{"id":123196,"date":"2008-06-01T12:00:00","date_gmt":"2008-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/06\/maggi-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:40:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:40:58","slug":"maggi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/06\/maggi\/","title":{"rendered":"Messung von Output und Effizienz &#8211; mehr als ein Denkanstoss?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie kritische Einleitung heisst nicht, dass der Schreibende die in dieser Ausgabe ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge negativ beurteilt. Denn es ist bereits positiv, dass das Thema Leistungsmessung und Effizienz im \u00f6ffentlichen Sektor \u00fcberhaupt vergleichend behandelt wird. Was die Studien bieten, ist die vergleichende Messung von Leistungen und deren Bestimmungsgr\u00fcnde unter Kantonen und\/oder Gemeinden. Auch die Effizienz wird gemessen und Rankings oder \u00c4hnliches umgesetzt. Was jedoch die Beitr\u00e4ge nicht liefern, obwohl dies machbar w\u00e4re, sind Analysen zu den Ursachen der Ineffizienz. Mit den gegebenen Daten nicht durchf\u00fchrbar sind hingegen vergleichende Messungen bei privat angebotenen Leistungen.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6ffentliche Leistungen messbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Messung ist also machbar, und die Methoden sind bekannt (siehe den einleitenden Artikel von Balast\u00e8r sowie in die einzelnen Beitr\u00e4ge), weshalb hier eine kurze Anmerkung gen\u00fcgen soll. Der \u00d6konom findet Best\u00e4tigung, dass die parametrische Methode besonders bei wenigen Beobachtungen inhaltlich reicher ist als die DEA &#8211; und zwar sowohl was die differenzierte Messung der Effizienz betrifft als auch im Hinblick auf die Identifizierung von Einfl\u00fcssen auf die Leistungserbringung. Die DEA erweist sich erwartungsgem\u00e4ss als \u00abbarmherzige\u00bb Methode. Wo sie im Vergleich zu Frontiersch\u00e4tzungen angewendet wird, sind regelm\u00e4ssig mehr Beobachtungen effizient. Am deutlichsten wird diese aus unserer Sicht problematische Eigenschaft der DEA bei der Analyse des Altpapiersammlung, wo fast alle Gemeinden 100% effizient sind &#8211; selbst solche, die gem\u00e4ss Frontieransatz \u00e4usserst ineffizient erscheinen. Nur mit Pr\u00e4ferenzen der Autoren (Kuster und Meier) ist einsehbar, warum sie trotzdem eine deutliche Neigung zu dieser Methode zeigen. In ihren Tabellen erscheinen 8 von 11 Gemeinden gem\u00e4ss DEA 100% effizient, obwohl diese Auswahl gem\u00e4ss Kennziffern die erste und die letzte von 66 sowie gem\u00e4ss Frontiersch\u00e4tzung die zweite und die zweitletzte Gemeinde enth\u00e4lt. Bemerkenswerterweise erscheinen vier Gemeinden bei allen drei Methoden in den Top Five &#8211; ein Resultat, welches eigentlich einen positiveren Kommentar seitens der Autoren verdienen w\u00fcrde: Eindeutig effiziente Gemeinden k\u00f6nnen n\u00e4mlich unabh\u00e4ngig von der Methode identifiziert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Kausale Analysen noch unbefriedigend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch wenn die Leistung messbar ist, bleibt doch anzumerken, dass die kausalen Analysen noch unbefriedigend sind: Mehr als 50% der Varianz wird kaum erkl\u00e4rt (der Autor dieses Kommentars hat allerdings nur die hier publizierte Information verwendet). Ob dies die \u00fcberaus vorsichtigen Schlussfolgerungen der verschiedenen Autoren rechtfertigt, bleibt jedoch gerade im Hinblick auf das in der wissenschaftlichen Literatur \u00fcbliche fraglich. Wenn &#8211; wie im Fall der kantonalen Ausgaben (Frick) &#8211; mit Hilfe von Kantonsdummies \u00fcber 90% der Varianz erkl\u00e4rt wird, so k\u00f6nnen die verbleibenden Koeffizienten als relativ gesichert angesehen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Einige sehr interessante Erkenntnisse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas nun die Resultate betrifft, so ergeben sich einige sehr interessante Erkenntnisse: Subventionen verringern die Effizienz der Waldbewirtschaftung. Die Autoren (Mack und Schoenenberger) dieser Studie stellen zudem \u00abd&#8217;enormes disparit\u00e9s entre les exploitations\u00bb fest. Die Folgerungen dieser interessanten Erkenntnis muss allerdings die Leserschaft selber ziehen. \u00abDie effizientesten regionalen Bahn- und Buslinien sind rund 40% g\u00fcnstiger als eine durchschnittliche Linie unter \u00e4hnlichen Rahmenbedingungen.\u00bb (Osterwald und Walter). Und aus dieser spektakul\u00e4ren, gem\u00e4ss Autoren allerdings nur vermuteten Ineffizienz, die immerhin f\u00fcr eine Stichprobe von 760 Bus- und 220 Bahnlinien gesch\u00e4tzt wurde, wird lediglich gefolgert, dass weitere Abkl\u00e4rungen n\u00f6tig sind. Interessant sind die Folgerungen von Farsi, Fetz und Filippini: Unbundling (lies: Deregulierung) ist nicht empfehlenswert, da es die besonders bei kleineren Unternehmen vorhandenen Verbundvorteile aufheben w\u00fcrde. Da aber Skalenvorteile bestehen, sind allf\u00e4llige regionale Zusammenschl\u00fcsse zu erw\u00e4gen. Zwei Fragen seien dazu erlaubt: W\u00fcrden die Verbundvorteile auch bei gr\u00f6sseren Zusammenschl\u00fcssen entstehen? Und w\u00fcrden bei einer Entflechtung und Liberalisierung eventuell geringere Verbundvorteile nicht durch Gewinne bei der technischen Effizienz aufgewogen? Immerhin pr\u00e4sentiert dieser Beitrag klare politische Folgerungen.\u00a0W\u00e4hrend wie gesagt die Gr\u00fcnde der Ineffizienz nicht eruiert werden, ergeben sich zu den Bestimmungsgr\u00fcnden der Leistung bzw. der Kosten einzelne interessante Resultate. Die aus unserer Sicht wichtigsten seien hier zusammengefasst: Beim Altpapier erh\u00f6ht eine Sackgeb\u00fchr ceteris paribus die gesammelte Menge. Das Einf\u00fcgen weiterer politischer (Stimmenanteile der Parteien etc.) und kultureller (Religion, Sprache) Variablen h\u00e4tte m\u00f6glicherweise weitere politische Folgerungen &#8211; vor allem zur Nichteinf\u00fchrung der Sackgeb\u00fchr &#8211; erlaubt. Das Vorhandensein von Vollzeitschulen erh\u00f6ht die Kantonsausgaben f\u00fcr die Berufsbildung, und eine Pr\u00e4senz von subventionierten Privatschulen senkt sie. Ergo? Im Regionalverkehr stellen die Streckenl\u00e4nge, die Durchschnittsgeschwindigkeit und die Auslastung die haupts\u00e4chlichen Kostentreiber dar. Ohne Outputqualit\u00e4t (P\u00fcnktlichkeit, Fahrplan etc.) l\u00e4sst sich daraus aber kaum etwas folgern. Bei der \u00abklassischen\u00bb Kostenfunktion, welche im Bereich Elektrizit\u00e4t, Wasser und Gas angewendet wird, ist die neben dem Output und den Faktorpreisen relevante Kostendeterminante die Outputcharakteristik \u00abKundendichte\u00bb. Mit welchem Vorzeichen?&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Blick auf k\u00fcnftige Anstrengungen zur kritischen \u00dcberpr\u00fcfung der Staatst\u00e4tigkeit hier noch einige Anmerkungen: Ausser bei Farsi, Fetz und Filippini wurden keine Mehrproduktbetrachtungen angestellt. Die meisten \u00f6ffentlichen Bereiche produzieren aber mehr als eine Dienstleistung &#8211; etwa Holzproduktion und Erholungsfunktion in der Waldwirtschaft, verschiedene Bildungsausgaben usw. Die Messung von Verbundvorteilen k\u00f6nnte einen wesentlichen Beitrag zur Liberalisierungsdebatte leisten. Ein ungutes Gef\u00fchl bleibt bez\u00fcglich der Nachfrage: Die Zahlungsbereitschaft f\u00fcr Dienstleistungen einer bestimmten Qualit\u00e4t wird nicht betrachtet. Ist es aus Sicht des Auftraggebers sinnvoll, nur die Kosten zu betrachten? Und darf man auf entsprechende Untersuchungen in denselben Bereichen hoffen, welche dann einen Kosten-Nutzen-Vergleich erlauben w\u00fcrden?\u00a0Die Beitr\u00e4ge wurden besprochen, als ob ihre methodologische Qualit\u00e4t und Stringenz einheitlich sei. Dies ist aber kaum der Fall, was sich nicht nur darin \u00e4ussert, dass einzelne Beitr\u00e4ge mehrere Methoden vergleichend verwenden und andere nicht, sondern auch darin, dass gewisse Arbeiten bereits Eingang in die wissenschaftliche Literatur gefunden haben und damit \u00fcberpr\u00fcft sind. Vielleicht k\u00f6nnte dies dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) oder anderen Bundesstellen in Zukunft ebenso als Kriterium dienen wie der Einbau internationaler Vergleiche, sei dies als Literatur- und Resultat\u00fcbersicht oder als gezielte Parallelauftr\u00e4ge an Forscher aus anderen L\u00e4ndern. Eine scheue Schlussfrage sei deshalb erlaubt: Wie sind die pr\u00e4sentierten Resultate eigentlich im internationalen Vergleich einzuordnen? Oder ist dies den erweiterten wissenschaftlichen Publikationen vorbehalten?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abGemessene Formen der Ineffizienz bei verschiedenen Staatsaufgaben\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Die kritische Einleitung heisst nicht, dass der Schreibende die in dieser Ausgabe ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge negativ beurteilt. Denn es ist bereits positiv, dass das Thema Leistungsmessung und Effizienz im \u00f6ffentlichen Sektor \u00fcberhaupt vergleichend behandelt wird. 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Allerdings kann nur ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Leistungsunterschiede erkl\u00e4rt werden. Die meisten Autoren ziehen daraus den Schluss, dass ihre Resultate in erster Linie eine Basis f\u00fcr weitere Abkl\u00e4rungen bilden k\u00f6nnen. Besonders bez\u00fcglich der Effizienz ist das unbefriedigend: Soll die unerkl\u00e4rte Varianz als Indikator f\u00fcr Ineffizienz oder als Einladung f\u00fcr weitere Auftr\u00e4ge betrachtet werden? Gegeben, dass ausnahmslos alle Studien Ineffizienzen nachweisen, h\u00e4tte man sich in den meisten F\u00e4llen etwas mutigere Schlussfolgerungen gew\u00fcnscht, da die Messung ja nicht zum Selbstzweck betrieben wird.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123199,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8811","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b5fa3aaf1da"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123196"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3165"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123196"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123196\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128097,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123196\/revisions\/128097"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3165"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123196"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123196"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123196"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123196"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}