{"id":123461,"date":"2008-03-01T12:00:00","date_gmt":"2008-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/03\/aiginger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:42:18","modified_gmt":"2023-08-23T21:42:18","slug":"aiginger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/03\/aiginger\/","title":{"rendered":"Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Firmen, Regionen und L\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200803_07_Aiginger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf Firmenebene<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Begriff Wettbewerbsf\u00e4higkeit kommt aus der Firmenliteratur. Damit wird eine \u00fcberlebensf\u00e4hige Firma bezeichnet, die ohne St\u00fctzung zu den gegebenen Kosten, Steuern und Standortbedingungen produzieren kann. Doch bereits auf der Firmenebene ergeben sich deutliche Unterschiede. Die Firma kann bei hohen oder bei niedrigen Gewinnen \u00fcberleben. Die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit kann dadurch erreicht werden, dass die Firma zum Marktpreis produziert, oder dadurch, dass sie eine Technologie oder eine Produktvariante und Qualit\u00e4t bietet, die niemand anders besitzt. Im Modell der vollkommenen Konkurrenz ist der Marktpreis gegeben: Jeder, der zu Kosten anbietet, die diesem Preis entsprechen, ist wettbewerbsf\u00e4hig in dem Sinn, dass er am Markt \u00fcberlebt. Allerdings erzielt das Unternehmen keinen Gewinn, sondern deckt gerade seine Kosten (\u00abNull-Gewinn\u00bb, wobei Zeitkosten des Unternehmers und Risikopr\u00e4mie als Kosten verbucht sind). Besteht hingegen Produktdifferenzierung oder besitzt die Firma einen Technologievorsprung, so ist die Konkurrenz gemildert, und Unternehmen k\u00f6nnen Preise h\u00f6her als die Grenzkosten ansetzen (\u00abpositiver\u00bb Grenzgewinn). Ob dies auch zu einem positiven Durchschnittsgewinn f\u00fchrt, ist von der M\u00f6glichkeit des Markteinstiegs und der Fristigkeit abh\u00e4ngig. Positive (Grenz-)Gewinne sind bei vertikaler Produktdifferenzierung &#8211; d.h., eine Firma erzeugt ein Produkt oder eine Dienstleistung mit h\u00f6herem Konsumentennutzen &#8211; leichter als bei horizontaler. \u00a0Im Oligopol gibt es bei \u00abBertrand-Konkurrenz\u00bb (=Preiskonkurrenz) schon ab zwei Marktteilnehmern keinen Gewinn. Bei \u00abCournot-Konkurrenz\u00bb (=Mengenkonkurrenz: Firmen legen Mengen unter strategischen \u00dcberlegungen fest und lassen den Markt \u00fcber den Preis entscheiden) gibt es wieder positive Margins. Ein positiver (Durchschnitts-)Gewinn liegt vor, wenn der Preis h\u00f6her liegt als die Durchschnittskosten, ein positiver Grenzgewinn, wenn der Preis h\u00f6her liegt als die Grenzkosten (hier spricht man auch von positivem Margin oder Mark Up). Ob auch positive Durchschnittsgewinne herausschauen, h\u00e4ngt wieder von Markteintritt, Fristigkeit und Kollusion ab. Beim Monopol schliesslich gibt es hohe Grenz- und Durchschnittsgewinne &#8211; zun\u00e4chst nur beschr\u00e4nkt durch die Preisnachfrageelastizit\u00e4t der Kunden, dann auch durch potenziellen oder realen Markteintritt. Das Monopol kann aber auch dauernd erneuert werden, indem Firmen immer wieder neue Produkte oder Qualit\u00e4ten entwickeln. In der Industrie\u00f6konomie wird der Aufbau und Verlust eines Wettbewerbsvorsprungs in der Marktformentypologie dargestellt und spieltheoretisch untermauert. Die Managementtheorie diskutiert die F\u00e4higkeit, positive Gewinne zu erzielen, unter dem Begriff \u00abCapability\u00bb oder als Besitz eines strategischen Vorteils.\u00a0Blenden wir zur\u00fcck zum Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Alle genannten Firmen sind also wettbewerbsf\u00e4hig, aber mit unterschiedlicher Gewinnh\u00f6he von positivem Gewinn bis zu Nullgewinn. Sollen wir nun Firmen, die am Konkurrenzmarkt oder am statischen Bertrand-Markt \u00fcberleben, als weniger wettbewerbsf\u00e4hig bezeichnen, weil diese Marktform umk\u00e4mpfter ist? Sind Firmen im weniger harten Cournot-Markt, bei erfolgreicher Kollusion (am Cournotoder Bertrand-Markt) oder in der Monopolposition in h\u00f6herem Mass wettbewerbsf\u00e4hig? \u00a0Sieht man die Marktform nicht als Schicksal an, sondern als durch eine aktive Firma gestaltbar, und wird die Gestaltung der Marktbedingungen sogar als der wesentliche Teil einer erfolgreichen Strategie betrachtet, dann wird man Firmen, die mit positiven Margen \u00fcberleben, sicher als konkurrenzf\u00e4higer bezeichnen m\u00fcssen. Das gilt vor allem, wenn dieser Vorteil von positiv besetzten T\u00e4tigkeiten wie Qualit\u00e4tssteigerung oder Produkt- und Prozessinnovationen herr\u00fchrt und weniger, wenn die Gewinne auf Marktabschottung, Kollusion und Produktmarktregulierung beruhen. Die alte Unterscheidung, ob Firmen preislich wettbewerbsf\u00e4hig sind oder ob sie sich durch nichtpreisliche Wettbewerbsfaktoren unterscheiden, ist durch die moderne Industrie\u00f6konomie und die Managementwissenschaft um einige Facetten erweitert worden. Das Konzept der Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist auch auf Firmenebene nicht leicht zu definieren.&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Regionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf regionaler Ebene Vgl. Begg, 1999; Mayerhofer, 2004. wird Wettbewerbsf\u00e4higkeit bestimmt durch Standortvorteile (Lokalisierungsvorteile), Ausstattung mit Wachstumstreibern (Humankapital, Innovation) und Erreichbarkeit kaufkr\u00e4ftiger Nachfrage (Marktzugang). Hier werden vor allem Agglomerationsvorteile betont. Jede Firma &#8211; und besonders ein wissens- und innovationsintensives Unternehmen &#8211; erzeugt externe Effekte, die auch der Konkurrenz helfen. In der Regional-, aber auch in der Industrie- und Innovationspolitik haben Clusterkonzepte &#8211; nicht zuletzt durch die Initiative von Michael Porter Vgl. Porter, 1990; Ketels, 2006. &#8211; an Bedeutung gewonnen. Im Porterschen Diamanten Faktorbedingungen, Nachfragebedingungen, Konkurrenzintensit\u00e4t und \u00abverwandte Industrien\u00bb. werden die Kernelemente eines erfolgreichen Clusters festgelegt. Sie bauen auf Schl\u00fcsselfaktoren des Firmenerfolgs auf. Eintritt, Angebotsmacht, Substitute, interne Konkurrenz und Nachfragemacht (Porter, 1990). \u00a0In der neuen \u00f6konomischen Geografie wird der Einfluss der Transportkosten betont, der dazu f\u00fchrt, dass zentrale R\u00e4ume und periphere Regionen unterschiedliche Vorteile haben. Eine Senkung der Transportkosten, die weit gefasst ist und sowohl f\u00fcr Integrationsals auch f\u00fcr Globalisierungsprozesse typisch ist, bewirkt zun\u00e4chst gr\u00f6ssere Vorteile in Zentralr\u00e4umen durch Spillovers. Sp\u00e4ter k\u00f6nnen dann die Vorteile der Peripherie durch niedrige Lohn-, Miet- und Umweltkosten die Oberhand gewinnen. Dies ergibt eine U-f\u00f6rmige Wirkung sinkender Transportkosten auf die r\u00e4umliche Konzentration. Wissens- und skillintensive Prozesse sind immer in Zentralr\u00e4umen g\u00fcnstiger: Industrien, die vor allem niedrige Kosten ben\u00f6tigen, um wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben, dr\u00e4ngen Firmen an die Peripherie. Die Bef\u00fcrchtungen einer st\u00e4rkeren regionalen Konzentration der gesamten Wirtschaftsleistung haben sich denn auch weder in den USA noch in Europa bewahrheitet. Eher sinkt die regionale Konzentration der gesamten Wirtschaftsleistungen. Vgl. Aiginger, Pfaffermayr, 2004; Aiginger, Leitner, 2002; Aiginger, Rossi-Hansberg, 2006. Dies zeigt sich im Zuge des Integrationsprozesses in Europa im st\u00e4rkeren Wachstum der s\u00fcdlichen L\u00e4nder, aber auch des Nordens und Nordostens (Grossbritannien, Irland). Teilweise kommt es jedoch auf die Betrachtungsebene an, ob die Analyse nach Gesamtleistung, Branchen etc. vorgenommen wird. Auch muss man ber\u00fccksichtigen, dass die s\u00fcdlichen L\u00e4nder und die n\u00f6rdlichen ein anderes Entwicklungs- und Spezialisierungsniveau haben. \u00a0Wettbewerbsf\u00e4hige Regionen &#8211; auch oft als Top-Regionen gelistet &#8211; zeichnen sich durch schnelleres Wachstum und hohe Pro-Kopf-Leistung aus. Sie entstehen durch Agglomerationsvorteile, Spillovers, Wachstumstreiber und guten Marktzugang.&#13;<\/p>\n<h2>Wettbewerb von L\u00e4ndern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf nationaler Ebene war der Begriff der Wettbewerbsf\u00e4higkeit lange umstritten. Die falsche Gleichsetzung des Begriffs mit preislicher Wettbewerbsf\u00e4higkeit (und die sich daraus ergebende Schlussfolgerung, dass ein Absenken von Kosten und insbesondere von L\u00f6hnen die wichtigste politische Strategiemassnahme sei) hat das Konzept berechtigterweise in Verruf gebracht. Zwar wurde schon von Anfang an betont, dass die unzureichende Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft einerseits durch hohe Kosten, andererseits durch die niedrige Produktivit\u00e4t begr\u00fcndet sein kann. Vgl. Orlowski, 1982; Suntum, 1986; Uri, 1971. Aber es ist richtig, dass besonders in popul\u00e4ren und politischen Diskussionen der Preis- und Kostenaspekt \u00fcberbetont wurde. Den H\u00f6hepunkt erreichte die Kritik, als der amerikanische \u00d6konom Paul Krugman Vgl. Krugman, 1994A; 1994B. das Konzept der Wettbewerbsf\u00e4higkeit als \u00abgef\u00e4hrlich\u00bb bezeichnete. Genauer als \u00abdangerous\u00bb, \u00abobsessive\u00bb, \u00abelusive\u00bb, und \u00abmeaningless\u00bb (vgl. Aiginger, 2006B). Viele \u00d6konomen haben diese \u00c4usserung sp\u00e4ter zitiert und tun das auch heute noch begeistert, ohne zu ber\u00fccksichtigen, dass sich der Begriff in der Literatur l\u00e4ngst ver\u00e4ndert hat.\u00a0Heute ist es nicht mehr \u00fcblich, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von L\u00e4ndern an den Arbeitskosten und an der Handelsbilanz &#8211; oder einer anderen Aussenbilanz &#8211; zu messen. Im Zentrum stehen die Dynamik und H\u00f6he der Wertsch\u00f6pfung sowie die Erreichung anderer wirtschaftspolitischer Ziele, insbesondere der Besch\u00e4ftigung. Eine bestimmte Aussenhandelsbilanzposition kann mit niedrigen Kosten (und Unternachfrage im Inland) leichter zu erzielen sein, ebenso mit weniger R\u00fccksicht auf soziale und \u00f6kologische Ziele. Vgl. Aiginger, 1987. \u00a0Die Wettbewerbsf\u00e4higkeitsberichte der EU Competitiveness Reports der DG Enterprise (seit 1998 auf den Background Report eines Konsortiums unter F\u00fchrung des WIFO aufgebaut). definieren Wettbewerbsf\u00e4higkeit als Dynamik von Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung, Vgl. Grilo, Koopman, 2006. manchmal auch unter Ber\u00fccksichtigung zus\u00e4tzlicher Ziele. Auch die Rankings der Wettbewerbsf\u00e4higkeit von L\u00e4ndern durch IMD und WEF haben ihren Fokus ver\u00e4ndert: W\u00e4hrend fr\u00fcher Kostenfaktoren im Vordergrund standen, sind es heute die makro\u00f6konomische Dynamik, Technologie, Regierungssystem und \u00d6kologie. Diese Definition folgt auch der industrie\u00f6konomischen Sicht, dass Kosten- und Preiswettbewerb die Untergrenze der Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Firma markiert.\u00a0Beweise f\u00fcr das Umdenken sind auf politischer Ebene die Lissabonstrategie der EU und auf akademischer Ebene die Sondernummer des Journal of Industry, Competition and Trade (JICT). Vgl. JICT 2\/2006 ( <a href=\"http:\/\/www.springerlink.com\/content\/b02510wr3278305v\/\">www.springerlink.com\/content\/b02510wr3278305v\/<\/a> ) Die Lissabonstrategie der EU will bekanntlich die EU zur wettbewerbsst\u00e4rksten wissensbasierten Region der Welt machen. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Landes oder einer Region in der wissensbasierten Gesellschaft beruht auf Forschungst\u00e4tigkeit und einem guten Ausbildungssystem. In den Teilstrategien werden ein hoher Besch\u00e4ftigungsgrad und eine starke soziale Koh\u00e4sion verlangt; Meilensteine sind u.a. eine Forschungsquote von 3%, Universit\u00e4tsausgaben von 2%, eine geringere Quote an Schulabbrechern. Die Lissabonstrategie wurde schliesslich durch Teilstrategien mit Fokus auf soziale Koh\u00e4sion und \u00f6kologische Nachhaltigkeit erg\u00e4nzt. Vgl. die \u00abBroad Economic Indicators\u00bb, an denen die Bewertung der Wirtschaftspolitik und der Nationalen Lissabonpl\u00e4ne erfolgt. Von einer Reduktion der Preise und Kosten &#8211; ausser \u00fcber st\u00e4rkeren Wettbewerb &#8211; ist keine Rede.\u00a0In der Sondernummer des JICT definiert Aiginger Wettbewerbsf\u00e4higkeit als \u00abF\u00e4higkeit eines Landes oder einer Region, Wohlfahrt zu erzeugen\u00bb und r\u00fcckt damit den Begriff in die N\u00e4he der Wohlfahrt oder des Lebensstandards als Strategieziel. Es wird betont, dass jede umfassende Analyse der Wettbewerbsf\u00e4higkeit eine Output- und eine Prozessbewertung beinhalten muss:\u00a0&#8211; Die Outputbewertung nutzt die Faktoren, die in einer gesellschaftlichen Wohlfahrtsfunktion enthalten sind, also zumindest die H\u00f6he der Einkommen (Y), den sozialen Zusammenhalt (S) und die \u00f6kologische Nachhaltigkeit (E). Die Ziele Y, S und E k\u00f6nnen als \u00abSet\u00bb von Teilzielen verstanden werden. Beim Einkommen Y sind es H\u00f6he und Dynamik der Pro-Kopf-Einkommen, im Set S z.B. Vollbesch\u00e4ftigung, Absicherung und Einkommensverteilung. Dieser Ansatz teilt mit sozialen Wohlfahrtsfunktionen Vgl. Peneder (1999). alle Probleme der Gewichtung, Interdependenz und Widerspr\u00fcchlichkeit der Teilziele. Niedrige Faktoreinkommen oder eine positive Handelsbilanz sind nicht enthalten.\u00a0&#8211; Die Prozessbewertung nutzt Erkenntnisse der Produktionsfunktionen. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist gr\u00f6sser, wenn die Inputs und die Technologie qualitativ hochwertig sind. Die Bewertung umfasst auch qualitative Elemente, wie das nationale Innovationssystem, die Lernf\u00e4higkeit sowie die strategische Entwicklung von St\u00e4rken und F\u00e4higkeiten (Capabilities).\u00a0&#8211; Durch eine gemeinsame Bewertung von Outcome und Prozessen kann bestimmt werden, ob eine Volkswirtschaft nach ihren eigenen Pr\u00e4ferenzen erfolgreich ist und ob die zugrunde liegenden Prozesse erwarten lassen, dass der Erfolg nachhaltig ist.\u00a0\u00a0In der empirischen Analyse ist auf der Outcome-Ebene eine mehrfache Abstufung m\u00f6glich. Die einfachste M\u00f6glichkeit besteht darin, das Pro-Kopf-Einkommen einer Volkswirtschaft als Mass zu nehmen (Ebene 1). Das Pro-Kopf-Einkommen kann auch als Produkt von Produktivit\u00e4t (Y\/L) und Erwerbsquote (L\/P) gesehen werden (P = Population). Das dominierende Element der impliziten Wohlfahrtsfunktion ist dann das Einkommen. In der ersten Erweiterung wird Besch\u00e4ftigung &#8211; resp. das Fehlen von Arbeitslosigkeit &#8211; als Argument hinzugenommen (Ebene 2). Auf der dritten Ebene kommt ein umfassenderes Set von Sozialindikatoren &#8211; inklusive Absicherungs- und Verteilungsindikatoren &#8211; und Umweltindikatoren hinzu. Auf einer weiteren Ebene k\u00f6nnte beurteilt werden, ob sich die Wirtschaft in einem l\u00e4ngerfristig haltbaren Gleichgewicht befindet (z.B. ausgeglichene Handelsbilanzen und Budgets oder stabiles und demokratisches politisches System) oder ob das Ausmass an Freizeit im Einklang mit den l\u00e4ngerfristigen W\u00fcnschen ist. Je weiter man schreitet, desto umfangreicher wird die unterstellte Wohlfahrtsfunktion, desto gr\u00f6sser werden die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und wahrscheinlich auch die Unterschiede in den Pr\u00e4ferenzen nach L\u00e4ndern und Entwicklungsstadien. Die Ratings gem\u00e4ss WEF und IMD zeigen Vor- und Nachteile breiter Indikatoren, mit denen Wohlfahrt und Lebensstandard beurteilt werden.\u00a0Auf der Prozessebene ist die technologische Leistungsf\u00e4higkeit &#8211; z.B. der Anteil von Hightech-Industrien &#8211; zu beurteilen. Die Wettbewerbsvorteile werden an Kenntnissen (Competitive Advantages, Capabilities) und an Charakteristika des Innovationssystems sowie von Institutionen gemessen. Letztlich werden alle Determinanten des mittelfristigen Wachstums &#8211; so genannte Wachstumstreiber &#8211; wichtig. F\u00fcr L\u00e4nder mit niedrigem Einkommen sind dies die Verf\u00fcgbarkeit von Arbeitskr\u00e4ften und Rohstoffen, f\u00fcr L\u00e4nder mit mittlerem Einkommen die H\u00f6he der Investitionsquote sowie das Niveau von Schulbildung und Facharbeit und f\u00fcr L\u00e4nder mit hohem Einkommen die Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie die Diffusionsgeschwindigkeit von neuen Technologien. Die Abh\u00e4ngigkeit der Prozesse und Strategien, welche die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Volkswirtschaften definieren, vom Einkommensniveau einer Wirtschaft ist ein wesentlicher, wenn auch die Analyse erschwerender Tatbestand.&#13;<\/p>\n<h2>T\u00e4tigkeiten mit positiven externen Wirkungen definieren Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInteressant ist, dass die Faktoren, welche positive Gewinne auf Firmenebene sowie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf regionaler und volkswirtschaftlicher Ebene bestimmen, zusammenfallen. Firmen erzielen h\u00f6here Gewinne (relativ zum Konzept der Nullgewinne als niedrigstes Benchmark der Wettbewerbsf\u00e4higkeit), wenn sie innovativ sind, neue Prozesse und Produkte entwickeln oder ihre Produkte besser vermarkten. Daf\u00fcr ben\u00f6tigen sie qualifizierte Inputs, Aus- und Weiterbildung. Regionen sind wettbewerbsstark, wenn sie viele erfolgreiche Firmen haben, Spillovers und Institutionen generieren sowie G\u00fcter mit externen Effekten produzieren (u.a. Forschung, Ausbildung, Transferinstitutionen). Und reiche Volkswirtschaften sind erfolgreich, wenn sie hohe Forschungsquoten, ein gutes (Weiter-)Bildungssystem sowie erfolgreiche Firmen und Cluster besitzen. Niedrige Kosten sind auf allen Ebenen zun\u00e4chst willkommen; aber letztlich definieren sie in reichen L\u00e4ndern weder die Wettbewerbsvorteile von Firmen noch die Top-Regionen noch die Wachstumsdynamik von L\u00e4ndern. Auf volkswirtschaftlicher Ebene sind niedrige Kosten und hohes Pro-Kopf-Einkommen auf Dauer ein inh\u00e4renter Widerspruch. Definitionen der Wettbewerbsf\u00e4higkeit, die auf billigen Inputs beruhen, sind daher bestenfalls eine Momentaufnahme und sollten in volkswirtschaftlichen Analysen ausgeschlossen werden. Insofern ist Krugmans Kritik Die Kritik, dass Regionen nicht auf dieselbe Art konkurrieren wie Firmen, bleibt teilweise richtig, besonders bei Unterauslastung der Kapazit\u00e4ten (Mayerhofer, 2004). eine Aburteilung von falschen, nicht mehr gebr\u00e4uchlichen Begriffen. Dies gilt zumindest f\u00fcr die theoretische und empirische Analyse, vielleicht nicht immer f\u00fcr die populistische Literatur.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur &#8211; Aiginger, K. (2006A), Competitiveness: From a Dangerous Obsession to a Welfare Creating Ability with Positive Externalities. Special Issue on Competitiveness, Journal of Industry, Competition and Trade, Bd. 6, Nr. 2, 2006, S. 161-177 ( <a href=\"http:\/\/www.springerlink.com\/content\/b02510wr3278305v\/\">www.springerlink.com\/content\/b02510wr3278305v\/<\/a> ).- Aiginger, K. (2006B), Revisiting an Evasive Concept: Introduction to the Special Issue on Competitiveness. Journal of Industry, Competition and Trade, Bd. 6, Nr. 2, 2006,S. 63-66 ( <a href=\"http:\/\/www.springerlink.com\/content\/a04611x4k2182730\/\">www.springerlink.com\/content\/a04611x4k2182730\/<\/a> ).- Aiginger, K., Die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u00d6sterreichs, WIFO, Wien, 1987.- Aiginger, K., Leitner, W., Regional Concentration in the USA and Europe: Who Follows Whom? Weltwirtschaftliches Archiv, Bd. 138(4), 2002, S. 1-28.- Aiginger, K., Pfaffermayr, M., The Single Market and Geographic Concentration in Europe. Review of International Economics, Bd. 12(1), 2004, S. 1-11.- Aiginger, K., Rossi-Hansberg, E., Specialization and Concentration: A Note on Theory and Evidence, Empirica, Vol. 44, Nr. 4, 2006, S. 255-266.- Begg, I., Cities and Competitiveness, Urban Studies, Bd. 36, Nr. 5-6, 1999, S. 795-809.- Grilo, I., Koopman, G. J., Productivity and Microeconomic Reforms: Strengthening EU Competitiveness. Journal of Industry, Competition and Trade, Bd. 6 (2), 2006.- Ketels, Ch. H. M., Michael Porter&#8217;s Competitiveness Framework &#8211; Recent Learnings and New Research Priorities. Journal of Industry, Competition and Trade, Bd. 6 (2), 2006.- Krugman, P. (1994A), Competitiveness: A Dangerous Obsession. Foreign Affairs 73 (2), March-April, 1994, S. 28-44.- Krugman, P. (1994B), The Fight over Competitiveness: A Zero Sum Debate: Response: Proving my Point, Foreign Affairs, Juli-August, Bd. 73 (4), 1994.- Mayerhofer, P., Austrian Border Regions and Eastern Integration. Lessons from the Pre-Enlargement Stage. Jahrbuch f\u00fcr Regionalwissenschaft, 24, 2004, S. 73-104.- Orlowski, D., Die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen, 1982.- Peneder, M. (1999), Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Standortqualit\u00e4t. Eine Kritik der L\u00e4nder-Ranglisten, Wirtschaftspolitische Bl\u00e4tter 46 (3), S. 170-177.- Porter, M. E., The Competitive Advantage of Nations, The Free Press, New York, 1990.- Suntum, U., Internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft. Zeitschrift f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Bd. 106 (5), 1986.- Uri, P., Bericht \u00fcber die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, Luxemburg, 1971.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#13; Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf Firmenebene &#13; Der Begriff Wettbewerbsf\u00e4higkeit kommt aus der Firmenliteratur. Damit wird eine \u00fcberlebensf\u00e4hige Firma bezeichnet, die ohne St\u00fctzung zu den gegebenen Kosten, Steuern und Standortbedingungen produzieren kann. Doch bereits auf der Firmenebene ergeben sich deutliche Unterschiede. Die Firma kann bei hohen oder bei niedrigen Gewinnen \u00fcberleben. 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Er wird oft von Interessensvertretungen, Medien und Politik zur Kritik bzw. Untermauerung einer Position benutzt. Schon fr\u00fch waren preisliche und technologische Wettbewerbsf\u00e4higkeit oder andere \u00abnichtpreisliche\u00bb Komponenten unterschieden worden. Heute wird Wettbewerbsf\u00e4higkeit fast durchg\u00e4ngig komplexer diskutiert: in der Lissabon-Strategie der EU, in den Rankings von Forschungsinstituten und in den j\u00e4hrlichen Berichten der EU-Kommission \u00fcber die Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas. Ein neuer Konsens zeichnet sich dahingehend ab, Wettbewerbsf\u00e4higkeit als F\u00e4higkeit eines Landes oder einer Region zur Erzeugung von Wohlfahrt oder zur Erh\u00f6hung des Lebensstandards zu definieren. Vgl. Aiginger, 2006A. 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