{"id":123661,"date":"2007-11-01T12:00:00","date_gmt":"2007-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/11\/cadot-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:04","slug":"cadot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/11\/cadot\/","title":{"rendered":"Handel mit Textilien und Bekleidung im Mittelmeerraum: Verbesserung der Pr\u00e4ferenzen"},"content":{"rendered":"<p>Die Produktion im Textil- und Bekleidungssektor beruht auf der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Organisation von Versorgungsketten, bei der f\u00fcr jeden Verarbeitungsschritt die komparativen Vorteile des jeweiligen Standorts genutzt werden. Nach der Aufhebung der Quoten und der damit verbundenen St\u00e4rkung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der asiatischen L\u00e4nder droht der bereits geschw\u00e4chte Handel der Schweiz mit den L\u00e4ndern der Euro-Med-Zone noch st\u00e4rker marginalisiert zu werden. Um diesen neu zu beleben und die Bildung von Zulieferernetzen zu f\u00f6rdern, sind abgeschw\u00e4chte und einfachere Ursprungsregeln notwendig.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200711_08_Cadot_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"244\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Bedeutung regionaler Handelsstrategien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Zusammenhang mit der Vermehrung von bilateralen und regionalen Abkommen durch die Europ\u00e4ische Union (EU) wurde oft auf die Tendenz hingewiesen, dass sich die EU ein sternf\u00f6rmiges Netz f\u00fcr ihren Handelsverkehr aufbaut, in dessen Zentrum sie selber steht. Der geografische Standort der Partnerl\u00e4nder, zu denen sowohl die Schweiz als auch die Staaten der Euro-Med-Zone geh\u00f6ren, schr\u00e4nkt zwar deren M\u00f6glichkeiten, untereinander Handel zu treiben, nicht a priori ein. Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnten sich aber ergeben, wenn sie ihre Liberalisierungspolitiken nicht entschlossen fortsetzen. Da die Europ\u00e4ische Freihandelsassoziation (Efta) erst nach der EU Handelsabkommen mit Marokko und Tunesien unterzeichnet hat, k\u00f6nnte die Position der Schweizer Unternehmen auf diesen M\u00e4rkten geschw\u00e4cht werden. \u00a0Besteht zwischen der Schweiz sowie Marokko und Tunesien ein \u00abHandelsmanko\u00bb? Dies ist eine in mehrfacher Hinsicht wichtige Frage. Zun\u00e4chst ist die zunehmende Bedeutung der regionalen und bilateralen Strategien aufgrund der stockenden Verhandlungen \u00fcber Handelsfragen auf multilateraler Ebene zu nennen. \u00c4hnliche Ausgleichsbewegungen waren schon in der Vergangenheit zu beobachten. Durch die Bildung von Bl\u00f6cken mit intensiven Handelsbeziehungen innerhalb der Pr\u00e4ferenzzone erh\u00f6ht sich der Wettbewerbsdruck auf jene L\u00e4nder, die sich ausserhalb oder &#8211; wie die Schweiz &#8211; am Rand der Zone befinden. Schweizer Unternehmen haben gegen\u00fcber ihren Konkurrenten aus der EU, die von Pr\u00e4ferenzz\u00f6llen sowie von reglementarischen und weiteren Vorteilen profitieren k\u00f6nnen, mit verschiedenen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen, m\u00f6glicherweise als Folge einer zu wenig aggressiven Handelsstrategie.\u00a0Pr\u00e4ferenzielle Handelsbeziehungen gehen meist mit Ursprungsregeln einher. Deren Zweck besteht darin, zu verhindern, dass nicht beg\u00fcnstigte Produzenten, die lediglich oberfl\u00e4chliche Produktionsschritte innerhalb der Zone durchf\u00fchren, von den Pr\u00e4ferenzen profitieren k\u00f6nnen. Ungl\u00fccklicherweise beeinflussen diverse Interessengruppen die Ausarbeitung der Ursprungsregeln &#8211; insbesondere die Anbieter von Zwischenprodukten am Beginn der Produktionsketten, f\u00fcr die solche Regeln gesch\u00fctzte M\u00e4rkte generieren k\u00f6nnen. Eine effiziente Ausgestaltung der Handelspr\u00e4ferenzen beinhaltet deshalb nicht nur die Tarife, sondern auch die Ursprungsregeln.&#13;<\/p>\n<h2>Aufschwung des vertikalen Handels<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVertikaler Handel bezeichnet die Ausfuhr von mit kapital- und technologieintensiven Verfahren hergestellten Halbfabrikaten durch die Industriel\u00e4nder und die Wiederausfuhr von arbeitsintensiven Fertigprodukten durch die Entwicklungsl\u00e4nder. Durch die Entwicklung des vertikalen Handels bei den beteiligten Partnern werden Werte und Arbeitspl\u00e4tze geschaffen. F\u00fcr die Schweizer Unternehmen ist dies von Bedeutung, da sie nach der Aufhebung der Quoten im Abkommen \u00fcber Textilien und Bekleidung vom 1.Januar 2005 (ATC) mit einem immer schwierigeren Wettbewerbsumfeld konfrontiert sind. Noch mehr haben die Partnerl\u00e4nder der Euro-Med-Zone, deren Textil- und Bekleidungssektor eine noch wichtigere wirtschaftliche und soziale Funktion einnimmt, mit einem Abbau ihrer Pr\u00e4ferenzvorteile, einem schwachen Wachstum sowie zahlreichen sozialen und politischen Spannungen zu k\u00e4mpfen.&#13;<\/p>\n<h2>Gefahr einer Marginalisierung&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Bericht der Weltbank Vgl. Weltbank (2006): Morocco, Tunisia, Egypt and Jordan after the End of the Multi-Fiber Agreement Impact, Challenges and Prospects, Report Nr. 35376 MNA. wurde auf die Schwierigkeiten des Textil- und Bekleidungssektors in Marokko und Tunesien hingewiesen. Marokko ist im unteren Qualit\u00e4tssegment positioniert und steht somit in direkter Konkurrenz zu asiatischen L\u00e4ndern wie Bangladesch, China und Pakistan, die f\u00fcr den globalen Wettbewerb besser ger\u00fcstet sind. In Tunesien sind die Kosten im Verh\u00e4ltnis zur gelieferten Qualit\u00e4t sehr hoch. In beiden F\u00e4llen haben ein R\u00fcckstand bei den Handelsreformen, die Einf\u00fchrung von kontraproduktiven Sozialgesetzgebungen in den betreffenden L\u00e4ndern sowie die einschr\u00e4nkenden Ursprungsregeln des Paneuro-Systems erhebliche Erschwernisse f\u00fcr diesen Sektor zur Folge, der nun um sein \u00dcberleben k\u00e4mpft.\u00a0Dank ihrer seit langem bestehenden globalen Ausrichtung sind die Schweizer Unternehmen zwar besser f\u00fcr den globalen Wettbewerb ger\u00fcstet. Doch auch sie m\u00fcssen mit den Schwierigkeiten und den allgemeinen \u00dcberkapazit\u00e4ten in der Branche fertig werden. Sie sind daher besonders anf\u00e4llig f\u00fcr den Verlust von Marktanteilen, die aus diskriminierenden Handelsvereinbarungen resultieren k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;und einer Verlagerung von Handelsstr\u00f6men<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei den Pr\u00e4ferenzabkommen, die Marokko und Tunesien mit verschiedenen Partnern geschlossen haben, besteht aus verschiedenen Gr\u00fcnden ein grosses Potenzial f\u00fcr die Verlagerung von Handelsstr\u00f6men: \u00a0&#8211; Erstens haben diese L\u00e4nder beim Abbau von Handelsschranken im Bereich des nicht bevorzugten Handels nur beschr\u00e4nkte Fortschritte gemacht. \u00a0&#8211; Zweitens befindet sich der Textil- und Bekleidungssektor auf beiden Seiten des Mittelmeers gegen\u00fcber den asiatischen Produzenten, die von \u00dcberkapazit\u00e4ten und sehr billigen Arbeitskr\u00e4ften profitieren, in einer ung\u00fcnstigen Wettbewerbsposition. \u00a0&#8211; Schliesslich &#8211; dies ist der wichtigste Punkt f\u00fcr die vorliegende Untersuchung &#8211; besteht auf Grund des R\u00fcckstands bei der Unterzeichnung der Abkommen ein Potenzial f\u00fcr eine sekund\u00e4re Verlagerung des Handels von den Eftazu den EU-Staaten.&#13;<\/p>\n<h2>Trotzdem nur beschr\u00e4nkte Auswirkungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Schweiz ist das Verlagerungsrisiko eher klein, da nur ein sehr geringes Handelsvolumen betroffen ist. Nach Marokko exportiert die Schweiz j\u00e4hrlich Textilien im Wert von knapp 5 Mio. US-$ und Bekleidung im Wert von 100000 US-$. Vgl. Cadot Olivier, Grigoriou Christopher, Tumurchudur Bolormaa, Pr\u00e9f\u00e9rences et r\u00e8gles d&#8217;origine dans le textile-habillement: la Suisse et la zone Euro-Med, Uni Lausanne, Institut d&#8217;\u00e9conomie appliqu\u00e9e, 2007. Im Fall von Tunesien sind die Schweizer Exporte r\u00fcckl\u00e4ufig und entsprechen einem Wert von weniger als 5 Mio. US-$ pro Jahr. Die Ausfuhr von Bekleidung stieg in den Jahren 2000 bis 2005 sehr rasch an, allerdings bei einem Ausgangswert von praktisch Null. Der Wert der Exporte belief sich im Jahr 2005 nur auf gut 7 US-$. Ber\u00fccksichtigt man ausserdem den Umstand, dass der Zollabbau \u00fcber einen Zeitraum von zehn Jahren und nur in sehr kleinen Schritten erfolgt, sind die Abweichungen zwischen den Abkommen der EU und der Efta mit Marokko und Tunesien de facto nur marginal.\u00a0Das geringe Ausmass der potenziellen Auswirkungen wird durch Simulationen mit partiellen Gleichgewichtsmodellen best\u00e4tigt. In diesem &#8211; auf dem Smart-Modell der Weltbank beruhenden &#8211; Verfahren werden die M\u00e4rkte einzeln betrachtet. Das beobachtete Ausmass der Effekte der Generierung und Verlagerung von Handelsstr\u00f6men ist in absoluten Zahlen ausgedr\u00fcckt auf Grund des geringen Volumens der anf\u00e4nglichen Handelsstr\u00f6me minim. Prozentual gesehen ergeben sich zumindest f\u00fcr das Kapitel 62 (Konfektion von Bekleidung und Bekleidungszubeh\u00f6r) jedoch betr\u00e4chtliche Effekte.\u00a0Diese Ergebnisse werden durch eine statistische Analyse auf Basis einer Gravitationsgleichung untermauert, die speziell den restriktiven Effekt der Quoten im Betrachtungszeitraum hervorhebt. Dagegen scheint das unterschiedliche Niveau der Pr\u00e4ferenzen zwischen der Efta und der EU bez\u00fcglich der Euro-Med-Zone keinen signifikanten Einfluss auf die schweizerischen Exporte gehabt zu haben. Die Ergebnisse sind indes mit Vorsicht zu interpretieren, da die Datenreihen zum Welthandel nur bis zum Jahr 2005 gehen. Die Sch\u00e4tzung einer Gravitationsgleichung ben\u00f6tigt Statistiken zum Welthandel, welche nur auf der Datenbank Comtrade der Unctad verf\u00fcgbar sind. Damit werden die Auswirkungen der Pr\u00e4ferenzz\u00f6lle von jenen der erst im Dezember 2004 aufgehobenen ATC-Quoten \u00fcberdeckt.&#13;<\/p>\n<h2>Das Labyrinth der Ursprungsregeln<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie verbindlichen Ursprungsregeln scheinen die Exporte aus der Euro-Med-Zone in die Schweiz zu beeintr\u00e4chtigen. Die Ursprungsregeln der Schweiz sind weit gehend identisch mit denjenigen der EU. Sie legen fest, f\u00fcr welche G\u00fcter eine Pr\u00e4ferenzbehandlung (d.h. Zollreduktion) in Anspruch genommen werden kann. Die Ursprungsregeln bestehen aus den Listenregeln und den Systemregeln, von denen die Kumulation die wichtigste ist.\u00a0F\u00fcr den Textil- und Bekleidungssektor &#8211; wie auch f\u00fcr die anderen verarbeitenden Gewerbe &#8211; sind drei Arten von Listenregeln zu unterscheiden:\u00a0&#8211; Regeln, wonach das exportierte Produkt in eine andere Zolltarifposition fallen muss die importierten Vormaterialien, die das Produkt enth\u00e4lt;\u00a0&#8211; Regeln, die einen prozentualen H\u00f6chstwert f\u00fcr den ausl\u00e4ndischen Anteil an einem Produkt festlegen;\u00a0&#8211; Regeln im Sinne eines technischen Kriteriums, das der Herstellungsprozess im betreffenden Land erf\u00fcllen muss. \u00a0\u00a0Die Listenregeln der Schweiz werden ausgehend von jenen des Paneuro-Systems der EU festgelegt. Insbesondere im Zusammenhang mit der Vernehmlassung zum Gr\u00fcnbuch 2003 wurden diese Regeln wegen ihrer Komplexit\u00e4t und ihres zwingenden Charakters von vielen Beteiligten kritisiert.\u00a0Mit der Kumulation k\u00f6nnen die restriktiven Effekte der Listenregeln abgeschw\u00e4cht werden, indem die aus anderen L\u00e4ndern einer Handelszone importierten Vormaterialien gleich behandelt werden, wie wenn sie lokal produziert worden w\u00e4ren. Die flexibelste Form ist die integrale Kumulation, die es erlaubt, zur Berechnung der lokalen Wertsch\u00f6pfung den Wertsch\u00f6pfungsanteil der importierten Vormaterialien beizuziehen, wenn diese aus einem Abkommensland stammen &#8211; dies selbst bei G\u00fctern, deren dortiger Transformationsgrad eigentlich nicht den Anforderungen der Listenregeln entspricht. Diese Form der Kumulation wird jedoch nur selten angewandt. Die Schweiz bevorzugt im Allgemeinen die diagonale Kumulation, bei der verlangt wird, dass es sich bei den Vormaterialien um \u00abUrsprungserzeugnisse\u00bb handelt. Im Textil- und Bekleidungssektor mit seiner starken Fragmentierung der Produktion w\u00e4re eine flexiblere Ausgestaltung des Kumulationssystems wichtig. Voraussetzung f\u00fcr eine Entwicklung in diese Richtung w\u00e4ren jedoch sektorbezogene Fallstudien zur Absch\u00e4tzung der Auswirkungen auf die Branche.&#13;<\/p>\n<h2>Ein hemmender Effekt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine detaillierte statistische Studie auf der Ebene SH6 (potenziell &lt;5000 Produkte umfassend) kam zum Schluss, dass die schweizerischen Pr\u00e4ferenzz\u00f6lle die Exporte aus Marokko und Tunesien in die Schweiz f\u00f6rdern; andererseits werden sie durch die bestehenden Ursprungsregeln in statistisch signifikanter Weise behindert. Da die Ursprungsregeln der Schweiz und der EU praktisch identisch sind, erfolgt die Verlagerung der Exporte in Richtung aussereurop\u00e4ische M\u00e4rkte.\u00a0Dieser Verlagerungseffekt kann sich negativ auf Schweizer Unternehmen auswirken, die mit den L\u00e4ndern der Euro-Med-Zone Zuliefernetzwerke aufbauen m\u00f6chten, deren geografische N\u00e4he eine gewisse Flexibilit\u00e4t bei der Organisation der Produktionsketten erm\u00f6glicht. Der Textil- und Bekleidungssektor weist eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Organisation der Produktionsketten auf, bei der die komparativen Vorteile des jeweiligen Standorts f\u00fcr jeden Verarbeitungsschritt genutzt werden. Nach der Aufhebung der Quoten des Welttextilabkommens und anschliessend des ATC h\u00e4ngt das \u00dcberleben der Branche sowohl im n\u00f6rdlichen als auch im s\u00fcdlichen Mittelmeerraum von der Realisierung solcher effizienter Produktionsketten ab. Gem\u00e4ss unseren empirischen Sch\u00e4tzungen wirken die Ursprungsregeln in die entgegengesetzte Richtung, da sie mit Einschr\u00e4nkungen im Bereich der Versorgungsquellen und der optimalen Standortwahl f\u00fcr die verschiedenen Aktivit\u00e4ten verbunden sind.\u00a0Die Ergebnisse legen nahe, dass die f\u00fcr die EU festgestellte hemmende Wirkung der Ursprungsregeln auch f\u00fcr die Schweiz gilt. Eine Politik zur F\u00f6rderung von Zuliefersystemen in der Textilbranche innerhalb der Euro-Med-Zone muss daher sowohl f\u00fcr die Schweiz als auch f\u00fcr die EU \u00fcber eine Vereinfachung und Flexibilisierung der Listenregeln erfolgen.&#13;<\/p>\n<h2>Ein Reformansatz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin nahe liegender Ansatz f\u00fcr die Reform der Listenregeln w\u00e4re das von der Kommission beantragte Instrument einer Plafonierung des ausl\u00e4ndischen Anteils an Produkten. Der betreffende H\u00f6chstwert k\u00f6nnte individuell pro Produkt festgelegt werden, sodass die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Exporteure im Vergleich mit dem gegenw\u00e4rtigen System neutral w\u00e4ren. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re die Plafonierung auf einheitlicher Grundlage, womit die Verst\u00e4ndlichkeit und Transparenz des Systems verbessert w\u00fcrde. Eine gr\u00f6ssere Transparenz bei den Listenregeln w\u00fcrde zudem die M\u00f6glichkeiten einer Vereinnahmung durch private Interessen einschr\u00e4nken. Die Grundfrage ist allerdings: Bei welcher Quote soll dieser H\u00f6chstwert des ausl\u00e4ndischen Anteils zu liegen kommen? Nach Auffassung der Kommission w\u00e4re ein ausl\u00e4ndischer Anteil von 40% im Vergleich mit dem derzeitigen System \u00abneutral\u00bb. Sie beantragt eine Erh\u00f6hung auf 70%; der lokale Anteil m\u00fcsste also noch mindestens 30% ausmachen.\u00a0Im Vergleich mit dem jetzigen System w\u00e4re eine solche Reform ein klarer Fortschritt. Die Schweiz k\u00f6nnte die Neuerungen einf\u00fchren, ohne dass unbedingt abgewartet werden m\u00fcsste, bis alle Widerst\u00e4nde der EU-Mitgliedstaaten \u00fcberwunden sind. Damit k\u00f6nnte unser Land die Initiative in einem insbesondere f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder wichtigen Bereich ergreifen. Denn das gegenw\u00e4rtige System ist f\u00fcr diese L\u00e4nder mit so vielen Nachteilen verbunden, dass es mit den entwicklungspolitischen Zielen schwerlich zu vereinbaren ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Produktion im Textil- und Bekleidungssektor beruht auf der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Organisation von Versorgungsketten, bei der f\u00fcr jeden Verarbeitungsschritt die komparativen Vorteile des jeweiligen Standorts genutzt werden. 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