{"id":124007,"date":"2007-06-01T12:00:00","date_gmt":"2007-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/06\/lais-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:44:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:44:32","slug":"lais","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/06\/lais\/","title":{"rendered":"Problematischer und fraglicher Wirtschaftsmotor"},"content":{"rendered":"<p>Der Grossraum Z\u00fcrich ist f\u00fcr eine grosse internationale Drehscheibe des Luftverkehrs als Heimmarkt zu klein und zudem als Standort viel zu eng. Die Branche Transitflughafen stellt f\u00fcr die Metropole Z\u00fcrich eine Offshore-Funktion mit bescheidener Wertsch\u00f6pfung dar. Sie f\u00fchrt unsere Region in die Abh\u00e4ngigkeit von einer volatilen, auf lange Sicht nicht zukunftsf\u00e4higen Branche: dem Massentourismus in der Luft. Das ohne quantitative Selbstbeschr\u00e4nkung unl\u00f6sbare L\u00e4rmproblem bindet enorme politische Kr\u00e4fte. Sie w\u00e4ren notwendig, um Z\u00fcrich endlich ans europ\u00e4ische Hochgeschwindigkeits-Schienennetz anzubinden. Ein bescheidener, am Status quo und den langfristig d\u00fcsteren Perspektiven des Luftverkehrs ausgerichteter Kurs ist f\u00fcr den Kanton Z\u00fcrich der richtige Weg. Wir nennen ihn eine realistische Flughafenpolitik.&#13;<\/p>\n<h2>Hub-Strategie &#8211; der riskante Weg in die Abh\u00e4ngigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Flughafen Z\u00fcrich-Kloten ist die einzig denkbare Heimbasis der nationalen Airline Swiss. Die Drehscheibe Z\u00fcrich h\u00e4ngt damit von zwei privaten, vom Staat konzessionierten Monopolisten ab. Der eine Monopolist (die Flughafenbetreiberin Unique) macht dabei fast 60% seines Verkehrsumsatzes mit dem anderen Monopolisten (Swiss und ihre Muttergesellschaft Lufthansa). Einzelne Billigfluggesellschaften setzen ebenfalls auf eine Hub-Strategie, wie j\u00fcngst Air Berlin mit ihrem Mittelmeer-Badeferien-Hub in Z\u00fcrich. Im Gegensatz zur nationalen Airline Swiss \u00e4ndern sie aber ihre Netzwerkstrategien praktisch im Takt der saisonalen Tiefpreis-Trends und der Flugpl\u00e4ne. Ihnen fehlen ja die Ressourcen und rechtlichen Privilegien (Staatsvertr\u00e4ge), um sich neue M\u00e4rkte nachhaltig aufzubauen und zu sichern. \u00a0Wenn der Flughafen 2006 bereits wieder 6,1 Mio. oder 32% Transferpassagiere meldet, so handelt es sich bei deren Umsteigen vom Wirtschaftsraum Z\u00fcrich aus gesehen um eine Offshore-Funktion. Die lokale Wertsch\u00f6pfung pro Passagier liegt im einstelligen Frankenbereich. Wichtig sind hingegen die bau- und arbeitsrechtlichen Privilegien f\u00fcr den Flughafen als Shopping- und Vergn\u00fcgungszentrum, als Immobilienfirma im Bereich Parkier- und B\u00fcroanlagen. Seinen Profit erzielt er denn auch zur G\u00e4nze in diesen Bereichen. Die Zukunft einer ganzen Region von den Business-Pl\u00e4nen zweier privater Firmen und einer einzigen volatilen Branche abh\u00e4ngig zu machen, ist nicht sinnvoll.&#13;<\/p>\n<h2>Klimaproblem wird den heutigen Weltluftverkehr bremsen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Weltluftverkehr verbrennt pro Jahr ca. 200 Mrd. Liter Kerosen. Wenn die Gef\u00e4hrlichkeit der Abgase gewichtet wird, so stammen in der Schweiz 14% des klimasch\u00e4digenden Effekts vom Luftverkehr. Der Weltluftverkehr schrieb in den letzten Jahren regelm\u00e4ssig Milliardenverluste. Angesichts der Kosten, die eine Kerosinsteuer (Lenkungsabgabe) bedeuten w\u00fcrde, ist v\u00f6llig klar: Der heutige Weltluftverkehr ist ohne die \u00fcberholte Steuerbefreiung undenkbar. \u00a0Einige Parteigutachten, die zum Teil rezykliert wurden, zeigen riesige besch\u00e4ftigungswirksame Effekte des Hub-Betriebs. Sie arbeiten alle mit indirekten (\u00abkatalytischen\u00bb) Effekten, die die Ums\u00e4tze der Luftverkehrsbranche angeblich erzeugen (so erzeugt z.B. die Frau des Zahnarztes eines Piloten durch den Kauf eines Salates ebenfalls \u00abFlughafen-Umsatz\u00bb, der Salatverk\u00e4ufer wird zur \u00abFlughafen-Arbeitskraft\u00bb). Methodisch ist das Messen dieser Effekte fragw\u00fcrdig, denn der gleiche Umsatz wird x-mal gez\u00e4hlt. Im Falle der kleinen Schweiz wird zudem auf tendenzi\u00f6se Weise mit \u00fcberh\u00f6hten Multiplikatoren gearbeitet. Tatsache ist: Seit 2001 hat das Verkehrsvolumen am Flughafen laufend abgenommen, aber seit 2004 findet in der Schweiz &#8211; wie auch bei unserem wichtigsten Handelspartner Deutschland &#8211; ein Wirtschaftsaufschwung statt.&#13;<\/p>\n<h2>Besinnung auf St\u00e4rken und nachhaltige Wertsch\u00f6pfung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer so genannte Grossraum Z\u00fcrich ist klein. T\u00e4glich reisen zum Beispiel nur etwa 35 Menschen auf der Strecke Z\u00fcrich-China. Selbst mit einem 100%igen Marktanteil k\u00f6nnte Swiss nur mit Gratiszubringern einen t\u00e4glichen Flug f\u00fcllen. Innerhalb Europas ist Z\u00fcrich in S-Bahn-Intervallen mit London, Frankfurt, Paris verbunden. Z\u00fcrich hat seine weltweit f\u00fchrende wirtschaftliche Stellung nicht dem Luftverkehr, sondern dem Finanzsektor und einem Spitzenangebot in Bildung und Gesundheit zu verdanken. \u00a0Auf diese St\u00e4rken hat sich die Wirtschaftspolitik zu besinnen und ihre Ressourcen zu konzentrieren. Das bei unverr\u00fcckbaren Wachstumspl\u00e4nen unl\u00f6sbare politische Flugl\u00e4rmproblem bindet politische Kr\u00e4fte, die andernorts mehr bewirken k\u00f6nnten. So ist Z\u00fcrich die in Europa \u00abam schlechtesten auf dem Schienenweg erreichbare Metropole\u00bb &#8211; und das im Land der Weltmeister im Eisenbahnfahren! Br\u00fcssel, Barcelona, Berlin und viele andere gr\u00f6ssere Metropolen m\u00fcssen und k\u00f6nnen ohne Hub &#8211; oder sogar ganz ohne Langstreckenverbindungen &#8211; gut leben, nicht aber ohne Anbindung ans europ\u00e4ische Hochgeschwindigkeits-Schienennetz!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Grossraum Z\u00fcrich ist f\u00fcr eine grosse internationale Drehscheibe des Luftverkehrs als Heimmarkt zu klein und zudem als Standort viel zu eng. Die Branche Transitflughafen stellt f\u00fcr die Metropole Z\u00fcrich eine Offshore-Funktion mit bescheidener Wertsch\u00f6pfung dar. 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