{"id":124353,"date":"2007-01-01T12:00:00","date_gmt":"2007-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/01\/sigerist-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:13","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:13","slug":"sigerist-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/01\/sigerist-3\/","title":{"rendered":"Bildung f\u00fcr alle &#8211; eine lohnende Investition"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) setzt sich f\u00fcr eine Erh\u00f6hung des BFI-Kreditrahmens 2008 bis 2011 auf 8% bis 10% ein. Der anf\u00e4ngliche bundesr\u00e4tliche Vorschlag, der eine Erh\u00f6hung um nur 4,5% vorsah, wurde auf breiten politischen Druck hin korrigiert. Die jetzt gehandelten 6% bedeuten nur den Status quo. Keine vom Parlament beschlossene bildungspolitische Reform kann damit finanziert werden. Alle Bildungs- und Forschungsinstanzen haben ihren Investitionsbedarf \u00fcberzeugend begr\u00fcndet. Die Politik hat allen Grund, diese Argumente nicht leichtfertig in den Wind zu schlagen. Sowohl historisch angelegte Vergleichsstudien als auch die neuere Humankapitaltheorie beweisen: Investitionen in Bildung, Lehre und Forschung lohnen sich wirtschaftlich und demokratiepolitisch sowohl f\u00fcr die Gesellschaft als auch f\u00fcr die Bildungsnutzerinnen und -nutzer.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nProfessor Stefan Wolter hat anl\u00e4sslich der B\u00fcrgenstockkonferenz 2005 gesagt: \u00abWenn sich die ganze Bev\u00f6lkerung um ein standardisiertes Schuljahr l\u00e4nger bilden w\u00fcrde, dann gibt es empirische Studien der Wachstumstheorie, welche eine Steigerung des BIP um 15% vorhersagen. Die individuellen L\u00f6hne steigen aber bei einem Schuljahr mehr nur 7%-9% (internationaler Durchschnitt). Somit muss die Differenz als soziale Rendite von Bildung aufgefasst werden.\u00bb Entscheidend f\u00fcr die Bildungsinvestitionen ist, dass der soziale Nutzen gr\u00f6sser ist als der individuelle. Investitionen ins Bildungssystem werden damit nicht zu einem Fass ohne Boden. Das Suchen nach allf\u00e4lligen Effizienzsteigerungen kann und darf zus\u00e4tzliche Bildungsinvestitionen nicht aushebeln.&#13;<\/p>\n<h2>Komplexere Arbeit braucht mehr Bildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nProduktivit\u00e4tssteigerung ist nur mittels komplexerer Arbeit und diese wiederum nur \u00fcber erweiterte Bildungs- und Forschungsanstrengungen realisierbar. Was die EU-Kommission und Teile der Bildungsforschung seit einigen Jahren euphemistisch als \u00abWissensgesellschaft\u00bb bezeichnen, verdeckt, dass \u00abWissen\u00bb allein kein selbstst\u00e4ndiger Produktionsfaktor sein kann. Wissen ist an die mehrwertsch\u00f6pfende \u00abKopfarbeit\u00bb gebunden. Entscheidend ist deshalb, dass in der Schweiz auch in Zukunft nicht exklusiv auf Elite- und Exzellenzf\u00f6rderung und -forschung gesetzt, sondern auch die Berufsbildung und die angewandte Forschung intensiv gef\u00f6rdert werden. Ebenso wichtig f\u00fcr die Kompetitivit\u00e4t der Wirtschaft und f\u00fcr das demokratische Funktionieren der Schweiz ist der j\u00fcngste Beschluss der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), dass 95% der Volksschulabg\u00e4nger im Jahr 2015 \u00fcber einen Sekundarstufen-II-Abschluss verf\u00fcgen sollen. Die Weiterentwicklung der h\u00f6heren Berufsbildung, die Einf\u00fchrung von Masterabschl\u00fcssen an den Fachhochschulen, die St\u00e4rkung des universit\u00e4ren und des FH-Mittelbaus, bessere Betreuungsverh\u00e4ltnisse an Universit\u00e4ten und eidgen\u00f6ssischen Hochschulen sowie der Ausbau der Grundlagenforschung \u00fcber den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sind alles gleichwertige Aufgaben. Bleibt die Politik bei einer nur 6%-igen Investitionsrate, werden die verschiedenen Bildungs- und Forschungsgef\u00e4sse gegeneinander zu lobbyieren beginnen (m\u00fcssen) &#8211; der \u00abWorst Case\u00bb f\u00fcr die Entwicklung unseres gesamten Bildungs- und Forschungssystems. Davon w\u00fcrde in erster Linie die immer st\u00e4rker wuchernde Bildungsb\u00fcrokratie profitieren, die die Leistungsauftr\u00e4ge und Akkreditierungen zu kontrollieren oder Drittmittel zu akquirieren h\u00e4tte.&#13;<\/p>\n<h2>Chancengleichheit und Gleichstellung jetzt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 1993 haben die Stipendien trotz steigender Studierendenzahl um einen Viertel abgenommen. Mehr Studierende mussten deshalb Teilzeitjobs zur Mitfinanzierung des Studiums verrichten; der Elite-Charakter der Unis wurde st\u00e4rker. Die Frauen haben bis und mit Studiumsbeginn zwar massiv aufgeholt. Doch beim wissenschaftlichen Personal sind sie nur mit 22%, auf Professorenstufe gar nur mit 7% vertreten, was auch im internationalen Vergleich gering ist. Wenn die Investitionsrate nicht mehr als 6% ausmacht, wird sich in den kommenden Jahren auch im Equity-Bereich nichts verbessern.&#13;<\/p>\n<h2>Neuer Schub notwendig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl die Lernendenzahlen auf jeder Bildungsstufe anstiegen, stagnierten die \u00f6ffentlichen Bildungsinvestitionen w\u00e4hrend der Neunzigerjahre und provozierten damit einen Nachholbedarf. Dieser ist jetzt umso gr\u00f6sser, als der von vielen vorgeschobene Demografieknick sich auf den oberen (teureren) Bildungsstufen noch lange nicht abzeichnet, und weil die Politik ihre Rahmenkreditbeschl\u00fcsse der BFT-Botschaft 2004-2007 der Sparpolitik unterstellte und damit Wortbruch beging. Eine Wiederholung dieses \u00abH\u00fcst und Hott\u00bb im Rahmen der BFI-Botschaft 2008-2011 provozierte nicht nur Planungsunsicherheit bei den Bildungsinstitutionen. Der SGB z\u00f6gerte nicht, gemeinsam mit den Lernenden, den Lehrenden und ihren Organisationen, den Bildungsinstitutionen und gemeinsam mit den Kantonen gegen eine Bundespolitik des Vertrauensbruchs anzutreten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) setzt sich f\u00fcr eine Erh\u00f6hung des BFI-Kreditrahmens 2008 bis 2011 auf 8% bis 10% ein. Der anf\u00e4ngliche bundesr\u00e4tliche Vorschlag, der eine Erh\u00f6hung um nur 4,5% vorsah, wurde auf breiten politischen Druck hin korrigiert. Die jetzt gehandelten 6% bedeuten nur den Status quo. 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