{"id":123401,"date":"2008-03-01T12:00:00","date_gmt":"2008-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/03\/flueckiger-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:42:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:42:04","slug":"flueckiger-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/03\/flueckiger-3\/","title":{"rendered":"Nomadisierende M\u00e4rkte als Treiber des globalen Wettbewerbs"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200803_06_Flueckiger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"237\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Haupttreiber des globalen Wettbewerbs sind heute nicht mehr die klassischen Industriel\u00e4nder der OECD, sondern die aufstrebenden Schwellenl\u00e4nder. Allein die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) haben in den vergangenen f\u00fcnf Jahren mehr zum globalen Wachstum beigetragen als der gesamte OECD-Raum. Ihr Anteil am Welt-Bruttoinlandprodukt (BIP) ist von 18% Anfang der Neunzigerjahre auf heute 27% (Kaufkraftparit\u00e4ten) gewachsen. Der Anteil aller Nicht-OECD-L\u00e4nder am Welt-BIP hat 46% erreicht (siehe Grafik 1 ). China hat seinen Anteil zwischen 1980 und 2000 in atemberaubendem Tempo beinahe verf\u00fcnffacht; der Anteil S\u00fcdasiens (v.a. Indien) hat sich dagegen \u00abnur\u00bb knapp verdoppelt. China wird voraussichtlich 2008 erstmals die gr\u00f6sste Exportnation der Welt sein. Zudem hat sich der Anteil an Hightech-Exporten aus den BRIC-Staaten von 15% (1996) auf 30% (2004) verdoppelt. Die Vorstellung Asiens als \u00abglobale Werkstatt\u00bb trifft nur noch bedingt zu. Diese Entwicklung ist erst ein Vorbote dessen, was sich im Dienstleistungsbereich dereinst abspielen kann, wo die OECD zurzeit noch rund 80% des internationalen Handels dominiert. \u00a0 Die gegenw\u00e4rtigen Pro-Kopf-Wachstumsraten der BRIC-L\u00e4nder und deren (noch) anhaltendes Bev\u00f6lkerungswachstum ver\u00e4ndern die klassische BIP-Rangliste fundamental. Ber\u00fccksichtigt man zudem die Kaufkraft, dann m\u00fcsste der weltwirtschaftliche F\u00fchrungsanspruch der G-8 grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt werden (siehe Grafik 2 ).&#13;<\/p>\n<h2>Globalisierung gewinnt an Tiefe und erreicht die KMU<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBisher war die Globalisierung gepr\u00e4gt durch die rasche Ausbreitung von OECD-Exporten und Investitionen. Neu &#8211; oder vielmehr nach und nach Fakt geworden &#8211; sind global fragmentierte Wertsch\u00f6pfungketten. Es werden immer weniger Produkte und immer mehr Bestandteile von Produkten hergestellt und gehandelt; 2003 waren es bereits 54% aller gehandelten G\u00fcter. Produkte werden zunehmend aus importierten Bestandteilen zusammengesetzt. Dabei gilt: Je komplexer das Endprodukt, desto fragmentierter die Produktion. Mit der Zunahme dieser Verflechtung wird die Definition von \u00abnationalen Wirtschaftsinteressen\u00bb immer schwieriger und die Verteidigung dieser Interessen letztlich fragw\u00fcrdig, da Unternehmen und Produkte zunehmend an Nationalit\u00e4t verlieren. \u00a0 All dies bleibt nicht ohne Wirkung auf die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Allm\u00e4hlich entsteht f\u00fcr industrielle G\u00fcter eine globale Zulieferungsbasis. Nationale KMU-Zulieferer sehen ihre traditionellen Beziehungen zu Grossfirmen zusehends in einem internationalen Wettbewerb, wenn diese beginnen, die M\u00f6glichkeiten des internationalen Marktes wahrzunehmen. Neuere Studien aus der Automobil- und der Tourismusindustrie zeigen, dass in solchen Perioden der Umw\u00e4lzung oft eine strategische Entscheidung eines Unternehmens erforderlich wird, ob und wie eine Eingliederung in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten m\u00f6glich ist. Gelingt dies, er\u00f6ffnen sich neue M\u00f6glichkeiten, als Lieferant f\u00fcr weitere internationale Grosskunden aufzutreten.&#13;<\/p>\n<h2>Das Verh\u00e4ltnis von Produktion und Kapital ver\u00e4ndert sich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie beschleunigte Entwicklung dieser neuen Globalisierung ist ohne die Revolution am globalen Kapitalmarkt undenkbar. Der heutige Finanzdienstleistungssektor hat mit demjenigen von vor 20 Jahren nur noch wenig gemeinsam. Das Verh\u00e4ltnis der Total Financial Assets zum Welt-BIP, das 1980 noch 109% betrug, lag 2005 bei 316% (siehe Grafik 3 ). Davon machen traditionelle Bankdepots noch 27% aus (1980: 42%); die restlichen drei Viertel sind \u00abin Bewegung\u00bb. Treibende Kraft sind die rasch wachsende globale Liquidit\u00e4t sowie die Entwicklung von Instrumenten in der Finanzindustrie &#8211; insbeson-dere die Securitization (Schuldverbriefung) in all ihren komplexen Formen &#8211; unter Nutzung elektronischer Handelsplattformen. Der internationale Kapitalmarkt mit seinen neuen Akteuren (Private Equity, Hedge Funds, Pensions Funds, Sovereign Funds) \u00fcbernimmt damit zunehmend die traditionellen Funktionen der Unternehmensfinanzierung. \u00a0 Das Resultat ist erstens ein flexibleres und tieferes Kreditgesch\u00e4ft f\u00fcr private und kommerzielle Akteure, was eine l\u00e4ngerfristige Planung &#8211; unabh\u00e4ngig des gegenw\u00e4rtigen Cash-Flows &#8211; erlaubt. Zweitens sind durch die Hebelwirkung der neuen Investitionsvehikel Eigentumsver\u00e4nderungen und -\u00fcbernahmen in bisher nicht gekannten Dimensionen \u00fcber Grenzen hinweg m\u00f6glich. Die urspr\u00fcnglich famili\u00e4re, dann nationale Eigent\u00fcmerstruktur von Unternehmen l\u00f6st sich dadurch zusehends auf. Die Nationalit\u00e4t eines Unternehmens geht nicht nur durch die Aufgliederung der globalen Wertsch\u00f6pfungs-ketten verloren, sondern auch durch die Fragmentierung des Eigentums.&#13;<\/p>\n<h2>Entstehung eines globalen Arbeitsmarkts<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStatistisch gesehen &#8211; d.h. im Durchschnitt &#8211; ist die als Entfesselung des weltwirtschaftlichen Wettbewerbs definierte Globalisierung nach wie vor eine unangefochtene Erfolgsgeschichte. Die Liberalisierung und \u00d6ffnung der vergangenen drei Jahrzehnte hat in der gesamten OECD nachweislich zu mehr Wachstum, Wohlfahrt und Arbeitspl\u00e4tzen gef\u00fchrt und weitere L\u00e4nder in den globalen Wachstumsprozess einbezogen. Entgegen verbreiteten Bef\u00fcrchtungen gilt das auch f\u00fcr den Wettbewerb auf den internationalen Arbeitsm\u00e4rkten. \u00d6ffnung, Wettbewerb, Liberalisierung und Migration haben in der OECD insgesamt nicht zu weniger, sondern zu mehr Arbeitspl\u00e4tzen gef\u00fchrt. Allerdings ist diese Entwicklung begleitet von einem steigenden Anteil an Teilzeitarbeitspl\u00e4tzen. Damit ist in vielen OECD-L\u00e4ndern ein Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt entstanden. Ursache daf\u00fcr ist jedoch nicht die Liberalisierung, sondern deren Unterlassung durch eine Arbeitsmarktpolitik, die statt Arbeitnehmende bestehende Arbeitspl\u00e4tze (\u00abInsider\u00bb) sch\u00fctzt und damit den Eintritt der \u00abOutsider\u00bb erschwert. \u00a0 Trotzdem gibt es in den OECD-L\u00e4ndern Globalisierungsverlierer. Betroffen sind spezifische Sektoren (Low-tech) und Arbeitnehmergruppen (Low-skilled). Die internationale Arbeitsmarktliberalisierung entspricht letztlich einem Verschieben der Angebotskurve (Supply Shift). Damit wird vor allem der schlechter ausgebildete Teil der OECD-Arbeitskr\u00e4fte in traditionellen Industriesektoren dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt. F\u00fcr die Betroffenen selbst &#8211; und die sie vertretenden Politiker &#8211; ist das positive durchschnittliche Gesamtergebnis irrelevant. Individuelle Arbeitslosigkeit und politische Kosten (Nichtwiederwahl) fallen in der kurzen Frist an. Insofern ist die Globalisierung keine Win-Win-Situation. \u00a0 Es \u00fcberrascht deshalb nicht, dass neuere OECD-Zahlen zeigen, wie untere Einkommen in Japan, den USA und Europa stagniert haben, w\u00e4hrend die h\u00f6heren Einkommen gestiegen sind. Allerdings sind diese Unterschiede gerade in der Schweiz sowohl vom Niveau als auch von der Entwicklung her sehr gering. Betrachtet man zudem die Entwicklung des verf\u00fcgbaren Einkommens Nach Steuern, Abgaben und Transfers. , bleibt von der \u00abwachsenden Ungleichheit\u00bb praktisch nichts mehr \u00fcbrig. Seit Mitte der Neunzigerjahre haben sich die Verh\u00e4ltnisse zwischen den verf\u00fcgbaren Einkommen von Arm und Reich &#8211; entgegen der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung &#8211; praktisch nicht ver\u00e4ndert. \u00a0 Obwohl in der politischen Debatte der Verlust von industriellen Arbeitspl\u00e4tzen mit deren Verlagerung in Billiglohnl\u00e4nder erkl\u00e4rt wird, geben verf\u00fcgbare Zahlen eine andere Erkl\u00e4rung: Der Reduktion von Arbeitspl\u00e4tzen in bestimmten Sektoren steht kein Wachstum in Brasilien, China, Russland und anderen L\u00e4ndern gegen\u00fcber. China selbst verlor 1995-2002 aufgrund wachsender Produktivit\u00e4t netto \u00fcber 4 Mio. industrielle Arbeitspl\u00e4tze. Andere Untersuchungen vermuten f\u00fcr den gleichen Zeitraum (1995-2002) in China einen R\u00fcckgang der industriellen Arbeitspl\u00e4tze von noch gr\u00f6sseren Dimensionen, von 95 auf 83 Mio. (vgl. OECD, 2007b, S. 93-94). Reall\u00f6hne in Chinas urbanen Regionen haben sich 2000-2005 verdoppelt (vgl. OECD, 2007j, S. 36). Die OECD sch\u00e4tzt, dass letztlich etwa ein F\u00fcnftel der OECD-Arbeitspl\u00e4tze an Nicht-OECD-L\u00e4nder verloren geht; der Rest der Verluste geht auf Kosten von Innovation und unangepasster Arbeitsmarktpolitik. Nur so ist es erkl\u00e4rbar, dass OECD-L\u00e4nder mit \u00e4hnlichem \u00d6ffnungsgrad h\u00f6chst unterschiedliche Arbeitslosenquoten und Lohnstrukturen aufweisen. W\u00e4re das Offshoring eine Hauptquelle des Arbeitsplatzverlustes, m\u00fcsste die Schweiz als eines der offensten L\u00e4nder eine der h\u00f6chsten Arbeitslosenquoten haben. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.&#13;<\/p>\n<h2>Welche Globalisierungsstrategie f\u00fcr die Schweiz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie geografische Machtverschiebung, die Entstehung der Wertsch\u00f6pfungsketten, der zunehmende Druck auf die KMU, die Nomadisierung der Unternehmen und ihrer Eigentumsstruktur sowie die Nomadisierung der Arbeit und der Arbeitnehmenden &#8211; all diese oben beschriebenen Entwicklungen &#8211; werden sich fortsetzen. \u00a0 Wo steht die Schweiz und ihre Wirtschaft in diesem Gef\u00fcge? Sie erh\u00e4lt regelm\u00e4ssig ausgezeichnete Noten f\u00fcr ihre Offenheit, Sicherheit und Verl\u00e4sslichkeit sowie f\u00fcr ihren hoch qualifizierten und flexiblen Arbeitsmarkt. Welche Globalisierungsstrategie soll eine Regierung als H\u00fcterin der nationalen Einheit einschlagen, angesichts der Tatsache, dass die Nation als \u00f6konomische Einheit entschwindet? Als Hochlohn- und Hochpreisland bleibt der Schweiz keine andere Wahl, als sich am obersten Ende der globalen Wertsch\u00f6pfungskette zu behaupten. \u00a0 Die ersten Jahrzehnte Erfahrungen mit einer aktiven Innovationspolitik in der Schweiz und in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern (\u00abLissabon-Strategie\u00bb) haben gezeigt, dass es schwierig bis unm\u00f6glich ist, Innovation politisch zu planen. Beim \u00dcbergang in die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft f\u00e4llt der Politik die Rolle zu, die richtigen Anreize f\u00fcr Unternehmen, Arbeitnehmende und Investoren aus dem In- und Ausland zu setzen. Betrachtet man die entt\u00e4uschenden schweizerischen Wachstumszahlen der Produktivit\u00e4t &#8211; letztlich das Schlussergebnis s\u00e4mtlicher Innovationsbem\u00fchungen -, dann sind Zweifel berechtigt. Der aktuelle OECD-L\u00e4nderbericht f\u00fcr die Schweiz warnt deutlich vor einem weiteren relativen Wohlstandsverlust. \u00a0 Das elementare Problem der Schweiz besteht darin, dass die Basis des erfolgreichen \u00abSchweizer Modells\u00bb sehr schmal ist: \u00a0 &#8211; Gemessen an der Bev\u00f6lkerung besitzt kein anderes Land eine so hohe Dichte an f\u00fchrenden multinationalen Unternehmen, die \u00e4usserst erfolgreich am globalen Markt operieren. Gem\u00e4ss den \u00abGlobal Fortune 500\u00bb ist die Schweiz &#8211; gemessen an der Bev\u00f6lkerung &#8211; neben Luxemburg das Land mit der gr\u00f6ssten Anzahl multinationaler Unternehmen (nach \u00abRevenue\u00bb). Die Verbindung dieser Unternehmen mit der Schweiz ist entweder historisch bedingt (Beispiel Pharma, Chemie, Finanzdienstleister) oder in einer vorteilhaften Standortpolitik begr\u00fcndet (Dow, Google, Philip Morris u.a.). Sie sind jedoch weder vom Kapitaleigentum noch von ihrem Management oder ihrer Kundschaft her mehrheitlich schweizerisch. \u00a0 &#8211; Ein zweites Segment von stark globalisierten Unternehmen sind Kleinfirmen in neuen Technologien (IKT, Biotechnologie), die von Beginn an v\u00f6llig international und politikunabh\u00e4ngig funktionieren. Diese Unternehmen besitzen jedoch keine nennenswerte Stimme in der schweizerischen Politik. \u00a0 &#8211; Unter den 300&nbsp;000 Schweizer KMU (\u00fcber 99% aller Unternehmen) sind weniger als 5% eigentliche Exportunternehmen Definition: Exportanteil von zwei Dritteln. , und weniger als 2% investieren im Ausland. Damit ist der bei Weitem gr\u00f6sste Teil der Schweizer Wirtschaft vom globalen Wettbewerb verschont. Hier liegt auch eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr den von der OECD festgestellten, noch immer relativ hohen Industrieanteil. Gerade diese wenig globalisierten Bereiche der Schweizer Wirtschaft besitzen jedoch &#8211; im Unterschied zu IKT-Unternehmen &#8211; eine starke Lobby. \u00a0 &#8211; Der Innovationsgrad der meisten Unternehmen ist im internationalen Vergleich tief. Den Aufbau einer eigentlichen IKT-Industrie hat die Schweiz trotz einer weltweit f\u00fchrenden Grundlagenforschung in den Neunzigerjahren geradezu verschlafen. Die Kommerzialisierung innovativer Prozesse und Produkte (F&amp;E-Intensit\u00e4t) wird von vergleichsweise wenigen Unternehmen wahrgenommen. Die Schweiz wurde in diesem Bereich von den skandinavischen L\u00e4ndern deutlich \u00fcberholt. Der Einsatz von Risikokapital f\u00fcr junge Unternehmen ist im internationalen Vergleich entt\u00e4uschend tief. \u00a0 &#8211; Die f\u00fcr Innovation und zuk\u00fcnftiges Wachstum zentrale Bildungspolitik ist in der Schweiz im Vergleich mit f\u00fchrenden L\u00e4ndern eine Baustelle. Auf der Primarschul- und Sekundarschulstufe fehlen durchgehende Tagesschulstrukturen und eine professionelle Qualit\u00e4tsmessung. Auf der Terti\u00e4rstufe ist die Reform der Fachhochschulen aufgrund f\u00f6deraler Missgunst suboptimal verlaufen, und die Koordination des Hochschulwesens bleibt Zankapfel zwischen Bund und Kantonen wie auch zwischen Departementen. \u00a0 &#8211; Die f\u00fcr eine global konkurrenzf\u00e4hige Wirtschaft zentralen Netzwerkinfrastrukturen (Post, Bahn, Strom, Telekommunikation) sind wenig konkurrenzf\u00e4hig und im internationalen Vergleich kostspielig. Im FDI Regulatory Restrictiveness Index der OECD, der Abweichungen von einem \u00abNational Treatment\u00bb f\u00fcr Fremdinvestitionen an nationalen Infrastrukturen misst und vergleicht, liegt die Schweiz regelm\u00e4ssig im hinteren Mittelfeld. Die IKT-Architektur in der Schweiz ist &#8211; trotz sehr grosser Verbreitung von ADSL &#8211; im Hintertreffen, und zwar sowohl bez\u00fcglich der Preisstruktur (Breitband, Mobiltelefonie) als auch der Qualit\u00e4t (verf\u00fcgbare Download-\/Upload-Geschwindigkeit).&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftspolitik muss noch mehr zur Standortpolitik werden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bisherige schweizerische Wirtschaftspolitik war stets gepr\u00e4gt von der Verteidigung der Interessen ihrer Unternehmen und Arbeitnehmenden. Diese Aufgabe wird zunehmend erschwert und immer weniger sinnvoll, da sich insbesondere Unternehmen &#8211; aber vermehrt auch die Arbeitnehmerschaft &#8211; mit der fortgeschrittenen Globalisierung vom helvetischen Territorium l\u00f6sen. \u00a0 Eine k\u00fcnftige Wirtschaftspolitik wird damit noch st\u00e4rker zur Standortpolitik werden: zur Pflege der nicht mobilen Faktoren (Rohstoffe, Regulierung, Sicherheit, Umwelt, \u00f6ffentliche Finanzen und \u00f6ffentliche Infrastruktur) im weltweiten Wettbewerb mit anderen Standorten. Ob es um Unternehmen, Arbeitnehmende oder Kapital geht, wird nebens\u00e4chlich. Diese Realit\u00e4t ist deshalb gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, weil sie sich am Verfassungsziel der Unabh\u00e4ngigkeit reibt. Gelingt es der Politik nicht, eine nachhaltige Heimat f\u00fcr die nomadisierenden M\u00e4rkte zu bieten, wird es schwieriger werden, die Wohlfahrt des Landes f\u00fcr alle Einkommensschichten nachhaltig zu sichern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abEntwicklung der Anteile am Welt-BIP (in&nbsp;%), 1993-2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abBruttoinlandprodukt der G12 (G7+BRIC+Schweiz) mit\/ohne Kaufkraftbereinigung (PPP), 2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abWirtschafts- und Finanzindikatoren im Gr\u00f6ssenvergleich, 2005\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur &#8211; OECD (2006a), The Changing Nature of Manufacturing in OECD Countries, STI Working Paper 2006\/9, DSTI, Dirk Pilat, Agn\u00e8s Cimper, Karsten Olsen and Colin Webb.- OECD (2006b) OECD Reviews of Innovation Policy: Switzerland.- OECD (2007a), International Investment Perspectives 2007. &#8211; OECD (2007b), Staying Competitive in the Global Economy: Moving Up the Value Chain.- OECD (2007c), Economic Outlook, Juni 2007, Nr. 81.- OECD (2007d), Innovation: Advancing the Agenda for Growth and Equity, C\/MIN(2007)2\/ANN2, 11.5.2007.- OECD (2007e), Making Most of Globalisation, (C\/MIN(2007)1\/ANN, 26.3. 2007.- OECD (2007f), Economic Policy Reforms: Going for Growth.- OECD (2007g), Enhancing the Role of SMEs in Global Value Chains, CFE\/SME(2006)12\/REV2.- OECD (2007h), OECD Economic Surveys: Switzerland.- OECD (2007i), Innovation and Growth: Rationale for an Innovation Strategy.- OECD (2007j), Employment Outlook 2007.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; &#13; Die Haupttreiber des globalen Wettbewerbs sind heute nicht mehr die klassischen Industriel\u00e4nder der OECD, sondern die aufstrebenden Schwellenl\u00e4nder. 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