{"id":123271,"date":"2008-05-01T12:00:00","date_gmt":"2008-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/05\/mordasini-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:22","slug":"mordasini-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/05\/mordasini-3\/","title":{"rendered":"Entschuldung und Entwicklung: Ausgangslage und Herausforderungen"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200805_09_Mordasini_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"241\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUng\u00fcnstige Investitionen, eine unangemessene Steuer- und Wirtschaftspolitik, verheerende Konflikte in Kombination mit einem schwachen Wachstum, der Verschlechterung der Handelsbedingungen und Naturkatastrophen: Diese Faktoren f\u00fchrten dazu, dass die \u00abSchuldenfalle\u00bb f\u00fcr mehrere arme L\u00e4nder zuschnappte. In den Neunzigerjahren wiesen rund 30 L\u00e4nder mit niedrigem Einkommensniveau eine Auslandsverschuldung auf, die mehr als dem Sechsfachen ihrer j\u00e4hrlichen Exporteinnahmen entsprach.\u00a0Seit zehn Jahren unternehmen diese L\u00e4nder ernsthafte Anstrengungen, um wieder zahlungsf\u00e4hig zu werden und ihre Schulden abzubauen. Dabei werden sie von der internationalen Gemeinschaft unterst\u00fctzt, die hinsichtlich der Tragweite, des Umfangs und der Koordination ein ausserordentliches Engagement an den Tag gelegt hat. Die Lancierung der Initiative zu Gunsten der hoch verschuldeten armen L\u00e4nder (HIPC) im Jahr 1996 und der multilateralen Schuldenerlass-Initiative (MDRI) im Jahr 2006 legte den Rahmen dieser Massnahmen fest. Diese Initiativen wurden durch mehrere bilaterale Programme erg\u00e4nzt. Dazu geh\u00f6rt das Entschuldungsprogramm, das die Schweiz 1991 anl\u00e4sslich ihrer 700-Jahr-Feier ins Leben gerufen hat. Die Anstrengungen orientieren sich am Umfang der Herausforderungen: Angestrebt werden eine erhebliche Reduktion der Verschuldung und ein Abbau der Verpflichtungen auf ein ertr\u00e4gliches Niveau. Damit soll den armen L\u00e4ndern die M\u00f6glichkeit gegeben werden, mehr Mittel f\u00fcr Sozialausgaben und die Bek\u00e4mpfung der Armut einzusetzen (siehe Kasten 1 Die 1996 von der Weltbank und vom IWF lancierte HIPC ist darauf ausgerichtet, die Verschuldung der hoch verschuldeten armen L\u00e4nder abzubauen. Die Kriterien f\u00fcr die Aufnahme in das entsprechende Programm sind ein sehr niedriges Einkommensniveau, ein Verh\u00e4ltnis zwischen Verschuldung und Exporteinnahmen von \u00fcber 150% und der Nachweis von guten makro\u00f6konomischen Leistungen. Der Prozess zum Abbau der Verschuldung beginnt mit dem Entscheid, die erforderlichen Mittel einzusetzen. Der Abschluss erfolgt nach durchschnittlich vier Jahren, wenn alle von der Initiative vorgegebenen Kriterien erf\u00fcllt sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie MDRI wurde 2006 von der Weltbank, vom IWF und vom Afrikanischen Entwicklungsfonds lanciert; im Fr\u00fchjahr 2007 schloss sich auch die Interamerikanische Entwicklungsbank an. Damit die MDG rascher erreicht werden, verpflichten sich diese Institutionen, ihre Schuldforderungen in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern vollst\u00e4ndig aufzul\u00f6sen. Diese Massnahme ist eine Erg\u00e4nzung zu HIPC. Sie wird grunds\u00e4tzlich automatisch ausgel\u00f6st, sobald ein Land diesen ersten Prozess zufriedenstellend abgeschlossen hat. Entsprechend den Statuten des IWF konnten von dieser Initiative auch Tadschikistan und Kambodscha profitieren, zwei sehr arme L\u00e4nder (Pro-Kopf-Einkommen unter 380 US-$), die an HIPC nicht teilgenommen haben.).&#13;<\/p>\n<h2>Welche Bilanz l\u00e4sst sich im Jahr 2008 ziehen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Auslandsschulden der 22 armen L\u00e4nder, die den Entschuldungsprozess abgeschlossen haben, wurden von 76 Mrd. US-$ auf 5 Mrd. US-$ abgebaut (Zahlen von 2006). Verglichen mit den Exporteinnahmen verringerte sich der Schuldendienst von 17% im Jahr 2000 auf 4,7% im Jahr 2008 zur\u00fcck. Insgesamt sollte die Gesamtverschuldung der 32 L\u00e4nder, die an diesen Programmen beteiligt sind, durch die Kombination von MDRI und HIPC um 96 Mrd. US-$ reduziert werden k\u00f6nnen.\u00a0Durch die Reduktion des Schuldendienstes wurde in diesen L\u00e4ndern ein gr\u00f6sserer Spielraum f\u00fcr die Verwendung der Steuergelder geschaffen. So konnten die \u00f6ffentlichen Ausgaben, die f\u00fcr die benachteiligten Bev\u00f6lkerungsgruppen eingesetzt werden, stark erh\u00f6ht werden. In den erw\u00e4hnten 22 L\u00e4ndern entsprechen die \u00f6ffentlichen Ausgaben, die f\u00fcr die Verringerung der Armut eingesetzt werden, im Jahr 2008 durchschnittlich 60% der Steuereinnahmen. Im Jahr 2000 lag der entsprechende Wert noch bei lediglich 38% (siehe Grafik 1).\u00a0Es wurden somit substanzielle Fortschritte erzielt. Der schwierige Prozess, den diese L\u00e4nder in den letzten Jahren durchlaufen mussten &#8211; strikte Massnahmen auf fiskalischer und monet\u00e4rer Ebene, Strukturreformen -, tr\u00e4gt nun endlich Fr\u00fcchte. Die gemeinsamen Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft erm\u00f6glichten nicht nur eine Entschuldung und eine Verbesserung der finanziellen Lage, sondern waren auch ein konkreter und direkter Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der Armut und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsschichten.\u00a0Doch nicht alle L\u00e4nder, die grunds\u00e4tzlich f\u00fcr HIPC und MDRI in Frage kommen, haben die folgenden unabdingbaren Aufnahmebedingungen bereits erf\u00fcllt:\u00a0&#8211; zufriedenstellende Ergebnisse im Rahmen eines makro\u00f6konomischen Programms des IWF;\u00a0&#8211; Erarbeitung einer nationalen Strategie zur Verringerung der Armut;\u00a0&#8211; genehmigter Plan zum Abbau allf\u00e4lliger Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nde gegen\u00fcber den multilateralen Gl\u00e4ubigern.\u00a0\u00a0Zu den 32 Staaten, die gegenw\u00e4rtig von den Entschuldungsinitiativen profitieren, k\u00f6nnten neun weitere L\u00e4nder Komoren, Elfenbeink\u00fcste, Eritrea, Nepal, Zentralafrikanische Republik, Kirgisische Republik, Somalia, Sudan, Togo. hinzukommen. Allerdings haben mehrere dieser Staaten mit einer Konfliktsituation oder mit F\u00fchrungsproblemen zu k\u00e4mpfen, wodurch ihre Aktionsm\u00f6glichkeiten eingeschr\u00e4nkt sind.&#13;<\/p>\n<h2>Bestehende Risiken und sich versch\u00e4rfende Probleme<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch nach Erreichen eines ertr\u00e4glichen Schuldenniveaus sind arme L\u00e4nder &#8211; wie beispielsweise Burkina Faso (siehe Kasten 2 Dieses Land ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die erfreulichen Ergebnisse, die mit den Entschuldungsinitiativen erreicht werden, aber auch f\u00fcr die Schwierigkeiten, mit denen ein Entwicklungsland weiterhin konfrontiert ist, wenn es ein ertr\u00e4gliches Schuldenniveau beibehalten will.Von 2000 bis 2006 nahm die Auslandsverschuldung von 1,1 Mrd. US-$ auf 259 Mio. US-$ ab. Damit konnte das Verh\u00e4ltnis zwischen der Verschuldung und den Exporteinnahmen auf 110% gesenkt werden. Die Wachstumsrate konnte auf \u00fcber 5% gehalten werden. Die \u00f6ffentlichen Ausgaben f\u00fcr die Verringerung der Armut stiegen von 100 Mio. US-$ im Jahr 2000 auf 480 Mio. US-$ im Jahr 2008 an. Diese Mittel entsprechen gegenw\u00e4rtig 47,5% der Steuereinnahmen, w\u00e4hrend der entsprechende Wert im Jahr 2000 noch bei 32,8% lag. In diesem Zeitraum ging die Armutsquote von 54% auf 42% zur\u00fcck. Der Zugang zu den Gesundheitsdienstleistungen wurde stark verbessert. Daraus resultierte insbesondere ein deutlicher R\u00fcckgang der Kindersterblichkeit und der HIV\/Aids-\u00dcbertragungen. Trotzdem hat Burkina Faso bei weitem noch nicht alle MDG erreicht. Bez\u00fcglich der Alphabetisierung und der Lebenserwartung wurden bislang nur geringf\u00fcgige Verbesserungen erzielt. Das Land ist nach wie vor externen Schocks ausgesetzt, durch welche die bisherigen Errungenschaften beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnen: Die starken Schwankungen der \u00d6l- und Baumwollpreise und die Auswirkungen der Krise in der Elfenbeink\u00fcste gef\u00e4hrden das Wachstum und beeintr\u00e4chtigen mittelfristig die Verwaltung der \u00f6ffentlichen Finanzen sowie das Schuldenmanagement.) &#8211; weiterhin gef\u00e4hrdet. Die bestehenden Herausforderungen k\u00f6nnen nur mit anhaltenden und langfristig ausgerichteten Anstrengungen in Bereichen wie Unterst\u00fctzung des Wachstums, Diversifizierung der Exporte, Steigerung der Steuereinnahmen und der Privatverm\u00f6gen abgebaut werden. Gleichzeitig ist die Unterst\u00fctzung durch die \u00f6ffentliche Entwicklungshilfe erforderlich. Wenn die Regierungen weiterhin eine vorsichtige Verschuldungspolitik verfolgen wollen, in deren Rahmen das Concessional Financing im Zentrum steht, muss der Ausbau der Kapazit\u00e4ten im Bereich des Schuldenmanagements zu den Priorit\u00e4ten geh\u00f6ren.\u00a0Es bestehen jedoch nach wie vor zahlreiche Risiken, durch die das Erreichte gef\u00e4hrdet werden k\u00f6nnte. Zum einen m\u00fcssen die armen L\u00e4nder erreichen, dass ihnen alle Gl\u00e4ubiger Entschuldungsbedingungen einr\u00e4umen, die mit den Konditionen der HIPC-Initiative vergleichbar sind. Dies erfordert in vielen F\u00e4llen langwierige und schwierige Verhandlungen. Zum anderen bieten neue Gl\u00e4ubiger &#8211; wie China und Indien &#8211; den armen L\u00e4ndern f\u00fcr die Finanzierung der Basisinfrastruktur umfangreiche Kreditlinien zu meist vorteilhaften Bedingungen an, bei denen jeweils nicht alle Modalit\u00e4ten (mit der Finanzierung verbundene Unterst\u00fctzung? Marktvergabe?) transparent festgelegt sind. Mit dem Umfang dieser Finanzierungen ist ein hohes Risiko einer neuerlichen Verschuldung verbunden. Daher gilt es, mit diesen neuen Gl\u00e4ubigern einen Dialog aufzunehmen, um sie in die von HIPC und MDRI angewandten Grunds\u00e4tze einzubinden. Dabei geht es insbesondere darum, die Entscheide im Bereich der Kreditaufnahme und -vergabe in Richtung der Millennium-Entwicklungsziele (MDG) zu lenken, ohne dass die aufgelaufene Verschuldung zu einer unertr\u00e4glichen Belastung wird.\u00a0F\u00fcr die armen L\u00e4nder, die k\u00fcrzlich ihre Auslandsverschuldung auf ein vertretbares Niveau abgebaut haben, bestehen weitere Risiken. Finanzgesellschaften, die auf dem Sekund\u00e4rmarkt kommerzielle Schuldentitel zu sehr tiefen Preisen erworben haben, strengen anschliessend Verfahren vor Handelsgerichten an, um die vollst\u00e4ndige Bezahlung der Nominalschuld, der Schuldzinsen und weiterer Geb\u00fchren zu verlangen. Diese \u00abAasgeier-Fonds\u00bb versuchen auf skandal\u00f6se Weise, von den \u00c4rmsten zu profitieren. Amerikanische Handelsgerichte haben k\u00fcrzlich vier Fondsgesellschaften, die f\u00fcr einige Mio. US-$ Schuldentitel von Nicaragua mit einem Nominalwert von 70 Mio. US-$ erworben hatten, eine Summe von 275 Mio. US-$ zugesprochen. Ein englisches Handelsgericht verurteilte Sambia zur Zahlung von 15 Mio. US-$ an einen \u00abAasgeier-Fonds\u00bb, der auf dem Sekund\u00e4rmarkt f\u00fcr 3 Mio. US-$ Schuldentitel erworben hatte. Solche F\u00e4lle sind untragbar und m\u00fcssen bek\u00e4mpft werden. Dies erfordert vermehrte und koordinierte Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft.\u00a0Schliesslich ist die Gesamtfinanzierung von HIPC und MDRI noch zu ratifizieren. Dies muss auf der Grundlage einer angemessenen Verteilung zwischen allen Geberl\u00e4ndern der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA) erfolgen. Eine langfristige L\u00f6sung f\u00fcr die \u00dcberschuldung von 41 hoch verschuldeten armen L\u00e4ndern, die grunds\u00e4tzlich f\u00fcr die Entschuldungsinitiativen in Frage kommen, erfordert noch grosse Anstrengungen. Nur so k\u00f6nnen die umfangreichen finanziellen Mittel beschafft werden, die daf\u00fcr erforderlich sind. Die Schweizer Regierung hat unl\u00e4ngst best\u00e4tigt, dass sie sich bis im Jahr 2012 an diesen Anstrengungen beteiligen wird.&#13;<\/p>\n<h2>Die Bedeutung eines multilateralen Ansatzes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHIPC und MDRI k\u00f6nnen im Bereich der multilateralen Massnahmen ohne Zweifel als Erfolg gewertet werden, insbesondere bez\u00fcglich der Koordination der Anstrengungen, der Mittelbeschaffung sowie der Festlegung von Grunds\u00e4tzen und Kriterien, mit denen eine gerechte Behandlung aller in Frage kommenden L\u00e4nder gew\u00e4hrleistet werden kann. Ein Beweis daf\u00fcr sind der massive Abbau der Auslandsschulden und die bemerkenswerten wirtschaftlichen Leistungen der meisten armen L\u00e4nder, welche die beiden Initiativen abgeschlossen haben. Wie jedoch bereits betont wurde, bestehen nach wie vor zahlreiche komplexe Herausforderungen. Das Problem im Zusammenhang mit der Verschuldung der armen L\u00e4nder ist somit bei Weitem noch nicht gel\u00f6st.\u00a0Die Mobilisierung der politischen Unterst\u00fctzung, die Beschaffung der finanziellen Mittel f\u00fcr die weitere Entschuldung der armen L\u00e4nder, die F\u00f6rderung des Dialogs mit allen Gl\u00e4ubigern und wirksame Massnahmen gegen die Machenschaften der \u00abAasgeier-Fonds\u00bb k\u00f6nnen nur mit einem multilateralen Ansatz erreicht werden. Der Ausbau der Kapazit\u00e4ten im Bereich des Schuldenmanagements ist nach wie vor eine Notwendigkeit und muss weiterhin Priorit\u00e4t haben. Die Weltbank spielt in all diesen Bereichen eine wichtige Rolle. Gegenw\u00e4rtig werden mehrere Initiativen vorbereitet; in den n\u00e4chsten Wochen sind konkrete Vorschl\u00e4ge zu erwarten. Dabei geht es insbesondere um die Verbesserung der Wirksamkeit von Programmen, die darauf ausgerichtet sind, die Handelsschulden der L\u00e4nder mit niedrigem Einkommensniveau abzubauen. Was diese Dossiers anbelangt, ist die Schweiz innerhalb der Weltbank aktiv engagiert. Dies entspricht dem Willen des Parlaments, das sich bereits vor \u00fcber 15 Jahren daf\u00fcr ausgesprochen hat, dass sich unser Land bei der Suche nach L\u00f6sungen f\u00fcr das grosse Problem der Verschuldung der armen L\u00e4nder als innovative und aktive Kraft positioniert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abDurchschnittlicher Schuldendienst und Ausgaben f\u00fcr die Verringerung der Armut in den 32 HIPC-L\u00e4ndern\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00ab\u00dcbersicht der HIPC-L\u00e4nder (31. M\u00e4rz 2008)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1 \u00abDie Initiativen HIPC und MDRI\u00bb Die 1996 von der Weltbank und vom IWF lancierte HIPC ist darauf ausgerichtet, die Verschuldung der hoch verschuldeten armen L\u00e4nder abzubauen. Die Kriterien f\u00fcr die Aufnahme in das entsprechende Programm sind ein sehr niedriges Einkommensniveau, ein Verh\u00e4ltnis zwischen Verschuldung und Exporteinnahmen von \u00fcber 150% und der Nachweis von guten makro\u00f6konomischen Leistungen. Der Prozess zum Abbau der Verschuldung beginnt mit dem Entscheid, die erforderlichen Mittel einzusetzen. Der Abschluss erfolgt nach durchschnittlich vier Jahren, wenn alle von der Initiative vorgegebenen Kriterien erf\u00fcllt sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie MDRI wurde 2006 von der Weltbank, vom IWF und vom Afrikanischen Entwicklungsfonds lanciert; im Fr\u00fchjahr 2007 schloss sich auch die Interamerikanische Entwicklungsbank an. Damit die MDG rascher erreicht werden, verpflichten sich diese Institutionen, ihre Schuldforderungen in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern vollst\u00e4ndig aufzul\u00f6sen. Diese Massnahme ist eine Erg\u00e4nzung zu HIPC. Sie wird grunds\u00e4tzlich automatisch ausgel\u00f6st, sobald ein Land diesen ersten Prozess zufriedenstellend abgeschlossen hat. Entsprechend den Statuten des IWF konnten von dieser Initiative auch Tadschikistan und Kambodscha profitieren, zwei sehr arme L\u00e4nder (Pro-Kopf-Einkommen unter 380 US-$), die an HIPC nicht teilgenommen haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2 \u00abDas Beispiel Burkina Faso\u00bb Dieses Land ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die erfreulichen Ergebnisse, die mit den Entschuldungsinitiativen erreicht werden, aber auch f\u00fcr die Schwierigkeiten, mit denen ein Entwicklungsland weiterhin konfrontiert ist, wenn es ein ertr\u00e4gliches Schuldenniveau beibehalten will.Von 2000 bis 2006 nahm die Auslandsverschuldung von 1,1 Mrd. US-$ auf 259 Mio. US-$ ab. Damit konnte das Verh\u00e4ltnis zwischen der Verschuldung und den Exporteinnahmen auf 110% gesenkt werden. Die Wachstumsrate konnte auf \u00fcber 5% gehalten werden. Die \u00f6ffentlichen Ausgaben f\u00fcr die Verringerung der Armut stiegen von 100 Mio. US-$ im Jahr 2000 auf 480 Mio. US-$ im Jahr 2008 an. Diese Mittel entsprechen gegenw\u00e4rtig 47,5% der Steuereinnahmen, w\u00e4hrend der entsprechende Wert im Jahr 2000 noch bei 32,8% lag. In diesem Zeitraum ging die Armutsquote von 54% auf 42% zur\u00fcck. Der Zugang zu den Gesundheitsdienstleistungen wurde stark verbessert. Daraus resultierte insbesondere ein deutlicher R\u00fcckgang der Kindersterblichkeit und der HIV\/Aids-\u00dcbertragungen. Trotzdem hat Burkina Faso bei weitem noch nicht alle MDG erreicht. Bez\u00fcglich der Alphabetisierung und der Lebenserwartung wurden bislang nur geringf\u00fcgige Verbesserungen erzielt. Das Land ist nach wie vor externen Schocks ausgesetzt, durch welche die bisherigen Errungenschaften beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnen: Die starken Schwankungen der \u00d6l- und Baumwollpreise und die Auswirkungen der Krise in der Elfenbeink\u00fcste gef\u00e4hrden das Wachstum und beeintr\u00e4chtigen mittelfristig die Verwaltung der \u00f6ffentlichen Finanzen sowie das Schuldenmanagement.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; Ung\u00fcnstige Investitionen, eine unangemessene Steuer- und Wirtschaftspolitik, verheerende Konflikte in Kombination mit einem schwachen Wachstum, der Verschlechterung der Handelsbedingungen und Naturkatastrophen: Diese Faktoren f\u00fchrten dazu, dass die \u00abSchuldenfalle\u00bb f\u00fcr mehrere arme L\u00e4nder zuschnappte. 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In solchen F\u00e4llen denkt man zuerst an die landeseigenen Ressourcen, die aus Steuern, Abgaben oder privaten Ersparnissen resultieren. Doch in unserer globalisierten Welt k\u00f6nnen Staaten zunehmend ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen anziehen und den Zugang zu den internationalen Finanzm\u00e4rkten nutzen. Dies gilt indessen nicht f\u00fcr alle L\u00e4nder: Vielen armen Staaten war der Zugang zu den internationalen Finanzm\u00e4rkten lange Zeit verwehrt, da sie mit \u00dcberschuldung und Zahlungsunf\u00e4higkeit zu k\u00e4mpfen hatten.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123274,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8781","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b71de913b5f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123271"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3045"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123271"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128112,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123271\/revisions\/128112"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3152"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123271"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123271"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123271"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123271"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}