{"id":123952,"date":"2007-07-01T12:00:00","date_gmt":"2007-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/07\/korn-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:44:35","modified_gmt":"2023-08-23T21:44:35","slug":"korn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/07\/korn\/","title":{"rendered":"Altersspezifische Beurteilung der Arbeitsbedingungen: Schweizer Besch\u00e4ftigte im europ\u00e4ischen Vergleich"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz weist im internationalen Vergleich eine hohe Erwerbsquote \u00e4lterer Arbeitnehmender auf. Dennoch muss auch sie sich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen, wird doch der Anteil der \u00fcber 50-J\u00e4hrigen bis 2020 auf 31% der Erwerbst\u00e4tigen ansteigen; im Jahr 2000 waren es noch 25%. Vgl. OECD (2003). In der Folge werden sich die Altersstrukturen der Belegschaften &#8211; aber auch der Arbeitsmarkt &#8211; grundlegend ver\u00e4ndern. Aufgrund des sich abzeichnenden Mangels an qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften gilt es zum einen, die \u00e4lteren Mitarbeitenden l\u00e4nger leistungsf\u00e4hig, motiviert und gesund im Arbeitsleben zu halten. Zum anderen sind attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit junge, qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte gewonnen und Elternteile mit Familienpflichten vermehrt am Erwerbsleben beteiligt werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie bewerten Schweizer Arbeitskr\u00e4fte heute ihre Arbeitsbedingungen in Abh\u00e4ngigkeit vom Alter, und wie f\u00e4llt diese Bewertung im Vergleich zu den EU-L\u00e4ndern aus? Ist eine Basis gegeben, um die skizzierten Herausforderungen zu meistern? Und wo muss allenfalls nachgebessert werden? Die Daten der Vierten Europ\u00e4ischen Umfrage \u00fcber Arbeitsbedingungen in Europa (vgl.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDie Schweiz hat erstmals an der Erhebung der Europ\u00e4ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen teilgenommen, welche seit 1990 alle f\u00fcnf Jahre durchgef\u00fchrt wird. Bei der Erhebung 2005 wurden nahezu 30000 Erwerbst\u00e4tige in 31 L\u00e4ndern befragt, darunter rund 1000 in der Schweiz. Beteiligt haben sich die EU-Mitgliedstaaten, die Beitrittskandidaten T\u00fcrkei und Kroatien sowie Norwegen und die Schweiz. Wenn von den europ\u00e4ischen Vergleichdaten (EU 31) gesprochen wird, sind diese 31 beteiligten L\u00e4nder gemeint.), die derzeit altersspezifisch ausgewertet werden, erlauben erste R\u00fcckschl\u00fcsse.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitszufriedenheit &#8211; Spitzenwerte bei den \u00c4lteren in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz zeigen sich 96% der Besch\u00e4ftigten, die 55 Jahre und \u00e4lter sind, mit den Arbeitsbedingungen in ihrem Hauptberuf sehr zufrieden oder zufrieden. Dieser Wert liegt deutlich \u00fcber dem Durchschnitt der an der Erhebung beteiligten L\u00e4nder (EU 31), der bei 85% liegt. Ein Land mit gegenl\u00e4ufigem Trend ist Grossbritannien, wo die j\u00fcngste Altersgruppe mit 98% die h\u00f6chsten Zufriedenheitswerte aufweist. \u00a0Trotz dieses positiven Ergebnisses f\u00fcr die Schweiz ist zu ber\u00fccksichtigen, dass generelle Arbeitszufriedenheitswerte alleine wenig aussagekr\u00e4ftig sind, weisen diese doch meist einen positiven Bias auf; zudem k\u00f6nnen sich sehr unterschiedliche Formen der Arbeits(un)zufriedenheit in diesen Werten abbilden. Vgl. Bruggemann et al. (1975). So kann es sich bei den \u00c4lteren auch um resignative Arbeitszufriedenheit handeln (\u00abes k\u00f6nnte ja noch schlimmer sein\u00bb), w\u00e4hrend bei den J\u00fcngeren st\u00e4rker eine konstruktive Arbeitsunzufriedenheit zum Tragen kommen k\u00f6nnte (\u00abes muss sich etwas \u00e4ndern\u00bb). Aufschlussreicher ist demgegen\u00fcber, wie unterschiedliche Facetten des Arbeitslebens wahrgenommen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Weniger eint\u00f6nige Arbeiten und h\u00f6here Autonomie mit zunehmendem Alter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZentrale Voraussetzungen, um die Gesundheit und die Arbeitsf\u00e4higkeit zu erhalten, sind entwicklungsf\u00f6rderliche Arbeitsaufgaben, die vielf\u00e4ltig, sinnhaltig und kognitiv herausfordernd sind sowie Feedback erm\u00f6glichen. \u00dcberdies sollte f\u00fcr deren Ausf\u00fchrung ein ausreichender Gestaltungs- und Zeitspielraum zur Verf\u00fcgung stehen. Vgl. Ulich (2001).\u00a0Die M\u00f6glichkeiten, bei der Arbeit etwas Neues zu lernen, beurteilen die Schweizer Befragten sehr positiv &#8211; und dies weit gehend \u00fcbereinstimmend \u00fcber alle Altersgruppen hinweg (CH: 86%; EU 31: 69%). Auch das Gef\u00fchl, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten (CH: 93%; EU 31: 81%), sowie die Aussage, dass die T\u00e4tigkeit einem das Gef\u00fchl von gut geleisteter Arbeit gibt (CH: 91%; EU 31: 79%), wird \u00fcber alle Altersgruppen hinweg positiv best\u00e4tigt. Dass Aufgaben verschiedene F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten erfordern, teilen die Altersgruppen von 15 bis 54 Jahren mit Werten zwischen 93% und 97%. Ab 55 Jahren sinkt die Zustimmung indes auf einen Wert von 89%. \u00a0Wesentlich deutlichere Unterschiede zwischen den Altersgruppen zeigen sich in Bezug auf andere Aspekte der Arbeit. So steigt der Anteil der Schweizer Befragten, die angeben, dass ihre T\u00e4tigkeit die Selbstbeurteilung der Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit beinhaltet, von 74% bei den 15- bis 24-J\u00e4hrigen auf 91% bei den \u00fcber 55-J\u00e4hrigen. Die M\u00f6glichkeit, komplexe Arbeitsaufgaben zu erledigen, steigt von 63% (15-24) auf 79% (55+). Besonders markant f\u00e4llt die Zunahme beim Einbringen eigener Ideen aus &#8211; und zwar von 51% (15-24) auf 85% (55+). Hingegen nimmt der Anteil jener, welche eint\u00f6nige Arbeiten verrichten, von 24% (15-24) auf 16% (55+) tendenziell ab. Diese Werte sind im internationalen Vergleich sehr gering, geben doch im Durchschnitt der Studie 52% der 15- bis 24-J\u00e4hrigen an, eint\u00f6nige Arbeiten zu verrichten. In den anderen Altersgruppen bewegt sich dieser Anteil zwischen 39% und 47%.&#13;<\/p>\n<h2>J\u00fcngere berichten von weniger Zeitautonomie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Bezug auf den Zeitspielraum &#8211; d.h. dem Ausmass der zeitlichen Bindung bei der Aufgabenausf\u00fchrung sowie den M\u00f6glichkeiten, Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung auszu\u00fcben &#8211; driften Jung und Alt bei der Schweizer Stichprobe auseinander. So steigt mit zunehmendem Alter der Anteil der Befragten, der Reihenfolge, Vorgehen sowie Arbeitstempo oder Rhythmus der Aufgabenerledigung aussuchen oder \u00e4ndern kann. Dem entspricht, dass mit zunehmendem Alter das Arbeitstempo seltener von der Arbeit der Kollegen und Kolleginnen, der automatischen Geschwindigkeit einer Maschine\/Transporteinrichtung oder der direkten Kontrolle des Vorgesetzten abh\u00e4ngig ist. \u00a0Insgesamt beurteilen junge Erwerbst\u00e4tige (15-24) ihre Arbeitszeitautonomie als vergleichsweise gering: 65% geben an, dass ihre Arbeitszeiten vom Unternehmen resp. der Organisation ohne \u00c4nderungsm\u00f6glichkeiten festgelegt werden. Ein Vergleich mit allen teilnehmenden L\u00e4ndern zeigt mit 64% ein analoges Bild. Entsprechend berichtet diese Altersgruppe \u00fcberwiegend (73%) von festen Arbeitszeiten f\u00fcr Arbeitsbeginn und Arbeitsende; und nur 37% Pausen k\u00f6nnen machen, wann er oder sie m\u00f6chte. Hingegen kann fast ein Drittel der \u00e4lteren Schweizer Erwerbst\u00e4tigen (55 bis 64) ihre Arbeitszeit vollst\u00e4ndig individuell festlegen (EU 31: 27%).&#13;<\/p>\n<h2>Je \u00e4lter, desto weniger Weiterbildungstage<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Zeitalter der Wissensgesellschaft ist eine kontinuierliche Weiterbildung zur F\u00f6rderung der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit zentral. Der Anteil der Personen, die in den letzten 12 Monaten an einer vom Arbeitgeber bzw. bei selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit einer selbst bezahlten oder organisierten Weiterbildungsmassnahme teilgenommen haben, ist bei den 15- bis 24-J\u00e4hrigen mit 38% am geringsten. Dieser Wert liegt immer noch deutlich \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnitt von 19% in dieser Altersgruppe. Bei den 45- bis 54-J\u00e4hrigen sind es im Vergleich dazu 48% (EU 31: 25%). Auch die Altersgruppe 55+ liegt mit 41% deutlich \u00fcber den europ\u00e4ischen Vergleichwerten von 19% (EU 31). \u00a0Anders sieht es aus, wenn man die Teilnehmertage an Weiterbildungen pro Person betrachtet: Hier hat die j\u00fcngste Altersgruppe mit durchschnittlich 24 Tagen die Nase vorn. Mit zunehmendem Alter sinkt die Zahl der Teilnehmertage: in der Altersgruppe der 25- bis 34-J\u00e4hrigen auf 12 Tage und bei den 55- bis 64-J\u00e4hrigen gar auf 7 Tage. 52% der 15- bis 24-J\u00e4hrigen geben an, an Weiterbildungsmassnahmen am Arbeitsplatz durch Vorgesetzte und Kollegen teilgenommen zu haben, jedoch nur 40% der 55- bis 64-J\u00e4hrigen. Dieser Trend zeigt sich auch in den Vergleichsdaten der EU 31 (15-24 Jahre: 31%; 55-64 Jahre: 19%).&#13;<\/p>\n<h2>Je \u00e4lter, desto weniger F\u00fchrungsunterst\u00fctzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ausgestaltung der F\u00fchrungsbeziehungen entscheidet massgeblich \u00fcber die Motivation und Leistungsf\u00e4higkeit der Mitarbeitenden, insbesondere auch bei den \u00c4lteren. Vgl. Tuomi et al. (1997). Dies umfasst nicht nur Unterst\u00fctzungsleistungen durch die Vorgesetzten, sondern auch ein Feedback zu den erbrachten Leistungen.\u00a0In der Schweiz f\u00fchlen sich 72% der Befragten von ihrem Vorgesetzten auf Anfrage unterst\u00fctzt, ein Wert, der deutlich \u00fcber den europ\u00e4ischen Vergleichsdaten liegt (EU 31: 54%). W\u00e4hrend in der Schweiz 85% der 15- bis 24-J\u00e4hrigen von Unterst\u00fctzungsleistungen berichten, sind es bei den gleichaltrigen europ\u00e4ischen Kollegen gerade noch 59%. Aller-dings zeigen sich hier markante Unterschiede zwischen den Altersgruppen: In den EU-31-L\u00e4ndern nimmt die wahrgenommene Unterst\u00fctzungsleistung durch Vorgesetzte bis zum Alter von 54 Jahren in eher kleinen Schritten ab und sinkt erst ab 55 Jahren auf 47%. Im Vergleich dazu f\u00e4llt in der Schweiz die wahrgenommene Unterst\u00fctzungsleistung von hohen 85% bei den 15 bis 24-J\u00e4hrigen auf einen vergleichsweise tiefen Wert von 62% bei der \u00e4lteren Altersgruppe ab 55 Jahre.\u00a0In der Schweiz wurde bei rund jeder zweiten befragten \u00e4lteren Person (55-64) die Arbeitsleistung in den letzten zw\u00f6lf Monaten regelm\u00e4ssig formal bewertet, was ebenfalls \u00fcber den europ\u00e4ischen Vergleichswerten von 41% liegt. Besonders die j\u00fcngste Altersgruppe weist in der Schweiz mit 68% deutlich h\u00f6here Werte auf (EU 31: 39%). Jedoch sticht bei den Schweizer Daten auch hier der grosse Unterschied zwischen der j\u00fcngsten und der \u00e4ltesten Gruppe ins Auge. Ein mit zunehmendem Alter sinkender Anteil zeigt sich auch bei der Frage, ob in den letzten 12 Monaten ein offenes Gespr\u00e4ch mit dem Vorgesetzten \u00fcber die Leistungen stattgefunden hat. Betr\u00e4gt dieser in der j\u00fcngsten Altersgruppe noch 73%, f\u00e4llt er in der Gruppe der 55- bis 64-J\u00e4hrigen auf 60%. Dieser R\u00fcckgang zeigt sich etwas weniger deutlich auch in den europ\u00e4ischen Vergleichsdaten (15-24: 48%; 55+: 41%).&#13;<\/p>\n<h2>Teamarbeit ist besonders bei den J\u00fcngeren verbreitet<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Art der Zusammenarbeit sowie die M\u00f6glichkeiten der aufgabenbezogenen Kommunikation entscheiden wesentlich dar\u00fcber, inwieweit Wissenstransfer und gegenseitiges Lernen unterst\u00fctzt wird sowie soziale Ressourcen im Team mobilisiert werden, die auch der Stresspr\u00e4vention dienen k\u00f6nnen. Vgl. Udris, Frese (1999).\u00a059% der Schweizer Befragten geben an, dass sie alle Aufgaben oder Teile davon in einem Team erledigen (EU 31: 55%). Interessant ist, dass in den Schweizer Altersgruppen von 15 bis 24 sowie von 25 bis 34 Jahren mit 72% bzw. 70% in deutlich gr\u00f6sserem Ausmass im Team gearbeitet wird als bei den gleichaltrigen europ\u00e4ischen Kollegen (55% bzw. 57%). Demgegen\u00fcber zeigt sich, dass der Anteil an Teamarbeit in der Schweiz bereits in der Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren mit 58% deutlich abnimmt und ab 55 Jahren auf 44% absinkt. Im europ\u00e4ischen Durchschnitt ist der Anteil an Teamarbeit \u00fcber die einzelnen Altersgruppen wesentlich konstanter und f\u00e4llt erst mit 55 Jahren auf 48%.\u00a0Ein \u00e4hnlicher Trend zeigt sich auch bei der Frage, ob sich die Arbeitnehmenden bei bestimmten Aufgaben mit den Arbeitskollegen abwechseln. Die Schweiz liegt mit durchschnittlich 43% gleichauf mit den EU 31. Doch w\u00e4hrend bei den EU 31 eine kontinuierliche Abnahme in relativ kleinen Schritten erfolgt und erst ab 55 Jahren auf rund 35% f\u00e4llt, erfolgt der R\u00fcckgang in der Schweiz in deutlich gr\u00f6sseren Schritten. Er liegt bei den 55+ mit 30% klar unter dem Durchschnitt der europ\u00e4ischen Vergleichsgruppe. \u00a0Auf die Frage, ob sie Hilfe von Kollegen bekommen, wenn sie darum bitten, stimmen die Befragten der beiden j\u00fcngsten Altersgruppen mit 90% beziehungsweise 88% in sehr hohem Masse zu. Diese Zustimmung nimmt mit zunehmendem Alter ab und erreicht in der Altersgruppe ab 55 Jahren noch 72%. Zwar liegt die Schweiz mit durchschnittlich 81% deutlich \u00fcber dem EU-31-Durchschnitt (66%). Die wahrgenommene Unterst\u00fctzungsleistung durch Kollegen nimmt bei den Schweizer Befragten mit zunehmendem Alter jedoch in deutlich st\u00e4rkerem Masse ab, als dies im Durchschnitt der EU 31 der Fall ist.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm europ\u00e4ischen Vergleich beurteilen Schweizer Besch\u00e4ftigte ihre Arbeit und die Bedingungen, unter denen sie diese ausf\u00fchren, \u00fcberwiegend positiv bis sehr positiv. Auch in der altersdifferenzierten Betrachtung ausgew\u00e4hlter Daten schneidet die Schweiz fast durchg\u00e4ngig besser ab als der Durchschnitt der EU 31. Gerade mit zunehmendem Alter berichten die Schweizer Besch\u00e4ftigten \u00fcber Einflussm\u00f6glichkeiten auf die inhaltliche und zeitliche Ausgestaltung der Arbeit und beschreiben ihre Arbeit als komplex und ganzheitlich &#8211; ein Befund, der aufgrund der These von den \u00ab\u00c4lteren auf dem Abstellgleis\u00bb vielleicht \u00fcberraschen mag. Zumindest solange sie noch im Erwerbsleben stehen und nicht entlassen oder fr\u00fchzeitig pensioniert werden, ist ein differenzierterer Blick gefordert.\u00a0Trotz dieses positiven Res\u00fcmees sollten einige Ergebnisse Anlass zum Nachdenken geben, insbesondere wenn man die eingangs skizzierten Herausforderungen des demografischen Wandels betrachtet. So zeigen sich in der Wahrnehmung einiger zentraler Aspekte der Arbeit deutliche altersbezogene Unterschiede in der Schweiz, und diese fallen meist auch st\u00e4rker aus als im europ\u00e4ischen Vergleich.\u00a0So stehen der berichteten Komplexit\u00e4t und Autonomie in der Arbeit mit zunehmendem Alter eine geringere Einbindung in ein Team, weniger Unterst\u00fctzung durch Kollegen sowie eine Abnahme der Job Rotation zwischen Kollegen gegen\u00fcber. Dies birgt die Gefahr, dass soziale Ressourcen weniger genutzt werden k\u00f6nnen und die f\u00fcr den Wissenstransfer entscheidende Zusammenarbeit sowie das Verst\u00e4ndnis zwischen den Generationen nicht ausreichend gef\u00f6rdert werden. Altersgemischte Teams sind hier ein wichtiger Ansatz. Auch von den Qualifikationspotenzialen, die Job Rotation bietet, scheinen eher die J\u00fcngeren zu profitieren. Job Rotation auch bei \u00c4lteren gezielt einzusetzen und Qualifizierungsmassnahmen on-the-job anzubieten, sind wichtige Ansatzpunkte eines lebenslangen Lernens.\u00a0Dass die Besch\u00e4ftigten mit zunehmendem Alter weniger Unterst\u00fctzung durch ihre Vorgesetzten erhalten, kann wohl teilweise mit dem wachsenden Erfahrungsschatz \u00e4lterer Besch\u00e4ftigter erkl\u00e4rt werden, der weniger Unterst\u00fctzung und Feedback notwendig macht. Gleichwohl liegen in regelm\u00e4ssigen Leistungsbeurteilungen und Feedbackgespr\u00e4chen nicht nur wichtige Gelegenheiten, sich weiterzuentwickeln, sondern sie sind auch Zeichen der Wertsch\u00e4tzung und des Interesses an den Besch\u00e4ftigten, was nicht nur f\u00fcr j\u00fcngere, sondern auch f\u00fcr \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige wichtig ist. Da zuk\u00fcnftig der Anteil \u00c4lterer w\u00e4chst, ist eine Sensibilisierung der F\u00fchrungskr\u00e4fte f\u00fcr eine alternsgerechte F\u00fchrung zentral.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abArbeitsanforderungen in der Schweiz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"graphic-link\" title=\"Teilnahme an Weiterbildungsmassnahmen\">Grafik 2 \u00abTeilnahme an Weiterbildungsmassnahmen. Anteil Besch\u00e4ftige in&nbsp;%, die in den letzten 12 Monaten an einer vom Arbeitgeber bzw. bei selbst\u00e4ndiger<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nT\u00e4tigkeit einer selbst bezahlten oder organisierten Weiterbildungsmassnahme teilgenommen haben\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abF\u00fchrungsbeziehungen von Schweizer Erwerbst\u00e4tigen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4 \u00abTeamarbeit in der Schweiz im europ\u00e4ischen Vergleich. Anteil Besch\u00e4ftige in&nbsp;%, die alle Aufgaben oder Teile davon im Team erledigen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Der European Working Condition Survey<\/b>&#13;<br \/>\nDie Schweiz hat erstmals an der Erhebung der Europ\u00e4ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen teilgenommen, welche seit 1990 alle f\u00fcnf Jahre durchgef\u00fchrt wird. Bei der Erhebung 2005 wurden nahezu 30000 Erwerbst\u00e4tige in 31 L\u00e4ndern befragt, darunter rund 1000 in der Schweiz. Beteiligt haben sich die EU-Mitgliedstaaten, die Beitrittskandidaten T\u00fcrkei und Kroatien sowie Norwegen und die Schweiz. Wenn von den europ\u00e4ischen Vergleichdaten (EU 31) gesprochen wird, sind diese 31 beteiligten L\u00e4nder gemeint.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Stichprobe<\/b>&#13;<br \/>\nDie Gesamtstichprobe umfasst 29680 Personen aus 31 L\u00e4ndern. Die erfassten Schweizer Daten basieren auf 1040 pers\u00f6nlichen Face-to-Face-Interviews, die Beschreibungen der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Befragten liefern. In der Schweizer Stichprobe sind die Altersgruppen wie folgt besetzt: 15-24 Jahre (140 Personen), 25-34 Jahre (210 Personen), 35-44 Jahre (310 Personen), 45-54 Jahre (207 Personen) sowie 55 Jahre und \u00e4lter (173 Personen). Die m\u00e4nnlichen Befragten haben in allen Altersgruppen einen leichten \u00dcberhang und machen 52% bis 57% der Altersgruppen aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 3: Literatur<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; Bruggemann A., Groskurth P., Ulich E. (1975). Formen der Arbeitszufriedenheit. Bern: Huber.- Graf M., Pekruhl U., Korn K., Krieger R., M\u00fccke A., Z\u00f6lch M. (2007). 4. Europ\u00e4ische Erhebung \u00fcber die Arbeitsbedingungen 2005. Ausgew\u00e4hlte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive. Bern: SECO, <a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">www.seco.admin.ch<\/a> , Rubriken \u00abDokumentation\u00bb, \u00abPublikationen und Formulare\u00bb, \u00abStudien und Berichte\u00bb, \u00abArbeit\u00bb. &#8211; OECD (2003). Vieillissement et politiques de l&#8217;emploi Suisse. OECD: Elektronisches Dokument.- Tuomi K., Ilmarinen J., Martikainen R., Aalto L., Klockars M. (1997). Aging, Work, Life-style and Work Ability Among Finnish Municipal Workers in 1981-1992. Scandinavian Journal of Work, Environment and Health, 23, 1, S. 58-65. &#8211; Udris I., Frese M. (1999). Belastung und Beanspruchung. In C. Graf Hoyos, D. Frey (Hrsg.). Arbeits- und Organisationspsychologie. Ein Lehrbuch, S. 429-445. Weinheim: Psychologie Verlags Union. &#8211; Ulich E. (2001). Arbeitspsychologie (5. Aufl.). Z\u00fcrich, Stuttgart: vdf, Sch\u00e4ffer-Poeschel.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz weist im internationalen Vergleich eine hohe Erwerbsquote \u00e4lterer Arbeitnehmender auf. Dennoch muss auch sie sich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen, wird doch der Anteil der \u00fcber 50-J\u00e4hrigen bis 2020 auf 31% der Erwerbst\u00e4tigen ansteigen; im Jahr 2000 waren es noch 25%. Vgl. OECD (2003). In der Folge werden sich die Altersstrukturen der [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3020,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3020,"seco_co_author":[3021,3022,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professorin f\u00fcr Human Resource Management, Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, FHNW, Olten","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur de gestion des ressources humaines, Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, FHNW, Olten","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3021,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Dipl.-Psych., Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, FHNW, Olten","seco_co_author_post_occupation_fr":"Psychologue dipl., Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, FHNW, Olten"},{"seco_co_author":3022,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Dipl.-Kffr., Institut f\u00fcr Kommunikation und Marketing der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, FHNW, Olten","seco_co_author_post_occupation_fr":"Acheteuse dipl., Institut f\u00fcr Kommunikation und Marketing der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft, FHNW, Olten"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":123955,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9611","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55bb33f411181"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123952"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3020"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123952"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123952\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128246,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/123952\/revisions\/128246"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3022"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3021"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123952"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=123952"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=123952"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=123952"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=123952"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=123952"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}