{"id":124113,"date":"2007-05-01T12:00:00","date_gmt":"2007-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/05\/leitner-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:44:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:44:56","slug":"leitner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/05\/leitner\/","title":{"rendered":"Chile &#8211; attraktiver Einstiegsmarkt und gutes Sprungbrett f\u00fcr eine regionale Expansion"},"content":{"rendered":"<p>Von aussen betrachtet ist Chile ein Land voller Gegens\u00e4tze: Sein Staatsgebiet wird von Meer, W\u00fcste, Eis und Andengipfeln eingegrenzt. Es hat einen kleinen, isolierten Binnenmarkt, der die Integration in die Weltwirtschaft sucht, und eine sozialistische Pr\u00e4sidentin, die eine liberale Wirtschaftspolitik betreibt. Der kommende Staatsbesuch der chilenischen Pr\u00e4sidentin Michelle Bachelet in der Schweiz bietet Gelegenheit, einen genaueren Blick auf die erfolgreiche Volkswirtschaft am Ende der Welt zu werfen.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200705_20_Leitner_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00abIch komme aus einer dunklen Provinz, aus einem Land, das die schroffe Geografie abgeschnitten hat von allen anderen.\u00bb Diese Beschreibung des chilenischen Dichters Pablo Neruda anl\u00e4sslich der Verleihung des Nobelpreises 1971 scheint wenig mit dem heutigen Chile gemein zu haben. In den Gesch\u00e4ftsvierteln von Santiago de Chile reiht sich ein Glaspalast an den n\u00e4chsten. Gegenw\u00e4rtig entsteht in \u00abSanhattan\u00bb das h\u00f6chste Geb\u00e4ude Lateinamerikas. Die moderne Architektur zeugt vom wirtschaftlichen Boom, den das Land momentan erlebt. \u00a0Mit seiner bedeutenden Minenindustrie profitiert Chile ganz besonders von der j\u00fcngsten Hausse der Rohstoffpreise. Chile ist der weltweit gr\u00f6sste Exporteur von Kupfer, dessen Weltmarktpreise sich zwischen 2004 und 2006 verdreifacht haben. Auch das Schweizer Rohstoffunternehmen Xstrata hat sich mit der letztj\u00e4hrigen \u00dcbernahme der kanadischen Falconbridge als wichtiger Akteur in Chile etabliert. Der gr\u00f6sste chilenische Kupferproduzent Codelco ist allerdings in staatlicher Hand und beschert dem Finanzministerium gegenw\u00e4rtig Rekordeinnahmen. 2006 wies der Finanzhaushalt einen \u00dcberschuss von 7,9% des Bruttoinlandproduktes (BIP) aus. Um eine weitere Aufwertung des chilenischen Pesos zu verhindern und um auch kommende Generationen am \u00abBonanza\u00bb teilhaben zu lassen, richtete die Regierung Anfang 2007 einen Fonds f\u00fcr wirtschaftliche und soziale Stabilit\u00e4t ein, der die Finanz\u00fcbersch\u00fcsse im Ausland investieren soll. Die Entscheidung, die langfristige Haushaltsdisziplin h\u00f6her zu gewichten als die kurzfristige Befriedigung sozialer Bed\u00fcrfnisse, ist f\u00fcr die aktuelle chilenische Wirtschaftspolitik beispielhaft.&#13;<\/p>\n<h2>Liberale Reformen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nChile wird immer wieder als gelungenes Beispiel liberaler Reformprozesse gew\u00fcrdigt. Nachdem in den Siebzigerjahren die Preis- und Zinskontrollen aufgehoben, die Z\u00f6lle gesenkt und staatliche Unternehmen privatisiert worden waren, stellte Chile vor allem unter dem Finanzminister mit Schweizer Wurzeln, Hernan B\u00fcchi, in den Achtzigerjahren die Weichen f\u00fcr ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Eine tief greifende Reform des Finanzmarktes, die Schaffung eines privaten Vorsorgesystems und die Entlassung der Zentralbank in die Unabh\u00e4ngigkeit haben wesentlich dazu beigetragen, dass Chile die Staatsverschuldung entscheidend abbauen und die Inflation nachhaltig senken konnte.\u00a0Auch nach dem \u00dcbergang zur Demokratie 1990 wurden die marktwirtschaftlichen Reformen weitergef\u00fchrt, um den Wettbewerb zu st\u00e4rken (z.B. Telekommunikation), den Kapitalverkehr zu liberalisieren und Chile in die Weltwirtschaft zu integrieren. 2001 wurde gesetzlich festgelegt, dass der Staatshaushalt &#8211; unter Annahme des wirtschaftlichen Potenzialwachstums und eines l\u00e4ngerfristig realistischen Kupferpreises &#8211; einen \u00dcberschuss von 1% des BIP ausweisen m\u00fcsse. Mit der Regel eines strukturellen \u00dcberschusses wurde die Haushaltspolitik von der Volatilit\u00e4t der Rohstoffpreise weit gehend isoliert. Damit schuf Chile ein solides wirtschaftliches Fundament, um die Wirtschaftskrisen &#8211; wie die Asienkrise und die Argentinienkrise &#8211; zu absorbieren und vom j\u00fcngsten Aufschwung der Weltwirtschaft zu profitieren.\u00a0Dank eines durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 5,9% in den vergangenen 20 Jahren ist die \u00abdunkle Provinz\u00bb zur reichsten Volkswirtschaft Lateinamerikas herangewachsen. Im gleichen Zeitraum fiel die Inflation von zweistelligen Zahlen auf rund 3%, die Arbeitslosigkeit sank unter 8% und die Staatsverschuldung liegt gegenw\u00e4rtig unter 20% des BIP. Kein Wunder also, dass Chile schon bald der OECD beitreten k\u00f6nnte.\u00a0Neben den beeindruckenden makro\u00f6konomischen Daten kann sich Chile auf solide Institutionen und rechtstaatliche Verh\u00e4ltnisse abst\u00fctzen, die f\u00fcr die Regulierung der in Chile vielf\u00e4ltigen staatlich-privaten Partnerschaften wie Elektrizit\u00e4tsversorgung, Strassen oder H\u00e4fen zentral sind. Im Korruptions-Index von Transparency International liegt Chile als bestes Land Lateinamerikas auf Rang 20 (zusammen mit den USA und Belgien).&#13;<\/p>\n<h2>Integration in die Weltwirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer \u00dcbergang zur Demokratie (1990) erm\u00f6glichte Chile sowohl eine politische wie auch eine wirtschaftliche \u00d6ffnung. In drei Schritten wurden mit den regionalen Absatzm\u00e4rkten in Lateinamerika, den traditionellen Handelspartnern in Europa und Nordamerika sowie mit den neuen asiatischen L\u00e4ndern wie China, Indien und bald auch Japan Freihandelsabkommen abgeschlossen. Chile hat mit 58 L\u00e4ndern einen freien Marktzugang vereinbart und damit seine Exportm\u00e4rkte geografisch diversifiziert. Bei der regionalen Integration beschr\u00e4nkt sich Chile auf den Status eines assoziierten Mitglieds des Mercosur und des Andenpaktes.\u00a0Die \u00d6ffnungspolitik schl\u00e4gt sich auch in den Handelszahlen nieder. Allein in den letzten vier Jahren sind die Exporte j\u00e4hrlich um \u00fcber 30% gestiegen. Gemessen am BIP lag der Aussenhandel 2006 bei \u00fcber 70%. Die chilenische Handelsbilanz weist traditionell einen hohen \u00dcberschuss aus. Allein der Kupferverkauf tr\u00e4gt mit \u00fcber 50% zu den Exporteinnahmen bei. Minen- und Landwirtschaftsprodukte sind f\u00fcr \u00fcber 80% der Exporte verantwortlich. Nach Chile importiert werden vor allem Konsum- und Investitionsg\u00fcter sowie Energietr\u00e4ger.\u00a0Mit einem beschr\u00e4nkten Binnenmarkt, einer pragmatischen Haltung gegen\u00fcber regionalen Integrationsprozessen und einem wachsenden Netz von internationalen Handelsvertr\u00e4gen haben Chile und die Schweiz in der Aussenwirtschaftspolitik einige wichtige Gemeinsamkeiten. Anfang Dezember 2004 trat das Freihandelsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Freihandelsassoziation (Efta) und Chile in Kraft. Chile ist bislang das ein-zige Land in S\u00fcdamerika, mit dem die Schweiz ein solches Abkommen abgeschlossen hat.\u00a0Die bilaterale Handelsbilanz zeigt &#8211; mindestens gem\u00e4ss Schweizer Statistiken &#8211; einen deutlichen \u00dcberschuss zu Gunsten der Schweiz. 2006 wurden Schweizer G\u00fcter (Maschinen, pharmazeutische Produkte, Fahrzeuge sowie optische und medizinische Instrumente) im Wert von rund 200 Mio. Schweizer Franken nach Chile exportiert. Die Einfuhren aus Chile im Umfang von 63 Mio. Schweizer Franken setzen sich aus landwirtschaftlichen G\u00fctern (z.B. Wein), Papierwaren und Metallen zusammen.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen: Energieversorgung und Umweltbelastung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Energiequellen hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr als Achillesferse f\u00fcr das chilenische Wirtschaftswachstum herausgestellt. Die Gaslieferungen aus Argentinien sind unbest\u00e4ndig und immer teurer, der Zugang zu den reichen Gasvorkommen Boliviens bleibt aus politischen Gr\u00fcnden (Nachwehen des Pazifischen Kriegs aus dem vorletzten Jahrhundert) verschlossen, und die Erschliessung der eigenen Energiequellen ist kostspielig. Die Regierung will in der Folge bis 2010 rund 16 Mrd. US-Dollar in Energieprojekte investieren. Damit sollen beispielsweise eine Anlage zur Verfl\u00fcssigung von Erdgas gebaut, die Stromversorgung aus Wasserkraft intensiviert und nachhaltige Energiequellen (z.B. Wind, Biomasse, Geothermik) erschlossen werden.\u00a0Mit der Energieversorgung verbunden ist die Frage der Umweltbelastung. Die Luftqualit\u00e4t der chilenischen Hauptstadt, die von zwei Bergketten umgeben ist, sinkt vor allem w\u00e4hrend der Wintermonate auf alarmierende Werte. Neben der geografischen Lage Santiagos spielen vor allem Emissionen aus Verkehr, Heizung und Industrie eine wichtige Rolle. Mit den Versorgungsproblemen beim Erdgas steigt das Risiko, dass viele Heizungen und Generatoren wieder auf Kohle und Diesel umsteigen werden. Seit 1994 arbeitet die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) mit der chilenischen Kommission f\u00fcr Umweltfragen zusammen. Bei den j\u00fcngsten Projekten wird vor allem an Ans\u00e4tzen gearbeitet, um die Luftqualit\u00e4t in St\u00e4dten wie Santiago und Temuco zu verbessern &#8211; z.B. \u00fcber Partikelfilter oder effizientere Holz\u00f6fen.&#13;<\/p>\n<h2>Innovation und Diversifikation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Chilenen sind sich bewusst, dass die aktuelle Hausse der Kupferpreise einmal zu Ende gehen wird, wie dies bereits im 19. Jahrhundert mit dem Salpeter geschehen ist. Entsprechend ist das Land bem\u00fcht, seine Wirtschaft auf ein breiteres Fundament zu stellen und die Wettbewerbs- und Innovationsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken.\u00a0Auch wenn die chilenische Regierung mit Haushalts\u00fcbersch\u00fcssen und Investitionen der Kupfereinnahmen im Ausland verhindern will, dass die \u00abholl\u00e4ndische Krankheit\u00bb andere Wirtschaftszweige gef\u00e4hrdet, bleibt Chile eine wenig diversifizierte Volkswirtschaft. Neben der Minenindustrie konnte sich bislang einzig die Landwirtschaft mit ihren nachgelagerten Verarbeitungsindustrien als wirtschaftliches Standbein etablieren. Dank einer substanziellen Ausweitung der Anbaufl\u00e4chen sowie dem Einsatz moderner Technologien ist Chile heute der wichtigste Lieferant von Frischfr\u00fcchten &#8211; z.B. Tafeltrauben, \u00c4pfel, Avocados &#8211; in der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re sowie der weltweit zweitgr\u00f6sste Produzent von Lachs und der f\u00fcnftgr\u00f6sste Weinexporteur. Wenig wettbewerbsf\u00e4hig hingegen ist die verarbeitende Industrie, die vor allem mit tiefer Produktivit\u00e4t und hohen Transportkosten k\u00e4mpft, die sich aus der geografischen Lage Chiles ergeben. Ausbaupotenzial hat auch der Tourismus, der gegenw\u00e4rtig rund 4% zum BIP beitr\u00e4gt.\u00a0In ihrer Diversifikationsstrategie will die Regierung Chile als internationale Investitions- und Dienstleistungsplattform positionieren. Einige multinationale Firmen &#8211; wie etwa Nestl\u00e9 und Zurich Financial Services &#8211; haben damit begonnen, ihre regionalen Telefonzentralen oder Informatikabteilungen aus Chile heraus zu betreiben. Dank seinem Netz von Freihandelsabkommen, seiner politischen und wirtschaftlichen Stabilit\u00e4t sowie seiner gut ausgebauten Infrastruktur bietet Chile grunds\u00e4tzlich gute Voraussetzungen als regionale Plattform.\u00a0Sowohl der weitere Ausbau der Agrarindustrie wie auch die erfolgreiche Positionierung als Dienstleistungsplattform machen allerdings erhebliche Investitionen in Forschung und Innovation erforderlich. Die Regierung hat entsprechend angek\u00fcndigt, dass die bislang tiefen Forschungsausgaben (2006: 0,7% des BIP) deutlich erh\u00f6ht werden sollen. In diesem Zusammenhang ist das beidseitige Interesse zu verstehen, den Vertrag \u00fcber wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Chile aus dem Jahr 1968 mit neuem Leben zu f\u00fcllen und auf Themen wie Biotechnologie, nachhaltige Energiequellen oder Umweltschutz auszudehnen. Die Schweizer Wissenschaftspr\u00e4senz in Chile konzentriert sich momentan vor allem auf die Beteiligung am European Southern Observatory (ESO), das gegenw\u00e4rtig seine zwei bisherigen Observatorien mit einer neuen, modernen Station erg\u00e4nzt.&#13;<\/p>\n<h2>Umgang mit geistigem Eigentum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie F\u00f6rderung der eigenen Innovationsf\u00e4higkeit, die internationale Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich sowie das Anziehen von internationalen Direktinvestitionen setzen einen umfassenden Schutz des geistigen Eigentums voraus. Unter anderem im Freihandelsabkommen mit der EFTA hat sich Chile verpflichtet, seine bisherigen gesetzlichen L\u00fccken in dieser Frage zu schliessen.\u00a0Das B\u00fcro des amerikanischen Handelsdelegierten (USTR) entschied Anfang Januar 2007, Chile wegen mangelndem Schutz des geistigen Eigentums auf die \u00abPriority Watch List\u00bb zu setzen. Im Fokus stehen neben der Software-Piraterie vor allem die in Chile hergestellten Kopien patentgesch\u00fctzter Pharmazeutika, von denen auch die Schweizer Pharmaproduzenten betroffen sind. Trotz Fortschritten bei den gesetzlichen Grundlagen wird namentlich von den ausl\u00e4ndischen Investoren immer wieder der politische Wille zu deren Umsetzung in Frage gestellt.&#13;<\/p>\n<h2>Reiches Land mit armen Leuten?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Chile gibt es gegenw\u00e4rtig kaum ein Produkt, das man nicht \u00fcber Abzahlungskredite kaufen kann. Selbst Lebensmittelgesch\u00e4fte bieten \u00fcber ihre eigenen Kreditkarten mehrmonatige Ratenzahlungen an. Entsprechend ist die Verschuldung der chilenischen Haushalte in den letzten drei Jahren um j\u00e4hrlich knapp 20% gestiegen. Die chilenische Zentralbank gibt sich allerdings optimistisch, dass die mehrheitlich jungen Schuldner mit fester Anstellung ihren Verpflichtungen ohne gr\u00f6ssere Probleme nachkommen werden.\u00a0Trotz sinkender Armutsrate, abnehmender Kindersterblichkeit und tiefer Analphabetenrate bleibt Chile ein Land mit einer grossen Ungleichverteilung von Verm\u00f6gen und Einkommen. Der Gini-Koeffizient hat sich in den letzten 20 Jahren kaum ver\u00e4ndert und lag 2006 weiterhin im Mittelfeld der s\u00fcdamerikanischen Staaten. Zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr diese Disparit\u00e4ten mag die Struktur der chilenischen Volkswirtschaft geh\u00f6ren. Die kapitalintensiven Projekte im Prim\u00e4rsektor haben vor allem Grossunternehmen geschaffen, die von wenigen Familien beherrscht werden. Heute versucht die Regierung, die kleinen und mittleren Betriebe vermehrt zu f\u00f6rdern und ihnen beispielsweise besseren Zugang zu Risikokapital zu verschaffen.\u00a0Eine weitere Ursache der Ungleichheit ist die Struktur des Bildungswesens. Die Qualit\u00e4t des \u00f6ffentlichen Schulwesens ist nicht vergleichbar mit dem Angebot privater Schulen, was sich letztlich auch auf den Zugang zu den besten Universit\u00e4ten auswirkt. Die Demonstrationen im Mai 2006, als mehr als 1 Million Sch\u00fcler und Studenten auf die Strassen gingen, haben die Malaise deutlich gemacht. Auch der angestrebte Aufbau eines international ausgerichteten Dienstleistungssektors verlangt nach einer St\u00e4rkung der Aus- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten. Die Reform des Bildungswesens geh\u00f6rt denn auch zu den Priorit\u00e4ten, die sich Pr\u00e4sidentin Bachelet f\u00fcr ihre Amtszeit vorgenommen hat.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie aktuelle wirtschaftliche Situation Chiles ist eine Mischung aus liberaler Wirtschaftspolitik, solider staatlicher Institutionen und dem Gl\u00fcck hoher Rohstoffpreise. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb die Wirtschaft des Andenstaates nicht schneller w\u00e4chst als die f\u00fcr 2006 ausgewiesenen 4,0%. Neben der konsequenten antizyklischen Fiskalpolitik d\u00fcrften die Gr\u00fcnde vor allem in der Mikro\u00f6konomie liegen. Mangelnde Innovationskraft, geringe wirtschaftliche Diversifikation und Defizite beim Unternehmertum sind Herausforderungen, die das Land gegenw\u00e4rtig mit der ihm eigenen Zielstrebigkeit angehen will. F\u00fcr Schweizer KMU, die einen Einstieg in Lateinamerika planen, kann Chile ein interessanter Testmarkt und ein gutes Sprungbrett f\u00fcr eine regionale Expansion sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abHandelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Chile, 2000-2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abWirtschaftsindikatoren Chile, 2001-2006\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Schweizer Pr\u00e4senz in Chile<\/b>&#13;<br \/>\nIm 19. Jahrhundert liessen sich Schweizer Auswanderer vor allem im S\u00fcden des Landes nieder, wo sie als Handwerker und Bauern t\u00e4tig waren. Es wird gesch\u00e4tzt, dass heute rund 60000 Nachfahren dieser Immigranten in Chile leben. Zu ihnen z\u00e4hlen auch die beiden ehemaligen Pr\u00e4sidenten Chiles, Eduardo Frei Montalva (1964-1970) und Eduardo Frei Ruiz-Tagle (1994-2000).Schweizer Unternehmen halten Investitionen in Chile im Umfang von 1175 Mio. Franken (2005). Die Schweizer multinationalen Unternehmen sind alle in Chile vertreten. Zu den gr\u00f6ssten Investoren geh\u00f6ren Holcim (Polpaico), Nestl\u00e9, Xstrata und Zurich Financial Services. Das Land ist auch der Sitz der von Stephan Schmidheiny in die Viva-Stiftung eingebrachten Grupo Nueva. Die Swiss Air Lines hat Santiago de Chile im M\u00e4rz 2006 in ihr Streckennetz aufgenommen. Zwischen Chile und der Schweiz besteht seit 2002 ein Investitionsschutzabkommen und seit 2004 ein Freihandelsabkommen. Ein Doppelbesteuerungsabkommen ist gegenw\u00e4rtig in Verhandlung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von aussen betrachtet ist Chile ein Land voller Gegens\u00e4tze: Sein Staatsgebiet wird von Meer, W\u00fcste, Eis und Andengipfeln eingegrenzt. Es hat einen kleinen, isolierten Binnenmarkt, der die Integration in die Weltwirtschaft sucht, und eine sozialistische Pr\u00e4sidentin, die eine liberale Wirtschaftspolitik betreibt. 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