{"id":123161,"date":"2008-06-01T12:00:00","date_gmt":"2008-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/06\/braun-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:54","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:54","slug":"braun-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/06\/braun-5\/","title":{"rendered":"Das Messen \u00f6ffentlicher Leistungen aus der Sicht der Kantone"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>M\u00f6glichkeiten und &#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm \u00f6ffentlichen Bereich spielt typischerweise der Markt nicht. Da keine Marktmechanismen dar\u00fcber entscheiden, ob die richtigen Leistungen zum richtigen Preis angeboten werden, vermag ein Benchmarking aufzuzeigen, wo die \u00f6ffentlichen Mittel im Vergleich wirklich haush\u00e4lterisch eingesetzt und die Leistungen effizient erbracht werden. Unter diesem Aspekt sind die im Auftrag des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements (EVD) erarbeiteten Benchmarking-Studien zu verschiedenen Bereichen \u00f6ffentlicher Leistungen zu begr\u00fcssen. Im st\u00e4ndigen Bestreben, von den Besten zu lernen, profitieren die Gemeinwesen von Vergleichen und sind herausgefordert, aus den Erkenntnissen die Effizienz der Leistungserbringung zu steigern.\u00a0Um im Rahmen des New Public Management sinnvolle F\u00fchrungsvorgaben und angemessene Globalbudgets festlegen zu k\u00f6nnen, sind aussagekr\u00e4ftige Vergleichszahlen erforderlich. Auch das im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) eingef\u00fchrte neue Instrument der Programmvereinbarung zwischen Bund und Kantonen erfordert Kostenanalysen, um die vorgesehenen Pauschalbeitr\u00e4ge \u00abrichtig\u00bb festlegen zu k\u00f6nnen.\u00a0Alle diese Beweggr\u00fcnde f\u00fcr Benchmarking und darauf basierende Kostenanalysen sind grunds\u00e4tzlich betriebswirtschaftlich motiviert. Damit werden den Entscheidungstr\u00e4gern optimale Grundlagen bereitgestellt, um sinnvolle F\u00fchrungsvorgaben festlegen zu k\u00f6nnen, sei dies innerhalb der Verwaltung oder im politischen Prozess.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230; Grenzen von Benchmarking im \u00f6ffentlichen Bereich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die KdK &#8211; wie auch f\u00fcr den Bund &#8211; k\u00f6nnen in unserem f\u00f6deralistischen Staat Feststellungen ineffizienten Verhaltens einzelner Kantone oder ein Effizienzranking unter den Kantonen allein keine Grundlage f\u00fcr regulatorisches Handeln sein, sind doch die 26 Kantone souver\u00e4ne Teilstaaten mit eigener Kosten- und Leistungsverantwortung. Es entspricht unserem f\u00f6deralistischen Verst\u00e4ndnis, dass der Souver\u00e4n in jedem Kanton frei ist, \u00fcber sein Leistungsangebot zu entscheiden, was sowohl zu einem unterschiedlichen Leistungsangebot bez\u00fcglich Qualit\u00e4t und Quantit\u00e4t als auch hinsichtlich der Effizienz der geforderten Leistungserbringung f\u00fchrt. Ergebnisse von Benchmarking-Studien k\u00f6nnen deshalb f\u00fcr die Entscheidungstr\u00e4ger in den einzelnen Kantonen zwar eine wichtige Rolle spielen, haben aber keine normative Kraft.\u00a0Bezogen auf die vorliegenden Studien: Es kann durchaus Gr\u00fcnde geben, andere Massst\u00e4be f\u00fcr einzelne Leistungen politisch zu vereinbaren, weil die Verh\u00e4ltnisse unterschiedlich beurteilt werden. So d\u00fcrfte die Papierflut &#8211; und damit der Altpapieranfall &#8211; in einem Briefkasten im Obergoms wohl kaum mit demjenigen in der Stadt Bern zu vergleichen sein.&#13;<\/p>\n<h2>Anwendungsbereich NFA-Sonderlasten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas F\u00f6deralismusverst\u00e4ndnis der autonomen Definition von Leistungen liegt auch der NFA zugrunde, indem die bisherige Abh\u00e4ngigkeit der Finanzausgleichszahlungen von der H\u00f6he der Steuerbelastung aufgehoben und nur noch auf das Ressourcenpotenzial abgestellt wird. Mit dem Ersatz bisher zweckgebundener Transferzahlungen durch neu frei verf\u00fcgbare Ausgleichzahlungen wird mit der NFA der Entscheidungsspielraum der einzelnen Kantone gest\u00e4rkt. Benchmarking-Studien sind erforderlich f\u00fcr die Feststellung von Sonderlasten. Dabei geht es darum, den Einfluss nicht beeinflussbarer Faktoren auf die Kosten der Erbringung der Grundleistungen zu ermitteln und Spitzenbelastungen auszugleichen.\u00a0Um f\u00fcr den Entscheidungsprozess sinnvolle Kennzahlen zu erhalten, mit denen die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung gemessen werden kann, sind verschiedene Grundvoraussetzungen erforderlich: \u00a0&#8211; Die Erfassung der nicht beeinflussbaren Kostenfaktoren und deren Einfluss auf die Kosten der Leistungserbringung; \u00a0&#8211; die Festlegung bzw. Messung der Quantit\u00e4t und insbesondere der Qualit\u00e4t der erbrachten Leistung; \u00a0&#8211; die Nachvollziehbarkeit der Studien sowie die Plausibilit\u00e4t der Ergebnisse.\u00a0Die Feststellungen, dass etwa eine h\u00f6here Wirtschafts- und Finanzkraft zu h\u00f6heren Ausgaben f\u00fchrt und dass die Westschweizer Kantone generell ein h\u00f6heres Ausgabenniveau aufweisen als die Zentral- und Ostschweizer Kantone, m\u00f6gen zwar interessant sein. F\u00fcr die Beurteilung der Effizienz der Erbringung einer spezifischen Leistung d\u00fcrfen solche Faktoren jedoch nicht als unbeeinflussbar betrachtet werden, weil sie ihrerseits das Resultat unterschiedlicher Pr\u00e4ferenzen des Souver\u00e4ns oder fr\u00fcherer Entscheidungstr\u00e4ger sind.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den meisten Bereichen der \u00f6ffentlichen Verwaltung beginnen die Schwierigkeiten bereits bei der Messung der Quantit\u00e4t der erbrachten Leistung. Noch weitaus schwieriger ist die Kontrolle der Qualit\u00e4t. Nicht zu vergessen ist, dass im \u00f6ffentlichen Bereich nicht so sehr die erbrachte Leistung, sondern vielmehr die damit erzielte Wirkung im Vordergrund steht. Insofern ist ein Benchmarking bestimmter \u00f6ffentlicher Leistungen &#8211; wie z.B. des \u00f6ffentlichen Personenverkehrs &#8211; erfolgversprechender als generelle Aussagen \u00fcber die angemessene H\u00f6he der Ausgaben von Kantonen und Gemeinden.\u00a0Mit Benchmarking sollen Entscheidgrundlagen geliefert werden. Damit die Entscheidungstr\u00e4ger daraus die richtigen Schl\u00fcsse ziehen, ist es wichtig, dass sie die Kausalzusammenh\u00e4nge verstehen. Dabei ist zu beachten, dass es &#8211; wie die Studie zur Altpapiersammlung zeigt &#8211; sehr wohl verschiedene Effizienzoptima geben und auch ein \u00abschlechtes\u00bb Sammelergebnis optimiert werden kann. \u00a0Benchmarking-Studien k\u00f6nnen ein wertvolles Element f\u00fcr Verbesserungen in verschiedenen \u00f6ffentlichen Leistungsbereichen sein; allerdings nur ein Element. Es gilt, weitere &#8211; vor allem qualitative und allenfalls sogar emotionelle Elemente &#8211; zu ber\u00fccksichtigen, um der politischen Willensbildung f\u00fcr effizientere L\u00f6sungen gerecht zu werden. Bei allen objektiven Kriterien muss die subjektive Beurteilung einer Leistung durch das Individuum ber\u00fccksichtigt werden, entstehen doch politische Mehrheiten bekanntlich aus einem Mehr von \u00e4hnlichen subjektiven An- und Einsichten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; M\u00f6glichkeiten und &#8230; &#13; Im \u00f6ffentlichen Bereich spielt typischerweise der Markt nicht. Da keine Marktmechanismen dar\u00fcber entscheiden, ob die richtigen Leistungen zum richtigen Preis angeboten werden, vermag ein Benchmarking aufzuzeigen, wo die \u00f6ffentlichen Mittel im Vergleich wirklich haush\u00e4lterisch eingesetzt und die Leistungen effizient erbracht werden. Unter diesem Aspekt sind die im Auftrag des Eidg. 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Zu ber\u00fccksichtigen bleibt in jedem Fall die Autonomie des Gliedstaates bzw. des Souver\u00e4ns, die erforderliche Qualit\u00e4t einer Leistung selber zu definieren - wissenschaftlicher Vergleich hin oder her!","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123164,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8797","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b5f98fc88ca"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123161"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3158"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123161"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123161\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128091,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123161\/revisions\/128091"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3158"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123161"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123161"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123161"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123161"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123161"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123161"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}