{"id":123531,"date":"2008-01-01T12:00:00","date_gmt":"2008-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2008\/01\/meister-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:42:22","modified_gmt":"2023-08-23T21:42:22","slug":"meister-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2008\/01\/meister-5\/","title":{"rendered":"Die Rolle des internationalen Handels bei der Zukunft der Schweizer Elektrizit\u00e4tsversorgung"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist keine Strominsel. Sie ist in zunehmendem Ausmass von Importen abh\u00e4ngig; daneben profitieren auch Schweizer Unternehmen vom grenz\u00fcberschreitenden Stromhandel. Und dieser wird mit der Liberalisierung der Elektrizit\u00e4tsm\u00e4rkte zus\u00e4tzliche Bedeutung gewinnen. Strategien, wie die mangelnden Stromproduktionskapazit\u00e4ten \u00fcberbr\u00fcckt werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen daher in einem internationalen Kontext diskutiert werden. L\u00e4ngerfristig ist es dennoch sinnvoll, wenn die Schweiz \u00fcber eigene Grosskraftwerke mit tiefen Grenzkosten verf\u00fcgt, sodass sie nicht g\u00e4nzlich auf den Import von Grundlast angewiesen ist.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200801_07_Meister_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"249\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz ist bereits Nettoimporteurin von Strom<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErstmals seit der Publikation der Elektrizit\u00e4tsstatistik im Jahr 1910 hat die Schweiz 2005 mehr Strom importiert als exportiert. Der Einfuhr\u00fcberschuss wurde mit schlechten hydrologischen Bedingungen f\u00fcr die Wasserkraft sowie einem mehrmonatigen Stillstand des Kernkraftwerks Leibstadt begr\u00fcndet. \u00dcberraschenderweise blieb die Schweiz &#8211; trotz Rekordproduktion der Kernkraftwerke &#8211; auch im Jahr 2006 Netto-Importeurin. Bei einer inl\u00e4ndischen Nettoerzeugung von 59,4 und einem Landesverbrauch von 62,1 Mrd. Kilowattstunden (kWh) beliefen sich Einfuhren auf 48,8 und die Ausfuhren auf 46,1 Mrd. kWh. Dass in den Jahren zuvor mehr exportiert als importiert wurde, darf jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Schweiz seit Jahren auf Importe angewiesen ist. Insbesondere im Winter, wenn Strom aus Wasserkraft rar ist, ben\u00f6tigt die Schweiz Strom aus dem Ausland. Im Jahr 2006 \u00fcberstieg die inl\u00e4ndische Erzeugung den Inlandbedarf w\u00e4hrend lediglich 6 Monaten, im Jahr zuvor sogar nur w\u00e4hrend 4 Monaten. Vgl. BFE (2007) und (2006).\u00a0Die grossen Import- und Exportmengen deuten auch auf eine grosse Relevanz des grenz\u00fcberschreitenden Handels und der Transite hin. Definiert man Transite als Minimum der beiden Gr\u00f6ssen Import und Export, beliefen sich diese 2006 auf 46,1 Mrd. kWh &#8211; also auf rund 75% des Landesverbrauchs. Im Zentrum stehen Stromlieferungen nach Italien, wo nach dem schrittweisen Atomausstieg zwischen 1987 und 1990 die Stromgrosshandelspreise massiv anstiegen. Die hohen Preise sind aber nicht nur auf den Mangel, sondern auch auf die Struktur der Produktion zur\u00fcckzuf\u00fchren. Heute wird in Italien Strom vor allem mit Gas- und \u00d6lkraftwerken produziert &#8211; also Technologien mit hohen Grenzkosten. Franz\u00f6sische Atomoder deutsche Kohlekraftwerke weisen dagegen tiefe Grenzkosten auf, sodass sich bei Kapazit\u00e4ts\u00fcbersch\u00fcssen der Export in das Hochpreisland Italien lohnt. Schweizer Verbundunternehmen k\u00f6nnen nicht nur vom Zwischenhandel, sondern auch von der Stromveredelung profitieren. W\u00e4hrend der Nacht wird aus Frankreich oder Deutschland importierter Grundlaststrom, der mit Kernoder Kohlekraftwerken rund um die Uhr produziert wird, dazu genutzt, um Wasser in die Speicherseen zu pumpen. Die gespeicherte Energie kann w\u00e4hrend der Tages-Spitzenlastzeiten zu h\u00f6heren Preisen ver\u00e4ussert werden. Der Einnahmen\u00fcberschuss der Schweizer Elektrizit\u00e4tsunternehmen aus dem Stromaussenhandel wird f\u00fcr das Jahr 2006 auf rund 1,07 Mrd. Franken gesch\u00e4tzt. Vgl. BFE (2007), S. 47.&#13;<\/p>\n<h2>Internationaler Handel als Motor des Wettbewerbs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Liberalisierung der europ\u00e4ischen Elektrizit\u00e4tsm\u00e4rkte hat der Stromhandel zus\u00e4tzliche Relevanz erhalten. Der Austausch von Strom ist nicht mehr bloss ein Instrument zum Ausgleich l\u00e4nderspezifischer Produktionsengp\u00e4sse: In Kombination mit dem Zusammenwachsen der M\u00e4rkte entsteht auch L\u00e4nder \u00fcbergreifender Wettbewerb. Dieser ist umso wichtiger, als in vielen nationalen M\u00e4rkten wenige etablierte Unternehmen dominieren. Aufgrund mangelnder Standorte f\u00fcr den Bau neuer Kraftwerke ist ein Markteintritt unabh\u00e4ngiger Produzenten in der Praxis schwierig. Ein rascher Markteintritt w\u00e4re hingegen mit einer internationalen Beschaffungsstrategie m\u00f6glich. Ein Stromversorger kann Strom im Ausland beziehen und in der Schweiz an Endkunden vertreiben. Die Entfernung zwischen Produktion und Endkunde muss keinen Nachteil darstellen, zumal zwischen den Mitgliedern des Verbandes europ\u00e4ischer \u00dcbertragungsnetzbetreiber (Etso) keine distanzabh\u00e4ngigen Tarife mehr verrechnet werden. Im Zuge des Florenzer Prozesses wurden in Europa Import-, Export- und Transitgeb\u00fchren abgeschafft. Damit sollte das Problem des \u00abPancaking\u00bb (Kumulation von Netzgeb\u00fchren bei zunehmender Distanz zwischen Produktion und Verbrauch) eliminiert werden. Analog zum Modell der Briefmarke im Inland gilt daher auch f\u00fcr den grenz\u00fcberschreitenden Stromaustausch ein distanzunabh\u00e4ngiges Tarifmodell. Anstelle von transaktionsspezifischen Geb\u00fchren f\u00fcr Importe, Exporte und Transite wurde auf europ\u00e4ischer Ebene ein Fonds (Inter-TSO-Compensation) eingerichtet. Dieser kompensiert jene L\u00e4nder, denen Kosten durch den internationalen physikalischen Stromtransit entstehen. Grundlage der Fondsein- und -auszahlungen sind daher nicht vertragliche Transaktionen, sondern die davon unabh\u00e4ngigen physikalisch gemessenen Stromfl\u00fcsse.&#13;<\/p>\n<h2>Engp\u00e4sse an den Grenzen verhindern internationale Preiskonvergenz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Praxis wurde der Pancaking-Effekt nicht g\u00e4nzlich beseitigt. Distanzabh\u00e4ngige Kosten entstehen durch die Nutzung von grenz\u00fcberschreitenden \u00dcbertragungskapazit\u00e4ten, den so genannten Grenzkapazit\u00e4ten. Weil diese aus historischen Gr\u00fcnden zwischen den meisten L\u00e4ndern zu gering dimensioniert sind, entstehen oft Kapazit\u00e4tsengp\u00e4sse. Die Allokation der Kapazit\u00e4ten erfolgt dann mittels Auktionsverfahren; Stromh\u00e4ndler m\u00fcssen somit im Falle von Knappheit Grenzkapazit\u00e4ten einkaufen. Die Kosten wirken wie eine transaktionsabh\u00e4ngige Importoder Exportgeb\u00fchr. In Anlehnung an die EU-Richtlinien nimmt auch die Schweiz Kapazit\u00e4tsauktionen vor. Allerdings beschr\u00e4nken sich diese 2007 auf die Grenzen mit Deutschland und \u00d6sterreich. Die Kapazit\u00e4tsauktionen werden durch die \u00dcbertragungsnetzbetreiber vorgenommen. Entsprechend erfolgt die Auktion separiert vom Stromhandel an den Spotm\u00e4rkten (\u00abExplizite Auktionen\u00bb).\u00a0Strom f\u00fcr das Marktgebiet Schweiz wird seit Anfang 2007 an der Leipziger Stromb\u00f6rse EEX gehandelt. Vor allem w\u00e4hrend der Wintermonate ist der f\u00fcr die Schweiz gehandelte Strom teurer als jener f\u00fcr die Marktgebiete Deutschland, \u00d6sterreich oder auch Frankreich. Genau dann ist die Schweiz aufgrund der geringeren Produktion der Wasserkraftwerke auf Importe angewiesen. Die hohen Importe f\u00fchren zu einer Verknappung der Grenzkapazit\u00e4ten und machen Auktionen n\u00f6tig. Die Nutzung der Grenzkuppelstelle von Deutschland in die Schweiz kostete im ersten Halbjahr 2007 durchschnittlich 6 Euro\/MWh. Dabei beliefen sich die Preise im Januar auf durchschnittlich 15 Euro\/MWh; ab April fiel der Preis praktisch auf null. In der umgekehrten Richtung (also nach Deutschland) entsteht dagegen kaum ein positiver Preis, da die Transportkapazit\u00e4ten ausreichend sind. Dabei zeigt sich, dass der Auktionspreis f\u00fcr Kapazit\u00e4ten in die Schweiz parallel zum Unterschied des Strompreises in den beiden Marktgebieten verl\u00e4uft. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: Der Export von Deutschland in die Schweiz lohnt sich f\u00fcr den H\u00e4ndler, solange der Preis im Marktgebiet Schweiz h\u00f6her ist. Und die Nachfrage nach der Grenzkapazit\u00e4t \u00fcbersteigt das Angebot, solange der Auktionspreis kleiner ist als der Marktpreisunterschied. Im Gleichgewicht entspricht der Auktionspreis dem Marktpreisunterschied (vgl. Grafiken 1 und 2).\u00a0Dass die Schweiz im Winter italienisches Preisniveau aufweist, hat auch damit zu tun, dass die Grenzkapazit\u00e4ten im Norden nicht nur f\u00fcr Importe, sondern auch f\u00fcr die Transite in den S\u00fcden ben\u00f6tigt werden. Nun \u00abkonkurriert\u00bb der erh\u00f6hte inl\u00e4ndische mit dem italienischen Bedarf und tr\u00e4gt so zu einer Steigerung der Nachfrage nach Grenzkapazit\u00e4ten im Norden bei. Die Netto-Exporte aus Schweizer Gebiet nach Italien betrugen im Winter 2005\/2006 fast 10 Mrd. kWh oder etwa ein Sechstel des schweizerischen Jahresverbrauchs. Der Effekt kann einfach illustriert werden: Die Importkapazit\u00e4ten an den Grenzen zu Frankreich und Deutschland von 5500 MW (sog. \u00abSchweizer Dach\u00bb) liessen theoretisch einen j\u00e4hrlichen Import von mehr als 48 Mrd. kWh zu. Vgl. IfnE (2007), S. 21. Dies sind gegen 80% des gesamten schweizerischen Landesverbrauchs. W\u00fcrden diese Importe nur im Inland verwendet, resultierten an der Nordgrenze weniger Kapazit\u00e4tsengp\u00e4sse &#8211; und damit geringere Preise f\u00fcr die Grenzkapazit\u00e4ten. Mit anderen Worten: Ohne die Transite k\u00f6nnte die Schweiz g\u00fcnstiger Strom importieren; andererseits w\u00fcrden Handelsgewinne f\u00fcr Schweizer Verbundunternehmen entfallen.&#13;<\/p>\n<h2>Netzausbau als strategisches Element<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Kontext der Stromversorgungsl\u00fccke hat dieser Umstand Konsequenzen f\u00fcr die Planung des k\u00fcnftigen Netzausbaus: Mit zunehmender Knappheit inl\u00e4ndischer Produktion gehen steigende Preise einher. Der internationale Handel k\u00f6nnte einem Preisauftrieb entgegenwirken. Eine Ausdehnung der Transportkapazit\u00e4ten nach Frankreich und Deutschland w\u00fcrde der Schweiz &#8211; vor allem im Winter &#8211; tiefere Stromgrosshandelspreise bringen. Ein Ausbau der Netzkapazit\u00e4ten in den S\u00fcden bei gleich bleibenden Kapazit\u00e4ten im Norden f\u00f6rdert dagegen die Konvergenz an das h\u00f6here italienische Preisniveau.\u00a0Zur F\u00f6rderung tiefer inl\u00e4ndischer Strompreise m\u00fcsste also speziell ein Ausbau der Netzkapazit\u00e4ten gegen\u00fcber L\u00e4ndern mit tiefen Grosshandelspreisen gef\u00f6rdert werden. In der Praxis besteht die Gefahr, dass verti-kal integrierte Verbundunternehmen &#8211; also Unternehmen, die gleichzeitig in den Wertsch\u00f6pfungsstufen Produktion und \u00dcbertragungsnetze t\u00e4tig sind &#8211; ihre Netzkapazit\u00e4ten vor allem in L\u00e4ndern mit hohen Preisniveaus ausbauen. Die zus\u00e4tzlichen Kapazit\u00e4ten erlauben die Erschliessung neuer Absatzm\u00e4rkte. Kapazit\u00e4tserweiterungen in L\u00e4ndern mit tiefen Preisen dagegen bergen die Gefahr eines zunehmenden internationalen Wettbewerbs, sodass sie aus strategischen Gr\u00fcnden vernachl\u00e4ssigt werden. \u00a0Evidenz f\u00fcr solches Verhalten hat k\u00fcrzlich die Deutsche Monopolkommission festgestellt. Obwohl die Stromgrosshandelspreise in Polen deutlich unter dem deutschen Niveau liegen, findet nur wenig Stromaustausch zwischen den beiden L\u00e4ndern statt. Die Monopolkommission folgert: \u00abGanz offensichtlich besteht ein Engpass zwischen Deutschland und Polen, und es sind keine Anstrengungen der \u00dcbertragungsnetzbetreiber zu erkennen, diesen Engpass zu beheben.\u00bb Vgl. Deutsche Monopolkommission (2007), S. 103. Ein Regulator m\u00fcsste vertikal integrierte Unternehmen zwingen, den Ausbau ihrer Grenzkapazit\u00e4ten am gesamtwirtschaftlichen Optimum auszurichten.&#13;<\/p>\n<h2>Grenzen einer Importstrategie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nOb die Schweiz eine drohende Stromversorgungsl\u00fccke durch Importe \u00fcberbr\u00fccken kann, h\u00e4ngt auch davon ab, ob ausreichend europ\u00e4ische L\u00e4nder \u00fcber Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr den Export verf\u00fcgen. Heute hat die Schweiz mit Frankreich und Deutschland gewichtige Exporteure in ihrer Nachbarschaft. Ob Deutschland l\u00e4ngerfristig als Exporteur auftritt, wird nicht zuletzt von der Entscheidung \u00fcber einen m\u00f6glichen Atomausstieg abh\u00e4ngen. Frankreich ist heute der gr\u00f6sste Nettoexporteur in Europa. 2006 wurden 71,9 Mrd. kWh Strom exportiert und ledig-lich 8,5 Mrd. kWh importiert. Mit dem Bau des neuen Kernkraftwerks \u00abFlamanville 3\u00bb, welches als Vorl\u00e4ufer einer ganzen Serie von neuen Druckwasserreaktoren der dritten Generation gilt, signalisiert Frankreich, dass es auch k\u00fcnftig im internationalen Stromgesch\u00e4ft mitmischen wird.\u00a0Mit der schrittweisen Stilllegung der Kernkraftwerke w\u00e4re die Schweiz etwa ab 2020 in bedeutendem Ausmass auf Importe angewiesen. Heute produzieren die Kernkraftwerke j\u00e4hrlich rund 26 Mrd. kWh. Frankreich mit seiner starken Ausrichtung auf Kernkraft w\u00e4re daher aus einer technischen Optik ein geeigneter Lieferant f\u00fcr k\u00fcnftig fehlende Grundlastproduktion in der Schweiz. Aus \u00f6konomischer Sicht jedoch d\u00fcrfte eine einseitige Importabh\u00e4ngigkeit von Frankreich wenig attraktiv sein. \u00c9lectricit\u00e9 de France (EDF) verf\u00fcgt heute \u00fcber eine monopolartige Stellung im franz\u00f6sischen Markt. Sind L\u00e4nder wie die Schweiz oder auch Deutschland und Italien vermehrt auf Importe angewiesen, wird sich die Position von EDF auch im internationalen Gesch\u00e4ft weiter st\u00e4rken. EDF k\u00f6nnte dann die Preise weniger an den Grenzkosten der Kernkraftwerke, sondern vielmehr an jenen von kurzfristig einsetzbaren Alternativtechnologien orientieren. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Gaskraftwerke, welche heute aufgrund ihrer h\u00f6heren Grenzkosten vor allem f\u00fcr die Produktion von Mittel- und Spitzenlast eingesetzt werden. Weil sie relativ schnell gebaut werden k\u00f6nnten, stellen sie auch in der kurzen Frist eine Alternative zu den Importen dar.\u00a0Daraus l\u00e4sst sich folgern, dass der europ\u00e4ische Markt im Rahmen einer \u00dcbergangsl\u00f6sung durchaus zur Versorgungssicherheit in der Schweiz beitragen kann. \u00dcbergangstechnologien wie Gaskraftwerke d\u00fcrften der Schweiz kaum g\u00fcnstigere Strompreise bescheren als der internationale Handel. L\u00e4ngerfristig w\u00e4re es sinnvoll, wenn die Schweiz \u00fcber eigene Grosskraftwerke (insbesondere Kernkraftwerke) mit tiefen Grenzkosten verf\u00fcgt, sodass sie nicht g\u00e4nzlich auf den Import von Grundlast angewiesen ist.&#13;<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderungen des internationalen Kontextes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der zunehmenden Integration der Schweiz im europ\u00e4ischen Elektrizit\u00e4tsmarkt werden neue Tatsachen geschaffen. So werden neu die Leitungskapazit\u00e4ten nach Italien durch Auktionen an den meistbietenden H\u00e4ndler vergeben. Und im Rahmen der bilateralen Verhandlungen wird dar\u00fcber entschieden, ob Schweizer Verbundunternehmen k\u00fcnftig die Grenzkapazit\u00e4ten nach Frankreich exklusiv f\u00fcr sich beanspruchen k\u00f6nnen oder ob auch diese f\u00fcr Auktionen frei gegeben werden m\u00fcssen. Der Wegfall der exklusiven Nutzung der Grenzkapazit\u00e4ten verringert das Potenzial der (Zwischen-)Handelsgesch\u00e4fte f\u00fcr die Schweizer Stromversorger: Neu k\u00f6nnten deutsche Produzenten auch ohne Zwischenh\u00e4ndler Strom nach Italien exportieren. Die Rolle der Schweiz als europ\u00e4ische Drehscheibe f\u00fcr den Stromhandel k\u00f6nnte sich aber auch aus anderen Gr\u00fcnden ver\u00e4ndern, so etwa durch den vermehrten Ausbau der \u00dcbertragungskapazit\u00e4ten zwischen Italien und dessen anderen Nachbarl\u00e4ndern oder durch den forcierten Zubau eigener Kraftwerkskapazit\u00e4ten in Italien. Die Schweiz k\u00f6nnte damit ihre Rolle als zentrales Transitland zunehmend verlieren. Damit sinkt zwar das Ertragspotenzial des Zwischenhandels. Doch aufgrund reduzierter Engp\u00e4sse im Norden k\u00f6nnten Importe f\u00fcr den Inlandverbrauch g\u00fcnstiger werden.\u00a0Neue Tatsachen werden in Europa auch durch physische Marktverbindungen (Interkonnektoren) geschaffen, welche bislang getrennte M\u00e4rkte miteinander verbinden. Hierzu geh\u00f6rt beispielsweise die 580 km lange Seekabel-Verbindung zwischen den Niederlanden und Norwegen. Mit der fortschreitenden physischen Verbindung wachsen die M\u00e4rkte auch \u00f6konomisch zusammen (\u00abMarket Coupling\u00bb). Damit gehen optimierte Methoden der Engpassbewirtschaftung einher, die einen vereinfachten und integrierten Handel von Strom und \u00dcbertragungskapazit\u00e4t erlauben. Die Schweiz wird sich mittelfristig dar\u00fcber Gedanken machen m\u00fcssen, wie sie an dieser Entwicklung teilnimmt und welche Konsequenzen dies f\u00fcr die Planung neuer Grosskraftwerke oder auch f\u00fcr den Aus-bau von \u00dcbertragungskapazit\u00e4ten hat. Die Schweiz ist l\u00e4ngst keine Strominsel mehr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abGrosshandelspreise f\u00fcr Grundlast, Januar-Oktober 2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abPreise f\u00fcr Grenzkapazit\u00e4ten Deutschland-Schweiz, 2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur &#8211; BFE, Schweizerische Elektrizit\u00e4tsstatistik 2006, Bundesamt f\u00fcr Energie, Bern 2007.- BFE, Schweizerische Elektrizit\u00e4tsstatistik 2005, Bundesamt f\u00fcr Energie, Bern 2006.- Deutsche Monopolkommission, Strom und Gas 2007: Wettbewerbsdefizite und z\u00f6gerliche Regulierung; S. 103.- IfnE: Ermittlung des Stromgrosshandelspreises im Schweizer Strommarkt, Ingenieurb\u00fcro f\u00fcr neue Energien, im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Energie, Teltow, 2007.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist keine Strominsel. 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