{"id":123852,"date":"2007-09-01T12:00:00","date_gmt":"2007-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/09\/hofstetter-2\/"},"modified":"2023-08-28T11:04:57","modified_gmt":"2023-08-28T09:04:57","slug":"hofstetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/09\/hofstetter\/","title":{"rendered":"In der Schweiz lassen sich Emissionen g\u00fcnstiger reduzieren"},"content":{"rendered":"<p>Das Instrument des Emissionshandels bietet grosse Chancen: Es erlaubt die sichere Einhaltung von Mengensowie von damit verbundenen Umweltzielen und kann auch volkswirtschaftlich attraktiv sein. Dazu braucht es aber zwei Voraussetzungen: Die Mengenbeschr\u00e4nkung (Cap) muss so ausgelegt sein, dass die Umweltziele auch tats\u00e4chlich erreicht werden k\u00f6nnen. Und die volkswirtschaftlich g\u00fcnstigsten Emissionsreduktionen sollen bevorzugt werden. Diese liegen &#8211; entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung &#8211; nicht im Ausland, sondern in der Schweiz.<\/p>\n<h2>Politische Mach- und W\u00fcnschbarkeit von Handelssystemen<\/h2>\n<p>Lenkungsabgaben oder Steuern gelten als politisch schwieriger einzuf\u00fchren als Handelssysteme. Bei Handelssystemen wiederum sind die Menge der Emissionsrechte und die Zahl der einbezogenen Emittenten die Punkte, welche im politischen Prozess oft verw\u00e4ssert werden. Die Verwaltungskosten eines Handelssystems steigen mit der Zahl der zu kontrollierenden Emittenten und bewegen sich in der Regel deutlich \u00fcber dem Administrationsaufwand f\u00fcr Lenkungsabgaben. \u00a0Deshalb liegt es nahe, sich auf die Grossemittenten zu konzentrieren. F\u00fcr die Schweiz allerdings ist das &#8211; im Gegensatz zu den meisten EU-L\u00e4ndern &#8211; der falsche Weg, lassen sich doch damit weniger als 20% der Emissionen erfassen. Die Forderung nach dem Anschluss der Schweiz an das europ\u00e4ische Emissionshandelsystem mag trotzdem Sinn machen, bietet aber rund 100000 kleinen und mittleren Unternehmen keinerlei Klimaschutzanreize.\u00a0Was also ist zu tun? Die \u00abKlima-Allianz\u00bb der Umweltverb\u00e4nde schl\u00e4gt in ihrem Klima-Masterplan Allianz f\u00fcr eine verantwortungsvolle Klimapolitik (2006). Klima-Masterplan &#8211; der Weg zu einer klimavertr\u00e4glichen Schweiz. Internet: <a href=\"http:\/\/www.wwf.ch\/klimafakten\">www.wwf.ch\/klimafakten<\/a> . zus\u00e4tzlich zu einer Treibhausgas- und Energielenkungsabgabe sechs Bereiche vor, in denen Handelssysteme etabliert werden sollen (siehe Kasten 1 &#8211; Anschluss ans EU- Emissions-Handelsystem (inkl. Luftfahrt): Das EU-Handelsystem deckt allerdings nur wenige Sektoren ab, die in der Schweiz bedingt relevant sind.- Weiterf\u00fchren des EnAW-Systems: Die Zielvereinbarungsziele m\u00fcssen in Zukunft deutlich weiter gehen, damit alle sinnvollen Massnahmen umgesetzt werden k\u00f6nnen.- Lizenzen f\u00fcr ineffiziente Neuwagen: Neuwagen, die einen festgelegten Emissionswert \u00fcbersteigen, werden in Emissionsklassen eingeteilt und die j\u00e4hrliche Zulassungsmenge begrenzt.- Lizenzen f\u00fcr ineffiziente Elektronik- und Elektroger\u00e4te inkl. Motoren: Analog zu den Autos sollen auch hier ineffiziente Ger\u00e4te nur noch in begrenzten St\u00fcckzahlen k\u00e4uflich sein.- W\u00e4rmeverbrauchsb\u00f6rse f\u00fcr Geb\u00e4ude: Festlegen von ambitionierten Maximalgrenzen f\u00fcr Emissionen pro m2 Energiebezugsfl\u00e4che. Liegt ein Geb\u00e4ude unter dem Grenzwert, k\u00f6nnen Zertifikate verkauft werden. Durch den Kauf solcher Zertifikate k\u00f6nnen Hauseigent\u00fcmer mit der Sanierung ihrer Liegenschaft zuwarten (System wird in Genf erprobt).- Globaler Emissionshandel: Der Schweizer Konsum verursacht im Ausland \u00abgraue\u00bb Emissionen von netto 40 Mio. Tonnen CO2eq pro Jahr. Diese Menge soll kompensiert, aber nicht angerechnet werden.). Solche Systeme bieten sich nicht zuletzt dann an, wenn Verbote und strenge Standards politisch unerw\u00fcnscht sind. Wichtig: Emissionsrechte d\u00fcrfen nicht verschenkt, sondern m\u00fcssen vollst\u00e4ndig auktioniert werden. Nur so kann eine Reihe von negativen Effekten vermieden werden (Windfall Profits, Neuemittentenklausel, Belohnung starker Lobbygruppen).Vermutlich w\u00fcrden auch die Preise f\u00fcr Emissionsrechte weniger stark fluktuieren, was die Investoren freut: F\u00fcr sie hat der Emissionshandel gegen\u00fcber Lenkungsabgaben oft deutliche Nachteile, weil der schwankende CO2-Preis den Investitionsentscheid erschwert.<\/p>\n<h2>Auslandzertifikate haben versteckte Nebenkosten<\/h2>\n<p>In der Schweiz ist ein erhebliches Emissionsreduktionspotenzial vorhanden, das sich auch wirtschaftlich rechnet. Dazu ein Beispiel: Innerhalb der gleichen Automodellreihe variiert der Verbrauch je nach Motorisierung vielfach um 20%, wobei die g\u00fcnstigste und verbrauchs\u00e4rmste Motorisierung oft nicht einmal in die Schweiz importiert wird. Sparsame Autos sind &#8211; von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; sowohl im Kauf wie auch im Betrieb g\u00fcnstiger. Das vorgeschlagene Lizenzsystem verhilft diesen zum Durchbruch und generiert damit volkswirtschaftlich keine Kosten, sondern einen Nutzen. Trotzdem h\u00e4lt sich das Hohelied der Erd\u00f6lindustrie &#8211; auch in den Medien &#8211; hartn\u00e4ckig. Dessen Kernsatz lautet: \u00abEmissionsminderung im Ausland ist viel billiger als in der Schweiz.\u00bb \u00a0Das ist falsch. Projekte in Entwicklungsl\u00e4ndern m\u00fcssen zwingend unwirtschaftlich sein und lassen sich nur dank dem Erl\u00f6s aus den Emissionszertifikaten realisieren. Hinzu kommt, dass jede im Emissionshandel gekaufte Tonne CO2 den h\u00f6chst unangenehmen Nebeneffekt hat, dass in der Schweiz damit der Verbrauch von rund 400 Litern \u00d6l nicht reduziert wird. Zus\u00e4tzlich zum Preis der Zertifikate von 5 bis 30 Franken pro Tonne CO2 m\u00fcssen also 300 Franken hinzugerechnet werden f\u00fcr den Preis der in der Schweiz verbrauchten Erd\u00f6lmenge.\u00a0Anders sieht es bei Emissionsreduktionen in der Schweiz aus. So l\u00e4sst sich hierzulande beispielsweise ohne Mehrkosten der Neubaustandard versch\u00e4rfen. Auch die Sanierung von Altbauten amortisiert sich innerhalb der Lebensdauer. Der neue Leitsatz f\u00fcr die Schweizer Politik sollte deshalb lauten: Auslandemissionen der Schweiz reduzieren wir im Ausland, Inlandemissionen im Inland &#8211; weil es sich volkswirtschaftlich lohnt.<\/p>\n<p>Kasten 1: Vorgeschlagene Instrumente im \u00dcberblick &#8211; Anschluss ans EU- Emissions-Handelsystem (inkl. Luftfahrt): Das EU-Handelsystem deckt allerdings nur wenige Sektoren ab, die in der Schweiz bedingt relevant sind.- Weiterf\u00fchren des EnAW-Systems: Die Zielvereinbarungsziele m\u00fcssen in Zukunft deutlich weiter gehen, damit alle sinnvollen Massnahmen umgesetzt werden k\u00f6nnen.- Lizenzen f\u00fcr ineffiziente Neuwagen: Neuwagen, die einen festgelegten Emissionswert \u00fcbersteigen, werden in Emissionsklassen eingeteilt und die j\u00e4hrliche Zulassungsmenge begrenzt.- Lizenzen f\u00fcr ineffiziente Elektronik- und Elektroger\u00e4te inkl. Motoren: Analog zu den Autos sollen auch hier ineffiziente Ger\u00e4te nur noch in begrenzten St\u00fcckzahlen k\u00e4uflich sein.- W\u00e4rmeverbrauchsb\u00f6rse f\u00fcr Geb\u00e4ude: Festlegen von ambitionierten Maximalgrenzen f\u00fcr Emissionen pro m2 Energiebezugsfl\u00e4che. Liegt ein Geb\u00e4ude unter dem Grenzwert, k\u00f6nnen Zertifikate verkauft werden. 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