{"id":123336,"date":"2008-04-01T12:00:00","date_gmt":"2008-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/04\/eichenberger-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:55","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:55","slug":"eichenberger-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/04\/eichenberger-5\/","title":{"rendered":"Wettbewerb im Binnenmarkt, internationale \u00d6ffnung und Wachstum"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200804_08_Eichenberger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Kleines Land &#8211; schwacher Wettbewerb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wettbewerbsintensit\u00e4t h\u00e4ngt stark von der Landesgr\u00f6sse ab. In vielen Branchen gibt es Gr\u00f6ssenvorteile in Produktion und Vertrieb, sodass in kleinen L\u00e4ndern oft nur einer oder einzelne Produzenten eine effiziente Gr\u00f6sse erreichen k\u00f6nnen. Folglich gibt es in diesen Branchen nur wenige Anbieter bei entsprechend h\u00f6herer Marktkonzentration. Das wiederum pr\u00e4gt die Preispolitik. Je h\u00f6her der Marktanteil eines Anbieters, desto unattraktiver ist f\u00fcr ihn eine aggressive Preispolitik, weil der potenzielle Ertrag (d.h. die M\u00f6glichkeit, neue Kunden anzuziehen) sinkt und die Kosten steigen; die Preisnachl\u00e4sse m\u00fcssen ja auch den vielen eigenen Kunden gew\u00e4hrt werden. In kleinen L\u00e4ndern herrschen deshalb weniger (grenz-)kostenorientierte Preise. Vielmehr erfreuen sich die Anbieter oft eines gewissen Preissetzungsspielraums.\u00a0Dieser Umstand wird dadurch verst\u00e4rkt, dass heute viele G\u00fcter und Dienstleistungen so weit differenziert sind, dass sich die Produzenten &#8211; trotz aller Konkurrenz &#8211; fallenden Nachfragekurven gegen\u00fcbersehen. Unter solch monopolistischer Konkurrenz und heterogenen Oligopolen orientieren sich die Preissetzungsstrategien der Anbieter nicht ausschliesslich an den Grenzkosten. Vielmehr versuchen sie, einen m\u00f6glichst grossen Teil der Konsumentenrente abzusch\u00f6pfen, indem sie die Preise entsprechend den Nachfrageunterschieden zwischen den L\u00e4ndern differenzieren. Dazu m\u00fcssen sie die M\u00e4rkte m\u00f6glichst segmentieren, wozu ihnen &#8211; neben manchen Marketinginstrumenten &#8211; insbesondere Handelshemmnisse sowie die Gestaltung der vertikalen Beziehungen (Preisempfehlungen, exklusive Vertriebssysteme etc.) dienen. Besonders betroffen von solchen Praktiken sind mittelgrosse L\u00e4nder wie die Schweiz, in denen die meisten Konsumenten nicht regelm\u00e4ssig im Ausland einkaufen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Reiches Land &#8211; fette Beute f\u00fcr Protektionisten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zweite Hauptursache hoher Preise ist das Einkommen der Konsumenten. Ihre Zahlungsbereitschaft ist f\u00fcr die meisten G\u00fcter einkommenselastisch und somit in reichen L\u00e4ndern besonders hoch. Das erlaubt den Produzenten, in reichen L\u00e4ndern einen h\u00f6heren Preis anzusetzen. Entscheidend ist dabei, dass sie sich f\u00fcr ihr Kalk\u00fcl nicht am &#8211; in internationalen Vergleichen zumeist verwendeten &#8211; Einkommen zu Kaufkraftparit\u00e4ten, sondern am zu laufenden Wechselkursen umgerechneten Einkommen orientiert. Denn schliesslich k\u00f6nnen Produzenten die Erl\u00f6se zu laufenden Wechselkursen umtauschen. Die Schweiz mit ihrem im internationalen Vergleich sehr hohen Einkommen ist deshalb von Preisdifferenzierungsversuchen besonders betroffen. Das zu laufenden Wechselkursen umgerechnete Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Einwohner (2005, OECD) ist immer noch gut 44% h\u00f6her als in Deutschland und Frankreich, 48% h\u00f6her als in den EU15 und 17% h\u00f6her als in den USA. Die Unterschiede sind sogar noch wesentlich gr\u00f6sser, wenn &#8211; was angemessen w\u00e4re &#8211; statt des BIP das Bruttovolkseinkommen (BSP) oder gar das nach Steuern und Abgaben verf\u00fcgbare Volkseinkommen als Messlatte dient. Der Preissetzungsspielraum wird durch die tiefen Schweizer Mehrwertsteuers\u00e4tze noch zus\u00e4tzlich erweitert.\u00a0Zu kl\u00e4ren bleibt das augenf\u00e4llige Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen dem bisher Gesagten: Wettbewerb schafft Wohlstand, aber der Wettbewerb in der Schweiz ist schwach und der Wohlstand hoch. Drei Aspekte sind dabei besonders wichtig: \u00a0&#8211; Erstens wurde der Einkommensvorsprung der Schweiz in einer Zeit erarbeitet, in welcher der Wettbewerb im Binnenmarkt und die \u00d6ffnung gegen\u00fcber dem Ausland im internationalen Vergleich relativ hoch war. \u00a0&#8211; Zweitens besitzt die Schweiz mit der direkten Demokratie und dem auf lokaler und regionaler Eigenverantwortung basierenden F\u00f6deralismus besonders effektive politische Institutionen, die zu einer vern\u00fcnftigen Wirtschafts- und Finanzpolitik beitragen und die Entwicklung anderer besonders fruchtbarer Institutionen wie einer unabh\u00e4ngigen Nationalbank gef\u00f6rdert haben. \u00a0&#8211; Drittens schw\u00e4cht die Kleinheit zwar den Binnenwettbewerb, aber sie bringt auch viele gewichtige Vorteile. Diese zeigen sich etwa darin, dass in der EU die kleinen L\u00e4nder in fast jeder Beziehung weit besser als die grossen abschneiden. Damit ist die langfristig sehr gute wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz ebenso erkl\u00e4rbar wie ihre relative Wachstumsschw\u00e4che seit den Neunzigerjahren, in denen sich manche andere L\u00e4nder hinsichtlich Binnenwettbewerb, internationaler \u00d6ffnung sowie Qualit\u00e4t der Institutionen st\u00e4rker entwickelt haben.&#13;<\/p>\n<h2>Kleinheit erschwert beh\u00f6rdliche Symptomtherapie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas kann gegen die Schweizer Wettbewerbsschw\u00e4che unternommen werden? Ein Ansatzpunkt ist nat\u00fcrlich die traditionelle Wettbewerbspolitik durch eine Wettbewerbsbeh\u00f6rde, die den Missbrauch von Marktmacht kontrolliert und wettbewerbssch\u00e4digende Praktiken untersagt. Dieser Ansatz wird aber gerade in kleinen L\u00e4ndern durch zwei Aspekte erschwert: \u00a0&#8211; Unklare Ausgangslage: Die gleichen Mechanismen, mit denen Unternehmen Marktmacht und -segmentierung anstreben, k\u00f6nnen auch der Effizienzsteigerung dienen. Das gilt insbesondere f\u00fcr kleine L\u00e4nder, wo ja oft schon das Erreichen von effizienten Produktionsgr\u00f6ssen mit einem hohen Marktanteil und grosser Marktmacht verbunden ist. Das Kriterium des Marktanteils ist deshalb f\u00fcr die Wettbewerbspolitik in kleinen L\u00e4ndern weniger hilfreich. Ein anderes Beispiel sind vertikale Abreden, die nicht nur der Abschottung gegen Parallelimporte, sondern auch der Qualit\u00e4tssteigerung dienen k\u00f6nnen. Oft bleibt unklar, ob die Effizienzvorteile der Abreden ihre wettbewerbsschw\u00e4chende Wirkung \u00fcberwiegen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, vertikale Abreden grunds\u00e4tzlich zu verbieten. \u00a0&#8211; Asymmetrischerer Kampf: Die Ressourcenasymmetrie zwischen den regulierenden Beh\u00f6rden und den regulierten Firmen ist in kleinen L\u00e4ndern besonders ausgepr\u00e4gt. Deren Wettbewerbsbeh\u00f6rden sind kleiner als in grossen L\u00e4ndern; sie stehen aber zumeist gleich grossen Unternehmen gegen\u00fcber.&#13;<\/p>\n<h2>Ansatzpunkte einer marktlichen Ursachentherapie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bisher diskutierten Auswirkungen von Kleinheit und Reichtum sind zum grossen Teil eine Folge davon, dass Landesgrenzen gewisse Handelsbarrieren bilden. Denn monopolistische Preisdifferenzierung zwischen L\u00e4ndern funktioniert nur, wenn sie nicht durch Arbitragegesch\u00e4fte &#8211; sei es von Zwischenh\u00e4ndlern, Parallelimporteuren oder Direktimporten durch die Konsumenten selbst &#8211; unterlaufen werden kann. Im Folgenden wird deshalb kurz diskutiert, worin diese Handelsbarrieren bestehen.&#13;<\/p>\n<h3>Exogene Handelshemmnisse<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Nachfrage der Konsumenten nach speziellen Produkteigenschaften und die staatlichen Vorschriften unterscheiden sich von Land zu Land in Abh\u00e4ngigkeit vom Einkommen, von Eigenarten der politischen Entscheidungsprozesse und von anderen gegebenen Einflussfaktoren, wie etwa der Mehrsprachigkeit. Diese daraus folgende Produktdifferenzierung erleichtert dann auch die Differenzierung der Preise. Darunter leiden insbesondere L\u00e4nder wie die Schweiz, die besonders viele solche differenzierenden Eigenarten aufweisen.&#13;<\/p>\n<h3>Endogene Handelshemmnisse<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nJe h\u00f6her die Absch\u00f6pfungsm\u00f6glichkeiten infolge hoher Einkommen und geringer Gr\u00f6sse sind, desto interessanter wird es f\u00fcr die Anbieter, durch Lobbying bei Beh\u00f6rden und Politikern den Protektionismus zu verst\u00e4rken und den eigenen Marktanteil vor unliebsamer Konkurrenz zu sch\u00fctzen. Entsprechend ist die Wirtschaftspolitik von kleinen, reichen L\u00e4ndern oft besonders stark von Interessengruppen gepr\u00e4gt. Viele technische Handelshemmnisse sind nicht einfach das Ergebnis abgehobenen b\u00fcrokratischen Treibens, sondern wurden von den profitierenden Anbietern eingefordert. So verschiebt sich der Wettbewerb von der produktiven Konkurrenz \u00fcber Preis und Qualit\u00e4t zur unproduktiven Jagd nach Beute und Renten.&#13;<\/p>\n<h3>Intransparenz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Transaktionskosten f\u00fcr freie Importe werden nicht nur durch die allgemein bekannten Vorgaben und Vorschriften erh\u00f6ht, sondern insbesondere dadurch, dass \u00fcber die genaue Form der Marktabschottung Unsicherheit herrscht. Oft wissen die potenziellen (Parallel-)Importeure nicht, welche technischen Handelshemmnisse bestehen und welche Patente einen Importversuch schlussendlich scheitern lassen k\u00f6nnten. Sie wissen nur, dass es wohl Probleme geben wird und auch nach erfolgtem Import noch Risiken wie Patentrechtsprozesse und nachtr\u00e4glich auftauchende technische Vorschriften drohen. Gerade wenn die Importhemmnisse intransparent sind, lohnt sich der Aufbau stabiler Importkan\u00e4le, der mit hohen Kosten verbunden ist, oft nicht. Da es sich dabei gr\u00f6sstenteils um Fixkosten handelt, lohnen sich Importversuche umso weniger, je kleiner das Bestimmungsland ist. Zudem stellt die \u00dcberwindung intransparenter Handelshemmnisse ein \u00f6ffentliches Gut dar: Wenn ein Zwischenh\u00e4ndler erfolgreich importieren kann, k\u00f6nnen dies andere Zwischenh\u00e4ndler ebenfalls. \u00dcberdies k\u00f6nnen die Produzenten und \u00aboffiziellen\u00bb Importeure ihre Preise vor\u00fcbergehend senken und den Parallelimport unattraktiv machen. Aus all diesen Gr\u00fcnden finden oft gar keine grossangelegten Versuche von Zwischenh\u00e4ndlern statt, die Handelshemmnisse zu \u00fcberwinden.&#13;<\/p>\n<h3>Wettbewerbsbehinderungen st\u00e4rken sich gegenseitig<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSchliesslich bleibt zu betonen, dass die verschiedenen Handelshemmnisse eng zusammenh\u00e4ngen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Wegen der protektionistischen Landwirtschaftspolitik ist der Eintritt in den Schweizer Markt f\u00fcr ausl\u00e4ndische Handelsketten mit besonders effektiver, international ausgerichteter Einkaufslogistik wenig attraktiv. Sie d\u00fcrfen viele Produkte aus ihren angestammten Einkaufskan\u00e4len nicht importieren und m\u00fcssen hier ganz neue Einkaufskan\u00e4le aufbauen. Ein solcher mit hohen Kosten und Risiken verbundener Aufbau entspricht gerade nicht der Kernkompetenz von Discountern, die auf eine internationale Logistik setzen. Entsprechend sind sie dem Schweizer Markt lange ferngeblie-ben, was den Wettbewerb im Schweizer Detailhandel massiv geschw\u00e4cht hat. Folglich sind die Margen im Schweizer Detailhandel im internationalen Vergleich hoch (in absoluten Betr\u00e4gen gemessen), und die grossen Detailh\u00e4ndler haben lange Zeit kaum Versuche unternommen, selbst G\u00fcter direkt zu importieren. So wurden die technischen Handelshemmnisse bis vor wenigen Jahren kaum thematisiert, weshalb sie umso intransparenter und f\u00fcr Markt-Neueintreter noch abschreckender waren.&#13;<\/p>\n<h2>Radikale \u00d6ffnung als L\u00f6sung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bisherigen \u00dcberlegungen zeigen: Kleinere reiche L\u00e4nder wie die Schweiz leiden ganz besonders unter wettbewerbsfeindlichen Praktiken. F\u00fcr sie ist deshalb die internationale \u00d6ffnung der M\u00e4rkte weit wichtiger als f\u00fcr grosse L\u00e4nder. Deshalb empfiehlt sich eine besonders radikale Markt\u00f6ffnung.&#13;<\/p>\n<h3>Cassis de Dijon democratique und internationale Ersch\u00f6pfung von Patenten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDa unsere Handelspartner \u00fcber Exporte von den hohen Schweizer Preisen profitieren, k\u00f6nnen wir nicht auf Reziprozit\u00e4t bei der Markt\u00f6ffnung setzen. Vielmehr m\u00fcssen wir unsere M\u00e4rkte einseitig \u00f6ffnen. F\u00fcr die Schweiz besonders geeignet ist erstens eine umfassende Anerkennung der Produktionsvorschriften und Regulierungen m\u00f6glichst vieler Ursprungsl\u00e4nder im Sinne des Cassis-de-Dijon-Prinzips. Der Kreis der einbezogenen L\u00e4nder sollte m\u00f6glichst weit gezogen werden, also neben der EU m\u00f6glichst viele weitere OECD-L\u00e4nder umfassen. Von entscheidender Bedeutung ist die Regelung des Ausnahmenkatalogs. Diese Ausnahmen sollten ausschliesslich dem Schutz der Bev\u00f6lkerung dienen. Da sie aber auch hohe Kosten verursachen, sollte eigentlich das Volk selbst \u00fcber die Ausnahmen entscheiden. Zweitens sollte beim Patentrecht zur internationalen Ersch\u00f6pfung \u00fcbergegangen werden. Dies dr\u00e4ngt sich auch deshalb auf, weil sonst das Patentrecht als Substitut f\u00fcr die abzubauenden technischen Handelshemmnisse missbraucht wird, was die Marktabschottung noch intransparenter machen w\u00fcrde.&#13;<\/p>\n<h3>Missbr\u00e4uchliches Weltwohlfahrtsargument f\u00fcr Preisdifferenzierung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGegen die radikale Markt\u00f6ffnung wird immer wieder angef\u00fchrt, monopolistische Preisdifferenzierung k\u00f6nne aus internationaler Perspektive wohlfahrtssteigernd wirken. Dieses Argument wird jedoch zumeist missbr\u00e4uchlich verwendet. Preisdifferenzierung kann unter bestimmten Bedingungen tats\u00e4chlich Vorteile haben. Es gibt aber keinen Grund, weshalb die Differenzierung ausgerechnet den Landesgrenzen folgen soll und insbesondere die Preise der wenigen kleinen reichen L\u00e4nder, die nicht in grosse Wirtschaftsr\u00e4ume integriert sind, besonders hoch sein sollten. So ist es weder mit Effizienznoch mit Gerechtigkeits\u00fcberlegungen zu begr\u00fcnden, dass ein armer Schweizer f\u00fcr das genau gleiche Gut h\u00f6here Preise als ein reicher Deutscher bezahlen soll.&#13;<\/p>\n<h3>Taxed Non-Swissness als K\u00f6nigsweg?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGegen eine solche einseitige Markt\u00f6ffnung kann eingewendet werden, sie bedrohe die regulatorische Autonomie der Schweiz, weil die in- und ausl\u00e4ndischen Produzenten auf ausl\u00e4ndische Standards ausweichen k\u00f6nnten. Als L\u00f6sung k\u00f6nnte die umfassende Anerkennung ausl\u00e4ndischer Normen mit einem Anreizmechanismus verkn\u00fcpft werden. Auf G\u00fctern, die nicht den Schweizer Normen entsprechen, m\u00fcsste ein entsprechender einfacher Vermerk angebracht werden und eine minimale Grenzabgabe von vielleicht 2% des Warenwertes erhoben werden. Dieses Konzept der \u00abTaxed Non-Swissness\u00bb &#8211; eine eigentliche Zertifizierung mit Tarifierung &#8211; w\u00fcrde der Schweiz einen regulatorischen Freiraum bewahren, ohne die Importe merklich zu behindern und ohne Anreize f\u00fcr die Schaffung neuer Marktabschottungen zu schaffen. Als Alternative k\u00f6nnte auch auf G\u00fctern, welche die Schweizer Normen erf\u00fcllen, ein entsprechender positiver Vermerk angebracht werden. \u00a0Zuweilen werden Zweifel an der rechtlichen Zul\u00e4ssigkeit dieses Konzepts ge\u00e4ussert. Dem kann hier nicht gefolgt werden. Die Taxed Non-Swissness ist wesentlich liberaler und schafft f\u00fcr keinen Anbieter st\u00e4rkere Einschr\u00e4nkungen als die heutige Politik: Sie ersetzt bisherige Importverbote, die \u00f6konomisch gesehen nichts anderes als unendlich hohe Steuern oder Z\u00f6lle sind, durch sehr niedrige Steuern. Damit entspricht sie genau dem Geist der WTO-Politik, nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse m\u00f6glichst durch tarif\u00e4re zu ersetzen. Schliesslich behandelt sie in- und ausl\u00e4ndische Anbieter strikte gleich, ist also nichtdiskriminierend. Aufgrund dieser \u00dcberlegungen sollte die Taxed Non-Swissness bei entsprechender Formulierung dem internationalen Recht vollauf gen\u00fcgen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Kontakt Reiner Eichenberger,Universit\u00e4t Fribourg, Bd. de P\u00e9rolles 90, CH-1700 Fribourg,Tel. +41 26&nbsp;300 82 62\/66E-Mail: reiner.eichenberger@unifr.ch<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Kleines Land &#8211; schwacher Wettbewerb &#13; Die Wettbewerbsintensit\u00e4t h\u00e4ngt stark von der Landesgr\u00f6sse ab. In vielen Branchen gibt es Gr\u00f6ssenvorteile in Produktion und Vertrieb, sodass in kleinen L\u00e4ndern oft nur einer oder einzelne Produzenten eine effiziente Gr\u00f6sse erreichen k\u00f6nnen. 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