{"id":123331,"date":"2008-04-01T12:00:00","date_gmt":"2008-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/04\/egler-10\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:35","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:35","slug":"egler-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/04\/egler-9\/","title":{"rendered":"Treibhausgas-Reduktion: Gr\u00fcne Spargeln aus Lateinamerika oder aus dem Wallis?"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200804_20_Egler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"245\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAl Gores Film \u00abDie unbequeme Wahrheit\u00bb hat mit eindr\u00fccklichen Bildern und verst\u00e4ndlichen Statistiken m\u00f6gliche Gr\u00fcnde und Folgen der Klimaerw\u00e4rmung vor Augen gef\u00fchrt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Produktion und der Konsum von Lebensmitteln: Wollen Konsumentinnen und Konsumenten bei Lebensmitteln mit ihren Einkaufsgewohnheiten Klimabewusstsein ausdr\u00fccken, stossen sie beim Kaufentscheid bald an ihre Grenzen. Doch auch die Produzenten und Unternehmen verf\u00fcgen heute kaum \u00fcber die notwendigen Daten und Informationen. Sie k\u00f6nnen nur ungen\u00fcgend nachvollziehen, welche Faktoren wie stark f\u00fcr den CO2-Ausstoss &#8211; und die Umweltauswirkungen allgemein &#8211; ins Gewicht fallen. \u00a0Auf internationaler Ebene werden bereits verschiedene Anstrengungen unternommen, um die Situation zu verbessern, sei es auf europ\u00e4ischer Ebene beim European Committee for Standardization (CEN) oder in einzelnen L\u00e4ndern wie Grossbritannien, Belgien, \u00d6sterreich und Norwegen. Am weitesten geht Grossbritannien mit dem UK Carbon Trust (siehe Kasten 1 Der UK Carbon Trust wurde 2001 von der britischen Regierung als unabh\u00e4ngige Firma gegr\u00fcndet, mit dem Ziel, im Rahmen ihrer Klimastrategie den Wandel zu einer \u00ablow carbon economy\u00bb zu beschleunigen. Der Trust lancierte ein neues CO2-Reduktionslabel, das die Berechnung des CO2-Footprints inklusive Treibhausgasemissionen entlang des ganzen Lebenszyklus und der Wertsch\u00f6pfungskette erm\u00f6glicht. Nach einer Aufbauphase kamen 2007 neue Pilotprojekte mit weiteren bedeutenden Firmen &#8211; wie Coca-Cola und Cadbury-Schweppes &#8211; dazu.). Die Schweiz verf\u00fcgt mit den gut 4000 Datens\u00e4tzen bei Ecoinvent der Empa \u00fcber die weltweit gr\u00f6sste \u00d6kobilanzdatenbank und dadurch \u00fcber ein grosses Know-how. Sie kann hier ihren Beitrag zu einer Versachlichung der Debatte auf Grundlage dieser Datens\u00e4tze leisten und hat bei der Harmonisierungsfrage selbst ein eminentes Interesse.\u00a0Auch f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit ist es im Rahmen der Handelsf\u00f6rderung von gr\u00f6sster Bedeutung, hier Klarheit zu schaffen. Umweltvertr\u00e4gliche Produkte aus Entwicklungsl\u00e4ndern sollen Marktzugang erhalten und mit den dadurch entstehenden Arbeitspl\u00e4tzen und Einkommen zur Reduktion der Armut beitragen k\u00f6nnen. Dazu braucht es eine im Einklang mit den internationalen Bem\u00fchungen einheitliche Berechnungsgrundlage der Umweltbelastung, die sich auf die verschiedensten Produkte mit unterschiedlichen Voraussetzungen (L\u00e4nder, Produktionsmethoden usw.) anwenden l\u00e4sst. Es geht dabei um objektive Grundlagen f\u00fcr freiwillige und positive Anreize, jedoch nicht um die Schaffung von verbindlichen staatlichen Handelsregeln.&#13;<\/p>\n<h2>Mit dem Einkaufskorb Verantwortung mittragen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nOft wird die CO2-Problematik auf den Transport reduziert und dabei die weit verbreitete Ansicht ge\u00e4ussert, dass Erzeugnisse aus fernen L\u00e4ndern durch einen viel l\u00e4ngeren Transportweg zwangsl\u00e4ufig ein Vielfaches an CO2-Ausstoss verursachen. Diese Ansicht muss f\u00fcr die meisten Produkte als Erstes in Frage gestellt werden. Denn der innerkontinentale Transport in Europa, die interne Verteilung im Zielmarkt und schliesslich die Autokilometer des Konsumenten generieren weit mehr Emissionen als die Seefracht, mit der die meisten haltbaren G\u00fcter in die Schweiz gelangen. Verschiedentlich musste den Konsumenten bereits die Illusion genommen werden, dass sie mit lokalen Produkten zwangsl\u00e4ufig Gutes f\u00fcr die Umwelt tun. Das englische Magazin The Economist hat zum Beispiel seiner Leserschaft vorgerechnet, dass die H\u00e4lfte aller durch den Transport verursachten Emissionen von den Konsumenten mit der Fahrt zum n\u00e4chsten Supermarkt verursacht werden. Der interkontinentale Transport ist zwar ein wichtiger Faktor, aber dennoch nur einer von vielen Indikatoren zur Berechnung der CO2-Emissionen und zur Erstellung der \u00d6kobilanz eines Produktes. So f\u00e4llt etwa beim Rindfleisch aus Argentinien, das mit dem Schiff in die Schweiz gelangt, der Transport kaum ins Gewicht, daf\u00fcr umso mehr die H\u00f6he der durch die Viehhaltung verursachten Methanemissionen. Bei einigen Produkten spielen schliesslich der Endverbrauch und die Entsorgung eine entscheidende Rolle.\u00a0Auch bei der Produktion gilt es, durch eine seri\u00f6se Gesamtanalyse sicherzustellen, dass die Entwicklungsl\u00e4nder nicht aus ungesicherten Klima\u00fcberlegungen Handelshemmnisse zu sp\u00fcren bekommen. Die verbreitete Einsch\u00e4tzung, dass die Produktionsprozesse in Entwicklungsl\u00e4ndern die Umwelt generell st\u00e4rker belasten als bei uns, ist gem\u00e4ss \u00d6kobilanz-Experten ebenfalls unzutreffend. Je nach Erzeugnis ist die Produktion in Europa, wenn Hightech-Bew\u00e4sserung, D\u00fcngung, Pflanzenschutz, stark mechanisierter Anbau und Treibh\u00e4user eingesetzt werden, sehr CO2-intensiv. Im S\u00fcden, wo die Landwirtschaft oft in traditioneller Handarbeit und ohne grossen Einsatz von Maschinen betrieben wird, ist daf\u00fcr der Wasserverbrauch oft viel gr\u00f6sser, was sich wiederum negativ auf die Umwelt auswirkt. Insgesamt handelt es sich hier um sehr komplexe Prozesse, die nach einer differenzierten und umfassenden Betrachtung verlangen. \u00a0Das so genannte Life Cycle Assessment (LCA) vermag den Lebenszyklus bzw. die Prozesse der ganzen Wertsch\u00f6pfungskette zu analysieren. Diese \u00d6kobilanzierung umfasst nicht nur alle Treibhausgase (neben CO2 auch Methan, Lachgas und eine Reihe Chlorkohlenwasserstoffe, gemessen in CO2-\u00c4quivalenten), sondern auch weitere umweltrelevante Faktoren wie Wasserverbrauch, Bodenversalzung oder Toxizit\u00e4t. Vor allem f\u00fcr den Privatsektor ist das LCA wichtig, damit die Unternehmen durch Effizienzgewinn in den verschiedenen Prozessen ihre Verantwortung f\u00fcr Klima und Umwelt auch wirklich wahrnehmen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Die Wirtschaft als treibende Kraft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem freiwilligen Prozess KlimaPro, der in regelm\u00e4ssigen Treffen die Vertreter der verschiedenen Interessengruppen zusammenf\u00fchrt, ist unter Mitwirkung des Bundes eine Initiative lanciert worden, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen breit akzeptierten Standard zur Kennzeichnung oder Zertifizierung von klimaneutralen Produkten zu entwickeln (siehe Kasten 2 Das Projekt KlimaPro wurde von der Basler Firma Ecos und der Eidgen\u00f6ssischen Empa Materials Science &amp; Technology initiiert. Ziel war es, gemeinsam mit relevanten Stakeholdern &#8211; Kunden, Unternehmen, Klimadienstleister, NGOs, \u00f6ffentliche Hand &#8211; einen breit abgest\u00fctzten Standard im Bereich der Klimaneutralisierung von Produkten zu erarbeiten. Unternehmen und Organisationen sollten sich bei der Produktion und Vermarktung von klimaneutralen Produkten und Dienstleistungen auf anerkannte, glaubw\u00fcrdige und vergleichbare Kriterien st\u00fctzen k\u00f6nnen; Konsumenten sollten beim Einkaufsentscheid wissen, was sich hinter entsprechenden Produktkennzeichnungen verbirgt. Bisher wurde im Rahmen eines vom Seco und vom Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) mitunterst\u00fctzten Vorprojektes die Realisierbarkeit von KlimaPro abgekl\u00e4rt. Dazu wurden drei Fallbeispiele (Soja\u00f6l, Waschmittel und Spargeln) mittels \u00d6kobilanzierung analysiert und mit der gleichzeitig aufgebauten Stakeholder-Plattform iterativ diskutiert. Seit September 2007 wurden drei Workshops mit Vertretern von Bund (Seco, Bafu, BLW, BFE), Forschung und NGOs (WWF, ETH Z\u00fcrich, FiBL, \u00d6BU, \u00d6kozentrum Langenbruck), Klimaschutzdienstleistern und Labelorganisationen (Compensate, myclimate, ClimatePartner, BioSuisse, Max Havelaar, SQS) sowie Unternehmen (Migros, Coop, IKEA, Swisscom, UBS, Bank Sarasin, Weleda, Gebana, Switcher, Druckerei Feldegg) durchgef\u00fchrt. In deren Rahmen wurde die technische Machbarkeit gepr\u00fcft, eine Auslegeordnung bez\u00fcglich Konzeptualisierung, Einsatzzweck und Zielgruppen einer Klimaauszeichnung erstellt sowie Bed\u00fcrfnisse und M\u00f6glichkeiten des Engagements diskutiert. Die Plattform war sich einig, dass eine gemeinsame Berechnungsbasis auf Grundlage der \u00d6kobilanzierung einem hohen Bed\u00fcrfnis entspricht. F\u00fcr die Entwicklung einer gemeinsamen Perspektive bez\u00fcglich der Form einer Klimaauszeichnung sowie der \u00abLabelfrage\u00bb sind weitere Meetings geplant. Die Weiterf\u00fchrung von KlimaPro wird gegenw\u00e4rtig mit Unterst\u00fctzung von Bafu und Seco gepr\u00fcft. Ende 2008 sollen gemeinsame, international abgest\u00fctzte Berechnungsrichtlinien vorgelegt werden k\u00f6nnen.). Dazu m\u00fcssen drei Erfordernisse erf\u00fcllt sein: \u00a0&#8211; Entwicklung einer Methode, die eine exakte und vergleichbare Datenerhebung zul\u00e4sst;\u00a0&#8211; Ausstattung der verschiedenen Ans\u00e4tze f\u00fcr klimakompensierte Produkte mit Optionen und Instrumenten, die zur Erreichung der angestrebten Reduktionsziele beitragen;\u00a0&#8211; Erarbeitung einer gegen\u00fcber den Konsumenten geeigneten Kommunikationsform und Bezeichnung klimafreundlicher Produkte (z.B. Label).&#13;<\/p>\n<h2>Ziel klimaneutral mit KlimaPro<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKlimaneutralit\u00e4t wird heute mehrheitlich als der Ausgleich von CO2-Emissionen mittels Zertifikaten verstanden, wobei die Zertifikate eine Emissionsreduktion in einem Klimaschutzprojekt in billigeren Ost- und S\u00fcdl\u00e4ndern verbriefen. Eine Vision von KlimaPro ist es, innerhalb der Wertsch\u00f6pfungskette das Reduktionspotenzial zu pr\u00fcfen und Reduktionsziele durch Eigenanstrengungen mit entsprechendem Zeithorizont zu definieren. F\u00fcr die Deklaration eines klimaneutralen Produktes sollen Kompensationen mit einer effektiven CO2-Reduktion kombiniert werden, um letztlich auch eine produktseitige Emissionsreduktion zu erwirken. Wo eine relevante Reduktion innerhalb der Wertsch\u00f6pfungskette kaum m\u00f6glich ist, m\u00fcssten dennoch s\u00e4mtliche verursachten Emissionen &#8211; etwa durch Beitr\u00e4ge an Klimaprojekte &#8211; kompensiert werden, damit das Produkt klimaneutral wird. \u00a0Um zum eingangs erw\u00e4hnten Beispiel zur\u00fcckzukommen: Gr\u00fcne Spargeln aus Lateinamerika, die wir ganz frisch konsumieren wollen und die deshalb nur per Flugweg in die Schweiz gelangen, belasten die CO2-Bilanz stark. Im Vergleich zur Schiffsfracht verursacht die Flugfracht ein Mehrfaches an Emissionen; ins Gewicht fallen zudem die verwendeten D\u00fcngemittel. Der Spargelproduzent Athos zum Beispiel hat in Peru die Bedeutung der Klimaproblematik f\u00fcr seine Exportchancen erkannt und unterst\u00fctzte das Beratungsunternehmen Ecos bei der Beschaffung der Daten. Gemeinsam mit dem vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unterst\u00fctzten Cleaner Production Center in Lima werden nun M\u00f6glichkeiten gepr\u00fcft, die Emissionen allenfalls vor Ort im Umfeld des Produzenten und zum Nutzen der lokalen Arbeiter zu kompensieren, z.B. durch die Nutzung von Biogas zum Kochen anstelle fossiler Brennstoffe. Mit dem Logo \u00abby air\u00bb wird dieser pragmatische L\u00f6sungsansatz von einem Grossverteiler &#8211; neben konventionellen Spargeln auch f\u00fcr Rosen oder Beeren aus fairem Handel &#8211; praktiziert.&#13;<\/p>\n<h2>Die Labelfrage<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSollen die erzielten Emissionsreduktionen, die Klimaneutralit\u00e4t sowie die Umwelteinfl\u00fcsse kommuniziert und ausgewiesen werden, und wenn ja, in welcher Form? Und welcher Mehrwert entsteht dadurch f\u00fcr Produzenten, Unternehmen und Konsumenten? F\u00fcr Konsumenten sind die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten in ihrer Komplexit\u00e4t kaum nachvollziehbar oder gar auf Nachhaltigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Ein Label mit einer klaren Botschaft und Kriterien kann den Konsumenten bei ihren Kaufentscheiden behilflich sein und gleichzeitig f\u00fcr die Anliegen der nachhaltigen Entwicklung bei Konsumenten und Produzenten sensibilisieren. Viele Spezialisten warnen jedoch davor, den Einfluss des Konsumenten zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Letztendlich sind es die wirtschaftlichen Entscheidungstr\u00e4ger (sprich: Grossverteiler und Produzenten), die klimabzw. umweltfreundlichen Prozessen zum Durchbruch verhelfen k\u00f6nnen. \u00a0Im Labelreport aus dem Jahr 2000 unter der Federf\u00fchrung des Seco und des Bundesamtes f\u00fcr Umwelt (Bafu) wurde die F\u00f6rderung eines nachhaltigen Konsumverhaltens durch die Anerkennung und F\u00f6rderung von Labels als eines von acht Aktionsfeldern der Strategie zur Nachhaltigkeit in der Schweiz definiert. Nicht zuletzt auf dieser Grundlage konnten sich solide Labels &#8211; wie etwa die Bio-Knospe oder das Label f\u00fcr fairen Handel der Max-Havelaar-Stiftung (Schweiz) &#8211; zu einer wertvollen Orientierungshilfe f\u00fcr Konsumenten und einem interessanten Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr Produzenten entwickeln. \u00a0Bei den freiwilligen Labels stehen eine Vielzahl von Ans\u00e4tzen zur Debatte. Sie reichen von der einfachen Deklaration (analog zu den N\u00e4hrwertangaben) \u00fcber Best Practice oder First in Class (Auszeichnung der besten Produkte einer Kategorie) bis hin zum Label im herk\u00f6mmlichen Sinne (z.B. \u00abKlimaneutral\u00bb). In der Frage, was oder wer zertifiziert werden soll, stehen drei M\u00f6glichkeiten zur Debatte: das Produkt selbst, das Unternehmen oder die Branche. Der Produktansatz ist tendenziell kostspielig und kompliziert. Mit der Zertifizierung von Unternehmen kann die Komplexit\u00e4t der Wertsch\u00f6pfungskette deutlich besser gehandhabt und eine bessere Breitenwirkung erreicht werden. Branchenl\u00f6sungen bieten allenfalls eine praktikable und kosteng\u00fcnstigere Alternative. \u00a0Neben unterschiedlichen Meinungen kommen in dieser Debatte auch die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse der Akteure zum Ausdruck. Die Firmen, die sich auf einen solchen Prozess einlassen, sind an einem kommunikativen und kommerziellen Mehrwert interessiert; ein Label kann dabei durchaus einen zus\u00e4tzlichen Anreiz darstellen. Wegen des mutmasslich hohen Aufwands und der schwer bezifferbaren Transaktionskosten ist der Privatsektor dennoch zur\u00fcckhaltend. Als absolut unerl\u00e4sslich wird hingegen der freie, \u00f6ffentliche Zugang zu den \u00d6kobilanz-Daten angesehen, um effizient Verbesserungen der CO2-Emissionswerte herbeizuf\u00fchren. Die Bereitstellung einer verl\u00e4sslichen und vergleichbaren \u00d6kobilanz-Methodik bietet Firmen Hand, ihre Produktionsprozesse und Beschaffungsketten zu analysieren und gewisse Abl\u00e4ufe und Praktiken zu \u00fcberdenken. Doch auch dies ist mit st\u00e4ndigen Anpassungen, einem konstanten Monitoring und schliesslich betr\u00e4chtlichen Kosten verbunden. Dieser Mehraufwand d\u00fcrfte aber mit den Kosten f\u00fcr Produktsicherheit oder Qualit\u00e4tssicherung vergleichbar sein und sich mittelfristig lohnen, insbesondere wenn neben dem CO2-Ausstoss die gesamten Umwelteinfl\u00fcsse mit einbezogen werden.\u00a0Trotz vieler offener Fragen kann heute bereits gesagt werden, dass die Initiative Klima-Pro wichtige Denkanst\u00f6sse gegeben und uns einen beachtlichen Schritt vorw\u00e4rts gebracht hat. Die unabh\u00e4ngige Tr\u00e4gerschaft Climatop hat denn auch bereits ein Label lanciert. Sie definiert wichtige emissionsreiche Produktgruppen &#8211; zum Beispiel Waschmittel &#8211; und zeichnet dabei Produkte aus, die im Vergleich zu Alternativprodukten eine deutlich geringere Klimabelastung aufweisen. Dazu wurde ein dreistufiges Verfahren entwickelt: Abgrenzung von Produktgruppen, Bilanzierung der klimawirksamen Emissionen \u00fcber den Lebenszyklus der Produkte und schliesslich eine unabh\u00e4ngige Kontrolle.&#13;<\/p>\n<h2>Vom UK Carbon Trust lernen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBereits einen beachtlichen Schritt weiter ist man mit dem UK Carbon Trust. Die Erfahrungen zeigten dort deutlich, dass solche Prozessanalysen die potenziellen Verbesserungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Firmen sofort erkennbar machen und unmittelbar erhebliche Emissionsreduktionen sp\u00fcrbar werden. \u00a0Die Resultate dieser Zusammenarbeit mit Unternehmen k\u00f6nnen sich sehen lassen. Beispielsweise realisierte die Firma Boots, eine Gesundheits- und Sch\u00f6nheits-Ladenkette, dank eines besseren \u00f6kologischen Verst\u00e4ndnisses der Produktionsprozesse erhebliche Energieeinsparungen, die sich &#8211; neben der \u00d6kobilanz &#8211; vor allem auf die Produktionskosten positiv auswirken. Auch bei der Distribution konnte dank neuen Verpackungsmethoden der CO2-Ausstoss deutlich reduziert werden. So hat der Getr\u00e4nkehersteller Innocent Drinks in der Produktion seiner Flaschen die CO2-Emissionen um 16&nbsp;% senken k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich hilft die Klimaschutzdebatte Unternehmen, ihre gesamte Beschaffungskette genauer zu analysieren und aufgrund des LCA effizienter zu gestalten. Als Marketinginstrument will den Carbon Trust niemand sehen. Trotzdem scheint es bei den Konsumenten anzukommen, denn eine Mehrheit der von Boots befragten Kunden findet es wichtig, die Produkte mit ihren Carbon-Footprints &#8211; d.h. den CO2-Emissionswerten des Produkts &#8211; zu deklarieren.&#13;<\/p>\n<h2>Und die Walliser Spargeln?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnterdessen sind auch die Walliser Spargeln in den Supermarktregalen zu finden. Ob sich das Warten aus \u00f6kologischer Sicht gelohnt hat, h\u00e4ngt bei den Spargeln wohl davon ab, ob die CO2-Emissionen des Flugtransports angemessen kompensiert wurden. Bei den meisten Produkten wird nur eine genaue und allgemein vergleichbare LCA eine verl\u00e4ssliche Antwort geben k\u00f6nnen. Vor allem bietet sie die Chance, dass die Wirtschaft durch kontinuierliche Verbesserung bei allen Prozessen der Wertsch\u00f6pfungskette schliesslich dem Konsumenten ein umwelt- und klimafreundliches oder gar CO2-neutrales Produkt anbieten kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Der UK Carbon Trust Der UK Carbon Trust wurde 2001 von der britischen Regierung als unabh\u00e4ngige Firma gegr\u00fcndet, mit dem Ziel, im Rahmen ihrer Klimastrategie den Wandel zu einer \u00ablow carbon economy\u00bb zu beschleunigen. Der Trust lancierte ein neues CO2-Reduktionslabel, das die Berechnung des CO2-Footprints inklusive Treibhausgasemissionen entlang des ganzen Lebenszyklus und der Wertsch\u00f6pfungskette erm\u00f6glicht. Nach einer Aufbauphase kamen 2007 neue Pilotprojekte mit weiteren bedeutenden Firmen &#8211; wie Coca-Cola und Cadbury-Schweppes &#8211; dazu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Das Projekt KlimaPro Das Projekt KlimaPro wurde von der Basler Firma Ecos und der Eidgen\u00f6ssischen Empa Materials Science &amp; Technology initiiert. Ziel war es, gemeinsam mit relevanten Stakeholdern &#8211; Kunden, Unternehmen, Klimadienstleister, NGOs, \u00f6ffentliche Hand &#8211; einen breit abgest\u00fctzten Standard im Bereich der Klimaneutralisierung von Produkten zu erarbeiten. Unternehmen und Organisationen sollten sich bei der Produktion und Vermarktung von klimaneutralen Produkten und Dienstleistungen auf anerkannte, glaubw\u00fcrdige und vergleichbare Kriterien st\u00fctzen k\u00f6nnen; Konsumenten sollten beim Einkaufsentscheid wissen, was sich hinter entsprechenden Produktkennzeichnungen verbirgt. Bisher wurde im Rahmen eines vom Seco und vom Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) mitunterst\u00fctzten Vorprojektes die Realisierbarkeit von KlimaPro abgekl\u00e4rt. Dazu wurden drei Fallbeispiele (Soja\u00f6l, Waschmittel und Spargeln) mittels \u00d6kobilanzierung analysiert und mit der gleichzeitig aufgebauten Stakeholder-Plattform iterativ diskutiert. Seit September 2007 wurden drei Workshops mit Vertretern von Bund (Seco, Bafu, BLW, BFE), Forschung und NGOs (WWF, ETH Z\u00fcrich, FiBL, \u00d6BU, \u00d6kozentrum Langenbruck), Klimaschutzdienstleistern und Labelorganisationen (Compensate, myclimate, ClimatePartner, BioSuisse, Max Havelaar, SQS) sowie Unternehmen (Migros, Coop, IKEA, Swisscom, UBS, Bank Sarasin, Weleda, Gebana, Switcher, Druckerei Feldegg) durchgef\u00fchrt. In deren Rahmen wurde die technische Machbarkeit gepr\u00fcft, eine Auslegeordnung bez\u00fcglich Konzeptualisierung, Einsatzzweck und Zielgruppen einer Klimaauszeichnung erstellt sowie Bed\u00fcrfnisse und M\u00f6glichkeiten des Engagements diskutiert. Die Plattform war sich einig, dass eine gemeinsame Berechnungsbasis auf Grundlage der \u00d6kobilanzierung einem hohen Bed\u00fcrfnis entspricht. F\u00fcr die Entwicklung einer gemeinsamen Perspektive bez\u00fcglich der Form einer Klimaauszeichnung sowie der \u00abLabelfrage\u00bb sind weitere Meetings geplant. Die Weiterf\u00fchrung von KlimaPro wird gegenw\u00e4rtig mit Unterst\u00fctzung von Bafu und Seco gepr\u00fcft. Ende 2008 sollen gemeinsame, international abgest\u00fctzte Berechnungsrichtlinien vorgelegt werden k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; Al Gores Film \u00abDie unbequeme Wahrheit\u00bb hat mit eindr\u00fccklichen Bildern und verst\u00e4ndlichen Statistiken m\u00f6gliche Gr\u00fcnde und Folgen der Klimaerw\u00e4rmung vor Augen gef\u00fchrt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Produktion und der Konsum von Lebensmitteln: Wollen Konsumentinnen und Konsumenten bei Lebensmitteln mit ihren Einkaufsgewohnheiten Klimabewusstsein ausdr\u00fccken, stossen sie beim Kaufentscheid bald an ihre Grenzen. 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Aus der Sicht des Konsumenten ist es wohl in beiden F\u00e4llen ein Bauchentscheid, der zum Tragen kommt: Entweder zu Gunsten unmittelbarer Gaumenfreuden oder aufgrund allgemeiner, f\u00fcr viele Produkte nicht unumstrittener Annahmen zur Umweltbelastung. 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