{"id":123241,"date":"2008-05-01T12:00:00","date_gmt":"2008-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/05\/bernasconi-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:09","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:09","slug":"bernasconi-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/05\/bernasconi-5\/","title":{"rendered":"Globalisierung und makro\u00f6konomische Herausforderungen am Beispiel Ghana"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t gilt als massgebender Faktor f\u00fcr das Erreichen bedeutender wirtschaftlicher und sozialer Ziele. In zahlreichen Studien wurde aufgezeigt, welche kurz- und mittelfristigen Effekte makro\u00f6konomische Volatilit\u00e4ten auf H\u00f6he und Dauer des Wirtschaftswachstums &#8211; und damit auch auf die Armutsreduktion &#8211; haben. H\u00f6here Volatilit\u00e4ten haben unerw\u00fcnschten Effekte, welche sich in Schwellenl\u00e4ndern und L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen verst\u00e4rken. Vor diesem Hintergrund ist zu analysieren, ob und in welchem Ausmass sich eine vertiefte Handels- und Finanzintegration der Entwicklungsl\u00e4nder in die Weltwirtschaft auf die makro\u00f6konomische Volatilit\u00e4t und auf deren \u00dcbertragungskan\u00e4le auswirkt. \u00a0Verschiedene empirische Analysen best\u00e4tigen die insgesamt positiven Effekte einer Handelsliberalisierung auf die Wachstumsperspektiven eines Landes. Die Auswirkungen der Handelsliberalisierung auf die makro\u00f6konomische Volatilit\u00e4t sind weniger eindeutig, wobei die Mehrheit der Analysen eine positive Korrelation aufzeigt. Die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Wirtschaftssektoren sind in der Regel st\u00e4rkeren Fluktuationen unterworfen. F\u00fchrt die Handelsliberalisierung zu einer erh\u00f6hten Spezialisierung, kann dies die Volatilit\u00e4t erh\u00f6hen. Hingegen k\u00f6nnen die offenen Sektoren eine stabilisierende Wirkung haben, wenn die makro\u00f6konomische Instabilit\u00e4t auf interne Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. In der Gesamtbetrachtung scheint jedoch eine Handels\u00f6ffnung mit gr\u00f6sseren Fluktuationen verbunden zu sein, was sich &#8211; aufgrund zunehmender Internationalisierung der Produktionsketten &#8211; \u00fcber die Zeit verst\u00e4rkt zu haben scheint.\u00a0Die Auswirkungen der Globalisierung im Finanzbereich sind Gegenstand intensiver Diskussionen. Einerseits wird argumentiert, dass sich durch die Liberalisierung des Kapitalmarktes die Verwundbarkeit von Entwicklungsl\u00e4ndern erh\u00f6he, da f\u00fcr sie das Risiko eines pl\u00f6tzlichen und massiven Kapitalr\u00fcckzugs bestehe, der nicht zwangsl\u00e4ufig auf eine schlechte Wirtschaftspolitik zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Die \u00f6konomische Literatur hingegen liefert Gr\u00fcnde, warum die finanzielle Globalisierung \u00fcber eine effizientere Kapitalallokation Produktivit\u00e4t und Wachstum steigert. Die Liberalisierung des Kapitalmarktes w\u00fcrde sich weniger aufgrund des direkten Zugangs zu ausl\u00e4ndischem Kapital, sondern vielmehr aufgrund indirekter Effekte positiv auf das Wachstum auswirken, so etwa durch eine Vertiefung der lokalen Finanzm\u00e4rkte, bessere Institutionen und Gouvernanz im privaten und \u00f6ffentlichen Sektor sowie durch eine st\u00e4rkere makro\u00f6konomische Disziplin. Im Kontext der j\u00fcngsten Finanzkrise bleibt diese Schlussfolgerung allerdings umstritten (vgl. Rodrik\/Subramanian, 2008). Damit die positiven Effekte zum Tragen kommen, sind vorg\u00e4ngig eine g\u00fcnstig ausgerichtete Wirtschaftspolitik und entsprechende Reformen erforderlich. Falls ungeeignete Ausgangsbedingungen bestehen, k\u00f6nnen h\u00f6here makro\u00f6konomische Risiken resultieren.&#13;<\/p>\n<h2>\u00abReform locally, benefit globally\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBez\u00fcglich der Wirtschaftspolitik f\u00fchren diese Feststellungen zu einer relativ direkten Schlussfolgerung: Die Umsetzung von innerstaatlichen wirtschaftlichen und institutionellen Reformen bietet die beste Garantie, um die Risiken der Globalisierung auf ein Minimum zu reduzieren und die von der Globalisierung gebotenen Opportunit\u00e4ten zu nutzen. \u00a0Als erste Priorit\u00e4t gilt es, die \u00f6ffentlichen Finanzen in Ordnung zu halten. Dies bedeutet, die \u00f6ffentlichen Ausgaben konsequent auf eine h\u00f6here Effizienz bei der Mittelallokation (Konzentration auf priorit\u00e4re Sektoren) und bei der technischen Verwaltung (bessere Haushaltsf\u00fchrung) auszurichten. Steuerreformen spielen hier eine wichtige Rolle, um die Einkommensquellen zu diversifizieren und die Abh\u00e4ngigkeit von der Entwicklungshilfe zu verringern (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDie internationalen Erkl\u00e4rungen zur Finanzierung der Entwicklungshilfe nehmen explizit auch die Partnerstaaten in die Pflicht, die eigenen Einnahmen zu erh\u00f6hen. Diese von Gebern oft etwas vernachl\u00e4ssigte Dimension der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist ein wichtiger Pfeiler in der makro\u00f6konomischen Zusammenarbeit des Seco. Dies hat mehrere Gr\u00fcnde:- Erstens geht es darum, die sich aus Transferleistungen ergebenden Moral Hazard und Abh\u00e4ngigkeitsrisiken einzud\u00e4mmen. Werden \u00f6ffentliche Aufgaben direkt oder indirekt durch externe Hilfe finanziert, sinkt der Anreiz, eigene inl\u00e4ndische Ressourcen zu mobilisieren. Ein effizientes und gerechtes Steuersystem ist ein zentrales Element, mittelbis langfristig die Abh\u00e4ngigkeit von der Auslandshilfe zu verringern. Zudem sind interne Einnahmen eine Finanzierungsform mit relativ kleiner Volatilit\u00e4t.- Zweitens ist es in Anbetracht des Finanzierungsbedarfs an \u00f6ffentlicher Basisinfrastruktur unabdingbar, die \u00f6ffentlichen Einnahmen zu erh\u00f6hen, um einen R\u00fcckfall in die \u00dcberschuldung oder in die inflation\u00e4re Finanzierung von Defiziten zu verhindern. Die aus der Handelsliberalisierung wegfallenden Zolleinnahmen &#8211; f\u00fcr viele Entwicklungsl\u00e4nder eine wichtige Finanzierungsquelle &#8211; stellen eine zus\u00e4tzliche Herausforderung dar. Klar ist auch, dass nicht einfach an der Steuerschraube gedreht werden kann, sondern dass die Stabilisierung der \u00f6ffentlichen Finanzen mit langfristigen Wachstumszielen, einer F\u00f6rderung der privatwirtschaftlichen Initiative sowie Umverteilungs- und Armutsaspekten in Einklang gebracht werden muss. Verschiedene Fiskalinstrumente stehen zudem im Brennpunkt der aktuellen Klimadebatte. Hier gilt es, eine optimale Koh\u00e4renz zwischen diesen verschiedenen Zielsetzungen zu finden.- Drittens sind Steuern ein probates Mittel, die gute Regierungsf\u00fchrung zu f\u00f6rdern und die Rechenschaftspflicht zwischen Regierung und Bev\u00f6lkerung zu st\u00e4rken. Wer Steuern zahlt, hat ein ureigenstes Interesse, die Verwendung der \u00f6ffentlichen Mittel zu kontrollieren und eine qualitativ hochstehende \u00f6ffentliche Leistung einzufordern. Fiskalpolitische Aspekte spielen \u00fcberdies eine entscheidende Rolle f\u00fcr den Erfolg von Dezentralisierungsprozessen. Die Auseinandersetzung und gesellschaftliche Konsensbildung \u00fcber die angemessene H\u00f6he und Verteilung der Fiskalit\u00e4t, stellt ein zentrales Element f\u00fcr die Legitimierung des Staates dar.). \u00a0Eine zweite Stossrichtung betrifft die Strategie f\u00fcr die Entwicklungsfinanzierung. \u00dcber die verschiedenen Entschuldungsinitiativen wurde der Zugang zu unterschiedlichen Finanzierungsquellen schrittweise wieder m\u00f6glich. Dies hat zur Folge, dass vermehrt Finanzierungsstrategien angewendet werden, die nicht mehr ausschliesslich auf die Tragbarkeit der bestehenden Schulden ausgerichtet sind, sondern auch \u00dcberlegungen zu den Marktrisiken und den Finanzierungskosten einschliessen. Eine Diversifikation der Finanzierungsquellen kann zudem zur Entwicklung der lokalen Finanzm\u00e4rkte beitragen. Diese M\u00e4rkte k\u00f6nnen wiederum eine Pufferfunktion \u00fcbernehmen und mithelfen, makro\u00f6konomische Risiken zu mindern.\u00a0Schliesslich bleiben die institutionelle St\u00e4rkung und die politische Stabilit\u00e4t von zentraler Bedeutung. In vielen Entwicklungsl\u00e4ndern kann der nachhaltige Aufbau von leistungsf\u00e4higen Institutionen nur im langfristigen Zeitraum ins Auge gefasst werden. Doch ein nachgewiesenes politisches Engagement f\u00fcr die Grunds\u00e4tze einer guten demokratischen und wirtschaftlichen Regierungsf\u00fchrung tr\u00e4gt entscheidend zum Erfolg von Reformen bei, die auf eine weitergehende Markt\u00f6ffnung ausgerichtet sind. \u00a0Die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik wie oben erl\u00e4utert ist damit ein entscheidendes Element f\u00fcr eine erfolgreiche Beteiligung an der Globalisierung. Doch ist sie keine Garantie. Grosse und \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume anhaltende exogene Schocks haben nachteilige Auswirkungen. Hier besteht die Gefahr, dass es zu Politikwechseln kommt: Massnahmen zur Milderung der kurzfristigen Auswirkungen k\u00f6nnen auf Kosten der l\u00e4ngerfristigen Stabilit\u00e4t gehen. Die aktuelle Hausse der Rohstoffpreise &#8211; insbesondere der Lebensmittelpreise &#8211; ist in diesem Zusammenhang f\u00fcr viele Entwicklungsl\u00e4nder eine komplexe Herausforderung.&#13;<\/p>\n<h2>Das Beispiel Ghana<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der j\u00fcngeren Geschichte Ghanas stellt der W\u00e4hrungskollaps im 2000 den letzten negativen H\u00f6hepunkt wiederkehrender \u00f6konomischer Instabilit\u00e4t dar, hervogerrufen durch den Zusammenbruch der Kakaopreise und verst\u00e4rkt durch eine unangemessene Wirtschaftspolitik. Die daraufhin neu gew\u00e4hlte Regierung schlug einen makro\u00f6konomischen Stabilisierungskurs ein. Eine straffere Fiskalpolitik sowie eine gesunde monet\u00e4re Politik, welche j\u00fcngst auf ein direktes Inflationsziel ausgerichtet wurde, legten die Bausteine f\u00fcr eine wirtschaftliche Erholung. Das reale Wachstum stieg von 3,7% im Jahr 2000 auf 6,2% 2006. Die Inflation wurde von 40,5% 2000 auf 10,5% im Dezember 2006 gesenkt. Parallel zum Desinflationsprozess senkten sich die Zinsen auf das tiefste Niveau seit Jahrzehnten und &#8211; trotz der immer noch hohen Zinsaufschl\u00e4ge &#8211; nahmen die Kreditvergaben an den Privatsektor deutlich zu. \u00a0Beg\u00fcnstigt wurde diese Entwicklung durch zwei weitere Faktoren. Zum einen verbesserten sich die Rohstoffpreise der Hauptexportartikel (Kakao und Gold). Zum anderen qualifizierte sich Ghana dank einem rigiden Reformkurs f\u00fcr den Schuldenerlass im Rahmen der Heavily Indebted Poor Country Initiative (HIPC) und der nachgelagerten Entschuldung im Rahmen der Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI), was die externe Verschuldung signifikant reduzierte. \u00a0Die Strukturreformen wurden relativ z\u00fcgig vorangetrieben. In dem von der Weltbank publizierten Doing Business Review geh\u00f6rte Ghana zu den zehn besten Reformern weltweit und ist in dieser Rangliste von Rang 109 (von 175) auf 87 (von 178) vorger\u00fcckt. Reformen im Bereich des \u00f6ffentlichen Sektors &#8211; insbesondere auch im Bereich des \u00f6ffentlichen Budgetmanagements &#8211; f\u00fchrten zu einer institutionellen St\u00e4rkung. Ghana schliesst bei Gouvernanzindikatoren deutlich besser ab als der Schnitt in Subsahara Afrika. Die politischen Zyklen mit Pr\u00e4sidial- und Parlamentswahlen in 2000 und 2004 verliefen denn auch relativ erfolgreich und sorgten f\u00fcr politische Stabilit\u00e4t. \u00a0Das beschleunigte Wachstum wirkte sich auch positiv auf die Armut aus: Der Anteil der Bev\u00f6lkerung unter der nationalen Armutslinie sank von 52% Anfang der Neunzigerjahre auf 28,6% im Jahr 2005. Jedoch haben sich die Ungleichheiten zwischen Einkommensgruppen und geografischen Regionen akzentuiert.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftliche Opportunit\u00e4ten ergreifen und Risiken managen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie heutige Ausgangslage, um Ghana bis 2015 &#8211; wie dies das erkl\u00e4rte Ziel der Regierung ist &#8211; in die Gruppe der Lower Middle Income Countries zu erheben, ist nach der Erledigung einiger wichtiger Hausaufgaben g\u00fcnstig, aber nicht ohne Risiken. Zus\u00e4tzliche Anstrengungen sind notwendig: Im Spektrum der L\u00e4nder mittleren Einkommens bleibt Ghanas Leistungsausweis h\u00f6chstens durchschnittlich und in mancher Hinsicht gar unterdurchschnittlich. Um die Vision 2015 umzusetzen, setzt die Regierung aufgrund des relativ kleinen Binnenmarktes auf eine verst\u00e4rke Integration in die Weltwirtschaft, die das Seco unterst\u00fctzt (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2<\/b>&#13;<br \/>\nInsgesamt scheint die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik Ghanas geeignet zu sein, um die mit der Globalisierung verbundenen Opportunit\u00e4ten nutzen und die zahlreichen bisherigen und neuen Herausforderungen bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Das Seco hat sein Programm f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit auf die Priorit\u00e4ten des Reformprogramms von Ghana ausgerichtet und ist gut positioniert, um die Vision 2015 zu unterst\u00fctzen. Das Programm st\u00fctzt sich auf folgende thematischen Schwerpunkte:Stabile und nachhaltige \u00f6ffentliche Finanzen als Grundlage f\u00fcr eine ausgeglichene wirtschaftliche Entwicklung: Das Seco beteiligt sich am Budgethilfeprogramm und an der Reform des \u00f6ffentlichen Budgetmanagements, um die Umsetzung des in der Armutsbek\u00e4mpfungsstrategie festgelegten Reformprogramms zu unterst\u00fctzen. Ein thematischer Fokus liegt auf der Reform der Steuerpolitik und Steueradministration, um das bestehende Steuerpotenzial optimal zu nutzen sowie Distorsionen und Ineffizienzen abzubauen und die privatwirtschaftliche Aktivit\u00e4t zu beg\u00fcnstigen. Gerade mit Blick auf die Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen &#8211; insbesondere der \u00d6lvorkommen &#8211; dr\u00e4ngen sich Anpassungen in der Einnahmenerhebung und Steuerausnahmegesetzgebung auf. \u00dcber multilaterale Programme werden die institutionellen Kapazit\u00e4ten im \u00f6ffentlichen Schuldenmanagement, in der Umsetzung nachhaltiger Finanzierungsstrategien und in der Erf\u00fcllung internationaler Reportingstandards unterst\u00fctzt.Wirtschaftliche Infrastruktur: \u00dcber die Unterst\u00fctzung des Public-Private-Partnership-Programms im Energiesektor leistet das Seco einen Beitrag zu einer breiteren und effizienteren Energieversorgung. Die ungen\u00fcgende Energieversorgung ist ein unmittelbarer Bremsfaktor des wirtschaftlichen Wachstums. Finanzmarktinfrastruktur sowie Ausbau des lokalen Finanzsektors: Mit der graduellen Liberalisierung des internen Finanzmarktes und der internationalen Kapitalfl\u00fcsse kommt der Finanzmarktinfrastruktur eine besondere Bedeutung zu. In Vorbereitung ist eine Beteiligung an einem Programm, welches die institutionellen Kapazit\u00e4ten zur Regulierung und Aufsicht \u00fcber das Finanzsystem st\u00e4rkt. Ziel ist es, die Anpassung des Finanzsektors an internationale Standards zu unterst\u00fctzen, um die Verletzbarkeit des Finanzsystems zu senken und den Finanzplatz auf regionaler und internationaler Ebene wettbewerbsf\u00e4hig zu machen. Trotz einer positiven Dynamik im Finanzsektor hat dieser wenig Tiefe, und der Zugang zu Finanzierung &#8211; insbesondere f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) &#8211; bleibt sehr schwierig. In Partnerschaft mit der International Finance Corporation der Weltbankgruppe wird der Finanzsektor vertieft, indem neue Leasing- und Hypothekarmarktinstrumente eingef\u00fchrt werden. In diesem Kontext wurde auch der notwendige Gesetzesrahmen reformiert. \u00dcber spezifische Fonds wird den KMU Risikokapital zur Verf\u00fcgung gestellt. Internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Verbesserung des Martkzugangs: Um die Ertragsbasis aus der Exportwirtschaft zu st\u00e4rken, werden KMU in Ghana unterst\u00fctzt, damit sie ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessern und erfolgreich am internationalen Handel teilnehmen k\u00f6nnen. \u00dcber die Einf\u00fchrung internationaler Qualit\u00e4ts- und Nachhaltigkeitsstandards wird der Marktzugang verbessert und werden Projekte durchgef\u00fchrt zur Diversifizierung der Exportbasis sowie zur St\u00e4rkung des Handels mit Tropenholz aus nachhaltiger Bewirtschaftung.). \u00a0Die im 2004 verabschiedete Handelsstrategie setzt in einem verst\u00e4rkten Masse auf eine exportorientierte Industrialisierung &#8211; vor allem in der verarbeitenden Agrarwirtschaft &#8211; und will die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der heimischen Industrie durch eine graduelle \u00d6ffnung der M\u00e4rkte st\u00e4rken. Der durchschnittliche meistbeg\u00fcnstigte Zollsatz wurde seit 2000 um weitere 2% auf 12,7% im Jahr 2007 gesenkt, und eine verst\u00e4rkte Diversifizierung der Wirtschaft \u00fcber die Nutzung der Handelsopportunit\u00e4ten d\u00fcrfte sich langfristig stabilisierend auswirken. \u00a0Mit einer graduellen Liberalisierung der lokalen Finanzm\u00e4rkte und der internationalen Kapitalfl\u00fcsse sucht Ghana den Anschluss an die finanzielle Globalisierung und beabsichtigt, sich noch st\u00e4rker als finanzieller Hub in Westafrika zu positionieren. Symbolisch hierf\u00fcr sind die Platzierung von Staatsanleihen &#8211; als erstes HIPC-Land &#8211; am internationalen Kapitalmarkt sowie das grosse Interesse internationaler Investoren und Anleihen in lokaler W\u00e4hrung. Dies er\u00f6ffnet neue Finanzierungsm\u00f6glichkeiten, ist jedoch nicht ohne Risiken, wie sie aus der Schulden- und Asienkrise hinl\u00e4nglich bekannt sind. Liberalisierungsschritte m\u00fcssen sorgf\u00e4ltig sequenziert werden, und der Regulations- und Aufsichtsrahmen der Finanzm\u00e4rkte muss entsprechend ausgebaut sein sowie institutionell gest\u00e4rkt werden. Das Schuldenmanagement wird komplexer und muss durch ein effizientes Kosten-\/Risiko-Management ausgebaut werden. Es gilt schliesslich sicherzustellen, dass die erforderlichen Wachstumsrenditen erzielt werden. \u00a0Vor diesem Hintergrund sieht sich Ghana ebenfalls mit gestiegenen Anforderungen internationaler Finanzm\u00e4rkte bez\u00fcglich makro\u00f6konomischer Disziplin konfrontiert. Die externen und internen Gleichgewichte k\u00f6nnen &#8211; wie dies die j\u00fcngsten Entwicklungen zeigen &#8211; nicht als gegeben hingenommen werden und m\u00fcssen sehr aufmerksam verfolgt werden. Die derzeit diskutierte Einf\u00fchrung einer Finanzregel mit defizitbeschr\u00e4nkenden Vorgaben kann das Vertrauen in ein eigenst\u00e4ndiges makro\u00f6konomisches Management f\u00f6rdern, muss aber durch zus\u00e4tzliche Reformen im Budgetmanagement erg\u00e4nzt werden. \u00a0Einer unmittelbaren L\u00f6sung bedarf die Infrastrukturl\u00fccke. Die problematische Energieversorgung kostet 1-2 Prozentpunkte an Wachstum, und der zus\u00e4tzliche Investitionsbedarf im gesamten Infrastrukturbereich wird j\u00e4hrlich auf rund 3%-4% des Bruttosozialprodukts (BSP) gesch\u00e4tzt. Verschiedene Formen von \u00f6ffentlich-privatwirtschaftlichen Partnerschaften k\u00f6nnen einen wichtigen Beitrag leisten, um diesen Bedarf zu decken, die Effizienz in der Infrastrukturversorgung zu steigern und die Quasi-Fiskaldefizite in den Griff zu bekommen.\u00a0Unverhoffte Opportunit\u00e4ten &#8211; gerade im Hinblick auf eine Eigenfinanzierung des wirtschaftlichen Reformprogramms &#8211; bieten sich Ghana aufgrund zus\u00e4tzlicher Funde von kommerziell f\u00f6rderbaren \u00d6lreserven. Ghana verf\u00fcgt \u00fcber gesch\u00e4tzte Erd\u00f6lvorkommen von rund 3 Mrd. Fass, mit deren F\u00f6rderung fr\u00fchestens 2011 begonnen werden kann. Dies k\u00f6nnte zus\u00e4tzlich 1,5 Mrd. US-$ an Staatseinnahmen und bis zu 10 Mrd. US-$ an ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen generieren. Damit aus dem Ressourcenreichtum &#8211; entgegen den Erfahrungen zahlreicher afrikanischer L\u00e4nder &#8211; auch wirklich ein Segen werden kann, braucht es eine gut aufgebaute institutionelle Gouvernanzstruktur, um Rentseeking-Verhalten und Korruption zu verhindern. Ghanas Entscheid, sich der Extractive Industrie Transparency Initiative anzuschliessen, ist ein erster positiver Schritt. Diese Initiative legt Standards fest, um Transparenz bez\u00fcglich Zahlungen der Industrie und der Staatseinnahmen zu schaffen. Eine weitere Gefahr besteht in der so genannten Holl\u00e4ndischen Krankheit (Dutch Disease), welche sich in einem steigenden realen Wechselkurs manifestiert. \u00dcber die makro\u00f6konomische Politik kann dieser Trend vor\u00fcbergehend abgeschw\u00e4cht werden. Langfristig ist es aber entscheidend, dass der \u00d6lreichtum zu Produktivit\u00e4tssteigerungen und erh\u00f6hter Wettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00fchrt. Dies bedingt auch, dass die hierzu notwendigen institutionellen Budget- und Investitionsstrukturen geschaffen werden. \u00a0Auf der Risikoseite gilt es zu erg\u00e4nzen, dass Ghana anf\u00e4llig auf exogene Schocks bleiben wird. Das Wahljahr 2008 wird zudem ein weiterer Testfall bez\u00fcglich Fiskaldisziplin und politischer Transition. Trotz positiver Trends ist Ghana ein Land mit hoher monet\u00e4rer und nicht-monet\u00e4rer Armut und sieht sich mit wachsender Ungleichheit und urbaner Arbeitslosigkeit konfrontiert. Zudem k\u00f6nnte eine erneute Zunahme der regionalen Instabilit\u00e4ten das Land in Mitleidenschaft ziehen. Gleichwohl zeichnete sich Ghana als Hort der relativen Stabilit\u00e4t in Westafrika aus und hat das Potenzial, sich zu einem eigentlichen Schwellenmarkt und regionalen Wachstumspol zu entwickeln.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abGhana: Einnahmen, Ausgaben und Defizit, 1999-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abGhana: Wachstum, Inflation, Zinsen, 1996-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abGhana: G\u00fcterhandel und Reserveposition, 1999-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Lokale Reformen: Reform der Steuerpolitik und Steueradministration<\/b>&#13;<br \/>\nDie internationalen Erkl\u00e4rungen zur Finanzierung der Entwicklungshilfe nehmen explizit auch die Partnerstaaten in die Pflicht, die eigenen Einnahmen zu erh\u00f6hen. Diese von Gebern oft etwas vernachl\u00e4ssigte Dimension der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist ein wichtiger Pfeiler in der makro\u00f6konomischen Zusammenarbeit des Seco. Dies hat mehrere Gr\u00fcnde:- Erstens geht es darum, die sich aus Transferleistungen ergebenden Moral Hazard und Abh\u00e4ngigkeitsrisiken einzud\u00e4mmen. Werden \u00f6ffentliche Aufgaben direkt oder indirekt durch externe Hilfe finanziert, sinkt der Anreiz, eigene inl\u00e4ndische Ressourcen zu mobilisieren. Ein effizientes und gerechtes Steuersystem ist ein zentrales Element, mittelbis langfristig die Abh\u00e4ngigkeit von der Auslandshilfe zu verringern. Zudem sind interne Einnahmen eine Finanzierungsform mit relativ kleiner Volatilit\u00e4t.- Zweitens ist es in Anbetracht des Finanzierungsbedarfs an \u00f6ffentlicher Basisinfrastruktur unabdingbar, die \u00f6ffentlichen Einnahmen zu erh\u00f6hen, um einen R\u00fcckfall in die \u00dcberschuldung oder in die inflation\u00e4re Finanzierung von Defiziten zu verhindern. Die aus der Handelsliberalisierung wegfallenden Zolleinnahmen &#8211; f\u00fcr viele Entwicklungsl\u00e4nder eine wichtige Finanzierungsquelle &#8211; stellen eine zus\u00e4tzliche Herausforderung dar. Klar ist auch, dass nicht einfach an der Steuerschraube gedreht werden kann, sondern dass die Stabilisierung der \u00f6ffentlichen Finanzen mit langfristigen Wachstumszielen, einer F\u00f6rderung der privatwirtschaftlichen Initiative sowie Umverteilungs- und Armutsaspekten in Einklang gebracht werden muss. Verschiedene Fiskalinstrumente stehen zudem im Brennpunkt der aktuellen Klimadebatte. Hier gilt es, eine optimale Koh\u00e4renz zwischen diesen verschiedenen Zielsetzungen zu finden.- Drittens sind Steuern ein probates Mittel, die gute Regierungsf\u00fchrung zu f\u00f6rdern und die Rechenschaftspflicht zwischen Regierung und Bev\u00f6lkerung zu st\u00e4rken. Wer Steuern zahlt, hat ein ureigenstes Interesse, die Verwendung der \u00f6ffentlichen Mittel zu kontrollieren und eine qualitativ hochstehende \u00f6ffentliche Leistung einzufordern. Fiskalpolitische Aspekte spielen \u00fcberdies eine entscheidende Rolle f\u00fcr den Erfolg von Dezentralisierungsprozessen. Die Auseinandersetzung und gesellschaftliche Konsensbildung \u00fcber die angemessene H\u00f6he und Verteilung der Fiskalit\u00e4t, stellt ein zentrales Element f\u00fcr die Legitimierung des Staates dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Der Beitrag des Seco in Ghana<\/b>&#13;<br \/>\nInsgesamt scheint die Ausrichtung der Wirtschaftspolitik Ghanas geeignet zu sein, um die mit der Globalisierung verbundenen Opportunit\u00e4ten nutzen und die zahlreichen bisherigen und neuen Herausforderungen bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Das Seco hat sein Programm f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit auf die Priorit\u00e4ten des Reformprogramms von Ghana ausgerichtet und ist gut positioniert, um die Vision 2015 zu unterst\u00fctzen. Das Programm st\u00fctzt sich auf folgende thematischen Schwerpunkte:Stabile und nachhaltige \u00f6ffentliche Finanzen als Grundlage f\u00fcr eine ausgeglichene wirtschaftliche Entwicklung: Das Seco beteiligt sich am Budgethilfeprogramm und an der Reform des \u00f6ffentlichen Budgetmanagements, um die Umsetzung des in der Armutsbek\u00e4mpfungsstrategie festgelegten Reformprogramms zu unterst\u00fctzen. Ein thematischer Fokus liegt auf der Reform der Steuerpolitik und Steueradministration, um das bestehende Steuerpotenzial optimal zu nutzen sowie Distorsionen und Ineffizienzen abzubauen und die privatwirtschaftliche Aktivit\u00e4t zu beg\u00fcnstigen. Gerade mit Blick auf die Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen &#8211; insbesondere der \u00d6lvorkommen &#8211; dr\u00e4ngen sich Anpassungen in der Einnahmenerhebung und Steuerausnahmegesetzgebung auf. \u00dcber multilaterale Programme werden die institutionellen Kapazit\u00e4ten im \u00f6ffentlichen Schuldenmanagement, in der Umsetzung nachhaltiger Finanzierungsstrategien und in der Erf\u00fcllung internationaler Reportingstandards unterst\u00fctzt.Wirtschaftliche Infrastruktur: \u00dcber die Unterst\u00fctzung des Public-Private-Partnership-Programms im Energiesektor leistet das Seco einen Beitrag zu einer breiteren und effizienteren Energieversorgung. Die ungen\u00fcgende Energieversorgung ist ein unmittelbarer Bremsfaktor des wirtschaftlichen Wachstums. Finanzmarktinfrastruktur sowie Ausbau des lokalen Finanzsektors: Mit der graduellen Liberalisierung des internen Finanzmarktes und der internationalen Kapitalfl\u00fcsse kommt der Finanzmarktinfrastruktur eine besondere Bedeutung zu. In Vorbereitung ist eine Beteiligung an einem Programm, welches die institutionellen Kapazit\u00e4ten zur Regulierung und Aufsicht \u00fcber das Finanzsystem st\u00e4rkt. Ziel ist es, die Anpassung des Finanzsektors an internationale Standards zu unterst\u00fctzen, um die Verletzbarkeit des Finanzsystems zu senken und den Finanzplatz auf regionaler und internationaler Ebene wettbewerbsf\u00e4hig zu machen. Trotz einer positiven Dynamik im Finanzsektor hat dieser wenig Tiefe, und der Zugang zu Finanzierung &#8211; insbesondere f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) &#8211; bleibt sehr schwierig. In Partnerschaft mit der International Finance Corporation der Weltbankgruppe wird der Finanzsektor vertieft, indem neue Leasing- und Hypothekarmarktinstrumente eingef\u00fchrt werden. In diesem Kontext wurde auch der notwendige Gesetzesrahmen reformiert. \u00dcber spezifische Fonds wird den KMU Risikokapital zur Verf\u00fcgung gestellt. Internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Verbesserung des Martkzugangs: Um die Ertragsbasis aus der Exportwirtschaft zu st\u00e4rken, werden KMU in Ghana unterst\u00fctzt, damit sie ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessern und erfolgreich am internationalen Handel teilnehmen k\u00f6nnen. \u00dcber die Einf\u00fchrung internationaler Qualit\u00e4ts- und Nachhaltigkeitsstandards wird der Marktzugang verbessert und werden Projekte durchgef\u00fchrt zur Diversifizierung der Exportbasis sowie zur St\u00e4rkung des Handels mit Tropenholz aus nachhaltiger Bewirtschaftung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 3: Literaturauswahl<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; Collier, P. und Hoeffler A. (1998), On Economic Causes of Civil War, Oxford Economic Papers Nr. 50, S. 563-573.- Sachs, J.D. and Warner M. (1995), Natural Resource Abundance and Economic Growth, National Bureau of Economic Research, Working Paper 6398.- Kose, A., Prasad, E., Rogoff, K., und Wei (2006), Financial Globalization: A Reappraisal, International Monetary Fund, WP\/06\/189.- Aizenman, J. und Pinto, B. (Ed.) (2005), Managing Economic Volatility and Crises. A Practitioner&#8217;s Guide, Cambridge University Press.- Berg, A., Ostry, J-D., Zettelmeyer, J. (2008), What Makes Growth Sustained?, International Monetary Fund, WP\/08\/59.- Rodrik, D., Subramanian, A. (2008), Why Did Financial Globalization Disappoint?, mimeo.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Die makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t gilt als massgebender Faktor f\u00fcr das Erreichen bedeutender wirtschaftlicher und sozialer Ziele. 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