{"id":124318,"date":"2007-01-01T12:00:00","date_gmt":"2007-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/01\/gassmann-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:34","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:34","slug":"gassmann-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/01\/gassmann-5\/","title":{"rendered":"Wettbewerb in der Wissensgesellschaft: Implikationen f\u00fcr das Bildungs- und Forschungssystem"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts der Globalisierung und des zunehmenden Wettbewerbs ist die Einsicht gewachsen, dass Bildung, Forschung und Technologie die \u00fcberragenden Faktoren f\u00fcr den Wohlstand der Schweiz sind und somit im Dienste einer gesamtgesellschaftlichen Strategie stehen. Das Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft ist langfristig von der Innovationsleistung abh\u00e4ngig. Es m\u00fcssen heute alle Massnahmen getroffen werden, damit die Schweiz in 20 Jahren zu den f\u00fcnf innovativsten L\u00e4ndern der Welt z\u00e4hlt. Einerseits ist die Erh\u00f6hung der Bundesausgaben f\u00fcr Bildungs-, Forschungs- und Innovationsaktivit\u00e4ten um j\u00e4hrlich mindestens 8% erforderlich, andererseits gilt es, die Ressourcenallokation noch effizienter vorzunehmen. Der vorliegende Artikel er\u00f6rtert die Problemstellung und fasst die Resultate der Studie \u00abDie Schweiz im Wettbewerb der Wissensgesellschaft\u00bb zusammen, welche im Auftrag von Economiesuisse erstellt wurde. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200701_05_Gassmann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"252\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz auf dem Weg in die Wissensgesellschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse des schweizerischen Wissenschafts- und Wirtschaftssystems f\u00e4llt mehrheitlich positiv aus. Bei der Evaluation des Standes der Wissensgesellschaft in der Schweiz zeigt sich jedoch ein Muster, das man auch von anderen volkswirtschaftlichen Leistungsdaten her kennt: Die Schweiz schneidet bei Bestandesgr\u00f6ssen in der Regel besser ab als bei Trenddaten. Auffallend ist die Tendenz zur Stagnation auf hohem Niveau. Der schleichende Positionsverlust wird kaum wahrgenommen. Im Endeffekt bedeutet dies aber, dass andere L\u00e4nder aufholen und die Schweiz langfristig ihre komparativen Vorteile verliert. Zur Situation der Schweiz auf dem Weg in die Wissensgesellschaft ergibt sich somit folgendes Fazit:&#13;<\/p>\n<h3>F&amp;E-Ausgaben sind weiter ungen\u00fcgend<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 2000 erh\u00f6hen sowohl die Privatwirtschaft als auch der Bund die F&amp;E-Aufwendungen. Die Privatwirtschaft erh\u00f6hte von 2000 bis 2004 ihre Intramuros-F&amp;E-Aufwendungen Gesamte F&amp;E-Aufwendungen, welche in den R\u00e4umlichkeiten der Unternehmen und Forschungsinstitutionen in der Schweiz durchgef\u00fchrt werden, ungeachtet der Finanzierungsquelle. um real 18%. Die Extramuros-Aufwendungen Gesamte F&amp;E-Aufwendungen, welche an externen Stellen, die nicht mit dem Unternehmen oder der Forschungsinstitution verkn\u00fcpft sind, in der Schweiz oder im Ausland vergeben werden. Auftr\u00e4ge und Beitr\u00e4ge bilden zusammen die Extramuros-Aufwendungen. in der Schweiz haben sich im gleichen Zeitraum gar mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung wird jedoch fast ausschliesslich von der Pharmaindustrie in der Schweiz getragen. Der Bund erh\u00f6hte seine F&amp;E-Aufwendungen im Referenzzeitraum real um j\u00e4hrlich 9%. Tendenziell sind bei vielen OECD-L\u00e4ndern \u00e4hnliche Entwicklungen zu beobachten, so dass die Ausgaben f\u00fcr F&amp;E weiter zu steigern sind, um international wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben.&#13;<\/p>\n<h3>Globale Ausrichtung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Wissenschaftssystem der Schweiz ist global ausgerichtet. F\u00fcr den Anstieg der F&amp;E-Aufwendungen ausserhalb der schweizerischen Grenzen sind vor allem die transnationalen Grossunternehmen verantwortlich. Die wichtigste Rolle \u00fcbernehmen haupts\u00e4chlich die Auftr\u00e4ge und Beitr\u00e4ge an Institutionen und Organisationen im Ausland. Im Jahr 2004 wurden bereits 60% der F&amp;E-Aufwendungen der Schweizer Industrie im Ausland get\u00e4tigt, gleichzeitig war die Schweiz in absoluten Zahlen gemessen gr\u00f6sster Investor in den USA.&#13;<\/p>\n<h2>Wandel des Technologieportfolios<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Technologieportfolio der Schweiz hat erst in den vergangenen Jahren einen Wandel vollzogen. Anhand der Patentanmeldungen der Jahre 1999 bis 2002 zeigt sich eine Verschiebung weg von den traditionellen Feldern hin zu den dynamischen, rasch wachsenden Bereichen (zum Beispiel Biotechnologie und der Informations- und Kommunikationstechnologie). Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung weitestgehend von KMU getragen wird. Dies ist u.a. darin begr\u00fcndet, dass KMU vermehrt Wissen ausl\u00e4ndischer Partner nutzen: 17,3% aller Patentanmeldungen von KMU erfolgen mit ausl\u00e4ndischen Partnern; bei Grossunternehmen liegt dieser Anteil bei 8,5%. Schweizer KMU sind in der F&amp;E bereits st\u00e4rker internationalisiert, als es viele Forschungspolitiker wahrgenommen haben. Dieser Trend ist weiter zu forcieren.&#13;<\/p>\n<h3>Tiefer Bev\u00f6lkerungsanteil mit Terti\u00e4rausbildung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz bel\u00e4uft sich der Anteil High- und Medium-Tech-Industrien am BIP auf 11,5%; im OECD-Mittel liegt der Anteil bei 8,8%. Dies widerspiegelt eine \u00fcberdurchschnittliche Ausrichtung auf wissens- und technologieintensive Branchen der Schweizer Industrie. Dem steht gegen\u00fcber, dass in der Schweiz nur 25% der Erwerbsbev\u00f6lkerung eine Terti\u00e4rausbildung abgeschlossen haben (USA: 38,1%). Der Anteil der Bev\u00f6lkerung mit terti\u00e4rer Ausbildung ist in der Schweiz seit den Neunzigerjahren unterdurchschnittlich gewachsen. W\u00e4hrend im europ\u00e4ischen L\u00e4ndermittel der Anteil um 8% zunahm, waren es in der Schweiz lediglich 6%. Der Anteil der Frauen an der Bev\u00f6lkerung mit terti\u00e4rer Ausbildung ist mit 31% sehr niedrig (er liegt noch unter dem Anteil in der T\u00fcrkei); damit wird das Potenzial der weiblichen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Wissensgesellschaft ungen\u00fcgend genutzt. Der Anteil an Frauen, die eine akademische Laufbahn einschlagen, nimmt mit jeder akademischen Stufe deutlich ab (Anteil Studentinnen: 46%, Anteil Professorinnen: 14%). Der insgesamt niedrige Bildungsstand der Bev\u00f6lkerung wird zuk\u00fcnftig nicht ausreichen, um den Wissensstandort Schweiz attraktiv zu gestalten, und muss erh\u00f6ht werden.&#13;<\/p>\n<h3>Tiefe Abschlussquoten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBetrachtet man den Output eines Bildungssystems, so sind die Abschlussquoten von Interesse. Im OECD-Durchschnitt liegt der Anteil Hochschulabsolventen im Verh\u00e4ltnis zur gleichaltrigen Bev\u00f6lkerung bei 32%, in der Schweiz liegt er lediglich bei 18%. Die Anzahl der Hochschulabsolventen nimmt in der Schweiz zwar seit 2000 um j\u00e4hrlich 5% (OECD-Durchschnitt: 3%) zu, wobei dies vor allem auf den Aufbau der Fachhochschulen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Waren im Jahre 2000 ca. 25&nbsp;000 Studenten an Fachhochschulen eingeschrieben, stieg deren Zahl in 2004 auf 44&nbsp;000. Der Anteil ausl\u00e4ndischer Studierender liegt in der Schweiz mit knapp 18% relativ hoch. Im OECD-Mittel liegt der Anteil bei ca. 5%. Allerdings ist dabei der hohe Ausl\u00e4nderanteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung der Schweiz von etwa 20&nbsp;% zu beachten. Um internationale Spitzenforschung anzuziehen, ist dieser Internationalisierungsgrad weiter zu erh\u00f6hen.&#13;<\/p>\n<h3>Weltspitze punkto Publikationen und Patenten pro Einwohner<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Messung des Innovations-Outputs haben die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen bzw. Patente besondere Aufmerksamkeit erlangt. Mit ann\u00e4hernd 1800 wissenschaftlich-technischen Publikationen pro Mio. Einwohner ist die Schweiz weltweit f\u00fchrend. Auch beim Rezeptionserfolg der Publikationen k\u00f6nnen die Schweizer Wissenschafter gute Leistungen vorweisen. Sie stehen mit einem relativen Zitationsindex (RZI) von 15,2 hinter den US-Amerikanern auf dem zweiten Platz. Die Qualit\u00e4t des F&amp;E-Outputs der Schweiz ist international anerkannt. Erfreulich ist, dass die Schweiz im Vergleich zu ihrer Bev\u00f6lkerungszahl die h\u00f6chste Zahl von Patentanmeldungen aufweist. Auffallend jedoch ist, dass sich die Position der Schweiz als eines der wenigen L\u00e4nder im Laufe der Neunzigerjahre verschlechtert hat, ohne jedoch bisher die F\u00fchrung abzugeben. Zudem werden viele Patente gar nicht oder nicht durch Schweizer Unternehmen kommerzialisiert.&#13;<\/p>\n<h3>\u00abDenkplatz Schweiz\u00bb als Zukunftsidee<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWas tut die Schweiz heute, damit sie in 20 Jahren zu den innovativsten L\u00e4ndern der Welt geh\u00f6rt? Hier muss die Schweizer Politik grunds\u00e4tzliche Positionen \u00fcberdenken; die Schweiz muss sich selbst eine Zukunftsidee geben. Grunds\u00e4tzlich gibt es zahlreiche m\u00f6gliche Stossrichtungen, die von der Reindustrialisierung bis hin zum Alters-Florida von Europa reichen. Vieles w\u00fcrde jedoch f\u00fcr eine \u00abintelligente Schweiz als Denkplatz f\u00fcr Europa\u00bb sprechen: Die Schweiz liegt im Zentrum von Europa, weist eine gute Lebensqualit\u00e4t auf und ist forschungsorientiert. Die Distanz zwischen den Universit\u00e4ten Basel und Z\u00fcrich ist geringer als diejenige zwischen Universit\u00e4ten innerhalb grosser Zentren wie Shanghai oder New York. Die intelligente Schweiz als globale Marke w\u00e4re vom Bundesrat mit klaren Zielen zu forcieren; regionale Partikularinteressen m\u00fcssten zur\u00fcckgestellt werden. Die Position der Schweiz in der Wissensgesellschaft wird entscheidend von ihrer Innovationsleistung sowie dem Bildungs- und Wissenschaftssystem bestimmt.&#13;<\/p>\n<h2>Anforderungen an das Hochschulsystem<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Leistungsf\u00e4higkeit des Schweizer Wissenschaftssystems liegt im internationalen Vergleich noch auf einem hohen Niveau. Es droht jedoch ein Positionsverlust, zumal andere Volkswirtschaften im Wettbewerb der Wissensgesellschaft dem Hochschulsystem klare Priorit\u00e4ten und hohe finanzielle Mittel zuweisen. Um unter den dynamisch-kompetitiven Bedingungen bestehen zu k\u00f6nnen, bieten die Leitprinzipien Exzellenz, Autonomie und Marktorientierung Hebel f\u00fcr eine grundlegende Reform der Forschung und Lehre (siehe Grafik 1).&#13;<\/p>\n<h3>Exzellenz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAuszugehen ist von der Erkenntnis, dass Bildung, wissenschaftlicher Fortschritt, technische Entwicklung und Innovation das Herzst\u00fcck der wissensgest\u00fctzten Wirtschaft bilden. Das Erreichen und die Sicherung der bestm\u00f6glichen Qualit\u00e4t in Forschung, Lehre und Technologietransfer m\u00fcssen oberste Priorit\u00e4t haben; die Gestaltung der Organisations- und Leitungsstrukturen m\u00fcssen sich diesem Ziel anpassen. Hochschulen werden sich in der Folge also vor allem durch Qualit\u00e4t, Leistung und Eigeninitiative unterscheiden und dabei ihre eigenen wissenschaftlichen und strukturellen Profile entwickeln k\u00f6nnen. Die Schweizer Hochschullandschaft ist somit st\u00e4rker im globalen Wissenswettbewerb zu sehen. \u00a0Anerkannte St\u00e4rken und zukunftstr\u00e4chtige Bereiche sollten priorit\u00e4r gef\u00f6rdert werden. Wichtiger als das vollst\u00e4ndige Abdecken aller Forschungsrichtungen ist Exzellenz in jenen Gebieten, in denen die Schweizer Wissenschaft t\u00e4tig ist. Besondere Bedeutung wird dabei der gezielten Nachwuchsf\u00f6rderung beigemessen. Exzellenz wird durch Elitedenken gef\u00f6rdert und nicht durch basisdemokratische Opfersymmetrie in der Ressourcenallokation. Sie ist kein Selbstzweck, sondern dient der wirtschaftlichen Entwicklung und der Wohlfahrt der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h3>Autonomie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNur autonome Institutionen haben die n\u00f6tige Freiheit, sich in einem vom Wettbewerb gepr\u00e4gten Umfeld mit eigenst\u00e4ndigen Strategien profilieren zu k\u00f6nnen. Dies bedeutet, dass Universit\u00e4ten \u00fcber einen gr\u00f6sseren strategischen Handlungsspielraum verf\u00fcgen sollen. Dazu geh\u00f6ren in erster Linie eigene Entscheidungsbefugnisse in Lehre und Forschung sowie umfassende Kompetenzen im Personal- und Finanzbereich.\u00a0Vor dem Hintergrund der prinzipiellen Unterscheidung zwischen einer politischen F\u00fchrung des Gesamtsystems, der strategischen F\u00fchrung der einzelnen Hochschulen und deren operativer F\u00fchrung muss die Frage des Zusammenspiels der verschiedenen Leitungsinstanzen gekl\u00e4rt werden. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Funktion und die Stellung der Hochschulgremien. Zu kl\u00e4ren sind die Organisationsform, Zusammensetzung, Art der Wahl bzw. Ernennung und Form des Zusammenwirkens. Um die potenziellen Vorteile einer umfassenderen Autonomie zu nutzen, m\u00fcssen Institutionsleitungen und Verwaltungseinheiten zur Eigeninitiative ermutigt werden. \u00a0Eine Reform der Leitungsstrukturen an Hochschulen darf nicht rein unter dem Primat von Managementpraktiken aus der Privatwirtschaft erfolgen. Genauso wenig kann sie als Selbstzweck im Rahmen eines undifferenzierten Reformeifers betrieben werden. Der Blick muss vielmehr auf die ver\u00e4nderten Anforderungen gerichtet sein, denen sich Hochschulen ausgesetzt sehen.&#13;<\/p>\n<h3>Marktorientierung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBildung und Wissenschaft als marktf\u00e4hige Dienstleistungen zu begreifen, die sich an W\u00fcnschen und Bed\u00fcrfnissen eines Marktes orientieren, f\u00e4llt der Schweiz noch schwer. Die Forderung nach mehr Wirtschaftlichkeit und Marktorientierung im Hochschulbereich wurde vor nicht allzu langer Zeit mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcckgewiesen, \u00d6konomisierung bedeute Dekultivierung. Im Zuge des globalen Wissenswettbewerbs sind jedoch Ver\u00e4nderungen zu beobachten.\u00a0Fehlende Marktn\u00e4he, Wirtschaftlichkeit und Effizienz des Schweizer Hochschulsystems erfordern neue Ausbildungskonzepte. Die Globalisierung von Wissenschaft und Wirtschaft und die Internationalisierung der Bildungs- und Arbeitsm\u00e4rkte f\u00fcr Akademiker bewirken, dass die Kriterien f\u00fcr erfolgreiches Forschen, Lehren, Lernen, Arbeiten und Wirtschaften nicht l\u00e4nger konsensual-korporatistisch in einer isolierten Schweiz vereinbart werden k\u00f6nnen, sondern den Herausforderungen und Benchmarks einer globalen Wissensgesellschaft gen\u00fcgen m\u00fcssen.\u00a0Der Wettbewerb im Bildungsbereich bedingt Marktorientierung. Die Logik des Marktes hingegen erfordert wiederum autonome Institutionen, die sich m\u00f6glichst frei bewegen und Entscheidungen frei treffen k\u00f6nnen. Die heutige Auffassung von Wissensschaffung, technologischem Fortschritt und Innovationen hebt die Rolle von Netzwerken zwischen Staat, Universit\u00e4ten und Wirtschaft hervor. Dies bedingt ein st\u00e4rkeres Bekenntnis des Staates zu mehr Wettbewerb und Deregulierung und somit eine zunehmende Marktorientierung im Hochschulbereich.&#13;<\/p>\n<h2>BFI-Botschaft 2011: Massnahmen zur Umsetzung der Leitprinzipien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Umsetzung der drei Leitprinzipien erfordert eine Reihe von Massnahmen, welche in der BFI-Botschaft 2008-2011 ber\u00fccksichtigt sein m\u00fcssen:\u00a0&#8211; Heute klafft zwischen der Ausgabenrealit\u00e4t und der politischen Rhetorik eine erhebliche L\u00fccke. Zur Finanzierung der gesamten Bildungs-, Forschungs- und Innovationsaktivit\u00e4ten sind diesem Bereich j\u00e4hrliche Budgeterh\u00f6hungen von mindestens 8% zu gew\u00e4hren. Strategisch wichtige Initiativen d\u00fcrfen nicht an Mittelknappheit scheitern.\u00a0&#8211; Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) als St\u00fctzpfeiler der F\u00f6rderung von leistungsorientierter Spitzenforschung ist weiter als Instrument zu st\u00e4rken. Die KTI als die nationale F\u00f6rderagentur f\u00fcr Innovation ist mit ihren wirtschaftsgetriebenen Bottom-up-Ans\u00e4tzen ebenfalls verst\u00e4rkt zu f\u00f6rdern. Neben der traditionellen Projektfinanzierung der freien Forschung und den Nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) sind die neuen Aktionslinien wie z.B. gr\u00f6ssere Verbundprojekte und l\u00e4ngerfristige F\u00f6rderung der Spitzenforschung zu begr\u00fcssen. \u00a0&#8211; Die Auswirkungen der Ressortforschung sowie der mehrheitlich politisch motivierten und gesteuerten Nationalen Forschungsprogramme (NFP) auf die Volkswirtschaft sind unklar. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass keine Strategie erkennbar und kein einheitliches Vergabeverfahren vorhanden ist. Ein Abstimmungsprozess mit den \u00fcbrigen F\u00f6rderagenturen scheint unumg\u00e4nglich, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden.\u00a0&#8211; Die h\u00f6heren Beitr\u00e4ge an das 7. Forschungsrahmenprogramm der EU d\u00fcrfen nicht zu Lasten der nationalen Forschungsf\u00f6rderung gehen. Auch wenn die Meinungen \u00fcber den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen auseinander gehen, so ist die Beteiligung aus integrationspolitischer Sicht sinnvoll. Hingegen ist ausreichend Potenzial f\u00fcr eine Vereinfachung der schwerf\u00e4lligen und administrativ aufwendigen Projektabwicklung vorhanden.\u00a0&#8211; Die heutige Hochschullandschaft ist gepr\u00e4gt von sich vielfach \u00fcberschneidenden Forschungskapazit\u00e4ten. Der Anspruch einer hoch stehenden Forschung kann nur vereinzelt erhoben werden. Eine B\u00fcndelung und F\u00f6rderung ausgew\u00e4hlter Bereiche durch hochschulinterne Priorisierung w\u00e4re f\u00fcr Spitzenforschung dienlich. Dies setzt eine gr\u00f6ssere Autonomie in der Vergabe von Forschungsgeldern und einen mehrstufigen F\u00f6rderungsprozess voraus, der in einem wettbewerbsorientierten Forschungssystem Anreize zu exzellenten Leistungen schafft (siehe Grafik 2). Eine Grundf\u00f6rderung f\u00fcr einen universit\u00e4ren Forschungsschwerpunkt auf acht Jahre durch Bund bzw. Kantone sichert \u00e4hnliche Ausgangspositionen. Jene Forschungsvorhaben erhalten eine Unterst\u00fctzung, die den Qualit\u00e4tskriterien im Auswahlverfahren des SNF, KTI bzw. der EU-Projekte gen\u00fcgen. Eine Ex-post-Erfolgskontrolle der Forschungsergebnisse dient letztendlich zur Evaluation einer weiteren Exzellenzf\u00f6rderung (Verdoppelung der bereits erzielten Projekt- und Personenf\u00f6rderung) durch die Forschungskommissionen der Hochschulen bzw. durch die nationalen Forschungsschwerpunkte. Ein wichtiges Prinzip ist hier das Past-Record-Prinzip, welches Leistung von Ank\u00fcndigungsforschern unterscheidet. Zentrale Bewertungskriterien f\u00fcr den volkswirtschaftlichen Nutzen sind der Beitrag zur Wissenschaft oder die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze. \u00a0&#8211; Die Bildung von Kompetenzzentren und Clustern ist notwendig, um sich international im Spitzenfeld zu etablieren. Die Vermeidung von Doppelspurigkeit und die Schaffung von kritischer Masse in der Forschung sind dringend notwendig. Dies gilt vor allem dann, wenn die Partner einen komplement\u00e4ren Beitrag zum Erreichen der gemeinsamen Ziele leisten und sich ein jeder Partner auf seine Kernkompetenzen konzentriert. Hier ergeben sich nat\u00fcrliche Partnerschaften, welche in Zukunft weiter verst\u00e4rkt werden sollten (z.B. ETH-Universit\u00e4t Basel, ETH-Universit\u00e4t St. Gallen, ETH-Universit\u00e4t Z\u00fcrich). Innerhalb einer Disziplin sollte das Streben nach Konzentration und Fokussierung dominieren. \u00a0&#8211; Will die Schweiz ein \u00abWertsch\u00f6pfungsweltmeister\u00bb werden, muss der Transfer zwischen Wissenschaft und Markt massiv verbessert werden. Exzellenz in der Forschung gemessen an Publikationen und Patenten pro Kopf ist in der Schweiz gegeben, aber nicht die Umsetzung in marktf\u00e4hige Leistungen. Hier ist vor allem anzusetzen. In Forschung und Lehre muss diese Wertsch\u00f6pfungskompetenz vertieft werden, um Hebeleffekte der Forschung hinein in die Wirtschaft zu erzielen. Neben Massnahmen, welche den Prozess von der Wissenschaft in die Anwendung f\u00f6rdern (Push-Prinzip), muss auch der Zugang der Unternehmen zu Hochschulen vereinfacht werden (Pull-Prinzip). Das von der KTI neu initiierte Voucher-Prinzip, nach dem auch die Unternehmen einen KTI-Antrag stellen und sich bei Genehmigung eine Hochschule aussuchen k\u00f6nnen, ist hier als Transferf\u00f6rderinstrument zu begr\u00fcssen. \u00a0&#8211; In einem ver\u00e4nderten politischen Umfeld, das von finanziellen Engp\u00e4ssen der \u00f6ffentlichen Haushalte einerseits und von Steuerungsdefiziten im Hochschulbereich andererseits bestimmt ist, braucht es eine Neugestaltung des Verh\u00e4ltnisses von staatlichen Eingriffen und Hochschulautonomie. Die Erweiterung der Hochschulautonomie muss zu einer Verlagerung von Kompetenzen und Verantwortlichkeiten von der Politik und Verwaltungsbeh\u00f6rden an die einzelnen Hochschulen f\u00fchren. Davon sind auch die inneren Leitungs- und Organisationsstrukturen der Hochschulen betroffen.\u00a0&#8211; Eine Konsolidierung im Studienangebot der Hochschulen ist unumg\u00e4nglich. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich nach den USA die h\u00f6chsten absoluten Kosten pro Studierenden; gemessen am BIP-Anteil pro Kopf sind die Ausgaben gar am h\u00f6chsten. Dies liegt unter anderem am diversifizierten und doppelspurigen Lehrangebot an Hochschulen. Der Bereinigung der Studienangebote unter den schweizerischen Hochschulen kommt eine hohe Dringlichkeit zu. Dazu bedarf es klarer Kriterien und Mechanismen. Eine Wettbewerbsorientierung in der Lehre f\u00fchrt letztendlich zu einem Prozess der Profilbildung an den Hochschulen. Die Koordination der Hochschulsysteme \u00fcber Wettbewerbs- und Marktmechanismen erfordert eine Konzentration auf die St\u00e4rken der Hochschulen und deren Ausbau. Dies f\u00fchrt zu einer steigenden Differenzierung unter den Anbietern von Studienprogrammen. Das heutige \u00f6ffentliche Hochschulfinanzierungssystem muss verursachungsgerechter und als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Kantonen konzipiert werden.\u00a0&#8211; In den verschiedenen OECD-L\u00e4ndern ist die Beteiligung an Weiterbildung betr\u00e4chtlich h\u00f6her als in der Schweiz. Ein Ausbau der Weiterbildungsaktivit\u00e4ten auf hohem Niveau ist erforderlich. Um Anreize zu erreichen muss es m\u00f6glich sein, dass die Lehre in Weiterbildung sich in den Deputaten der Professoren und Dozenten niederschlagen. Gewinne stehen den Instituten bzw. den beteiligten Professoren zur Forschungsfinanzierung zur Verf\u00fcgung. Dadurch kommt eine gr\u00f6ssere Marktorientierung in der Lehre direkt der eigenen Forschung zugute.\u00a0&#8211; Die F\u00f6rderung exzellenter K\u00f6pfe stellt einen weiteren St\u00fctzpfeiler eines auf Leistung ausgelegten Wissenschaftssystems dar. Dies erfordert auch eine Selektion der Studierenden. Wichtig ist, dass nicht einfach Konzepte aus anderen Wissenschaftssystemen \u00fcbernommen werden, sondern dass ein f\u00fcr die Schweiz passendes Konzept entwickelt wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abDrei Prinzipien zur zuk\u00fcnftigen Wettbewerbsf\u00e4higkeit\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abMehrstufiger Forschungsf\u00f6rderungsprozess\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Teilnehmende Experten Wichtige Ideen und Anst\u00f6sse f\u00fcr diese Studie lieferten zahlreiche Interviews mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Bildung. Teilgenommen haben Josef Ackermann, Christian Aeberli, Pius Baschera, Beat Bernet, Ernst Caffi, Aleardo Cattaneo, Rolf D\u00f6rig, Bernhard Ehrenzeller, Peter Gr\u00fcschow, Thomas Isler, Johannes Kaufmann, Walter B. Kielholz, Gebhard Kirchg\u00e4ssner, Ernst Lutz, Werner Messmer, Armin Meyer, Pierre G. Mirabaud, Ernst Mohr, Marcel Ospel, Martin Pfisterer, Peter Quadri, Johannes Randegger, Rolf Schaumann, Hans W. Schl\u00e4pfer, Andreas Schmid, Rainer Schweizer, Beda Stadler, Rudolf Wehrli, Jost Wirz, Tony Wohlgensinger und Sebastian W\u00f6rwag.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literaturhinweise &#8211; Gassmann, O., Perez-Freije, J., and Enkel, E. (2006). Die Schweiz im Wettbewerb der Wissensgesellschaft. Economiesuisse, Z\u00fcrich. &#8211; OECD (2003). Terti\u00e4re Bildungspolitik der Schweiz. Paris &#8211; Sporn, B., and Aeberli, C. (2004). Hochschule Schweiz. Ein Vorschlag zur Profilierung im internationalen Umfeld. Avenir Suisse, Z\u00fcrich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der Globalisierung und des zunehmenden Wettbewerbs ist die Einsicht gewachsen, dass Bildung, Forschung und Technologie die \u00fcberragenden Faktoren f\u00fcr den Wohlstand der Schweiz sind und somit im Dienste einer gesamtgesellschaftlichen Strategie stehen. Das Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft ist langfristig von der Innovationsleistung abh\u00e4ngig. 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