{"id":124408,"date":"2006-12-01T12:00:00","date_gmt":"2006-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/12\/kissling-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:59","slug":"kissling-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/12\/kissling-3\/","title":{"rendered":"Betriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung &#8211; ein nicht zu untersch\u00e4tzender Wettbewerbsvorteil"},"content":{"rendered":"<p>Betriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung (BGF) wird oft f\u00e4lschlicherweise mit Pr\u00e4vention &#8211; d.h. der Verhinderung von Krankheiten und dem Erkennen von Risikofaktoren &#8211; sowie mit Unfallverh\u00fctung im Unternehmen gleichgesetzt. BGF ist vielmehr ein Kultur- und Wertewandel, der nicht von heute auf morgen eingef\u00fchrt werden kann. Sie gibt den Unternehmen Mittel und Wege in die Hand, um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu steigern und sie somit leistungsf\u00e4higer zu machen. Ein gesundheitsf\u00f6rdernder Betrieb ist ein attraktiver Arbeitgeber. Im Zeitalter des zunehmenden Fachkr\u00e4ftemangels kann das ein nicht zu untersch\u00e4tzender Wettbewerbsvorteil sein.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200612_08_Kissling_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"242\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Ver\u00e4nderungen der Gesellschaft und der Arbeitswelt in den letzten 30 Jahren haben zu einer zunehmenden psychischen Belastung der Arbeitnehmenden gef\u00fchrt. In der schweizerischen Gesundheitsbefragung im Jahr 2002 geben 44% der 19700 Befragten an, unter starken nervlichen Anspannungen am Arbeitsplatz zu leiden. Diese Gruppe beklagt sich \u00fcber doppelt so viele starke k\u00f6rperliche Beschwerden als die nicht nervlich Angespannten. In der gleichen Untersuchung leiden fast doppelt so viele Gestresste unter einem schlechten psychischen Wohlbefinden als nicht Gestresste. Die viel zitierte Studie des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) \u00fcber Stress am Arbeitsplatz Siehe Daniel Ramaciotti und Julien Perriard: Die Kosten des Stresses in der Schweiz. Studie im Auftrag des Seco, Bern, 2003. Internet: <a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">www.seco.admin.ch<\/a> , Rubriken \u00abPublikationen und Formulare\u00bb, \u00abStudien und Berichte\u00bb, \u00abArbeit\u00bb. zeigt ebenfalls, dass Gestresste viel h\u00f6here Gesundheitskosten als nicht Gestresste verursachen. In Deutschland stieg der Anteil psychischer Ursachen f\u00fcr Arbeitsausf\u00e4lle zwischen 2001 und 2003 von 6,6% auf 9,7%, also um fast 50%. Bei den Diagnosen als Grund f\u00fcr eine IV-Berentung liegen 2004 psychische Erkrankungen mit 44,7% weit an der Spitze.&#13;<\/p>\n<h2>Was heisst \u00abgesund sein\u00bb?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist \u00abGesundheit\u00bb ein Zustand des v\u00f6lligen k\u00f6rperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Leo A. Nefiodow hat in seinem Buch \u00abDer sechste Kondratieff\u00bb eine aus WHO-Aussagen zusammengestellte Liste der f\u00fcr die Gesundheit relevanten Kriterien erstellt. Um sich nach WHO-Definition gesund zu f\u00fchlen, m\u00fcssen folgende Kriterien erf\u00fcllt sein:\u00a0&#8211; ein stabiles Selbstwertgef\u00fchl;\u00a0&#8211; ein positives Verh\u00e4ltnis zum eigenen K\u00f6rper;\u00a0&#8211; die F\u00e4higkeit zu Freundschaft und sozialen Beziehungen;\u00a0&#8211; eine intakte Umwelt;\u00a0&#8211; eine sinnvolle Arbeit und gesunde Arbeitsbedingungen;\u00a0&#8211; Gesundheitswissen und Zugang zur Gesundheitsversorgung;\u00a0&#8211; eine lebenswerte Gegenwart und die begr\u00fcndete Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft.&#13;<\/p>\n<h2>Zentrale Bedeutung des Arbeitsplatzes f\u00fcr die Gesundheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnalysieren wir diese Punkte, k\u00f6nnen wir feststellen, dass der Arbeitsplatz eine zentrale Rolle f\u00fcr die Gesundheit einnimmt. Der Arbeitsplatz ist f\u00fcr die Steigerung des Selbstwertgef\u00fchls zentral, vorausgesetzt, Arbeitsklima und F\u00fchrungsverhalten des Vorgesetzten erlauben eine Steigerung des Selbstwerts. Die Erweiterung des sozialen Umfeldes am Arbeitsplatz erm\u00f6glicht uns, neue Freundschaften und soziale Beziehungen einzugehen. Dies gilt vor allem, wenn ein unterst\u00fctzendes und teamorientiertes Klima herrscht. Der Sinn der Arbeit ist von elementarer Wichtigkeit; letztendlich ist es ein nat\u00fcrliches Bestreben, eine Arbeit machen zu d\u00fcrfen, die Sinn macht. \u00a0Die Arbeitsbedingungen haben sich aus der Warte der klassischen Arbeitsmedizin dank reduzierten physikalischen, chemischen und biologischen Belastungen in den letzten Jahrzehnten betr\u00e4chtlich verbessert. Die Verdichtung der Arbeit, die Beschleunigung der Gesch\u00e4ftsprozesse und die Ver\u00e4nderung der Produkte und M\u00e4rkte haben jedoch zu einer ganz neuen Form von belastenden Arbeitsbedingungen gef\u00fchrt. Der Arbeitstakt hat sich beschleunigt. In einer Studie der Arbeitspsychologie der Universit\u00e4t Bern konnte gezeigt werden, dass 75% der Stressoren von Arbeitnehmenden am Arbeitsplatz entstehen. Der letzte Punkt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten dahingehend ge\u00e4ndert, dass die fr\u00fcher vorherrschende patronale F\u00fchrungsstruktur nicht mehr dominierend ist. Der psychologische Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber hat sich enorm abgeschw\u00e4cht. War man in den Achtzigerjahren noch \u00fcberzeugt, in einer Firma von jungen Alter bis zur Pensionierung zu bleiben und somit eine begr\u00fcndete Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft zu haben, hat sich diese Situation innerhalb einer Generation drastisch ge\u00e4ndert. Massenentlassungen, Restrukturierungen und Fusionen haben dazu gef\u00fchrt, dass wir heute vom Mitarbeiter zum Eigenunternehmer mutieren m\u00fcssen. Dieser Forderung verm\u00f6gen l\u00e4ngst nicht alle Arbeitnehmenden nachzukommen. Die Erhaltung der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit mit dem entsprechenden lebenslangen Lernen und der st\u00e4ndigen Fort- und Weiterbildung \u00fcberfordert zahlreiche Arbeitnehmende. Die Folgen k\u00f6nnen leicht aus der schweizerischen Gesundheitsstatistik ersehen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Grundwerte und Eckpfeiler der BGF<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zentralen Fragen der Gesundheitsf\u00f6rderung sind: Was erh\u00e4lt Gesunde gesund? Welches sind die Gesundheitsressourcen, und wie kann ich diese f\u00f6rdern? BGF ersch\u00f6pft sich somit nicht in einem Apfeltag im Unternehmen, sondern bedeutet einen Denkwandel in den K\u00f6pfen aller Betroffenen von der Gesch\u00e4ftsleitung bis zum Arbeitnehmenden, der auch gelebt werden muss. Die Einf\u00fchrung von BGF in einem Unternehmen ist Chefsache. Sie ist ohne die volle Unterst\u00fctzung durch die Gesch\u00e4ftsleitung vergebene M\u00fche und sollte gar nicht erst begonnen werden. BGF beruht auf folgenden Eckpfeilern:&#13;<\/p>\n<h3>Empowerment<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDies bedeutet so viel wie Bef\u00e4higung, Erm\u00e4chtigung. Das Menschenbild der BGF geht vom selbstst\u00e4ndigen, eigenverantwortlichen Mitarbeitenden aus, der vom Vorgesetzten die n\u00f6tige Handlungsfreiheit erh\u00e4lt, um seine Arbeit den Gesundheitskriterien entsprechend zu machen. Dazu geh\u00f6rt auch das Gesundheitswissen. \u00dcber gesundheitsrelevante Themen soll regelm\u00e4ssig gesprochen werden. Weshalb nicht w\u00e4hrend eines Jahres das Thema Selbstwert in den Mittelpunkt der betriebsinternen Fortbildungen stellen? Auch Themen wie Ergonomie, Nichtrauchen oder richtige Ern\u00e4hrung d\u00fcrfen in einem Unternehmen Platz haben.&#13;<\/p>\n<h3>Partizipation<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Mitarbeitenden sind durch die Einf\u00fchrung der BGF nicht nur reine Empf\u00e4nger von Befehlungen und Anweisungen, sondern sie tragen aktiv dazu bei, ihren Arbeitsplatz, ihre Arbeitsprozesse und ihre Arbeitsumgebung mitzugestalten. Dadurch \u00e4ndert sich das Verh\u00e4ltnis von Chef und Mitarbeitenden: Es begegnen sich nun zwei gleichwertige Partner. Der Mitarbeitende, der seine Arbeitsprozesse und -t\u00e4tigkeiten am besten kennt, soll partnerschaftlich seine Kenntnisse einbringen. Das Umdenken findet also nicht nur auf Seiten des bisherigen Befehlsempf\u00e4ngers statt, sondern betrifft auch die Vorgesetzten, die den Mitarbeitenden zu mehr Mitbestimmung auffordern. Ausgerechnet diese Massnahme st\u00f6sst bei Vorgesetzten auf viele Widerst\u00e4nde, da sie bei diesen \u00c4ngste ausl\u00f6st.&#13;<\/p>\n<h3>Multisektorielles Vorgehen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit ist das Einbinden der BGF in alle Bereiche des Betriebs gemeint. BGF ist nicht Sache des Betriebsarztes oder eines Hausarztes. Sie geh\u00f6rt in das Pflichtenheft eines Arbeitgebers. Damit Mitarbeitende den Gesundheitskriterien entsprechend leben k\u00f6nnen, braucht es einen Umgang im Betrieb, vornehmlich im Rahmen des F\u00fchrungsverhaltens. Das psychische und soziale Wohlbefinden am Arbeitsplatz wird letztendlich zentral vom Vorgesetzten gesteuert. Wenn seine Denkhaltung nicht menschenfreundlich und wertsch\u00e4tzend ist, wird sein Team nicht in einem guten Arbeitsklima arbeiten k\u00f6nnen. Die F\u00fchrungskr\u00e4fte bed\u00fcrfen deshalb einer entsprechenden Schulung, die ihnen die Wichtigkeit ihrer Funktion bez\u00fcglich der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden aufzeigt. Die psychologische Kompetenz der F\u00fchrungskr\u00e4fte wird mit dem zunehmenden Ver\u00e4nderungsdruck noch mehr gefordert sein. \u00a0Um Erfolg zu haben, wird sich der Unternehmer der Zukunft immer mehr um immaterielle Faktoren seines Tuns k\u00fcmmern m\u00fcssen. Leider sind viele Vorgesetzte nicht zu einem solchen Umdenken f\u00e4hig. Die Tage dieser \u00abDinosaurier der F\u00fchrung\u00bb sind jedoch gez\u00e4hlt, da sie mit ihrem Verhalten demotivierend sind und sich dies \u00fcber kurz oder lang in der Performance ihres Teams oder Unternehmens niederschlagen wird.&#13;<\/p>\n<h2>Umsetzung auf individueller und struktureller Ebene<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Umsetzung der BGF sollte immer auf zwei Ebenen erfolgen. \u00a0&#8211; Individuelle Ebene, z.B. in Form einer Nichtraucherkampagne. Diese Massnahme richtet sich aber nur an diejenigen, die ausstiegswillig sind. Somit betrifft die individuelle Ebene nur wenige.\u00a0&#8211; Strukturelle Ebene, z.B. ein Rauchverbot in den Firmenr\u00e4umlichkeiten. Eine solche Massnahme hilft sowohl den nicht Ausstiegswilligen wie auch den Nichtraucher. Typischerweise sind strukturelle Massnahmen mit viel mehr Widerstand behaftet als individuelle; sie sind jedoch auch viel effektiver und nachhaltiger.\u00a0\u00a0Die individuelle Ebene zeigt den Mitarbeitenden konkret auf, dass der Betrieb an der Gesundheit des Mitarbeitenden interessiert ist. Der Nutzen kommt direkt dem Individuum zugute, indem es die Gesundheitsf\u00f6rderung am eigenen Leib sp\u00fcrt. Auf dem Markt werden zahlreiche individuelle Gesundheitsf\u00f6rderungsmodule angeboten. Sie beinhalten meistens die Themen der individuellen Gesundheit wie Bewegung, Ern\u00e4hrung und Entspannung.\u00a0Auf der strukturellen Ebene sind heute Absenzmanagement-Programme am meisten gefragt. Sie bringen relativ schnell nach der Einf\u00fchrung grosse finanzielle Einsparungen f\u00fcr das Unternehmen. Allerdings besteht die Gefahr einer falschen Handhabung die-ses Instruments. Oft wird eine repressive Methode gew\u00e4hlt, die kontrollierend ist. Dies f\u00fchrt zwar kurzfristig zu einer Reduktion der Absenzen, hat aber zur Folge, dass die Demotivation der Mitarbeitenden im Betrieb steigt. Deshalb ist die F\u00fchrungsschulung ein zentrales Element des Absenzmanagements. Eine gute Datenerfassung und -bewirtschaftung bildet ein weiteres Element. Die Kennzahlen der Absenzen und Fluktuation m\u00fcssen dem Betrieb bekannt sein. Erfahrungen aus Seminaren lassen vermuten, dass immer noch 80% der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ihre Absenzzahlen nicht kennen, geschweige denn bewirtschaften. Das dritte Element ist das Case Management. Mitarbeitende, die mehr als einen Monat krank sind, m\u00fcssen fr\u00fchzeitig und professionell in ihrer baldigen R\u00fcckkehr in den Beruf begleitet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Grunds\u00e4tze des F\u00fchrungsverhaltens<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Gesundheit der Mitarbeitenden im Unternehmen ist das F\u00fchrungsverhalten elementar. Folgende Grunds\u00e4tze m\u00fcssen die F\u00fchrungskr\u00e4fte kennen und ber\u00fccksichtigen:\u00a0&#8211; Sorgen Sie daf\u00fcr, dass Ihre Mitarbeitenden m\u00f6glichst viel Handlungsspielraum bei der Aus\u00fcbung ihrer T\u00e4tigkeit haben. Schenken Sie ihnen Vertrauen. Im Zeitalter der Wissensarbeiter verliert die Weisheit \u00abVertrauen ist gut, Kontrolle ist besser\u00bb an Wahrheitsgehalt. Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter nicht vertrauen k\u00f6nnen, weshalb arbeitet er \u00fcberhaupt noch bei Ihnen? Durch mehrere Studien ist belegt, dass ein hoher Handlungsspielraum die psychosomatischen Beschwerden ihrer Mitarbeitenden reduziert.\u00a0&#8211; Die Arbeit Ihres Mitarbeitenden soll m\u00f6glichst ganzheitlich sein. \u00dcberlegen Sie sich bei jeder Delegation von Arbeit, ob Sie &#8211; auf das K\u00f6nnen des Mitarbeitenden bezogen &#8211; eine m\u00f6glichst ganzheitliche Arbeit vergeben. Nur so sieht dieser den Sinn und Nutzen seiner T\u00e4tigkeit und baut Selbstvertrauen auf. \u00a0&#8211; Holen Sie das Wissen Ihres Mitarbeiters bei Ver\u00e4nderungen ab. Er weiss oft besser als Sie, was den Arbeitsprozess optimiert. Nehmen Sie ihn ernst.\u00a0&#8211; Ihr Mitarbeiter braucht Unterst\u00fctzung auf fachlicher und sozialer Ebene. Er soll jederzeit die M\u00f6glichkeit haben, seinen Vorgesetzten um fachlichen Rat zu fragen. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden zudem die M\u00f6glichkeit, sozialen Austausch zu pflegen. Vertrauen wird in der Kaffeepause gebildet und nicht in Teamoder Projektarbeit.\u00a0&#8211; Gestehen Sie Ihren Mitarbeitenden das Recht auf Freizeit zu. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance ist Voraussetzung f\u00fcr die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden.\u00a0&#8211; Sehr krank machend sind widerspr\u00fcchliche Anforderungen an den Arbeitnehmenden. Wie oft verlangen Sie von Mitarbeitenden das Unm\u00f6gliche und erh\u00f6hen dadurch die Stresslast?\u00a0&#8211; Befragen Sie Ihre Mitarbeitenden regelm\u00e4ssig nach ihrem Befinden, einerseits direkt und andererseits anonym in Mitarbeiterbefragungen. Legen Sie dabei auch ein Augenmerk auf die Gratifikation. Ihr Mitarbeiter muss das Gef\u00fchl haben, \u00abseinem\u00bb Unternehmen viel zu geben und daf\u00fcr auch viel zu erhalten. Die Gratifikation muss nicht materiell sein. Anerkennung, Lob, Wertsch\u00e4tzung und M\u00f6glichkeiten zur Weiterbildung sind Gratifikationen, die wenig kosten und die Gesundheit des Mitarbeiters erhalten. Wir wissen, dass Mitarbeitende, die das Gef\u00fchl haben, sich f\u00fcr die Firma aufzuopfern, daf\u00fcr aber nur einen sch\u00e4bigen Lohn zu erhalten, ein zweibis vierfach erh\u00f6htes Herzinfarktrisiko haben und mehr unter R\u00fcckenschmerzen leiden als Mitarbeitende, die ein ausgeglichenes Verh\u00e4ltnis zwischen Geben und Nehmen angeben.\u00a0&#8211; Bauen Sie alle unn\u00f6tigen b\u00fcrokratischen Hindernisse ab. In der Arbeitspsychologie sprechen wir von Regulationshindernissen. Die Einf\u00fchrung eines neuen EDV-Systems, das den Zeitaufwand der Bedienung verdoppelt, oder ein PC, der einmal mehr abst\u00fcrzt, erh\u00f6ht den Stresspegel massiv.&#13;<\/p>\n<h2>Rentiert sich betriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZahlreiche Studien belegen die finanzielle Rentabilit\u00e4t der BGF. Vielfach wird ein Return on Investment von 3:1 ausgewiesen. Nebst dem direkten finanziellen Nutzen ist der ideelle Ansatz entscheidend. Es ist sch\u00f6n, wenn Sie als Unternehmer Arbeitspl\u00e4tze schaffen. Es ist noch viel sch\u00f6ner, wenn Sie als Arbeitgeber gesundheitsf\u00f6rderliche Arbeitspl\u00e4tze schaffen, an denen sich Ihre Mitarbeitenden wohl f\u00fchlen und einer sinnvollen T\u00e4tigkeit mit interessantem Inhalt in einem Umfeld mit gutem Arbeitsklima nachgehen k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich sorgen Sie auch daf\u00fcr, dass Ihre Mitarbeitenden sich pers\u00f6nlich und fachlich dauernd weiterentwickeln k\u00f6nnen. Ihre Mitarbeitenden danken es Ihnen mit hoher Motivation und Leistungsbereitschaft. Sie danken es Ihnen auch dadurch, dass sie gut von Ihrem Unternehmen sprechen und stolz sind, in Ihrem Unternehmen arbeiten zu d\u00fcrfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abZehn Module der Umsetzung von BGF in Klein- und Mittelunternehmen (KMU)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Kennzahlen der betrieblichen Gesundheitsf\u00f6rderung<\/b>&#13;<br \/>\nAuch wenn sich die BGF um weiche Faktoren im Unternehmen k\u00fcmmert, stehen der Unternehmensleitung Kennzahlen zur Verf\u00fcgung, die als Temperaturf\u00fchler Auskunft \u00fcber das Wohlbefinden der Belegschaft geben.- Absenzzahlen: Die durchschnittliche krankheits- und unfallbedingte Absenz in Schweizer Unternehmen liegt bei 68 Stunden pro Mitarbeiter pro Jahr (Bundesamt f\u00fcr Statistik 2004). Dies entspricht einer Absenzrate von 4%. Eine Gesch\u00e4ftsleitung sollte sich mindestens einmal pro Quartal mit diesen Zahlen befassen.- Fluktuationsrate: Auch diese Zahl zeigt auf, wie gerne Mitarbeitende im Betrieb arbeiten und wie attraktiv der Arbeitgeber f\u00fcr sie ist. Es reicht jedoch nicht, diese Zahlen einfach nur zur Kenntnis zu nehmen &#8211; bei zu hohen Werten ist eine Reaktion angezeigt.- Resultate der Mitarbeiterumfrage: Mitarbeiterumfragen sind \u00e4usserst wichtig. Die Belegschaft muss nach der Umfrage informiert werden, und sie muss bei schlechten Resultaten Ver\u00e4nderungen sp\u00fcren. Ist die Gesch\u00e4ftsleitung nicht bereit, Ver\u00e4nderungen vorzunehmen, ist es wohl besser, keine Umfragen durchzuf\u00fchren.- Betriebsspezifische Umfragen: Beispielsweise macht British Telecom regelm\u00e4ssige Stressumfragen im Unternehmen. Jeder Vorgesetzte aller Stufen erh\u00e4lt eine Grafik, aus der er ersehen kann, wie die Mitarbeitenden seiner Gruppe, Abteilung oder Division geantwortet haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Wo erhalten Sie Unterst\u00fctzung?<\/b>&#13;<br \/>\nDie Gesundheitsf\u00f6rderung Schweiz ( <a href=\"http:\/\/www.gesundheitsfoerderung.ch\">www.gesundheitsfoerderung.ch<\/a> ) hat zwischen 2001 und 2004 ein Projekt finanziert, das KMU kostenlose Module der betrieblichen Gesundheitsf\u00f6rderung zur Verf\u00fcgung stellt (www.kmu-vital.ch). Beispielsweise steht eine Mitarbeiterumfrage online in mehreren Sprachen zur Verf\u00fcgung, die direkt ausgewertet wird. Gleichzeitig wird ein Benchmarking als Vergleich zu anderen Firmen angeboten. Weitere Module sind u.a.: Zusammenarbeit im Team, Ergonomie, Wellness f\u00fcr Mitarbeitende, Managementbefragung und Gesundheitszirkel.F\u00fcr eine ganzheitliche und nachhaltige Umsetzung der BGF gibt es einige etablierte und seit Jahren in diesem Bereich t\u00e4tige Firmen und Institutionen:- Institut f\u00fcr Arbeitsforschung und Organisationsberatung: <a href=\"http:\/\/www.iafob.com\">www.iafob.com<\/a&gt; ;- Gesundheitsf\u00f6rderung der Suva: <a href=\"http:\/\/www.suva.ch\">www.suva.ch<\/a> , Rubriken \u00absuvapro\u00bb, \u00abBetriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung\u00bb;- Institut f\u00fcr Arbeitsmedizin: <a href=\"http:\/\/www.arbeitsmedizin.ch\">www.arbeitsmedizin.ch<\/a> .<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung (BGF) wird oft f\u00e4lschlicherweise mit Pr\u00e4vention &#8211; d.h. der Verhinderung von Krankheiten und dem Erkennen von Risikofaktoren &#8211; sowie mit Unfallverh\u00fctung im Unternehmen gleichgesetzt. 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