{"id":124178,"date":"2007-04-01T12:00:00","date_gmt":"2007-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/04\/graf-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:04","slug":"graf-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/04\/graf-7\/","title":{"rendered":"Arbeitsbedingungen in der Schweiz &#8211; ein Vergleich mit EU-L\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>Die Vierte Europ\u00e4ische Umfrage \u00fcber die Arbeitsbedingungen liefert wichtige Erkenntnisse \u00fcber die Arbeitswelt in der Schweiz und in Europa. Die erstmalige Beteiligung der Schweiz an dieser Erhebung ergab insgesamt ein erfreuliches Bild \u00fcber die hiesigen Arbeitsbedingungen. Vielfach ist die Schweiz in der Spitzengruppe vertreten und bietet damit den Erwerbst\u00e4tigen vergleichsweise gute Bedingungen. Die attraktiven Arbeitspl\u00e4tze sind einerseits ein wichtiger Faktor im internationalen Standortwettbewerb und andererseits eine Voraussetzung, um den fr\u00fchzeitigen Ausschluss \u00e4lterer Erwerbst\u00e4tiger vom Arbeitsmarkt zu verhindern. Aber es gibt auch Verbesserungspotenzial. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200704_04_Graf_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"254\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Erstmalige Beteiligung der Schweiz an europ\u00e4ischer Erhebung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Europ\u00e4ische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (siehe Kasten 1 Die Europ\u00e4ische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung mit Sitz in Dublin wurde 1975 vom Europ\u00e4ischen Rat gegr\u00fcndet. Sie ist eine tripartite Agentur, die sich aus Vertretern der mitgliedstaatlichen Regierungen, der Arbeitgeberverb\u00e4nde und der Arbeitnehmerorganisationen zusammensetzt. Die Stiftung hat die Aufgabe, durch die F\u00f6rderung und Verbreitung geeigneter Kenntnisse zur Konzipierung und Schaffung besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen beizutragen. Bei der Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben ber\u00fccksichtigt sie die Politik der Gemeinschaft in diesen Bereichen und unterrichtet die Organe der Gemeinschaft \u00fcber die in Betracht kommenden Ziele und Ausrichtungen, indem sie ihnen insbesondere wissenschaftliche Kenntnisse und technische Daten mitteilt.Im Bereich der Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse und der Arbeitsbedingungen befasst sich die Stiftung insbesondere mit folgenden Fragen:- Besch\u00e4ftigungs- und Arbeitsbedingungen;- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben;- Arbeitsbeziehungen und Partnerschaft;- sozialer Zusammenhalt.F\u00fcr weitere Informationen siehe: <a href=\"http:\/\/eurofound.europa.eu\">http:\/\/eurofound.europa.eu<\/a>. Bericht der Stiftung: <a href=\"http:\/\/eurofound.europa.eu\/ewco\/surveys\/EWCS2005\/index.htm\">http:\/\/eurofound.europa.eu\/ewco\/surveys\/EWCS2005\/index.htm<\/a>. ) f\u00fchrt seit 1990 f\u00fcnfj\u00e4hrlich Erhebungen \u00fcber die Arbeitsbedingungen in Europa durch. Bei der erstmaligen Beteiligung der Schweiz 2005 wurden europaweit nahezu 30000 Erwerbst\u00e4tige in 31 L\u00e4ndern befragt. Die erfassten Schweizer Daten basieren auf 1040 pers\u00f6nlichen Face-to-Face-Interviews, die Beschreibungen der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Befragten liefern. Dabei wurden &#8211; neben den Gesundheitsauswirkungen der Arbeit &#8211; auch Themen wie Arbeitsorganisation, -inhalte und -zeiten sowie Diskriminierung, Kommunikationsstrukturen, Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie untersucht. Diese Themen, die mittels \u00fcber 100 Fragen analysiert werden, ergeben ein umfassendes Bild \u00fcber die Arbeitssituation in der Schweiz im Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern.\u00a0Die Personenauswahl, welche in der Schweiz durch die M.I.S. Trend AG in Lausanne getroffen wurde, erfolgte durch eine mehrstufige Zufallsstichprobe und ist repr\u00e4sentativ f\u00fcr die gesamte erwerbst\u00e4tige Bev\u00f6lkerung. Die befragten Personen waren zum Zeitpunkt der Umfrage (Ende 2005) selbstst\u00e4ndig oder abh\u00e4ngig erwerbst\u00e4tig und mindestens 15 Jahre alt. \u00a0Mit der Studie verf\u00fcgen die Sozialpartner und die politischen Entscheidungstr\u00e4ger \u00fcber eine gemeinsame Grundlage f\u00fcr die Entwicklung von Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und es k\u00f6nnen dank dem Datensatz je nach Bedarf vertiefte Auswertungen durchgef\u00fchrt und damit weitere wichtige Informationen bez\u00fcglich der Schweizer Arbeitswelt gewonnen werden. Die Auswertung der Daten wird vom Institut f\u00fcr Personalmanagement und Organisation der Fachhochschule Nordwestschweiz in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (SECO) koordiniert.\u00a0Im Folgenden werden einige Themen der vierten europ\u00e4ischen Umfrage \u00fcber die Arbeitsbedingungen 2005 aufgegriffen und die Schweiz mit den Nachbarl\u00e4ndern Deutschland, \u00d6sterreich, Frankreich und Italien sowie einer Benchmark der jeweils drei besten L\u00e4nder (Mittelwert der Prozentanteile) verglichen. Beim L\u00e4ndervergleich werden die Mittelwerte \u00fcber alle Befragten benutzt. Weiter werden einige Schweizer Daten nach Wirtschaftszweigen Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft (Nace)., Berufshauptgruppen International Standard Classification of Occupations ISCO88., Besch\u00e4ftigungsgrad, Geschlecht und Alter aufgeschl\u00fcsselt.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Arbeitsabsenzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie meisten Schweizer Erwerbst\u00e4tigen sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. So geben 91% an, mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Im Durchschnitt aller europ\u00e4ischen L\u00e4nder sind dies 80%. Deutschland (89%) und \u00d6sterreich (90%) liegen leicht unter dem Schweizer Wert; Frankreich (82%) und insbesondere Italien (76%) liegen deutlicher dahinter. Die Schweiz liegt auf dem vierten Rang nur knapp hinter den drei L\u00e4ndern D\u00e4nemark, Norwegen und Grossbritannien, wo die Arbeitszufriedenheit bez\u00fcglich Arbeitsbedingungen am h\u00f6chsten ist (Mittelwert 93%).\u00a019% der Schweizer Berufst\u00e4tigen geben an, in den letzten zw\u00f6lf Monaten aufgrund von Gesundheitsproblemen gefehlt zu haben, wobei noch differenziert wird, ob die Ursache der gesundheitlichen Probleme mit der beruflichen T\u00e4tigkeit in Verbindung steht (5%) oder auf einen Unfall (2%) zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Wie auch die Schweiz liegen Frankreich und \u00d6sterreich leicht unter dem europ\u00e4ischen Mittel von 22%. Deutschland (28%) und Italien (25%) liegen dar\u00fcber. Interessant ist, dass die Dauer der Abwesenheit bei den Schweizern trotzdem dem europ\u00e4ischen Mittel entspricht (21 Tage). Schweizer Erwerbst\u00e4tige sind also im Krankheitsfall relativ lange abwesend. Die europ\u00e4ische Benchmark der L\u00e4nder, die am wenigsten Abwesenheitstage aufweisen, setzt sich aus Deutschland, Italien und Malta zusammen und liegt bei 12 Tagen. Ebenfalls sind Erwerbst\u00e4tige aus \u00d6sterreich (17 Tage) nicht lang abwesend, im Gegensatz zu Erwerbst\u00e4tigen in Frankreich (29 Tage). In der Schweiz belaufen sich die durchschnittlichen Absenzen wegen Gesundheitsproblemen \u00fcber alle Erwerbst\u00e4tige gerechnet auf rund 4 Tage. Dies ist mehr als in Italien, Deutschland oder \u00d6sterreich. Da die Daten schief verteilt sind (d.h. es gibt eine kleine Anzahl von Personen mit sehr langen Absenzen), ist der Median ein sinnvoller Lageparameter. Der Schweizer Median liegt bei 7 Tagen, derjenige f\u00fcr Frankreich, Italien und \u00d6sterreich bei 10 Tagen und der deutsche Median bei 9 Tagen.&#13;<\/p>\n<h2>Gef\u00e4hrdung und Beeintr\u00e4chtigungen der Gesundheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt wird weniger \u00fcber eine Gef\u00e4hrdung der Gesundheit oder Sicherheit als \u00fcber eine Beeintr\u00e4chtigung der Gesundheit berichtet. Eine Gef\u00e4hrdung der Gesundheit oder der Sicherheit wird als direkte und unmittelbare Einwirkung wahrgenommen. Deutsche Berufst\u00e4tige sehen ihre Gesundheit oder ihre Sicherheit weniger durch die Arbeit gef\u00e4hrdet als Schweizer Berufst\u00e4tige (22%). Die Benchmark liegt bei 18% (Deutschland, Norwegen, Grossbritannien) und das europ\u00e4ische Mittel bei 30%.\u00a0Eine Beeintr\u00e4chtigung der Gesundheit wirkt eher indirekt und kann langfristig die Gesundheit gef\u00e4hrden. 31% der Berufst\u00e4tigen in der Schweiz geben an, dass ihre Gesundheit durch ihre Arbeit beeintr\u00e4chtigt wird. Die am h\u00e4ufigsten genannten Gesundheitsbeschwerden sind R\u00fcckenschmerzen (18%), Stress (17%) und Muskelschmerzen in den Schultern oder im Nacken (13%) (siehe Grafik 1). Diese Anteile entsprechen etwa den Werten von Deutschland und sind tiefer als die Werte der anderen L\u00e4nder. Die Schweiz ist h\u00e4ufig zusammen mit Grossbritannien und etwas weniger mit Deutschland unter den drei besten L\u00e4ndern vertreten.&#13;<\/p>\n<h2>Gesundheitsrisiken nach Wirtschaftszweigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Land- und Forstwirtschaft sowie im Industrie- und Bausektor berichten \u00fcberdurchschnittlich viele Erwerbst\u00e4tige \u00fcber Gesundheitsbeeintr\u00e4chtigungen. Der private Dienstleistungssektor entspricht dem Schweizer Mittel; das Erziehungs- und Sozialwesen liegt leicht darunter (siehe Tabelle 1 ).\u00a0In der Land- und Forstwirtschaft sind R\u00fccken- und Muskelschmerzen sowie allgemeine Ersch\u00f6pfungen und Verletzungen am h\u00e4ufigsten. In der Industrie und auf dem Bau wird deutlich h\u00e4ufiger als in den anderen Wirtschaftszweigen \u00fcber Hautprobleme, Atembeschwerden, Allergien und H\u00f6rprobleme berichtet. \u00a0Eine H\u00e4ufung von psychosomatischen Gesundheitsrisiken ist in der \u00f6ffentlichen Verwaltung festzustellen, wo \u00fcberdurchschnittlich viel \u00fcber allgemeine Ersch\u00f6pfung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafst\u00f6rungen, Magenschmerzen, Herzkrankheiten und Angstzust\u00e4nde berichtet wird. Diese Beschwerden h\u00e4ngen &#8211; nach den Erkenntnissen der medizinischen Forschung &#8211; von arbeitsorganisatorischen und psychosozialen Faktoren ab. Sehprobleme treten in der Verwaltung ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig auf. Dieser bedenklich hohe Anteil Betroffener ist ein Indiz f\u00fcr die Notwendigkeit vertiefter Analysen und Verbesserungsmassnahmen.&#13;<\/p>\n<h2>Physische Gesundheitsrisiken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie ausf\u00fchrlichen Fragen zu physischen Gesundheitsrisiken erlauben uns, die Ursachen von Gesundheitsproblemen zu beleuchten. Es bestehen zahlreiche physische Belastungen. Diese sind sowohl im Dienst leistungssektor, wo heute rund 75% aller Erwerbst\u00e4tigen arbeiten, als auch in den anderen Sektoren zu finden. Unter physischen Risiken werden in der Studie nicht nur eigentliche physische (L\u00e4rm, Vibrationen etc.), sondern auch die \u00abergonomischen\u00bb Risiken f\u00fcr das muskuloskelettale System verstanden. \u00a0Rund 20% aller Befragten in der Schweiz geben an, dass ihre Arbeit w\u00e4hrend eines Viertels der Zeit oder l\u00e4nger eines oder mehrere der folgenden physischen Risiken beinhaltet: Vibration von Werkzeugen, Maschinen etc., hohe oder niedrige Temperaturen, starker L\u00e4rm, das Einatmen von Rauch, D\u00e4mpfen (z.B. durch Schweissen oder Abgase), Pulver oder Staub (wie Holzoder Mineralstaub). Der Anteil der Betroffenen in der Schweiz liegt unter den europ\u00e4ischen Mittelwerten, aber fast durchwegs \u00fcber den Werten der Benchmarkl\u00e4nder. Eine Ausnahme ist der Umgang mit ansteckenden Stoffen (z.B. Abfall, K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten, Labormaterialien), wo der Anteil der Betroffenen \u00fcber dem europ\u00e4ischen Mittel liegt (siehe Grafik 2). Weshalb diese Risiken das Gesundheitsbefinden in der Schweiz nicht entsprechend beeintr\u00e4chtigen, ist noch unklar. Ein m\u00f6glicher Grund k\u00f6nnte der hohe Selbstbestimmungsgrad bei der Ausf\u00fchrung der Arbeit sein. Dieser Aspekt wird weiter analysiert. Siehe den Artikel von U. Pekruhl, S. 9-12, in diesem Heft. \u00a0Bei der Frage nach Tabakrauchexposition (Passivrauchen) liegt die Schweiz mit 14% deutlich \u00fcber Italien (9%), aber tiefer als die anderen Nachbarl\u00e4nder wie Frankreich (20%), \u00d6sterreich (23%) und Deutschland (26%). Die Benchmark der drei besten L\u00e4nder Irland, Schweden, Norwegen liegt bei 7%.\u00a0Die Belastung der Schweizer Erwerbst\u00e4tigen betreffend die \u00abergonomischen\u00bb Gesundheitsrisiken liegt insgesamt unter dem Niveau der Nachbarl\u00e4nder, wobei die Anzahl der Betroffenen immer noch bedenklich ist. Stets gleiche Handoder Armbewegungen (42%), schmerzhafte oder erm\u00fcdende K\u00f6rperhaltungen (35%) und das Tragen oder Bewegen von schweren Lasten (27%) sind die h\u00e4ufigsten physischen Gesundheitsrisiken in der Arbeitswelt. Es ist erfreulich, dass die Schweizer Werte h\u00e4ufig unter denjenigen der Benchmarkl\u00e4nder liegen. Da von erheblichen Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen auszugehen ist, muss bei der Interpretation vorsichtig vorgegangen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Physische Gesundheitsrisiken nach Wirtschaftszweigen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gliederung der physischen Gesundheitsrisiken nach Wirtschaftszweigen ist oft aufschlussreich, da die Arbeitsabl\u00e4ufe durch typische T\u00e4tigkeiten eines Wirtschaftsbereiches vorgegeben sind und dementsprechend die Gesundheit der Erwerbst\u00e4tigen nach einem gewissen Muster belasten. Die in der Tabelle 2 zusammengefassten Prozentzahlen entsprechen dem Anteil der Erwerbst\u00e4tigen, deren Arbeit w\u00e4hrend eines Viertels der Zeit oder l\u00e4nger eines der Risiken einschliesst.\u00a0Die am h\u00e4ufigsten genannten Belastungen in der Land- und Forstwirtschaft sind niedrige Temperaturen, Tragen oder Bewegen schwerer Lasten und schmerzhafte oder erm\u00fcdende K\u00f6rperhaltung. Das sind bekannte Risikofaktoren f\u00fcr muskuloskelettale Beschwerden. Erwerbst\u00e4tige in der Industrie und im Baugewerbe benennen stets gleiche Handoder Armbewegungen, starken L\u00e4rm, Vibrationen sowie das Einatmen von Rauch, D\u00e4mpfen (z.B. durch Schweissen oder Abgase), Pulver oder Staub (wie Holzoder Mineralstaub) als h\u00e4ufigste Gesundheitsrisiken. Zudem sind diese Erwerbst\u00e4tigen vermehrt D\u00e4mpfen von L\u00f6sungsoder Verd\u00fcnnungsmitteln und Tabakrauch ausgesetzt. Hier ist die Verbindung mit Haut- und Atemwegbeschwerden klar ersichtlich. \u00a0Im privaten Dienstleistungssektor sind die Risiken &#8211; mit Ausnahme von stets gleichen Handoder Armbewegungen &#8211; relativ niedrig. Erwerbst\u00e4tige in der \u00f6ffentlichen Verwaltung bezeichnen stets gleiche Handoder Armbewegungen und hohe bzw. niedrige Temperaturen \u00fcberdurchschnittlich oft als problematisch. Die physischen Gesundheitsrisiken pr\u00e4gen das Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen stark. Die Gesundheit dieser Personen wird vor allem durch schmerzhafte oder erm\u00fcdende K\u00f6rperhaltungen, stets gleiche Handoder Armbewegungen, das Tragen oder Bewegen von schweren Lasten und Personen sowie den Kontakt mit ansteckenden Stoffen beeintr\u00e4chtigt.&#13;<\/p>\n<h2>Benachteiligung aufgrund des Alters<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBenachteiligungen aufgrund des Alters kommen in der Schweiz mit 4% h\u00e4ufiger vor als in anderen untersuchten L\u00e4ndern, wie z.B. Deutschland (3%), Italien (3%) oder Frankreich (2%). Die Schweiz liegt auch \u00fcber dem europ\u00e4ischen Mittel von 3% und befindet sich damit im hinteren Drittel. Eine vertiefte Analyse zeigt, dass sich in der Schweiz Frauen und j\u00fcngere Personen am h\u00e4ufigsten aufgrund ihres Alters w\u00e4hrend ihrer Arbeit benachteiligt f\u00fchlen. Weibliche Erwerbst\u00e4tige (5%) geben im Vergleich zu ihren m\u00e4nnlichen Kollegen (3%) h\u00e4ufiger an, bei der Arbeit aufgrund ihres Alters benachteiligt zu werden. 10% der Erwerbst\u00e4tigen, die 24 Jahre und j\u00fcnger sind, sehen sich aufgrund ihres jungen Alters benachteiligt. Bei den 25- bis 39-J\u00e4hrigen und den 40- bis 54-J\u00e4hrigen sind dies nur rund 3%, was nur leicht \u00fcber den 4% der \u00e4lteren Erwerbst\u00e4tigen (55+) liegt. Im Gegensatz zu \u00e4lteren Stellensuchenden, deren Arbeitssuche h\u00e4ufig aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters erschwert ist, stellen \u00e4ltere Personen, die im Arbeitsmarkt integriert sind, nur selten Benachteiligungen wegen ihres Alters fest.&#13;<\/p>\n<h2>Weiterbildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem dynamischen Arbeitsmarkt mit raschen wirtschaftlichen und technologischen Ver\u00e4nderungen ist die Weiterbildung zur F\u00f6rderung der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit insbesondere f\u00fcr wenig Qualifizierte sowie f\u00fcr \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige besonders wichtig. 45% der Schweizer Erwerbst\u00e4tigen haben in den zw\u00f6lf der Befragung vorangegangenen Monaten an einer vom Unternehmen finanziell unterst\u00fctzten Weiterbildung teilgenommen. Nur Finnland und Schweden liegen h\u00f6her. Dagegen ist der europ\u00e4ische Durchschnitt sehr viel niedriger (25%) und auch die europ\u00e4ischen Nachbarn Italien (17%), Frankreich (24%), Deutschland (25%) und \u00d6sterreich (38%) reichen bei weitem nicht an die Schweizer Werte heran.\u00a0Die Aufschl\u00fcsselung der Schweizer Daten nach Berufshauptgruppen und Alter zeigt folgendes Bild: \u00dcber 60% der F\u00fchrungskr\u00e4fte, Wissenschaftler und technischen Fachkr\u00e4fte besuchen eine bezahlte Weiterbildungsmassnahme; bei den Arbeitnehmenden in Dienstleistungsberufen, in der Maschinenindustrie und in Handwerksberufen sind es dagegen nur rund 40%. Kaufm\u00e4nnische Angestellte (26%), Fachkr\u00e4fte in der Landwirtschaft (15%) und Hilfskr\u00e4fte (7%) bilden sich am seltensten auf Gesch\u00e4ftskosten weiter. Die Unterschiede bez\u00fcglich Alterskategorien sind weniger deutlich. Am wenigsten werden die unter 24-j\u00e4hrigen (38%) und \u00fcber 55-j\u00e4hrigen Erwerbst\u00e4tigen (41%) weitergebildet. Am h\u00e4ufigsten kommen 25- bis 39-j\u00e4hrige (47%) und 40- bis 54-j\u00e4hrige Erwerbst\u00e4tige (49%) in den Genuss einer bezahlten Weiterbildungsmassnahme. Zudem sind bezahlte Weiterbildungsmassnahmen h\u00e4ufiger bei Vollzeitbesch\u00e4ftigten (49%) und in grossen Unterneh-men (51%) als bei Teilzeitarbeitenden oder (38%) in kleinen Betrieben (40%). Trotz der hohen Weiterbildungsquote erachten rund 20% der Schweizer Erwerbst\u00e4tigen weitere Schulungs- und Ausbildungsmassnahmen zur guten Bew\u00e4ltigung ihrer Aufgaben als notwendig.&#13;<\/p>\n<h2>Work-Life-Balance<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz geben 88% der Befragten an, dass sich die Arbeitszeiten gut bis sehr gut mit famili\u00e4ren oder sozialen Verpflichtungen ausserhalb des Berufs vereinbaren lassen. Die Schweiz liegt hier auf gleicher H\u00f6he wie die Benchmark der Top Drei (Norwegen, \u00d6sterreich, D\u00e4nemark). Die Nachbarl\u00e4nder Italien (73%), Frankreich (81%) und Deutschland (85%) haben tiefere Werte als die Schweiz. Auch das europ\u00e4ische Mittel (78%) liegt vergleichsweise tief.\u00a0Die Aufschl\u00fcsselung nach Vollzeit- und Teilzeitstellen zeigt, dass vor allem Teilzeitarbeitende (91%) Arbeit und famili\u00e4re oder soziale Verpflichtungen gut bis sehr gut unter einen Hut bringen. Bei den Vollzeitbesch\u00e4ftigten sind dies aber auch noch 86%. 25- bis 39-J\u00e4hrige (85%) k\u00f6nnen am wenigsten gut Privates und Berufliches miteinander vereinbaren, gefolgt von den unter 24-J\u00e4hrigen (87%), den 40- bis 54-J\u00e4hrigen (90%) und den \u00fcber 55-J\u00e4hrigen (92%). Bez\u00fcglich Geschlechtern ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede. So beurteilen 87% der M\u00e4nner und 89% der Frauen, dass ihre Work-Life-Balance stimmt.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt finden Erwerbst\u00e4tige in der Schweiz gute Arbeitsbedingungen vor. Die Schweiz muss diesen Trumpf auch angesichts der demografischen Entwicklung, welche zu einer Alterung der Arbeitskr\u00e4fte f\u00fchrt, weiter ausspielen und wo n\u00f6tig zus\u00e4tzlich optimieren. Gezielte Verbesserungen k\u00f6nnen die Arbeitsf\u00e4higkeit und Motivation der Arbeitnehmenden erhalten und die Attraktivit\u00e4t der Schweiz als Arbeitsplatz f\u00f6rdern. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss ber\u00fccksichtigt werden, dass die Verteilung der Besch\u00e4ftigten nach Wirtschaftszweigen sowie die rechtlichen Voraussetzungen je nach Land unterschiedlich sind und dementsprechend Einfluss auf die Antworten haben. Ebenfalls k\u00f6nnen soziokulturelle Faktoren das Verst\u00e4ndnis der Fragen und die Antworthaltung beeinflussen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abGesundheitsbeschwerden der Erwerbst\u00e4tigen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abPhysische Gesundheitsrisiken\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abH\u00e4ufigste Gesundheitsbeschwerden nach Wirtschaftszweigen Anteil der Erwerbst\u00e4tigen in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2 \u00abWirtschaftszweige nach Nace\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Europ\u00e4ische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung Die Europ\u00e4ische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingung mit Sitz in Dublin wurde 1975 vom Europ\u00e4ischen Rat gegr\u00fcndet. Sie ist eine tripartite Agentur, die sich aus Vertretern der mitgliedstaatlichen Regierungen, der Arbeitgeberverb\u00e4nde und der Arbeitnehmerorganisationen zusammensetzt. Die Stiftung hat die Aufgabe, durch die F\u00f6rderung und Verbreitung geeigneter Kenntnisse zur Konzipierung und Schaffung besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen beizutragen. Bei der Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben ber\u00fccksichtigt sie die Politik der Gemeinschaft in diesen Bereichen und unterrichtet die Organe der Gemeinschaft \u00fcber die in Betracht kommenden Ziele und Ausrichtungen, indem sie ihnen insbesondere wissenschaftliche Kenntnisse und technische Daten mitteilt.Im Bereich der Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse und der Arbeitsbedingungen befasst sich die Stiftung insbesondere mit folgenden Fragen:- Besch\u00e4ftigungs- und Arbeitsbedingungen;- Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben;- Arbeitsbeziehungen und Partnerschaft;- sozialer Zusammenhalt.F\u00fcr weitere Informationen siehe: http:\/\/eurofound.europa.eu.Bericht der Stiftung: http:\/\/eurofound.europa.eu\/ewco\/surveys\/EWCS2005\/index.htm.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Benachteiligung aufgrund des Geschlechts Frauen sind in der Schweiz vergleichsweise wenig in F\u00fchrungspositionen vertreten. Nur 20% der Erwerbst\u00e4tigen geben an, dass die unmittelbare Vorgesetzte eine Frau ist. Das europ\u00e4ische Mittel (24%) sowie \u00d6sterreich (23%) und Frankreich (25%) haben h\u00f6here Werte als die Schweiz. Die Benchmark von Finnland, Estland und Litauen liegt bei 37%.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Weitere Detailanalysen Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat in Zusammenarbeit mit dem SECO ein Konsortium wissenschaftlicher Institutionen geschaffen, um weitere Auswertungen zu koordinieren. Auf Basis der Vierten Europ\u00e4ischen Umfrage zu den Arbeitsbedingungen 2005 werden nun weitere Detailanalysen &#8211; wie z.B. zu \u00e4lteren Erwerbst\u00e4tigen &#8211; vorgenommen und damit vertiefte Erkenntnisse zu den Arbeitsbedingungen in der Schweiz bzw. in Europa gewonnen. Um Entwicklungen und Trends aufzeigen zu k\u00f6nnen, wird es wichtig sein, dass die Schweiz auch an den kommenden europ\u00e4ischen Erhebungen teilnimmt. Mit einer Folgestudie k\u00f6nnten Ver\u00e4nderungen aufgezeigt und allenfalls Problembereiche, wo weitere Massnahmen angegangen werden m\u00fcssen, identifiziert werden. Die Wirkung der eingeleiteten Massnahmen k\u00f6nnte ebenfalls erfasst werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vierte Europ\u00e4ische Umfrage \u00fcber die Arbeitsbedingungen liefert wichtige Erkenntnisse \u00fcber die Arbeitswelt in der Schweiz und in Europa. Die erstmalige Beteiligung der Schweiz an dieser Erhebung ergab insgesamt ein erfreuliches Bild \u00fcber die hiesigen Arbeitsbedingungen. Vielfach ist die Schweiz in der Spitzengruppe vertreten und bietet damit den Erwerbst\u00e4tigen vergleichsweise gute Bedingungen. 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