{"id":123146,"date":"2008-07-01T12:00:00","date_gmt":"2008-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/07\/weber-12\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:50","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:50","slug":"weber-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/07\/weber-11\/","title":{"rendered":"Wie relevant ist der IWF im globalen Finanzsystem des 21. Jahrhunderts?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen und Anpassungsbedarf als Chance<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit den j\u00fcngsten Entwicklungen der Weltwirtschaft und insbesondere der Globalisierung der Finanzm\u00e4rkte hat sich die Diskussion um die Rolle des IWF einmal mehr akzentuiert. Dessen Rolle hat sich in der Tat \u00fcber die Jahrzehnte stetig gewandelt, beispielsweise infolge des \u00dcbergangs zu flexiblen Wechselkursen in den Siebzigerjahren, der internationalen Schulden-, W\u00e4hrungs- und Finanzkrisen der Achtziger- und Neunzigerjahre sowie die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion. Der IWF hat \u00fcber die Jahre auch sein Instrumentarium zur Unterst\u00fctzung der \u00e4rmsten L\u00e4nder verfeinert.\u00a0Die aktuellen Herausforderungen betreffen sowohl den Aufgabenbereich als auch die Gouvernanz und den Haushalt des IWF. Sie sind zur\u00fcckzuf\u00fchren auf ein globales Finanzsystem, das heute durch hohe und zunehmende grenz\u00fcberschreitende Kapitalfl\u00fcsse sowie erhebliche Devisenreserven von Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern gekennzeichnet ist. Die fr\u00fcheren Hauptkreditnehmer des IWF haben zwischenzeitlich ihre offiziellen Reserven drastisch erh\u00f6ht, um sich damit unter anderem besser gegen potenzielle Krisen abzusichern (siehe Grafik 1). H\u00f6here eigene finanzielle Sicherheiten und die vorzeitige R\u00fcckzahlung ausstehender Grosskredite &#8211; z.B. durch Brasilien und Argentinien &#8211; sind auch Ausdruck einer Emanzipation von den wirtschaftspoli-tischen Vorgaben des IWF. Mit einem stark gesunkenen Volumen ausstehender Kredite muss der IWF in der Folge auf seine Haupteinnahmen verzichten. Diese wohl nicht nur kurzfristigen Einnahmenausf\u00e4lle haben erstmals seit 1970 wieder zu Budgetdefiziten gef\u00fchrt und zwingen den IWF nun, andere Finanzierungsquellen f\u00fcr seine T\u00e4tigkeiten beizuziehen. Dadurch muss auch sein Gesch\u00e4ftsmodell neu \u00fcberdacht werden.&#13;<\/p>\n<h2>Institutionelle Reformen setzen Meilensteine<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie im April 2008 von der \u00fcberwiegenden Mehrheit der IWF-Mitglieder gutgeheissenen Reformen stellen einen wichtigen Schritt in der \u00fcber 60-j\u00e4hrigen Geschichte des IWF dar. Ihre Kernelemente sind die st\u00e4rkere Betonung von Finanzmarktentwicklungen und l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Aspekten in der regelm\u00e4ssigen wirtschaftlichen \u00dcberwachungst\u00e4tigkeit (Surveillance), die Anpassung der Stimmrechte zugunsten der dynamisch gewachsenen Mitgliedl\u00e4nder sowie die Sanierung der IWF-Finanzen. Die Reformen begegnen somit auch der Kritik, der IWF habe seine Daseinsberechtigung verloren oder drohe sogar in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten.&#13;<\/p>\n<h3>Strategische Neuausrichtung der T\u00e4tigkeiten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nK\u00fcnftig soll das Grundprinzip gelten, dass sich der IWF in seiner Arbeit haupts\u00e4chlich auf Bereiche konzentriert, in denen er einen komparativen Vorteil aufweist. Dies erlaubt und bedingt eine B\u00fcndelung der Ressourcen sowie eine verst\u00e4rkte Fokussierung auf T\u00e4tigkeiten, mit denen der IWF im internationalen Kontext am meisten Mehrwert schafft.\u00a0Die wirtschaftliche \u00dcberwachungsfunktion des IWF bleibt zentral f\u00fcr seine Rolle in der Beratung und der Krisenpr\u00e4vention. J\u00e4hrliche Konsultationen mit den Mitgliedl\u00e4ndern (Artikel IV Konsultationen) werden beibehalten. Die Qualit\u00e4t der L\u00e4nderberichte im Dialog mit den Beh\u00f6rden soll trotz Spardruck gewahrt bleiben. Die regelm\u00e4ssigen L\u00e4nderexamen sind auch eine wichtige Informationsquelle f\u00fcr die Analysen und Prognosen zur Weltwirtschaft (World Economic Outlook) und zur globalen Finanzstabilit\u00e4t (Global Financial Stability Report). Diese halbj\u00e4hrlich publizierten Berichte sind Ausdruck der multilateralen \u00dcberwachungsrolle des IWF, welche k\u00fcnftig st\u00e4rker in den Vordergrund ger\u00fcckt wird. Inhaltlich werden sich die Beurteilungen des IWF vermehrt auf die Verbindungen zwischen der Realwirtschaft und den Finanzm\u00e4rkten, auf die Finanzsektorentwicklungen sowie auf grenz\u00fcberschreitende und regionale Wirkungen konzentrieren. Der IWF betritt mit dieser Ausrichtung nicht g\u00e4nzlich Neuland, denn er f\u00fchrt bereits seit mehreren Jahren finanzsektorspezifische L\u00e4nderpr\u00fcfungen durch. Dennoch sind weitere Forschungsanstrengungen n\u00f6tig, damit der IWF weiterhin gut fundierte und koh\u00e4rente Empfehlungen an die Beh\u00f6rden abgeben kann. Die enge, aber komplement\u00e4re Zusammenarbeit mit anderen internationalen Gremien &#8211; insbesondere mit dem in Basel angesiedelten Forum f\u00fcr Finanzstabilit\u00e4t &#8211; soll dies unterst\u00fctzen.\u00a0Im Rahmen seines Engagements f\u00fcr die \u00e4rmsten L\u00e4nder wird sich der IWF in erster Linie daf\u00fcr einsetzen, makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t und Nachhaltigkeit der Verschuldung sicherzustellen. Dieser Beitrag zur Schaffung der Wachstumsvoraussetzungen soll besser mit anderen Institutionen und Geberl\u00e4ndern abgestimmt werden, was auch eine klare Abgrenzung der Rolle des IWF und eine entsprechende Arbeitsteilung &#8211; namentlich gegen\u00fcber den Entwicklungsbanken &#8211; bedingt. Dies erm\u00f6glicht einen effizienten Mitteleinsatz zugunsten der Mitgliedl\u00e4nder, unter anderem durch rigorose makro\u00f6konomische Analysen und technische Unterst\u00fctzung. Bei der zinsverbilligten Kreditvergabe im Rahmen von Struktur- und Wachstumsprogrammen und der Hilfe beim Aufbau von lokalem Know-how (Capacity Building) werden in der Substanz keine Abstriche gemacht. Um den \u00e4rmsten L\u00e4ndern Wege zu h\u00f6herem Wachstum und effizienten Finanzsektoren aufzuzeigen, soll die Erfahrung in den Schwellenl\u00e4ndern verst\u00e4rkt genutzt werden.\u00a0Obwohl die Nachfrage der Mitgliedl\u00e4nder nach spezifischer technischer Unterst\u00fctzung und Weiterbildung weiterhin steigt, bleibt der IWF international ein Nischenanbieter. Diese Dienstleistungen sollen strikt auf die Kernaufgaben des IWF ausgerichtet werden. Ein massgeblicher Teil davon wird mittels Treuhandfonds extern zu finanzieren sein. Der IWF rechnet hierf\u00fcr mit h\u00f6heren Zuwendungen seiner Mitgliedl\u00e4nder oder anderer Geber (z.B. gemeinn\u00fctzige Stiftungen). Voraussetzung f\u00fcr ein erfolgreiches Fundraising ist aber eine grundlegende Modernisierung der Kostenzurechnung und Administration der technischen Unterst\u00fctzung, die bereits in Angriff genommen wurde. Neu ist zudem geplant, ein nach Einkommensh\u00f6he abgestuftes Geb\u00fchrensystem einzuf\u00fchren. Diese Geb\u00fchren sollen nicht prim\u00e4r als Einnahmequelle dienen, sondern als Mittel zur Nachfragesteuerung. Der Trend zur Bereitstellung von technischer Unterst\u00fctzung und Weiterbildung \u00fcber regionale Zentren hat sich mit Blick auf die Kosteneffizienz bew\u00e4hrt und wird verst\u00e4rkt.&#13;<\/p>\n<h3>Paketl\u00f6sung zu den Stimmrechten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Anpassung der Stimmenverh\u00e4ltnisse im IWF wurde ein bereits 2006 begonnener Verhandlungsprozess abgeschlossen. Die Zuteilung der Stimmrechte wird mittels einer neuen Formel zur Berechnung der Quoten auf eine einfachere und transparentere Basis gestellt. Die Quote eines Landes bestimmt die Reserveeinlage beim IWF, die H\u00f6he eines m\u00f6glichen Kreditbezugs sowie schliesslich &#8211; zusammen mit den Basis-Stimmrechten &#8211; das Stimmengewicht in der Institution. Mit der Erh\u00f6hung der Quotenanteile bisher untervertretener L\u00e4nder und grosser Schwellenl\u00e4nder wird deren Einflussm\u00f6glichkeit im IWF besser auf die Verh\u00e4ltnisse in der Weltwirtschaft abgestimmt. Diese relative Besserstellung gewisser L\u00e4nder wird mittels einer Ad-hoc-Erh\u00f6hung von 11,5% der gesamten Quotensumme erreicht. Nur diejenigen L\u00e4nder, die eine Erh\u00f6hung ihrer Quote erhalten, haben zus\u00e4tzliche Reserveeinlagen beim IWF zu t\u00e4tigen.\u00a0Das Reformpaket zu den Stimmrechten wurde als bindende Resolution vom Gouverneursrat als oberstes Leitungsgremium des IWF (zusammengesetzt aus den Finanzministern oder Zentralbankgouverneuren der Mitgliedl\u00e4nder) verabschiedet. Es enth\u00e4lt Bestimmungen, die eine Anpassung der IWF-Statuten erfordern. Entsprechend tritt es erst in Kraft, wenn drei F\u00fcnftel der Mitgliedl\u00e4nder, die mindestens 85% der gesamten Stimmkraft vertreten, die rechtlichen Grundlagen hierf\u00fcr geschaffen haben. Die Zustimmungskompetenz liegt bei den Regierungen oder bei den Parlamenten der Mitgliedl\u00e4nder. Das Reformpaket ist eine Kompromissl\u00f6sung, wobei die vorgegebenen politischen Zielsetzungen nach einigem Tauziehen erreicht werden konnten. Es beinhaltet folgende Elemente:\u00a0&#8211; Die Berechnung der L\u00e4nderquoten er-folgt erstmals auf Basis einer einheitlichen neuen Quotenformel. Diese ist zusammengesetzt aus den vier Variablen Bruttoinlandprodukt (BIP), Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft, Volatilit\u00e4t der Handels- und Kapitalfl\u00fcsse und offizielle Reserven (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDie neue Quotenformel basiert auf f\u00fcnf makro\u00f6konomischen Variablen, die zu Durchschnittswerten \u00fcber mehrere Jahre berechnet und gewichtet werden. Ihre Werte entsprechen dem jeweiligen Anteil eines Landes am Total aller Mitglieder. Um die negative Wirkung der hohen Gewichtung des BIP f\u00fcr die kleineren L\u00e4nder etwas abzuschw\u00e4chen, wurde die Formel mit einem Kompressionsfaktor versehen:Q = (0.5*Y + 0.3*O + 0.15*V + 0.05*R)kWobei:Q = berechneter Quotenanteil eines LandesY = Bruttoinlandprodukt (BIP), wobei das BIP zu 40% nach Kaufkraftparit\u00e4ten und zu 60% zum Wechselkurs auf den M\u00e4rkten gemessen wirdO = Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft gemessen an der Summe der ErtragsbilanztransaktionenV = Volatilit\u00e4t der internationalen Handels- und Kapitalfl\u00fcsseR = offizielle Reserven k = linearer Kompressionsfaktor von 0.95).\u00a0&#8211; Alle gem\u00e4ss der neuen Formel untervertretenen L\u00e4nder erhalten eine Quotenerh\u00f6hung. Um einen politischen Kompromiss zu erm\u00f6glichen, waren indessen zus\u00e4tzliche Korrekturen n\u00f6tig. So verzichten einige Industriel\u00e4nder (Deutschland, Italien, Irland, Japan, Luxemburg und die USA) auf einen Teil der ihnen zustehenden Erh\u00f6hungen. Zudem erhalten Brasilien, Indien und Vietnam eine Erh\u00f6hung von 40%, gest\u00fctzt auf das Kriterium der Untervertretung gemessen am globalen, kaufkraftgewichteten BIP. Zugleich werden die Quoten derjenigen Schwellenl\u00e4nder, die bereits 2006 eine Quotenerh\u00f6hung erhalten hatten (China, Korea, Mexiko und die T\u00fcrkei), um weitere 15% angehoben.\u00a0&#8211; Die Basis-Stimmrechte, die allen Mitgliedern in gleicher H\u00f6he zustehen, werden verdreifacht. Damit wird das Stimmengewicht der kleinen und insbesondere auch der \u00e4rmeren L\u00e4nder vergr\u00f6ssert. Diese erste Erh\u00f6hung der Basisstimmen seit Bestehen des IWF hebt deren Anteil von momentan unter 2% auf neu 5,5% an. Dieser Anteil wird in Zukunft auch bei weiteren Quotenerh\u00f6hungen konstant bleiben.\u00a0&#8211; Als weitere Massnahme zur Verbesserung der Mitsprache der \u00e4rmeren L\u00e4nder werden die zwei afrikanischen L\u00e4ndergruppen im Exekutivrat mit je einem zweiten Stellvertretenden Exekutivdirektor verst\u00e4rkt.\u00a0&#8211; Die Stimmenverh\u00e4ltnisse im IWF werden k\u00fcnftig regelm\u00e4ssig dahingehend \u00fcberpr\u00fcft, ob sie mit den weltwirtschaftlichen Entwicklungen angemessen Schritt halten. Anpassungen sollen schrittweise und im Kontext der allgemeinen Quoten\u00fcberpr\u00fcfungen alle f\u00fcnf Jahre erfolgen. Vor einer n\u00e4chsten Anpassung sind weitere Arbeiten zur Verbesserung der Quotenformel &#8211; namentlich in Bezug auf die Datenbasis und die Definition der Variablen &#8211; vorgesehen.\u00a0\u00a0Die Quotenanpassung und die Erh\u00f6hung der Basisstimmen zusammen f\u00fchren f\u00fcr 135 L\u00e4nder zu einem h\u00f6heren Stimmenanteil. Eine Mehrheit der Mitgliedschaft wird somit eine gr\u00f6ssere Mitsprache im IWF erhalten. Insgesamt betr\u00e4gt diese Erh\u00f6hung 5,4 Prozentpunkte, wobei grosse Schwellenl\u00e4nder wie Brasilien, China und Indien zu den gr\u00f6ssten Gewinnern geh\u00f6ren. Zwar bleibt die Verschiebung der Stimmenanteile von Industriezu Entwicklungsl\u00e4ndern mit 2,7 Prozentpunkten begrenzt. Gemessen an der bestehenden Differenz von 16 Prozentpunkten (58% zu 42% zugunsten der Industriel\u00e4nder) wurde damit aber ein wesentlicher Schritt getan, dem mit der Zeit weitere folgen d\u00fcrften.&#13;<\/p>\n<h3>Sanierung des Finanzhaushaltes<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nUm den IWF l\u00e4ngerfristig auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, hat der Exekutivrat weit gehende Massnahmen zur Verbesserung der Kosteneffizienz und zur Erh\u00f6hung des finanziellen Spielraums getroffen. Der einnahmenseitige Beschluss zur Ausweitung der heute eng begrenzten Investitionsm\u00f6glichkeiten setzt &#8211; wie bei der Quotenreform &#8211; Statuten\u00e4nderungen voraus. Nachdem die Zustimmung des Gouverneursrats zu einer entsprechenden Resolution erfolgt ist, m\u00fcssen diese nun von den Mitgliedl\u00e4ndern ratifiziert werden. Dieser Prozess hat erst begonnen und k\u00f6nnte bis zu zwei Jahre dauern. \u00a0Bis anhin finanzierte der IWF seine laufenden Kosten vor allem aus Zinszahlungen f\u00fcr Kredite an die Mitgliedl\u00e4nder. Das ausstehende Kreditvolumen ist nun aber auf einem historischen Tiefpunkt angelangt (siehe Grafik 2). Dies hat zu einer Finanzierungsl\u00fccke gef\u00fchrt, die ohne Gegenmassnahmen bis 2012 auf 400 Mio. US-Dollar anwachsen w\u00fcrde. Die notwendig gewordene Sanierung des Finanzhaushalts des IWF soll zu einem Drittel \u00fcber Ausgabenk\u00fcrzungen und zu zwei Dritteln durch Mehreinnahmen erfolgen (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2<\/b>&#13;<br \/>\nDie wesentliche Massnahme auf der Ausgabenseite besteht in einem Personalabbau, flankiert von einer Anpassung der internen Organisation und Abl\u00e4ufe. Der IWF wird in den kommenden drei Jahren rund 500 seiner 2900 Stellen abbauen. Diese Sparvorgaben werden nicht pauschal verordnet, sondern auf die neue strategische Ausrichtung des IWF abgestimmt.Das Massnahmenb\u00fcndel auf der Einnahmenseite zielt darauf ab, die finanzielle Basis des IWF anhand eines auf seine vielf\u00e4ltigen Aufgaben abgestimmten Einkommensmodells zu sichern und voraussehbarer zu machen. Die folgenden drei neuen Bestandteile sollten zu den gew\u00fcnschten Mehreinnahmen f\u00fchren:- Der Verkauf von 403,3 Tonnen Gold, was etwa 12% der Goldreserven des IWF entspricht, d\u00fcrfte rund 11 Mrd. US-Dollar einbringen. Dieser Erl\u00f6s fliesst in einen Spezialfonds, dessen Ertr\u00e4ge regelm\u00e4ssige Einnahmen generieren wird. Der Goldverkauf ist jedoch abh\u00e4ngig von einem Beschluss des Exekutivrats mit mindestens 85% Zustimmung. Dieser konnte bisher noch nicht erfolgen, da das formelle Einverst\u00e4ndnis der USA (mit \u00fcber 15% Stimmenanteil) noch aussteht. Mittels einer politischen Absichtserkl\u00e4rung haben die USA jedoch ihre Zustimmung bis im Fr\u00fchjahr 2009 zugesichert.- Die Kosten der Verwaltung des Treuhandkontos f\u00fcr Kredite an die \u00e4rmsten L\u00e4nder werden dem IWF-Budget k\u00fcnftig wieder r\u00fcckerstattet. Diese R\u00fcckerstattung, welche die Kostentransparenz erh\u00f6ht, soll allerdings erst dann wieder aufgenommen werden, wenn der Exekutivrat dem Goldverkauf zugestimmt hat. Die Kapazit\u00e4t des IWF zur Kreditvergabe an die \u00e4rmsten L\u00e4nder wird dadurch nicht verringert. Das Treuhandkonto f\u00fcr Kredite an die \u00e4rmsten L\u00e4nder wird von Geberl\u00e4ndern subventioniert und separat vom ordentlichen Haushalt gef\u00fchrt.- Wie andere internationale Institutionen wird der IWF mehr M\u00f6glichkeiten erhalten, die Anlage seiner Finanzmittel zu optimieren und seine Investitionsstrategie bei Bedarf anzupassen. Dabei soll er weiterhin einen konservativen und passiven Anlagestil verfolgen. Durch die Erweiterung der Investitionsm\u00f6glichkeiten werden sich die durchschnittlich zu erwartende Rendite des 2006 geschaffenen Investitionskontos und damit die Einnahmen des IWF erh\u00f6hen.).&#13;<\/p>\n<h2>Kritische, aber konstruktive Haltung der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie aktuellen Reformen des IWF sind nicht Selbstzweck, sondern zielen darauf ab, dass der IWF seine vorrangige Rolle bei der Wahrung der globalen makro\u00f6konomischen und finanziellen Stabilit\u00e4t bestm\u00f6glich wahrnehmen kann. Trotz Bedenken hat die Schweiz, die einen von insgesamt 24 Exekutivdirektoren stellt und sich aktiv an den Verhandlungen beteiligt hat, den Beschl\u00fcssen zum Reformprozess zugestimmt.\u00a0Die bessere Fokussierung der Aktivit\u00e4ten und die Neuausrichtung der \u00dcberwachungst\u00e4tigkeit sind wichtige Weichenstellungen, welche im Interesse der Schweiz liegen und daher unterst\u00fctzt werden. Der IWF richtet bereits seit einigen Jahren ein spezielles Augenmerk auf den hoch entwickelten Schweizer Finanzsektor und seine Rolle f\u00fcr die Volkswirtschaft. Die Erarbeitung weiterer analytischer Grundlagen zu den Wechselwirkungen zwischen Real- und Finanzwirtschaft wird f\u00fcr die Beh\u00f6rden und die Finanzmarktteilnehmer von hohem Interesse sein. Auch die Tatsache, dass Finanzstabilit\u00e4t und Wachstumsaussichten im Inland massgeblich von stabilen globalen Finanzm\u00e4rkten abh\u00e4ngen, spricht f\u00fcr einen weiterhin aktiven und offenen Dialog mit dem IWF. Dies ist auch w\u00fcnschbar mit Blick auf regulatorische Folgemassnahmen im Zuge der Finanzmarktturbulenzen, was ein international gut koordiniertes Vorgehen erfordert.\u00a0Angesichts der Tatsache, dass der Stimmenanteil der Schweiz und derjenige der von ihr gef\u00fchrten L\u00e4ndergruppe zur\u00fcckgehen wird, konnte die Schweiz den breiten Konsens in der Stimmrechtsfrage nur mit Vorbehalt und mit Blick auf das \u00fcbergeordnete Interesse der Institution mittragen. Das Stimmengewicht der Schweiz wird von 1,6% auf 1,4% sinken, wobei das Gewicht der gesamten L\u00e4ndergruppe ebenfalls abnimmt. Haupts\u00e4chliche Forderung der Schweiz war und bleibt die Anwendung einer Quotenformel, die das Mandat des IWF zur Wahrung der internationalen Finanz- und W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t hinreichend widerspiegelt. Hauptm\u00e4ngel der neuen Formel sind aus Schweizer Sicht der hohe Anteil des kaufkraftgewichteten BIP, der grosse und geschlossene Volkswirtschaften gegen\u00fcber kleinen und offenen bevorteilt, sowie die ungen\u00fcgende Ber\u00fccksichtigung der Globalisierung des Finanzgesch\u00e4fts.\u00a0Die Schweiz hat das neue Einkommensmodell gutgeheissen, da es den IWF auf eine solidere finanzielle Basis stellt, auch wenn es unvollst\u00e4ndig bleibt. Es fehlt namentlich eine M\u00f6glichkeit zur Steuerung der Einnahmen, wie dies die Investition von Quotenanteilen der Mitglieder erm\u00f6glicht h\u00e4tte. Hingegen hat die Schweiz die Anstrengungen zur Sanierung des IWF-Haushaltes auf der Ausgabenseite vollumf\u00e4nglich mitgetragen.&#13;<\/p>\n<h2>Umsetzung der Reformen noch ausstehend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie verst\u00e4rkte Ausrichtung des IWF auf Finanzmarktfragen wird durch die anhaltenden Unsicherheiten auf den Finanzm\u00e4rkten einem ersten Realit\u00e4tstest unterzogen, dessen Erkenntnisse zweifellos in die weitere Umsetzung der Reformen einfliessen werden. In diese Priorit\u00e4tensetzung passt, dass der IWF die Koordinationsrolle bei der Ausarbeitung eines freiwilligen Verhaltenskodex f\u00fcr Staatsfonds \u00fcbernommen hat. Ein Entwurf dieser Best Practices soll gemeinsam mit den Staatsfonds erarbeitet werden und bis im Herbst 2008 vorliegen. Der Erfolg der IWF-Reformen wird daran gemessen werden, wie rasch und effektiv die Institution ihre Arbeitsweise an den neuen strategischen Zielsetzungen ausrichtet. Ob der IWF nun wieder eine F\u00fchrungsrolle f\u00fcr das globale Finanzsystem eingenommen hat, wie vom neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Direktor Dominique Strauss-Kahn bereits kundgetan, wird sich erst dadurch weisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abOffizielle Reserven (ohne Gold), 1945-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abAusstehendes Kreditvolumen und Liquidit\u00e4t des IWF, 1984-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Neue Quotenformel des IWF<\/b>&#13;<br \/>\nDie neue Quotenformel basiert auf f\u00fcnf makro\u00f6konomischen Variablen, die zu Durchschnittswerten \u00fcber mehrere Jahre berechnet und gewichtet werden. Ihre Werte entsprechen dem jeweiligen Anteil eines Landes am Total aller Mitglieder. Um die negative Wirkung der hohen Gewichtung des BIP f\u00fcr die kleineren L\u00e4nder etwas abzuschw\u00e4chen, wurde die Formel mit einem Kompressionsfaktor versehen:Q = (0.5*Y + 0.3*O + 0.15*V + 0.05*R)kWobei:Q = berechneter Quotenanteil eines LandesY = Bruttoinlandprodukt (BIP), wobei das BIP zu 40% nach Kaufkraftparit\u00e4ten und zu 60% zum Wechselkurs auf den M\u00e4rkten gemessen wirdO = Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft gemessen an der Summe der ErtragsbilanztransaktionenV = Volatilit\u00e4t der internationalen Handels- und Kapitalfl\u00fcsseR = offizielle Reserven k = linearer Kompressionsfaktor von 0.95&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Massnahmen zur Sanierung des IWF-Finanzhaushalts<\/b>&#13;<br \/>\nDie wesentliche Massnahme auf der Ausgabenseite besteht in einem Personalabbau, flankiert von einer Anpassung der internen Organisation und Abl\u00e4ufe. Der IWF wird in den kommenden drei Jahren rund 500 seiner 2900 Stellen abbauen. Diese Sparvorgaben werden nicht pauschal verordnet, sondern auf die neue strategische Ausrichtung des IWF abgestimmt.Das Massnahmenb\u00fcndel auf der Einnahmenseite zielt darauf ab, die finanzielle Basis des IWF anhand eines auf seine vielf\u00e4ltigen Aufgaben abgestimmten Einkommensmodells zu sichern und voraussehbarer zu machen. Die folgenden drei neuen Bestandteile sollten zu den gew\u00fcnschten Mehreinnahmen f\u00fchren:- Der Verkauf von 403,3 Tonnen Gold, was etwa 12% der Goldreserven des IWF entspricht, d\u00fcrfte rund 11 Mrd. US-Dollar einbringen. Dieser Erl\u00f6s fliesst in einen Spezialfonds, dessen Ertr\u00e4ge regelm\u00e4ssige Einnahmen generieren wird. Der Goldverkauf ist jedoch abh\u00e4ngig von einem Beschluss des Exekutivrats mit mindestens 85% Zustimmung. Dieser konnte bisher noch nicht erfolgen, da das formelle Einverst\u00e4ndnis der USA (mit \u00fcber 15% Stimmenanteil) noch aussteht. Mittels einer politischen Absichtserkl\u00e4rung haben die USA jedoch ihre Zustimmung bis im Fr\u00fchjahr 2009 zugesichert.- Die Kosten der Verwaltung des Treuhandkontos f\u00fcr Kredite an die \u00e4rmsten L\u00e4nder werden dem IWF-Budget k\u00fcnftig wieder r\u00fcckerstattet. Diese R\u00fcckerstattung, welche die Kostentransparenz erh\u00f6ht, soll allerdings erst dann wieder aufgenommen werden, wenn der Exekutivrat dem Goldverkauf zugestimmt hat. Die Kapazit\u00e4t des IWF zur Kreditvergabe an die \u00e4rmsten L\u00e4nder wird dadurch nicht verringert. Das Treuhandkonto f\u00fcr Kredite an die \u00e4rmsten L\u00e4nder wird von Geberl\u00e4ndern subventioniert und separat vom ordentlichen Haushalt gef\u00fchrt.- Wie andere internationale Institutionen wird der IWF mehr M\u00f6glichkeiten erhalten, die Anlage seiner Finanzmittel zu optimieren und seine Investitionsstrategie bei Bedarf anzupassen. Dabei soll er weiterhin einen konservativen und passiven Anlagestil verfolgen. 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