{"id":123892,"date":"2007-09-01T12:00:00","date_gmt":"2007-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/09\/ritz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:44:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:44:28","slug":"ritz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/09\/ritz\/","title":{"rendered":"Bleibt uns die Zeit, um mit marktwirtschaftlichen Mitteln das Klimaproblem zu entsch\u00e4rfen?"},"content":{"rendered":"<p>Heute st\u00f6sst die Menschheit pro Jahr rund 30 Gigatonnen CO2 aus. Um das Klima zu stabilisieren, m\u00fcssen die Emissionen unter rund 10 Gigatonnen CO2 pro Jahr sinken. Dies entspricht etwa der Menge, welche die Ozeane und das Festland aus der Atmosph\u00e4re absorbieren k\u00f6nnen. Wenn man von rund 10 Mrd. Menschen im Jahr 2050 ausgeht, dann darf jede Person pro Jahr nur etwa eine Tonne CO2 verursachen. Der Energieverbrauch selbst ist aber nicht beschr\u00e4nkt, wenn die Energie treibhausgasfrei produziert wurde. Falls im Laufe der Zeit aufgrund neuer Erkenntnisse ein abgeschw\u00e4chtes Reduktionsziel tolerierbar werden sollte, so \u00e4ndert dies kaum etwas an der Dringlichkeit der heute einzuleitenden Massnahmen. Die im Folgenden dargelegten Fakten zeigen, dass ein Zuwarten, bis die grossen Auswirkungen auch tats\u00e4chlich eintreffen, sehr gravierende Folgen h\u00e4tte.&#13;<\/p>\n<h2>CO2-Emissionen stammen haupts\u00e4chlich aus Industriel\u00e4ndern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEuropa st\u00f6sst mit rund 7 Tonnen pro Person und Jahr etwa sieben Mal zu viel CO2 aus. Die Schweiz liegt etwas unter dem europ\u00e4ischen Schnitt, da sie kaum noch Schwerindustrie hat und den Strom praktisch CO2-frei erzeugt. Eine Studie des Bundesamtes f\u00fcr Umwelt (Bafu) zeigt indes, dass die Herstellung aller importierten G\u00fcter in der Schweiz den CO2-Ausstoss um 70% erh\u00f6hen w\u00fcrde. Ein Ersatz der Kernkraftwerke durch modernste Gaskraftwerke w\u00fcrde eine weitere Erh\u00f6hung um 20% bedeuten. Die EU anderseits kann mit einer Substitution ihrer alten Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke den Ausstoss betr\u00e4chtlich reduzieren. Doch auch dies ist eine kurzsichtige Massnahme, denn bei der Vorgabe von 1 Tonne CO2 pro Person und Jahr ist fossile Energie zu wertvoll, um bloss f\u00fcr die Erzeugung von W\u00e4rme verschwendet zu werden. \u00a0Von allen Kontinenten st\u00f6sst nur Afrika weniger als eine Tonne CO2 pro Person und Jahr aus. Das bev\u00f6lkerungsreiche Indien erf\u00fcllt diese Zielgr\u00f6sse heute knapp, wobei die Emissionen rasch wachsen und in den Agglomerationszentren schon weit \u00fcber der Zielgr\u00f6sse liegen. Chinas Emissionen sind bereits heute drei Mal zu hoch.&#13;<\/p>\n<h2>Klimaerw\u00e4rmung ist unabwendbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie EU fordert eine Stabilisierung der mittleren Temperatur auf plus 2 Grad Celsius gegen\u00fcber vorindustriellen Zeiten. Die erwartete Temperaturerh\u00f6hung w\u00e4re allerdings \u00fcber dem Festland bedeutend h\u00f6her &#8211; mit steigenden Werten gegen den Norden. Um aber dieses Ziel zu erreichen, darf die Menschheit \u00fcber alle Zeiten nur noch 600 Gigatonnen CO2 mehr als die erlaubten 10 Gigatonnen pro Jahr ausstossen. Bei heutigem Verbrauch w\u00e4re der CO2-Kredit in 30 Jahren ausgesch\u00f6pft. Auch bei einer Zieltemperatur von plus 5 Grad d\u00fcrfen die bekannten fossilen Reserven in den n\u00e4chsten mehreren hundert Jahren nicht verbrannt werden.\u00a0Gegenw\u00e4rtig bestehen noch kaum Erfahrungen mit der langfristigen und sicheren Speicherung von CO2 in geologischen Kavernen oder in den Weltmeeren. Zudem ist die CO2-Abscheidung gerade beim Transport und im Flugverkehr kaum realisierbar. Die grosstechnische CO2-Speicherung ist in naher Zukunft daher keine L\u00f6sung des Problems.\u00a0Die Menschheit wird sich an die Klima\u00e4nderung anpassen m\u00fcssen, denn wir haben unseren Lebensstil auf die klimatischen Verh\u00e4ltnisse der vergangenen Jahrhunderte eingestellt. Zu denken ist dabei an den Wasserverbrauch, die Sturmfestigkeit und Hitzetauglichkeit der Geb\u00e4ude sowie an unseren Umgang mit Naturgefahren.&#13;<\/p>\n<h2>Die Industriel\u00e4nder m\u00fcssen ihre Verantwortung wahrnehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Industriel\u00e4nder werden die prim\u00e4r durch sie verursachten Anpassungskosten an der Klima\u00e4nderung selbst tragen m\u00fcssen. Die meisten L\u00e4nder Afrikas und viele Entwicklungsl\u00e4nder verursachen keine \u00fcberh\u00f6hten CO2-Emissionen. Die Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder sp\u00fcren bereits jetzt die Konsequenzen der bisher kumulierten Emissionen, welche zu 75% von 20% der Weltbev\u00f6lkerung stammen. \u00a0Auch die Schweiz wird nicht darum herumkommen, ihre eigenen CO2-Emissionen drastisch zu verringern. Neben marktwirtschaftlichen Instrumenten werden normative Instrumente unumg\u00e4nglich sein. Vor dem Hintergrund der erforderlichen Dekarbonisierung unseres Energieverbrauchs erscheinen die Instrumente der Kyoto-Verpflichtungsperiode wie Spielzeuge; es gen\u00fcgt nicht, nur die billigen CO2-Emissionen zu vermindern. Die Unterst\u00fctzung der Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder mit den Kyoto-Instrumenten zielt zudem ins Leere, wenn diese L\u00e4nder nicht selbst alles daran setzen, dass der Energiehunger ihrer rasant wachsenden Grossst\u00e4dte minimiert wird. Damit sie beginnen, ihre Verantwortung wahrzunehmen, werden die Verursacher der heutigen Klima\u00e4nderung nicht umhin kommen, die Folgen ihrer historischen Treibhausgasemissionen abzugelten. Der Vorschlag von Bundesrat Leuenberger, diese Kosten mit einer an der Quelle erhobenen Abgabe zu begleichen, sollte daher weiterverfolgt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute st\u00f6sst die Menschheit pro Jahr rund 30 Gigatonnen CO2 aus. Um das Klima zu stabilisieren, m\u00fcssen die Emissionen unter rund 10 Gigatonnen CO2 pro Jahr sinken. Dies entspricht etwa der Menge, welche die Ozeane und das Festland aus der Atmosph\u00e4re absorbieren k\u00f6nnen. Wenn man von rund 10 Mrd. 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