{"id":123231,"date":"2008-06-01T12:00:00","date_gmt":"2008-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/06\/weber-10\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:16","slug":"weber-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/06\/weber-9\/","title":{"rendered":"Positive Bilanz der Personenfreiz\u00fcgigkeit f\u00fcr den Schweizer Arbeitsmarkt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Auswirkungen des FZA auf den Schweizer Arbeitsmarkt werden durch eine Arbeitsgruppe des Bundes &#8211; das so genannte Observatorium zum FZA Schweiz-EU &#8211; laufend analysiert. Die folgenden Ausf\u00fchrungen basieren auf den Ergebnissen des vierten Berichts dieser Arbeitsgruppe, welche aus Vertretern des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco), des Bundesamtes f\u00fcr Migration (BFM), des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) sowie &#8211; dieses Jahr erstmals &#8211; des Bundesamtes f\u00fcr Sozialversicherungen (BSV) zusammengesetzt ist.&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss des FZA auf die Zuwanderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse der Wanderungsbewegungen der letzten Jahre deutet darauf hin, dass das FZA sowohl den Umfang wie auch die Zusammensetzung der Zuwanderung in die Schweiz beeinflusst hat. W\u00e4hrend sich der positive Wanderungssaldo von Ausl\u00e4ndern aus Nicht-EU\/Efta-Staaten nach Inkrafttreten des FZA verkleinerte, nahm die Nettozuwanderung von EU15\/Efta-Staatsangeh\u00f6rigen zu. Deutsche und portugiesische Staatsangeh\u00f6rige nutzten dabei das FZA am st\u00e4rksten. Die Verschiebung der Zuwanderung &#8211; weg von Drittstaaten, hin zu B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern der EU15\/Efta &#8211; spiegelte sich auch in einer stetigen Zunahme der nicht st\u00e4ndigen erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung (unterj\u00e4hrige Kurzaufenthalter und Meldepflichtige) von durchschnittlich knapp 6600 pro Jahr. Diese dynamische Entwicklung ist unter anderem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass mangels Daueraufenthaltsbewilligungen in der \u00dcbergangsphase teilweise auf Kurzaufenthaltsbewilligungen ausgewichen wurde. Ab 2005 d\u00fcrfte zudem der konjunkturelle Aufschwung die Zunahme beg\u00fcnstigt haben. Auch die Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung entwickelte sich mit durchschnittlich plus 6400 pro Jahr durchwegs positiv, wobei sich die Zunahme nach Inkrafttreten des FZA gegen\u00fcber den Vorjahren deutlich abschw\u00e4chte. Erst im f\u00fcnften Jahr des FZA stieg die Zahl der Grenzg\u00e4nger &#8211; bei gl\u00e4nzender Konjunkturlage &#8211; wieder in \u00e4hnlichem Umfang wie im Jahr vor Inkrafttreten des Abkommens. \u00a0Bei Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern war in den f\u00fcnf Jahren nach Inkrafttreten des FZA eine Netto-Abwanderung von durchschnittlich 7400 Personen pro Jahr festzustellen, was gegen\u00fcber den drei Jahren vor Inkrafttreten des FZA mehr als eine Verdoppelung bedeutete. Auch diese Entwicklung d\u00fcrfte &#8211; mindestens zum Teil &#8211; mit den neuen M\u00f6glichkeiten des FZA in Zusammenhang stehen.&#13;<\/p>\n<h2>Zuwanderung seit Aufhebung der Kontingentierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNach Aufhebung der Kontingentierung am 1.Juni 2007 f\u00fcr die EU15\/Efta sowie f\u00fcr Malta und Zypern stieg die Zahl ausgestellter EU\/Efta-Aufenthaltsbewilligungen (B) sprunghaft an, w\u00e4hrend die Nachfrage nach Kurzaufenthaltsbewilligungen (L) deutlich zur\u00fcckging. Grund f\u00fcr diese Entwicklung war, dass Arbeitnehmende seit dem 1.Juni 2007 sofort eine Aufenthaltsbewilligung EG\/Efta erhalten konnten und kein Umweg \u00fcber eine Kurzaufenthaltsbewilligung mehr n\u00f6tig war. Rund 60% der zwischen Juni und Dezember 2007 ausgestell-ten Aufenthaltsbewilligungen (B) entfielen denn auch auf Personen, die zuvor bereits als Kurzaufenthalter oder Grenzg\u00e4nger in der Schweiz t\u00e4tig waren (so genannte Umwandlungen). Die effektive Zuwanderung von Kurz- und Daueraufenthaltern aus den L\u00e4ndern der EU17 stieg in den ersten sieben Monaten nach Aufhebung der Kontingentierung gegen\u00fcber der gleichen Periode des Vorjahres um 7,5% und der positive Wanderungssaldo erh\u00f6hte sich um 4500 Personen auf 23600. Inwieweit die Aufhebung der Kontingentierung die Zuwanderung aus der EU17 beg\u00fcnstigt hat, ist noch nicht abschliessend zu beurteilen. Hauptgrund f\u00fcr die Zunahme d\u00fcrfte &#8211; nach heutiger Einsch\u00e4tzung &#8211; eher die auch bis Ende 2007 nach wie vor gute Konjunktur sowie die kr\u00e4ftige Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften durch Unternehmen in der Schweiz sein.\u00a0Insgesamt folgte die Zuwanderung in die Schweiz in den letzten Jahren &#8211; wie schon in fr\u00fcheren Zeiten &#8211; eng der konjunkturellen Entwicklung. So schw\u00e4chte sich die Zuwanderung in den ersten drei Jahren nach Inkrafttreten bei schwacher Konjunktur und Arbeitsmarktentwicklung insgesamt etwas ab, um im vierten und f\u00fcnften Jahr der Personenfreiz\u00fcgigkeit, als die Schweizer Wirtschaft eine starke Arbeitskr\u00e4ftenachfrage entwickelte, wieder zuzunehmen. Verglichen mit \u00e4hnlichen konjunkturellen Phasen in der Vergangenheit war die Zuwanderung in den ersten f\u00fcnf Jahren nach Inkrafttreten des FZA insgesamt eher \u00fcberdurchschnittlich. Somit ist davon auszugehen, dass sich das Arbeitsangebot in der Schweiz durch das FZA etwas ausgeweitet hat. Offenbar bestand bei den Unternehmen in der Schweiz ein gewisser Nachholbedarf bei der Rekrutierung ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte aus dem EU15\/Efta-Raum, welcher sich mit Inkrafttreten des FZA decken liess.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Inkrafttreten des FZA mit der EU15\/Efta erfolgte Mitte 2002 in einer Phase schwacher und zuweilen r\u00fcckl\u00e4ufiger Entwicklung der Erwerbst\u00e4tigkeit. Die Konjunktur verbesserte sich im Verlauf 2004, doch erst 2006 bewirkte sie eine deutliche Steigerung der Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften. Die Zahl der erwerbst\u00e4tigen Personen Gem\u00e4ss Erwerbst\u00e4tigenstatistik des BFS. stieg 2006 und 2007 gegen\u00fcber dem jeweiligen Vorjahr um 2,4% (+103000) respektive 2,5% (+109000) und jene der vollzeit\u00e4quivalenten Besch\u00e4ftigung Gem\u00e4ss Besch\u00e4ftigungsstatistik des BFS. (2. und 3. Sektor) um 1,4% (+42000) respektive 2,7% (+84000). \u00a0Jahresaufenthalter (B) und Kurzaufenthalter (L) wie auch Grenzg\u00e4nger konnten ihr Besch\u00e4ftigungsniveau in den letzten sieben Jahren permanent steigern. Dies galt auch in den Jahren 2002-2005, als die Besch\u00e4ftigungsentwicklung insgesamt schwach und bei niedergelassenen sowie \u00fcbrigen Ausl\u00e4ndern sogar r\u00fcckl\u00e4ufig war. Auch in den Jahren 2006 und 2007 stieg die Erwerbst\u00e4tigkeit der drei zuerst genannten Ausl\u00e4nderkategorien \u00fcberdurchschnittlich. Allerdings waren nun auch bei Schweizern und ab 2007 auch bei niedergelassenen Ausl\u00e4ndern wieder deutliche Zunahmen in der Erwerbst\u00e4tigkeit zu verzeichnen.\u00a0Wie eine detaillierte Analyse der Erwerbsentwicklung nach Nationalit\u00e4tengruppen bei der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung zeigt, waren die bedeutendsten Zunahmen von Erwerbst\u00e4tigen aus dem EU15\/Efta-Raum in den letzten Jahren in Berufsgruppen zu verzeichnen, in denen auch die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung und Ausl\u00e4nder aus Nicht-EU15\/Efta-Staaten Besch\u00e4ftigungsgewinne erzielten (siehe Tabelle 1). In den betreffenden Berufsgruppen waren zudem unterdurchschnittliche und sinkende Erwerbslosenquoten zu beobachten. Die Zuwanderung aus dem EU15\/Efta-Raum entsprach damit dem Bedarf der Unternehmen in der Schweiz und d\u00fcrfte die positive Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre gest\u00fctzt haben. \u00a0Die Qualifikationsstruktur der Zuwanderung spricht zudem gegen die These, wonach die ans\u00e4ssige Erwerbsbev\u00f6lkerung durch die Zuwanderung aus dem EU15\/Efta-Raum aus dem Arbeitsmarkt verdr\u00e4ngt wurde. Sie deutet eher darauf hin, dass die ausl\u00e4ndischen Erwerbst\u00e4tigen eine willkommene Erg\u00e4nzung zum ans\u00e4ssigen Arbeitskr\u00e4ftepotenzial darstellten, bei welchem in gewissen Berufsgruppen &#8211; und insbesondere im Bereich h\u00f6herer Qualifikationsniveaus &#8211; ein chronischer Arbeitskr\u00e4ftemangel bestand. \u00a0Zu sehr \u00e4hnlichen Schlussfolgerungen gelangt man anhand der Daten der Lohnstrukturerhebung der Jahre 2002 und 2006. Sie zeigen deutlich, dass die Nachfrage nach h\u00f6her qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften in den letzten Jahren markant anstieg, w\u00e4hrend weniger anspruchsvolle Jobs verloren gingen. Ferner best\u00e4tigen sie, dass diese Verschiebung in der Qualifikationsnachfrage durch die Ausl\u00e4nderbesch\u00e4ftigung unterst\u00fctzt wurde: Bei allen Ausl\u00e4nder-Aufenthaltskategorien waren die st\u00e4rksten Besch\u00e4ftigungszuw\u00e4chse bei Stellen mit hohem bis sehr hohem Anforderungsniveau zu verzeichnen. \u00a0Etwas zu nuancieren ist die Beurteilung bei Grenzg\u00e4ngern und Kurzaufenthaltern, welche nicht zur st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung z\u00e4hlen. So konnten Grenzg\u00e4nger ihr Besch\u00e4ftigungsniveau in den Jahren 2002-2006 auf allen Anforderungsniveaus signifikant steigern &#8211; also auch bei den ein-fachen und repetitiven T\u00e4tigkeiten oder bei T\u00e4tigkeiten, welche berufliche Kenntnisse erfordern. Jahres- und Kurzaufenthalter zusammen vermochten zudem ihren Besch\u00e4ftigungsanteil bei T\u00e4tigkeiten auszubauen, welche (lediglich) berufliche Kenntnisse voraussetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie bereits erw\u00e4hnt, trat das FZA in einer Phase schwacher Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit in Kraft. Negative Auswirkungen des Abkommens auf das Niveau der Arbeitslosigkeit konnten jedoch nicht identifiziert werden. Sowohl der Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,9% bis Mitte 2003 wie auch die Tatsache, dass die Quote rund zwei Jahre auf hohem Niveau verharrte, lassen sich gut mit der insgesamt sehr schwachen und zuweilen r\u00fcckl\u00e4ufigen Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften in dieser Phase erkl\u00e4ren. Als die Besch\u00e4ftigung 2006 dann wieder deutlich anzuziehen begann, beschleunigte sich auch der R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit. Ende 2006 lag die Arbeitslosenquote saisonbereinigt bei 3,1% und Ende 2007 noch bei 2,6% (102000).\u00a0Gemessen an der Entwicklung der Erwerbst\u00e4tigkeit in den Jahren 2006 und 2007 fiel der R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit vergleichsweise gering aus. Dies l\u00e4sst darauf schliessen, dass sich das Arbeitsangebot auf Grund einer erh\u00f6hten Arbeitsmarktbeteiligung und auf Grund der Zuwanderung in den letzten beiden Jahren erh\u00f6ht hat. Da die Zuwanderung jedoch stark auf Berufsgruppen fokussiert war, in denen die Arbeitslosigkeit tief war und in denen auch ans\u00e4ssige Erwerbspersonen zus\u00e4tzliche Besch\u00e4ftigung fanden, l\u00e4sst sich jedoch kein negativer Effekt des FZA auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ableiten.\u00a0Auch in der Struktur der Arbeitslosigkeit lassen sich keine Hinweise auf negative Auswirkungen des FZA erkennen. So ent-wickelten sich die Arbeitslosenquoten von Schweizern, Drittstaatenangeh\u00f6rigen und Angeh\u00f6rigen der EU15 weitgehend propor-tional zueinander. \u00dcber den gesamten Betrachtungszeitraum lag die Arbeitslosenquote von Schweizern zudem sehr deutlich unter dem Niveau von Ausl\u00e4ndern aus der EU15 sowie aus anderen Staaten. Verglichen mit Angeh\u00f6rigen aus Nicht-EU15-Staaten wiesen Ausl\u00e4nder aus der EU15 ihrerseits eine rund halb so hohe Arbeitslosenquote auf. Dies veranschaulicht, dass Staatsangeh\u00f6rige der EU15 deutlich besser in den Schweizer Arbeitsmarkt integriert sind als andere Ausl\u00e4ndergruppen.\u00a0Auch eine Analyse der Arbeitslosigkeit nach Branchen l\u00e4sst nicht auf negative Auswirkungen des FZA schliessen. So war in Branchen mit erh\u00f6hter Zuwanderung im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen keine auff\u00e4llige Entwicklung der Arbeitslosigkeit festzustellen.&#13;<\/p>\n<h2>Regionale Entwicklung der Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAm ehesten k\u00f6nnten gewisse regionale Entwicklungen der Arbeitslosigkeit auf einen negativen Effekt der Personenfreiz\u00fcgigkeit hindeuten. So verharrte die Arbeitslosigkeit in den Jahren nach Inkrafttreten des FZA im Kanton Tessin wie auch in der R\u00e9gion L\u00e9manique im Verh\u00e4ltnis zu den \u00fcbrigen Regionen auf vergleichsweise hohem Niveau. In beiden Regionen spielt die ausl\u00e4ndische und insbesondere die Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung eine bedeutende Rolle, die sich in den letzten Jahren noch verst\u00e4rkt hat. Da vor allem bei den Grenzg\u00e4ngern in der Westschweiz und im Tessin ein betr\u00e4chtlicher Anteil an Arbeitskr\u00e4ften mit tiefen bis mittleren Qualifikationsniveaus vom FZA Gebrauch machten, d\u00fcrfte sich die Konkurrenz f\u00fcr Stellensuchende in diesen Regionen wohl am st\u00e4rksten erh\u00f6ht haben. \u00a0Allerdings muss die Bedeutung des FZA gleichzeitig wieder etwas relativiert werden, denn in beiden Regionen war die Konkurrenz durch Grenzg\u00e4nger bereits vor Einf\u00fchrung der Freiz\u00fcgigkeit hoch. Ausserdem war die relative H\u00f6he der Arbeitslosigkeit in der R\u00e9gion L\u00e9manique wie auch im Tessin in den letzten Jahren in einem l\u00e4ngerfristigen Vergleich nicht aussergew\u00f6hnlich. \u00dcber die gesamte Periode seit Inkrafttreten des FZA lag die Arbeitslosenquote in der R\u00e9gion L\u00e9manique um 50% und im Tessin um 33% \u00fcber dem Schweizer Durchschnitt. In den Neunzigerjahren lag sie demgegen\u00fcber sogar um 61% (R\u00e9gion L\u00e9manique) respektive 79% (Tessin) dar\u00fcber. Die Frage, inwieweit strukturelle Aspekte &#8211; dazu geh\u00f6rt auch die Grenzlage bzw. die Bedeutung der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung &#8211; oder die Personenfreiz\u00fcgigkeit Ursache des aktuell tendenziell erh\u00f6hten Niveaus der Arbeitslosigkeit sind, l\u00e4sst sich somit heute nicht endg\u00fcltig beantworten.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen auf die Lohnentwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00c4hnlich wie bei der Arbeitslosigkeit lassen sich aus der allgemeinen Lohnentwicklung heute keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf allf\u00e4llige lohnd\u00e4mpfende Effekte des FZA ziehen. Die Nominallohnentwicklung folgte auch in den letzten Jahren einem typischen konjunkturellen Muster. Dennoch bleibt es denkbar, dass durch die neuen M\u00f6glichkeiten zur Rekrutierung von Arbeitskr\u00e4ften im EU-Raum im laufenden Aufschwung bei gewissen Qualifikationen weniger rasch Engp\u00e4sse auftraten, was die Lohnentwicklung insgesamt etwas ged\u00e4mpft haben d\u00fcrfte. Einen empirischen Beleg f\u00fcr diesen m\u00f6glichen Zusammenhang gibt es bis heute jedoch nicht. \u00a0Gegen bedeutende lohnd\u00e4mpfende Effekte der Freiz\u00fcgigkeit spricht, dass sich in verschiedenen, relativ detaillierten Analysen zwischen dem FZA und der Lohnentwicklung in einzelnen Branchen und Regionen kein (negativer) Zusammenhang feststellen l\u00e4sst. Branchen und Regionen, welche in den letzten Jahren eine st\u00e4rkere Zuwanderung verzeichneten, unterschieden sich bez\u00fcglich der Lohnentwicklung 2002-2006 nicht systematisch von jenen mit schw\u00e4cherer Zuwanderung. Dies kann das Ergebnis zweier gegenl\u00e4ufiger Effekte sein: \u00a0&#8211; Zum einen ist zu erwarten, dass eine Erweiterung des Arbeitsangebotes Arbeitskr\u00e4fteknappheiten verringert und die Nominallohnentwicklung d\u00e4mpft. \u00a0&#8211; Andererseits erfolgte die Zuwanderung schwergewichtig in Branchen mit starker Nachfrage, d.h. in Branchen mit gutem Gesch\u00e4ftsgang, welche tendenziell h\u00f6here Lohnsteigerungen verzeichnen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der Analyse der Auswirkungen des FZA auf den Schweizer Arbeitsmarkt l\u00e4sst sich nach knapp sechs Jahren ein \u00fcberwiegend positives Fazit ziehen. Die Zuwanderung erfolgte kontrolliert und entsprach dem Bedarf der Unternehmen. Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre wurde durch das zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4ftepotenzial tendenziell beg\u00fcnstigt, da viele gut qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte zuwanderten, welche in fr\u00fcheren Aufschwungphasen stets rasch knapp wurden. Die Zuwanderung aus dem EU-Raum hat insgesamt zu einer Anhebung des Qualifikationsniveaus der Erwerbsbev\u00f6lkerung in der Schweiz beigetragen, sodass l\u00e4ngerfristig mit positiven Effekten der Zuwanderung auf das Wachstumspotenzial und die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen gerechnet werden kann. \u00a0Anzeichen f\u00fcr eine Verdr\u00e4ngung einheimischer Arbeitskr\u00e4fte gibt es dagegen kaum. So entwickelte sich die Arbeitslosenquote in Branchen mit erh\u00f6hter Zuwanderung nicht aussergew\u00f6hnlich. Auch die Arbeitslosenquoten von Schweizern und verschiedenen Ausl\u00e4nderkategorien entwickelten sich weitgehend proportional zueinander. Zus\u00e4tzlichen Analysebedarf besteht jedoch bez\u00fcglich der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in gewissen Grenzregionen, wo auch zahlreiche unqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte vom FZA Gebrauch machten. \u00a0Hinsichtlich der Lohnentwicklung kann aufgrund erster Analysen festgehalten werden, dass Branchen mit erh\u00f6hter Zuwanderung im Durchschnitt nicht unter h\u00f6heren Lohndruck kamen als solche mit geringerer Zuwanderung. Auch hier werden weitere Analysen in der Zukunft zeigen, inwieweit dieses Ergebnis bei noch weitergehender Differenzierung nach Branchen und Regionen G\u00fcltigkeit beh\u00e4lt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abWanderungssaldo der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung und Bestandesver\u00e4nderungen bei der nicht-st\u00e4ndigen erwerbst\u00e4tigen ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung und Grenzg\u00e4ngern, 1999-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abArbeitslosenquote nach Grossregionen (saison- und zufallsbereinigte Werte), 2000-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abEntwicklung Erwerbst\u00e4tigkeit und Erwerbslosenquoten nach Berufshauptgruppena und Nationalit\u00e4tengruppen, st\u00e4ndige Wohnbev\u00f6lkerung, 2003-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Schrittweise Einf\u00fchrung des FZA<\/b>&#13;<br \/>\nMit Inkrafttreten des FZA am 1. Juni 2002 wurde Erwerbst\u00e4tigen aus der EU15\/Efta unter Vorbehalt der Zulassungsbeschr\u00e4nkungen ein Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. In den ersten f\u00fcnf Jahren war die Zahl der neu zuwandernden Erwerbst\u00e4tigen durch 15300 f\u00fcnfj\u00e4hrige Daueraufenthaltsbewilligungen (B) und 115700 Kurzaufenthaltsbewilligungen (L) f\u00fcr Aufenthalte von 4-12 Monaten begrenzt. In den ersten zwei Jahren galten neben der Kontingentierung weiterhin der so genannte Inl\u00e4ndervorrang; die Einhaltung von orts- und berufs\u00fcblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen wurde bei Bewilligungserteilung gepr\u00fcft. Beide Regelungen wurden am 1. Juni 2004 aufgehoben und durch die flankierenden Massnahmen abgel\u00f6st. Gleichzeitig wurde die Bewilligungspflicht f\u00fcr Kurzaufenthalte bis 90 Tage pro Jahr abgeschafft und durch eine Meldepflicht ersetzt. Auch der Status der Grenzg\u00e4nger wurde am 1. Juni 2002 im Zuge des FZA liberalisiert. Seither d\u00fcrfen EU15\/Efta-Staatsangeh\u00f6rige aus der Grenzzone eines Nachbarstaates in der ganzen Grenzzone der Schweiz eine Erwerbst\u00e4tigkeit aus\u00fcben und als Wochenaufenthalter in der Schweiz Wohnsitz nehmen. Am 1. Juni 2007 trat erstmals die volle Personenfreiz\u00fcgigkeit in Kraft. Die Kontingentierung der Aufenthaltsbewilligungen fiel weg, und die Grenzzonen f\u00fcr Grenzg\u00e4nger wurden aufgehoben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Die Auswirkungen des FZA auf den Schweizer Arbeitsmarkt werden durch eine Arbeitsgruppe des Bundes &#8211; das so genannte Observatorium zum FZA Schweiz-EU &#8211; laufend analysiert. 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Negative Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigungsaussichten oder das Lohnniveau der ans\u00e4ssigen Erwerbsbev\u00f6lkerung konnten auf allgemeiner Ebene nicht festgestellt werden.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123234,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8825","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b5fac54893f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123231"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2704"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123231"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128104,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123231\/revisions\/128104"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123231"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123231"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123231"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123231"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}