{"id":124378,"date":"2007-01-01T12:00:00","date_gmt":"2007-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2007\/01\/weber1-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:59","slug":"weber1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2007\/01\/weber1\/","title":{"rendered":"Eine gute Bildungspolitik legitimiert den Staat"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Botschaft Bildung, Forschung, Innovation (BFI) 2008\u20132011 geht es um mehr als nur um Geld. Die Schweiz ist seit den bilateralen Vertr\u00e4gen und der Personenfreiz\u00fcgigkeit mit der EU Teil des offenen europ\u00e4ischen Arbeitsmarktes. Daher muss es ihr gelingen, ihre eigene Jugend nicht mehr nur f\u00fcr den nationalen, sondern f\u00fcr den europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt fit zu machen. Gelingt dies nicht optimal, so hat das Folgen \u2013 zum einen f\u00fcr den Sozialstaat, zum andern f\u00fcr die Legitimation des Staates gegen\u00fcber seinen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.&#13;<\/p>\n<h2>Bildung und Sozialpolitik sind eng verkn\u00fcpft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeits- wie auch die Sozialhilfestatistik zeigen, dass Personen ohne abgeschlossene Ausbildung \u00fcberdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit, Aussteuerung und L\u00f6hnen unter dem Existenzminimum betroffen sind. Bildungspolitik wird daher heute zu Recht als wichtigstes Instrument angesehen, um Sozialf\u00e4llen vorzubeugen und den Sozialstaat zu entlasten. Die Bedeutung der Bildung nimmt angesichts des offenen europ\u00e4ischen Arbeitsmarktes sogar noch zu. Denn jede Stelle auch im eigenen Land untersteht prinzipiell einem europ\u00e4ischen Konkurrenzdruck. Im Gegensatz zu den Erwerbst\u00e4tigen sind aber die Erwerbslosen nicht mobil. Jugendliche mit Wohnsitz in der Schweiz, die sich nach der Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt nicht behaupten k\u00f6nnen, sind vom schweizerischen Sozialstaat zu tragen. Der Staat muss deshalb ein grosses Interesse daran haben, allen Jugendlichen durch eine gute Ausbildung optimale Startbedingungen in den europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt zu verschaffen. Ansonsten hat er dies im Rahmen der Sozialpolitik auszubaden.&#13;<\/p>\n<h2>In Zukunft erf\u00e4hrt der Staat vermehrt seine Legitimation \u00fcber die Bildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie legitimiert sich ein Staat eigentlich gegen\u00fcber seinen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern? Eine wichtige Legitimation besteht darin, dass er jenen Hilfe gew\u00e4hrt, die nicht in der Lage sind, sich aus eigener Kraft die materielle Grundlage f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Leben zu schaffen. Nach der Staatslehre spielt also die Sozialpolitik eine wichtige Rolle bei der Legitimation des Staates. In Zukunft wird die Bildung vermehrt eine legitimierende Funktion \u00fcbernehmen. Jugendliche und ihre Eltern werden im europ\u00e4ischen Konkurrenzdruck unmittelbar erfahren, wie viel wert die Schweizer Ausbildung im Vergleich zu Ausbildungen anderer L\u00e4nder ist. Wurde das Richtige gelehrt? Finden die Abschl\u00fcsse europ\u00e4ische Anerkennung? Anerkennt die Wirtschaft die schweizerische Ausbildung als gute Ausbildung? Oder steht man mit einer Schweizer Ausbildung immer hinten an? Kurz: Ist man gen\u00fcgend ausgebildet f\u00fcr den europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt? M\u00fcssen die Jugendlichen und ihre Eltern erfahren, dass mit Schweizer Abschl\u00fcssen auf dem europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt kein \u00abStaat\u00bb zu machen ist, wird das den Staat zu Legitimationsproblemen f\u00fchren. Man fragt sich dann, ob der Staat nicht f\u00e4hig ist, jene Bildung zu vermitteln, die n\u00f6tig ist, damit seine B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus eigener Kraft ein unabh\u00e4ngiges Leben f\u00fchren k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzielle Mittel f\u00fcr die Bildung gem\u00e4ss Gesetzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm den Jugendlichen zukunftstr\u00e4chtige und europataugliche Bildungsabschl\u00fcsse bieten zu k\u00f6nnen, braucht es erstens gen\u00fcgend finanzielle Mittel und zweitens ihren effektiven und effizienten Einsatz. In den n\u00e4chsten Monaten entscheidet sich, wie viel der Bund in die Bildung investieren wird. Ohne sich am Bazar der Prozentdiskussionen zu beteiligen, ist doch darauf hinzuweisen, dass das Parlament in den letzten Jahren an sich richtige Entscheidungen getroffen hat. So wurde die Berufsmaturit\u00e4t eingef\u00fchrt, die Fachhochschulen aufgebaut, das neue Berufsbildungsgesetz mit der Integration der Berufe der Gesundheit, des Sozialen und der Kunst in Kraft gesetzt und auch definiert, wie viel der Bund sowohl an die Berufsbildung (25%) wie auch an die Fachhochschulen (33%) zahlen soll. Durch all diese richtigen und wegweisenden Weichenstellungen hat man gezeigt, dass man sich der Bedeutung der Bildung voll im Klaren ist. Jetzt sollte man die Entwicklungsprozesse nicht durch fehlende finanzielle Mittel blockieren, sondern konsequent den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen. Damit alle Jugendlichen mit optimalen Startbedingungen in den europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt entlassen werden k\u00f6nnen, braucht es eine bevorzugte Behandlung der Bildung. So wird der Staat legitimiert und der Sozialstaat entlastet.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Botschaft Bildung, Forschung, Innovation (BFI) 2008\u20132011 geht es um mehr als nur um Geld. Die Schweiz ist seit den bilateralen Vertr\u00e4gen und der Personenfreiz\u00fcgigkeit mit der EU Teil des offenen europ\u00e4ischen Arbeitsmarktes. 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