{"id":124303,"date":"2007-01-01T12:00:00","date_gmt":"2007-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/01\/barras-hofmann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:33","slug":"barras-hofmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/01\/barras-hofmann\/","title":{"rendered":"Sifem: Die Verwaltung des Investitionsportfolios des Seco"},"content":{"rendered":"<p>Mitte 2005 hat das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Verwaltung seines Investitionsportfolios in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern an den Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem) ausgelagert, einen professionellen Entwicklungsfinanzierer mit Sitz in Bern. Die Rolle von Sifem im Rahmen dieses Mandates besteht darin, das bestehende Portfolio zu verwalten, das Seco bei neuen Investitionen zu beraten und in dessen Auftrag in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern f\u00fcr Projekte des Privatsektors langfristiges Kapital zur Verf\u00fcgung zu stellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSifem investiert ausschliesslich in wirtschaftlich selbsttragende Projekte und befolgt gemeinsam mit dem Seco vereinbarte Anlagerichtlinien, die einen nachweisbaren Entwicklungseinfluss gew\u00e4hrleisten sollen. Sifem investiert haupts\u00e4chlich in den 24 Schwerpunktl\u00e4ndern und -regionen des Seco sowie in ausgew\u00e4hlte Projekte in anderen armen Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern gem\u00e4ss Weltbankdefinition, in denen das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf 5,295 US-$ nicht \u00fcbersteigt. Die Beteiligungen von Sifem sind subsidi\u00e4r, um Konkurrenz mit Geldern aus dem Privatsektor zu vermeiden. Dieses Konzept entspricht dem Ansatz, den europ\u00e4ische Entwicklungsfinanzierer w\u00e4hrend der vergangenen 10 Jahre mehrheitlich verfolgt haben.&#13;<\/p>\n<h2>Warum die Auslagerung des Investionsportfolios?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Auslagerung seines Investitionsportfolios an Sifem will das Seco folgende Ziele erreichen: \u00a0&#8211; Gew\u00e4hrleistung eines effizienteren Einsatzes knapper Finanzmittel zum vollen Nutzen von Entwicklungs- und Schwel-lenl\u00e4ndern durch professionelles Finanzmanagement;\u00a0&#8211; Aufbau einer lebensf\u00e4higen Risikokapitalbranche und nachhaltiger Unternehmen in den Ziell\u00e4ndern; \u00a0&#8211; F\u00f6rderung einer wirksamen \u00f6ffentlich-privaten Partnerschaft, die langfristigen Kooperationen mit dem Seco, anderen Entwicklungsfinanzierern und dem Privatsektor eine Plattform bietet;\u00a0&#8211; Erh\u00f6hung der Sichtbarkeit der Seco-Investitionen in Partnerl\u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h2>Investitionsstrategie von Sifem<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSifem ist ein spezialisierter Investment Manager f\u00fcr Transaktionen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern, der in rentable, nachhaltig entwicklungswirksame Projekte in allen Wirtschaftssektoren investiert: von der Agrarwirtschaft \u00fcber die verarbeitende Industrie und Dienstleistungen bis zur Infrastruktur. Ein weiterer Schwerpunkt sind Investitionen in den Finanzsektor, um vor Ort einen verl\u00e4sslichen Zugang zu Kapital zu erm\u00f6glichen. Der Fokus liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit limitiertem oder gar keinem Zugang zu den Kapitalm\u00e4rkten. Sifem f\u00f6rdert private unternehmerische Initiative in Entwicklungs- und Reforml\u00e4ndern, um zu nachhaltigem Wachstum und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort beizutragen. Dazu stellt er privaten Unternehmen langfristiges Kapital f\u00fcr Investitionen in diesen L\u00e4ndern bereit.\u00a0Im Rahmen seiner Mandate w\u00e4hlt Sifem neue Transaktionen aus, strukturiert und verhandelt sie und nimmt &#8211; u.a. \u00fcber Verwaltungsratsmandate, Positionen im Investment-Komitee von Private-Equity-Fonds und regelm\u00e4ssige Besuche vor Ort &#8211; eine aktive Rolle im Management der Performance bestehender Investitionen wahr. Sifem hat Zugang zu einem weltweiten Netzwerk von Private-Equity-Spezialisten, multilateralen und nationalen Entwicklungsfinanzierern sowie lokalen Finanzmarktexperten. Seinem entwicklungspolitischen Auftrag und seinen Umwelt- und Sozialgrunds\u00e4tzen f\u00fchlt sich Sifem besonders verpflichtet: Sie bilden den bestimmenden Rahmen seiner Arbeit. Sifem engagiert sich denn auch ausschliesslich in Projekten, die entwicklungspolitisch sinnvoll sowie umwelt- und sozialvertr\u00e4glich sind. Investitionen werden zudem nur in Firmen get\u00e4tigt, die finanziell gesund sind und zur Entwicklung des Privatsektors in ihrem Umfeld beitragen. \u00a0Sifem arrangiert Finanzierungen in Form von Eigenkapital, Mezzanine, Fremdkapital und Garantien. Ein Grossteil der Investitionen fliesst in lokale Finanzintermedi\u00e4re, wie Private-Equity-Fonds, Banken, Leasing-Firmen, und Mikrofinanzinstitutionen. Im Durchschnitt betragen die einzelnen Investitionen in lokale Finanzintermedi\u00e4re zwischen 5 und 10 Mio. US-$, was bei Eigenkapitalinvestitionen in der Regel eine signifikante Minderheitsposition darstellt. Sifem nimmt die Rolle als Entwicklungsfinanzierungsinstitut f\u00fcr den Privatsektor in zweifacher Hinsicht wahr: Er ist der verl\u00e4ssliche Finanzierungspartner f\u00fcr investierende Unternehmen und legt zugleich besonderes Augenmerk darauf, dass diese Investitionen positive Effekte f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder haben. Ziel ist es, auf diesem Weg zum dauerhaften wirtschaftlichen Wachstum in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern beizutragen und die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Die Investitionen tragen zur Erreichung der \u00abMillennium Development Goals\u00bb bei, der gemeinsamen Verpflichtung von Industrie- und Entwicklungsl\u00e4ndern zur nachhaltigen Bek\u00e4mpfung der Armut.&#13;<\/p>\n<h2>Ziele der Privatwirtschaftsf\u00f6rderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Privatwirtschaftsf\u00f6rderung durch Sifem verfolgt folgende Ziele:\u00a0&#8211; Finanzierung von Direktinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern, um so nachhaltig zu deren wirtschaftlicher Entwicklung beizutragen;\u00a0&#8211; Bereitstellung von langfristigem Investitionskapital, um Risiken bei den Investitionsvorhaben mitzutragen und deren Krisenanf\u00e4lligkeit zu reduzieren;\u00a0&#8211; Engagement f\u00fcr Pionierinvestoren in L\u00e4ndern und Regionen mit Potenzial und mithin Beitrag zur Diversifizierung der Kapitalstr\u00f6me;\u00a0&#8211; St\u00e4rkung lokaler Kapitalm\u00e4rkte \u00fcber die Finanzsektorentwicklung, um vor Ort verl\u00e4sslichen Zugang zu Investitionsfinanzierungen zu schaffen, insbesondere f\u00fcr KMU. Dazu werden auch weitere Partner und zus\u00e4tzliches Kapital f\u00fcr Investitionen mobilisiert, was zu weiteren Wachstumseffekten beitr\u00e4gt.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftliche und \u00f6kologische Entwicklung&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWirtschaftliche und \u00f6kologische Entwicklung m\u00fcssen Hand in Hand gehen. Die Beachtung von Umweltschutz, nachhaltiger Ressourcennutzung und sozialen Grunds\u00e4tzen ist deshalb ein entscheidendes Kriterium f\u00fcr das Engagement von Sifem. Umweltvertr\u00e4glichkeit und die Einhaltung sozialer Standards sind unverzichtbare Prinzipien nachhaltigen Wirtschaftens. Umwelt- und Sozialvertr\u00e4glichkeit umfassen den Schutz des Lebens und der Gesundheit der Menschen, ihrer \u00f6konomischen Lebensbasis, der \u00f6kologischen, sozialen und kulturellen Umwelt sowie die nachhaltige Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen. Sifem ber\u00e4t, finanziert und begleitet deshalb ausschliesslich Projekte und Unternehmen, die diese \u00dcberzeugung teilen und die den Nachweis der Umweltvertr\u00e4glichkeit ihrer Anlagen, Arbeitsverfahren, Produkte und Leistungen erbringen oder bereit sind, diese zuk\u00fcnftig hierauf auszurichten.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;aber auch Sozialstandards als Leitlinien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWo dies m\u00f6glich ist, f\u00fchrt Sifem gemeinsam mit seinen Partnern soziale Standards ein, die \u00fcber das gesetzlich vorgeschriebene Mass hinausgehen. Dazu geh\u00f6ren z.B. eine medizinische Grundversorgung, betriebliche Alters-, Unfall- und Invalidit\u00e4tsvorsorge, Umweltschutz, Bildung und Ern\u00e4hrung sowie kulturelle Schutz- und F\u00f6rdermassnahmen. In diesem Rahmen unterst\u00fctzt Sifem auch die Zertifizierung nach international anerkannten Standards.\u00a0Zu den Leitlinien von Sifem z\u00e4hlen die \u00c4chtung von Zwangsarbeit, der Schutz f\u00fcr arbeitende Minderj\u00e4hrige, Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern sowie Minderheiten, Versammlungs- und Assoziierungsfreiheit, angemessene Arbeitszeit und Entlohnung \u00fcber dem im Projektland gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, gesundheitsvertr\u00e4gliche und unfallsichere Arbeitsbedingungen, sozialvertr\u00e4gliche Projektplanung und -realisierung f\u00fcr die Aussenwelt durch Integration eines Projekts in dessen soziales Umfeld.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkung privatwirtschaftlicher Strukturen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSifems Ziel ist es, privatwirtschaftliche Strukturen in Entwicklungs- und Reforml\u00e4ndern zu etablieren und auszubauen, um damit eine Grundlage zu schaffen f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort. Das wird erreicht, indem aussichtsreiche unternehmerische Initiativen unterst\u00fctzt werden. Nur erfolgreiche und nachhaltig lebensf\u00e4hige private Unternehmen generieren wirtschaftliches Wachstum. Sie schaffen Arbeit und Einkommen, verbessern durch die Produktion wettbewerbsf\u00e4higer Produkte die Devisenbilanz der L\u00e4nder, tragen durch ihre Steuerzahlungen zu den Staatseinnahmen bei und erh\u00f6hen durch die Verarbeitung lokal verf\u00fcgbarer Ressourcen die Wertsch\u00f6pfung im Lande.\u00a0Dank langj\u00e4hriger Erfahrung mit Investitionen in \u00fcber 300 KMU in mehr als 20 L\u00e4ndern kann Sifem die positive Korrelation zwischen kommerziellem Erfolg und Verbesserung der Entwicklung einer Volkswirtschaft best\u00e4tigen. Die Firmen im Portfolio haben demonstriert, dass Armut durch die Schaffung lokaler Arbeitspl\u00e4tze verringert werden kann, bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie einer Steigerung der Effizienz und des profitablen Wachstums. Die Mission von Sifem begr\u00fcndet sich in der \u00dcberzeugung, dass Investitionen in KMU in Emerging Markets Investoren risikoadjustierte Ertr\u00e4ge bieten und gleichzeitig einen nachhaltigen, langfristigen Beitrag zur Entwicklung in diesen L\u00e4ndern leisten k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Zentrale Rolle von KMU als Vehikel f\u00fcr Wachstum und Armutsreduktion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine 2004 unter anderem vom Seco finanzierte Studie des Small Enterprise Assistance Funds (Seaf) \u00fcber das Potenzial von KMU als Vehikel f\u00fcr Wachstum und Armutsreduktion Small Enterprise Assistance Funds: The Development Impact of Small and Medium Enterprises: Lessons Learned from SEAF Investments (Volume I: Main Report and Volume II: Case Studies), Juli 2004. best\u00e4tigt diesen Ansatz: KMU haben einen starken, positiven Einfluss auf die Gesellschaft. Die in der Studie vorgenommenen Fallstudien zeigen vielf\u00e4ltige Einfl\u00fcsse von KMU auf die Gesellschaft:\u00a0&#8211; Der \u00f6konomische Einfluss von Investitionen in KMU ist signifikant. Im Durchschnitt generiert 1 von SEAF investierter 10 zus\u00e4tzliche US-$ in der lokalen Wirtschaft, mit einer Spanne von 4 bis 24 US-$. Alle Firmen haben eine signifikant positive Economic Rate of Return (EIRR) erzielt. Sogar f\u00fcr Investitionen, die Seaf mit einer relativ niedrigen EIRR beendet hat, ist der volkswirtschaftliche Einfluss erheblich.\u00a0&#8211; Von den quantifizierbaren Ergebnissen f\u00fcr die Stakeholder geht der gr\u00f6sste Teil an Angestellte, gefolgt von Regierungen.\u00a0&#8211; Zwei Drittel aller Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse in den untersuchten Firmen betreffen gering qualifizierte Arbeitnehmende, was die These best\u00e4tigt, dass KMU f\u00fcr arme Schichten geeignete Arbeitspl\u00e4tze schaffen.\u00a0&#8211; Das j\u00e4hrliche Reallohnwachstum der Angestellten kann hoch sein: bis zu 28% f\u00fcr gering qualifizierte und 34% f\u00fcr hoch qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte.\u00a0&#8211; Die Unternehmen gew\u00e4hren zus\u00e4tzlich zum Lohn substanzielle weitere Leistungen, die f\u00fcr gering qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte von Bedeutung sind und die sie als Selbstst\u00e4ndige nicht beziehen w\u00fcrden.\u00a0&#8211; Viele der Unternehmen investieren stark in Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden, da sie gezwungen sind, Personen mit relativ geringer Qualifikation einzustellen.\u00a0&#8211; Die Ausbildung ist von erheblichem Wert f\u00fcr die Arbeitnehmenden, weil sie Lohnerh\u00f6hungen sowie mit steigender Qualifikation gr\u00f6ssere Mobilit\u00e4t erm\u00f6glicht.\u00a0&#8211; Die Arbeitnehmenden profitieren von der Stabilit\u00e4t des Anstellungsverh\u00e4ltnisses. Zusammen mit der Zahlung von Krankenkassenpr\u00e4mien und Sozialabgaben hilft ihnen dies, Verm\u00f6gen zu bilden und f\u00fcr die Ausbildung ihrer Kinder zu sorgen, um diesen einen Weg aus der Armut zu erm\u00f6glichen.\u00a0&#8211; KMU k\u00f6nnen dem informellen Sektor und l\u00e4ndlichen Produzenten Zugang zu formellen M\u00e4rkten erm\u00f6glichen; sie bilden Bindeglieder zwischen kleinen Produzenten und lukrativen nationalen und Exportm\u00e4rkten.\u00a0&#8211; Wenn KMU wachsen, zahlen sie mehr Steuern, bis zu 20% ihres Umsatzes.\u00a0&#8211; KMU sind ein integraler Bestandteil der Gesellschaft, in der sie t\u00e4tig sind, und tragen aktiv zu deren Entwicklung bei.&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenarbeit mit Entwicklungsfinanzierern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Erreichung seiner Ziele arbeitet Sifem eng zusammen mit den Entwicklungsfinanzierern in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und ist Mitglied der Vereinigung European Development Finance Institutions (Edfi). Der Managing Director von Sifem wird ab 2007 dem Verwaltungsrat von Edfi angeh\u00f6ren.\u00a0Im Rahmen der \u00dcbernahme von Best Practices und der Harmonisierungsbestrebungen auf Edfi-Ebene hat Sifem im 2006 ein System zur Messung des Entwicklungseinflusses seiner Investitionen eingef\u00fchrt, das Gesch\u00e4ftspolitische Rating (GPR). Es wurde von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) entwickelt und hat sich dort in mehrj\u00e4hrigem Einsatz als solides Messinstrument bew\u00e4hrt, so dass sich in diesem Jahr gleich mehrere Entwicklungsfinanzierer f\u00fcr dessen Anwendung auf das eigene Portfolio entschieden haben. Neben einer Objektivierung der Beurteilung einer Transaktion unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten wird dies in Zukunft auch zu einer erheblichen Vereinfachung der Aggregierung von Zahlen im Zusammenhang mit Reporting von Entwicklungseinfluss an \u00f6ffentliche und private Investoren auf europ\u00e4ischer Ebene f\u00fchren und damit zu einer Steigerung der Transparenz beitragen. \u00a0Das GPR ist ein gesch\u00e4ftspolitisches Steuerungs- und Monitoring-Instrument, mit dem die gesch\u00e4ftspolitische Qualit\u00e4t der finanzierten Projekte aufgezeigt wird. Dieses Instrument wird \u00fcber den gesamten Projektzyklus eingesetzt. Es erm\u00f6glicht Portfolioauswertungen sowohl ex ante (zum Zeitpunkt der Bewilligung eines Projekts) als auch ex post (Ist-Zahlen w\u00e4hrend der operativen Phase nach mehrj\u00e4hrigem Betrieb). Das GPR verkn\u00fcpft in Form eines Indexpunktesystems vier \u00abMesslatten\u00bb:\u00a01. Langfristige Rentabilit\u00e4t. Sie ist der Indikator f\u00fcr die finanzielle Nachhaltigkeit eines Projektunternehmens im Investitionsland, ohne die auch die \u00fcbrigen entwicklungspolitischen Effekte eines Projektes nicht gesichert sind.\u00a02. Entwicklungspolitische Effekte\/Nachhaltigkeit. Hierbei wird nach Sektoren unterschieden: Bei produktiven Projektunternehmen der verarbeitenden Industrie sind dies quantitative Effekte, wie beispielsweise Staatseinnahmen, Nettodeviseneffekte, Beitr\u00e4ge zu Besch\u00e4ftigung, sowie qualitative Effekte, wie u.a. Technologie-\/Know-how-Transfer, Aus- und Fortbildung, Umweltstandards oder Sozialleistungen. Bei Finanzsektorprojekten und Private-Equity-Fonds steht vor allem der Beitrag zur Finanzsektorentwicklung im Vordergrund (z.B. Ersparnismobilisierung, Diversifikation der Kreditallokation, mittelbare F\u00f6rderung von KMU). Bei Infrastrukturprojekten ist insbesondere der Beitrag zur Schliessung von Versorgungsengp\u00e4ssen oder zu Leistungssteigerungen (z.B. Tarifsenkungen) relevant.\u00a03. Besondere Rolle des Entwicklungsfinanzierers. Hier wird erfasst, in welchem Masse Sifem im jeweiligen Projekt seiner Rolle als entwicklungspolitisches Finanzierungs- und Beratungsinstitut gerecht wird. Es wird bewertet, inwiefern Sifem subsidi\u00e4r t\u00e4tig ist, ob er aktiv zus\u00e4tzliche weitere Mittel f\u00fcr ein Projektunternehmen mobilisiert (z.B. Arrangierung einer Parallelfinanzierung in einem Finanzierungspaket) und ob er beratend t\u00e4tig ist (Projektentwicklung).\u00a04. Eigenkapitalverzinsung des Entwicklungsfinanzierers. Mit diesem Kriterium wird \u00fcberpr\u00fcft, in welchem Masse ein Projekt das Ziel einer angemessenen Eigenkapitalverzinsung erreicht, was f\u00fcr die Nachhaltigkeit des Wachstums von Sifem notwendig ist.\u00a0\u00a0Die vier Messlatten werden bei der Bewertung eines Projektes in einem GPR-Gesamtindex zusammengef\u00fchrt. Die Gesamtindexwerte werden sechs Qualit\u00e4tsgruppen zugeordnet, die eine Einstufung der Projekte von \u00absehr gut\u00bb bis \u00abeindeutig unzureichend\u00bb erm\u00f6glichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abGeografische Verteilung der Investitionen von Sifema\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Investitionsbeispiel: GroFin East Africa Fund (Geaf) Der im Januar 2006 gegr\u00fcndete GroFin East Africa Fund ist speziell darauf ausgerichtet, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Ziell\u00e4ndern Kenia, Uganda und Tanzania mit Finanzierung und Unternehmensberatung zu versorgen. Das Fondsvolumen betr\u00e4gt 15 Mio. US-$; die Lebensdauer des Fonds ist auf sieben Jahre beschr\u00e4nkt. Im Januar 2007 wird der Fonds auf 25 Mio. US-$ aufgestockt und auf ein weiteres Zielland (Ruanda) ausgedehnt. Hinter dem Fonds stehen die in Pretoria ans\u00e4ssige Fondsmanagementgesellschaft GroFin Capital und die Shell Foundation. Geaf wird von GroFin East Africa Ltd. (GEA) gemanagt, einer Tochtergesellschaft von GroFin Capital. Diese Firma ist auf Unternehmensentwicklung und -finanzierung spezialisiert und unterh\u00e4lt in allen Ziell\u00e4ndern lokale B\u00fcros, die f\u00fcr die Investitionen in den betreffenden L\u00e4ndern zust\u00e4ndig sind. Die lokalen B\u00fcros werden w\u00e4hrend der ganzen Lebensdauer des Fonds von GroFin Capital begleitet. Der Aufbau der regionalen B\u00fcros wurde massgeblich von der Shell Foundation finanziert. GroFin hat eine neuartige Methode f\u00fcr die nachhaltige Finanzierung und Beratung von kleinen Start-ups und Early-Stage-Firmen in Entwicklungsl\u00e4ndern entwickelt, die es erlaubt, die mit dieser Art von Investitionen verbundenen hohen Risiken zu vermindern und zu managen. Geaf bietet Kunden ein Paket aus Finanzierung und Unternehmensberatung aus einer Hand. Die Kunden beteiligen sich an den Kosten f\u00fcr die Unternehmensberatung. Dennoch sind die Kosten f\u00fcr das Management-Team erheblich h\u00f6her als in typischen SME-Fonds, weil Geaf zum einen ein Portfolio von relativ vielen kleinen Finanzierungen zu \u00fcberwachen hat, und zum anderen weil die Komponente Unternehmensberatung (Pre und Post Investment) sehr personalintensiv ist. Zusammen mit dem W\u00e4hrungsrisiko, dem Geaf ebenfalls ausgesetzt ist (Geaf t\u00e4tigt seine Investitionen in Lokalw\u00e4hrung) ergibt sich ein erwarteter Profit von ca. 10% in US-$, was nicht einem kommerziellen Risk\/Return-Verh\u00e4ltnis entspricht. Jedoch verfolgt dieser Fonds neben dem kommerziellen Return auch klar entwicklungspolitische Ziele, n\u00e4mlich ein Finanzprodukt f\u00fcr entstehende KMU anzubieten, die bis jetzt aufgrund fehlender Sicherheiten oder Kreditgeschichte als nicht-finanzierbar galten. Somit kann ein wichtiger Beitrag an die Entstehung von florierenden KMU geleistet werden, die wichtige Arbeitspl\u00e4tze schaffen und somit l\u00e4ngerfristig zur Armutsreduktion beitragen. Sifem hat im Rahmen des Leistungsauftrages mit dem Seco Ende September 2006 3 Mio. US-$ in Geaf investiert. Die weiteren Investoren in Geaf sind: die Commonwealth Development Cooperation (CDC), die Netherlands Development Finance Company (FMO), die Belgian Investment Company for Developing Countries (BIO), die Triodos Stichting und die Shell Foundation. Zudem hat der Fonds Co-Investitions-Vertr\u00e4ge in der H\u00f6he von 18 Mio. US-$ mit jeweils einer lokalen Bank pro Zielland unterzeichnet. Diese Banken sind die CBA in Kenia, die DFCU-Gruppe in Uganda, die Eurafrican Bank in Tanzania und die BCR in Ruanda. Diese Co-Investitionsabkommen bringen dem Fonds nicht nur eine erh\u00f6hte Finanzierungskapazit\u00e4t und Mittel in Lokalw\u00e4hrung, sondern dienen auch dazu, Kunden, welche die vier Banken aufgrund der inh\u00e4renten Risiken selbst nicht bedienen k\u00f6nnen, an Geaf zu verweisen. Zudem erhofft man sich l\u00e4ngerfristig, dass sich die Banken dank der positiven Demonstrationseffekte des Fonds vermehrt im Bereich der KMU-Finanzierung engagieren werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Investition des Mekong Enterprise Fund: Minh Hoang Garment Minh Hoang ist eines der gr\u00f6ssten privaten Textilunternehmen in Vietnam. An rund 2000 N\u00e4hmaschinen werden etwa 40 Produktionslinien in den Fabriken im Go-Vap-Distrikt von Ho-Chi-Minh-Stadt und der Quang-Nam-Provinz in Zentralvietnam hergestellt. Minh Hoang produziert gewobene und gestrickte Sportbekleidung f\u00fcr f\u00fchrende internationale Markenhersteller, allen voran Nike. Die Produktion von Minh Hoang wird gr\u00f6sstenteils nach dem so genannten Free-on-Board-Prinzip (FOB) abgewickelt. Das heisst, dass der Produzent dem Abnehmer das fertige Endprodukt verkauft und den gesamten Herstellungsprozess \u2013 von der Beschaffung der Rohmaterialien bis zur Verpackung \u2013 selbst \u00fcbernimmt. Der Mekong Enterprise Fund hat im April 2005 19% von Minh Hoang f\u00fcr total 1,85 Mio. US-$ erworben. Der Gewinn belief sich 2005 auf 9,1 Mio. US-$; das sind 66% mehr als 2004. F\u00fcr das Jahr 2006 erwartet Minh Hoang ein Wachstum von 60% des Gewinns als Folge des neuen Werks in Quang Nam. Noch im Jahr 2005 wurden rund 150 Jobs geschaffen. Im Jahr 2006 betr\u00e4gt der Zuwachs wegen der Expansion in Quang Nam ca. 1500 Arbeitspl\u00e4tze.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnterst\u00fctzung durch Mekong Capital&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Um die Dauer eines Produktionszyklus sowie die Schadensraten und die Produktionskosten zu reduzieren, hat Minh Hoang gegen Ende 2005 mit Unterst\u00fctzung von Mekong Capital ein Lean-Manufacturing-Programm implementiert. Die ersten Resultate dieser Massnahmen waren sehr positiv.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Mekong Capital hat auch mit Minh Hoang zusammengearbeitet, um die Buchhaltungs- und Management-Reporting-Systeme zu verbessern. \u2013 Mekong Capital hat bei der Erarbeitung einer Expansionsstrategie mitgeholfen, die auf Effizienzverbesserung, Reduktion des Produktionszyklus und Gesch\u00e4ftsvergr\u00f6sserung ausgerichtet ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Die Personalf\u00fchrung von Minh Hoang ist im Vergleich zu anderen privaten Firmen \u2013 vor allem dank entsprechenden Verpflichtungen gegen\u00fcber Kunden wie Nike\u2013 \u00fcberdurchschnittlich gut. Dennoch hat Mekong Capital darauf hingearbeitet, die Value Proposition ihres Personals weiter zu verbessern. Dazu wurden einerseits die L\u00f6hne f\u00fcr das Kader erh\u00f6ht, und anderseits wurde ein Bonussystem f\u00fcr das Management-Team eingef\u00fchrt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Mekong Capital hat verschiedene Schl\u00fcsselpositionen des Managements neu besetzt, so unter anderem der Compliance Manager, der Assistent des Generaldirektors, der Process Improvement Manager, der Merchandiser und ein Production Manager f\u00fcr die Fabrik in Go Vap.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Mekong Capital hat Minh Hoang bei der Planung der Expansion am neuen Standort Quang Nam unterst\u00fctzt:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2013 Die Toleranzgrenze vieler Kunden bez\u00fcglich Verst\u00f6ssen gegen die Arbeitsbestimmungen ist sehr tief und kann schnell zu einem Verlust des Kunden f\u00fchren. Aus diesem Grund hat Mekong Capital eng mit Minh Hoang zusammengearbeitet, um auch kleinste Verst\u00f6sse gegen die Arbeitsbestimmungen zu beseitigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Kontaktadresse Sifem Zus\u00e4tzliche Informationen \u00fcber die Aktivit\u00e4ten und Aufgaben von Sifem finden sich unter <a href=\"http:\/\/www.sifem.ch\">www.sifem.ch<\/a> oder k\u00f6nnen unter der folgenden Adresse bezogen werden:Sifem AGBubenbergplatz 113011 BernTel.: +41 31&nbsp;310 0930<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte 2005 hat das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Verwaltung seines Investitionsportfolios in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern an den Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem) ausgelagert, einen professionellen Entwicklungsfinanzierer mit Sitz in Bern. 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