{"id":123441,"date":"2008-03-01T12:00:00","date_gmt":"2008-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/03\/michal-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:41:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:41:59","slug":"michal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/03\/michal\/","title":{"rendered":"Wettbewerbsf\u00e4higkeit und internationale \u00d6ffnung &#8211; eine \u00dcbersicht"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Zum Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit wird in Politik und Medien nicht einheitlich verwendet. Aber auch in der \u00d6konomie herrscht keine Einigkeit dar\u00fcber, was unter dem Ausdruck zu verstehen ist. (vgl. den Artikel von Karl Aiginger auf S. 19\u00a0ff in dieser Ausgabe). Manche \u00d6konomen meinen gar, der Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit werde zu oft missbraucht, um angesichts einer produktiveren ausl\u00e4ndischen Konkurrenz Forderungen nach dem Schutz der eigenen Branche durch den Staat zu untermauern. Dabei ist \u00abKonkurrenz\u00bb zwischen Volkswirtschaften nicht mit dem Wettbewerb zwischen Unternehmen zu vergleichen:\u00a0&#8211; Wird ein Unternehmen produktiver, so gewinnt es tendenziell Marktanteile zu Lasten von Konkurrenten. Wenn die Konkurrenten nicht mithalten k\u00f6nnen, sind sie von \u00dcbernahme oder Konkurs bedroht.\u00a0&#8211; Wird dagegen eine Volkswirtschaft produktiver, so geschieht dies regelm\u00e4ssig zum Vorteil anderer Volkswirtschaften, da sie deren Produkte g\u00fcnstiger importieren und oft auch mehr in die wachsende Volkswirtschaft exportieren k\u00f6nnen. \u00a0\u00a0Ber\u00fccksichtigt man vereinfachend nur die Kosten, so muss eine Volkswirtschaft vor allem ihre Lohnst\u00fcckkosten im Griff behalten, wenn sie wettbewerbsf\u00e4hig bleiben will. Lohnst\u00fcckkosten werden anhand der Kosten einer Arbeitsstunde errechnet, dividiert durch den Wert der Leistung, die mit dieser Stunde Arbeit erzielt wird. Als Standort wird ein Wirtschaftsraum dann attraktiv, wenn er im Vergleich zu anderen Standorten tiefe Lohnst\u00fcckkosten bietet. Zu hohe Arbeitskosten und zu tiefe Arbeitsproduktivit\u00e4t f\u00fchren bei uneingeschr\u00e4nkter Importnachfrage fast zwangsl\u00e4ufig \u00fcber kurz oder lang zur Abwertung der W\u00e4hrung als letztem Ausweg zur Wahrung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit &#8211; mit den bekannten damit verbundenen Nachteilen. \u00a0Um einen Wertverlust der eigenen W\u00e4hrung auszuschliessen, kann eine Volkswirtschaft ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit bei steigenden L\u00f6hnen nur dann halten, wenn sie auch die Produktivit\u00e4t im Vergleich zum Ausland im entsprechenden Umfang steigert. Der amerikanische \u00d6konom Paul Krugman trieb diesen Zusammenhang auf die Spitze, indem er sich dahingehend \u00e4usserte, dass mit dem Begriff \u00abWettbewerbsf\u00e4higkeit\u00bb wohl die Produktivit\u00e4t selbst gemeint sei. \u00ab&#8230;for an economy with very little international trade, competitiveness would turn out to be a funny way of saying productivity\u00bb, Krugman Paul, Competitiveness: A Dangerous Obsession, in: Foreign Affairs M\u00e4rz\/April 1994, S. 32.Allerdings steckt im Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit auch ein Gedanke an die zuk\u00fcnftigen Produktivit\u00e4tssteigerungen. Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist also dann gew\u00e4hrleistet, wenn in den Firmen, den Wirtschaftszweigen und bei den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen laufend gen\u00fcgend Anpassungen erfolgen. Denn nur so kann ein reiches Land wie die Schweiz trotz neuer Wettbewerber auf den Weltm\u00e4rkten ein Leistungsniveau an der internationalen Spitze halten und folglich weiterhin vergleichsweise hohe L\u00f6hne und Kapitaleinkommen erzielen.\u00a0Die Verbesserung der Arbeitsproduktivit\u00e4t ist also der K\u00f6nigsweg zur Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit in einem weiteren Sinn, in dem es nicht um Weltmarktanteile, sondern um den erreichten individuellen Wohlstand geht. Hohe L\u00f6hne, wie wir sie in der Schweiz kennen, gef\u00e4hrden die Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Standorts in dieser Sicht nicht, sofern sie durch eine hohe Produktivit\u00e4t gest\u00fctzt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenhang von Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Wachstumspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeitsproduktivit\u00e4t in der Schweiz ist im internationalen Vergleich bekanntlich nicht mehr Spitze. Sie kann aber die unter den fortgeschrittensten Industriestaaten nurmehr mittelm\u00e4ssige Stundenproduktivit\u00e4t mit einer hohen Erwerbsbeteiligung sowie langen Arbeitszeiten kompensieren und erzielt deshalb trotzdem ein hohes Pro-Kopf-Einkommen. Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeiten werden sich hierzulande &#8211; gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung &#8211; jedoch kaum mehr wesentlich steigern lassen. Deshalb liegt der Schl\u00fcssel zu wirtschaftlichem Wachstum f\u00fcr die Schweiz in weiteren Produktivit\u00e4tsverbesserungen. Wachstumspolitische Massnahmen, die Produktivit\u00e4tssteigerungen zum Ziel haben, dienen immer auch der Steigerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit.&#13;<\/p>\n<h2>Internationale \u00d6ffnung f\u00f6rdert die Wettbewerbsf\u00e4higkeit wesentlich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der schweizerischen Wachstumspolitik wurde die \u00d6ffnung der binnenorientierten Wirtschaftszweige in den Vordergrund ger\u00fcckt &#8211; aus gutem Grund, wie internationale Quervergleiche deutlich machen. Denn gerade in den Bereichen, in denen die internationale Handelbarkeit nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt gegeben ist &#8211; etwa in staatlichen oder vor Wettbewerb gesch\u00fctzten Bereichen &#8211; zeigen sich eine besonders ausgepr\u00e4gte \u00dcberh\u00f6hung des schweizerischen Preisniveaus und ein augenscheinlicher R\u00fcckstand bei der Produktivit\u00e4tsentwicklung gegen-\u00fcber dem umliegenden Ausland. Die internationale \u00d6ffnung gesch\u00fctzter Branchen ist deshalb ein entscheidendes Element zur Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz. Neben dem Effekt der Produktivit\u00e4tssteigerung w\u00fcrde dies auch die Verhandlungsposition der Schweiz beim Marktzugang im Ausland verbessern. Die Schweiz k\u00f6nnte in Freihandelsabkommen und in der WTO eine offensivere Position zu Gunsten derjenigen Branchen vertreten, in denen sie selbst komparative Vorteile besitzt und ihre M\u00e4rkte bereits ge\u00f6ffnet hat.\u00a0L\u00e4nder, die wirtschaftlich stark wuchsen und ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbesserten, haben sich in aller Regel auch besonders stark in die Weltwirtschaft integriert. Die Aussenhandelsverflechtung ist beispielsweise im Fall Irlands zwischen 1992 und 2005 von 57% auf 75% angestiegen. Im Fall der Schweiz blieb es im gleichen Zeitraum bei einem vergleichsweise bescheidenen Anstieg von 33% auf 45%. Eine kleine und hoch entwickelte Volkswirtschaft wie die Schweiz kann Wachstum und Wettbewerbsf\u00e4higkeit kaum steigern, ohne von den Vorteilen der internationalen Arbeitsteilung zu profitieren; sie ist deshalb auf die internationale \u00d6ffnung angewiesen. Der wirtschaftliche Erfolg erh\u00f6ht wiederum die Bereitschaft zur weiteren \u00d6ffnung.\u00a0Wissenschaftlich ist die These weit gehend unangefochten, dass sich internationaler Handel zum Vorteil beider beteiligter Staaten auswirkt. Aufgrund des Strukturwandels profitieren jedoch nicht alle Akteure in gleichem Ausmass. Im Fall der Schweiz haben allerdings Relativierungen der Vorteile des internationalen Handels f\u00fcr ganze Volkswirtschaften kaum Relevanz, angesichts unserer weit entwickelten, breit diversifizierten Wirtschaftsstruktur und unseres flexiblen Arbeitsmarktes. In den folgenden Abschnitten wird deshalb der Grad der \u00d6ffnung der Schweizer Wirtschaftsbranchen mit dem in den einzelnen Branchen erreichten Niveau der Arbeitsproduktivit\u00e4t in Beziehung gesetzt.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweizer Wirtschaftsbranchen im Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Verh\u00e4ltnis von Handel und Bruttoinlandprodukt (BIP) wird vielfach als Indikator f\u00fcr den Offenheitsgrad im Bereich des Handels verwendet. Eine tiefe Verh\u00e4ltniszahl bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zwangsl\u00e4ufig, dass hohe Handelsschranken bestehen, sondern ist unter Umst\u00e4nden auf die Gr\u00f6sse des Landes, die grosse Entfernung zu den Handelspartnern oder die Wirtschaftsstruktur &#8211; beispielsweise einen hohen Anteil von Dienstleistungen, die sich nur in beschr\u00e4nktem Masse f\u00fcr den grenz\u00fcberschreitenden Handel eignen &#8211; zur\u00fcckzuf\u00fchren. Gem\u00e4ss diesem Indikator liegt die Schweiz mit einem Verh\u00e4ltnis von 44,5% im Jahr 2005 (gegen\u00fcber 33% im Jahr 1995) etwa im Durchschnitt der OECD-L\u00e4nder, w\u00e4hrend andere L\u00e4ndern vergleichbarer Gr\u00f6sse einen deutlich h\u00f6heren Wert aufweisen (Belgien 86%, Irland 75%, Niederlande 66%, \u00d6sterreich 52%, D\u00e4nemark 46%). Von ebenso grosser Bedeutung sind jedoch weitere Indikatoren der internationalen \u00d6ffnung eines Landes, wie die Mobilit\u00e4t von Personen und Kapital (Investitionen) sowie der Handel im Technologiebereich. Die Relevanz dieser Faktoren f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz wird im Artikel von Arvanitis, Hollenstein und N\u00e4f auf Seite 10 ff. in diesem Heft n\u00e4her beleuchtet. \u00a0Unter Ber\u00fccksichtigung dieser zus\u00e4tzlichen Indikatoren ist die Schweizer Wirtschaft insgesamt gut in die Weltwirtschaft integriert. Allerdings bestehen diesbez\u00fcglich zwischen den verschiedenen Wirtschaftsbranchen betr\u00e4chtliche Unterschiede. Dies l\u00e4sst sich beispielsweise feststellen, indem man die Importdurchdringungsrate Die Importdurchdringungsrate in den einzelnen Wirtschaftszweigen entspricht dem jeweiligen Anteil der Einfuhren an der Binnennachfrage, die sich wiederum aus der Summe von Inlandproduktion und Importen abz\u00fcglich der Exporte ergibt. der verschiedenen Schweizer Wirtschaftsbranchen miteinander vergleicht. Ein Land, das gut in die Weltwirtschaft integriert ist und einen hohen Spezialisierungsgrad aufweist, ist durch eine hohe Importdurchdringungsrate gekennzeichnet. Da sich ein solches Land nicht in einer grossen Zahl von Wirtschaftsbranchen und Unterbranchen spezialisieren kann, ist es vermehrt von Importen abh\u00e4ngig. Gleichzeitig setzen Unternehmen aus Branchen, die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, einen immer gr\u00f6sseren Anteil ihrer Produktion im Ausland ab.&#13;<\/p>\n<h3>Importdurchdringung im G\u00fcterbereich<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDies l\u00e4sst sich anhand der Grafik 1 nachvollziehen: Sie zeigt die Position von verschiedenen Schweizer Wirtschaftsbranchen im G\u00fcterbereich auf der Grundlage der Importdurchdringungsrate (horizontale Achse) und des Exportanteils (vertikale Achse). Eine Positionierung im oberen rechten Viertel ist Ausdruck der Entwicklung des intra-industriellen Handels, der f\u00fcr Industriel\u00e4nder charakteristischen Handelsform, in der unterschiedliche G\u00fcter innerhalb derselben Marktsegmente untereinander gehandelt werden. Dabei handelt es sich in der Regel um kapital- und technologieintensive Produkte, zu deren Herstellung hoch qualifizierte Mitarbeitende erforderlich sind. Eine solche internationale Arbeitsteilung ist f\u00fcr eine kleine Volkswirtschaft wie die Schweiz von ausschlaggebender Bedeutung. Denn auf dieser Basis l\u00e4sst sich ein Nutzen aus einer hoch entwickelten Spezialisierung, aus Skalenertr\u00e4gen und aus einer gr\u00f6sseren Vielfalt von Halb- und Fertigfabrikaten ziehen.\u00a0Die Grafik 1 ist durch eine Gerade in zwei Bereiche unterteilt. Eine grosse Differenz zwischen dem Exportanteil und der Importdurchdringungsrate ist Ausdruck der hohen Spezialisierung der Schweizer Wirtschaft wie auch der klaren Exportorientierung in den Bereichen Pr\u00e4zisionsinstrumente, chemische Erzeugnisse und Maschinen. Umgekehrt sind die Branchen Radio- und Fernsehger\u00e4te sowie Textilien dadurch gekennzeichnet, dass die Importdurchdringungsrate h\u00f6her ist als der Exportanteil. Dieses Verh\u00e4ltnis ist charakteristisch f\u00fcr die Branchen, in denen die Schweiz einen komparativen Nachteil aufweist.\u00a0Durch ihre Positionierung im unteren linken Viertel der Grafik 1 unterscheiden sich die Landwirtschaft und Lebensmittel klar von allen anderen G\u00fcterbranchen. Die Angaben beziehen sich auf Werte in Franken. Der im Landwirtschaftsbericht 2007 erw\u00e4hnte Selbstversorgungsgrad von 59% (2005) bei Lebensmitteln ist in Kalorien berechnet und daher nicht vergleichbar. Die tiefe Importdurchdringungsrate resultiert aus dem starken tarif\u00e4ren und nichttarif\u00e4ren Schutz an den Grenzen, der mit einer mangelnden Wettbewerbsf\u00e4higkeit in den Aussenm\u00e4rkten einhergeht. Ausdruck davon ist die bescheidene Leistung im Exportbereich.&#13;<\/p>\n<h3>Dienstleistungsbereich<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWie verh\u00e4lt es sich diesbez\u00fcglich mit den Dienstleistungen? Da die entsprechenden Erhebungen gewisse L\u00fccken aufweisen, m\u00fcssen die Daten zum Handel mit Dienstleistungen vorsichtig interpretiert werden. So sind beispielsweise die Angaben zum Handel mit Dienstleistungen f\u00fcr Unternehmen l\u00fcckenhaft, obwohl die Bedeutung dieser Branche in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Auch im Terti\u00e4rsektor bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen. Der verh\u00e4ltnism\u00e4ssig hohe Exportanteil der Bank- und Versicherungsbranche sowie bei Logistik und Tourismus ist Ausdruck der hohen Wettbewerbsf\u00e4higkeit dieser Branchen in den ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkten. Im Gegensatz dazu sind die Branchen Infrastruktur, Bildung und Gesundheit durch verh\u00e4ltnism\u00e4ssig tiefe Importdurchdringungsraten und Exportanteile gekennzeichnet. Dies l\u00e4sst sich nur zum Teil mit dem Umstand erkl\u00e4ren, dass diese Dienstleistungen weniger austauschbar sind. Ein wesentlicher Grund ist auch der Umstand, dass diese Wirtschaftsbranchen dem inl\u00e4ndischen und internationalen Wettbewerb nur in geringem Mass ausgesetzt sind &#8211; entweder wegen ihrer starken Regulierung oder weil deren Finanzierung durch die \u00f6ffentliche Hand wenig wettbewerbsorientiert erfolgt.\u00a0Jene Wirtschaftsbranchen, die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, weisen eine h\u00f6here Stundenproduktivit\u00e4t auf. Das unterschiedliche Ausmass, in dem die verschiedenen Branchen dem internationalen Wettbewerb unterstehen, hat betr\u00e4chtliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung der Schweiz. Grafik 2 zeigt das auf der Ebene der Branchen ermittelte Produktivit\u00e4tsniveau. Daraus geht hervor, dass sich die Branchen Industrie, Finanzdienstleistungen und Versicherungen durch eine hohe Leistungsf\u00e4higkeit ausweisen. Das Schlusslicht bilden wiederum Branchen, die insbesondere durch tarif\u00e4re und nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse vor dem Wettbewerb gesch\u00fctzt werden. Dazu geh\u00f6ren die Landwirtschaft, die nur in geringem Masse austauschbaren Personaldienstleistungen, die Gesundheitsleistungen und das Baugewerbe. Die hohe Produktivit\u00e4t der Branche Elektrizit\u00e4ts- und Wasserversorgung ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass dieser Wirtschaftszweig sehr kapitalintensiv ist. Die vergleichsweise tiefe Produktivit\u00e4t der Tourismusbranche dagegen l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass in diesem Sektor eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig grosse Zahl von nur gering qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besch\u00e4ftigt ist.&#13;<\/p>\n<h2>Massnahmen zur weiteren Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der branchenbezogenen Analyse und der Beurteilung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit durch internationale Experten geht hervor, dass die Schweiz recht gut ger\u00fcstet ist, um sich den Herausforderungen der Globalisierung zu stellen (vgl. dazu den Artikel von Fl\u00fcckiger auf Seite 15 ff.). Doch damit sie ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit bewahren kann, muss die Schweiz weitere Reformen einleiten, und zwar besonders in folgenden vier Schwerpunkten:\u00a0&#8211; Die Handelshemmnisse an den Grenzen sind weiter abzubauen, um die internationale \u00d6ffnung der noch zu stark abgeschotteten Branchen zu f\u00f6rdern. Im G\u00fcterbereich m\u00fcssen vor allem in der Landwirtschaft und in der Agroindustrie entsprechende Massnahmen getroffen werden. \u00a0&#8211; Die Liberalisierung des Binnenmarkts insbesondere im Infrastrukturbereich muss fortgef\u00fchrt werden. In diesen Branchen ist f\u00fcr den wirksamen Wettbewerb eine Markt\u00f6ffnung f\u00fcr neue Akteure aus dem In- und Ausland sowie eine wettbewerbsfreundliche Regulierung besonders wichtig.\u00a0&#8211; Um eine weitere Spezialisierung der Schweiz auf Wirtschaftsbranchen mit hoher Wertsch\u00f6pfung zu unterst\u00fctzen, m\u00fcssen noch vermehrt und mit h\u00f6herer Effizienz \u00f6ffentliche Mittel in den Bildungsbereich investiert werden. \u00a0&#8211; Schliesslich ist die internationale Mobilit\u00e4t von hoch qualifiziertem und spezialisiertem Personal sowohl f\u00fcr die Unternehmen als auch f\u00fcr die Arbeitnehmenden von ausschlaggebender Bedeutung. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit dem Austausch von Know-how. Das mit der EU abgeschlossene Abkommen \u00fcber den freien Personenverkehr spielt diesbez\u00fcglich eine entscheidende Rolle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abExportneigung und Importdurchdringungsrate im G\u00fcterbereich, 2001\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abProduktivit\u00e4t der Schweizer Branchen in Vollzeit\u00e4quivalenten, 2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abKomparative Vor- und Nachteile der Schweiz, 1980-2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz im Urteil der internationalen Experten Unter den internationalen Experten ist unbestritten, dass Produktivit\u00e4tssteigerungen die Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft verbessern. Unklar bleibt aber sowohl unter den Experten wie auch in der \u00d6konomie insgesamt, welche Faktoren den Ausschlag f\u00fcr zuk\u00fcnftige Steigerungen der Produktivit\u00e4t geben. Dies widerspiegelt sich u.a. darin, dass die Schweiz in den Beurteilungen des WEF (Rang 2 unter 131 Staaten)a und des IMD (Rang 6 unter 55 Staaten)b hervorragend abschneidet, obwohl sie gem\u00e4ss den Analysen zur Wachstumspolitik bei der Produktivit\u00e4tsentwicklung in den vergangenen 15 Jahren im Vergleich zum Ausland an Boden verloren hat. Ein Problem der Ranglisten zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit liegt darin, dass unklar bleibt, wie der Reichtum von heute &#8211; der einen Standort zweifellos attraktiv machen kann &#8211; gegen das Wachstum von morgen aufgewogen werden soll. Die KOF, deren breitere Analysen in dieser Ausgabe im Artikel von Arvanitis, Hollenstein und Ley dargestellt werden, umgeht dieses Problem, indem sie auf eine aggregierte Rangliste verzichtet. Auch sie kommt aufgrund ihrer Analyse verschiedenster Faktoren aber zum Schluss, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz sei grunds\u00e4tzlich gut.cTrotz methodischer Probleme und unterschiedlicher Bewertungen sind sich die vorgestellten Untersuchungen aber in wesentlichen Punkten weit gehend einig. Folgende Punkte z\u00e4hlen zu den St\u00e4rken der Schweiz als Wirtschaftsstandort:- das stabile und transparente institutionelle Umfeld;- der flexible und seit Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit durch weniger Engp\u00e4sse gekennzeichnete Arbeitsmarkt sowie die Attraktivit\u00e4t der Schweiz f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeitnehmende;- die Steuerpolitik, u.a. wegen ihrer vergleichsweise geringen Belastung der Unternehmen mit Ertragssteuern;- die Innovationsf\u00e4higkeit und hohe Qualit\u00e4tsorientierung der Schweizer Unternehmen, die sich auch in der hohen Produktivit\u00e4t der exportorientierten Branchen zeigt;- die gut ausgebaute und zuverl\u00e4ssige Infrastruktur.Folgende Punkte schw\u00e4chen heute nach einhelliger Meinung der Experten die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz:- Die hohe Regulierungsdichte der Produktm\u00e4rkte, insbesondere in den vor internationaler Konkurrenz relativ gesch\u00fctzten und subventionierten Branchen (Landwirtschaft, Infrastrukturbereich); &#8211; damit verbunden eine vergleichsweise schwache Wettbewerbsintensit\u00e4t im Inland, eine schw\u00e4chere Produktivit\u00e4t in den binnenorientierten Branchen und letztlich hohe Lebenshaltungskosten.Die wirtschaftspolitischen Ansatzpunkte zur Steigerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz liegen gem\u00e4ss dem Konsens der vorgestellten Vergleiche darin, einerseits den Wettbewerbsdruck im Inland \u00fcber eine Senkung der Marktzutrittsschwellen zu erh\u00f6hen und andererseits &#8211; zentral f\u00fcr die Aussenwirtschaftspolitik &#8211; die internationale \u00d6ffnung in den noch relativ stark gesch\u00fctzten Wirtschaftsbranchen voranzutreiben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Entwicklung der komparativen Vorteile In Branchen, deren grenz\u00fcberschreitender Handel nicht durch staatliche Vorschriften eingeschr\u00e4nkt wird, h\u00e4ngen der Erfolg und die Spezialisierungsstruktur gr\u00f6sstenteils von den unternehmerischen F\u00e4higkeiten ab. Die industriellen Branchen entwickeln sich weit gehend unter solchen Bedingungen. Von Interesse ist daher die Frage, wie diese Branchen in den letzten 15 Jahren auf den Strukturwandel in der Weltwirtschaft reagiert haben. Um dies zu untersuchen, verwenden wir einen Indikator f\u00fcr komparative Vorteile: Der Unterschied zwischen den Exporten und den Importen einer Branche wird mit einem theoretischen Handelssaldo verglichen, der einer Situation ohne jegliche Spezialisierung entspricht. Ein positiver (negativer) Wert des Indikators zeigt einen festgestellten komparativen Vorteil (Nachteil) des jeweiligen Landes in Bezug auf das untersuchte Produkt an.Aus Grafik 3 geht hervor, dass sich die Schweizer Wirtschaft in den letzten f\u00fcnf Jahren vermehrt auf zwei bedeutende Branchen konzentriert hat: die Chemie- und Pharmabranche sowie die Pr\u00e4zisionsinstrumente (inklusive Uhrenindustrie). Demgegen\u00fcber scheinen die komparativen Vorteile der Maschinenindustrie kontinuierlich abzunehmen. Diese eher negative Entwicklung in einer Industrie, die traditionell zu den Aush\u00e4ngeschildern der Schweizer Wirtschaft geh\u00f6rt, k\u00f6nnte indes durch den Konjunkturaufschwung der letzten Jahre abgeschw\u00e4cht werden. Komparative Nachteile hat die Schweiz bei den Branchen Fahrzeuge, Landwirtschaft und Textilien sowie bei den nat\u00fcrlichen Ressourcen, weil die Schweiz die fossilen Energietr\u00e4ger importieren muss. In diesen groben Tendenzen kommt jedoch die Tatsache nicht zum Ausdruck, dass die Schweiz in allen Branchen \u00fcber Unternehmen verf\u00fcgt, die hinsichtlich Effizienz und technologischen Fortschritt Spitzenleistungen erbringen und den gr\u00f6ssten Teil ihrer Produktion in ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkten absetzen. Dies gilt beispielsweise f\u00fcr die Fahrzeugbranche, wie deren Position in der Grafik 1 zeigt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; Zum Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit &#13; Der Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit wird in Politik und Medien nicht einheitlich verwendet. Aber auch in der \u00d6konomie herrscht keine Einigkeit dar\u00fcber, was unter dem Ausdruck zu verstehen ist. (vgl. den Artikel von Karl Aiginger auf S. 19\u00a0ff in dieser Ausgabe). 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Im Einleitungskapitel des Aussenwirtschaftsberichts 2007 hat sich der Bundesrat mit der Frage auseinandergesetzt, was die Aussenwirtschaftspolitik zur Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit beitragen k\u00f6nnte. Der folgende Artikel fasst das Kapitel zusammen. Es kommt zum Schluss, dass eine Wachstumspolitik, welche die \u00d6ffnung der Wirtschaftsbranchen vorantreibt und den Zugang zu Auslandm\u00e4rkten sichert, f\u00fcr eine kleine und hoch entwickelte Volkswirtschaft wie die Schweiz am besten geeignet ist, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Volkswirtschaft zu halten und zu verbessern.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123444,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8725","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b87105bfcca"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123441"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2798"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123441"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128145,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123441\/revisions\/128145"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3076"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123441"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123441"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123441"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123441"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}