{"id":124333,"date":"2007-01-01T12:00:00","date_gmt":"2007-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/01\/megert-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:46","slug":"megert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/01\/megert\/","title":{"rendered":"R\u00fcck\u00fcberweisungen von Migrantinnen und Migranten am Beispiel Schweiz-Serbien"},"content":{"rendered":"<p>R\u00fcck\u00fcberweisungen &#8211; auch Remittances oder Rimessen genannt &#8211; sind Gelder oder G\u00fcter, welche von Migrantinnen und Migranten an Verwandte und Bekannte in den Herkunftsl\u00e4ndern \u00fcberwiesen werden. Diese R\u00fcck\u00fcberweisungen sind in den letzten f\u00fcnf Jahren um rund 50% gewachsen und machen heute das Dreifache der Summe der offiziellen Entwicklungshilfe aus. Nach den ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen stellen Remittances f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder die zweitwichtigste externe Einnahmenquelle dar. Eine vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) initiierte Untersuchung beleuchtet die Fragen rund um das Thema am Beispiel der R\u00fcck\u00fcberweisungen von der Schweiz nach Serbien.<img decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\".\/article-graphics\/Megert.jpg\" alt=\"\" height=\"273\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Wichtiges Thema in der internationalen Entwicklungs- und Migrationsdebatte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltbank sch\u00e4tzt f\u00fcr 2005 die Summe der weltweit get\u00e4tigten R\u00fcck\u00fcberweisungen auf 232 Mrd. US-$, wovon 167 Mrd. in Entwicklungs- und Transitionsl\u00e4nder flossen. Unter Einbezug informell get\u00e4tigter Remittances d\u00fcrfte der effektive Wert deutlich h\u00f6her liegen. Angesichts der enormen Betr\u00e4ge hat das Thema in den letzten Jahren in der internationalen Entwicklungs- und Migrationsdebatte an Bedeutung gewonnen und nahm eine wichtige Stellung im Bericht der Global Commission on International Migration sowie in der Diskussion im Rahmen des UN High Level Dialogue on International Migration and Development vom September 2006 ein.&#13;<\/p>\n<h3>Das Potenzial von Remittances &#8230;<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMehrere grosse Entwicklungsorganisationen, aber auch verschiedene Sender- und Empf\u00e4ngerl\u00e4nder haben Konzepte und Projekte entwickelt und umgesetzt, die den Transfer von Remittances einfacher und sicherer gestalten sowie die Entwicklungswirkung dieser Gelder verst\u00e4rken sollen. Beispiele daf\u00fcr sind die Grunds\u00e4tze f\u00fcr die effektive \u00dcberweisung von Remittances, welche die Weltbank in Zusammenarbeit mit der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erarbeitete. Als einer der wichtigsten Empf\u00e4ngerstaaten hat Mexiko verschiedene Programme zum Aufbau von Infrastruktur und zur F\u00f6rderung von Investitionen aus R\u00fcck\u00fcberweisungen lanciert, wobei unter anderem private Investitionen mit staatlichen Mitteln aufgestockt und die Migranten bei ihren Investitionen beraten werden. Auf der Seite der Senderl\u00e4nder hat etwa die britische Entwicklungsbeh\u00f6rde eine Internetseite eingerichtet, welche \u00fcber die Kosten der Remittances-Transfers der verschiedenen Anbieter informiert. EBRD, Global Economic Prospects 2006.&#13;<\/p>\n<h3>&#8230; und ihre Grenzen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBei all diesen Anstrengungen gilt zu beachten, dass Remittances private Gelder sind und deshalb von staatlichen Eingriffen zu sch\u00fctzen sind. Es kann nicht Aufgabe der staatlichen Entwicklungsagenturen sein, Einfluss auf die H\u00f6he oder Verwendung der Remittances zu nehmen. Wichtig ist ferner das international anerkannte Bekenntnis, dass Remittances nicht als Ersatz f\u00fcr \u00f6ffentliche Entwicklungshilfe dienen d\u00fcrfen, sondern nur eine Erg\u00e4nzung sind. \u00a0Neben positiven Effekten k\u00f6nnen Remittances auch unerw\u00fcnschte Auswirkungen haben. Die Problematik des Brain Drain, die Abwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte ins Ausland, stellt f\u00fcr viele L\u00e4nder ein bedeutendes Problem dar. Auch die grosse Abh\u00e4ngigkeit gewisser L\u00e4nder von Geldern ihrer Landsleute im Ausland (vgl. Grafik 1) wird als negative Seite von Remittances genannt. Im Rahmen der internationalen Debatte muss diesen Fragen deshalb k\u00fcnftig verst\u00e4rkt Rechnung getragen werden.&#13;<\/p>\n<h3>Der schweizerisch-serbische Remittances-Korridor<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz ist ein bedeutendes Senderland von Remittances. Sie steht mit 9,4 Mrd. US-$ auf der Liste der Senderstaaten an vierter Stelle, wobei ber\u00fccksichtigt werden muss, dass von diesen Geldern ein wesentlicher Teil an Nachbarstaaten geht. Dennoch weist die Schweiz verschiedene wichtige Diasporagruppen aus Entwicklungs- und Transitionsl\u00e4ndern auf, welche mit ihren Geldtransfers wesentlich zur Entwicklung im Heimatland beitragen. \u00a0Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) hat sich deshalb im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit der Frage der Remittances angenommen. Ziel der Anstrengungen des Seco ist es, die Effizienz und die Entwicklungswirkung von Remittances aus der Schweiz zu st\u00e4rken. Als Grundlage f\u00fcr die Entwicklung konkreter Projekte und aufgrund der schwachen Datenlage zu Remittances aus der Schweiz wurde im Jahr 2005 eine Studie \u00fcber den Remittances-Korridor zwischen der Schweiz und Serbien und Montenegro lanciert. IMF, 2005: World Economic Outlook: Globalization and External Imbalances, April 2005, Washington, DC. Ausschlaggebend f\u00fcr die Wahl war die Gr\u00f6sse und der Organisationsgrad der Diaspora in der Schweiz. \u00a0Die Studie sollte Aufschluss geben \u00fcber das Volumen der Geldtransfers von der Schweiz nach Serbien, die Kosten und Risiken dieser Geld\u00fcberweisungen sowie die verwendeten Kan\u00e4le. Auf der Empf\u00e4ngerseite interessierte die Frage, wie die Mittel vor Ort verwendet werden und welchen Einfluss dies auf das Wirtschaftswachstum insgesamt sowie die Lebensbedingungen in den einzelnen Empf\u00e4ngerhaushalten hat. Durchgef\u00fchrt wurde die Studie durch das Swiss Forum for Migration and Population Studies (SFM) der Universit\u00e4t Neuenburg, die Internationale Organisation f\u00fcr Migration (IOM) sowie durch die Europ\u00e4ische Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Die Ergebnisse der Studie basieren in erster Linie auf Haushaltinterviews sowie Interviews mit Schl\u00fcsselpersonen (Regierungsvertreter, Vertreter aus dem Finanzsektor, Vertreter der Diaspora). In der Schweiz wurden 600 Telefoninterviews durchgef\u00fchrt; in Serbien wurden 343 Haushalte befragt. Die Interviews in Serbien fanden in den Regionen Petrovac na Mlavi und \u00b4Cuprija statt, welche eine l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung aufweisen. Obwohl die Resultate mit den Antworten der Focus-Gruppen erg\u00e4nzt wurden, sind die Resultate bez\u00fcglich der Verwendung der R\u00fcck\u00fcberweisungen nur beschr\u00e4nkt auf die Situation in den St\u00e4dten \u00fcbertragbar.&#13;<\/p>\n<h2>Umfang und Art der Transaktionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den letzten zw\u00f6lf Monaten vor der Studie t\u00e4tigten 75% der befragten serbischen Haushalte in der Schweiz R\u00fcck\u00fcberweisungen in Form von Geld oder G\u00fctern nach Serbien. Dabei wurden im Durchschnitt 4400 Franken pro Haushalt (nur Geldstr\u00f6me) und Jahr nach Serbien \u00fcberwiesen. Aufgrund der gemachten Aussagen wurde ein Betrag von 60 Mio. Franken errechnet, welcher in diesem Zeitraum aus der Schweiz nach Serbien \u00fcberwiesen wurde. Dieser Betrag ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da er auf einer Sch\u00e4tzung beruht, welche verschiedene Faktoren wie beispielsweise die \u00dcberweisungen von irregul\u00e4ren Migrantinnen und Migranten oder von Asylsuchenden nicht ber\u00fccksichtigt.\u00a0Ein wichtiges Resultat der Studie ist, dass R\u00fcck\u00fcberweisungen aus der Schweiz nach Serbien gr\u00f6sstenteils \u00fcber informelle Kan\u00e4le erfolgen. Migranten nehmen die Gelder oder G\u00fcter entweder selbst nach Serbien mit, oder sie werden Freunden, Bekannten oder dem Chauffeur einer der vielen Buslinien anvertraut, welche die Schweiz mit Serbien verbinden. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind die hohe Verl\u00e4sslichkeit, die Einfachheit (fast immer gibt es jemanden im Bekanntenkreis, der nach Serbien reist) und die tieferen Kosten. Buschauffeuren wird normalerweise ein Trinkgeld zugesprochen, das 2%-3% des mitgegebenen Wertes (bei G\u00fctern ein fester Ansatz) entspricht. Zum Vergleich: Die Kosten f\u00fcr die \u00dcberweisungen eines Betrages von 300 Franken \u00fcber formelle Kan\u00e4le betragen zwischen 12 bis 30 Franken, dies erst noch bei einem l\u00e4ngeren Bearbeitungszeitraum. \u00a0Das Hauptargument, welches jedoch gegen die Verwendung eines formellen Kanals aufgef\u00fchrt wird, ist das fehlende Vertrauen in die serbischen Banken. Dieses beruht auf negativen Erfahrungen in der Vergangenheit. So wurden beispielsweise Anfang der Neunzigerjahre ausl\u00e4ndische Bankkonten eingefroren, das Bankensystem erlitt einen Zusammenbruch und Korruption wird weiterhin als Problem wahrgenommen. Obwohl der Bankensektor in den letzten Jahren restrukturiert und wesentlich gest\u00e4rkt werden konnte, scheint die Bev\u00f6lkerung nach wie vor kein Vertrauen in das Bankensystem zu haben. \u00a0Wird eine formelle Transaktion get\u00e4tigt, wird in den meisten F\u00e4llen eine Bankdienstleistung beansprucht. Andere formelle Transferkan\u00e4le wie Geld\u00fcberweisungsinstitute (in Serbien ist nur Western Union t\u00e4tig) oder die Post werden nur sehr selten benutzt. Insgesamt werden 80% der R\u00fcck\u00fcberweisungen aus der Schweiz nach Serbien \u00fcber informelle Kan\u00e4le get\u00e4tigt, was im internationalen Vergleich einen sehr hohen Wert darstellt. Eine Studie der Weltbank zum deutsch-serbischen Remittances-Korridor ergab beispielsweise, dass in Deutschland die H\u00e4lfte der R\u00fcck\u00fcberweisungen formell vorgenommen wird. J. De Luna Mart\u00ednez, I. Endo &amp; C. Barberis (2006). World Bank Working Paper Nr. 80. The Germany-Serbia Remittance Corridor. Neben den beschriebenen Gr\u00fcnden ist sicher die geografische N\u00e4he zu Serbien sowie die grosse Bedeutung der Busverbindungen, welche lange Zeit das wichtigste Verkehrsmittel zwischen den beiden L\u00e4ndern und w\u00e4hrend des Krieges eine wichtige Lebensader zwischen der hier lebenden Diaspora und ihren Verwandten in Serbien waren, ausschlaggebend f\u00fcr den vergleichsweise hohen Anteil an informellen \u00dcberweisungen.&#13;<\/p>\n<h2>Bedeutung von Remittances f\u00fcr Serbien und ihre Verwendung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nR\u00fcck\u00fcberweisungen nach Serbien stellen f\u00fcr das Land eine wichtige Einkommensquelle dar. Im Jahre 2004 betrugen die Remittances 4,1 Mrd. US-$, was 17,2% des Bruttoinlandprodukts (BIP) ausmachte, und \u00fcberstiegen die ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen nach Serbien und Montenegro bei Weitem. Weltweit nahm Serbien und Montenegro den 11. Platz unter den Remittances empfangenden L\u00e4ndern ein; gemessen am Anteil am BIP lag es unter den Transitionsl\u00e4ndern auf dem dritten Rang. Vgl. EBRD Transition Report Update, 2006. In den untersuchten Regionen machen Remittances 40% des durchschnittlichen Haushaltseinkommens von 990 Franken (ca. 800 US-$) aus. Der Grossteil der Remittances wird zur Deckung der Grundbed\u00fcrfnisse gebraucht, also f\u00fcr Energie und Wasser, die medizinische Versorgung sowie Nahrungsmittel, Haushaltsartikel und Einrichtung. Diese Ausgabenstruktur gilt insbesondere f\u00fcr \u00e4ltere Empf\u00e4ngerhaushalte. \u00a0Gem\u00e4ss IOM gaben ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der befragten Haushalte an, sie h\u00e4tten Remittances zum Kauf, Bau oder zur Renovation von Immobilien verwendet. Ein weiteres knappes Viertel der Befragten nutzte das Geld zur Erweiterung der landwirtschaftlichen Produktion. Investitionen in andere Sektoren &#8211; wie die Er\u00f6ffnung eines Mini-Markts oder die Erweiterung einer Autogarage &#8211; nahmen lediglich 8% vor. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen auf der Hand. Zum einen wird ein grosser Teil der R\u00fcck\u00fcberweisungen zur Deckung des unmittelbaren Lebensunterhalts gebraucht. Weiter gibt es in den befragten Regionen neben Investitionen in Immobilien, Land oder landwirtschaftliche Produktion nur wenig alternative Investitionsm\u00f6glichkeiten. Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Anzahl der Remittances-Empf\u00e4nger, welche die R\u00fcck\u00fcberweisungen zur Erh\u00f6hung ihrer Ersparnisse benutzten. Diese machte in den untersuchten Regionen lediglich 1% aus. Auch hier spielt die hohe Bedeutung der Remittances zur Deckung der Grundbed\u00fcrfnisse eine wichtige Rolle. Daneben ist jedoch auch das limitierte Angebot an Bankdienstleistungen daf\u00fcr verantwortlich, das \u00fcberdies von der Bev\u00f6lkerung zu wenig benutzt wird. Zwar verf\u00fcgt fast die H\u00e4lfte der untersuchten Haushalte \u00fcber ein Bankkonto, doch wird dieses gr\u00f6sstenteils zur Verwaltung von Bargeld verwendet. \u00a0Aus rechtlicher Sicht ergeben sich keine schwerwiegenden Hindernisse f\u00fcr Geld\u00fcberweisungen nach Serbien. Bei der Einfuhr von Geld nach Serbien kommen die Regeln des Devisengesetzes sowie des Geldw\u00e4schereigesetzes zur Anwendung, welche bez\u00fcglich der Kapitaleinfuhr relativ liberal ausgestaltet sind. Als problematisch kann jedoch die Tatsache angesehen werden, dass sich die Regelungen in bestimmten F\u00e4llen widersprechen k\u00f6nnen. Eine gewisse Rechtsunsicherheit ergibt sich auch hinsichtlich der steuerlichen Behandlung von Remittances. Die Steuergesetzgebung sieht unter bestimmten Bedingungen eine Steuerbefreiung vor.&#13;<\/p>\n<h2>Fehlende Einbindung der Remittances-Empf\u00e4nger in den Finanzsektor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSerbien verf\u00fcgt \u00fcber eine moderne und qualitativ hoch stehende Zahlungsinfrastruktur. Die Studie zeigt auch auf, dass der Zugang zu Bankdienstleistungen gew\u00e4hrleistet ist. Auch im l\u00e4ndlichen Raum findet sich ein breites Filialnetz. Ebenso ist beispielsweise die Er\u00f6ffnung eines Bankkontos nicht mit \u00fcberm\u00e4ssig grossem Aufwand verbunden und kann von serbischen Staatsangeh\u00f6rigen wie auch von Ausl\u00e4ndern vorgenommen werden. Gem\u00e4ss serbischem Recht f\u00e4llt jedoch das Recht zum Betrieb von Geldtransfers alleine den Banken zu. Deshalb sehen sich Geld\u00fcberweisungsinstitute gezwungen, f\u00fcr ihre Geldtransfers eine Bank zwischenzuschalten. Dies f\u00fchrt beim Endverbraucher zu h\u00f6heren Kosten und beschr\u00e4nkt den Wettbewerb. \u00a0Die Voraussetzungen zum erh\u00f6hten Einbezug von Remittances-Empf\u00e4ngern in den Finanzsektor in Serbien st\u00fcnden somit nicht schlecht, doch konnte dieses Potenzial bisher nicht genutzt werden. Dies hat verschiedene Gr\u00fcnde. So haben serbische Banken bisher selten Allianzen mit Banken im Ausland geschlossen, was einen direkten Transfer der R\u00fcck\u00fcberweisungen erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Dies f\u00fchrt mitunter zu bedeutend h\u00f6heren Kosten und zu einer unklaren Dienstleistungsstruktur. Eine Chance, fehlende Allianzen aufbauen zu k\u00f6nnen, ergibt sich indes aus der einsetzenden Etablierung ausl\u00e4ndischer Finanzinstitutionen im serbischen Finanzmarkt. \u00a0Die Studie weist auch auf ein Informationsdefizit auf beiden Seiten hin. Zum einen ist die Bev\u00f6lkerung zu wenig \u00fcber die Situation im serbischen Finanzsektor informiert, und das Vertrauen in die Banken ist trotz wesentlicher Verbesserungen in den letzten Jahren immer noch tief. Auf Seite der Banken werden die Empf\u00e4nger von Remittances noch zu wenig als potenzielle Kunden wahrgenommen und es fehlen entsprechende auf die Empf\u00e4nger von Remittances zugeschnittene Produkte. Die Tatsache, dass sich beispielsweise bargeldlose Zahlungsmittel in Serbien grosser Beliebtheit erfreuen und die Benutzung von Kreditkarten noch nicht eingef\u00fchrt wurde, weist auf ein wesentliches Potenzial hin, Bankdienstleistungen in Serbien attraktiver zu machen und damit auch die M\u00f6glichkeit des formellen Transfers von Remittances zu erh\u00f6hen.&#13;<\/p>\n<h2>Zuk\u00fcnftige Aktivit\u00e4ten im Bereich Remittances<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf Grundlage dieser umfassenden Studie wird in einem n\u00e4chsten Schritt in Belgrad eine Fachkonferenz durchgef\u00fchrt. Gemeinsam mit Vertretern aus Finanzsektor, Diaspora und Regierung sollen die Resultate der Studie besprochen und m\u00f6gliche Zusammenarbeitsformen gepr\u00fcft werden. Das Seco will dabei weder auf das Volumen noch auf die Verwendung der vorhandenen Remittances Einfluss nehmen. Die geplanten Massnahmen greifen denn auch in keiner Weise in den Markt ein. Zwei Bereiche stehen im Vordergrund: \u00a0&#8211; Einerseits ist das Seco bestrebt, zur Senkung der Kosten und Risiken der Geldtransfers durch erh\u00f6hte Transparenz \u00fcber die Preise und Dienstleistungen der Anbieter von Geldtransfers beizutragen. \u00a0&#8211; Andererseits sollen die lokalen Banken dabei unterst\u00fctzt werden, attraktive Spar- und Investitionsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Klientel der Remittances-Empf\u00e4nger bereitzustellen, damit diese Gelder vermehrt auch f\u00fcr produktive Investitionen verwendet werden und damit zur Erh\u00f6hung des Wachstums und zur Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen vor Ort beitragen. Diesbez\u00fcglich bestehen bereits Ans\u00e4tze, auf denen aufgebaut werden kann, insbesondere in den L\u00e4ndern S\u00fcdamerikas. Es gilt zu pr\u00fcfen ob diese auf den Kontext im Balkan \u00fcbertragbar sind.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts des Volumens, der Stabilit\u00e4t sowie der positiven Entwicklungswirkung von Remittances werden diese weiter an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklungsagenturen sind gefordert, Massnahmen zur St\u00e4rkung des Einflusses der Remittances auf die Entwicklung in den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern einzuleiten. Die Schweiz will sich daran aktiv beteiligen. \u00a0Wichtig ist gleichzeitig die Erkenntnis, dass die Wirksamkeit der Remittances &#8211; wie auch der \u00f6ffentlichen Entwicklungshilfe &#8211; durch ein gesundes politisches und wirtschaftliches Umfeld gest\u00e4rkt werden kann. Es gilt deshalb, die konkreten Massnahmen zur Erh\u00f6hung der Effizienz von Remittances mit der St\u00e4rkung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Institutionen in den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern zu begleiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abRangliste der 20 Empf\u00e4ngerl\u00e4nder mit den h\u00f6chsten Anteilen an Remittances, 2004\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Langfristige Auswirkungen noch unklar Die langfristigen Auswirkungen von Remittances auf das Wachstum sind nicht schl\u00fcssig zu beantworten.1 Neben den vielen positiven Effekten &#8211; Finanzierung von Ausbildung und Gesundheit, Erh\u00f6hung der Investitionen, Verbesserung der Haushaltseinkommen, St\u00e4rkung der Kreditw\u00fcrdigkeit der Empf\u00e4ngerl\u00e4nder &#8211; haben Remittances auch negative makro\u00f6konomische Effekte. So k\u00f6nnen insbesondere in kleinen L\u00e4ndern die enormen Zufl\u00fcsse von Remittances zu einer Erh\u00f6hung des Wechselkurses &#8211; und damit zur Schw\u00e4chung der Exportwirtschaft &#8211; f\u00fchren. Zu einer zus\u00e4tzlichen Verschlechterung der Handelsbilanz kann es dann kommen, wenn die Remittances vor allem f\u00fcr Importg\u00fcter verwendet werden. In einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Studie des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), in der die Auswirkungen von Remittances in 101 Entwicklungsl\u00e4ndern \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum untersucht wurden, konnten keine signifikanten Auswirkungen auf das Wachstum oder andere Faktoren wie Bildung oder Investitionen festgestellt werden.2 Dieses Resultat ist jedoch auch auf die Tatsache zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass sich Remittances antizyklisch in Bezug auf das Wachstum verhalten. Zudem ist es sehr schwierig, die Auswirkungen der Remittances auf die St\u00e4rkung des Humankapitals zu messen, da dieses sehr langfristig aufgebaut wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcck\u00fcberweisungen &#8211; auch Remittances oder Rimessen genannt &#8211; sind Gelder oder G\u00fcter, welche von Migrantinnen und Migranten an Verwandte und Bekannte in den Herkunftsl\u00e4ndern \u00fcberwiesen werden. Diese R\u00fcck\u00fcberweisungen sind in den letzten f\u00fcnf Jahren um rund 50% gewachsen und machen heute das Dreifache der Summe der offiziellen Entwicklungshilfe aus. Nach den ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen stellen Remittances [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2929,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2929,"seco_co_author":[2930,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Ressort Controlling, Wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Secteur Controlling, Coop\u00e9ration \u00e9conomique au d\u00e9veloppement, Secr\u00e9tariat d'\u00c9tat \u00e0 l'\u00e9conomie (Seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":2930,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Leiterin Ressort Controlling, Wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"Cheffe du secteur Controlling, Coop\u00e9ration \u00e9conomique au d\u00e9veloppement, Secr\u00e9tariat d'\u00c9tat \u00e0 l'\u00e9conomie (Seco), Berne"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":124336,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9447","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55d49f3066ddd"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124333"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2929"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124333"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128323,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124333\/revisions\/128323"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2930"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=124333"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=124333"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=124333"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=124333"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=124333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}