{"id":124073,"date":"2007-05-01T12:00:00","date_gmt":"2007-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/05\/champoud-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:44:39","modified_gmt":"2023-08-23T21:44:39","slug":"champoud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/05\/champoud\/","title":{"rendered":"Der private Postdienstleister braucht echten Wettbewerb"},"content":{"rendered":"<p>Die Herausforderungen an die Logistik sind durch die Globalisierung enorm gewachsen. Die Bed\u00fcrfnisse sowie das Verhalten der Konsumenten, die st\u00e4ndig im Wandel begriffen sind, f\u00fchren dazu, dass die meisten Warenlager auf ein Minimum beschr\u00e4nkt sind und auf \u00abJust in time\u00bb-Produktion umgestellt wurden. Unter Wettbewerbsbedingungen muss der Postdienstleiter in der Lage sein, die Entwicklung zu antizipieren und seine Leistung st\u00e4ndig zu verbessern. Er ist dabei auf einen vollst\u00e4ndig ge\u00f6ffneten Markt angewiesen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMonopole widerstehen dem Druck des Wandels und schaffen damit auf Zeit Inseln der gesch\u00fctzten R\u00fcckst\u00e4ndigkeit. Sie l\u00e4hmen die Motivation, im Markt mitzuhalten, und hindern damit alle Marktteilnehmer daran &#8211; auch den Monopolisten selbst -, die bestm\u00f6gliche Dienstleistung zu erbringen. Werden erst dem Wettbewerb ausgesetzte Dienste durch \u00fcberh\u00f6hte Margen im Monopolbereich mitfinanziert, handelt es sich um unlautere Verdr\u00e4ngung vom Markt.&#13;<\/p>\n<h2>Vollst\u00e4ndiger Abbau des Postmonopols<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer vollst\u00e4ndige Abbau des Monopols im Postmarkt muss daher das Ziel der Liberalisierung sein, mit der Garantie eines fl\u00e4chendeckend gut funktionierenden Service public bei zumutbaren Preisen. In der Schweiz sind es zwei Beh\u00f6rden, die das Verhalten der Marktteilnehmer \u00fcberwachen: der Postregulator und der Preis\u00fcberwacher. \u00a0Auch auf Seiten der Arbeitnehmenden sind keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Wo der eine Wettbewerber Ums\u00e4tze an andere abgeben muss, weil der Markt es so entscheidet, gehen keine Arbeitspl\u00e4tze verloren, im Gegenteil: Arbeitspl\u00e4tze, die den Marktbed\u00fcrfnissen entsprechen, haben sogar eine gr\u00f6ssere Sicherheit. Und da aufgrund der eidgen\u00f6ssischen, durch die Regulationsbeh\u00f6rden durchgef\u00fchrten Konzessionierungsverfahren die Arbeitsbedingungen bei allen Akteuren auf dem Postmarkt denselben Standards entsprechen, ist auf Arbeitnehmerseite mit keinen sozialen Problemen zu rechnen. Die DPD (Schweiz) AG hat in diesem Zusammenhang mit dem Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrages mit den Gewerkschaften Kommunikation und Transfair eine Vorreiterrolle eingenommen. \u00a0Die Absicherung des Service public sowie die Gew\u00e4hrleistung branchen\u00fcblicher Arbeitsbedingungen sind sozialpolitisch ausreichende und volkswirtschaftlich vertretbare Sicherungsmassnahmen beim \u00dcbergang zur vollst\u00e4ndigen Liberalisierung. Arbeitspl\u00e4tze hingegen, die kraft eines Monopols gegen die M\u00e4rkte erhalten werden, kosten mehr, als der Markt hergibt. Sie m\u00fcssen \u00fcber Steuern und \u00fcberh\u00f6hte Preise finanziert werden. Darunter leiden sowohl die Privatkunden wie auch die Wirtschaft, insbesondere die KMU.&#13;<\/p>\n<h2>Ausgliederung kosteninsiver Infrastruktur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr Postdienstleister stellt sich vor allem in Bereichen mit sehr engmaschiger Verteilung &#8211; z.B. im Bereich &#8222;Business to Customer&#8220; &#8211; die Frage der Investitionen in Verteilinfrastrukturen. Im Falle der Briefpost etwa verf\u00fcgt die Schweizer Post \u00fcber ein \u00fcber viele Jahrzehnte gewachsenes und vom Steuerzahler und Kunden mitfinanziertes Poststellennetz. Sollen nun private Postdienstleister bei einer vollst\u00e4ndigen Markt\u00f6ffnung ihrerseits eigene Poststellennetze aufbauen? W\u00e4re es volks- und betriebswirtschaftlich nicht viel kosteng\u00fcnstiger, das bestehende Poststellennetz aus der Schweizer Post zu l\u00f6sen? Das gewachsene Poststellennetz k\u00f6nnte durch einen Regulator als eigenst\u00e4ndige, unabh\u00e4ngig bewirtschaftete Infrastruktur allen Wettbewerbern &#8211; auch der Schweizer Post &#8211; gegen einen einheitlichen Tarif zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Eine solche Ausgliederung und Verf\u00fcgbarmachung gewachsener, kostenintensiver Infrastruktur k\u00f6nnte im Postmarkt &#8211; etwa im Falle der grossen Verteilzentren &#8211; durchaus Sinn machen. \u00a0Solche \u00dcberlegungen sind Zukunftsmusik, die es aber weiterzuverfolgen gilt. In Zeiten knapper werdender Ressourcen und eines geforderten schonungsvollen Energieverbrauchs k\u00f6nnen wir uns unn\u00fctze Doppelspurigkeiten &#8211; gerade bei grossen Investitionen &#8211; immer weniger leisten. Ein Anfang w\u00e4re etwa die Nutzung der Postf\u00e4cher der Schweizerischen Post durch private Postdienstleister zu Selbstkostenpreisen. Denn Preise, die \u00fcber dem Selbstkostenpreis liegen, bedeuten eine Wettbewerbsverzerrung. Private Anbieter k\u00f6nnen hier nicht als Kunde der Schweizer Post betrachtet werden, stellt diese doch lediglich eine Infrastruktur zur Verf\u00fcgung, die ihr von der Allgemeinheit zur Benutzung \u00fcbertragen worden ist. \u00a0Wir sind in Sachen Liberalisierung noch hinter der EU zur\u00fcck. Aber die Entwicklung und die politische Auseinandersetzung gehen f\u00fcr private Postdienstleister &#8211; und damit f\u00fcr die Kunden und die Arbeitnehmenden &#8211; in die richtige Richtung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Herausforderungen an die Logistik sind durch die Globalisierung enorm gewachsen. Die Bed\u00fcrfnisse sowie das Verhalten der Konsumenten, die st\u00e4ndig im Wandel begriffen sind, f\u00fchren dazu, dass die meisten Warenlager auf ein Minimum beschr\u00e4nkt sind und auf \u00abJust in time\u00bb-Produktion umgestellt wurden. 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