{"id":123867,"date":"2007-09-01T12:00:00","date_gmt":"2007-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/09\/koop-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:43:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:43:44","slug":"koop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/09\/koop\/","title":{"rendered":"Standardkostenmodell: Internationale Erfahrungen und Schl\u00fcsse f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das Standardkostenmodell (SKM) ist bereits in zahlreichen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur etablierten Methode geworden, um die administrative Belastung f\u00fcr Unternehmen zu verringern. Die Grundidee, die entstehenden Kosten zun\u00e4chst zu ermitteln, Verantwortlichkeiten deutlich zu machen und anhand dieser Kenngr\u00f6ssen \u00fcbergreifende und messbare Ziele zu setzen, \u00fcberzeugt. Zudem kann die Arbeit mit dem Modell inzwischen nachhaltige und bezifferbare Erfolge aufweisen: In den Niederlanden konnte eine Reduktion der Belastung um 4 Mrd. Euro erreicht werden, die der Wirtschaft nun jedes Jahr erspart bleiben. Das gesetzte Ziel einer Reduktion um 25% der gemessenen Kosten wurde damit in den Niederlanden bereits realisiert und wird als Zielsetzung auch in den meisten anderen Staaten angestrebt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm internationalen Vergleich ist die administrative Belastung f\u00fcr die Wirtschaft in der Schweiz relativ tief anzusetzen. Ausgehend von einem Wert von ca. 2% des Bruttoinlandprodukts (BIP) &#8211; etwa so viel wie in D\u00e4nemark &#8211; w\u00fcrde eine Reduktion von 25% rund 2 Mrd. Franken an Einsparungen f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft bedeuten. Eine Anwendung des SKM in der Schweiz erscheint daher zun\u00e4chst genauso reizvoll wie in jenen L\u00e4ndern, die eine Vollmessung (d.h. eine Messung der Kosten aller Gesetze) durchf\u00fchren oder bereits durchgef\u00fchrt haben (vgl. Grafik 1). Zu kl\u00e4ren ist allerdings, wie das Modell in f\u00f6deralen Systemen angewendet werden kann und sich dort bew\u00e4hrt hat, liegen doch dazu international bis dato nur wenige Erfahrungen vor.&#13;<\/p>\n<h2>Ist die Anwendbarkeit im f\u00f6deralen Staat gegeben?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Frage nach der Anwendbarkeit des Standardkostenmodells im f\u00f6deralen Staat stellte eine der Kernfragen der vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) in Auftrag gegebenen und von Ramb\u00f8ll Management durchgef\u00fchrten Studie dar. Verwiesen werden konnte dabei vor allem auf die Erfahrungen in Deutschland und die ersten Pilotmessungen der EU. Vor allem die EU steht vor einer sehr \u00e4hnlichen Fragestellung bei der Messung der aus EU-Richtlinien resultierenden Kosten. Das Ergebnis dieser Betrachtung ist, dass die M\u00f6glichkeit zur Anwendung prinzipiell besteht, dass sie jedoch einer besonderen Vorgehensweise und des Einbezugs der konkretisierenden und umsetzenden Ebenen bedarf. Wo sich auf der einen Seite besondere Herausforderungen stellen, steht auf der anderen Seite ein ebenso gewichtiger Mehrwert. Denn die Messung erlaubt zugleich die sonst schwer zu differenzierenden \u00abVerursacher\u00bb von administrativer Belastung zwischen EU, Bund, Kantonen und Gemeinden klar auszuweisen und die Verantwortungsbereiche zu benennen.&#13;<\/p>\n<h2>Transparenz, Flexibilit\u00e4t und dezentrale Durchf\u00fchrung als Vorteile<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine \u00e4hnliche Auswirkung besteht auf der horizontalen Ebene. Durch die \u00fcbergreifende Messung, die eindeutige Zahlen und Verantwortlichkeiten als Ergebnis liefert, l\u00e4sst sich feststellen, welche Departemente an welchen Stellen und durch welche Massnahmen B\u00fcrokratie abbauen k\u00f6nnen. Das Vorgehen der Messung administrativer Kosten mittels SKM erlaubt eine \u00fcbergreifende Reduktion mit geringer oder g\u00e4nzlich ohne zentrale Steuerung, so dass jedes Ressort eigenst\u00e4ndig seine Ziele setzen und verfolgen kann, um das gemeinsame Ziel der Entlastung der Wirtschaft zu erreichen. Das bedeutet f\u00fcr die Schweiz als stark dezentrales System einen besonderen Vorteil.\u00a0Diese Vorteile ergeben sich allerdings nur bei einer \u00fcbergreifenden Messung, weshalb die Studie vor allem auf Bundesebene zur Empfehlung der Vollerhebung tendiert. Besonders das Vorgehen in \u00d6sterreich und Deutschland erscheint auch f\u00fcr die Schweiz sinnvoll. Dabei werden im Zuge der Messung zun\u00e4chst die Kostentreiber &#8211; also die f\u00fcr die Wirtschaft teuersten Regelungen &#8211; identifiziert und detaillierter gemessen. Das Verfahren bleibt dadurch kosteng\u00fcnstiger und erlaubt eine z\u00fcgige Umsetzung, so dass nach etwa sechs Monaten bereits die relevanten Daten vorliegen, auf deren Basis gezielt Reduktionsmassnahmen entwickelt und umgesetzt werden k\u00f6nnen. Alternativ weist die Studie auf das Vorgehen in Schweden hin, bei dem in einem Zeitraum von 2-3 Jahren nur die in anderen L\u00e4ndern teuren Regelungsbereiche gemessen werden. Der besondere \u00fcbergreifende Steuerungsvorteil f\u00e4llt hierbei sicherlich geringer aus, und es bedarf zudem eines \u00fcbergreifend beschlossenen Mess- und Reduktionsplanes. Die Kosten f\u00fcr die Messung sind jedoch geringer. \u00a0In jedem Fall w\u00e4ren als erster Schritt zu einer Messung die Auseinandersetzung mit der Methode und die Erstellung oder Wahl eines \u00abHandbuchs\u00bb zum genauen Vorgehen notwendig. Denn wenn sich aus den Erfahrungen der letzten Jahre in der Anwendung des SKM eines sagen l\u00e4sst, so ist dies, dass die Methode sehr unterschiedlich umgesetzt wird und in der Praxis &#8211; je nach Zielsetzung, rechtlicher Ausgestaltung und politischem System &#8211; viel Spielraum bez\u00fcglich der Umsetzung besteht. Sichtbar wird das zum einen an den zahlreichen Handb\u00fcchern, die international angewendet werden, zum anderen an den Ergebnissen der Studien, in denen der Versuch eines Benchmarks zwischen L\u00e4ndern auf Basis zuvor mittels SKM erhobener Daten unternommen wurde. Es zeigte sich dabei eindeutig, dass Vergleichbarkeit im Grunde nur bei einheitlicher und zentral festgelegter Methodenanwendung gegeben ist, und zwar sowohl bez\u00fcglich des Vergleichs zwischen L\u00e4ndern oder Kantonen als auch der zeitlichen Gegen\u00fcberstellung von geltendem Recht und Novellierung.&#13;<\/p>\n<h2>Sind die Ergebnisse anderer L\u00e4nder direkt verwendbar?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben der Frage nach den Potenzialen und M\u00f6glichkeiten der Anwendung des SKM wurde im Rahmen der Studie die nahe liegende Idee beleuchtet, die Ergebnisse anderer L\u00e4nder direkt zu verwenden, ohne selbst umfangreiche Messungen durchf\u00fchren zu m\u00fcssen. Zun\u00e4chst wurden die Kostentreiber in D\u00e4nemark mit der rechtlichen Ausgestaltung in der Schweiz verglichen. Daraus resultierte, dass einerseits ein Grossteil der Kostentreiber in D\u00e4nemark auch zu den Kostentreibern in der Schweiz geh\u00f6rt. Andererseits k\u00f6nnen auf diese Weise nicht alle \u00abteuren\u00bb Regelungen in der Schweiz identifiziert werden. Im Sinne eines schlanken Vorgehens liessen sich damit die Ergebnisse zu Kostentreibern anderer L\u00e4nder zwar f\u00fcr eine Fokussierung der Messungen in der Schweiz nutzen, sollten jedoch in jedem Falle durch weitere Untersuchungen erg\u00e4nzt werden. \u00a0Abschliessend wurde der Ansatz untersucht, wonach die Reduktionsmassnahmen in den Niederlanden ausgewertet und f\u00fcr eine Reduktion von B\u00fcrokratiekosten in der Schweiz genutzt werden. Ergebnis der \u00dcberpr\u00fcfung war, dass sich diese zwar durchaus als Anregungen verwenden lassen. Die Ausgestaltung von Gesetzen und Vollzug sowie die Entwicklungen in den Niederlanden und der Schweiz sind jedoch derart unterschiedlich, dass eine direkte \u00dcbernahme nur wenig Potenzial bietet.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Anwendung des Standardkostenmodells ist auch f\u00fcr die Schweiz ein sehr interessanter Ansatz, mit dem sich ein hohes Potenzial &#8211; insbesondere hinsichtlich einer \u00fcbergreifenden und zugleich dezentralen Steuerung des B\u00fcrokratieabbaus &#8211; realisieren liesse. Die Herausforderungen bestehen dabei vor allem in der Anpassung des methodischen Vorgehens, wobei ein Lernen und die Zusammenarbeit mit anderen f\u00f6deralen Staaten wie Deutschland und \u00d6sterreich zu empfehlen sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abAnwendung des Standardkostenmodells im europ\u00e4ischen Raum\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abKosten und Einsparungen in den SKM-Anwenderstaaten\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nNiederlande 4 4.1 D\u00e4nemark 2 ca. 1.1 Grossbritannien 26 ca. 11.1 Tschechische Republik intern durchgef\u00fchrt 0.6<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Standardkostenmodell (SKM) ist bereits in zahlreichen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur etablierten Methode geworden, um die administrative Belastung f\u00fcr Unternehmen zu verringern. 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