{"id":123506,"date":"2008-01-01T12:00:00","date_gmt":"2008-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/01\/dietzi-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:42:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:42:32","slug":"dietzi-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/01\/dietzi-3\/","title":{"rendered":"\u00dcbrige Dienstleistungen: 40% aller Erwerbst\u00e4tigen, 36% des BIP"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem unscheinbaren Titel \u00ab\u00fcbrige Dienstleistungen\u00bb werden 14 Branchen zusammengefasst, die 2006 eine Wertsch\u00f6pfung von 178 Mrd. Franken erwirtschafteten. Mit 1,7 Mio. Besch\u00e4ftigten und einem Anteil von 36% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bilden sie das R\u00fcckgrat der Schweizer Wirtschaft. Die \u00fcbrigen Dienstleistungen umfassen ein sehr heterogenes Spektrum an mehrheitlich binnenorientierten Branchen. Sie liegen im Vergleich mit dem Ausland jedoch zur\u00fcck, und zwar sowohl in ihrer Bedeutung f\u00fcr die nationale Wirtschaft als auch mit ihrem historischen Wachstum. Dieser Wirtschaftsbereich hat gegen\u00fcber fr\u00fcher stark an Bedeutung gewonnen. 1980 arbeiteten dort bloss rund 600000 Menschen. Dies entsprach knapp 19% aller Schweizer Erwerbst\u00e4tigen.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200801_18_Dietzi_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"245\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn allen Regionen stellen die \u00fcbrigen Dienstleistungen einen wesentlichen Teil der lokalen Wirtschaft dar. Einen besonders hohen Anteil an der regionalen Wirtschaftskraft haben sie im Gebiet zwischen Genf und Luzern. Bei einer feinr\u00e4umigeren Betrachtung auf Ebene der MS-Regionen MS = Mobilit\u00e9 spatiale. Einteilung der Schweiz in 106 Regionen gem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik. f\u00e4llt ausserdem auf, dass alle gr\u00f6sseren Schweizer St\u00e4dte Zentren f\u00fcr \u00fcbrige Dienstleistungen sind. Die unterschiedliche regionale Bedeutung h\u00e4ngt damit zusammen, dass sie jeweils sehr unterschiedlich ausgerichtet sind (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDas Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) definiert in seiner allgemeinen Systematik der Wirtschaftzweige (Noga) die Branchen der \u00ab\u00fcbrigen Dienstleistungen\u00bb. Um die \u00dcbersicht zu verbessern, haben wir sie zu vier Branchenaggregaten zusammengefasst.- Immobilien: 70 Immobilienwesen; 96-97 Vermietung (private Haushalte); 71 Vermietung (beweglicher Sachen).- Business Services: 72 Informatikdienste; 73 Forschung und Entwicklung; 74 Unternehmensdienstleistungen.- Politischer Sektor: 75 \u00d6ffentliche Verwaltung und Sozialversicherung; 80 Unterrichtswesen; 85 Gesundheits- und Sozialwesen.- \u00dcbrige \u00f6ffentliche und private Dienstleistungen, private Haushalte: 90 Abwasser, Abfallbeseitigung und sonstige Versorgung; 91 Interessenvertretungen und sonstige Vereinigungen; 92 Unterhaltung, Kultur, Sport; 93 Erbringung von sonst. Dienstleistungen; 95 Private Haushalte (Hausangestellte)).&#13;<\/p>\n<h2>Immobilienbranche<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Branche umfasst Handel, Vermietung und Verwaltung von Immobilien. Der Bausektor z\u00e4hlt nicht dazu. Die Schweizer Immobilienbranche wird zu 85% von Privatpersonen dominiert. Professionelle Gesellschaften tragen nur 15% zur Immobilien-Branchenwertsch\u00f6pfung bei. Die Privaten treten entweder als Vermieter von Wohnungen auf oder bewohnen ihre Liegenschaften selbst.&#13;<\/p>\n<h3>So wird gerechnet<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wertsch\u00f6pfung der Immobilienbranche zu bestimmen, ist nicht ganz trivial (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2<\/b>&#13;<br \/>\nDefinitionsgem\u00e4ss ist die Wertsch\u00f6pfung der gesamte Wert der Produktion einer Branche, verringert um die Vorleistungen, welche hierf\u00fcr ben\u00f6tigt werden. Die Wertsch\u00f6pfung dient der Entl\u00f6hnung der eingesetzten Produktionsfaktoren: L\u00f6hne f\u00fcr den Faktor Arbeit, Zinsen und Dividenden f\u00fcr den Faktor Kapital. Die Wertsch\u00f6pfung kann etwas vereinfacht auch als Summe der L\u00f6hne und Gewinne bezeichnet werden. Die Wertsch\u00f6pfung weist in einigen Unterbranchen gewisse Besonderheiten auf. Auf diese wird in den entsprechenden Kapiteln eingegangen.):\u00a0&#8211; Bei einem Mietverh\u00e4ltnis ist der Produktionswert relativ einfach zu bestimmen: Er entspricht der entrichteten Miete. Zieht man davon die Unterhalts- und Betriebskosten ab, resultiert die Wertsch\u00f6pfung.\u00a0&#8211; Bewohnt der Hausbesitzer seine Liegenschaft selbst, gestaltet sich die Berechnung der Wertsch\u00f6pfung schwieriger. Analog zur Steuerrechnung wird ein hypothetischer Eigenmietwert angenommen. Dieser hypothetische Eigenmietwert bildet dann die Grundlage zur Berechnung der Wertsch\u00f6pfung. Dabei handelt es sich um einen rein rechnerischen Wert, welcher aufgrund der Schwierigkeiten bei der Bewertung von Liegenschaften mit einer gewissen Unsch\u00e4rfe behaftet ist.&#13;<\/p>\n<h3>Regional deutliche Unterschiede<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nVerschiedene Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Immobilienbranche. Einerseits nimmt die Wertsch\u00f6pfung mit der Zahl neu erstellter Wohnungen zu. Andererseits h\u00e4ngt sie aber auch von der Qualit\u00e4t und vom Wert der Liegenschaften ab. Regional zeigt sich die Entwicklung der Immobilienbranche sehr unterschiedlich. Sie wird prim\u00e4r von der Bev\u00f6lkerungsentwicklung bestimmt. Unterschiede bez\u00fcglich Angebot und Nachfrage nach Wohnraum spielen eine wesentliche Rolle. Das Angebot wird vor allem durch die verf\u00fcgbaren Baulandreserven bestimmt. Die Nachfrage h\u00e4ngt unter anderem von der N\u00e4he zu guten Arbeitspl\u00e4tzen, einer guten Erreichbarkeit und einer hohen Lebensqualit\u00e4t ab. In einer detaillierten Studie hat BAK Basel Economics die regionalen Perspektiven im Immobilienmarkt untersucht. Die Bev\u00f6lkerungsentwicklung d\u00fcrfte um Genf und um den Z\u00fcrichsee besonders dynamisch verlaufen. Dementsprechend sind auch die Aussichten f\u00fcr die Immobilienbranche in diesen Gebieten besonders positiv zu beurteilen.&#13;<\/p>\n<h2>Business Services<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3>Unternehmensdienstleister: Nach dem Outsourcing der Strukturwandel<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Unternehmensdienstleistungen sind unter den Business Services am wichtigsten. Sie umfassen ihrerseits ein sehr breites Spektrum an T\u00e4tigkeiten. Dazu geh\u00f6ren Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Wirtschaftspr\u00fcfung, Sicherheits- und Reinigungsfirmen, Architektur- und Ingenieurb\u00fcros sowie Werbung.\u00a0Die Schweizer Unternehmensdienstleister sind sehr stark auf den relativ abgeschotteten, nationalen Markt ausgerichtet. Die Schweizer Unternehmenslandschaft mit ihren vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nimmt aber aufgrund ihrer Struktur relativ wenig Unternehmensdienstleistungen in Anspruch. Das Wachstumspotenzial und der Wettbewerb sind in weiten Teilen der Branche begrenzt.\u00a0Die Branche nimmt unter anderem T\u00e4tigkeiten wahr, die von grossen Unternehmen auch selbst ausge\u00fcbt werden; hier handelt es sich um typische Outsourcing-T\u00e4tigkeiten. Zu Beginn des grossen Outsourcing-Trends Ende der Achtzigerjahre verzeichnete die Branche deutliche Zuw\u00e4chse. Bei vielen der ausgelagerten T\u00e4tigkeiten handelte es sich aber um nicht besonders wertsch\u00f6pfungsintensive Aktivit\u00e4ten wie die Wachoder Reinigungsdienste.\u00a0Seit gut 10 Jahren sind die Unternehmensdienstleistungen einem starken strukturellen Wandel unterworfen. Die Bereiche Managementt\u00e4tigkeiten und Unternehmensberatung verzeichneten ein deutlich kr\u00e4ftigeres Besch\u00e4ftigungswachstum als die \u00fcbrigen Unternehmensdienstleister. Damit hat innerhalb der Branche eine Verschiebung zu wertsch\u00f6pfungsintensiveren T\u00e4tigkeiten stattgefunden.&#13;<\/p>\n<h3>Forschung und Entwicklung: Dreimal gr\u00f6ssere Wertsch\u00f6pfung als 1980<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSehr beeindruckend war die Entwicklung in der Branche Forschung und Entwicklung. Sie zeigte &#8211; zusammen mit der Informatikbranche &#8211; die schnellste Entwicklung innerhalb der \u00fcbrigen Dienstleistungen und verdreifachte seit 1980 ihre reale Wertsch\u00f6pfung. Profitiert hat die Branche insbesondere vom rasanten Wachstum der Schweizer Hightech-Branchen, f\u00fcr welche die Forschung einen eminenten Stellenwert aufweist. Nur durch st\u00e4ndigen Fortschritt in der Forschung k\u00f6nnen sie ihren Vorsprung aufrechterhalten und international konkurrenzf\u00e4hig bleiben. F\u00fcr ein Land, welches \u00fcber keine wesentlichen Rohstoffvorkommen verf\u00fcgt und aufgrund des hohen Lohnniveaus f\u00fcr Lowtech-Industrien ung\u00fcnstige Rahmenbedingungen aufweist, sind Wissen und Innovation von zentraler Bedeutung.&#13;<\/p>\n<h3>Informatikdienstleistungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch die Informatikbranche profitierte vom Outsourcing-Trend. Gerade im Informatikbereich ist dieser Prozess in der Schweiz noch keineswegs abgeschlossen. Der Schweizer Finanzsektor etwa weist im internationalen Vergleich immer noch einen sehr hohen Grad an vertikaler Integration aus. Viele Leistungen, die &#8211; wie die Informatik &#8211; nicht zum Kernbereich des Finanzsektors geh\u00f6ren, werden immer noch selbst erstellt. Der Trend zur Ausgliederung solcher Aktivit\u00e4ten nimmt zu und verleiht der Informatikbranche Aufwind.\u00a0Zus\u00e4tzlich zu den direkt von der Schweizer Wirtschaft abh\u00e4ngigen Informatikdienstleistungen siedeln sich aber auch international t\u00e4tige Informatikfirmen in der Schweiz an. So baut Google in Z\u00fcrich kr\u00e4ftig aus. F\u00fcr diesen Erfolg sind die hervorragenden Schweizer Standortfaktoren ausschlaggebend. Einige der wichtigsten sind tiefe Steuern, eine hohe Lebensqualit\u00e4t und renommierte, qualitativ hoch stehende Forschungsinstitutionen.&#13;<\/p>\n<h2>Politischer Sektor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnteilsm\u00e4ssig am bedeutendsten unter den \u00fcbrigen Dienstleistungen ist der politische Sektor. Dieser besteht aus der Verwaltung, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Unterrichtswesen. Es sind dies stark binnenorientierte Branchen, die in einem stark regulierten Umfeld mit wenig Wettbewerb operieren. Sie haben prim\u00e4r die von der Politik definierten Ziele zu erf\u00fcllen und sind zu einem grossen Teil nicht gewinnorientiert.&#13;<\/p>\n<h3>So wird gerechnet<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bestimmung der Wertsch\u00f6pfung ist auch im politischen Sektor speziell. Weil ein Grossteil der Leistungen nicht auf einem freien Markt erbracht wird, ist deren Produktionswert schwierig zu bewerten. Weil die Entstehung der Wertsch\u00f6pfung schwierig zu ermitteln ist, wird sie r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber dessen Verwendung f\u00fcr Entl\u00f6hnung der eingesetzten Produktionsfaktoren bestimmt. Die Wertsch\u00f6pfung im Grossteil des politischen Sektors (nicht gewinnorientierter Teil) besteht also definitorisch aus den bezahlten L\u00f6hnen.&#13;<\/p>\n<h3>Gleichm\u00e4ssiges Wachstum h\u00e4lt an<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung der Branchen im politischen Sektor h\u00e4ngt nachfrageseitig vor allem von der Bev\u00f6lkerungsentwicklung ab. Die Wertsch\u00f6pfungsentwicklung verlief seit 1980 relativ gleichm\u00e4ssig. Einzig Ende der Achtzigerjahre, als die \u00f6ffentlichen Haushalte erstmals seit langem \u00dcbersch\u00fcsse verzeichneten, war eine Beschleunigung der Wertsch\u00f6pfungsentwicklung zu beobachten. Beamtenarbeitspl\u00e4tze wurden kontinuierlich geschaffen und selten in grossem Ausmass gestrichen. Die Verwaltung ist regional stark auf die Bundeshauptstadt Bern konzentriert und bestimmt die dortige Wirtschaftsentwicklung massgeblich.\u00a0In Zukunft ist mit einer langsamen, aber stetigen Fortsetzung des Wachstumspfades zu rechnen. Das Wachstum der Schweizer Bev\u00f6lkerung wird zu einer weiter steigenden Nachfrage nach \u00f6ffentlichen Dienstleistungen f\u00fchren. Von der zunehmenden Alterung der Bev\u00f6lkerung wird der Gesundheitssektor besonders profitieren. Wachstumsd\u00e4mpfend wirkt andererseits der anhaltende Privatisierungstrend.&#13;<\/p>\n<h2>Sonstige \u00f6ffentliche und private Dienstleistungen, private Haushalte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter diesem Titel werden die verbleibenden Branchen zusammengefasst. Sie bilden ihrerseits ein sehr heterogenes Feld.\u00a0Die Branche Abwasser, Abfallbeseitigung und sonstige Versorgung ist stark binnenorientiert. Mit der zunehmenden \u00d6ffnung der Schweizer Wirtschaft gegen\u00fcber der EU bieten sich der Branche neue Wachstumsm\u00f6glichkeiten im grenznahen Ausland; es entsteht aber auch neue Konkurrenz. Die Branche ist jedoch haupts\u00e4chlich vom politisch-regulatorischen Umfeld abh\u00e4ngig.\u00a0Interessenvertretungen und sonstige Vereinigungen umfassen Wirtschafts- und Berufsverb\u00e4nde, kirchliche Vereinigungen und politische Parteien. Diese sind sowohl national als auch international t\u00e4tig. In Genf ist die Konzentration wegen der vielen dort ans\u00e4ssigen internationalen Organisationen besonders hoch.\u00a0Unterhaltungs-, Kultur- und Sportdienstleistungen werden in der ganzen Schweiz regional nachgefragt und erbracht. Die Branche ist stark binnenorientiert. Weil viele dieser Dienstleistungen dezentral am jeweiligen Wohnort der Bev\u00f6lkerung nachgefragt werden, ist die Branche \u00fcber die Schweiz relativ gleichm\u00e4ssig verteilt.&#13;<\/p>\n<h2>In den USA die halbe Wirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch im internationalen Vergleich zeigen sich die \u00fcbrigen Dienstleistungen sehr heterogen. Allein schon hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung f\u00fcr das jeweilige Land bestehen betr\u00e4chtliche Unterschiede. W\u00e4hrend die \u00fcbrigen Dienstleistungen in den USA knapp die H\u00e4lfte der Wirtschaftskraft ausmachen, kommen sie in Spanien nur auf einen Drittel.&#13;<\/p>\n<h3>Woher kommen die Unterschiede?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEine wichtige Rolle f\u00fcr diese Unterschiede spielt die Immobilienbranche: Deren Wertsch\u00f6pfung ist in den USA, Frankreich und Italien im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtwirtschaft besonders hoch. Wie weiter oben beschrieben, ist jedoch die Bestimmung der Wertsch\u00f6pfung dieser Branche mit Ermessensspielr\u00e4umen verbunden. So weist beispielsweise die spanische Immobilienbranche trotz anhaltendem Bauboom gem\u00e4ss nationaler Buchhaltung einen relativ geringen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung auf. \u00a0Ein weiterer gewichtiger Unterschied besteht in der relativen Gr\u00f6sse des politischen Sektors. Hier nimmt die USA den Spitzenplatz ein. Ihr grosser Staatsapparat mit Armee, Geheimdiensten und einem aufwendigen Justizapparat verschlingt einiges an personellen Ressourcen, kreiert also gem\u00e4ss Definition Wertsch\u00f6pfung. Auch das zentralistische Frankreich und der gut ausgebaute Sozialstaat Schwedens schaffen eine hohe Wertsch\u00f6pfung im politischen Sektor.\u00a0Bei den Business Services ist das Vereinigte K\u00f6nigreich am st\u00e4rksten vertreten. Anders als etwa in der Schweiz sind die Business Services dort wesentlich internationaler aufgestellt. Sie erbringen nicht nur Dienstleistungen f\u00fcr das eigene Land, sondern agieren als weltweites Kompetenzzentrum.&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz mit geringem Wachstumsbeitrag&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz war der Wachstumsbeitrag der \u00fcbrigen Dienstleistungen zwischen 1980 und 2006 relativ gering. Im Durchschnitt steuerte die Branche nur 0,5 Prozentpunkte zum Schweizer Wirtschaftswachstum bei. Aus den Vergleichsregionen wies einzig Schweden einen tieferen Wert aus. Wie ist dieses langsame Wachstumstempo zu erkl\u00e4ren?\u00a0Gegen\u00fcber den Vergleichsregionen entwickelte sich in der Schweiz der Immobiliensektor aufgrund der langsamen Bev\u00f6lkerungsentwicklung unterdurchschnittlich. Auch die Unternehmensdienstleister haben sich wegen des nur beschr\u00e4nkt spielenden Wettbewerbs (siehe weiter oben) eindeutig unterdurchschnittlich entwickelt.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;aber hoher Produktivit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesser als im internationalen Wachstumsvergleich schneiden die \u00fcbrigen Schweizer Dienstleistungen im Produktivit\u00e4tsvergleich ab. Von den Vergleichsl\u00e4ndern weisen einzig Frankreich, die USA und \u00d6sterreich eine h\u00f6here Stundenproduktivit\u00e4t auf. Die hohe Produktivit\u00e4t der \u00fcbrigen Schweizer Dienstleistungen zeigt, dass die Branchen konkurrenzf\u00e4hig sind. F\u00fcr Teile der \u00fcbrigen Dienstleistungen besteht wesentliches Wachstumspotenzial auf den internationalen M\u00e4rkten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abAnteil der \u00fcbrigen Dienstleistungen an der Gesamtwirtschaft, 1980 und 2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abReale Bruttowertsch\u00f6pfung, 1980-2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abAnteil der \u00fcbrigen Dienstleistungen in den Schweizer Kantonen, 2006 Anteil der nominalen Bruttowertsch\u00f6pfung an der jeweiligen Gesamtwirtschaft, in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4 \u00abWertsch\u00f6pfung der \u00fcbrigen Dienstleistungen in den Schweizer MS-Regionen, 2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 5 \u00abPerspektiven f\u00fcr den Immobilienmarkt: Bev\u00f6lkerungsentwicklung, 2005-2022\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 6 \u00abStruktur der \u00fcbrigen Dienstleistungen im internationalen Vergleich, 2006 Anteile der nominalen Bruttowertsch\u00f6pfung an der Gesamtwirtschaft, in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 7 \u00abWachstumsbeitrag der \u00fcbrigen Dienstleistungen an die Gesamtwirtschaft, 1980-2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 8 \u00abNominale Stundenproduktivit\u00e4t, 2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Vier Branchenaggregate<\/b>&#13;<br \/>\nDas Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) definiert in seiner allgemeinen Systematik der Wirtschaftzweige (Noga) die Branchen der \u00ab\u00fcbrigen Dienstleistungen\u00bb. Um die \u00dcbersicht zu verbessern, haben wir sie zu vier Branchenaggregaten zusammengefasst.- Immobilien: 70 Immobilienwesen; 96-97 Vermietung (private Haushalte); 71 Vermietung (beweglicher Sachen).- Business Services: 72 Informatikdienste; 73 Forschung und Entwicklung; 74 Unternehmensdienstleistungen.- Politischer Sektor: 75 \u00d6ffentliche Verwaltung und Sozialversicherung; 80 Unterrichtswesen; 85 Gesundheits- und Sozialwesen.- \u00dcbrige \u00f6ffentliche und private Dienstleistungen, private Haushalte: 90 Abwasser, Abfallbeseitigung und sonstige Versorgung; 91 Interessenvertretungen und sonstige Vereinigungen; 92 Unterhaltung, Kultur, Sport; 93 Erbringung von sonst. Dienstleistungen; 95 Private Haushalte (Hausangestellte)&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Definition Wertsch\u00f6pfung<\/b>&#13;<br \/>\nDefinitionsgem\u00e4ss ist die Wertsch\u00f6pfung der gesamte Wert der Produktion einer Branche, verringert um die Vorleistungen, welche hierf\u00fcr ben\u00f6tigt werden. Die Wertsch\u00f6pfung dient der Entl\u00f6hnung der eingesetzten Produktionsfaktoren: L\u00f6hne f\u00fcr den Faktor Arbeit, Zinsen und Dividenden f\u00fcr den Faktor Kapital. Die Wertsch\u00f6pfung kann etwas vereinfacht auch als Summe der L\u00f6hne und Gewinne bezeichnet werden. Die Wertsch\u00f6pfung weist in einigen Unterbranchen gewisse Besonderheiten auf. Auf diese wird in den entsprechenden Kapiteln eingegangen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem unscheinbaren Titel \u00ab\u00fcbrige Dienstleistungen\u00bb werden 14 Branchen zusammengefasst, die 2006 eine Wertsch\u00f6pfung von 178 Mrd. Franken erwirtschafteten. Mit 1,7 Mio. Besch\u00e4ftigten und einem Anteil von 36% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bilden sie das R\u00fcckgrat der Schweizer Wirtschaft. Die \u00fcbrigen Dienstleistungen umfassen ein sehr heterogenes Spektrum an mehrheitlich binnenorientierten Branchen. Sie liegen im Vergleich mit [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3100,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3100,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Economist, BAK Basel Economics","seco_author_post_occupation_fr":"\u00c9conomiste, BAK Basel Economics","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123509,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9773","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55b898ac52220"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123506"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3100"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123506"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123506\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128158,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123506\/revisions\/128158"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123506"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123506"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123506"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123506"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123506"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123506"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}