{"id":123671,"date":"2007-11-01T12:00:00","date_gmt":"2007-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/11\/heydon-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:00","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:00","slug":"heydon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/11\/heydon\/","title":{"rendered":"Entwicklung der Freihandelsabkommen: Strategien, Inhalte und Vergleich"},"content":{"rendered":"<p>Im Zentrum dieses Beitrags stehen die neuesten Entwicklungen im Bereich der Freihandelsabkommen der wichtigsten Wirtschaftspartner der Schweiz: der USA, der Europ\u00e4ischen Union (EU), Japans und Singapurs sowie der Europ\u00e4ischen Freihandelsassoziation (Efta), der die Schweiz selber angeh\u00f6rt. Es wird beurteilt, in welchem Umfang es mit diesen Abkommen gelungen ist, den Marktzutritt und die Reglementierung des Handels zu verbessern. Die Analyse nimmt Bezug auf eine breite Palette von Abkommensbestimmungen \u00fcber die Frage der Z\u00f6lle hinaus. Betrachtet werden auch Ursprungsregeln, die Bestimmungen \u00fcber sanit\u00e4re und phytosanit\u00e4re Massnahmen, \u00fcber technische Handelshemmnisse sowie Bestimmungen zu Dienstleistungen, Investitionen und Immaterialg\u00fcterrechten.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200711_06_Heydon_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"241\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie in letzter Zeit erfolgte Zunahme von Freihandelsabkommen (FHA) kann ohne \u00dcbertreibung als Abkommensflut bezeichnet werden. Bis im Dezember 2006 waren bei der WTO 367 FHA gemeldet. Von diesen waren nicht weniger als 55 im Zeitraum zwischen Januar 2005 und Dezember 2006 angezeigt worden. Solche Abkommen, die mittler- weile f\u00fcr \u00fcber die H\u00e4lfte des Welthandels massgebend sind, haben sich f\u00fcr viele Staaten zu einem zentralen Baustein ihrer Handels-politik entwickelt. Sie werden zunehmend auf bilateraler Basis ausgehandelt \u2013 in vielen F\u00e4llen zwischen L\u00e4ndern, die sowohl in \u00f6konomischer als auch in geografischer Hinsicht weit auseinander liegen.&#13;<\/p>\n<h2>Freihandelsabkommen als Ausdruck strategischer Zielsetzungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei allen Staaten und in gleicher Weise bei den f\u00fcnf Handelsr\u00e4umen, die im Fokus der vorliegenden Untersuchung stehen, spiegeln sich in den FHA bestimmte strategische Zielsetzungen, die von den betreffenden L\u00e4ndern verfolgt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#8211; USA: Bei den Abkommen mit Peru und Kolumbien geht es \u2013 zumindest zu einem gewissen Teil \u2013 um die Aus\u00fcbung des US-amerikanischen Einflusses im n\u00e4heren Umfeld der USA. Das k\u00fcrzlich abgeschlossene Abkommen mit Korea (Korus) pr\u00e4sentierte Pr\u00e4sident Bush dem Kongress als weitere St\u00e4rkung der Partnerschaft zwischen den USA und Korea, die als Triebfeder f\u00fcr Stabilit\u00e4t und Wohlstand in Asien diene. Das Korus-Abkommen kann auch als Konsolidierung der US-amerikanischen Pr\u00e4senz in der betreffenden Region gesehen werden angesichts der Zunahme des Einflusses von China und der Zielsetzung, einen ostasiatischen Freihandelsraum \u2013 Asean Association of Southeast Asian Nations. plus 3 (China, Japan und Korea) \u2013 zu schaffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#8211; EU: Die Zielsetzungen der EU unterscheiden sich je nachdem, welche strategischen Ziele sie mit einem Handelspartner verfolgt. Von Staaten im n\u00e4heren Umfeld und von Beitrittskandidaten wird erwartet, dass sie ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichnen. Bei den FHA mit EuroMed- Partnern geht es um Stabilit\u00e4t in einer politisch unbest\u00e4ndigen Region vor den Toren der EU. Diesen Staaten wird Freihandel im Bereich der industriell hergestellten Produkte angeboten. Von den Abkommen ausgenommen sind hingegen sensitive Agrarprodukte. Abkommen mit Staaten in Afrika, der Karibik und der Pazifikregion (APK-Staaten) orientieren sich an bestimmten Entwicklungszielen. Voraussetzung daf\u00fcr ist Flexibilit\u00e4t, damit die Abkommen an die Bed\u00fcrfnisse der betreffenden L\u00e4nder angepasst werden k\u00f6nnen. Den vor kurzem abgeschlossenen Abkommen mit asiatischen Partnern \u2013 wie Korea, Asean und Indien \u2013 liegt das Bestreben zugrunde, die Pr\u00e4senz der EU in dieser Region auszubauen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#8211; Efta: Die Politik der Efta in Sachen Pr\u00e4ferenzabkommen entspricht in mehrfacher Hinsicht der Politik der EU. Da der politische Einfluss der Efta jedoch geringer ist als jener der EU, ist ihr Ansatz nicht prim\u00e4r darauf ausgerichtet, den strategischen Zielen der EU-Abkommen nachzueifern. Es geht der Efta vielmehr darum, gleichwertige Bestimmungen in ihre Abkommen zu \u00fcbernehmen. W\u00e4hrend der Entwicklungsphase der Freihandelspolitik der Efta wurden die Abkommen nach 1991 mit mittel- und osteurop\u00e4ischen Staaten und nach 1995 die EuroMed-Abkommen so ausgestaltet, dass die Interessen der Efta durch die EU-Abkommen nicht unterlaufen wurden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#8211; Japan: Die Ziele Japans gehen in entgegengesetzte Richtungen: Zum einen wird eine vertiefte asiatische Integration angestrebt, vor dem Hintergrund der regionalen Verletzbarkeit, die sich w\u00e4hrend der Asienkrise von 1997 bis 1998 zeigte. Zum anderen geht es um eine Ausweitung der formellen Bindungen \u00fcber Ostasien hinaus, um weitergehende wirtschaftliche, aussenpolitische und strategische Interessen verfolgen zu k\u00f6nnen. Die zweite Zielsetzung bildet m\u00f6glicherweise die st\u00e4rkere Absicht und zeigt sich an Japans Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Schaffung einer Freihandelszone im asiatisch- pazifischen Raum. Dies entspricht einem Vorschlag der USA und h\u00e4tte zur Folge, dass die Apec Asian Pacific Economic Cooperation. in eine pr\u00e4ferenzielle Handelsvereinbarung umgewandelt w\u00fcrde. Damit k\u00f6nnten bedeutende Rohstofflieferanten einbezogen und gleichzeitig der Einfluss von China eingeschr\u00e4nkt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#8211; Singapur: Das Land hat wie Japan seine Lehren aus der Asienkrise gezogen, verf\u00fcgt jedoch nicht \u00fcber den gleichen politischen und strategischen Einfluss. Vor diesem Hintergrund verfolgt Singapur im Rahmen seiner FHA-Strategie bewusst ein einziges vorrangiges Ziel: Seine Rolle als Drehscheibe f\u00fcr Investitionen und Handel in Asien auszubauen.&#13;<\/p>\n<h2>Streben nach besserem Marktzutritt und strengeren Handelsregeln<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAbgesehen von diesen unterschiedlich gelagerten strategischen Zielen der verschiedenen Wirtschaftsr\u00e4ume unserer Untersuchung wird ein Ziel von allen Staaten verfolgt: Mit den FHA sollen der Marktzutritt erleichtert und die Handelsregeln gest\u00e4rkt werden. Diese Zielsetzung hat mehrere Motive:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Unzufriedenheit mit den Fortschritten in der multilateralen Doha-Entwicklungsagenda der WTO;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Vertiefung der Integration unter Einbezug von Bereichen wie Investitionen und Wettbewerb, die von der Doha-Runde ausgeschlossen sind;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Vermeidung von unfairem Wettbewerb im Zusammenhang mit mangelhaften Arbeits- und Umweltstandards;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 F\u00f6rderung von innerstaatlichen Reformen;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Sorge, \u00ablinks liegen gelassen zu werden\u00bb, wenn andere Staaten mit Pr\u00e4ferenzabkommen vorangehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZusammengenommen haben diese marktorientierten Ziele zur heutigen Komplexit\u00e4t und geografischen Vielfalt des Netzwerks von FHA \u00fcber den urspr\u00fcnglich weit gehend regionalen Raum hinaus beigetragen. Wie erfolgreich waren die betrachteten f\u00fcnf Wirtschaftsr\u00e4ume in ihren Bestrebungen?&#13;<\/p>\n<h2>USA<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Realisierung ihrer \u00abGold-Standard-FHA\u00bb gehen die USA in mehrfacher Hinsicht weiter als die WTO. In der zentralen Frage der Z\u00f6lle wurden auf Seiten der USA beinahe 100% der Z\u00f6lle \u2013 zumindest in Bezug auf die Industrieprodukte \u2013 aufgehoben. Dies ist von grosser Bedeutung, da die Wohlstandsgewinne f\u00fcr die Abkommensstaaten umso h\u00f6her ausfallen, je mehr Produkte von den FHA abgedeckt werden. Im Bereich der Dienstleistungen \u00fcbernahmen die USA eine Vorreiterrolle beim Verbot von Anforderungen bez\u00fcglich lokaler Pr\u00e4senz, setzten sich konsequent f\u00fcr eine gr\u00f6ssere Transparenz durch Negativlisten ein und gingen bei der Festlegung von Vorschriften in kritischen Bereichen \u2013 wie den Finanzdienstleistungen und der Telekommunikation \u2013 weiter als das Gats General Agreement on Trade in Services. Dienstleistungsabkommen der WTO. Sie konnten die umfassenden Investitionsbestimmungen des Nafta North American Free Trade Agreement. in praktisch alle ihre Abkommen integrieren. Die USA waren auch eine treibende Kraft hinter der Aufnahme von Trips Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights. \u00dcbereinkommen der WTO \u00fcber handelsbezogene Aspekte der Rechte am Geistigen Eigentum.-plus-Bestimmungen in FHA, mit denen ein weitergehender Schutz f\u00fcr Urheberrechte und Warenzeichen eingef\u00fchrt wurde. Im Bereich des \u00f6ffentlichen Beschaffungswesens benutzten die USA die FHA, um die Zahl ihrer Handelspartner zu erh\u00f6hen, welche die Bestimmungen des plurilateralen \u00dcbereinkommens \u00fcber das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen (GPA) tats\u00e4chlich befolgen. Bei den handelsrechtlichen Instrumenten schliesslich werden in den FHA, an denen die USA beteiligt sind, konsequent zeitliche Beschr\u00e4nkungen festgelegt, die knapper bemessen sind als die entsprechenden Bestimmungen der WTO.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotz dieser soliden Leistung stellt sich die Frage, ob wirklich von einem \u00abGold-Standard&nbsp;\u00bb gesprochen werden kann. Ein typisches Merkmal des US-amerikanischen Ansatzes ist die Einheitlichkeit der Bestimmungen in den verschiedenen FHA, unabh\u00e4ngig vom Entwicklungsstand des jeweiligen Partners. Der Anwendungsbereich \u2013 insbesondere im Bereich Landwirtschaft \u2013 f\u00e4llt in den FHA mit Australien und Korea etwas zur\u00fcck. Etwas an Glanz b\u00fcsst der Standard auch durch die Verwendung der komplexen Nafta-Ursprungsregeln ein, selbst wenn die Abdeckung umfassend ist. Im Bereich der Dienstleistungen werden Sektoren, die auch in multilateraler Hinsicht schwierig zu regeln sind \u2013 wie beispielsweise der Luftverkehr oder staatliche Dienstleistungen \u2013 tendenziell ausgeschlossen. Im \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen liegt die Abdeckung von US-amerikanischen Beschaffungsstellen teilweise deutlich unter der jeweiligen Abdeckung der Partner. In Bereichen von untergeordneter politischer Priorit\u00e4t \u2013 wie den technischen Handelshemmnissen und den sanit\u00e4ren und phytosanit\u00e4ren Massnahmen \u2013 begn\u00fcgen sich die USA mit den bestehenden WTO-Bestimmungen. In einigen Sektoren versuchen die USA, die Erosion von Arbeits- und Umweltstandards zu bremsen und letzten Endes Strafen f\u00fcr die Nichteinhaltung von international vereinbarten Normen zu verh\u00e4ngen. Die entsprechenden Bestimmungen gehen zwar ohne Zweifel \u00fcber die Vorschriften der WTO hinaus, sind jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig \u00abbesser\u00bb und beinhalten \u00fcberdies das Risiko, eine protektionistische Wirkung zu entfalten.&#13;<\/p>\n<h2>EU<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Gegensatz zu den USA ist der Ansatz der EU im Bereich der FHA durch Flexibilit\u00e4t gekennzeichnet. Hinsichtlich der Liberalisierung wurden indes bislang nur verh\u00e4ltnism\u00e4ssig bescheidene Resultate erzielt. Dies zeigt sich an der Abdeckung von Z\u00f6llen \u2013 Agrarz\u00f6lle sind in den FHA der EU \u00fcberdurchschnittlich oft ausgeschlossen. Im Bereich der Dienstleistungen verfolgt die EU einen Ansatz mit einer Positivliste. Damit r\u00e4umt sie sowohl sich selbst als auch ihren Handelspartnern eine gr\u00f6ssere Flexibilit\u00e4t beim Ausschluss von sensitiven Sektoren ein. Die innergemeinschaftlichen Erfahrungen der EU mit nicht tarif\u00e4ren Hemmnissen und die Notwendigkeit von umfassenden Bestimmungen im Bereich der sanit\u00e4ren und phytosanit\u00e4ren Massnahmen sowie der technischen Handelshemmnisse haben zur Folge, dass die EU den Anstrengungen in diesem Sektor (einschliesslich der F\u00f6rderung von vereinbarten internationalen Standards) eine gr\u00f6ssere Bedeutung beimisst als die USA. Auch in diesem Bereich agiert die EU flexibler. Die EU bef\u00fcrwortet Vorschriften, die weniger weit gehen als die Bestimmungen im WTO-Abkommen \u00fcber sanit\u00e4re und phytosanit\u00e4re Massnahmen (SPS), da sie eine Auslegung der Schutzmassnahmen realisieren will, die auch eine gesellschaftspolitische und nicht nur eine wissenschaftlich begr\u00fcndete Risikobeurteilung erm\u00f6glicht. Der Wettbewerb und das \u00f6ffentliche Beschaffungswesen haben Eingang in die FHA der EU gefunden. Die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Mindestplattform f\u00fcr Investitionsbestimmungen in den FHA der EU gehen indessen deutlich weniger weit als die umfassenden Bestimmungen der USA zum Bereich der Investitionen. Die Zust\u00e4ndigkeitsbestimmungen \u00fcberlassen es den Mitgliedstaaten, bilaterale Investitionsschutzabkommen (BIT) auszuhandeln. Die Flexibilit\u00e4t erh\u00f6ht den Spielraum f\u00fcr asymmetrische Bestimmungen zugunsten der Entwicklungsl\u00e4nder. In bestimmten F\u00e4llen profitiert jedoch die EU selbst von asymmetrischen Bestimmungen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Art der Aufhebung von Agrarz\u00f6llen im Abkommen zwischen der EU und Chile.&#13;<\/p>\n<h2>Efta<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie oben erl\u00e4utert, orientiert sich der Ansatz der Efta an den Bestimmungen der FHA der EU. Zusammen mit der EU (und Japan) nimmt die Efta im Bereich der Landwirtschaft weiterhin eine defensive Haltung ein. Im Umgang mit den sanit\u00e4ren und phytosanit\u00e4ren Massnahmen sowie den technischen Handelshemmnissen deckt sich der Ansatz der Efta praktisch mit demjenigen der EU. Seit kurzem versucht die Efta jedoch, etwas weiter zu gehen als die EU: Im Bereich der FHA setzt sie einen aktiveren Ansatz um, indem sie Abkommen mit Singapur, der Sacu Southern African Customs Union. und Korea abschloss. Sie integrierte auch Investitionsbestimmungen, die zwar weniger ambiti\u00f6s sind als das Nafta-Modell, aber \u00fcber die entsprechenden Bestimmungen in den Abkommen der EU hinausgehen. So wurden beispielsweise die Inl\u00e4nderbehandlung in der Vorinvesti-tionsphase (Niederlassungsrecht) und das Investor-Staat-Streitsbeilegungsverfahren integriert.&#13;<\/p>\n<h2>Japan<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie bei den USA beruhen die FHA von Japan auf der Bef\u00fcrchtung, den Anschluss zu verlieren, auf der Unzufriedenheit mit den Fortschritten in der WTO und auf dem Streben nach einer weitergehenden Integration. Alle diese Faktoren sind im Hinblick auf den Marktzutritt von grosser Bedeutung. Doch wie die EU ging Japan verh\u00e4ltnism\u00e4ssig vorsichtig ans Werk und war daher bei der Implementierung von FHA f\u00fcr die Markt\u00f6ffnung auch weniger erfolgreich als die USA. In den Abkommen mit Singapur und Chile, die beide f\u00fcr diese Untersuchung in allen Einzelheiten gepr\u00fcft wurden, sind \u00fcber die H\u00e4lfte der Agrarerzeugnisse ausgenommen. Auch punkto Industrieprodukte sind die FHA Japans restriktiver als jene der anderen untersuchten Wirtschaftsr\u00e4ume. Ausserdem verfolgt Japan \u2013 im Gegensatz zu den USA und zur EU \u2013 einen heterogenen Ansatz, der nicht mit Flexibilit\u00e4t gleichgesetzt werden kann. Je nach Abkommen operiert Japan mit Positiv- oder Negativlisten, handhabt die eigenen Zollkonzessionen unterschiedlich und wechselt zwischen restriktiven und weniger restriktiven Ursprungsregeln. Da Japan im Bereich der FHA noch wenig Erfahrung hat und erst drei FHA mit Beteiligung Japans in Kraft sind, ist noch kein abschliessendes Urteil m\u00f6glich. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den bisher eher schwachen Ausbau des FHA-Netzwerks Japans werden im Fehlen einer leistungsf\u00e4higen internen Politikkoordination im Bereich der FHA bei gleichzeitig erheblichem Einfluss der Agrarlobby sowie der Arbeitnehmerverb\u00e4nde gesehen.&#13;<\/p>\n<h2>Singapur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSingapur bringt zweifellos einen Gold-Standard in seine FHA ein: keine Z\u00f6lle, einen hohen Liberalisierungsgrad im Bereich der Dienstleistungen, umfassende Investitions-abkommen, Trips-plus-Bestimmungen und einen quasi-europ\u00e4ischen Standard der Bestimmungen zu den technischen Handelshemmnissen, den sanit\u00e4ren und phytosanit\u00e4ren Massnahmen sowie zum \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen. Was es im Gegenzug erh\u00e4lt, kann allerdings keineswegs als Gold-Standard bezeichnet werden. Doch diesen Preis ist Singapur wahrscheinlich bereit zu zahlen, um sein vorrangiges Ziel zu erreichen: den Ausbau seiner Rolle als asiatische Drehscheibe f\u00fcr Investitionen und Handel.&#13;<\/p>\n<h2>Wirkungen auf Handels- und Investitionsstr\u00f6me<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Einklang mit den obigen Erl\u00e4uterungen steht der Umstand, dass die FHA Japans \u2013 im Gegensatz zu jenen der USA und in geringerem Ausmass auch zu jenen der EU \u2013 anscheinend nur geringf\u00fcgige Auswirkungen auf die Handels- und Investitionsstr\u00f6me zwischen den FHA-Parteien hatten. Auch innerhalb der Efta nahm der Handel mit FHA-Partnern insgesamt nicht zu. Allerdings wurde bei jenen Produkten ein starkes Wachstum verzeichnet, die Gegenstand einer massgeblichen FHA- Liberalisierung waren, wie beispielsweise die Exporte von Schweizer Uhren und Pharmazeutika nach Mexiko. Alle FHA beinhalten das Risiko, dass Drittl\u00e4ndern durch die Verlagerung der Handelsstr\u00f6me Nachteile entstehen. Diese Nachteile halten sich in Grenzen, sofern die \u2013 die Refernz bildenden \u2013 ausgehandelten Meistbeg\u00fcnstigungszolls\u00e4tze tief sind. Deshalb sind weitere Fortschritte im Bereich der multilateralen Zollliberalisierung \u2013 parallel zur Zunahme der FHA \u2013 von ausschlaggebender Bedeutung. In den Bereichen einer weitergehenden Integration (\u00d6ffentliches Beschaffungswesen, Dienstleistungen, Investitionen, technische Handelshemmnisse, sanit\u00e4re und phytosanit\u00e4re Massnahmen usw.) sollten die Auswirkungen aller Vorzugsbestimmungen auf Drittstaaten ebenfalls beurteilt werden. Das Element der pr\u00e4ferenziellen Behandlung liegt hier jedoch weniger auf der Hand und ist auch weniger bedeutend.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in der vorliegenden Untersuchung eruierten Trends m\u00fcssen sich erst noch best\u00e4tigen. Insgesamt liegen sie in der Linie der bekannten Mischung von positiven und negativen Aspekten von Pr\u00e4ferenzabkommen (siehe Kasten 1). Unabh\u00e4ngig davon, wie die Antworten auf diese Fragen ausfallen werden, kann davon ausgegangen werden, dass pr\u00e4ferenzielle Abkommen auch in Zukunft einen wesentlichen Teil der Vereinbarungen im Bereich des internationalen Handels ausmachen werden. Dies macht es erforderlich, dass auf multilateraler Ebene auch weiterhin Anstrengungen unternommen werden, um die sich damit bietenden M\u00f6glichkeiten zu nutzen und die Risiken zu begrenzen. Es gilt, die Debatte \u00abMultilateralismus versus Bilateralismus&nbsp;\u00bb zu \u00fcberwinden und Mittel und Wege zu finden, um die Kompatibilit\u00e4t der verschiedenen Ebenen von Verhandlungen \u00fcber Handelsfragen gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Wie werden sich die Freihandelsabkommen weiterentwickeln? Die k\u00fcnftige Entwicklung der FHA orientiert sich an einer Reihe bestehender Trends:- Anhaltender Abbau von Z\u00f6llen auf industriellen Erzeugnissen, jedoch nicht auf Agrarprodukten;- Aufkommen einiger dominanter Modelle im Bereich der Ursprungsregeln &#8211; wie jener der PanEuro-Freihandelszone und der Nafta &#8211; sowie die h\u00f6here Komplexit\u00e4t der Ursprungsregeln parallel zur immer anspruchsvolleren Ausgestaltung der PHA;- Einschr\u00e4nkungen hinsichtlich der Nutzung f\u00fcr nicht vorhergesehene F\u00e4lle unter den Parteien bei gleichzeitiger Vertiefung der Integration;- anhaltender Einbezug von umfassenderen Bestimmungen im Bereich der sanit\u00e4ren und phytosanit\u00e4ren Massnahmen und der technischen Handelshemmnisse. Dabei werden im Allgemeinen verabschiedete WTO-Grunds\u00e4tze \u00fcbernommen, wobei versucht wird, diese effizienter anzuwenden;- weitergehende Anwendung der Bestimmungen des GPA im Rahmen von FHA bei gleichzeitiger Fortsetzung der bilateralen, auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhandlungen \u00fcber die Abdeckung der Beschaffungsstellen;- Zunahme der gemischten Listen f\u00fcr Dienstleistungen, wobei die Positivlisten sensitiven Sektoren vorbehalten sind;- Verlagerung der Behandlung von Investitionsfragen bei bilateralen Investitionsschutzabkommen zu FHA (wobei dies in der EU noch nicht der Fall ist).In einem engen Zusammenhang mit diesen Entwicklungen steht die Art und Weise, wie sich der FHA-Ansatz der betrachteten Wirtschaftsr\u00e4ume entwickeln wird. Einige diesbez\u00fcglich wichtige Fragen sind:- Ist auf Grund grosser strategischer und wirtschaftlicher Interessen gesichert, dass die USA den FHA weiterhin Priorit\u00e4t einr\u00e4umen werden, unabh\u00e4ngig vom Schicksal der \u00abFast-Track\u00bb-Verhandlungskompetenz?- Wird die EU bei ihren FHA weiterhin \u00abFlexibilit\u00e4t\u00bb walten lassen, oder wird sie bei den laufenden Verhandlungen mit Korea, der Asean und Indien eine eher einheitliche und damit h\u00e4rtere Haltung einnehmen?- Wird Japan die innerstaatlichen Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden und in Bezug auf die Aushandlung von k\u00fcnftigen FHA einen eigenen Standard festlegen k\u00f6nnen?- Werden die Koh\u00e4renz und Vollst\u00e4ndigkeit von regionalen Zusammenschl\u00fcssen wie der Efta und der Asean dadurch beeintr\u00e4chtigt, dass ihre Mitgliedstaaten weitere bilaterale Abkommen mit Drittstaaten abschliessen?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum dieses Beitrags stehen die neuesten Entwicklungen im Bereich der Freihandelsabkommen der wichtigsten Wirtschaftspartner der Schweiz: der USA, der Europ\u00e4ischen Union (EU), Japans und Singapurs sowie der Europ\u00e4ischen Freihandelsassoziation (Efta), der die Schweiz selber angeh\u00f6rt. 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