{"id":123321,"date":"2008-04-01T12:00:00","date_gmt":"2008-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/04\/boeni-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:44","slug":"boeni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/04\/boeni\/","title":{"rendered":"Cleaner Production und Transfer von umweltfreundlichen Technologien"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200804_19_Boeni_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"278\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRessourcenintensive Produktionsmethoden, unzureichende Qualit\u00e4tssicherung und der Mangel an Kenntnissen \u00fcber international geforderte Umwelt- und Sozialstandards sind grundlegende Defizite, die eine Integration vieler Unternehmen in den Welthandel erschweren. Die Betriebe bewegen sich in einem Spannungsfeld von Teilnahme und Ausklammerung am wertsch\u00f6pfenden Handel. Nachhaltige, auf Ressourcen- und Umweltschonung ausgerichtete &#8211; und letztlich effizientere &#8211; Produktionsmethoden widerspiegeln sich noch zu wenig in den Managementkonzep-ten der Unternehmen oder der Industriepolitik von Regierungen.\u00a0Um diesem Defizit zu begegnen, unterst\u00fctzt das Seco seit 10 Jahren in verschiedenen Partnerl\u00e4ndern Cleaner Production (CP) Programme mit dem Ziel, Unternehmen die Integration in die rasch wachsende und internationalisierte Weltwirtschaft zu erleichtern.&#13;<\/p>\n<h2>Wissen und Zugang zu Technologien als Entwicklungsfaktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWesentliches Element, um sich in globalen Wertsch\u00f6pfungsketten zu behaupten, ist der Zugang zu Wissen \u00fcber die Anforderungen der globalisierten M\u00e4rkte und zu umweltfreundlichen Technologien. Diesen Zugang zu gew\u00e4hrleisten, ist ein erster notwendiger Schritt; er ist aber nicht hinreichend. Das Wissen muss auf ad\u00e4quate Weise in die unternehmerischen Prozesse integriert und fachgerecht angewandt werden. Dies setzt wiederum die n\u00f6tige finanzielle Basis und die Bereitschaft der Entscheidungstr\u00e4ger in den Unternehmen voraus, langfristig ausgerichtete Investitionen zu t\u00e4tigen. Der Transfer von Umwelttechnologien geht mit Prozessoptimierungen einher, welche die Qualit\u00e4t der Produkte und die Produktivit\u00e4t &#8211; bei gleichzeitiger Reduktion der Umweltbelastung &#8211; verbessern.&#13;<\/p>\n<h2>Methodische Umsetzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den CP-Programmen wird im Partnerland ein Umwelttechnologiezentrum &#8211; ein Cleaner Production Center &#8211; aufgebaut, welches mit technisch und \u00f6konomisch geschulten Fachpersonen Betriebe aus unterschiedlichen Sektoren ber\u00e4t und spezifische Ausbildungskurse oder Informationsanl\u00e4sse durchf\u00fchrt. Die Anschubfinanzierung durch das Seco dient zum Aufbau dieser Zentren, welche organisatorisch meistens in eine bestehende Institution (Handelskammer, Industrieverband, Universit\u00e4t, Beratungsb\u00fcro) integriert sind, was den Zugang zum Kunden erleichtert.\u00a0Zur Unterst\u00fctzung des Wissens- und Technologietransfers werden den CP-Zentren internationale Partnerschaften erm\u00f6glicht, einerseits mit der Organisation f\u00fcr industrielle Entwicklung der UNO (Unido) in Wien, andererseits mit Wissens- und Technologietransferstellen in der Schweiz. Dazu geh\u00f6ren z.B. die Empa oder das Institut f\u00fcr Ecopreneurship (IEC) an der FHNW, welche ihrerseits Kontakte und Zug\u00e4nge zu verschiedenen nationalen und internationalen privaten Partnern und \u00f6ffentlichen Institutionen einbringen.&#13;<\/p>\n<h2>Lateinamerika: Kolumbien und Peru<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm CP-Programm in Kolumbien wird das Umwelttechnologiezentrum \u00abCentro Nacional de Producci\u00f3n M\u00e1s Limpia y Tecnolog\u00edas Ambientales\u00bb in Medell\u00edn von einer aus Industrie, Akademie und Verwaltung zusammengesetzten K\u00f6rperschaft mit \u00fcber 30 Mitgliedern getragen. Das Zentrum, welches heute durch den Verkauf von Dienstleistungen weitgehend eigenfinanziert ist, hat seit Beginn mehr als 1000 Unternehmen in ressourceneffizienter Produktion beraten und in knapp 400 Kursen zu nachhaltigen Produktionstechnologien mehr als 10000 Teilnehmer erreicht.\u00a0Grosse Erfolge konnten auch mit der vom Seco finanzierten und \u00fcber lokale Banken angebotenen gr\u00fcnen Kreditlinie erzielt werden. Dieses Finanzierungsinstrument f\u00f6rdert den Einsatz umweltfreundlicher Technologien durch Garantieabdeckungen im Umfang von 50% der Umweltinvestition und Kreditverg\u00fcnstigungen, sofern eine massgebliche Reduktion der Umweltbelastung resultiert. Zweck der vom Seco gef\u00f6rderten Kreditlinie ist es, sowohl den Firmen wie auch den Ban-ken aufzuzeigen, dass sich Investitionen in umweltvertr\u00e4gliche Produktionsmethoden finanziell lohnen (vgl. etwa das Beispiel in Kasten 2 Die Holzverarbeitungsfirma Mapesa in Pucallpa verarbeitet j\u00e4hrlich rund 16500 m3 Holz zu diversen Produkten wie Parkett, Leisten, Tragbalken und D\u00fcbel, von denen ca. 60% exportiert werden. Zur Holztrocknung wurde eine veraltete, auf Freon-Gas basierende Anlage benutzt, die gem\u00e4ss Montreal-Protokoll als ozonsch\u00e4digend eingestuft wird und zudem stark produktionslimitierend ist. Mit einer neuen Wasserdampf-Trocknungsanlage, welche durch einen mit Produktionsr\u00fcckst\u00e4nden befeuerten Heizkessel betrieben wird, konnte die Produktivit\u00e4t mehr als verdreifacht werden. Dadurch resultierten &#8211; bezogen auf die urspr\u00fcngliche Kapazit\u00e4t &#8211; Ersparnisse von \u00fcber 260000 US-$ j\u00e4hrlich, dies bei Investitionen in der gleichen Gr\u00f6ssenordnung.). Das Instrument soll die Basis daf\u00fcr schaffen, dass die Banken derartige Kredite in ihr Portfolio aufnehmen.\u00a0In Peru konnten mit dem Kreditinstrument bisher 12 Projekte realisiert werden. Im Falle einer Gerberei in der N\u00e4he von Pisco wurde mit Anpassungen in der Prozessf\u00fchrung die Abwasserbelastung mit Chrom um nahezu 100% und mit organischen Inhaltsstoffen um mehr als 50% reduziert. Die Produktionskapazit\u00e4t wurde verdreifacht, bei gleichzeitiger Reduktion des Wasser- und Chemikalienverbrauchs. Eine Papierfabrik in Arequipa konnte mit einem neuen Eindicker und W\u00e4scher zur Vorbereitung des Papierschlammes und einer Sedimentation &#8211; kombiniert mit einer Presse &#8211; sowohl die Materialverluste wie auch die Abwasserbelastung deutlich reduzieren. In allen F\u00e4llen zahlen sich die Investitionen in Umwelttechnologien innerhalb weniger Jahre zur\u00fcck.&#13;<\/p>\n<h2>Cleaner Production in Jordanien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit M\u00e4rz 2004 ber\u00e4t das IEC im Auftrag des Seco die Royal Scientific Society (RSS) in Amman, Jordanien, bei der Realisierung von Massnahmen zum industriellen Umweltschutz. Die RSS ist eine renommierte nationale Beratungs- und Forschungseinrichtung, die den pr\u00e4ventiven sowie nachsorgenden Umweltschutz f\u00f6rdert. RSS hat zudem das Mandat, in enger Abstimmung mit dem Umweltministerium und in Kooperation mit dem Industrieverband die Wettbewerbsf\u00e4higkeit jordanischer Unternehmen durch Verbesserung ihrer Umweltstandards zu erh\u00f6hen und dadurch deren Handelszugang zu europ\u00e4ischen M\u00e4rkten zu verbessern. \u00a0Die ersten 3 Kooperationsjahre haben verdeutlicht, dass neben CP und Technologietransfer die Beratung zum Einsatz umweltrelevanter Instrumente &#8211; wie z.B. Risiko- und St\u00f6rfallanalyse oder \u00d6kobilanzierung &#8211; von den Kunden nachgefragt wird und sich somit ein weiteres Gesch\u00e4ftspotenzial f\u00fcr die RSS er\u00f6ffnet. Dies gilt vor allem dann, wenn CP-Massnahmen mit einem komplement\u00e4ren, kundenspezifischen Beratungsangebot erg\u00e4nzt und somit die Attraktivit\u00e4t umweltbezogener Investitionen gesteigert werden k\u00f6nnen. Die Erweiterung des urspr\u00fcnglichen CP-Konzepts um Sicherheits- und Umweltinstrumente hat das Profil der schweizerischen Beratung zus\u00e4tzlich gesch\u00e4rft. \u00a0Nachfolgend werden drei Instrumente aufgezeigt, welche erg\u00e4nzend zu den bisherigen CP-Assessments zum Einsatz kommen (siehe Grafik 1). Das erweiterte CP-Portfolio ist an den Anforderungen der zunehmend standardisierten M\u00e4rkte und den Anspr\u00fcchen des internationalen Handels ausgerichtet.&#13;<\/p>\n<h3>Klimaschutzprojekte<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nCP stellt ein wirksames Instrument zur Identifizierung und Strukturierung von internationalen Klimaschutzmassnahmen dar. Im Rahmen des Kyoto-Protokolls wurden flexible Mechanismen &#8211; wie der Clean Development Mechanism (CDM) &#8211; zur weltweiten Reduktion von Treibhausgasemissionen vereinbart. Industriel\u00e4nder erwerben Emissionszertifikate zu marktbedingten Preisen und k\u00f6nnen dadurch ihre international vereinbarten Reduktionsziele entlasten. Der CDM-Zertifikatehandel bezweckt also, dass Klimaschutzmassnahmen weltweit dort getroffen werden, wo die Wirkung am h\u00f6chsten bzw. die Kosten am niedrigsten sind.\u00a0Der CDM hat in Jordanien bisher nur wenig Beachtung gefunden. In Verbindung mit CP-Beratungen ist es nun aber m\u00f6glich, die Potenziale besser zu erkennen und technische M\u00f6glichkeiten zur Reduktion von Treibhausgasen vorzuschlagen. Die fachtechnische und formale Bearbeitung eines CDM-Verfahrens erfordert fachliche Expertise, die bei den emittierenden Industriebetrieben selber nicht vorhanden ist. Hier kann RSS &#8211; zusammen mit externen Fachfirmen &#8211; Unterst\u00fctzung anbieten (siehe Kasten 3 Die Firma Kemira Arab Potash Company (Kemapco) stellt aus Phosphatgestein, Salpeters\u00e4ure, Kaliumchlorid und Kalk mineralischen D\u00fcnger her. In einem ersten Schritt wurde bei der Firma eine CP-Beratung durchgef\u00fchrt. Dabei wurde die Salpeters\u00e4ureherstellungsanlage als grosser Treibhausgasemittent identifiziert. Durch die Oxidation von Ammoniak mit Sauerstoff entsteht als Abfallprodukt Distickstoffoxid (N2O), besser bekannt unter dem Trivialnamen Lachgas. Kemapco emittiert j\u00e4hrlich ungef\u00e4hr 150000 Tonnen CO2-\u00c4quivalente in Form von Lachgas, das durch den Einbau eines zus\u00e4tzlichen Katalysatorbettes im bestehenden Abgasreinigungssystem durch Zerlegung in die unbedenklichen Bestandteile Stickstoff und Sauerstoff vermieden werden k\u00f6nnte. Das hohe Reduktionspotenzial ist ideal zur Realisierung eines CDM-Vorhabens im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Eine Project Idea Note (PIN) wurde erstellt. Als N\u00e4chstes soll nun &#8211; gemeinsam mit einer auf Emissionshandel spezialisierten Firma &#8211; das Project Design Document (PDD) erarbeitet werden, welches Grundlage f\u00fcr die Projektanerkennung und -registrierung beim CDM Executive Board ist. Zus\u00e4tzlich wird die Finanzierung der erforderlichen Investitionen abgekl\u00e4rt.).&#13;<\/p>\n<h3>Risikomanagement<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nTransport, Lagerung und Verarbeitungsprozesse von chemischen Stoffen und G\u00fctern beinhalten immer das Risiko, dass gef\u00e4hrliche Substanzen in die Umwelt entweichen k\u00f6nnen. Solche Unf\u00e4lle, die durch menschliches oder technisches Versagen verursacht sein k\u00f6nnen, lassen sich nie vollst\u00e4ndig ausschliessen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit von St\u00f6rf\u00e4llen kann jedoch stark reduziert werden, wenn Risikoanalysen bei Planung und Betriebsf\u00fchrung ber\u00fccksichtigt und in der Sicherheitspolitik der Firma umgesetzt werden. Ein professionelles Risikomanagement der Unternehmen ist eine Voraussetzung f\u00fcr deren Zugang zu internationalem Kapital. Vor allem in jenen L\u00e4ndern, in denen bis heute die rechtlichen Grundlagen fehlen bzw. der Rechtsvollzug noch defizit\u00e4r ist, braucht es Risikoanalysen, kombiniert mit pr\u00e4ventiven Massnahmen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Einf\u00fchrung des Instruments der Risikoanalysen in Jordanien durch das IEC und das Schweizerische Institut zur F\u00f6rderung der Sicherheit (Swissi). Besonders die Prozess-Risikoanalyse kann ideal mit CP-Beratungen kombiniert werden, da einzelne Prozessschritte und Anlagenteile sowohl aus dem Blickwinkel der Sicherheit als auch der Prozessoptimierung untersucht werden k\u00f6nnen.\u00a0Um Erfahrungen mit diesem f\u00fcr das RSS neuen Instrument zu gewinnen, wurden am Beispiel der Firma Jordan Phosphate Mines Company das Risiko eines St\u00f6rfalls im Ammoniaktanklager simuliert und entsprechende unfallmindernde Massnahmen ausgearbeitet. RSS, chemische Betriebe und die umweltpolitische Ebene haben inzwischen erkannt, dass es f\u00fcr jede Firma, welche mit gef\u00e4hrlichen Stoffen arbeitet, verpflichtend sein muss, das bestehende Unfallrisiko so weit wie m\u00f6glich zu reduzieren. Neben dem Schutz von Mitarbeitenden und Umwelt k\u00f6nnen auch m\u00f6gliche Regressforderungen minimiert und die Schaffung eines Negativimages vermieden werden. Dank der guten Reputation des RSS mit seinem qualifizierten Personal und der zunehmenden Nachfrage nach professionellen Risikobewertungen bieten sich Auftragschancen \u00fcber die jordanische Landesgrenze hinaus an.&#13;<\/p>\n<h3>\u00d6kobilanzen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Hilfe von \u00d6kobilanzen werden Umweltauswirkungen von Produkten \u00fcber den gesamten Lebenszyklus hinweg bewertet. Aufgrund anerkannter Umweltindikatoren k\u00f6nnen die Wirkungen auf Boden, Wasser und Luft f\u00fcr unterschiedliche Optionen betrachtet werden, um auf der Basis quantifizierter, transparenter und vergleichbarer Ergebnisse politische und betriebliche Entscheidungen &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Gesichtspunkte &#8211; zu treffen. \u00d6kobilanzen sind heute in Industriestaaten als Evaluierungs-, Bewertungs- und Entscheidungsinstrument von der \u00f6ffentlichen Hand und Privatunternehmen akzeptiert. Sie sind ein wichtiges Element zur Optimierung der Wertsch\u00f6pfung eines Produkts unter ganzheitlicher Betrachtung.\u00a0Zur Optimierung des Ressourcenverbrauchs eines Produkts &#8211; von der Herstellung \u00fcber den Vertrieb bis zur Verwertung\/Entsorgung &#8211; werden unter Anwendung der CP-Methode die aktuellen Schwachstellen identifiziert und Verbesserungsoptionen abgeleitet. \u00dcber Alternativszenarien kann ein Produkt so verbessert werden, dass dessen Umweltauswirkungen minimiert werden.\u00a0In Jordanien haben \u00d6kobilanzen bisher kaum eine Rolle gespielt. Ein erstes Einf\u00fchrungsseminar im Februar 2008 wurde von Entscheidungstr\u00e4gern staatlicher Stellen und privater Unternehmen ausgesprochen positiv aufgenommen. Dies legt nahe, dass die Bilanzierung, welche die Umweltauswirkungen ber\u00fccksichtigt, in K\u00fcrze auch in Jordanien politische Entscheidungen oder privatwirtschaftliche Investitionen beeinflussen wird.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Zugang zu Umwelttechnologien sowie Kenntnisse der internationalen Arbeits- und Umweltstandards sind zentrale Elemente der nachhaltigen Entwicklung von Unternehmen. Die vom Seco unterst\u00fctzten CP-Programme f\u00f6rdern diesen Transfer und erleichtern Betrieben in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern die Integration in die Weltwirtschaft. Dabei wird eine Win-Win-Situation geschaffen: Die Unternehmen produzieren kosteng\u00fcnstiger, erh\u00f6hen ihre Handelschancen auf dem Weltmarkt, reduzieren die Umweltbelastung und verbessern die Arbeitsbedingungen. \u00a0Als das Seco vor 10 Jahren damit begann, Cleaner Production in Entwicklungsl\u00e4ndern zu f\u00f6rdern, stand der Umwelt- und Ressourcenschutz noch am Anfang. Zwischenzeitlich hat dies dank der Cleaner Production Centers Eingang in die Gesetzgebung verschiedener L\u00e4nder gefunden. Mit geeigneten Kreditinstrumenten k\u00f6nnen zudem Investitionen in Umwelttechnologien gef\u00f6rdert werden. \u00a0Die Rentabilit\u00e4t von Umweltinvestitionen h\u00e4ngt massgeblich von lokalen Rahmenbedingungen und Anspr\u00fcchen des internationalen Marktes ab. Dazu geh\u00f6ren der Vollzug gesetzlicher Bestimmungen im Umwelt- und Gesundheitsbereich, \u00f6konomische Anreizmechanismen (Steueroder Kreditverg\u00fcnstigungen etc.), aber auch die Forderungen und Bed\u00fcrfnisse der nationalen und internationalen Kundschaft nach definierter Produktqualit\u00e4t, welche zunehmend Umwelt- und Sozialstandards mit einschliessen. In jenen L\u00e4ndern, in denen die Preise f\u00fcr Strom und Wasser nicht die wahren Kosten widerspiegeln, nat\u00fcrliche Ressourcen ohne Ber\u00fccksichtigung ihrer Endlichkeit ausgebeutet werden oder Umweltverschmutzungen keinerlei Konsequenzen haben, st\u00f6sst CP rasch an Grenzen. In diesen F\u00e4llen besteht Beratungsbedarf vor allem auf der politischen Ebene. Die Programme werden deshalb immer mit dem Instrument des Politikdialoges erg\u00e4nzt.\u00a0Neben dem Handel mit Technologien wird der Handel mit Wissen zuk\u00fcnftig immer wichtiger. Schweizerische Unternehmen sind hoch qualifiziert, um entsprechende Dienstleistung im Bereich der Umweltberatung als flankierende Elemente zu CP anbieten zu k\u00f6nnen. Partnerschaften mit Organisationen &#8211; wie z.B. der RSS &#8211; er\u00f6ffnen f\u00fcr Schweizer Unternehmen neue Chancen, ihre Dienstleistungen in wirtschaftlich aufstrebenden L\u00e4ndern der arabischen Halbinsel, S\u00fcdostasiens oder Lateinamerikas anzubieten. Der Handel mit Produkten oder Wissen ist keine Einbahnstrasse aus der Schweiz in Schwellenl\u00e4nder, sondern erm\u00f6glicht die gemeinsame Erschliessung von globalisierten M\u00e4rkten und die Steigerung der Wertsch\u00f6pfung bei allen beteiligten Partnern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abCleaner Production in Verbindung mit weiteren Umweltinstrumenten\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Cleaner Production und \u00d6koeffizienz Kernelement des CP-Konzeptes ist eine effizientere Nutzung der Ressourcen in der Produktion. Gleichzeitig soll die Umweltbelastung verringert sowie die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden und der Bev\u00f6lkerung verbessert werden. Die Strategie zielt auf eine Probleml\u00f6sung an der Quelle im Gegensatz zur L\u00f6sung am Ende des Produktionsprozesses (End of Pipe). Eine von der UNO 1998 lancierte CP-Erkl\u00e4rung wurde bisher von rund 1700 Institutionen weltweit unterzeichnet. Das Seco hat bei der Umsetzung dieser Erkl\u00e4rung wichtige Pionierarbeit geleistet, indem die urspr\u00fcnglich eng auf \u00d6koeffizienz ausgerichtete Anwendung dieses Konzeptes auf andere Umweltinstrumente &#8211; wie z.B. internationale Konventionen &#8211; erweitert wurde (vgl. Grafik 1). Mit Cleaner Production wird die \u00d6koeffizienz erh\u00f6ht. Dieser vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) lancierte Begriff bezeichnet die Umwelteffizienz im Unternehmen, die als Quotient aus der Wertsch\u00f6pfung und der Umweltbelastung in der Produktion definiert ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Umwelttechnologie und Wettbewerbsf\u00e4higkeit in Peru Die Holzverarbeitungsfirma Mapesa in Pucallpa verarbeitet j\u00e4hrlich rund 16500 m3 Holz zu diversen Produkten wie Parkett, Leisten, Tragbalken und D\u00fcbel, von denen ca. 60% exportiert werden. Zur Holztrocknung wurde eine veraltete, auf Freon-Gas basierende Anlage benutzt, die gem\u00e4ss Montreal-Protokoll als ozonsch\u00e4digend eingestuft wird und zudem stark produktionslimitierend ist. Mit einer neuen Wasserdampf-Trocknungsanlage, welche durch einen mit Produktionsr\u00fcckst\u00e4nden befeuerten Heizkessel betrieben wird, konnte die Produktivit\u00e4t mehr als verdreifacht werden. Dadurch resultierten &#8211; bezogen auf die urspr\u00fcngliche Kapazit\u00e4t &#8211; Ersparnisse von \u00fcber 260000 US-$ j\u00e4hrlich, dies bei Investitionen in der gleichen Gr\u00f6ssenordnung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: CP und Treibhausgasreduktion in Jordanien Die Firma Kemira Arab Potash Company (Kemapco) stellt aus Phosphatgestein, Salpeters\u00e4ure, Kaliumchlorid und Kalk mineralischen D\u00fcnger her. In einem ersten Schritt wurde bei der Firma eine CP-Beratung durchgef\u00fchrt. Dabei wurde die Salpeters\u00e4ureherstellungsanlage als grosser Treibhausgasemittent identifiziert. Durch die Oxidation von Ammoniak mit Sauerstoff entsteht als Abfallprodukt Distickstoffoxid (N2O), besser bekannt unter dem Trivialnamen Lachgas. Kemapco emittiert j\u00e4hrlich ungef\u00e4hr 150000 Tonnen CO2-\u00c4quivalente in Form von Lachgas, das durch den Einbau eines zus\u00e4tzlichen Katalysatorbettes im bestehenden Abgasreinigungssystem durch Zerlegung in die unbedenklichen Bestandteile Stickstoff und Sauerstoff vermieden werden k\u00f6nnte. Das hohe Reduktionspotenzial ist ideal zur Realisierung eines CDM-Vorhabens im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Eine Project Idea Note (PIN) wurde erstellt. Als N\u00e4chstes soll nun &#8211; gemeinsam mit einer auf Emissionshandel spezialisierten Firma &#8211; das Project Design Document (PDD) erarbeitet werden, welches Grundlage f\u00fcr die Projektanerkennung und -registrierung beim CDM Executive Board ist. 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