{"id":123286,"date":"2008-05-01T12:00:00","date_gmt":"2008-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/05\/pointet-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:27","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:27","slug":"pointet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/05\/pointet\/","title":{"rendered":"Der schweizerische Baupreisindex &#8211; ein Konjunkturbarometer"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200805_14_Pointet_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"242\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Weshalb und f\u00fcr wen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer schweizerische Baupreisindex wurde 1998 eingef\u00fchrt. Er entwickelte sich f\u00fcr die meisten \u00f6ffentlichen sowie f\u00fcr zahlreiche private Bauherren rasch zu einem Referenzindikator f\u00fcr die Anpassung ihrer Kredite oder Budgets an die effektive Preisentwicklung.\u00a0Neben den mikro\u00f6konomischen Detailinformationen f\u00fcr die Unternehmen zu allen g\u00e4ngigen Indexierungen liefert der Baupreisindex auch wichtige makro\u00f6konomische Daten. Seine Resultate fliessen zum Beispiel in die Indexierung der Budgets \u00f6ffentlicher Grossprojekte ein und erm\u00f6glicht damit eine wirksame Kostenkontrolle. Unter anderem dient er als Basis f\u00fcr die Indexierung der Kredite der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat). In der Privatwirtschaft wird er f\u00fcr Beobachtungen und Analysen sowie f\u00fcr die Deflationierung bestimmter Nominalwerte der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) verwendet. \u00a0Das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) berechnet seit Oktober 1998 den Baupreisindex f\u00fcr vier verschiedene Bauwerksarten des Hochbaus (Neubau von B\u00fcrogeb\u00e4uden und Neubau von Mehrfamilienh\u00e4usern, Renovation von Mehrfamilienh\u00e4usern und seit 2003 Neubau von Mehrfamilienh\u00e4usern aus Holz) sowie f\u00fcr zwei Bauwerksarten des Tiefbaus (Neubau von Strassen und seit 2001 Neubau von Unterf\u00fchrungen aus Stahlbeton). Diese breite Palette erm\u00f6glicht einen repr\u00e4sentativen Preisindex f\u00fcr die gesamte Baubranche sowie je einen Index f\u00fcr die beiden Sektoren Hochbau und Tiefbau.\u00a0Erhoben werden Marktpreise f\u00fcr genau bestimmte Bauleistungen. Diese Nettopreise stammen aus Vertr\u00e4gen, die in festgelegten Zeitr\u00e4umen effektiv abgeschlossen wurden (Januar bis April f\u00fcr den April-Index und Juli bis Oktober f\u00fcr den Oktober-Index). Die Ergebnisse der j\u00e4hrlich zweimaligen Erhebungen werden f\u00fcr die gesamte Schweiz sowie f\u00fcr die sieben amtlichen Grossregionen publiziert. Es hat sich gezeigt, dass der Bausektor in der Schweiz sehr stark durch lokale Faktoren beeinflusst wird. Die methodischen Grundlagen werden in der Publikation \u00abDer Schweizerische Baupreisindex. Oktober 1998 = 100. Grundlagen\u00bb der Reihe \u00abStatistik Schweiz\u00bb (Neuenburg 2004) detailliert dargestellt.&#13;<\/p>\n<h2>Preisindex und Kostenindex<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung des schweizerischen Baupreisindexes in den letzten zehn Jahren widerspiegelt Entwicklungen wie die Expansions- und Rezessionsphasen, die Haltung der \u00f6ffentlichen Hand bez\u00fcglich Ausgaben im Bausektor, den von der Konkurrenz ausge\u00fcbten Druck auf die Preise und den Preisanstieg f\u00fcr bestimmte Materialien. Interessant ist ausserdem das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Baupreisindex und dem Bauskostenindex, anhand dessen die Abw\u00e4lzung der Kostenver\u00e4nderungen auf die Preise gemessen werden kann. Bevor wir uns einen \u00dcberblick \u00fcber die wirtschaftlichen Zusammenh\u00e4nge und die Entwicklung der Marge der Unternehmen verschaffen, gilt es, die Unterschiede zwischen dem Baupreisindex und dem Baukostenindex festzuhalten.&#13;<\/p>\n<h3>Baupreisindex<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Baupreisindex ist Teil des Systems der Produzentenpreise und misst die Preisentwicklung der wichtigsten Bauwerksarten im Hoch- und im Tiefbau. Er zeigt die Entwicklung der Preise gem\u00e4ss Vertrag des Bauherrn von Leistungen, welche die an der Erstellung eines Bauwerks beteiligten Unternehmen erbringen. Es handelt sich dabei also um die Verkaufspreise, die ein Bauunternehmen auf dem Markt effektiv f\u00fcr seine Bauleistung erh\u00e4lt. Erhoben werden Nettopreise abz\u00fcglich Rabatte, jedoch einschliesslich Skonti, die als Zahlungsart gelten. Die Mehrwertsteuer wird nicht ber\u00fccksichtigt, da sie von den Unternehmen nicht beeinflusst werden kann und keinen konjunkturellen Einflussfaktor darstellt. Der Baupreisindex ist ein Konjunkturindikator, der die Bewegungen von Angebot und Nachfrage sowie die Produktivit\u00e4tsgewinne widerspiegelt. Mit diesem Index k\u00f6nnen Budgets oder Kostenvoranschl\u00e4ge an die effektive Entwicklung des Bausektors angepasst werden.&#13;<\/p>\n<h3>Baukostenindex<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Gegensatz dazu verfolgt der Baukostenindex die Entwicklung der bei der Produktion einer Bauleistung anfallenden Kosten (Material, L\u00f6hne, Inventar und Fremdleistungen). Er widerspiegelt somit die effektiven Bewegungen der Kosten der Bauunternehmen w\u00e4hrend den Arbeiten, ohne Ber\u00fccksichtigung von Gewinnen oder Verlusten. Dieser Index wird f\u00fcr die Teuerungsberechnung im Verlauf der Bauzeit herangezogen.&#13;<\/p>\n<h3>Unterschiede zwischen den Indizes<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend das BFS den auf Marktpreisen basierenden Baupreisindex im Halbjahresrhythmus publiziert, gibt der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) den Produktionskostenindex (PKI) f\u00fcr das Bauhauptgewerbe viertelj\u00e4hrlich heraus. Mit einer Gegen\u00fcberstellung der Entwicklung des Preisindexes und der Kostenentwicklung vor dem wirtschaftlichen Hintergrund der vergangenen zehn Jahre kann die Situation im Bausektor analysiert werden. Dabei stellt sich auch heraus, in welchem Mass die Bauunternehmen den Kostenanstieg im Zeitverlauf auf ihre Preise abw\u00e4lzen k\u00f6nnen. Dies liefert uns Informationen zur Entwicklung der Margen, wobei unternehmensspezifische Faktoren ebenfalls Einfluss nehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Preise und Kosten 1998-2008<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3>Wirtschaftsaufschwung (1998-2001)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Einf\u00fchrung der Baupreisstatistik im Oktober 1998 fiel mit einem allgemeinen Konjunkturaufschwung zusammen, der auf eine lange Phase der Stagnation folgte. Die starke Zunahme der Binnennachfrage wurde durch die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank noch unterst\u00fctzt. Durch die m\u00e4ssige Inflation nahm der private Konsum erheblich zu. Die Besch\u00e4ftigung reagierte mit leichter Verz\u00f6gerung; schliesslich sank die Arbeitslosenzahl kontinuierlich.\u00a0Vor diesem Hintergrund konnte sich der Bausektor nach jahrelanger Rezession wieder erholen. Die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt hatte positive Auswirkungen auf das verf\u00fcgbare Einkommen und damit auf die Nachfrage der Haushalte im privaten Bausektor, namentlich bei den Einfamilienh\u00e4usern, aber auch im Bereich Umbau und Renovationen. Die besseren Ums\u00e4tze und Gewinne der Unternehmen f\u00fchrten zu einer st\u00e4rkeren Nachfrage nach Industrie- und Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4uden. Im \u00f6ffentlichen Sektor bremste die nach wie vor restriktive Finanzpolitik bei Bund, Kantonen und Gemeinden die Zunahme der \u00f6ffentlichen Bauausgaben. Dennoch expandierte der Tiefbau aufgrund der Realisierung verschiedener Grossprojekte wie der Bahn 2000 und der Neat.\u00a0Der konjunkturelle Aufschwung hielt bis 2001 an und hatte Auswirkungen auf die Baupreise, die w\u00e4hrend dieser Periode schweizweit kontinuierlich und in allen Regionen und Branchen mehr oder weniger stark zunahmen (siehe Grafik 1). Das zeigt sich im deutlichen Anstieg des Indexes f\u00fcr die gesamte Baubranche von der Basis 100 im Jahr 1998 auf 110,6 im April 2001. Die Baupreise legten also um 10,6% zu, wobei die Zunahme im Hochbau 9,0% betrug, w\u00e4hrend der Tiefbau eine markante Steigerung von 15,5% verbuchte.\u00a0Gem\u00e4ss Grafik 2 blieb das Kostenniveau im Bausektor (Wohngeb\u00e4ude) zwischen Oktober 1998 und Oktober 2000 relativ stabil, w\u00e4hrend das Preisniveau stark anstieg. Im Oktober 2000 verzeichnete das Kostenniveau eine rasche Zunahme, gefolgt von einer erneuten Stabilisierung und einem m\u00e4ssigeren Anstieg. Von Oktober 1998 bis zum ersten Halbjahr 2001 konnte das Bauhauptgewerbe dank dem Aufschwung der Schweizer Wirtschaft seine Margen steigern; der Preisanstieg war st\u00e4rker als der Kostenanstieg.&#13;<\/p>\n<h3>Trendumkehr im zweiten Halbjahr 2001<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n2001 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum in der Schweiz unter Einwirkung des internationalen Konjunktureinbruchs. Der damalige Einbruch der Wirtschaft in den USA tr\u00fcbte die weltweite Konjunkturlage &#8211; und damit auch jene der Schweiz. Dar\u00fcber hinaus musste die Schweizer Wirtschaft interne Schwierigkeiten &#8211; wie die Swissair-Krise &#8211; \u00fcberwinden. Der Tiefbau hatte ausserdem das Ende der Projektvergaben f\u00fcr die Neat-Grossbaustellen zu verkraften.\u00a0Die Konjunkturverlangsamung im Jahr 2001 f\u00fchrte zu einer Baisse im Bausektor, die sich in deutlich r\u00fcckl\u00e4ufigen Auftragseing\u00e4ngen manifestierte und zu R\u00fcckg\u00e4ngen im Hoch- und im Tiefbau f\u00fchrte. Die Auftragsbest\u00e4nde und die Auftragseing\u00e4nge schmolzen. In den meisten Branchen der Planung und Ausf\u00fchrung gingen die Besch\u00e4ftigtenzahlen zur\u00fcck, und die Konkurrenz verst\u00e4rkte den Druck auf die Preise. \u00a0Grafik 1 illustriert, wie die Verlangsamung zwischen 2002 und 2003 weiter vorangeschritten ist. Diese Periode war gezeichnet von deutlichen Preisreduktionen, die von den Unternehmen gew\u00e4hrt wurden, um sich trotz der schwierigen Situation ein gewisses Auftragsvolumen zu sichern (Beispiel: Hochbau -1,1% und Tiefbau -3,0% im Oktober 2002 gegen\u00fcber Oktober 2001).\u00a0Der Wirtschaftsabschwung zu Beginn des 21. Jahrhunderts f\u00fchrte zwar zu einem R\u00fcckgang der Baupreise. Die Kosten nahmen jedoch deutlich zu, was eine Verminderung der Margen zur Folge hatte (siehe Grafik 2).&#13;<\/p>\n<h3>Die Jahre 2003-2007<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm ersten Halbjahr 2003 war die Konjunkturlage f\u00fcr das Bauwesen weiterhin ung\u00fcnstig. Die Preise und Investitionen schrumpften und der R\u00fcckgang der Baut\u00e4tigkeit setzte sich fort. Grafik 2 zeigt, dass das Kosten-\/Preisverh\u00e4ltnis im April 2003 interessanterweise gleich war wie im Oktober 1998 (obwohl die Indizes von der Basis 100 im Oktober 1998 auf 109 im April 2003 anstiegen).\u00a0Im Oktober 2003 setzte der Anstieg des Baupreisindexes wieder ein &#8211; und hat bis heute angehalten. Die Konjunkturlage verbesserte sich Schritt f\u00fcr Schritt, wovon die Baubranche profitierte. 2004 hatte diese positive Entwicklung einen Preisanstieg von 1,7% im Hochbau und von gar 4,6% im Tiefbau zur Folge (Oktober 2004 gegen\u00fcber Oktober 2003). Parallel zu diesem Preisanstieg war jedoch auch ein unabl\u00e4ssiger Kostenanstieg zu beobachten. W\u00e4hrend von 1998 bis 2003 die Kurve des Preisindexes immer \u00fcber derjenigen der Kosten lag, kehrte sich nun das Kosten-\/Preisverh\u00e4ltnis um. Die Unternehmen sahen sich mit der Erh\u00f6hung der Transportkosten (Treibstoffe und leistungsabh\u00e4ngige Schwerverkehrsabgabe), dem starken Preisanstieg beim Stahl (der sich 2004 auf hohem Niveau stabilisierte), der Zunahme der Personalkosten Der Personalkostenindex des Bauhauptgewerbes (Grundlohn und Lohnnebenkosten gem\u00e4ss GAV) stieg von der Basis 100 im Jahr 1998 auf 110,59 im Januar 2003, auf 116,25 im Juli 2003 und betrug 120,94 im Jahr 2007. sowie einer harten Konkurrenz im Bausektor konfrontiert. Auch in den nachfolgenden Zeitr\u00e4umen waren Kostenanstiege mit anschliessenden Preisanstiegen verbunden.\u00a0Ab 2005 wechselten sich bei den Mehrfamilienh\u00e4usern Phasen, die einen deutlicheren Anstieg bei den Preisen als bei den Kosten aufwiesen, mit Phasen ab, in denen die Kosten st\u00e4rker zulegten als die Preise. Die Entwicklung bei den Verwaltungsbauten (siehe Grafik 3) verlief \u00e4hnlich. Allerdings stiegen hier die Preise ab Oktober 2004 etwas schneller als die Kosten; d.h. die Marge nahm zu. Der Preisdruck war folglich in diesem Zeitraum bei den Verwaltungsbauten weniger stark als bei den Mehrfamilienh\u00e4usern.\u00a0Das dynamische Wachstum der Schweizer Wirtschaft setzte sich 2006 und 2007 fort, und die Baupreise legten weiter zu. Im zweiten Halbjahr 2007 stiegen die Baupreise im Hochbau (+1,9%) und im Tiefbau (+1,8%) gegen\u00fcber dem ersten Halbjahr nahezu gleich stark. W\u00e4hrend die Regionen f\u00fcr den Hochbau allesamt relativ homogene Preissteigerungen aufwiesen (zwischen +0,8% im Tessin und +3,1% in der Nordwestschweiz), waren die Werte f\u00fcr den Tiefbau st\u00e4rker gestreut. Die Streuung nahm zwar mit der Zeit ab, blieb aber dennoch gr\u00f6sser als im Hochbau (von -0,1% in der Nordwestschweiz bis +4,3% in der Ostschweiz); lediglich eine Region wies r\u00fcckl\u00e4ufige Preise auf.\u00a0Nach zehnj\u00e4hrigem Bestehen wird die Baupreisstatistik einer Totalrevision unterzogen, die bis 2010 abgeschlossen sein soll. Dabei werden die bisher verwendeten Methoden, Bauwerktypen, Gewichtungen und Stichproben auf ihre Stichhaltigkeit hin gepr\u00fcft. Obschon in den vergangenen zehn Jahren vereinzelt Anpassungen vorgenommen wurden, wird eine eingehende Pr\u00fcfung dazu beitragen, die Qualit\u00e4t und Repr\u00e4sentativit\u00e4t der Ergebnisse beizubehalten oder noch zu verbessern. Dar\u00fcber hinaus soll die Statistik wo notwendig an die Methodik des Statistischen Amtes der Europ\u00e4ischen Union (Eurostat) angepasst werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abEntwicklung des Baupreisindexes in der Schweiz, 1998-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abPreis- und Kostenentwicklung: Mehrfamilienhaus, 1998-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abPreis- und Kostenentwicklung: B\u00fcrogeb\u00e4ude, 1998-2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abVergleich Kostenindex und Preisindex\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Weshalb und f\u00fcr wen? &#13; Der schweizerische Baupreisindex wurde 1998 eingef\u00fchrt. 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