{"id":124273,"date":"2007-03-01T12:00:00","date_gmt":"2007-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/03\/walther-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:26","slug":"walther","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/03\/walther\/","title":{"rendered":"\u00dcbergang von der Schule ins Berufsleben: Politisches Massnahmenpaket 2007"},"content":{"rendered":"<p>Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit hat Priorit\u00e4t. Denn eine zunehmende Zahl von Jugendlichen stehen nach der obligatorischen Schulzeit vor Schwierigkeiten, sich in den Berufsoder Arbeitsmarkt zu integrieren. Aus volkswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Gr\u00fcnden gilt es sicherzustellen, dass m\u00f6glichst alle Jugendlichen eine schulische oder berufliche Ausbildung abschliessen. Dazu braucht es eine vermehrte Zusammenarbeit der Bildungs- und Arbeitsmarktbeh\u00f6rden. Entsprechend wurde an der Nationalen Lehrstellenkonferenz vom 13. November 2006 ein Paket mit bew\u00e4hrten und neuen Massnahmen zur Erhaltung und Schaffung von zus\u00e4tzlichen Lehrstellen sowie der gezielten F\u00f6rderung der Lehrstellensuchenden verabschiedet. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200703_19_Walther_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf dem Lehrstellenmarkt gibt es erste Anzeichen der Entspannung. Der g\u00fcnstige Konjunkturverlauf und die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Kantonen und der Wirtschaft wirken sich positiv auf das Lehrstellenangebot aus. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen konnte in den letzten beiden Jahren j\u00e4hrlich um rund 2% gesteigert werden. \u00a0Trotzdem wird der \u00dcbergang von der obligatorischen Schule ins Berufsleben zunehmend als problematisch empfunden. Tatsache ist, dass insbesondere schulisch und sozial schw\u00e4chere Jugendliche sowie Jugendliche der letzten Migrationswelle Probleme bei der Suche nach einer geeigneten und nachhaltigen Anschlussl\u00f6sung an die obligatorische Schulzeit haben.&#13;<\/p>\n<h2>Situation auf dem Lehrstellenmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Statistiken der letzten Jahre zeigen, dass je nach Beruf, Branche oder Region das Angebot und die Nachfrage von Lehrstellen nicht \u00fcbereinstimmen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig: Einerseits \u00e4ndern sich die Erwartungen der Auszubildenden, andererseits aber auch die Anspr\u00fcche derjenigen, welche die Lernenden in den Erwerbsprozess \u00fcbernehmen.&#13;<\/p>\n<h3>Lehrstellenangebot der Unternehmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den soziodemografischen und gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen pr\u00e4gt vor allem die wirtschaftliche Entwicklung die Situation auf dem Lehrstellenmarkt. Da das Anbieten von Lehrstellen von der Bereitschaft der Betriebe abh\u00e4ngt, haben sowohl konjunkturelle wie auch strukturelle Ver\u00e4nderungen in der Wirtschaft Einfluss auf die Entwicklung des Lehrstellenangebots:\u00a0&#8211; Konjunkturverlauf: Lehrbetriebe brauchen immer auch Auftr\u00e4ge, um Lernende auszubilden. W\u00e4hrend sich der Markt nach einer Konjunkturkrise erholt, haben Turbulenzen auf dem Lehrstellenmarkt l\u00e4ngerfristige Auswirkungen. Entstehen in einem Aufschwung neue Firmen, so weisen diese eine erheblich geringere Ausbildungsneigung auf. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind das hohe wirtschaftliche Marktrisiko und die anf\u00e4nglich fehlenden Ausbildungskompetenzen. von neu gegr\u00fcndeten Unternehmen.\u00a0&#8211; Strukturwandel: Der wachsenden Bedeutung des Dienstleistungssektors steht ein r\u00fcckl\u00e4ufiger Anteil von Industrie und verarbeitendem Gewerbe an der gesamtwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfung gegen\u00fcber. Das Verh\u00e4ltnis von Ausbildungspl\u00e4tzen zu Besch\u00e4ftigten ist jedoch gerade im Produktionssektor traditionell h\u00f6her als im Dienstleistungssektor. Weiter wird das Angebot von Lehrstellen durch den zunehmenden Spezialisierungsgrad von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) &#8211; insbesondere in den zukunftstr\u00e4chtigen Hightech-Bereichen und anspruchsvol-len Dienstleistungssegmenten &#8211; eingeschr\u00e4nkt, da die Betriebe nicht mehr in der Lage sind, das vollst\u00e4ndige Ausbildungsspektrum abzudecken.&#13;<\/p>\n<h3>Nachfrage der Jugendlichen nach Lehrstellen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung des Lehrstellenangebots der Unternehmen wird nicht allein durch deren Arbeitskr\u00e4ftebedarf bestimmt. Auch die Verf\u00fcgbarkeit von Jugendlichen, welche bereit und in der Lage sind, eine Berufsbildung zu absolvieren, spielt eine entscheidende Rolle. Pers\u00f6nliche Erwartungen, Wunschvorstellungen und der Lifestyle der Jugendlichen sind dabei ebenfalls relevante Faktoren: \u00a0&#8211; Demografie: Im Zuge der \u00abdemografischen Welle\u00bb d\u00fcrften die Sch\u00fclerzahlen auf der Sekundarstufe II noch bis 2008 zunehmen und sich danach verringern. In der Berufsbildung ist seit 2004 bis 2008 mit einer Zunahme der Anzahl Lernenden von 7%-8% zu rechnen. Ab 2008 bis 2014 wird eine Abnahme von 5%-8% erwartet. Dabei sind grosse regionale Unterschiede zu erkennen. Gesamtschweizerisch d\u00fcrfte die demografische Entwicklung noch bis 2010 eine steigende Nachfrage nach Lehrstellen bewirken, da die Jugendlichen aus den Zwischenbzw. \u00dcbergangsl\u00f6sungen ein bis zwei Jahre sp\u00e4ter auf den Markt treten. Ob und wie stark der Lehrstellenmarkt sich mit der demografischen Entwicklung entsch\u00e4rft, l\u00e4sst sich heute noch nicht sagen.\u00a0&#8211; Trendberufe: Durch die stetige Modernisierung und Technologisierung der Arbeitsprozesse sind \u00abneue\u00bb Berufe im Aufwind. Besonders beliebt sind Ausbildungen in Informatik, Design oder Telekommunikation.&#13;<\/p>\n<h2>Nationale Lehrstellenkonferenz: Massnahmenpaket 2007<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZiel der Bildungs- und Wachstumspolitik ist es, die Mehrheit der Jugendlichen \u00fcber eine berufliche Grundausbildung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Heute haben rund 90% Im Mittel aller OECD-Staaten haben 68% der 25- bis 64-j\u00e4hrigen Bev\u00f6lkerung mindestens einen Abschluss des Sekundarbereichs II, d.h. entweder einen gymnasialen Abschluss oder eine abgeschlossene berufliche Grundbildung. In der Schweiz liegt dieser Anteil mit 89% erheblich h\u00f6her. der erwachsenen Bev\u00f6lkerung einen Abschluss auf der Sekundarstufe II. Diese Quote gilt es, in den n\u00e4chsten Jahren sukzessive zu erh\u00f6hen. \u00a0Trotz den gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Kantonen und der Wirtschaft haben letztes Jahr rund 4% aller Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchten, keine L\u00f6sung gefunden. Um dieses Ungleichgewicht auf dem Lehrstellenmarkt kurz- und mittelfristig anzugehen, ist ein verst\u00e4rktes Engagement aller Beteiligten notwendig. So haben sich auf Einladung der Vorsteherin des <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> die Verantwortlichen aus Bildung und Wirtschaft am 13. November 2006 in Genf zur zweiten Nationalen Lehrstellenkonferenz getroffen. Als Resultat wurde ein Paket mit bew\u00e4hrten und neuen Massnahmen zur Erhaltung und Schaffung von zus\u00e4tzlichen Lehrstellen sowie der gezielten F\u00f6rderung der Lehrstellensuchenden verabschiedet.&#13;<\/p>\n<h2>Bew\u00e4hrte Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHeute verf\u00fcgen Bund und Kantone \u00fcber ein abgestimmtes Set an bew\u00e4hrten Massnahmen. Diese zeigen Wirkung und sollen beibehalten werden.&#13;<\/p>\n<h3>Erh\u00f6hung des Lehrstellenangebote<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Einsatz von Lehrstellenf\u00f6rderinnen und -f\u00f6rderern sowie die Anschubfinanzierung von Lehrbetriebsverb\u00fcnden dienen der Schaffung von neuen Lehrstellen vor Ort. \u00a0&#8211; Die Lehrstellenf\u00f6rderung hat sich in den letzten Jahren bew\u00e4hrt und ist ins kantonale Lehrstellenmarketing integriert. Um neue Ausbildungspl\u00e4tze zu schaffen, engagierten immer mehr Kantone Lehrstellenf\u00f6rderer. Die in der regionalen Wirtschaft eingebetteten Personen nutzen ihr Beziehungsnetz und motivieren Unternehmen, zus\u00e4tzliche Lehrstellen bereitzustellen oder einem Lehrbetriebsverbund beizutreten. \u00a0&#8211; Der Lehrbetriebsverbund ist eine Chance f\u00fcr Klein- und Mittelbetriebe, sich an der Berufsbildung aktiv zu beteiligen. Zwei oder mehrere Betriebe mit erg\u00e4nzenden T\u00e4tigkeiten schliessen sich zusammen und bilden gemeinsam Lernende aus. Durch die Nutzung gemeinsamer Ressourcen wird eine verordnungskonforme Ausbildung vermittelt und der Ausbildungsaufwand f\u00fcr den einzelnen Betrieb optimiert. Dank der Ausbildung im Verbund k\u00f6nnen auch Betriebe ausbilden, die bisher aufgrund zu hoher Kosten, zu geringer Betriebsgr\u00f6sse oder zu hoher Spezialisierung auf die Ausbildung von Lernenden verzichtet haben. Internet: <a href=\"http:\/\/www.verbuende.ch\">www.verbuende.ch<\/a> .\u00a0&#8211; Mit der neu im Berufsbildungsgesetz vorgesehenen zweij\u00e4hrigen beruflichen Grundbildung mit Attest (Attestausbildungen) erhalten praktisch begabte Jugendliche die M\u00f6glichkeit, einen eidgen\u00f6ssischen Abschluss zu erreichen, der von der Wirtschaft nachgefragt wird. Die ersten vier Attestausbildungen wurden auf Sommer 2005 eingef\u00fchrt (Detailhandel, Gastrobereich). Weitere vier folgten auf Lehrbeginn 2006 (Hauswirtschaft, Milchverarbeitung, Reifenbranche, Schreinerei) und f\u00fcnf sind auf 2007 geplant (Auto, B\u00fcro, Logistik, Metall, Seilbahn).&#13;<\/p>\n<h3>Verbesserung der Chancen der Lehrstellensuchenden<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSchwierigkeiten bei der Lehrstellensuche haben vor allem schulisch und sozial Schw\u00e4chere sowie Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der letzten Migrationswelle. Die erfolgsversprechendste Massnahme zur Integration dieser Jugendlichen ist die individuelle Begleitung beim \u00dcbergang der obligatorischen Schule in die Berufsbildung. Darunter fallen Br\u00fcckenangebote, Mentoringprogramme, das Coaching von Jugendlichen ohne Lehrstelle, spezielle Programme f\u00fcr Migrantinnen und Migranten sowie die arbeitsmarktlichen Massnahmen (Motivationssemester, Berufspraktika etc.). \u00a0&#8211; Individuelle Begleitung und Mentoring: Fachpersonen machen Jugendliche ohne Lehrstelle gezielt auf offene Lehrstellenangebote aufmerksam, beraten und vermitteln sie den Unternehmen. Migrantinnen und Migranten werden gezielt durch Schl\u00fcsselpersonen ihres Kulturkreises betreut. Erfahrungen zeigen, dass die Bereitschaft, einen Jugendlichen ehrenamtlich auf seinem Weg ins Arbeitsleben zu begleiten, sehr hoch ist. Immer \u00f6fter \u00fcbernehmen auch pensionierte Arbeitnehmende diese Aufgabe.\u00a0&#8211; Promotionsaktivit\u00e4ten: In den letzten Jahren wurden zahlreiche Promotionsaktivit\u00e4ten (z.B. die nationale Ausbildungsvignette) durchgef\u00fchrt. Zu der Vielzahl von Massnahmen im Lehrstellenmarketing der Kantone z\u00e4hlt unter anderem, dass den internationalen Firmen vermehrt die St\u00e4rken und M\u00f6glichkeiten unseres Berufsbildungssystems aufgezeigt werden. Ausgebaut wird die vom Bund zusammen mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt lancierte nationale Lehrstellenkampagne Internet: <a href=\"http:\/\/www.chance06.ch\">www.chance06.ch<\/a> . zur Sensibilisierung der Unternehmen und Jugendlichen. Eine Internet-Plattform fasst die bestehenden Angebote zusammen und dient als Wegweiser: Sie verhilft Unternehmen rasch zu den richtigen Kontakten vor Ort. Jugendliche erfahren mehr \u00fcber Informations- und Beratungsangebote der kantonalen Berufsbildungs\u00e4mter und Berufsberatungen.&#13;<\/p>\n<h3>Unterst\u00fctzung f\u00fcr Stellensuchende nach der Sekundarstufe II<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMit den gezielten Massnahmen der Arbeitslosenversicherung soll vermieden werden, dass Arbeitswillige nach ihrer Ausbildung ohne Besch\u00e4ftigungschancen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Im Rahmen der arbeitsmarktlichen Massnahmen subventioniert der Bund Berufspraktika Berufspraktika: Die Arbeitslosenversicherung bietet die M\u00f6glichkeit, in der \u00f6ffentlichen Verwaltung oder in Privatunternehmen Berufspraktika zu absolvieren. Sie \u00fcbernimmt 75% der Kosten. Die restlichen 25% (mindestens 500 Franken pro Monat bei einer Vollzeitstelle) gehen zu Lasten des Arbeitsgebers. und \u00dcbungsfirmen In \u00dcbungsfirmen k\u00f6nnen Versicherte Erfahrungen und neue Berufskenntnisse im Handelsbereich sowie teilweise in den Branchen Handwerk und Technik in einem wirklichkeitsnahen Umfeld sammeln (Learning-by-Doing).. Diese Massnahmen stellen jedoch f\u00fcr diejenigen, die \u00fcber keinen beruflichen Erstabschluss verf\u00fcgen, die Ausnahme dar. Auch hier gilt: Bildung hat Vorrang.&#13;<\/p>\n<h2>Neue Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJunge Menschen haben heute nur noch geringe Aussichten, in einer Hilfst\u00e4tigkeit Anstellung zu finden. Dadurch werden zwangsl\u00e4ufig mehr schulisch und sozial schwache Jugendliche eine berufliche Grundbildung ben\u00f6tigen. Die Situation wird sich auch nach einer demografischen Wende nicht \u00e4ndern. Es ist davon auszugehen, dass weiterhin ein Anteil an Jugendlichen bestehen bleibt, die aufgrund ihrer Leistungsf\u00e4higkeit an Grenzen stossen. Bei der Integration dieser Jugendlicher in den Arbeitsmarkt kommt der Berufsbildung eine zentrale Rolle zu. Es braucht gezielte, individualisierte Massnahmen.\u00a0Dabei bedarf es einer engen Zusammenarbeit sowohl mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) als auch mit den Institutionen des Arbeitsmarktes und den sozialen Stellen (\u00abinterinstitutionelle Zusammenarbeit\u00bb). Ausserdem sollen neue Massnahmen in die bestehenden Strukturen eingebettet und die betriebliche Ausbildung besonders ber\u00fccksichtigen werden:&#13;<\/p>\n<h3>Mehr Angebote im praktisch orientierten Bereich<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schaffung von beruflichen Grundbildungen mit Attest sollen Vorrang bei der Masterplanung Berufsbildung Der Masterplan Berufsbildung stellt sicher, dass die Umsetzung des Berufsbildungsgesetzes tragbar ist. Aufgrund der Komplexit\u00e4t, der knappen Personalressourcen und der finanziellen Konsequenzen allf\u00e4lliger Innovationen kann der Beginn der Berufsreformen nicht einseitig von einem Verbundpartner festgelegt werden. Die Reformen sind auf die zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel abzustimmen und zusammen mit den Verbundpartnern &#8211; Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt &#8211; auszuhandeln. erhalten.&#13;<\/p>\n<h3>Begleitung und Beratung der Lehrbetriebe<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn sich heute Unternehmen wegen mangelnder Lernleistungsf\u00e4higkeit der Schulabg\u00e4ngerinnen und Schulabg\u00e4nger, Schwierigkeiten im Umgang Jugendlichen mit besondern Anforderungen oder den administrativen Aufwendungen aus der Ausbildung zur\u00fcckziehen, k\u00f6nnen nur entsprechende Unterst\u00fctzungsangebote die Situation verbessern. Diese m\u00fcssen verst\u00e4rkt werden. Die Betriebe sollen auf Beratung und Unterst\u00fctzung in rechtlichen, organisatorischen und sozialen Fragen sowie Vermittlungst\u00e4tigkeit bei Konflikten und in Krisensituationen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Case Management als neuer Ansatz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs handelt sich hier um eine Hilfe zur Selbsthilfe f\u00fcr gef\u00e4hrdete Jugendliche (siehe Kasten 1 &#8211; Der Bund unterst\u00fctzt die Kantone beim Auf- und Ausbau des Case Managements Berufsbildung.- Voraussetzung f\u00fcr die Unterst\u00fctzung ist ein kantonales Gesamtkonzept.- Der Bund richtet f\u00fcr die Erarbeitung des kantonalen Konzepts eine Pauschale aus.- Gesuche zur Unterst\u00fctzung von Auf- und Ausbaumassnahmen werden von den Kantonen beim BBT eingereicht und aufgrund des Gesamtkonzepts beurteilt.). Im Berufsbildungsbereich ist Case Management ein strukturiertes Verfahren, um ad\u00e4quate Massnahmen f\u00fcr Jugendliche sicher zu stellen, deren Einstieg in die Berufswelt stark gef\u00e4hrdet ist. Es koordiniert die beteiligten Akteurinnen und Akteure sowohl \u00fcber institutionelle und professionelle Grenzen als auch \u00fcber die Dauer der Berufswahl und der Grundbildung hinweg. Diese werden fr\u00fchzeitig identifiziert und durch individuelle Begleitung und F\u00f6rderung zu einer Ausbildung auf der Sekundarstufe II gef\u00fchrt. Das Case Management stellt sicher, dass auf dem Weg von der Schule \u00fcber die Grundbildung in die Berufswelt keine L\u00fccken in der Unterst\u00fctzung der gef\u00e4hrdeten Jugendlichen entstehen und dient der effizienteren Abstimmung der Aktivit\u00e4ten aller Beteiligten. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es eine umfassende Standortbestimmung der gef\u00e4hrdeten Jugendlichen bereits in der obligatorischen Schulzeit. Die Standortbestimmung soll sich nicht nur auf Schulleistungen beschr\u00e4nken, sondern auch die Berufswahlreife sowie soziale und personale Kompetenzen ber\u00fccksichtigen.&#13;<\/p>\n<h3>Umsetzungskonzept<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Umsetzungskonzept Case Management Vgl. Umsetzungskonzept Case Management (BBT, SBBK \/ Stand Februar 2007). besteht aus folgenden Elementen:\u00a01. Identifikation, Erfassung und laufende Beobachtung der Risikogruppe: Voraussetzung f\u00fcr das Case Management Berufsbildung ist, dass die Risikogruppen identifiziert, erfasst und laufend beobachtet werden. Diese Identifizierung findet so fr\u00fch wie m\u00f6glich statt. Gef\u00e4hrdete Jugendliche werden bereits ab dem 7.\/8. Schuljahr identifiziert. Sobald das Dropout-Risiko (keine Lehre, Lehrabbruch, Scheitern der Lehre) einer jugendlichen Person identifiziert worden ist, wird die Stelle bezeichnet, die den Kontakt mit beteiligten Stellen sucht und mit ihnen und mit der oder dem Jugendlichen den allenfalls zu treffende Massnahmen festlegt. \u00a02. Berufsfindung: Das Kompetenz- und Beziehungsnetzwerk von Fachpersonen im wirtschaftlichen und im institutionellen Umfeld wird eingesetzt, um gef\u00e4hrdete Jugendliche auf effiziente Weise bei der Vorbereitung auf die Lehre zu unterst\u00fctzen. Zielvereinbarungen stellen die Eigenverantwortung, das Commitment und die Autonomie der Jugendlichen sicher. Ein bereits etabliertes Instrument im Rahmen dieser Hilfe ist die regul\u00e4re Berufsberatung. \u00a03. \u00dcberg\u00e4nge: Jugendlichen, die nicht unmittelbar nach der obligatorischen Schule in die Sekundarstufe II eintreten, sondern sich im \u00dcbergang zwischen der obligatorischen und der nachobligatorischen Bildung befinden, wird ebenfalls Hilfe zur Selbsthilfe bei der Berufswahl und bei der Suche eines geeigneten Ausbildungsplatzes geboten. Die Br\u00fcckenangebote bzw. die Wahl des richtigen Angebots geh\u00f6ren zu den Massnahmen, bei denen eine vermehrte Abstimmung unter den Institutionen und den konkreten Angeboten notwendig ist.\u00a04. Berufliche Grundbildung: Jugendlichen, die nicht in die berufliche Grundbildung integriert werden konnten oder die Ausbildung abbrechen, wird bei der Suche eines geeigneten Ausbildungsplatzes oder beim Wiedereinstieg Hilfe zur Selbsthilfe geboten. Auch hier wird das Beziehungsnetzwerk von Lehraufsicht, Coaches usw. wirksam. Die Zielvereinbarung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. \u00a05. Flankierende Massnahmen: Das Case Management ist auf die sozial benachteiligte oder schulisch schw\u00e4chere jugendliche Person fokussiert. Die flankierenden Massnahmenrichten richten sich auf Systeme, Abl\u00e4ufe oder Institutionen im Umfeld der Person &#8211; so etwa Beratungs- und Unterst\u00fctzungsangebote f\u00fcr Lehrbetriebe in rechtlichen, organisatorischen und sozialen Fragen durch Hotlines und zus\u00e4tzlichen Berufsverbandsangeboten.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit und Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Druck auf den Lehrstellenmarkt wird anhalten. In den n\u00e4chsten zehn Jahren werden zwei Entwicklungen zusammentreffen, die das schweizerische Bildungssystem &#8211; und das vieler anderer Staaten &#8211; vor grosse Herausforderungen stellen. Einem steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkr\u00e4ften wird ein R\u00fcckgang der jungen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcberstehen. Entsprechend fehlen diese Jugendlichen auf dem Lehrstellenmarkt. Andererseits m\u00fcssen die Massnahmen f\u00fcr schulisch und sozial Schw\u00e4chere verst\u00e4rkt werden, um sie auf die steigenden Anforderungen vorzubereiten sowie in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren.\u00a0Einem nach wie vor beschr\u00e4nkten Angebot f\u00fcr schulisch und sozial schw\u00e4chere Jugendliche steht also eine vermehrte Nachfrage der Betriebe nach leistungsstarken Jugendlichen gegen\u00fcber: Vollschulische Bildungsinstitutionen werden verst\u00e4rkt mit Industrie und Gewerbe um die Gruppen der leistungsstarken Jugendlichen konkurrieren. Umso wichtiger wird es sein, m\u00f6glichst viele Menschen m\u00f6glichst gut auszubilden.\u00a0Durch die bestehenden und geplanten Massnahmen und die st\u00e4ndige Weiterentwicklung wird unser duales System seine Zukunftsf\u00e4higkeit unter Beweis stellen und weiterhin massgeblich zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Volkswirtschaft und zur Integration m\u00f6glichst aller Jugendlichen in den Arbeitsmarkt beitragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Case Management: Rolle des Bundes &#8211; Der Bund unterst\u00fctzt die Kantone beim Auf- und Ausbau des Case Managements Berufsbildung.- Voraussetzung f\u00fcr die Unterst\u00fctzung ist ein kantonales Gesamtkonzept.- Der Bund richtet f\u00fcr die Erarbeitung des kantonalen Konzepts eine Pauschale aus.- Gesuche zur Unterst\u00fctzung von Auf- und Ausbaumassnahmen werden von den Kantonen beim BBT eingereicht und aufgrund des Gesamtkonzepts beurteilt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit hat Priorit\u00e4t. 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