{"id":123356,"date":"2008-04-01T12:00:00","date_gmt":"2008-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/04\/kaempf-schoder-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:46","slug":"kaempf-schoder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/04\/kaempf-schoder\/","title":{"rendered":"Wirtschaftsregionen der Schweiz &#8211; die neue Artikelserie"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Regionen im Standortwettbewerb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStandortwettbewerb ist heute in der Volkswirtschaftslehre und in der Wirtschaftspolitik ein h\u00e4ufig gebrauchter Begriff. Technologischer Fortschritt und aussenwirtschaftliche \u00d6ffnung haben die globalen Wirtschaftsverflechtungen intensiviert. Neben einer Versch\u00e4rfung des Wettbewerbs zwischen Nationalstaaten stehen sich als Folge der Globalisierung zunehmend Regionen im Konkurrenzkampf als Wohn-, Produktions-, Forschungs- und Wissensstandorte gegen\u00fcber. \u00a0Dass Regionen im internationalen Standortwettbewerb eine zentrale Rolle spielen ist heute unbestritten. Unter anderem wird ihnen eine grosse Bedeutung f\u00fcr die Innovationst\u00e4tigkeit der wirtschaftlichen Akteure einger\u00e4umt. Neuere regional\u00f6konomische Ans\u00e4tze gehen beispielsweise davon aus, dass neues Wissen in erster Linie regional konzentriert in innovative Produkte und Produktionsprozesse umgesetzt wird. \u00a0So verwundert es denn auch nicht, dass Standortvergleiche, regionale Benchmarking-Analysen und Ratings von St\u00e4dten und Regionen von den wirtschaftlichen und politischen Akteuren in der Schweiz &#8211; wie im Ausland &#8211; immer ernster genommen werden. Die Messung und Erkl\u00e4rung von regionalen Leistungsf\u00e4higkeits- und Entwicklungsunterschieden ist heute ein wichtiges wirtschaftspolitisches Thema.&#13;<\/p>\n<h2>Funktionale Wirtschaftsregionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl die zentrale Bedeutung der Regionen im Standortwettbewerb anerkannt ist, bestehen grosse Unterschiede beim konzeptionell-methodischen Vorgehen zur Messung und Bewertung regional\u00f6konomischer Entwicklungen. Schwierigkeiten bereitet insbesondere die Tatsache, dass der Begriff Region nicht eindeutig definiert ist. Je nach Fragestellung werden unter dem Begriff Region v\u00f6llig unterschiedliche r\u00e4umliche Einheiten &#8211; St\u00e4dte, Agglomerationen, Kantone, Grossregionen usw. &#8211; verstanden. So bewegt sich beispielsweise die Diskussion um den innerschweizerischen Steuerwettbewerb prim\u00e4r auf der Kantons- und sekund\u00e4r auf der Gemeindeebene.\u00a0F\u00fcr viele regional\u00f6konomische Fragestellungen bietet es sich an, so genannte funktionale Wirtschaftsregionen zu verwenden. Darunter wird ein geografisches Gebiet verstanden, innerhalb dessen die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Boden und Wissen in enger Verflechtung zueinander stehen. In der Schweiz ist der Begriff der funktionalen Wirtschaftsregion in der j\u00fcngeren Vergangenheit insbesondere im Rahmen von Analysen zu den Schweizer Metropolitanregionen verwendet worden. Siehe Bl\u00f6chliger (2005).&#13;<\/p>\n<h2>Die sieben Schweizer Grossregionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie f\u00fcr Standortanalysen an sich sinnvolle Verwendung von funktionalen Wirtschaftsregionen wird in der konkreten Umsetzung durch datentechnische Schwierigkeiten einerseits und politisch-gesellschaftliche Akzeptanzprobleme andererseits stark eingeschr\u00e4nkt. Es bietet sich deshalb an, bei der Regionsdefinition zus\u00e4tzlich politisch-administrative Grenzen mit einzubeziehen. \u00a0Die sieben von BAK Basel Economics f\u00fcr die Artikelserie verwendeten Schweizer Grossregionen (Bassin L\u00e9manique, Espace Mittelland, S\u00fcdschweiz, Basel, Z\u00fcrich\/Aargau, Zentralschweiz, Ostschweiz) ber\u00fccksichtigen sowohl funktionale Kriterien als auch politisch-administrative Grenzen. In funktionaler Hinsicht sind mit dem Bassin L\u00e9manique, Z\u00fcrich\/Aargau und Basel drei Grossregionen aus einem klaren urbanen Oberzentrum sowie dessen Einzugsgebiet gebildet. Beim Espace Mittelland handelt es sich um ein St\u00e4dtesystem (Bern, Thun, Biel, Freiburg, Neuenburg) mit dem jeweiligen Umland. Die Ost- und Zentralschweiz sind geografisch zusammenh\u00e4ngende Gebiete mit jeweiligen wichtigen regionalen Oberzentren (Luzern, St. Gallen). Die S\u00fcdschweiz deckt wesentliche Teile des Schweizer Alpenraums ab. Politisch-administrative Grenzen werden bei den verwendeten Regionen insofern ber\u00fccksichtigt, als es sich bei allen Grossregionen um Aggregate von Kantonen handelt.&#13;<\/p>\n<h2>Drei grosse und vier kleinere Regionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie sieben f\u00fcr die Artikelserie ausgew\u00e4hlten Regionen lassen sich bez\u00fcglich ihrer Anteile an der nationalen Bev\u00f6lkerung sowie am nationalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei Gruppen aufteilen (siehe Grafik 1): Drei gr\u00f6sseren Regionen (Z\u00fcrich\/Aargau, Espace Mittelland und Bassin L\u00e9manique) stehen vier kleinere Regionen (Basel, Zentralschweiz, S\u00fcd- und Ostschweiz) gegen\u00fcber. Die mit Abstand wichtigste Region ist Z\u00fcrich\/Aargau, in der rund ein Viertel der Schweizer Wohnbev\u00f6lkerung zu Hause ist und welche nicht ganz ein Drittel der Schweizer Wirtschaftsleistung auf sich vereint. \u00a0Interessantes bringt der Vergleich zwischen dem jeweiligen Anteil an der Bev\u00f6lkerung und am BIP zu Tage. Nur bei den Regionen Z\u00fcrich\/Aargau und Basel ist der Anteil am nationalen BIP gr\u00f6sser als ihr Anteil an der gesamtschweizerischen Bev\u00f6lkerung. Beim Bassin L\u00e9manique fallen Bev\u00f6lkerungs- und BIP-Anteil etwa gleich hoch aus; die \u00fcbrigen vier Regionen sind hinsichtlich Bev\u00f6lkerungsanteil wichtiger als beim BIP-Anteil.&#13;<\/p>\n<h2>Grossregionen als wirtschaftliche Kompetenzzentren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie sieben untersuchten Grossregionen unterscheiden sich nicht nur bez\u00fcglich ihrer Gr\u00f6sse, sondern auch hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstrukturen deutlich: Die Regionen Z\u00fcrich\/Aargau und Bassin L\u00e9manique sind durch eine herausragende Bedeutung des Finanzsektors gekennzeichnet, w\u00e4hrend Basel durch die Life Sciences dominiert wird. Die Zentral- und Ostschweiz sowie das Espace Mittelland wiederum k\u00f6nnen als industrielle Kompetenzzentren der Schweizer Volkswirtschaft bezeichnet werden. F\u00fcr die S\u00fcdschweiz spielt der Tourismus die Rolle als Leitbranche der regionalen Volkswirtschaft. \u00a0Die feststellbaren ausgepr\u00e4gten regionalen Branchenspezialisierungen lassen darauf schliessen, dass jede der sieben Schweizer Grossregionen \u00fcber eine individuelle Positionierung im internationalen Standortwettbewerb mit jeweils eigenen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen verf\u00fcgt. F\u00fcr jede der sieben Regionen stellen sich somit spezifische Fragen zur Aufrechterhaltung und St\u00e4rkung der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit.&#13;<\/p>\n<h2>Vertiefter analytischer Blick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vertiefte Betrachtung der Schweizer Regionen soll dazu dienen, die Strukturen so-wie die spezifischen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der einzelnen Schweizer Wirtschaftsregionen besser zu verstehen. Um dies zu erm\u00f6glichen, werden in den Regionenportr\u00e4ts die einzel-nen Grossregionen nicht nur als Ganzes dargestellt, sondern es werden auch stark desaggregierte Daten auf Gemeindeebene dargestellt und interpretiert. Damit wird insbesondere aufgezeigt, dass es sich bei den Grossregionen nicht um homogene Gebilde handelt, sondern dass sie sich ihrerseits in teilweise stark eigenst\u00e4ndige Subregionen gliedern.&#13;<\/p>\n<h2>Wichtiges Zusammenspiel der Regionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie sieben Regionenportr\u00e4ts zeichnen ein facettenreiches und spannendes Bild der Schweizer Volkswirtschaft. F\u00fcr den regelm\u00e4ssigen Leser ergibt sich ein \u00dcberblick \u00fcber die regional-r\u00e4umliche Gliederung der Schweizer Volkswirtschaft. Das vertiefte Wissen \u00fcber die Besonderheiten der einzelnen Wirtschaftsregionen kann zudem mithelfen, wirtschaftspolitisch auf nationaler Ebene die Weichen so zu stellen, dass alle Regionen von m\u00f6glichst optimalen Rahmenbedingungen profitieren k\u00f6nnen. Sehr wesentlich ist dabei im Auge zu behalten, dass die sieben Grossregionen in vielerlei Hinsicht miteinander &#8211; sowie zus\u00e4tzlich mit dem grenznahen Ausland &#8211; vernetzt und verflochten sind. Eine optimale Standortpolitik aus gesamtschweizerischer Optik hat demnach sowohl die regionalen Eigenheiten als auch die Verflechtungen zwischen den einzelnen Regionen zu ber\u00fccksichtigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abDie sieben Schweizer Grossregionen, 2006 &#8211; Anteile am Total der Bev\u00f6lkerung und des BIP der Schweiz, in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: BAK Basel Economics beleuchtet die Schweizer Regionen Das 1980 aus der Universit\u00e4t Basel hervorgegangene Wirtschaftsforschungsunternehmen BAK Basel Economics hat sein Informations-, Forschungs- und Beratungsangebot ab 1994 konsequent auf die Bed\u00fcrfnisse von Regionen und Branchen der schweizerischen Volkswirtschaft ausgerichtet, die sich den Herausforderungen der Standortkonkurrenz proaktiv stellen wollen. Heute bietet BAK Basel Economics diverse zum Teil exklusive Datenbasen und &#8211; darauf aufbauend &#8211; Forschungs- und Beratungsleistungen an, die den Informations-, Analyse- und Beratungsbed\u00fcrfnissen vieler Branchen und Regionen der schweizerischen Volkswirtschaft entsprechen. BAK Basel Economics besch\u00e4ftigt gegenw\u00e4rtig rund 30 Personen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur &#8211; M\u00fcller\/Eichler (2008): Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Regionen, in: Die Volkswirtschaft, 3-2008, S. 24ff.- Ernst Basler + Partner (2006): Regionale Disparit\u00e4ten in der Schweiz, im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Statistik. &#8211; Bl\u00f6chliger (2005): Baustelle F\u00f6deralismus. Hrsg.: Avenir Suisse, Z\u00fcrich: Verlag Neue Z\u00fcrcher Zeitung.- Kramar (2005): Innovation durch Agglomeration: Zu den Standortfaktoren der Wissensproduktion, Wiener Beitr\u00e4ge zur Regionalwissenschaft, Band 20, Wien.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; Regionen im Standortwettbewerb &#13; Standortwettbewerb ist heute in der Volkswirtschaftslehre und in der Wirtschaftspolitik ein h\u00e4ufig gebrauchter Begriff. Technologischer Fortschritt und aussenwirtschaftliche \u00d6ffnung haben die globalen Wirtschaftsverflechtungen intensiviert. 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Die mit dieser Ausgabe des Magazins \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb beginnende Regionenserie analysiert die Strukturen, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und die Standortattraktivit\u00e4t von sieben Schweizer Grossregionen.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123359,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8753","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b742a649590"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123356"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3139"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123356"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123356\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128128,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123356\/revisions\/128128"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2931"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3139"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123356"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123356"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123356"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123356"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}