{"id":123676,"date":"2007-11-01T12:00:00","date_gmt":"2007-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/11\/jaeggi-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:15","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:15","slug":"jaeggi-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/11\/jaeggi-7\/","title":{"rendered":"Entdecke das Plus: Was die Euro 2008 volkswirtschaftlich bewirkt"},"content":{"rendered":"<p>Werden aus der \u00f6ffentlichen Hand betr\u00e4chtliche Mittel f\u00fcr ein Projekt bereitgestellt, so liegt es jeweils in der Pflicht von Politik, Verwaltung und Verantwortlichen, zu belegen, dass sich diese Mittelverwendung f\u00fcr den Steuerzahler lohnt. Ob Expo.02, Ski-WM in St. Moritz oder Euro 2008: Im Vorfeld und im Nachhinein werden Unmengen an Studien \u00fcber die Wirkungen von Grossanl\u00e4ssen erstellt &#8211; und schaffen damit Arbeit f\u00fcr \u00d6konomen. Mit dem vorliegenden Artikel leisten auch wir einen bescheidenen Beitrag dazu, indem wir einen \u00dcberblick \u00fcber bestehende Untersuchungen zu den verschiedenen volkswirtschaftlichen Wirkungen vergleichbarer Anl\u00e4sse liefern und diese mit eigenen Gedanken erg\u00e4nzen. Im Nachhinein wird sich dann pr\u00fcfen lassen, inwiefern sich die daraus erarbeiteten Thesen bewahrheiten.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200711_20_Jaeggi_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"240\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWissen Sie, in welchem Land die Euro 2000 stattfand? Aufl\u00f6sung: Die Fussball-Europameisterschaft fand in Belgien und den Niederlanden statt, und zwar in Br\u00fcssel, Br\u00fcgge, L\u00fcttich und Charleroi (Belgien) sowie in Amsterdam, Rotterdam, Eindhoven und Arnheim (Niederlande). Wenn Sie diese Frage nicht auf Anhieb beantworten k\u00f6nnen, geht es Ihnen wie der grossen Mehrheit der Schweizer Bev\u00f6lkerung. Grossveranstaltungen wie eine Fussball-Europameisterschaft bieten sich auf den ersten Blick gerade zu an, um als wirtschaftlicher Impulsgeber betrachtet zu werden. Dies mag nicht zuletzt auch mit dem \u00abWunder von Bern\u00bb zusammenh\u00e4ngen: Da der \u00fcberraschende Weltmeistertitel der deutschen Fussball-Nationalmannschaft im Jahr 1954 zeitlich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit zusammenfiel, wurden seither oftmals solche Zusammenh\u00e4nge impliziert.&#13;<\/p>\n<h2>Was bringt die Euro 2008 f\u00fcr Wachstum und Konjunktur?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeniger als ein Jahr m\u00fcssen wir uns noch gedulden, bis die Fussball-Europameisterschaft in Basel angepfiffen wird. Doch bereits jetzt sorgt der kommende Grossanlass unter \u00d6konomen f\u00fcr ausreichend Gespr\u00e4chsstoff. Wie gross ist der volkswirtschaftliche Nutzen? Liefert die Euro 2008 einen merklichen Konjunkturimpuls? Existieren nachhaltige Branchenoder Imageeffekte? \u00a0Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) betr\u00e4gt mittlerweile \u00fcber 450 Mrd. Franken. Angesichts dieser Zahl kann vorweggenommen werden: Der Effekt eines Grossanlasses wie der Euro 2008 ist &#8211; im volkswirtschaftlichen Massstab gemessen &#8211; zu klein, um ihn von anderen makro\u00f6konomischen Vorg\u00e4ngen zu unterscheiden. In Analogie kommt eine Studie Vgl. Brenke Karl und Wagner Gert G. (2007): Zum wirtschaftlichen Wert der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Deutsches Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung Berlin, Research Notes 19. \u00fcber die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zum Schluss, dass davon \u00abkeinerlei nennenswerte positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte ausgegangen sind\u00bb. Vergleichbare Resultate brachten empirische Ex-post-Untersuchungen \u00fcber die Wirkungen der Fussball-WM in den USA 1994 Vgl. Baade, Robert A. und Victor A. Matheson (2004): The Quest for the Cup: Assessing the Economic Impact of the World Cup, in: Regional Studies, Vol. 38.4, S. 343-354. und derjenigen in Japan und S\u00fcdkorea 2002 Vgl. Manzenreiter, Wolfram (2003): Wenn der Zirkus die Stadt verlassen hat: Ein Nachspiel zur politischen \u00d6konomie der Fussball-WM 2002 in Japan. . \u00a0Die harten makro\u00f6konomischen Analysen m\u00fcssen deshalb auf kleinere Aggregate abstellen. Selbst bei einem Blick auf etwas detailliertere Statistiken &#8211; wie z.B. die Anzahl Hotel\u00fcbernachtungen von Ausl\u00e4ndern &#8211; zeigt sich aber w\u00e4hrend des Jahres der Austragung kein aussergew\u00f6hnlicher Anstieg dieser Aggregate. Dies wird am Beispiel Portugals, dem Austragungsort der Fussball-Europameisterschaft 2004, ersichtlich (vgl. Grafiken 1 und 2). \u00a0Der touristische Effekt wurde auch f\u00fcr die WM 2006 in Deutschland untersucht. Vgl. Preuss Holger, Kurscheidt Markus und Sch\u00fctte Norbert (2007): Wirtschaftliche Wirkungen durch die Besucher der Fussball-WM. Internet: www.uni-kl.de\/wcms\/fileadmin\/imove\/dateien\/WM-Konferenz\/Praesentationen\/Preuss.pdf (Stand 14.08.2007) Dabei zeigte sich, dass in den touristisch ausserhalb der WM weniger gefragten St\u00e4dten (z.B. Dortmund) zwar ein deutlicher Zuwachs an Hotel\u00fcbernachtungen verzeichnet werden konnte. Dieser Anstieg wurde aber durch einen R\u00fcckgang der Logiern\u00e4chte in einer touristisch sehr beliebten Stadt wie M\u00fcnchen teilweise wieder kompensiert. Allerdings ist schwierig zu beurteilen, wie wichtig der Effekt der WM neben anderen Faktoren war. Denn auch ohne WM war in den vergangenen Jahren ein Trend in Richtung verst\u00e4rktem Reiseverkehr nach Deutschland festzustellen. Ein wesentlicher Einfluss bei der Beurteilung des WM-Effekts liegt aber unbestritten im Verdr\u00e4ngungseffekt (Crowding Out): Zwar sind wohl dank dem Grossereignis viele Besucher nach Portugal oder Deutschland gereist; andererseits gab es aber offensichtlich auch weniger fussballbegeisterte Touristen, welche ihre Reise in diese L\u00e4nder wegen der Veranstaltung vertagten oder ganz auf sie verzichteten. Ebenfalls lassen sich f\u00fcr die Euro 2008 Verschiebungen erwarten: Mehr Touristen werden aus den qualifizierten L\u00e4ndern zu beobachten sein, eher weniger aus den \u00fcbrigen Staaten.\u00a0Verdr\u00e4ngungseffekte k\u00f6nnen auch im Konsum beobachtet werden. Einzelne Unternehmen und Produkte scheinen von Sportgrossveranstaltungen zu profitieren: So haben sich zum Beispiel die Ums\u00e4tze der Hersteller von Unterhaltungselektronik im Vorfeld der WM in Deutschland markant gesteigert. Vgl. Gesellschaft f\u00fcr Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu): WM-Halbzeitbilanz: Unterhaltungselektronik f\u00fchrt. Verkauf von LCD- und Plasma-TV-Ger\u00e4ten legt deutlich zu. Der Durchschnittspreis ist angestiegen. Pressemitteilung vom 23.06.2006. Ebenso verzeichneten die Bierbrauereien in Deutschland w\u00e4hrend der WM deutliche Zuwachsraten. Vgl. Focus: Getr\u00e4nkemarkt: WM sorgt f\u00fcr Bierboom, 10.07.2007, Internet: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/wm_und_wirtschaft\/getraenkemarkt_aid_22817.html\">www.focus.de\/finanzen\/news\/wm_und_wirtschaft\/getraenkemarkt_aid_22817.html<\/a> . Da insgesamt im Vorfeld und w\u00e4hrend der WM jedoch keine signifikante Ver\u00e4nderung des Konsums zu erkennen war, scheinen die Konsumierenden die Mehrausgaben in einzelnen Bereichen entweder kompensiert oder zeitlich verschoben zu haben. Offen bleibt ebenfalls, welcher Anteil dieser Effekte auch aufgetreten w\u00e4re, falls die Weltmeisterschaft anderswo stattgefunden h\u00e4tte. \u00a0Zusammengefasst d\u00fcrften die Auswirkungen von Sportgrossveranstaltungen auf einzelne Branchen und Produkte beschr\u00e4nkt sein, w\u00e4hrend bei den makro\u00f6konomischen Kennzahlen aufgrund ihres hohen Aggregationsgrads keine veranstaltungsbedingten Bewegungen zu erwarten sind. Immerhin kann auch gesagt werden, dass sich die Einw\u00e4nde der Pessimisten nicht bewahrheitet haben, wonach sich durch die Austragung von Grossanl\u00e4ssen der Arbeitseinsatz der Bev\u00f6lkerung reduziere.&#13;<\/p>\n<h2>Impact-Studien als Alternative<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben der makro\u00f6konomischen Analyse, die &#8211; wie oben erl\u00e4utert &#8211; auf Schwierigkeiten st\u00f6sst, sind auch Sch\u00e4tzungen von potenziellen Auswirkungen auf der Basis so genannter Impact-Studien m\u00f6glich. Eine solche Impact-Studie, die auf einer Analyse der durch die Euro 2008 generierten Wertsch\u00f6pfung mittels Input-Output-Tabelle basiert, wurde im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Sport (Baspo) Vgl. R\u00fctter Heinz, Stettler J\u00fcrg et. al. (2004): Economic impact of the UEFA EURO 2008(TM) in Switzerland. Study on behalf of the UEFA and Swiss Football Association. R\u00fctter+Partner Concert Group und FH Zentralschweiz, Institut f\u00fcr Tourismuswirtschaft Luzern \/ R\u00fctter Heinz, Stettler J\u00fcrg et. al. (2007): Wirtschaftliche Auswirkungen der UEFA EURO 2008(TM) in der Schweiz. Aktualisierung der Studie von 2004. Internet: <a href=\"http:\/\/www.ruetter.ch\/publikationen\/Wirtschaftliche_Wirkungen_EURO2008_Update\">www.ruetter.ch\/publikationen\/Wirtschaftliche_Wirkungen_EURO2008_Update<\/a> .pdf (Stand 07.08.2007). durchgef\u00fchrt. Sie sch\u00e4tzt die voraussichtlich durch die Europameisterschaft in der Schweiz generierte Bruttowertsch\u00f6pfung auf 0,14% bis 0,18% des BIP (u.a. durch Tourismus, Ticketums\u00e4tze, Public Viewing und Infrastrukturausgaben). Da diese jedoch nicht vollumf\u00e4nglich w\u00e4hrend des Anlasses, sondern \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum &#8211; man denke zum Beispiel an den Bau und Unterhalt der Stadien &#8211; erwirtschaftet wird, d\u00fcrfte es im Nachhinein f\u00fcr Makro\u00f6konomen sehr schwierig sein, einen Effekt der Euro 2008 zeitlich sauber zu isolieren. \u00a0Dar\u00fcber hinaus wird es schwer fallen zu eruieren, ob ein erzielter Ertrag nicht auch aufgetreten w\u00e4re, wenn die Europameisterschaft gar nicht oder in einem anderen Land stattgefunden h\u00e4tte: So bleibt offen, welche der neuen Stadien auch ohne Aussicht auf die Euro 2008 in der Schweiz gebaut worden w\u00e4ren. Klar scheint beispielsweise, dass der Basler St.Jakob-Park nicht aufgestockt worden w\u00e4re. Das Berner Wankdorf w\u00e4re hingegen auch unabh\u00e4ngig von der Euro 2008 erneuert worden, w\u00e4hrend beim Z\u00fcrcher Letzigrund wenigstens ein zeitlicher Druck zum f\u00e4lligen Neubau entstand.\u00a0Ein Schwachpunkt von Impact-Studien liegt in der Unwissenheit \u00fcber Alternativen: Ausgaben f\u00fcr die Euro 2008 m\u00fcssen anderswo eingespart werden. Unsicher bleibt, wie sich die Ausgaben in anderen Bereichen auf die Wertsch\u00f6pfung ausgewirkt h\u00e4tten. Dieses kaum l\u00f6sbare Problem der Opportunit\u00e4tskosten f\u00fchrt dazu, dass harte Aussagen zur Wohlstandsentwicklung mit oder ohne Euro 2008 in der Schweiz eine Illusion bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>Auch der intangible Nutzen hat \u00f6konomischen Wert<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer bisherige \u00dcberblick zeigt die Schwierigkeiten der Messung des volkswirtschaftlichen Nutzens von Grossveranstaltungen auf. In der Fachliteratur Vgl. z.B. Szymanski Stefan (2002): The Economic Impact of the World Cup. World Economics, Vol. 3, Nr. 1, Januar-M\u00e4rz 2002. werden staatliche Ausgaben f\u00fcr die Durchf\u00fchrung aufgrund der fehlenden Belegbarkeit deshalb oft nicht als volkswirtschaftliche Investitionen, sondern eher als eine Form von \u00f6ffentlichem Konsum betrachtet. Die Euro 2008 k\u00f6nnte somit als Veranstaltung angesehen werden, die zur Produktion \u00f6ffentlicher G\u00fcter beitr\u00e4gt: \u00abErlebnisnutzen\u00bb, \u00abkollektive Begeisterung\u00bb und \u00abImage\u00bb sind die Stichworte. Auch sie k\u00f6nnen volkswirtschaftlich relevant sein: Zwar lassen sie sich nicht direkt im BIP erkennen und wirken sich bestenfalls l\u00e4ngerfristig auf dieses aus; sie tragen jedoch \u00fcber intangible Nutzen zum individuellen Wohlstand bei.\u00a0Im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 entstand eine Untersuchung, welche die Zahlungsbereitschaft f\u00fcr die Gastgeberrolle Deutschlands mittels der so genannten Contingency-Valuation-Methode zu eruieren suchte. Vgl. Heyne, Malte (2006): Die \u00f6konomischen Effekte von Fussballweltmeisterschaften. Das Beispiel \u00abFussball-WM 2006\u00bb. Tectum-Verlag. Erfragt wurde der &#8211; jeweils individuelle &#8211; intangible Nettonutzen der WM 2006, der mit der Veranstaltung assoziiert wurde. Zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaft wurde ein Alternativszenario der Verlegung der WM ins Ausland aufgestellt. Ber\u00fccksichtigt wurden nicht nur intangible Nutzen wie Imagegewinn, gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie Freizeit- und Lebensfreude, sondern auch intangible Kosten wie Beeintr\u00e4chtigungen durch Baut\u00e4tigkeit oder die Angst vor Ausschreitungen. \u00a085% der Befragten sahen die WM 2006 im Vorfeld insgesamt als gewinnbringend an. Im Mittelwert lag die Zahlungsbereitschaft bei 4,27 2 pro Kopf &#8211; die Ausrichtung der Fussball-WM 2006 brachte den Deutschen also gem\u00e4ss der Befragung im Vorfeld einen intangiblen Nutzen von insgesamt 350 Mio. 2. Im September 2006 wurde dieselbe Befragung noch einmal wiederholt. Dabei stellte sich heraus, dass die Ausrichtung einer Fussball-WM offenbar ein Erfahrungsgut ist: Denn nach Austragung der WM erh\u00f6hte sich die Zahlungsbereitschaft der Deutschen auf 10,22 2 pro Kopf oder insgesamt etwa 800 Mio. 2. \u00a0Der intangible Nettonutzen der WM h\u00e4tte noch h\u00f6her sein k\u00f6nnen. Geschm\u00e4lert wurde er gem\u00e4ss der Studie durch die zunehmende Entfernung des Anlasses von der Bev\u00f6lkerung (z.B. Priorisierung von Sponsoren und mangelnde Ber\u00fccksichtigung der Fans beim Ticketing sowie der so genannte WM-Bierstreit). Gerade Menschen, welche auch sonst ein starkes Interesse an Fussball haben, stuften ihren Nettonutzen der WM-Austragung signifikant tiefer ein als die weniger an Fussball interessierten Personen.&#13;<\/p>\n<h2>Austragung verfolgt andere Zwecke &#8211; aber der Sport wird zunehmend zum Wirtschaftsfaktor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNicht erfasst wurde selbst in der oben genannten Befragung der gesellschaftliche Nutzen, der \u00fcber eine eigentliche Zahlungsbereitschaft hinausgeht. Schliesslich sollten auch \u00d6konomen nicht die eigentliche Motivation f\u00fcr die Austragung der Euro 2008 aus dem Auge verlieren: So ist in der Botschaft 2005 zur Euro 2008 die Rede von der Verankerung von Werten, der F\u00f6rderung des Zusammenhalts oder der Pr\u00e4sentation der Schweiz als sympathisches und weltoffenes Land. Dar\u00fcber hinaus sollen dem Publikum die gesundheitlichen, ethischen und integrativen Werte des Sports vermittelt werden. Bei der Beurteilung dieser Effekte gelangt die \u00d6konomie zweifellos \u00fcber die Grenze des Messbaren hinaus. Der Hauptzweck der Fussball-Europameisterschaft ist nicht \u00f6konomischer, sondern sportlicher Natur. Deshalb l\u00e4sst sich auch bemerken, dass die durch Bund, Kantone und Austragungsorte aufgeworfene Summe von 182 Mio. Franken mutmasslich in anderen Projekten auch schon weniger nutzenstiftend ausgegeben wurde.\u00a0Ohnehin wird der Sport im Allgemeinen und der Fussball im Speziellen zunehmend zu einem Wirtschaftsfaktor. Dies zeigt sich einerseits darin, dass die grossen Vereine in Aktiengesellschaften umgewandelt werden und ihren Erfolg vermarkten. So erzielte das Wirtschaftsunternehmen Real Madrid im Jahr 2006 einen Umsatz von 292 Mio. 2. Andererseits beeinflusst die wirtschaftliche Potenz im Fussball auch den sportlichen Erfolg massgeblich. Vgl. The Economist: A bottomless pitch. Football clubs try to be more business-minded, sort of, 6. April 2006. Veranstalter versuchen, ehemals offene Anl\u00e4sse abzugrenzen und die intangiblen Nutzen zu monetarisieren, indem sie Exklusivlizenzen &#8211; vom Bierausschank bis zu Fernsehrechten &#8211; vergeben. Diese sind wettbewerbspolitisch ebenso fragw\u00fcrdig wie die kartell\u00e4hnlichen Strukturen mancher Fussball-Ligen. Vgl. The Economist: Sporting chance. A block exemption from antitrust law is a bad idea for European football, 12. Juli 2007. Der Verteilkampf um die Renten im Boommarkt Fussball hat eben erst gerade begonnen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit: Volkswirtschaftlicher Nutzen der Euro 2008 ja, aber&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAbschliessend kann gesagt werden, dass die Euro 2008 die Schweizer Volkswirtschaft beeinflussen wird &#8211; aber nicht so stark wie gemeinhin angenommen. Die makro\u00f6konomischen Einfl\u00fcsse der Europameisterschaft werden aufgrund der im Vergleich zur gesamten Volkswirtschaft marginalen Bedeutung und der Verdr\u00e4ngungseffekte wohl nicht sp\u00fcrbar sein. Hingegen erwarten wir gewisse Struktureffekte: Nicht nur findige Unternehmer, sondern auch einzelne Branchen &#8211; wie die Unterhaltungselektronik oder Bierbrauer &#8211; werden wohl (tempor\u00e4r) profitieren; andere werden dagegen (ebenfalls tempor\u00e4r) zu den Verlierern geh\u00f6ren. \u00a0Volkswirtschaftlich relevant sind auch intangible Effekte wie die Verbesserungen von Status und Image oder Erlebnisnutzen. Wie in der Eingangsfrage bereits angedeutet, m\u00fcssen die Chancen, die sich beim intangiblen Nutzen bieten, jedoch erst noch genutzt werden. Der Schweiz bietet sich daher im n\u00e4chsten Sommer eine Gelegenheit, sich sowohl als Tourismusdestination wie auch als attraktiver Wirtschaftsstandort einem breiten Publikum zu pr\u00e4sentieren. Nun liegt es an uns, den G\u00e4sten und Beobachtern der Fussball-EM das beste Bild der Schweiz zu vermitteln. Man bedenke: Allein das Finale der Fussball-EM 2004 sahen mehr als 150 Mio. Zuschauer an den Bildschirmen.\u00a0Um den Erlebnisnutzen der Einwohner und Besucher zu erh\u00f6hen, wird es eine reibungslose Organisation brauchen. Dazu beitragen wird auch ein Abw\u00e4gen zwischen den legitimen Interessen der privaten Sponsoren und den ebenso legitimen Interessen von Fans und Bev\u00f6lkerung, die als Steuerzahler und Konsumenten den Anlass mitfinanzieren. Mit Blick auf die Maximierung des intangiblen Nutzens und den substanziellen Beitrag der \u00f6ffentlichen Hand sollte also in Zukunft vielleicht wieder eine Bewegung weg von der Vermarktung um jeden Preis und zur\u00fcck zu den Fussball-Fans erfolgen, die jedes Wochenende zu den Spielen ihrer Mannschaft pilgern. Denn die zunehmende Monetarisierung der intangiblen Nutzen der Grossanl\u00e4sse durch die Veranstalter &#8211; oder anders gesagt: der Wandel ehemals \u00f6ffentlicher G\u00fcter zu privaten oder Klubg\u00fctern &#8211; macht zwar einerseits \u00f6konomisch Sinn, erh\u00f6ht aber auch den Rechtfertigungsdruck von Beitr\u00e4gen durch die \u00f6ffentliche Hand.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abAnzahl Hotel\u00fcbernachtungen von Ausl\u00e4ndern in Portugal, 1990-2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abUmsatzindizes im Einzelhandel in Portugal, 1995-2006\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werden aus der \u00f6ffentlichen Hand betr\u00e4chtliche Mittel f\u00fcr ein Projekt bereitgestellt, so liegt es jeweils in der Pflicht von Politik, Verwaltung und Verantwortlichen, zu belegen, dass sich diese Mittelverwendung f\u00fcr den Steuerzahler lohnt. 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