrd. Tonnen CO2-\u00c4quivalente, was der rund 33-fachen Menge der Schweizer Treibhausgasemissionen entspricht. Der Wert der Transaktionen hat sich dabei innerhalb eines Jahres auf rund 64 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppelt (siehe Tabelle 1).&#13;<\/p>\n<h2>EU: Wichtigster Emissionsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nM\u00e4rkte f\u00fcr Zertifikate entstehen \u00fcberall dort, wo der Gesetzgeber oder die internationale Staatengemeinschaft den Akteuren Beschr\u00e4nkungen ihrer Treibhausgasemissionen auferlegen. Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) ist bei weitem der wichtigste und gr\u00f6sste Emissionsmarkt mit Transaktionen im Wert von 50 Mrd. US-Dollar im Jahr 2007. Die innerhalb des EU-ETS gekauften Zertifikate stammen von Anlagen, die ihre Emissionen reduzieren und damit einen Teil ihrer Emissionsrechte ver\u00e4ussern k\u00f6nnen.\u00a0Dass der Markt nur durch die Beschr\u00e4nkung der Emissionsrechte funktioniert, zeigt die Erfahrung der ersten Phase (2005-2007) des EU-ETS. Die nationalen Beh\u00f6rden statteten in dieser Phase die Anlagenbetreiber so grossz\u00fcgig mit Emissionsrechten aus, dass die Nachfrage im Markt zusammenbrach und die Zertifikate praktisch wertlos wurden.\u00a0Die Beschr\u00e4nkung der Emissionsrechte f\u00fcr energieintensive Anlagen &#8211; wie etwa fossil-thermische Kraftwerke oder Zement- und Papierproduzenten im EU-ETS &#8211; f\u00fchrt in der zweiten Phase (2008-2012) zu einer regen Nachfrage nach Zertifikaten, insbesondere von Stromversorgern, die damit ihre \u00fcber die Zuteilung hinaus gehenden Emissionen kompensieren m\u00fcssen.&#13;<\/p>\n<h2>Bedeutung des Clean Development Mechanism<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas EU-Emissionshandelssystem l\u00e4sst innerhalb gewisser Grenzen den Zukauf von Zertifikaten aus Treibhausgas-Reduktionsprojekten in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern zu (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDas Kyoto-Protokoll von 1997 definiert neben den verbindlichen Reduktionszielen f\u00fcr die industrialisierten Vertragsstaaten zwei projektbasierte flexible Mechanismen (auch Kyoto-Mechanismen), welche die Gesamtkosten zur Erreichung dieser Ziele reduzieren sollen. Die Regeln dieser flexiblen Mechanismen wurden an der Vertragsstaatenkonferenz von Marrakesch 2001 konkretisiert. Die projektbezogenen Instrumente Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI) funktionieren nach folgendem Prinzip: Ein Investor unterst\u00fctzt Projekte in einem Gastland, wie beispielsweise die Erneuerung der Fernw\u00e4rmeversorgung einer Stadt oder den Bau eines Windenergie-Parks; f\u00fcr die damit realisierten Emissionsreduktionen erh\u00e4lt er Zertifikate. Diese Zertifikate kann er sich f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner Reduktionsverpflichtung im eigenen Land &#8211; oder f\u00fcr das eigene Land im Falle einer Regierung &#8211; anrechnen lassen.JI-Projekte werden in Industrieoder Transformationsl\u00e4ndern durchgef\u00fchrt, die selber eine Kyoto-Verpflichtung eingegangen sind. CDM-Projekte werden in Entwicklungsl\u00e4ndern ohne Kyoto-Verpflichtung durchgef\u00fchrt und m\u00fcssen deshalb auch strengeren Anforderungen &#8211; z.B. bez\u00fcglich Additionalit\u00e4t &#8211; entsprechen. CDM-Projekte m\u00fcssen neben der Treibhausgasemissionsreduktion auch einen Beitrag an die nachhaltige Entwicklung im Gastland leisten.Eine Einschr\u00e4nkung zum Gebrauch der flexiblen Mechanismen setzt das Supplementarit\u00e4tsprinzip des Kyoto-Protokolls. Dieses verlangt, dass flexible Mechanismen nur erg\u00e4nzend (\u00absupplemental\u00bb) zu Reduktionsanstrengungen im eigenen Land verwendet werden d\u00fcrfen. Der \u00fcberwiegende Teil der Emissionsreduktion muss im Land selbst erfolgen.). Der CDM ist mit Abstand der wichtigste projektbasierte Zertifikatshandel. Der Wert der CDM-Transaktionen stieg im Wesentlichen parallel zur steigenden Nachfrage nach Zertifikaten im EU-ETS auf total \u00fcber 12 Mrd. US-Dollar 2007. Der junge CDM-Markt wird langsam reifer. Waren in fr\u00fcheren Jahren vor allem Projektentwickler und Compliance-K\u00e4ufer am CDM interessiert, stiegen in den letzten zwei Jahren viele grosse Finanzdienstleister in den CDM-Markt ein. Der prim\u00e4re Markt der Zertifikate \u00abdirekt ab Projekt\u00bb wurde erg\u00e4nzt durch die auch an B\u00f6rsen gehandelten CDM-Zertifikats-Kontrakte des sekund\u00e4ren Marktes, inklusive derivativer Produkte.&#13;<\/p>\n<h2>Technologien f\u00fcr CDM<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZertifikate werden durch Massnahmen und Projekte erzeugt, die den Ausstoss an Treibhausgasen &#8211; im Vergleich zu einem Referenz-Szenario ohne CDM (Baseline) &#8211; reduzieren. In den letzten Jahren spielten Projekte im Bereich der Reduktion von Gasen mit sehr hohem Treibhauspotenzial &#8211; wie Trifluormethan (HFC) und Lachgas (N2O) &#8211; in Anlagen der K\u00fchlmitteloder D\u00fcngerproduktion die Hauptrolle im CDM. Diese sehr potenten Gase haben pro Kilogramm die gleiche sch\u00e4digende Wirkung wie Hunderte bis Zehntausende Kilogramm CO2. Die hohe Klimawirkung der Gase f\u00fchrt zu einer hohen Zahl von Zertifikaten f\u00fcr ein Projekt bei relativ geringen Investitionen zur Zerst\u00f6rung der Gase, was diese Technologien f\u00fcr CDM-Projekte wirtschaftlich ausserordentlich interessant macht. Das Potenzial dieser \u00abLow Hanging Fruits\u00bb scheint aber langsam ausgesch\u00f6pft, da die meisten grossen bestehenden Anlagen in Entwicklungsl\u00e4ndern in diesem Bereich mittlerweile unter dem CDM laufen und neue Anlagen zur Zeit unter dem CDM nicht zugelassen sind. Der Anteil dieses Projekttyps an den Transaktionen im Prim\u00e4rmarkt ist r\u00fcckl\u00e4ufig.\u00a0Dagegen haben Projekte im Bereich Energieeffizienz und Brennstoffwechsel &#8211; z.B. von Kohle auf Erdgas &#8211; insbesondere in Kraftwerken und in der Schwerindustrie stark zugenommen, vor allem auf Grund der Genehmigung und Verf\u00fcgbarkeit entsprechender CDM-Methodologien (siehe Grafik 1). Weitere wichtige Beitr\u00e4ge zum Zertifikatsaufkommen liefern Projekte zur Reduktion von Methanemissionen im Abfallsektor und Bergbau.&#13;<\/p>\n<h2>Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer zweite Standpfeiler des CDM bei seiner Schaffung im Rahmen des Kyoto-Protokolls 1997 war neben der Erreichung von Emissionsreduktionen zu tieferen Kosten die F\u00f6rderung der nachhaltigen Entwicklung in den Entwicklungsl\u00e4ndern. CDM-Projekte sollten demnach einen Beitrag zur Verbesserung der lokalen Umweltbedingungen &#8211; z.B. die Qualit\u00e4t von Boden, Luft und Wasser &#8211; und an die soziale Entwicklung von Kommunen und lokalen Gruppen liefern. Projekte mit einem potenziell grossen Beitrag zur lokalen nachhaltigen Entwicklung &#8211; wie z.B. Kleinwasserkraftwerke f\u00fcr entfernte D\u00f6rfer, Solarkocher, Energieeffizienz in KMU oder Kompostierungsprojekte &#8211; sind tendenziell wesentlich kleiner als Projekte in grossen Kraftwerken oder in der Industrie. Zudem ist die Realisierung vieler kleiner dezentraler Projekte unter dem CDM oft wesentlich aufw\u00e4ndiger als bei grossen Punktquellen wie Kohlekraftwerken. Dies erh\u00f6ht die Transaktionskosten f\u00fcr solche kleineren Projekte mit besonders nachhaltigen Technologien, wodurch ihr Anteil am gesamten CDM-Markt klein bleibt. Es gibt jedoch K\u00e4ufer, die bereit sind, f\u00fcr Projekte mit grossem Nachhaltigkeitsnutzen etwas h\u00f6here Preise zu bezahlen. Dieser Trend wird unterst\u00fctzt durch Labels f\u00fcr besonders nachhaltige CDM-Zertifikate. Ein solches Beispiel ist das Label der durch den WWF lancierten und in der Schweiz domizilierten Stiftung \u00abGold Standard\u00bb. Um jedoch einen gr\u00f6sseren Beitrag im CDM leisten zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste die Nachfrage nach Projekten mit besonders nachhaltigen Technologien eine wesentliche Steigerung erfahren.&#13;<\/p>\n<h2>Genehmigungsprozeduren und Additionalit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie internationale Staatengemeinschaft hat den CDM als projektbasiertes Instrument ausgestaltet. Das heisst, dass in der Praxis jedes CDM-Projekt einzeln durch unabh\u00e4ngige Drittfirmen validiert und verifiziert sowie von der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC genehmigt und registriert werden muss. Dieser umfangreiche Genehmigungsprozess der UNFCCC soll unter anderem sicherstellen, dass jedes einzelne Projekt nur zu Stande kommt, weil das Projekt unter dem CDM registriert wird und damit eine zus\u00e4tzliche Emissionsreduktion darstellt, welche ohne den CDM nicht realisiert worden w\u00e4re (Additionalit\u00e4t). Werden Zertifikate f\u00fcr Projekte ausgegeben, die auch ohne den CDM implementiert w\u00fcrden, f\u00fchrt dies netto zu einem Anstieg der globalen Treibhausgasemissionen, da diese Zertifikate zu Mehremissionen in einem industrialisierten Land berechtigen. Der Nachweis der Additionalit\u00e4t ist damit ein elementarer Grundpfeiler des CDM. \u00a0Die umfangreichen Pr\u00fcfungsprozeduren stellen allerdings f\u00fcr viele CDM-Projektentwickler eine betr\u00e4chtliche H\u00fcrde dar; sie f\u00fchren zu h\u00f6heren Transaktionskosten und in einigen F\u00e4llen zu Projektverz\u00f6gerungen. Es erweist sich in der Praxis als ausserordentlich schwierig, die Additionalit\u00e4t eines Projektes auf Grund objektiver Kriterien nachzuweisen. Dies hat zur Folge, dass potenzielle CDM-Projekte in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern auf Grund der hohen Transaktionskosten nicht durchgef\u00fchrt werden. Zudem besteht die Gefahr, dass Projekte Zertifikate generieren, die nicht zus\u00e4tzlich sind und damit netto zu einem Anstieg der globalen Emissionen f\u00fchren. \u00a0Der CDM stellt das erste globale Regelwerk dieser Art dar. Die Genehmigungsprozeduren der UNFCCC wurden erst in den letzten Jahren schrittweise entwickelt und im Sinne eines \u00abLearning by Doing\u00bb verbessert.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung des prim\u00e4ren Marktes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz des rasch wachsenden Emissionshandels hat sich die Entwicklung des Volumens im prim\u00e4ren CDM-Markt in j\u00fcngster Zeit verlangsamt. So betrug der Anstieg von 2006 auf 2007 von direkt vom Projektentwickler bezogenen prim\u00e4ren Zertifikaten nur noch wenige Prozentpunkte. Der Grund dazu k\u00f6nnte in der Unsicherheit im Markt \u00fcber den Ausgang der internationalen Verhandlungen \u00fcber ein globales Klimaabkommen nach 2012 &#8211; dem Ende der ersten Kyoto-Verpflichtungsperiode &#8211; liegen. Solange sich kein positives Ergebnis dieser Verhandlungen abzeichnet, das eine mittelbis langfristige Nachfrage nach CDM-Zertifikaten sichern w\u00fcrde, z\u00f6gern viele potenzielle CDM-Projektentwickler und -investoren, sich f\u00fcr neue CDM-Projekte zu engagieren. Dem Ausgang der internationalen Verhandlungen kommt deshalb eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr den zuk\u00fcnftigen CDM-Markt zu. Ein weiterer Grund f\u00fcr das schw\u00e4chere Wachstum k\u00f6nnte in einer konsistenteren Pr\u00fcfung der Projekte durch die UN-Beh\u00f6rden und einer daraus resultierenden h\u00f6heren R\u00fcckweisungsrate seit etwa Fr\u00fchjahr 2007 liegen.&#13;<\/p>\n<h2>Neue Herausforderungen nach Kyoto<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Dezember 2007 hat sich die Staatengemeinschaft in Bali auf eine Verhandlungs-Roadmap geeinigt. Danach soll bis zur Vertragstaatenkonferenz in Kopenhagen Ende 2009 ein Abkommen geschlossen werden, das den globalen Ausstoss an Treibhausgasen auf ein von der Wissenschaft gefordertes Mass reduziert. Ein wichtiger Schl\u00fcssel zur Erreichung dieses Ziels wird der Einbezug der USA als gr\u00f6sster globalen Emittent sowie der rasch wachsenden Schwellenl\u00e4nder China, Indien und Brasilien sein. China stellt zur Zeit bei weitem den Hauptharst an Zertifikaten aus CDM-Projekten. Anteil an gelieferten prim\u00e4ren CDM-Zertifikaten im Jahre 2007: China 73%, Indien 6%, Brasilien 6%, zusammen 85% (Quelle: Weltbank 2008). Um das m\u00f6gliche Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in diesen schnell wachsenden Schwellenl\u00e4ndern nur ann\u00e4hernd zu erschliessen, wird es notwendig sein, sich von projektbasierten Ans\u00e4tzen zu sektoriellen oder gar nationalen Cap-and-Trade-Systemen zu bewegen, da die Pr\u00fcfung und Administrierung einzelner Projekte wie im bestehenden CDM-System f\u00fcr Transformationen dieser Gr\u00f6ssenordnungen nicht effizient scheint.&#13;<\/p>\n<h2>Sektorielle Ans\u00e4tze und Vereinfachungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem solchen sektoriellen Ansatz w\u00fcrde f\u00fcr ganze Sektoren &#8211; wie z.B. den Zementoder Elektrizit\u00e4tssektor &#8211; ein bestimmter Richtwert festgelegt. Dieser Wert kann auf Grund historischer Emissionen oder von Benchmarks festgelegt werden. Wird dieser Emissionswert von Anlagen unterschritten, kann die Emissionsdifferenz auf dem internationalen Zertifikatsmarkt ver\u00e4ussert werden. Damit werden Projekte zur Emissionsminderung finanziell entsch\u00e4digt, ohne dass eine aufw\u00e4ndige individuelle Pr\u00fcfung auf Projektebene wie im bestehenden CDM notwendig w\u00e4re. Ein wichtiger Aspekt sektorieller Ans\u00e4tze ist die Verf\u00fcgbarkeit von robusten Emissionsdaten f\u00fcr die betrachteten Industrien, um eine Sektor-Baseline festlegen zu k\u00f6nnen. Solche Daten sind oft nur in den st\u00e4rker entwickelten L\u00e4ndern und Industriesektoren verf\u00fcgbar.\u00a0F\u00fcr am wenigsten entwickelte L\u00e4nder (LDC) k\u00f6nnten die Regeln vereinfacht werden. In diesen L\u00e4ndern k\u00f6nnten gewisse Projekttypen &#8211; beispielsweise im Bereich der dezentralen Solar-, Biogas- und Wasserkraftnutzung &#8211; ohne n\u00e4here Pr\u00fcfung unter dem CDM zugelassen werden. Damit k\u00f6nnten diese L\u00e4nder ebenfalls vom Emissionshandel profitieren.&#13;<\/p>\n<h2>Management von Unsicherheiten und Risiken erm\u00f6glicht Investitionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nCDM-Projekte in Entwicklungsl\u00e4ndern sind mit vielf\u00e4ltigen Risiken verbunden: Projektrisiken, Risiken betreffend der Genehmigung durch die UNFCCC, regulatorische und institutionelle Unsicherheiten sowie Risiken im Gastland. Generell ist es deshalb f\u00fcr Projektentwickler schwierig, die notwendigen Beteiligungen und Darlehen f\u00fcr solche Projekte sicherstellen zu k\u00f6nnen. Das Management dieser Unsicherheiten und Risiken ist deshalb ein Schl\u00fcsselaspekt f\u00fcr die erfolgreiche Durchf\u00fchrung von CDM-Projekten sowie f\u00fcr das Gedeihen des Marktes der projektbasierten Zertifikate. In den letzten Jahren wurden Versicherungsprodukte entwickelt, die neben den klassischen Risiken &#8211; wie Sachsch\u00e4den, Feuer, technische Performance, Elementarsch\u00e4den etc. &#8211; auch Risiken versichern, die spezifisch mit dem CDM-Projektzyklus verbunden sind. So kann sich ein Projektentwickler vor Projektstart die Produktion einer bestimmten Menge von CDM-Zertifikaten im Voraus versichern lassen oder sich etwa gegen m\u00f6gliche Preisschwankungen am Zertifikatsmarkt absichern. Diese kann er dann gegen\u00fcber der Bank als Sicherheit verwenden, um ein Darlehen zu erhalten. Damit erm\u00f6glicht der Risikotransfer an einen Dritten durch ein Versicherungsprodukt Investitionen in Projekte, die sonst nicht zustande kommen w\u00fcrden.&#13;<\/p>\n<h2>Aspekte eines erfolgreichen CDM-Marktes in der Zukunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrundvoraussetzung f\u00fcr eine erfolgreiche Rolle des projektbasierten Emissionshandels im Rahmen des CDM in der Zukunft ist ein robustes Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls zur globalen Reduktion der Treibhausgasemissionen. Eine wirklich globale Regelung der Verteilung der Reduktionsanstrengungen sollte alle grossen Emittenten &#8211; also auch die heute noch abseits stehenden USA &#8211; und die grossen Transformations- und CDM-L\u00e4nder China, Indien und Brasilien einbinden. \u00a0Der heutige wachsende CDM-Markt zeigt aber, dass neben einer gen\u00fcgenden Nachfrage vier weiteren Schl\u00fcsselfaktoren eine zentrale Bedeutung f\u00fcr einen erfolgreichen zuk\u00fcnftigen CDM zukommt (siehe Grafik 2). Erfolgreiche Projekte bauen auf zweckm\u00e4ssiger und angepasster \u00abClean Technology\u00bb auf. In diesem Bereich kann gerade die Schweizer Industrie einen hervorragenden Beitrag leisten. Daneben sind robuste regulatorische und institutionelle Bedingungen in den Gastl\u00e4ndern der Projekte eine wichtige Grundlage. Damit Projekte tats\u00e4chlich den erwarteten Beitrag zur Reduktion der Emissionen leisten und nicht gar zu Nettoemissionen f\u00fchren, muss die UN-Beh\u00f6rde auf eine stringente Pr\u00fcfung insbesondere der Additionalit\u00e4t der Projekte hinarbeiten. Neue Ans\u00e4tze wie der sektorielle CDM k\u00f6nnen Transaktionskosten auf Projektebene senken und Anreize zur angestrebten Transformation ganzer Sektoren bieten. Schliesslich liefert auch die Finanz- und Versicherungsbranche durch die Entwicklung und Bereitstellung von umfassenden L\u00f6sungen des Risikotransfers die Grundlagen, welche die Realisierung vieler CDM-Projekte erst erm\u00f6glichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abProjekttypen und Technologien f\u00fcr CDM: Anteile an gehandelten Zertifikaten, 2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abSchl\u00fcsselaspekte f\u00fcr einen erfolgreichen zuk\u00fcnftigen CDM\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00ab\u00dcbersicht des globalen Marktes f\u00fcr Treibhausgaszertifikate, 2006\u20132007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Flexible projektbasierte Mechanismen des Kyoto-Protokolls<\/b>&#13;<br \/>\nDas Kyoto-Protokoll von 1997 definiert neben den verbindlichen Reduktionszielen f\u00fcr die industrialisierten Vertragsstaaten zwei projektbasierte flexible Mechanismen (auch Kyoto-Mechanismen), welche die Gesamtkosten zur Erreichung dieser Ziele reduzieren sollen. Die Regeln dieser flexiblen Mechanismen wurden an der Vertragsstaatenkonferenz von Marrakesch 2001 konkretisiert. Die projektbezogenen Instrumente Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI) funktionieren nach folgendem Prinzip: Ein Investor unterst\u00fctzt Projekte in einem Gastland, wie beispielsweise die Erneuerung der Fernw\u00e4rmeversorgung einer Stadt oder den Bau eines Windenergie-Parks; f\u00fcr die damit realisierten Emissionsreduktionen erh\u00e4lt er Zertifikate. Diese Zertifikate kann er sich f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner Reduktionsverpflichtung im eigenen Land &#8211; oder f\u00fcr das eigene Land im Falle einer Regierung &#8211; anrechnen lassen.JI-Projekte werden in Industrieoder Transformationsl\u00e4ndern durchgef\u00fchrt, die selber eine Kyoto-Verpflichtung eingegangen sind. CDM-Projekte werden in Entwicklungsl\u00e4ndern ohne Kyoto-Verpflichtung durchgef\u00fchrt und m\u00fcssen deshalb auch strengeren Anforderungen &#8211; z.B. bez\u00fcglich Additionalit\u00e4t &#8211; entsprechen. CDM-Projekte m\u00fcssen neben der Treibhausgasemissionsreduktion auch einen Beitrag an die nachhaltige Entwicklung im Gastland leisten.Eine Einschr\u00e4nkung zum Gebrauch der flexiblen Mechanismen setzt das Supplementarit\u00e4tsprinzip des Kyoto-Protokolls. Dieses verlangt, dass flexible Mechanismen nur erg\u00e4nzend (\u00absupplemental\u00bb) zu Reduktionsanstrengungen im eigenen Land verwendet werden d\u00fcrfen. Der \u00fcberwiegende Teil der Emissionsreduktion muss im Land selbst erfolgen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Der globale Markt f\u00fcr Treibhausgaszertifikate w\u00e4chst zur Zeit sehr schnell. 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