{"id":123741,"date":"2007-10-01T12:00:00","date_gmt":"2007-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/10\/dubler-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:26","slug":"dubler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/10\/dubler\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4senz der Schweiz in internationalen Organisationen"},"content":{"rendered":"<p>Der Standort Schweiz &#8211; insbesondere \u00abLa Gen\u00e8ve Internationale\u00bb &#8211; beherbergt eine grosse Anzahl von internationalen Organisationen. Zudem ist unser Land in \u00fcber 100 dieser Institutionen als Mitglied vertreten. In seinem aussenpolitischen Bericht aus dem Jahre 2000 betrachtete der Bundesrat die internationalen Organisationen als Instrumente der multilateralen Interessenwahrung der Schweiz. Zu seiner Strategie geh\u00f6rt auch die F\u00f6rderung der schweizerischen Pr\u00e4senz in den Organen dieser Gremien. Seit dem UNO-Beitritt im Jahre 2002 konnte die Schweiz ihre Pr\u00e4senz in den internationalen Organisationen sukzessive ausbauen.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200710_18_Dubler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"228\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Intensivierung der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz verfolgt ihre in der Bundesverfassung verankerten aussenpolitischen Ziele im Rahmen bilateraler und multilateraler Beziehungen sowie durch ihre Mitgliedschaft bei internationalen Organisationen. Ihre Schwerpunkte setzt sie dabei auf die Bereiche \u00abFriedens- und Demokratief\u00f6rderung\u00bb, \u00abAchtung der Menschenrechte\u00bb, \u00abInteressenwahrung der Schweizer Wirtschaft im Ausland\u00bb, \u00abLinderung von Not und Armut in der Welt\u00bb sowie auf die \u00abErhaltung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen\u00bb. Zum schweizerischen Engagement geh\u00f6ren die Teilnahme in den politischen Organen der internationalen Organisationen, die Beitragszahlungen sowie die Pr\u00e4senz von schweizerischen Vertretern in den Leitorganen und von Schweizer Personal in den Sekretariaten bzw. Vollzugsorganen. \u00a0Durch die zunehmende Globalisierung von aussenpolitischen Problemen haben sich die multilateralen Beziehungen der Schweiz seit 1950 stark entwickelt und eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Staaten bewirkt. Die internationalen Organisationen nehmen dabei eine wichtige Funktion bei der Umsetzung des V\u00f6lkerrechts ein und tragen dank ihrer bedeutenden finanziellen Mittel und ihrer inhaltlichen Richtungen massgeblich zur L\u00f6sung globaler Probleme bei.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Mitgliedschaften in internationalen Organisationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeltweit sind rund 300 zwischenstaatliche Organisationen zu verzeichnen. Als Mitglied ist die Schweiz in rund 100 solcher Gremien vertreten. Ein Drittel dieser Organisationen geh\u00f6rt dem UNO-System an. Der Schwerpunkt der Schweizer Mitgliedschaften liegt im Wirtschafts- und Finanzbereich. Vor dem Beitritt der Schweiz in die Vereinten Nationen (UNO) im Jahre 2002 war sie als Mitglied in den Institutionen von Bretton Woods &#8211; im Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IMF) sowie in der Weltbank (WB) &#8211; vertreten und spielte auch eine wichtige Rolle bei der Welthandelsorganisation (WTO). Die Schweiz ist zudem vielen internationalen Organisationen im Bereiche der Wissenschaft beigetreten, so etwa der Europ\u00e4ischen Weltraumagentur (ESA) oder dem Europ\u00e4ischen Laboratorium f\u00fcr Teilchenphysik (Cern). Im Weiteren zeichnet sich die Schweiz auch durch ihre Mitgliedschaft in Organisationen im Bereiche der Sicherheit aus, wie namentlich in der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Durch die Mitgliedschaft in diesen Institutionen wird das internationale Engagement der Schweiz wahrgenommen, welches nicht zuletzt zur Erreichung ihrer aussenpolitischen Ziele beitr\u00e4gt.\u00a0Das wichtige Ereignis in diesem Zusammenhang ist sicherlich der Schweizer Beitritt zur UNO vom 3. M\u00e4rz 2002. Als einzige universelle Organisation umfasst die UNO alle 192 Staaten der Welt. Ihre Zielsetzungen stimmen mit den aussenpolitischen Aufgaben der Schweiz \u00fcberein, sodass die UNO ein ideales Forum f\u00fcr die Erreichung der aussenpolitischen Ziele der Schweiz darstellt. Als Mitglied kann sich die Schweiz bei der UNO sowohl als W\u00e4hlerin beteiligen als auch selber Kandidaturen f\u00fcr F\u00fchrungsorgane oder hochrangige Positionen in der Organisation einreichen.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung des Personalbestandes<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Verst\u00e4rkung der multilateralen Interessenwahrung bedingt sowohl ein st\u00e4rkeres Engagement der Schweiz in den Leitungsorganen als auch eine erh\u00f6hte Pr\u00e4senz von Schweizer Personal in den Vollzugsorganen bzw. Sekretariaten der internationalen Organisationen. Als internationale Bedienstete in den Regierungsorganisationen k\u00f6nnen Schweizerinnen und Schweizer eine gute Arbeitsstelle finden und dadurch schweizerische \u00dcberzeugungen und Werte in die internationalen Organisationen einbringen. Im Gegenzug kann die Schweiz von deren Know-how profitieren. Bei einer allf\u00e4lligen R\u00fcckkehr zu einem Arbeitgeber in die Schweiz &#8211; sei es in die Privatwirtschaft oder in die \u00f6ffentliche Verwaltung &#8211; k\u00f6nnen die gesammelten Erfahrungen wertvoll eingesetzt werden. Die Schweiz hat somit ein grosses Interesse an einer guten personellen Vertretung in den internationalen Organisationen allgemein und der UNO im Speziellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2005 waren in den rund 100 zwischenstaatlichen Organisationen, welchen die Schweiz als Mitglied beigetreten ist, insgesamt rund 112000 Personen besch\u00e4ftigt (siehe Tabelle 1). Dem akademisch ausgebildeten Personal &#8211; dem so genannten \u00abH\u00f6heren Dienst\u00bb &#8211; geh\u00f6rten rund 41000 Personen an. Insgesamt arbeiteten 1124 Schweizerinnen und Schweizer in internationalen Organisationen. 754 Angestellte schweizerischer Herkunft brachten eine akademische Ausbildung mit, von denen knapp die H\u00e4lfte (311 Personen) im Wissenschaftssektor t\u00e4tig war. Eine konzentrierte Vertretung von Schweizer Personal ist beim Cern anzutreffen: 260 Schweizerinnen und Schweizer mit einem Universit\u00e4tsdiplom waren 2005 dort angestellt. Rund 650 Personen arbeitete in der Schweiz und in den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern. Ein Vergleich mit der personellen Situation im Jahre 2002 zeigt, dass der Anteil des akademischen Personals in dieser Zeit einen relativ grossen Anstieg von 1,3% auf 1,8% erfuhr. \u00a0Die UNO und die dem UNO-System angeh\u00f6renden Organisationen besch\u00e4ftigten im Jahre 2002 insgesamt 66064 Personen und 2005 82201 Personen. Der schweizerische Anteil am akademisch ausgebildeten Personal betrug 0,6% im Jahre 2002 und 1,2% im Jahre 2005. Daraus wird ersichtlich, dass die Schweiz seit ihrem Beitritt zur UNO die personelle Vertretung in den UNO-Institutionen substanziell zu erh\u00f6hen vermochte. Der UNO-Beitritt f\u00fchrte zu einer Zunahme des Schweizer Personals im UN-Sekretariat, das im Beitrittsjahr 2002 insgesamt 171 Schweizerinnen und Schweizer (rund 1%) besch\u00e4ftigte. Drei Jahre sp\u00e4ter erh\u00f6hte sich der Personalbestand auf 186 Schweizerinnen und Schweizer, was 1,1% des Gesamtpersonals entspricht.\u00a0Proportionale Untervertretung der Schweiz in der UNO&#8230;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit der Quote der so genannten \u00abgeografischen Verteilung\u00bb stellt das UNO-Sekretariat die Proportionalit\u00e4t der Vertretungen der verschiedenen Staaten fest. Diese Anspruchsquote, der total 2634 Stellen unterstehen, wurde von der UNO f\u00fcr die Schweiz anl\u00e4sslich ihres Beitritts auf 0,96% festgesetzt. F\u00fcr die Schweiz ergibt sich daraus ein Anspruch von minimal 21 bis maximal 30 Stellen der geografischen Verteilung. Diese Quote wurde im Jahre 2006 nicht erreicht, konnten doch lediglich 18 Stellen durch Schweizerinnen und Schweizer besetzt werden. Im Vergleich mit dem Schweizer Personalbestand von 11 Personen im Jahre 2002 bei der UNO ist dennoch ein markanter Anstieg zu verzeichnen. Um der Untervertretung bez\u00fcglich der geografischen Verteilung entgegenzuwirken, wurde der Schweiz seit dem UNO-Beitritt die M\u00f6glichkeit einger\u00e4umt, am Nachwuchswettbewerb des UN-Sekretariates &#8211; dem National Competitive Recruitment Exam (NCRE) &#8211; teilzunehmen. Dank diesem Wettbewerb konnten in den letzten vier Jahren 40 Schweizer Nachwuchskr\u00e4fte rekrutiert werden, 2003: 9; 2004: 4; 2005: 17; 2006: 10. die in die UNO-Liste, den so genannten \u00abRoster\u00bb, aufgenommen wurden. In der Zwischenzeit hat die UNO einige dieser Bewerber angestellt. Weil derzeit noch \u00fcber 30 Schweizerinnen und Schweizer in der erw\u00e4hnten Liste auf eine Stelle bei der UNO warten, ist der Schweiz die Teilnahme am NCRE 2008 verwehrt.\u00a0Eine gewisse Untervertretung der Schweiz ist auch im Vergleich der personellen Vertretung der Schweiz mit den konkreten Beitragszahlen der Schweiz, feststellbar: Im Jahre 2005 betrugen die Schweizer Beitragszahlungen an die UNO 24328177 US-$, was zu einer Personalvertretung von 1,2% berechtigen w\u00fcrde. Der reelle Schweizer Anteil der Besch\u00e4ftigten bei der UNO liegt momentan aber nur gerade bei 0,9%.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;und in den anderen internationalen Organisationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Trend der Untervertretung der Schweiz ist auch in den Exekutivorganen verschiedener internationaler Gremien feststellbar. Im Jahre 2002 hat die Schweiz Beitr\u00e4ge von insgesamt rund 1,13 Mrd. Franken an die internationalen Organisationen geleistet und ist dadurch international die zw\u00f6lftgr\u00f6sste Beitragszahlerin \u00fcberhaupt. Bei der ESA st\u00fcnden der Schweiz aufgrund der Beitragszahlungen von 125 Mio. Fr. im Jahre 2002 70 Stellen zu, wovon jedoch lediglich 28 durch Schweizerinnen und Schweizer besetzt werden. Beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) ist die Schweiz die siebtgr\u00f6sste Beitragszahlerin; bez\u00fcglich der personellen Pr\u00e4senz liegt sie hingegen lediglich auf dem 34. Rang. Auch bei der Europ\u00e4ischen Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hatte die Schweiz in den letzten f\u00fcnf Jahren generell eine Untervertretung des Anteils an Schweizer Personal zu verzeichnen. Speziell beim \u00abStaff to Capital Share\u00bb ist die Situation mit einem Anteil von lediglich 0,4% als besonders alarmierend zu bezeichnen. Schliesslich ist auch bei der Efta im Jahre 2005 eine zahlenm\u00e4ssig unterproportionale Vertretung ersichtlich; der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer beim oberen und mittleren Kader ist &#8211; verglichen mit anderen Staaten &#8211; jedoch hoch. Die Schweiz betreibt weiterhin eine aktive Personalpolitik, um eine St\u00e4rkung ihrer Pr\u00e4senz zu bewirken.&#13;<\/p>\n<h2>Pr\u00e4senzf\u00f6rderung der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die relative Untervertretung der Schweiz liegen in der st\u00e4ndig wachsenden Konkurrenz auf dem Gebiete der Globalisierung der Kommunikationsmittel, in einer st\u00e4ndig wachsenden Anzahl von Mitgliedstaaten in den internationalen Organisationen sowie in der h\u00f6heren Qualit\u00e4t der Ausbildungen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern. Zudem steht einem zunehmend strengeren Auswahlverfahren ein reduziertes Stellenangebot gegen\u00fcber. \u00a0Der Bundesrat hat eine Strategie entwickelt, welche die F\u00f6rderung der Pr\u00e4senz der Schweiz in den internationalen Organisationen zum Ziel hat. Ein wichtiger Aspekt bildet dabei die Unterst\u00fctzung von Schweizer Staatsangeh\u00f6rigen, die sich f\u00fcr eine Stelle in einer multilateralen Organisation bewerben. Eine solche Unterst\u00fctzung erfolgt \u00fcber die Sektion \u00abPr\u00e4senz der Schweiz bei den internationalen Organisationen\u00bb der Politischen Direktion des Eidg. Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) und \u00fcber das Vertretungsnetz der Schweiz im Ausland. Zudem sensibilisieren Informationskampagnen an den Schweizer Universit\u00e4ten Studierende fr\u00fchzeitig auf Anforderungen und Einstiegsm\u00f6glichkeiten in internationalen Organisationen. Ein strategisch wichtiges und effizientes Instrument zur Pr\u00e4senzf\u00f6rderung bilden die Nachwuchsprogramme, die so genannten \u00abJunior Professional Officer\u00bb (JPO), welche von der Schweiz mitfinanziert werden. Informationen zur Schweizer Pr\u00e4senzf\u00f6rderung sind unter <a href=\"http:\/\/www.eda.admin.ch\/iojobs\">www.eda.admin.ch\/iojobs<\/a> abrufbar.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz der feststellbaren Schweizer Untervertretung kann bei der Pr\u00e4senz der Schweiz in den internationalen Organisationen von einem Erfolg gesprochen werden: Der UNO-Beitritt im Jahre 2002 hat in einem grossen Ausmass dazu beigetragen, dass die Schweiz ihre Pr\u00e4senz im UN-Sekretariat ausbauen konnte. Zudem ist es gelungen, die zahlreichen pensionierungsbedingten Abg\u00e4nge von Schweizerinnen und Schweizern in den letzten Jahren durch Neuanstellungen zu kompensieren und so die Schweizer Pr\u00e4senz in den internationalen Organisationen auf einem annehmbaren Niveau zu stabilisieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abPersonalbestand und Anteil Schweizerinnen und Schweizer in internationalen Organisationen mit Schweizer Mitgliedschaft\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Standort Schweiz &#8211; insbesondere \u00abLa Gen\u00e8ve Internationale\u00bb &#8211; beherbergt eine grosse Anzahl von internationalen Organisationen. Zudem ist unser Land in \u00fcber 100 dieser Institutionen als Mitglied vertreten. In seinem aussenpolitischen Bericht aus dem Jahre 2000 betrachtete der Bundesrat die internationalen Organisationen als Instrumente der multilateralen Interessenwahrung der Schweiz. 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