{"id":123781,"date":"2007-10-01T12:00:00","date_gmt":"2007-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/10\/muehlemann-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:24","slug":"muehlemann-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/10\/muehlemann-5\/","title":{"rendered":"Lehrlingsausbildung lohnt sich"},"content":{"rendered":"<p>Zum zweiten Mal wurde eine repr\u00e4sentative Untersuchung zu Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung durchgef\u00fchrt. Sie zeigt, dass im Durchschnitt schon am Ende einer Lehre ein Nettonutzen f\u00fcr den ausbildenden Betrieb resultiert. Weiterf\u00fchrende Analysen ergaben zudem, dass dieses f\u00fcr die Ausbildungsbereitschaft h\u00f6chst relevante Gleichgewicht von Kosten und Nutzen nicht nur vom Ausbildungsberuf oder von Betriebscharakteristiken, sondern ebenso sehr von der Qualit\u00e4t der Lernenden abh\u00e4ngt. Schliesslich k\u00f6nnen die Ergebnisse auch verwendet werden, um die Folgen der Reform der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung erstmals \u00f6konomisch zu bewerten. Eine ausf\u00fchrlichere Beschreibung der Untersuchungsresultate findet sich in M\u00fchlemann et al. (2007b). Die Studie konnte dank der finanziellen Unterst\u00fctzung des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) durchgef\u00fchrt werden. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200710_16_Muehlemann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"255\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Forschungsstelle f\u00fcr Bildungs\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Bern hat nach 2003 Vgl. Schweri et al. (2003) oder M\u00fchlemann et al. (2004). zum zweiten Mal die Kosten und den Nutzen der Lehrlingsausbildung aus der Sicht der Betriebe berechnet. Die Erhebung ist in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) wieder repr\u00e4sentativ f\u00fcr die ganze Schweiz durchgef\u00fchrt worden. Sie st\u00fctzt sich auf Antworten von rund 2400 ausbildenden sowie rund 1800 nicht ausbildenden Betrieben. Die Ergebnisse der zweiten Erhebung beziehen sich auf den Herbst 2004; das Stichdatum liegt also genau vier Jahre nach dem der ersten Erhebung.&#13;<\/p>\n<h2>Hauptergebnisse der ersten Erhebung best\u00e4tigt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zweite, methodisch verbesserte Erhebung best\u00e4tigt die Ergebnisse der ersten Erhebung in ihren wichtigsten Resultaten. Rund zwei Drittel der Ausbildungsverh\u00e4ltnisse in der Schweiz schliessen aus der Sicht der ausbildenden Betriebe mit einem Nettonutzen (siehe Grafik 1). Bei dem Drittel der Lehren, die nach Beendigung des Lehrverh\u00e4ltnisses Nettokosten aufweisen, decken in den meisten F\u00e4llen kurz- und mittelfristige Ertr\u00e4ge die get\u00e4tigten Ausbildungsauslagen:\u00a0&#8211; Kurzfristige Ertr\u00e4ge entstehen durch die Vermeidung von Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten neuer Mitarbeitender. \u00a0&#8211; Mittelfristige Ertr\u00e4ge ergeben sich durch die sehr betriebsspezifische Ausbildung, welche es den Unternehmen erlaubt, Fachkr\u00e4fte mit Qualifikationen zu erhalten, die auf dem externen Arbeitsmarkt zu entsprechenden L\u00f6hnen gar nicht zu finden w\u00e4ren.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiede auch nach Lehrdauer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie unterschiedliche Lehrdauer der einzelnen Berufe scheint aufgrund der gemachten Untersuchung im Durchschnitt ihre Berechtigung zu haben. Ob zwei-, dreioder vierj\u00e4hriges Lehrverh\u00e4ltnis &#8211; in allen F\u00e4llen erreichen die Lernenden im letzten Lehrjahr Fertigkeiten, die einer Produktivit\u00e4t von rund Dreiviertel der Produktivit\u00e4t einer durchschnittlichen Fachkraft im ausgebildeten Beruf entspricht. Daraus ist ersichtlich, dass die Lehrdauer im Durchschnitt so gew\u00e4hlt wird, dass sie bezogen auf die Referenzgr\u00f6ssen im auszubildenden Beruf beim Abschluss der Lehre einen \u00e4hnlich hohen Kompetenzstand erlaubt. Dass man bei unterschiedlich anspruchsvollen Berufen unterschiedlich hohe Investitionen t\u00e4tigen muss, zeigt sich schon im Nettokostenmuster \u00fcber die Lehrzeit der verschiedenen Lehrdauern (siehe Tabelle 1). \u00a0Eine l\u00e4ngere Lehrdauer erm\u00f6glicht es den Betrieben, gr\u00f6ssere Investitionen zu Beginn der Lehre vorzunehmen, weil sie diese Investitionen \u00fcber eine l\u00e4ngere Dauer amortisieren k\u00f6nnen. Der erw\u00e4hnte Umstand, dass die heute geltenden durchschnittlichen Lehrdauern am Ende einer Lehre zum gleichen Kompetenzniveau gelangen, bedeutet aber auch, dass man die Lehrzeit nicht ohne Not verl\u00e4ngern sollte. Ausnahmen sind dort vorhanden, wo sich \u00c4nderungen in den Referenzberufen ergeben (siehe folgenden Abschnitt). Diese \u00c4nderungen m\u00fcssen aber vom Arbeitsmarkt gew\u00fcnscht und vorgegeben sein, da sich sonst Verl\u00e4ngerungen der Lehrzeit f\u00fcr die Lernenden negativ in der Bildungsrendite niederschlagen. Vgl. Oosterbeek und Webbink (2007).&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen der Reform der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zweite Erhebung zeigte auch bei den meisten Lehrberufen keine signifikanten \u00c4nderungen in den lehrberufsspezifischen Nettokosten der Ausbildung. Bei der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung hingegen waren die Resultate von 2000 nicht mehr aussagekr\u00e4ftig, weil im Lehrjahr 2003\/2004 die Reform der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung (NKG) fl\u00e4chendeckend eingef\u00fchrt worden war. Die Auswirkungen dieser Reform, welche den betrieblichen Teil der Ausbildung st\u00e4rkte und ein degressives Schulmodell einf\u00fchrte, konnten aber nicht vollst\u00e4ndig abgebildet werden, weil zum Erhebungszeitpunkt erst die Erfahrungen mit den ersten beiden Lehrjahren abgebildet werden konnten. Wie zu erwarten war, bewirkte die NKG in den ersten beiden Lehrjahren eine Verteuerung der Lehre (siehe Grafik 2). Allerdings kann anhand der beobachteten Daten f\u00fcr das dritte Lehrjahr ein gr\u00f6sserer betrieblicher Nutzen erwartet werden, der praktisch ausreicht, um die nach der Reform h\u00f6heren Kosten der Ausbildung zu kompensieren. \u00a0Weitere Reformschritte in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung &#8211; wie der Ersatz der zweij\u00e4hrigen B\u00fcrolehre durch die dreij\u00e4hrige Lehre des Profils B &#8211; haben sich gem\u00e4ss den Kosten-Nutzen-Analysen in der erwarteten und beabsichtigten Weise ausgewirkt. Die B-Profil-Ausbildung glich sich in ihrem Kosten-Nutzen-Verlauf \u00fcber die Lehrzeit den durchschnittlichen 3-j\u00e4hrigen Lehren an; d.h. die l\u00e4ngere Lehrzeit erm\u00f6glicht es nun den Arbeitgebern, im ersten Lehrjahr deutlicher in die Lernenden zu investieren, ja gar Nettokosten in Kauf zu nehmen. In der fr\u00fcheren B\u00fcrolehre waren die Investitionen der Arbeitgeber in die Lernenden gerade im ersten Lehrjahr tiefer und die Lernenden auch schon st\u00e4rker in produktive T\u00e4tigkeiten eingespannt gewesen.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4t der Lernenden spielt ebenfalls eine Rolle<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bislang in der Schweiz und im Ausland durchgef\u00fchrten Untersuchungen zum Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis der Lehrlingsausbildung (aus Sicht der Betriebe) haben gezeigt, dass dieses Verh\u00e4ltnis &#8211; selbst bei vergleichbaren Betrieben und innerhalb eines bestimmten Lehrberufs &#8211; von einem Betrieb zum anderen sehr stark schwanken kann. Zwar k\u00f6nnen als Ursache f\u00fcr solche Unterschiede Messfehler oder nicht beobachtbare Unterschiede zwischen den Betrieben verantwortlich gemacht werden. Es ist jedoch naheliegend zu vermuten, dass auch Unterschiede zwischen den Lernenden eine Rolle spielen k\u00f6nnten. Bisherige Untersuchungen zu dieser Frage haben die Qualifikationen und die Qualit\u00e4t der ausgebildeten Lernenden nie genauer betrachtet und konnten somit zu dieser Hypothese auch keine Aussage machen. Diese L\u00fccke wird nun von der abgeschlossenen zweiten Kosten-Nutzen-Untersuchung behoben.\u00a0Unterschiede bei den Qualifikationen von Lernenden k\u00f6nnten f\u00fcr Nettokostenunterschiede einer Ausbildung zwischen Betrieben nicht als Erkl\u00e4rungsfaktor herangezogen werden, wenn diese Qualifikationen sich rein zuf\u00e4llig \u00fcber die ausbildenden Betriebe verteilen w\u00fcrden. Die Fragen und Antworten zur Rekrutierungs- und Selektionspolitik der ausbildenden Betriebe zeigen aber, dass die Betriebe bestrebt sind, Lernende zu rekrutieren, die m\u00f6glichst ihren Anspr\u00fcchen und Erwartungen entsprechen. Diejenigen Betriebe (oder Lehrberufe), die f\u00fcr die sich bewerbenden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler weniger attraktiv sind und entsprechend in ihrer Selektion weniger w\u00e4hlerisch sein k\u00f6nnen, erhalten meistens eine recht homogene Gruppe von Lernenden, weil die besten Bewerbenden schon vorg\u00e4ngig durch die attraktiveren Betriebe rekrutiert worden sind. So zeigt die Untersuchung denn auch, dass bezogen auf die schulische Vorbildung die meisten Betriebe eine recht homogene Gruppe von Lernenden rekrutieren und viele Betriebe daf\u00fcr bereit sind, recht grosse Aufwendungen im Rekrutierungs- und Selektionsprozess zu t\u00e4tigen. Erste Auswertungen zeigen, dass innerhalb eines Lehrberufes schulische, betriebliche und soziale Qualifikationen der Lernenden eine ziemlich hohe positive Korrelation aufweisen. Schulische Qualifikationen sind deshalb nicht die einzig relevanten Selektionskriterien f\u00fcr einen Betrieb.&#13;<\/p>\n<h2>Schulische Defizite senken Ausbildungsbereitschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchulische Defizite der Lernenden zwingen viele Betriebe, zus\u00e4tzliche Ausbildungsstunden in die Lernenden zu investieren oder einen Lehrabbruch zu riskieren (siehe Kasten 1 Beim Umgang der Ausbildungsbetriebe mit unterschiedlich qualifizierten Lernenden sind mindestens drei verschiedene Strategien vorstellbar: &#8211; Erstens k\u00f6nnen die Betriebe alle Lernenden gleich behandeln. &#8211; Zweitens k\u00f6nnen Betriebe Lernende vor allem dann f\u00f6rdern, wenn sie schulisch schwach sind, damit sie zu den besseren Lernenden aufschliessen k\u00f6nnen. Diese Strategie wird in der Literatur als \u00abKompensationsstrategie\u00bb bezeichnet. &#8211; Schliesslich k\u00f6nnen die Betriebe vor allem die besseren Lernenden f\u00f6rdern, weil sie sich davon einen h\u00f6heren Ertrag auf ihre Ausbildungsinvestition versprechen. Diese Strategie wird als \u00abEffizienzstrategie\u00bb bezeichnet.Es ist anzunehmen, dass die Betriebe auch bez\u00fcglich der Wahl der besten Ausbildungsstrategie nicht rein zuf\u00e4llig vorgehen: F\u00fcr Betriebe, die bei einer Ausbildung w\u00e4hrend der Lehrzeit im Durchschnitt einen Nettoertrag erwarten d\u00fcrfen, ist die Kompensationsstrategie vorteilhafter, w\u00e4hrend Betriebe, die Nettokosten w\u00e4hrend der Lehrzeit erwarten m\u00fcssen, eher eine Effizienzstrategie w\u00e4hlen d\u00fcrften. Letztere Betriebe sind nur bereit, die Nettokosten der Ausbildung auf sich zu nehmen, wenn sie sp\u00e4ter die selbst ausgebildeten Lernenden als Fachkr\u00e4fte \u00fcbernehmen. Vor diesem Hintergrund ist es leicht nachvollziehbar, dass hier der Anreiz besteht, vor allem in die besten Lernenden zu investieren. Diese Hypothese wird durch die Resultate der Untersuchung best\u00e4tigt.Um die empirischen Ergebnisse vergleichbar zu machen, wurden zwei Lehrberufsgruppen miteinander verglichen: Auf der einen Seite die kaufm\u00e4nnische Grundausbildung, welche im Durchschnitt f\u00fcr einen ausbildenden Betrieb am Ende der Lehre einen Nettoertrag generiert, und auf der anderen Seite vierj\u00e4hrige Ausbildungen im technisch-industriellen Bereich, welche im Durchschnitt hohe Nettokosten w\u00e4hrend der Lehre verursachen. Es kann gezeigt werden, dass in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung Betriebe, welche schulisch schw\u00e4chere Lernende eingestellt haben, signifikant mehr Ausbildungsstunden in die Lernenden investieren als vergleichbare Betriebe mit schulisch guten Lernenden. Bei den technisch-industriellen Berufen ist genau das Umgekehrte beobachtbar. Konsequenterweise kann auch beobachtet werden, dass in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung durch h\u00f6here Ausbildungsleistungen die Lehrabbruchquoten signifikant gesenkt werden k\u00f6nnen, w\u00e4hrend dies bei den technisch-industriellen Berufen nicht der Fall ist, da eher Betriebe mit \u00fcberdurchschnittlichen Lernenden viel in die Ausbildung investieren. Anders sieht es bei den Lehrabschlusspr\u00fcfungen aus. Hier sind es die zus\u00e4tzlichen Ausbildungsstunden f\u00fcr besonders gute Lernende in den technisch-industriellen Berufen, die einen positiven Einfluss auf die Lehrabschlusspr\u00fcfungsresultate haben, w\u00e4hrend die kompensatorische F\u00f6rderung der eher schlechteren Lernenden in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung keinen signifikanten Effekt zeigt. Letzteres heisst aber nicht unbedingt, dass die zus\u00e4tzlich gef\u00f6rderten Lernenden die Lehrabschlusspr\u00fcfung auch ohne diese F\u00f6rderung ebenso \u00abgut\u00bb abgeschlossen h\u00e4tten. Vielmehr deuten die Resultate darauf hin, dass sie ohne diesen zus\u00e4tzlichen Aufwand die Lehrabschlusspr\u00fcfung gar nicht erst bestanden h\u00e4tten.). In der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung beispielsweise wenden die Betriebe mit schulisch schw\u00e4cheren Lernenden rund eine Stunde zus\u00e4tzliche Ausbildungszeit pro Woche auf. Dies verteuert bei ihnen die Lehrlingsausbildung \u00fcber die ganze Lehre betrachtet im Durchschnitt um \u00fcber 6000 Franken. Ein durchschnittlicher ausbildender Betrieb kann diese zus\u00e4tzlichen Kosten gerade noch verkraften, ohne mit ungedeckten Ausbildungskosten die Lehre abschliessen zu m\u00fcssen. Wird der Aufwand aber noch gr\u00f6sser oder f\u00e4llt er in einem Lehrberuf an, der von Anfang an hohe Nettokosten zu erwarten hat, f\u00fchren schulische M\u00e4ngel bei den Lehrstellenbewerbenden dazu, dass die Ausbildungsneigung der Betriebe signifikant zur\u00fcckgeht. Vgl. M\u00fchlemann und Wolter (2007).&#13;<\/p>\n<h2>Nicht traditionelle Ausbildungsformen bleiben Spezialit\u00e4ten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchon die erste Untersuchung hatte sich vertieft der Frage nach neuen Ausbildungsmodellen gewidmet. Vgl. Walther et al. (2005). Die traditionelle Lehre mit ihrer direkten Beziehung zwischen Lehrmeister und Lernenden war in den letzten Jahren nicht nur in Grossunternehmungen teilweise durch interne Ausbildungsst\u00e4tten abgel\u00f6st worden. Gleichzeitig sind auch externe Ausbildungszentren entstanden, die sich im Auftrag ihrer Mitgliedfirmen professionell und ausschliesslich der Lehrlingsausbildung widmeten. \u00a0Weil neue, innovative Ausbildungsmodelle f\u00fcr das \u00dcberleben der Berufsbildung im Wandel der Zeit notwendig sind, wurden solche Modelle auch in der zweiten Untersuchung noch einmal detailliert untersucht. Neben dem Umstand, dass sich die Ausbildung in diesen neuen Ausbildungsformen weder quantitativ noch bezogen auf die von ihnen betroffenen Lehrberufen in den vier Jahren zwischen den beiden Studien stark ausgedehnt hatte, konnten auch die anderen Ergebnisse weit gehend best\u00e4tigt werden. Interne Ausbildungsst\u00e4tten und externe Ausbildungszentren bilden signifikant teurer aus als die traditionellen dualen Ausbildungsformen. Die h\u00f6heren Nettokosten k\u00f6nnen aber mittelfristig durch die Weiterbesch\u00e4ftigung der Lernenden kompensiert werden. Dies liegt bei internen Ausbildungsst\u00e4tten an der st\u00e4rker betriebsspezifisch ausgerichteten Ausbildung und bei externen Ausbildungszentren am Umstand, dass entsprechend hoch qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte auf dem externen Arbeitsmarkt sehr schwer zu finden w\u00e4ren. Ausbildungszentren betreiben einen grossen Aufwand bei der Lehrlingsselektion und -ausbildung, damit die beteiligten Betriebe sp\u00e4ter \u00fcber einen Pool an sehr hoch qualifizierten Mitarbeitenden verf\u00fcgen. Damit schaffen sie es, die h\u00f6heren Ausbildungskosten wieder einzufahren.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr als nur Buchhaltung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wiederholung der Kosten-Nutzen-Analyse der Lehrlingsausbildung ist weit mehr als eine buchhalterische Finger\u00fcbung. Die mit Hilfe dieser erhobenen Daten erm\u00f6glichten Analysen Vgl. M\u00fchlemann et al. (2007a). haben deutlich gezeigt, wie wichtig das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis f\u00fcr ein gen\u00fcgend hohes Lehrstellenangebot ist. Nun ist aber das Gleichgewicht von Kosten und Nutzen nicht automatisch gegeben. Es h\u00e4ngt &#8211; neben den bereits erw\u00e4hnten Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbedingungen und der Lernenden selbst &#8211; auch von den institutionellen Bedingungen ab, die durch die Berufsbildungspolitik und die Sozialpartner laufend beeinflusst und ver\u00e4ndert werden. Daher ist es unabdingbar, dass Steuerungsentscheide auf gesicherten Daten zu den \u00f6konomischen Konsequenzen beruhen, sei es f\u00fcr das hier beschriebene Beispiel der Reform der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung oder f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Berufsmatur. Vgl. Wolter und Schweri (2004). Ansonsten riskiert man mit einem bildungspolitischen \u00abBlindflug\u00bb, mehr Lehrstellen zu verhindern als zu schaffen. Damit die Wirkungen von Reformen nicht nur nachevaluiert, sondern schon in ihrem Design optimal auf die \u00f6konomischen Rahmenbedingungen angepasst werden k\u00f6nnen, braucht es periodisch wiederkehrende Erhebungen im Sinne der vorliegendewn Untersuchung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abNettokostenverteilung der Lehrlingsausbildung, 2004\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abNettokosten im Lehrverlauf f\u00fcr die kaufm\u00e4nnische Grundbildung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abNettokosten (-nutzen) \u00fcber die Lehrzeit nach Lehrdauer (gerundet)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Kompensation oder Effizienz? Beim Umgang der Ausbildungsbetriebe mit unterschiedlich qualifizierten Lernenden sind mindestens drei verschiedene Strategien vorstellbar: &#8211; Erstens k\u00f6nnen die Betriebe alle Lernenden gleich behandeln. &#8211; Zweitens k\u00f6nnen Betriebe Lernende vor allem dann f\u00f6rdern, wenn sie schulisch schwach sind, damit sie zu den besseren Lernenden aufschliessen k\u00f6nnen. Diese Strategie wird in der Literatur als \u00abKompensationsstrategie\u00bb bezeichnet. &#8211; Schliesslich k\u00f6nnen die Betriebe vor allem die besseren Lernenden f\u00f6rdern, weil sie sich davon einen h\u00f6heren Ertrag auf ihre Ausbildungsinvestition versprechen. Diese Strategie wird als \u00abEffizienzstrategie\u00bb bezeichnet.Es ist anzunehmen, dass die Betriebe auch bez\u00fcglich der Wahl der besten Ausbildungsstrategie nicht rein zuf\u00e4llig vorgehen: F\u00fcr Betriebe, die bei einer Ausbildung w\u00e4hrend der Lehrzeit im Durchschnitt einen Nettoertrag erwarten d\u00fcrfen, ist die Kompensationsstrategie vorteilhafter, w\u00e4hrend Betriebe, die Nettokosten w\u00e4hrend der Lehrzeit erwarten m\u00fcssen, eher eine Effizienzstrategie w\u00e4hlen d\u00fcrften. Letztere Betriebe sind nur bereit, die Nettokosten der Ausbildung auf sich zu nehmen, wenn sie sp\u00e4ter die selbst ausgebildeten Lernenden als Fachkr\u00e4fte \u00fcbernehmen. Vor diesem Hintergrund ist es leicht nachvollziehbar, dass hier der Anreiz besteht, vor allem in die besten Lernenden zu investieren. Diese Hypothese wird durch die Resultate der Untersuchung best\u00e4tigt.Um die empirischen Ergebnisse vergleichbar zu machen, wurden zwei Lehrberufsgruppen miteinander verglichen: Auf der einen Seite die kaufm\u00e4nnische Grundausbildung, welche im Durchschnitt f\u00fcr einen ausbildenden Betrieb am Ende der Lehre einen Nettoertrag generiert, und auf der anderen Seite vierj\u00e4hrige Ausbildungen im technisch-industriellen Bereich, welche im Durchschnitt hohe Nettokosten w\u00e4hrend der Lehre verursachen. Es kann gezeigt werden, dass in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung Betriebe, welche schulisch schw\u00e4chere Lernende eingestellt haben, signifikant mehr Ausbildungsstunden in die Lernenden investieren als vergleichbare Betriebe mit schulisch guten Lernenden. Bei den technisch-industriellen Berufen ist genau das Umgekehrte beobachtbar. Konsequenterweise kann auch beobachtet werden, dass in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung durch h\u00f6here Ausbildungsleistungen die Lehrabbruchquoten signifikant gesenkt werden k\u00f6nnen, w\u00e4hrend dies bei den technisch-industriellen Berufen nicht der Fall ist, da eher Betriebe mit \u00fcberdurchschnittlichen Lernenden viel in die Ausbildung investieren. Anders sieht es bei den Lehrabschlusspr\u00fcfungen aus. Hier sind es die zus\u00e4tzlichen Ausbildungsstunden f\u00fcr besonders gute Lernende in den technisch-industriellen Berufen, die einen positiven Einfluss auf die Lehrabschlusspr\u00fcfungsresultate haben, w\u00e4hrend die kompensatorische F\u00f6rderung der eher schlechteren Lernenden in der kaufm\u00e4nnischen Grundbildung keinen signifikanten Effekt zeigt. Letzteres heisst aber nicht unbedingt, dass die zus\u00e4tzlich gef\u00f6rderten Lernenden die Lehrabschlusspr\u00fcfung auch ohne diese F\u00f6rderung ebenso \u00abgut\u00bb abgeschlossen h\u00e4tten. Vielmehr deuten die Resultate darauf hin, dass sie ohne diesen zus\u00e4tzlichen Aufwand die Lehrabschlusspr\u00fcfung gar nicht erst bestanden h\u00e4tten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur &#8211; M\u00fchlemann, Samuel und Stefan C. Wolter (2007). Bildungsqualit\u00e4t, demographischer Wandel, Struktur der Arbeitsm\u00e4rkte und die Bereitschaft von Unternehmen, Lehrstellen anzubieten. Wirtschaftspolitische Bl\u00e4tter, 54 1\/2007.- M\u00fchlemann, Samuel, J\u00fcrg Schweri und Stefan C. Wolter (2004). Warum Betriebe keine Lehrlinge ausbilden &#8211; und was man dagegen tun k\u00f6nnte. In: Die Volkswirtschaft, 9\/2004, S. 43-48.- M\u00fchlemann, Samuel, J\u00fcrg Schweri und Stefan C. Wolter (2007a). Warum einige Firmen Lehrlinge ausbilden &#8211; viele aber nicht, In: Chaponni\u00e8re, M. et al. (Hrsg), Bildung und Besch\u00e4ftigung &#8211; Beitr\u00e4ge der internationalen Konferenz in Bern, R\u00fcegger-Verlag, Z\u00fcrich\/Chur, S. 317-330.- M\u00fchlemann, Samuel, Stefan C. Wolter, Marc Fuhrer und Adrian W\u00fcest (2007b). Lehrlingsausbildung &#8211; \u00f6konomisch betrachtet. Chur; Z\u00fcrich: R\u00fcegger.- Oosterbeek, Hessel und Dinand Webbink, (2007). Wage Effects of an Extra Year of Basic Vocational Education. Economics of Education Review, 26 (4), 408-419.- Schweri, J\u00fcrg, Samuel M\u00fchlemann, Yasmina Pescio, Belinda Walther, Stefan C. Wolter und Lukas Z\u00fcrcher (2003). Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung aus der Sicht Schweizer Betriebe. Chur; Z\u00fcrich: R\u00fcegger.- Walther, Belinda, J\u00fcrg Schweri und Stefan C. Wolter (2005). Shall I Train Your Apprentice? An Empirical Investigation of Outsourcing of Apprenticeship Training in Switzerland. Education + Training. 47 (4\/5), S. 251-269.- Wolter, Stefan C. und J\u00fcrg Schweri (2004). Kosten und Nutzen der Berufsmaturit\u00e4t. In: Die Volkswirtschaft, 4\/2004, S. 26-29.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum zweiten Mal wurde eine repr\u00e4sentative Untersuchung zu Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung durchgef\u00fchrt. Sie zeigt, dass im Durchschnitt schon am Ende einer Lehre ein Nettonutzen f\u00fcr den ausbildenden Betrieb resultiert. 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