{"id":123411,"date":"2008-03-01T12:00:00","date_gmt":"2008-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/03\/gugler-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:57","slug":"gugler-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/03\/gugler-3\/","title":{"rendered":"Wettbewerbsf\u00e4higkeit &#8211; ein komplexes mikro\u00f6konomisches Konzept"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf der Ebene einer gesamten Volkswirtschaft zu betrachten, ist erfahrungsgem\u00e4ss unzweckm\u00e4ssig. Denn kein Land ist in allen Wirtschaftsbranchen wettbewerbsf\u00e4hig. Verschiedene Staaten verf\u00fcgen in bestimmten Wirtschaftsbereichen \u00fcber bedeutende Wettbewerbsvorteile. Dies gilt f\u00fcr die Schweiz etwa im Bereich der Finanzdienstleistungen, der Pharmaindustrie und der chemischen Industrie. In den meisten L\u00e4ndern weisen die Branchen mit der h\u00f6chsten Wettbewerbsf\u00e4higkeit eine geografische Konzentration von entsprechenden Unternehmen auf (z.B. Schuhindustrie in Norditalien, IKT im Silicon Valley, Finanzdienstleistungen in Singapur). Christian H. Ketels, Microeconomic Determinants of Location Competitiveness for MNEs, in John Dunning und Philippe Gugler, Foreign Direct Investment, Location and Competitiveness, Elsevier, London, 2008, S. 111-132. Wertsch\u00f6pfung ist somit ein haupts\u00e4chlich lokaler Prozess.&#13;<\/p>\n<h2>Die treibenden Kr\u00e4fte der Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich ist zwischen den makro\u00f6konomischen, politischen, rechtlichen und sozialen Bedingungen einerseits sowie den mikro\u00f6konomischen Faktoren andererseits zu unterscheiden. Michael E. Porter, Christian Ketels und Mercedes Degaldo, The Microeconomic Foundation of Prosperity: Findings from the Business Competitiveness Index, World Economics Forum, The Global Competitiveness Report 2007-2008, Genf, 2007. F\u00fcr eine Steigerung der Produktivit\u00e4t und f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfung sind die Ersteren zwar unerl\u00e4sslich, jedoch nicht hinreichend. Die Effizienz einer Volkswirtschaft wird durch jeden Mangel im Bereich der makro\u00f6konomischen Bedingungen &#8211; wie etwa monet\u00e4re Instabilit\u00e4t &#8211; beeintr\u00e4chtigt. Andererseits sind g\u00fcnstige makro\u00f6konomische Bedingungen allein kein Garant f\u00fcr wirtschaftlichen Wohlstand. So erzielen L\u00e4nder mit \u00e4hnlicher Ausgangslage hinsichtlich der makro\u00f6konomischen, politischen, rechtlichen und sozialen Voraussetzungen in Bezug auf das BIP pro Einwohner teilweise sehr unterschiedliche Ergebnisse. Die Erkl\u00e4rung ist somit bei den mikro\u00f6konomischen Faktoren zu suchen, die f\u00fcr die einzelnen Volkswirtschaften bestimmend sind.\u00a0Die mikro\u00f6konomischen Grundlagen der Wettbewerbsf\u00e4higkeit beruhen auf zwei interagierenden Komponenten: einem hohen Entwicklungsstand der Aktivit\u00e4ten und Strategien der Unternehmen sowie dem gesch\u00e4ftlichen Umfeld. Letzteres wurde von Michael Porter modellhaft in Form eines Diamanten dargestellt und umfasst vier f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit massgebende Faktoren: die Inputs\/Standortfaktoren; die Wettbewerbsbedingungen; die unterst\u00fctzenden und verwandten Branchen sowie die Nachfragebedingungen. Michael Porter, The Competitive Advantage of Nations, Free Press, New York, 1990. Die politische Ausgestaltung ist von grundlegender Bedeutung, da sie sich auf die relevanten Komponenten und die Dynamik dieses Systems auswirkt. Angesprochen sind insbesondere die Bildungs- und Technologiepolitik, die Leistungsf\u00e4higkeit der Infrastrukturen, die Schwerpunktbildung oder die \u00d6ffnung der M\u00e4rkte f\u00fcr den Wettbewerb.&#13;<\/p>\n<h2>Die zentrale Rolle der Institutionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin solcher Ansatz verdeutlicht die zentrale Rolle der Unternehmen, Branchenverb\u00e4nde, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Regierungsstellen. Die Steigerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit h\u00e4ngt wesentlich vom Beitrag dieser Institutionen zur Realisierung von Innovationen ab. Innovationen generieren wiederum zus\u00e4tzliche Wertsch\u00f6pfung, indem die Produktivit\u00e4t erh\u00f6ht wird. Diese klare Zielvorgabe sollte uns davon abhalten, ineffiziente oder gar kontraproduktive Strategien weiterzuverfolgen. Wer beispielsweise die Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u00fcber tiefe L\u00f6hne oder eine schwache W\u00e4hrung verbessern will, w\u00e4hlt den falschen Weg. Das Ziel einer Gesellschaft kann schliesslich nicht darin bestehen, eine Verarmung der Bev\u00f6lkerung in Kauf zu nehmen oder deren Produktion zu Dumpingpreisen abzusetzen. Anzustreben ist genau das Gegenteil. Hohe L\u00f6hne und echter wirtschaftlicher Wohlstand k\u00f6nnen nur mit einer hohen Produktivit\u00e4t gew\u00e4hrleistet werden. Eine Politik zur Steigerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit muss daher in erster Linie auf mikro\u00f6konomische und strukturelle Aspekte ausgerichtet sein, damit die Produktivit\u00e4t wirklich positiv beeinflusst werden kann.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf der Ebene einer gesamten Volkswirtschaft zu betrachten, ist erfahrungsgem\u00e4ss unzweckm\u00e4ssig. Denn kein Land ist in allen Wirtschaftsbranchen wettbewerbsf\u00e4hig. Verschiedene Staaten verf\u00fcgen in bestimmten Wirtschaftsbereichen \u00fcber bedeutende Wettbewerbsvorteile. 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William W. Lewis, The Power of Productivity: Wealth, Poverty, and the Threat to Global Stability, The University of Chicago Press, Chicago und London, 2004. Diana Farrell (Hrsg.), The Productivity Imperative: Wealth and Poverty in the Global Economy, Harvard Business School Press, Cambridge Mass., 2006 Die Produktivit\u00e4t bestimmt den Wohlstand einer Volkswirtschaft, der gew\u00f6hnlich mit dem Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Einwohner gemessen wird. Dieser Indikator hat zwar zur Bestimmung des Wohlstands nur beschr\u00e4nkte Aussagekraft, hat aber den Vorteil der internationalen Vergleichbarkeit. Es geht mit anderen Worten darum, einen Test durchzuf\u00fchren, mit dem die h\u00f6chstm\u00f6gliche Wertsch\u00f6pfung einer Volkswirtschaft (in Bezug auf das BIP) ermittelt wird. Da nur Unternehmen Wertsch\u00f6pfung generieren k\u00f6nnen, stehen diese im Zentrum des Wettbewerbsf\u00e4higkeitsprozesses. Suzanne Berger, How We Compete, Currency Doubleday, New York, 2006. Der Politik kommt dabei die wichtige Aufgabe zu, optimale Rahmenbedingungen f\u00fcr den Wertsch\u00f6pfungsprozess zu schaffen.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123414,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8713","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b875af8dea5"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123411"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3120"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123411"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128139,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123411\/revisions\/128139"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3120"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123411"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123411"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123411"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123411"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}