{"id":123681,"date":"2007-11-01T12:00:00","date_gmt":"2007-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/11\/kallen-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:28","slug":"kallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/11\/kallen\/","title":{"rendered":"Die Ruhe vor dem Euro-Sturm"},"content":{"rendered":"<p>8 Mrd. (kumulierte) Fernsehzuschauer, bis zu 6 Mio. G\u00e4ste und 1 Mio. Fans in den Stadien &#8211; die UEFA EURO 2008(TM) wird Massen bewegen. Die Fussball-Europameisterschaft ist weit mehr als ein reiner Sportanlass und erreicht auch Menschen, die sich sonst kaum f\u00fcr Fussball interessieren. Gem\u00e4ss einer Studie ist zu erwarten, dass rund 6300 neue Vollzeitjobs (auf ein Jahr gerechnet) und 540000 zus\u00e4tzliche Hotel-\u00dcbernachtungen generiert werden. Der erste mediale Grossevent wird die Gruppenauslosung sein, die am 2. Dezember 2007 in Luzern stattfindet. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200711_18_Kallen_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"263\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSieben Monate vor Anpfiff der Euro 2008 am 7. Juni 2008 in Basel weisen in den Austragungsst\u00e4dten ein paar Dutzend blauer Fahnen auf das bevorstehende Grossereignis hin. Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm &#8211; aber nicht mehr lange. F\u00fcr den 2. Dezember, wenn im Kultur- und Konferenzzentrum Luzern die Auslosung \u00fcber die B\u00fchne geht, werden 1000 Journalisten vor Ort erwartet; mehr als100 Mio. Zuschauerinnen und Zuschauer werden das 45-min\u00fctige Prozedere am Fernsehen mitverfolgen. Die Schweizer Fussball-Fans werden an diesem Sonntag, kurz vor 13 Uhr, heiss ersehnte Antworten bekommen: Welche drei Teams werden in die Gruppe A mit der Schweizer Nationalmannschaft gelost? Welche Nationen werden in den Austragungsst\u00e4dten Basel, Bern, Genf und Z\u00fcrich spielen? Nach der Auslosung wird auch der Schweizerische Fussballverband mit dem Verkauf seiner Quoten-Tickets beginnen.&#13;<\/p>\n<h2>L\u00e4ngst mehr als ein reines Fussballturnier<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Euro 2008 ist l\u00e4ngst mehr als ein Fussballturnier, an dem 16 Nationalteams 23 Tage lang um den Titel k\u00e4mpfen. Die 31 Spiele bleiben nat\u00fcrlich oberste Priorit\u00e4t &#8211; aber die Begleitger\u00e4usche nehmen von Turnier zu Turnier zu. L\u00e4ngst interessieren sich auch Personen, die w\u00e4hrend des Jahres mit Fussball nicht viel zu tun haben, f\u00fcr ein Grossereignis dieser Art. Die \u00f6ffentlichen \u00dcbertragungen auf Grossbild-Leinw\u00e4nden liegen im Trend. Mehr als 18 Mio. Personen &#8211; darunter bemerkenswert viele Frauen und Jugendliche &#8211; haben 2006 in Deutschland die Spiele in den so genannten offiziellen Fan-Zonen mitverfolgt und konnten so auch ohne Match-Ticket am WM-Feeling teilhaben. Man kann davon ausgehen &#8211; ein bisschen Wettergl\u00fcck vorausgesetzt -, dass auch hierzulande drei Wochen lang Feststimmung herrscht, selbst wenn die Besucherzahlen aus Platzgr\u00fcnden und aufgrund der geringeren Bev\u00f6lkerungszahl der beiden Gastgeber-L\u00e4nder nicht an jene in Deutschland heranreichen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Vielseitige Verwendung der Ertr\u00e4ge<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Uefa ist die Fussball-Europameisterschaft zum einen eine Prestigeangelegenheit, zum anderen die wichtigste Einnahmequelle. Die Zahlen aus Portugal sprechen f\u00fcr sich: Die Gesamteinnahmen betrugen 1,3 Mrd. Franken. Nicht weniger als 200 Mio. Franken gingen in Form von Pr\u00e4mien direkt an die 16 teilnehmenden Teams. 490 Mio. Franken wurden an die 53 Mitgliedsverb\u00e4nde ausgesch\u00fcttet, teils in Form von Fixzahlungen, teils als Projektf\u00f6rderung. 263 Mio. Franken wurden f\u00fcr die Euro 2004 selbst eingesetzt; 271 Mio. decken den administrativen Betrieb bis 2008, inklusive Nachwuchs- und Frauenbewerbe. 86 Mio. Franken wurden als Nettoergebnis ausgewiesen.\u00a0Speziell f\u00fcr die kleineren europ\u00e4ischen Fussballverb\u00e4nde sind diese Solidarit\u00e4tszahlungen und Projektf\u00f6rderungen (lebens-)notwendig. In Litauen wurde ein Nachwuchs-Trainingszentrum finanziert, in Weissrussland ein Kunstrasenplatz samt Heizung und neuer Anzeigetafel, in Andorra sechs Kleinspielfelder f\u00fcr Kinder und Jugendliche und in Slowenien eine Flutlichtanlage f\u00fcr den FC Celje. In der Schweiz unterst\u00fctzt die Uefa zwei Nachwuchsprojekte in Huttwil und Emmen, wo 40 Nachwuchstalente im Alter zwischen 14 und 16 Jahren schulische und sportliche Ausbildung erfahren.&#13;<\/p>\n<h2>Welcher Umsatz und Gesamtnutzen ist zu erwarten?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Umsatz einer Fussball-Europameisterschaft l\u00e4sst sich in vier Einnahmenbereiche aufschl\u00fcsseln: \u00a0&#8211; Fernseh\u00fcbertragungsrechte;\u00a0&#8211; Kommerzielle Rechte (Sponsoreinnahmen und Lizenzprodukte);\u00a0&#8211; Eintrittskartenverkauf;\u00a0&#8211; Corporate Hospitality (Sitzpl\u00e4tze der ersten Kategorie, verbunden mit Gastronomie, pers\u00f6nlicher Betreuung und einem Extra-Unterhaltungsangebot). \u00a0\u00a0F\u00fcr 2008 erwartet die Uefa einen Einnahmenanstieg von etwa 45% (gesch\u00e4tzter Gesamtumsatz: 2 Mrd. Fr.). Das ist in erster Linie darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Medienrechte f\u00fcr die kommende Endrunde erstmals von der Uefa selbst vermarktet werden.\u00a0Der Gesamtnutzen f\u00fcr die Schweiz l\u00e4sst sich noch nicht konkret voraussagen: Eine Studie von R\u00fctter+Partner prognostiziert Ums\u00e4tze in der H\u00f6he von 1,3 Mrd. und eine Bruttowertsch\u00f6pfung von rund 700 Mio. Franken. Es wird erwartet, dass die Europameisterschaft rund 6300 neue Vollzeitjobs (auf ein Jahr gerechnet) und 540000 zus\u00e4tzliche Hotel-\u00dcbernachtungen generiert. Allein 140000 davon hat die Uefa f\u00fcr den Eigenbedarf reserviert &#8211; sprich f\u00fcr teilnehmende Teams, Schiedsrichter, Funktion\u00e4re, Mitarbeitende, Medien und Sponsoren.\u00a0Der Grossteil dieser Zielgruppen wird n\u00e4chsten Juni mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln durch die Schweiz und \u00d6sterreich reisen. Die Akkreditierung (Zutrittsberechtigung) f\u00fcr das Turnier gilt zugleich als Generalabonnement f\u00fcr das gesamte \u00f6ffentliche Streckennetz. Nicht nur alle akkreditierten Personen, auch die Fans werden w\u00e4hrend des Turniers gratis reisen k\u00f6nnen: Die Euro-Eintrittskarte berechtigt 36 Stunden lang zur Benutzung der \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel. Der Uefa ist dieses Bekenntnis zum Umweltschutz nicht weniger als 8 Mio. Franken wert.&#13;<\/p>\n<h2>Vorbereitungen laufen nach Plan<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas die Vorbereitungsarbeiten betrifft, l\u00e4uft alles nach Plan. Anfang Mai 2008 \u00fcbernimmt die Uefa die acht Euro-Stadien, wird mit den letzten T\u00e4tigkeiten vor Ort begonnen. Bleiben knapp f\u00fcnf Wochen, ehe am 7. Juni, punkt 18 Uhr, im Basler St.-Jakob-Park das Er\u00f6ffnungsspiel der Fussball-Europameisterschaft angepfiffen wird. Sp\u00e4testens dann wird die Euphoriewelle auch die Schweiz erfasst haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Zur Person<\/b>&#13;<br \/>\nDie Karriere von Martin Kallen bei der Uefa begann 1994. Zun\u00e4chst war er als Leiter f\u00fcr Corporate Identity und Event Manager in der Marketingabteilung t\u00e4tig. Nach seiner Bef\u00f6rderung zum Senior Manager der neu geschaffenen Abteilung Event-Management im Jahr 2000 zeichnete der Berner Oberl\u00e4nder f\u00fcr die erfolgreiche Durchf\u00fchrung aller Uefa-Endspiele und -Endrunden verantwortlich. Im Jahr 2002 wurde Kallen zum COO der Euro 2004 SA ernannt und \u00fcbersiedelte nach Portugal. Dort organisierte er die beste Fussball-Europameisterschaft aller Zeiten. Diesen Erfolg will er an der Euro 2008 m\u00f6glichst noch \u00fcbertreffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: UEFA EURO 2008(TM) &#8211; die wichtigsten Fakten zum Turnier<\/b>&#13;<br \/>\nDie 13. Endrunde der Fussball-Europameisterschaft wird vom 7.-29. Juni 2008 in \u00d6sterreich und der Schweiz ausgetragen. Es ist erst die zweite Endrunde (nach Belgien\/Niederlande im Jahr 2000), die von zwei L\u00e4ndern gemeinsam veranstaltet wird. 16 Nationalteams k\u00e4mpfen in 23 Tagen und 31 Spielen um den Europameistertitel. Gespielt wird in acht St\u00e4dten, je vier in \u00d6sterreich und der Schweiz (aufgelistet von Osten nach Westen): Wien, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck, Z\u00fcrich, Basel, Bern und Genf. Die Distanz zwischen Wien und Genf betr\u00e4gt 1032 km. Nicht weniger als 1050 Mio. Fans werden in die Stadien pilgern. Ungef\u00e4hr 1500 Personen sorgen im Stadion (pro Spiel) f\u00fcr Spielbetrieb, Sicherheit und Organisation.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 3: Der Countdown &#8211; eine Termin\u00fcbersicht<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; 21. November 2007: Abschluss der Qualifikationsspiele, letzter Spieltag (50 Nationen ermittelten in sieben Gruppen und insgesamt 308 Spielen die 14 freien Pl\u00e4tze);- 2. Dezember 2007: Auslosung der Endrunde in Luzern und Pr\u00e4sentation des offiziellen Matchballs;- 14. Dezember 2007: Stichtag f\u00fcr die teilnehmenden Teams, ihre Mannschaftsquartiere zu buchen;- Januar 2008: Start der Promotionstour &#8211; die Henri-Delaunay-Troph\u00e4e (im Bild links) gastiert in den wichtigsten europ\u00e4ischen St\u00e4dten bzw. in den Gastgeberl\u00e4ndern;- 12.\/13. M\u00e4rz 2008: Team-Workshop mit den 16 teilnehmenden Verb\u00e4nden in Wien;- Mai 2008: Workshop der 12 Endrunden-Schiedsrichter (in der Schweiz, genauer Ort noch nicht festgelegt);- 7. Juni 2008: Er\u00f6ffnungsspiel (mit der Schweiz) in Basel;- 29. Juni 2008: Endspiel in Wien.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8 Mrd. (kumulierte) Fernsehzuschauer, bis zu 6 Mio. G\u00e4ste und 1 Mio. Fans in den Stadien &#8211; die UEFA EURO 2008(TM) wird Massen bewegen. 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