{"id":123962,"date":"2007-07-01T12:00:00","date_gmt":"2007-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/07\/riphahn-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:44:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:44:19","slug":"riphahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/07\/riphahn\/","title":{"rendered":"Intergenerationale Bildungs- und Einkommensmobilit\u00e4t in der Schweiz &#8211; ein Vergleich zwischen Schweizern und Migranten"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem Anteil an der Bev\u00f6lkerung von \u00fcber 20% hat die Schweiz hinter Luxemburg die zweith\u00f6chste Ausl\u00e4nderquote der OECD. Vgl. OECD (2004). Das Wachstum und die demografische Struktur der Bev\u00f6lkerung in der Schweiz werden zum grossen Teil durch Zuwanderung bestimmt. Es ist deshalb von grosser Bedeutung, zu untersuchen, ob die Schweiz gerade den wenig privilegierten ethnischen Gruppen Chancengleichheit und soziale Aufstiegsm\u00f6glichkeiten gew\u00e4hrleisten kann. Die Ergebnisse der hier vorgestellten Untersuchung zeigen, dass Kinder aus bildungsfernem Elternhaus mit Migrationshintergrund ihre Bildungschancen sogar besser nutzen als Schweizer Kinder. Andererseits ist die Einkommensmobilit\u00e4t bei Ausl\u00e4ndern insgesamt etwas geringer als bei Schweizern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie F\u00f6rderung und Gew\u00e4hrleistung m\u00f6glichst grosser Chancengleichheit ist eines der wichtigsten Ziele der Schweiz und ihrer Institutionen. Vgl, Bundesverfassung, Art. 2 Abs. 3. Entsprechend ihrer F\u00e4higkeiten sollen die M\u00f6glichkeiten der B\u00fcrger innerhalb der Gesellschaft gleich sein. Diese Anforderung entspricht dem Gerechtigkeitspostulat, aber nicht nur. Vielmehr ist es auch aus \u00f6konomischer Sicht wichtig, dass f\u00e4hige und talentierte B\u00fcrger nicht aufgrund des famili\u00e4ren Hintergrundes oder der ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit gebremst oder behindert werden. Eine wachsende \u00f6konomische und soziologische Literatur befasst sich deshalb mit der Frage, wie stark der Status einer Person vom Status ihrer Eltern abh\u00e4ngt. Ist dieser Zusammenhang eng, so gilt die Gesellschaft als wenig (sozial) mobil. \u00a0Die Ergebnisse f\u00fcr die Schweiz zeigten bisher deutlich, dass schulische Leistung und Status des Kindes stark von der sozio\u00f6konomischen Stellung der Eltern abh\u00e4ngig sind. Vgl. OECD (2002), Joye et. al. (2003), Meunier (2006). Im Folgenden wird untersucht, ob die Schweiz hinsichtlich der Vererbung von Bildung und Einkommen ebenfalls immobil ist. Dabei liegt der Fokus zus\u00e4tzlich auf der Analyse m\u00f6glicher Unterschiede der sozialen Mobilit\u00e4t zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Vgl. Bauer und Riphahn (2006a, 2006b, 2007), Bauer (2006)&#13;<\/p>\n<h2>Daten und methodisches Vorgehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Messung von Bildung und Einkommen der Eltern bzw. deren Kinder wurden unterschiedliche Datens\u00e4tze verwendet. Die Messung der intergenerationalen Bildungsmobilit\u00e4t erfolgte hingegen auf Basis der Volksz\u00e4hlung 2000. Um eine m\u00f6glichst repr\u00e4sentative Stichprobe zu erhalten, wurden dabei Jugendliche im Alter von 17 Jahren betrachtet, da Kinder und ihre Eltern \u00fcber den gemeinsamen Haushalt identifiziert werden k\u00f6nnen. Es wurde zwischen Schweizern und Jugendlichen der zweiten Zuwanderergeneration unterschieden. Der Bildungsstand der Jugendlichen wurde in drei Kategorien gemessen:\u00a0&#8211; Tiefes Bildungsniveau: Jugendliche, welche die obligatorische Schule nicht abgeschlossen haben bzw. keine weitere Schule\/Lehre nach der obligatorischen Schule besuchen; \u00a0&#8211; Mittleres Bildungsniveau: Jugendliche, die eine Berufslehre oder eine andere weiterf\u00fchrende Schule besuchen, die nicht zur Maturit\u00e4t f\u00fchrt;\u00a0&#8211; Hohes Bildungsniveau: Jugendliche, die eine Maturit\u00e4tsschule bzw. eine Hochschule besuchen. \u00a0\u00a0F\u00fcr die Messung der intergenerationa-len Einkommenstransmission wurden das Schweizerische Haushaltspanel (SHP) der Jahre 1999-2003 und die Schweizer Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) 1991-2003 verwendet. Da das Einkommen einer Person \u00fcber verschiedene Lebensabschnitte stark variieren kann, ist der Jahreslohn \u00fcber m\u00f6glichst viele Jahre gemittelt worden. Der Einfluss des Alters wurde herausgerechnet. Die Analyse beschr\u00e4nkte sich dabei auf m\u00e4nnliche Familienmitglieder. Die Einkommen der erwerbst\u00e4tigen S\u00f6hne im Alter von 25 bis 55 Jahren werden mit denen ihrer V\u00e4ter verglichen. Da das Einkommen des Vaters im SHP nicht direkt vorliegt, wurde es anhand verschiedener Charakteristika gesch\u00e4tzt, die eine Person im SHP \u00fcber ihren Vater angegeben hatte (z.B. 8 Bildungsindikatoren, 9 Berufsindikatoren, Nationalit\u00e4t). Unter Ausnutzung der entsprechenden Zusammenh\u00e4nge in der Sake wurden dann durch diese Charakteristika die Einkommen der V\u00e4ter gesch\u00e4tzt. Im Gegensatz zur Studie \u00fcber Bildungsmobilit\u00e4t wird in der Analyse der Einkommenstransmission die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit einer Person durch ihre Nationalit\u00e4t bestimmt. F\u00fcr die Einkommenstransmission konnte deshalb nicht zwischen erster und zweiter Generation unterschieden werden.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6here Bildungsmobilit\u00e4t der zweiten Zuwanderergeneration<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrafik 1 pr\u00e4sentiert die vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten daf\u00fcr, dass ein Kind eine Maturit\u00e4tsschule besucht, in Abh\u00e4ngigkeit vom Ausbildungsstand seiner Eltern. Um den Effekt der Elternbildung m\u00f6glichst verl\u00e4sslich herauszusch\u00e4len, wurde im Vorhersagemodell eine Vielzahl von anderen Faktoren, welche die Bildung des Kindes ebenfalls beeinflussen k\u00f6nnen (z.B. Anzahl Geschwister, Geschlecht des Kindes, Religionszugeh\u00f6rigkeit, berufliche Stellung von Vater und Mutter sowie Merkmale des Wohnkantons) herausgerechnet. Bei der Prognose der Wahrscheinlichkeiten wurden die kontrollierten Faktoren konstant gehalten.\u00a0Wie die Ergebnisse zeigen, ist der Einfluss elterlicher Bildung f\u00fcr Schweizer generell st\u00e4rker als f\u00fcr die Zuwanderer der zweiten Generation. Die Wahrscheinlichkeit eines Schweizer Kindes aus bildungsfernem Elternhaus (kein Elternteil hat eine berufliche oder terti\u00e4re Ausbildung), eine Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, liegt bei 10,2%, diejenige bei Kindern der zweiten Ausl\u00e4ndergeneration bei 18,6%. Auch bei Kindern, deren Eltern ein mittleres Bildungsniveau aufweisen, sind die Bildungschancen von Ausl\u00e4nderkindern der 2. Generation mit 27% h\u00f6her als bei Schweizern mit 21%. Bei Kindern aus bildungsnahem Elternhaus (hohe Ausbildung der Eltern) hat ein Schweizer Kind dagegen mit rund 57% eine leicht h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, die Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, als ein Kind mit nicht schweizerischem Ursprung (54%). \u00a0Diese Ergebnisse zeigen zweierlei: Zum einen scheint es, dass Ausl\u00e4nderkinder der zweiten Generation aus bildungsfernen Schichten &#8211; aber auch solche aus der mittle-ren Bildungsschicht &#8211; Bildungschancen bes-ser nutzen als Schweizer Kinder, deren Eltern ebenfalls ein tiefes oder mittleres Bildungsniveau aufweisen. Andererseits gleichen sich die Bildungschancen zwischen Schweizer Kindern und Ausl\u00e4nderkindern der zweiten Generation mit steigendem Bildungsniveau der Eltern tendenziell an. Der Bildungsstand der Eltern hat auf den Schulerfolg der Kinder bei Schweizern eine gr\u00f6ssere Wirkung als bei Kindern der zweiten Ausl\u00e4ndergeneration. Bei den Schweizern hat ein Kind aus bildungsnahem Elternhaus eine f\u00fcnfmal gr\u00f6ssere Chance, eine Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, als ein Kind aus bildungsfernem Elternhaus. Bei Kindern der zweiten Generation ist das Verh\u00e4ltnis etwa 3 zu 1.\u00a0Ebenfalls in Grafik 2 sind die Wahrscheinlichkeiten f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Nationalit\u00e4ten wiedergegeben. Dabei erkennt man, dass Kinder der zweiten Generation aus den vier ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern der EU (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien) bei gegebenem Bildungsstand der Eltern fast durchwegs mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit eine Maturit\u00e4tsschule besuchen. Einzige Ausnahme bilden die Spanier, deren Kinder aus bildungsnahen Haushalten mit 51% weniger wahrscheinlich eine Maturit\u00e4tsschule besuchen als Schweizer (57%). \u00a0Durchwegs geringere Bildungschancen als Schweizer Kinder weisen demgegen\u00fcber Ausl\u00e4nderkinder der zweiten Generation aus Ex-Jugoslawien und der T\u00fcrkei auf. Einzige Ausnahme sind dabei Kinder aus Ex-Jugoslawien aus bildungsfernen Haushalten: Ihre Wahrscheinlichkeit, eine Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, entspricht derjenigen von entsprechenden Schweizer-Kindern. \u00a0Bez\u00fcglich der St\u00e4rke des Einflusses der Elternbildung auf den Schulerfolg der Kinder l\u00e4sst sich Folgendes aussagen: Elternbildung besitzt die geringste Relevanz f\u00fcr Kinder aus Ex-Jugoslawien, Deutschland und Spanien. Die Wahrscheinlichkeit, eine Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, ist hier bei bildungsnahen gegen\u00fcber bildungsfernen Schichten rund doppelt so hoch. Bereits mehr als drei Mal so hoch ist diese Wahrscheinlichkeit bei Italienern und Franzosen. Den mit Abstand gr\u00f6ssten elterlichen Einfluss findet man dagegen bei Schweizer Kindern sowie unter T\u00fcrken der zweiten Generation. Die Wahrscheinlichkeit, eine Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, steigt bei diesen beiden Gruppen um den Faktor 5,6 bzw. 6,6, wenn die Eltern hoch statt gering ausgebildet sind.&#13;<\/p>\n<h2>Geringere Einkommensmobilit\u00e4t bei Migrationshintergrund<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGrafik 3 pr\u00e4sentiert die St\u00e4rke der intergenerationalen Einkommenstransmission in der Schweiz. Die Balken zeigen den Zusammenhang zwischen den (logarithmierten) Einkommen der S\u00f6hne und den (logarithmierten) Einkommen ihrer V\u00e4ter. Diese Werte (Elastizit\u00e4ten) beschreiben, um wie viel Prozent sich das Einkommen der S\u00f6hne im Mittel \u00e4ndert, wenn das Einkommen der V\u00e4ter um 1% steigt. M\u00e4dchen sind in dieser Analyse aus methodischen Gr\u00fcnden ausgenommen. Dieses Mass betr\u00e4gt f\u00fcr die gesamte Stichprobe 0,46. Unterscheidet man zwischen den Teilstichproben f\u00fcr Schweizer und Migranten, so ergibt sich f\u00fcr Personen mit Schweizer Nationalit\u00e4t ein Wert von 0,38, w\u00e4hrend der Zusammenhang f\u00fcr Migranten mit 0,55 wesentlich h\u00f6her ausf\u00e4llt. Zuwanderer sind insofern hinsichtlich ihres Einkommens intergenerational immobiler als Schweizer. \u00a0Unterscheidet man weiter nach Nationalit\u00e4ten, so sind Spanier, Portugiesen und Italiener bez\u00fcglich des Einkommens am wenigsten mobil; d.h. der Zusammenhang der L\u00f6hne von V\u00e4tern und S\u00f6hnen ist eng. Hingegen hat bei Deutschen und S\u00fcdosteurop\u00e4ern das Einkommen der V\u00e4ter nur einen schwachen Zusammenhang mit dem der S\u00f6hne.\u00a0F\u00fcr Schweizer und Migranten insgesamt ist es zudem m\u00f6glich, die Analyse f\u00fcr verschiedene Einkommensgruppen zu differenzieren. Dabei zeigt sich, dass \u00fcber alle Einkommensh\u00f6hen hinweg ein \u00e4hnlicher Zusammenhang zwischen Sohn- und Vatereinkommen besteht (vgl. Grafik 4). Tendenziell steigen die Elastizit\u00e4ten in oberen Einkommensklassen bei den Ausl\u00e4ndern etwas an: Dies bedeutet, dass die Mobilit\u00e4t bei gut Verdienenden unterdurchschnittlich ausf\u00e4llt. Mit Ausnahme des 10. Quantils (10% der tiefsten Einkommen) haben Ausl\u00e4nder in allen Einkommensquantilen eine h\u00f6here Einkommenspersistenz und damit eine tiefere Einkommensmobilit\u00e4t als Schweizer. Die intergenerationale Einkommensmobilit\u00e4t \u00fcber die Einkommensverteilung hinweg f\u00e4llt f\u00fcr die Schweizer bzw. Personen mit einem Schweizer Vater relativ gleich-m\u00e4ssig aus. Bei den Immigranten haben hingegen diejenigen aus den tiefsten Einkommensschichten die h\u00f6chste Mobilit\u00e4t. Bei den Immigranten aus allen anderen Einkommensgruppen ist der Zusammenhang zwischen den Einkommen von Kindern und Eltern vergleichsweise eng und die Mobilit\u00e4t gering.&#13;<\/p>\n<h2>Trennungsalter und Bildungsmobilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNebst diesen beschreibenden Ergebnissen wurde ebenfalls versucht, Mechanismen zu bestimmen, die die Mobilit\u00e4t beeinflussen. An dieser Stelle wird nur ein Faktor pr\u00e4sentiert, der einen Einfluss auf die Bildungsmobilit\u00e4t hat und von bildungspolitischer Relevanz ist, n\u00e4mlich das Alter, in dem Sch\u00fcler auf verschiedene Schulformen aufgeteilt werden (Trennungsalter). Eine Hypothese geht davon aus, dass bei einer fr\u00fcheren Trennung der Sch\u00fcler in leistungsm\u00e4ssig homogene Klassen die wahren F\u00e4higkeiten der Kinder schwerer messbar sind und dass der Einfluss der Eltern bei dieser Entscheidung dadurch gr\u00f6sser ist, als wenn sp\u00e4ter sortiert wird. Eine fr\u00fche Trennung w\u00fcrde deshalb zu einer tieferen Bildungsmobilit\u00e4t f\u00fchren.\u00a0Grafik 4 beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem Sch\u00fcler auf Sekundarschulen mit unterschiedlichem akademischem Anspruch verteilt werden, und der Bedeutung der Elternbildung f\u00fcr den Schulerfolg der Kinder. Analog zur obigen Analyse der Bildungschancen wurde auch hier nach dem Bildungsstand der Eltern differenziert. Vergleicht man die Wahrscheinlichkeit, eine Maturit\u00e4tsschule zu besuchen, nach Trennungsalter, so stellt man fest, dass diese stets h\u00f6her ist, wenn die Kinder sp\u00e4t &#8211; d.h. nach 8 statt nach 5 Schuljahren &#8211; auf die Schulformen zugeteilt werden. Die gr\u00f6sste Differenz in der Wahrscheinlichkeit findet man bei Kindern mit Eltern mittleren Bildungsniveaus. Die Wahrscheinlichkeit des Besuchs einer Maturit\u00e4tsschule ist hier rund ein Drittel h\u00f6her und steigt von 20% bei einer Selektion nach f\u00fcnf Schuljahren auf 30% bei einer Trennung nach 8 Schuljahren. Insgesamt sind die Bildungseffekte des Trennungsalters bei der Betrachtung der relativen Unterschiede statistisch signifikant von null verschieden. Das Trennungsalter scheint die Bedeutung der Elternbildung f\u00fcr den Bildungserfolg der Kinder somit in der erwarteten Weise zu beeinflussen. Je sp\u00e4ter die Sch\u00fcler auf die alternativen Schulformen verteilt werden, umso geringer ist der Einfluss der Bildung ihrer Eltern auf die Wahl der Schulform.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse zeigen deutliche Abh\u00e4ngigkeiten im Bildungserfolg Jugendlicher vom Status ihrer Eltern. Sie best\u00e4tigen fr\u00fchere Untersuchungen dahingehend, dass das Elternhaus einen entscheidenden Einfluss auf den Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg von Jugendlichen hat. Betreffend Bildungsmobilit\u00e4t sind Kinder der zweiten Generation generell nicht benachteiligt. Im Gegenteil: Insbesondere Ausl\u00e4nderkinder der zweiten Generation aus Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien, welche in einem bildungsfernen Elternhaus aufwachsen, nutzen ihre M\u00f6glichkeiten besser als Schweizer Kinder mit wenig gebildeten Eltern.\u00a0Andererseits ist die intergenerationale Einkommensmobilit\u00e4t unter Zuwanderern geringer als unter Einheimischen. Besonders hohe Zusammenh\u00e4nge zwischen Eltern- und Kindereinkommen wurden f\u00fcr Zuwanderer aus Italien, Spanien und Portugal gefunden. Es ist denkbar, dass die mit Daten der Volksz\u00e4hlung des Jahres 2000 gemessene hohe Bildungsmobilit\u00e4t der damals 17-j\u00e4hrigen Zuwanderer einen Anstieg der Einkommensmobilit\u00e4t unter Zuwanderern bewirkt, sobald diese Generation im Arbeitsmarkt aktiv ist. \u00a0Die Ergebnisse zeigen ferner einen Zusammenhang zwischen hoher intergenerationaler Bildungsmobilit\u00e4t und sp\u00e4ter Trennung der Sch\u00fcler auf verschiedene Schulformen. Zum Zweck gr\u00f6sserer Chancengleichheit sollte demzufolge die Trennung der Kinder nach Leistungskriterien in unterschiedliche Klasse m\u00f6glichst sp\u00e4t erfolgen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abEinfluss von Herkunft und Bildungsniveau der Eltern auf die Bildungsmobilit\u00e4t in der Schweiz. Wahrscheinlichkeit des Besuchs einer Maturit\u00e4tsschule, in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abEinkommensmobilit\u00e4t in der Schweiz nach Herkunf. Lohnanstieg f\u00fcr den Sohn in&nbsp;% bei Lohnerh\u00f6hung des Vaters um 1%t\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3 \u00abEinkommensmobilit\u00e4t in der Schweiz nach Herkunft und Position in der Einkommensverteilung. Lohnanstieg f\u00fcr den Sohn in&nbsp;% bei Lohnerh\u00f6hung des Vaters um 1%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4 \u00abEinfluss von Trennungsalter und Bildungsniveau der Eltern auf die Bildungsmobilit\u00e4t in der Schweiz. Wahrscheinlichkeit des Besuchs einer Maturit\u00e4tsschule, in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: NFP 52 \u00abKindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel\u00bb<\/b>&#13;<br \/>\nDas Nationale Forschungsprogramm NFP 52 \u00abKindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel\u00bb hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensverh\u00e4ltnisse von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien im Generationenverbund zu erforschen. Der Handlungsbedarf in Politik und Verwaltung soll eruiert und die Grundlagen f\u00fcr eine zeitgem\u00e4sse Familienpolitik sollen gelegt werden. Das Programm umfasst 29 Forschungsprojekte und wird 2008 abgeschlossen.Das NFP 52 plant drei Produkte in Berichtsform:- Der Generationenbericht umfasst eine generationenbezogene Synthese der Forschungsresultate, die im Rahmen des NFP 52 erzielt wurden, sowie zus\u00e4tzliche Datenanalysen, um die Ergebnisse bez\u00fcglich wichtiger Generationenaspekte (Generationen in Politik und Wirtschaft) zu erg\u00e4nzen (erscheint im Fr\u00fchjahr 2008);- Der Kindheits- und Jugendbericht bietet eine Zusammenfassung der diesbez\u00fcglichen Forschungsergebnisse des NFP 52 und stellt dar\u00fcber hinaus erg\u00e4nzende Daten zu Kindheit und Jugend des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS), des Schweizer Haushaltspanels sowie des Z\u00fcrcher Kinder- und Jugend-Surveys zur Verf\u00fcgung (erscheint im Fr\u00fchjahr 2007);- Mit Impulsen f\u00fcr eine politische Agenda wird die Essenz der politischen Forderungen und Empfehlungen aus der Sicht der einzelnen Projekte sowie aus Programmsicht zusammengefasst. Die Botschaften des NFP 52 werden den Entscheidungstr\u00e4gern kompakt und einfach zug\u00e4nglich gemacht (erschien Ende Juni 2007, zu beziehen unter www.nfp.52).Weitere Ausk\u00fcnfte: Dominik B\u00fcchel, Umsetzungsbeauftragter NFP 52, Advocacy AG, Basel, buechel@advocacy.ch, 061&nbsp;268 99 99.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Literatur<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; Bauer, Philipp und Regina T. Riphahn, 2007, Heterogeneity in the Intergenerational Transmission of Educational Attainment: Evidence from Switzerland on Natives and Second Generation Immigrants, 2007, Journal of Population Economics 20(1), S. 121-148. &#8211; Bauer, Philipp und Regina T. Riphahn, 2006a, Education and its Intergenerational Transmission: Country of Origin-Specific Evidence for Natives and Immigrants from Switzerland, 2006, Portuguese Economic Journal 5(2), Special Issue on Contemporary Labor Economics, S. 89-110.- Bauer, Philipp und Regina T. Riphahn, 2006b, Timing of School Tracking as a Determinant of Intergenerational Transmission of Education, 2006, Economics Letters 91(1), S. 90-97.- Bauer, Philipp, 2006, The Intergenerational Transmission of Income in Switzerland: A Comparison between Natives and Immigrants, WWZ Discussion Paper 0601.- Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 1999, BK\/KAV, Bern.- Joye, Dominique, Manfred Max Bergman, und Paul S. Lambert, 2003, Intergenerational Educational and Social Mobility in Switzerland. Swiss Journal of Sociology 29(2), S. 263-291- Meunier, Muriel, 2006, Fonctions de production \u00e9ducationnelle: le cas de la Suisse, Swiss Journal of Economics and Statistics, 142(4), S. 579-615.- OECD, 2002, Education at a Glance, OECD Indicators 2002, OECD, Paris.- OECD, 2004, Trends in International Migration. Continuous Reporting System on Migration: Annual Report (Sopemi), OECD, Paris.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Anteil an der Bev\u00f6lkerung von \u00fcber 20% hat die Schweiz hinter Luxemburg die zweith\u00f6chste Ausl\u00e4nderquote der OECD. Vgl. OECD (2004). Das Wachstum und die demografische Struktur der Bev\u00f6lkerung in der Schweiz werden zum grossen Teil durch Zuwanderung bestimmt. 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