{"id":124418,"date":"2006-12-01T12:00:00","date_gmt":"2006-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/12\/sax-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:45:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:45:52","slug":"sax-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/12\/sax-3\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsmanagement: Hygiene in den Spit\u00e4lern"},"content":{"rendered":"<p>Die Spitalhygiene spielt eine wichtige Rolle bei Fragen der Patientensicherheit im Gesundheitswesen. Insbesondere geht es um die Messung und Reduktion der schleichenden Form endemischer Infektionen sowie das Aufdecken, Abkl\u00e4ren und Eind\u00e4mmen von Epidemien. Die Gruppe Swissnoso hat im Jahr 2006 zusammen mit 116 Spit\u00e4lern auf nationaler Ebene eine erfolgreiche Initiative zur Patientensicherheit im station\u00e4ren Gesundheitswesen lanciert. Laut Hochrechnung k\u00f6nnten mit der Verbesserung der H\u00e4ndehygiene 17000 Infektionen verhindert und damit 60 Mio. Franken eingespart werden.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200612_07_Sax_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"248\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Spitalhygiene &#8211; im Englischen zutreffender \u00abInfection Control\u00bb genannt &#8211; ist eine besondere Form des Qualit\u00e4tsmanagements, welche die Verh\u00fctung von Infektionen anstrebt, die im Zusammenhang mit medizinischer Betreuung entstehen. Die vom Griechischen abgeleitete Bezeichnung \u00abnosokomiale Infektionen\u00bb Nosos = krankheitsbezogen; komeion = im Zusammenhang mit medizinischer Betreuung. weist in die Richtung der moderneren Auslegung des Begriffs, n\u00e4mlich die Infektionen im Zusammenhang mit jeglicher medizinischen Betreuung, und greift damit weiter als der popul\u00e4re Begriff \u00abSpitalinfektionen\u00bb. \u00a0In der Schweiz gibt es keine gesetzlichen Vorgaben zur Ausr\u00fcstung der Spit\u00e4ler mit Spitalhygieneabteilungen. Dennoch haben heute die meisten Spit\u00e4ler entsprechendes Personal, wenn auch in unterschiedlichem Mass: Die Bandbreite reicht von einer designierten Pflegefachkraft, die diese Aufgabe zus\u00e4tzlich \u00fcbernimmt, bis hin zu interdisziplin\u00e4ren Teams mit Infektiologen-Epidemiologen, Mikrobiologen, Informatikern und Pflegepersonal, das die in der Schweiz angebotene Spezialausbildung absolviert hat. Gefordert w\u00e4re ein verantwortlicher ausgebildeter Arzt pro Spital und eine Hygienepflegeperson &#8211; je nach Betriebsart &#8211; pro 125-250 Betten. Wichtig ist die Stellung des Teams innerhalb des Spitals als Stabsfunktion der Direktion. Damit wird sichergestellt, dass diese transversale Funktion fr\u00fch und schnell in Entscheidungsprozesse eingreifen kann.&#13;<\/p>\n<h2>Kostenfolgen von spitalerworbenen Infektionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus den Erhebungen der Gruppe Swissnoso (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDie T\u00e4tigkeiten von Swissnoso beinhaltet Beratungsangebote f\u00fcr das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) in Gebieten wie der Bedrohung durch die neue Variante von Creutzfeldt-Jakob, Sars, der Vogelgrippe und einer Grippepandemie sowie die Herausgabe eines viertelj\u00e4hrlichen Bulletins mit nationalen Richtlinien und Schulungst\u00e4tigkeit. Daneben hat die Gruppe unter Leitung des Autors wiederholte landesweite Messungen der spitalerworbenen Infektionen durchgef\u00fchrt, aufgrund derer das Ausmass des Problems beziffert werden kann. Dies hat zum Aufbau eines Netzwerks gef\u00fchrt, das einen Wissenstransfer von den universit\u00e4ren Zentren in die peripheren Spit\u00e4ler erlaubt. Weitere Informationen sowie die Liste der Mitglieder sind unter www.swiss-noso.ch abrufbar.) wissen wir, dass in den Schweizer Akutspit\u00e4lern &#8211; abh\u00e4ngig von der Gr\u00f6sse &#8211; zwischen 2% und 14% der Patienten eine spitalerworbene Infektion erleiden. Hochgerechnet w\u00e4ren es also j\u00e4hrlich 70000 Patienten, die sich infizieren. Dies f\u00fchrt zu Mehrkosten von 240 Mio. Franken und einer Aufenthaltsverl\u00e4ngerung von 300000 Spitaltagen. Die Berechnung der Mehrkosten beruht auf der konservativen Annahme von durchschnittlich 3500 Franken an Zusatzkosten pro Infektion. Einzelne, schwere Infektionen ziehen jedoch Behandlungen im Bereich von vierstelligen Betr\u00e4gen nach sich. Bei Anwendung einer Fallkostenpauschale werden diese Mehrkosten f\u00fcr den Leistungserbringer direkt sp\u00fcrbar. \u00a0Zu \u00dcberwachungszwecken werden die Infektionen in 13 verschiedene Gruppen eingeteilt, die gem\u00e4ss objektiven Kriterien definiert sind, welche durch die US-amerikanischen Centres for Disease Control and Prevention im Jahre 1988 erarbeiteten wurden. Die h\u00e4ufigsten vier Infektionsarten, die zusammen \u00fcber 80% aller Infektionen ausmachen, sind:\u00a0&#8211; die Urininfektionen;\u00a0&#8211; die Infektionen im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen;\u00a0&#8211; die Lungenentz\u00fcndungen;\u00a0&#8211; die Infektionen des Blutstroms (Bakteri\u00e4mien). \u00a0\u00a0Bakteri\u00e4mien sind mit einer hohen Sterblichkeit von rund 20% behaftet, wohingegen die Urininfektionen unter Antibiotikumbehandlung meist glimpflich ablaufen.&#13;<\/p>\n<h2>Zweierlei Risikofaktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Risikofaktoren h\u00e4ngen einerseits mit dem Gesundheitszustand des Patienten bzw. seiner Infektabwehr zusammen. Chronische Erkrankungen &#8211; wie Zuckerkrankheit, Krebs oder Aids &#8211; f\u00fchren zu einer erh\u00f6hten Infektanf\u00e4lligkeit. Das gleiche gilt auch f\u00fcr akute Zust\u00e4nde, wie Mehrfachverletzungen mit diversen Organsch\u00e4den aufgrund eines schweren Unfalls oder einer schweren Infektion, die ausserhalb des Spitals erworben wurde. \u00a0Andererseits h\u00e4ngt das Infektrisiko von der Qualit\u00e4t der medizinischen Betreuung insgesamt und der Strategie zur Infektverhinderung im Besonderen ab. Die verschiedenen ausschlaggebenden Faktoren k\u00f6nnen anhand des Qualit\u00e4tsmodells dargestellt werden, das von Donabedian bereits 1966 vorgeschlagen wurde. Die Qualit\u00e4t des Systems wird dabei eingeteilt in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualit\u00e4t. Strukturen wie der Ausbildungsstand und die Organisation des betreuenden interdisziplin\u00e4ren Teams, die Architektur des Spitals, die Qualit\u00e4t der Desinfektionsmittel und der Instrumente, aber auch das Vorhandensein, die Qualit\u00e4t und Zug\u00e4nglichkeit von Behandlungsprotokollen spielen hier eine Rolle. In einer Studie aus den Siebzigerjahren Study on the Efficacy of Nosocomial Infection Control, Senic. konnte gezeigt werden, dass das Vorhandensein eines zust\u00e4ndigen Arztes und einer Pflegefachperson f\u00fcr Spitalhygiene eines der Elemente war, die zur Reduktion von nosokomialen Infektionen gef\u00fchrt hat. Die \u00abErgonomie\u00bb der Strukturen im weiteren Sinn wirkt unmittelbar und sehr stark auf die Qualit\u00e4t der Leistung des Spitalpersonals. Es geh\u00f6rt zur modernen Fehlerkultur, dass eine Systemanalyse die Faktoren ergr\u00fcndet, die zum \u00abmenschlichen\u00bb Versagen eines Mitarbeiters f\u00fchrten. Im gleichen Sinn wendet die Spitalhygiene heute Erkenntnisse aus der Verhaltenspsychologie und der Arbeitsergonomie an, um Behandlungsprotokolle, medizinische Produkte und die Spitalumgebung sicherer zu machen.&#13;<\/p>\n<h2>Eigenheiten von Spitalinfektionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine der Eigenheit von Spitalinfektionen ist, dass sie h\u00e4ufig durch ein Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren zustande kommen. Bei einigen Infektionen k\u00f6nnen Risikofaktoren identifiziert werden, die einen grossen Teil des Entstehens erkl\u00e4ren. F\u00fcr diese besteht deshalb heute ein gr\u00f6sseres Pr\u00e4ventionspotenzial als f\u00fcr andere Infektionen. Zu den gewichtigen und definierten Risiken geh\u00f6ren chirurgische Eingriffe sowie das Einlegen von Fremdk\u00f6rpern. Bei Urininfektionen ist dies der Urinkatheter, bei chirurgischen Infektionen die Operation und bei Bakteri\u00e4mien der zentrale Venenzugang. Die Infektionen werden dabei mehrheitlich w\u00e4hrend des Eingriffs durch Keime ausgel\u00f6st, die der Patient bereits auf oder in sich tr\u00e4gt. Diese Keime k\u00f6nnen durchaus einige Tage zuvor durch mangelnde H\u00e4ndehygiene beim Personal auf den Patienten \u00fcbertragen worden sein. Falls die Keime zudem bereits eine spitaltypische Antibiotikaresistenz aufweisen, kann dies den Therapieerfolg gef\u00e4hrden.&#13;<\/p>\n<h2>Forschungs- und Handlungsbedarf<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie ausschlaggebende Behandlungsqualit\u00e4t ist also einerseits mit einem pr\u00e4zisen und sauberen Vorgehen bei Eingriffen und andererseits mit der sparsamen und gezielten Anwendung von eingreifenden Techniken und Antibiotika zu erreichen. \u00dcber die Ursache der Infektionen und deren Verh\u00fctung besteht sicher noch ein wesentlicher Forschungsbedarf. Zwischen den bereits bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Umsetzung in der Spitalroutine klafft aber noch ein Graben, den es zuzusch\u00fctten gilt.\u00a0Die Frage nach der Verteilung des Risikos zwischen patienten- und behandlungsbedingten Risiken bringt uns direkt zur Frage nach der maximalen Reduzierbarkeit der nosokomialen Infektionen. Eine Durchsicht aller publizierten Studien zur Infektreduktion l\u00e4sst auf eine mittlere Reduzierbarkeit von 20% mit einer Spannbreite von 10% bis 70% schliessen. Eine neuere Arbeit spricht gar von einer Reduktion der gef\u00e4hrlichen katheterbedingten Bakteri\u00e4mien auf 0 \u00fcber mehrere Monate. M\u00f6glich wurde dies durch eine rigorose, kontrollierte Anwendung aller bekannten Verhinderungsstrategien bei jeder Kathetereinlage. Mit der weiteren Erforschung von Risikofaktoren und der gezielteren Anwendung von Prozessdesign d\u00fcrfte demnach die tolerierbare Infektionsrate noch mehr reduziert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4tsmessung der Infektverh\u00fctung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Messung der Qualit\u00e4t bez\u00fcglich Infektverh\u00fctung kann auf zwei Ebenen erfolgen:\u00a0&#8211; auf Ergebnisebene, d.h. der Infektionsrate;\u00a0&#8211; auf Prozessebene, d.h. der tats\u00e4chlichen Anwendung der Massnahmen zur Infektverh\u00fctung.\u00a0\u00a0In der Schweiz gibt es &#8211; im Gegensatz zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern &#8211; keine direkten gesetzlichen Vorgaben, die Gesundheitseinrichtungen dazu anhalten, nosokomiale Infektionen zu messen. Die Messung der Infektionen wurde h\u00e4ufig als unabdinglicher erster Schritt zu deren Verh\u00fctung bezeichnet. Es konnte zudem verschiedentlich gezeigt werden, dass die vertrauliche R\u00fcckmeldung der Infektionsrate an die betroffenen Mitarbeiter zu einer Reduktion der Infektionen gef\u00fchrt hat, ohne dass andere Massnahmen getroffen wurden.\u00a0Allerdings bestehen bei der Messung zwei grunds\u00e4tzliche Probleme. Das eine Problem betrifft paradoxerweise die relative Seltenheit der nosokomialen Infektionen. Das f\u00fchrt dazu, dass \u00fcber einen Zeitraum von einem Jahr in einem Spital von bis zu 200 Betten kaum statistisch brauchbare Zahlen entstehen. Dies w\u00e4re jedoch zur Systemsteuerung unabdingbar. Zudem ist die Infekt\u00fcberwachung eine zeitaufwendige T\u00e4tigkeit, da jeder Patient mehrmals pro Woche evaluiert werden muss. Allein diese Tatsache erkl\u00e4rt, warum tendenziell nur die grossen Spit\u00e4ler eine Infekt\u00fcberwachung durchf\u00fchren.\u00a0Das andere Problem h\u00e4ngt damit zusammen, dass die Infektionen, wie oben ausgef\u00fchrt, stark durch den Zustand des Patienten beeinflusst werden. Damit widerspiegelt die Infektrate eines Spitals nicht nur dessen Qualit\u00e4t in der Infektverh\u00fctung, sondern gleichzeitig auch den kumulativen Gesundheitszustand der vom Spital betreuten Patienten. Ironischerweise l\u00e4uft der Letztere kontr\u00e4r zur Qualit\u00e4t des medizinischen Angebots, da schwerkranke Patienten meist nur in entsprechend hoch qualifizierten Kliniken oder Abteilungen behandelt werden k\u00f6nnen. So liegt die Infektrate auf Intensivstationen in der Schweiz typischerweise \u00fcber 25%, w\u00e4hrend sie auf der Geburtenabteilung unter 3% sein d\u00fcrfte. Dass dieser Unterschied nicht die Behandlungsqualit\u00e4t widerspiegelt, sondern vor allem das Patientengut, ist offenkundig. Das patientenseitige Infektrisiko kann aber heute noch nicht zuverl\u00e4ssig und kosteng\u00fcnstig gemessen werden.&#13;<\/p>\n<h3>Messung der Prozessqualit\u00e4t als Alternative<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAls attraktive Alternative bietet sich die Messung der Prozessqualit\u00e4t an, falls der Zusammenhang zwischen der Prozessgr\u00f6sse und der Ergebnisgr\u00f6sse feststeht. Dies ist zum Beispiel f\u00fcr die rechtzeitige Gabe einer Antibiotikumprophylaxe vor einem chirurgischen Eingriff der Fall. Ist die Voraussetzung des kausalen Zusammenhangs gegeben, hat die Prozessmessung viele Vorteile. Prozessereignisse sind viel h\u00e4ufiger, was die Produktion von lokalen statistisch signifikanten Zahlen in kurzer Zeit erlaubt. Ausserdem ist die Prozessqualit\u00e4t nahezu unabh\u00e4ngig vom Patientenrisiko und eignet sich deshalb besser f\u00fcr ein Benchmarking: Das Antibiotikum muss auch bei Schwerkranken genau eine halbe Stunde vor Schnitt gegeben werden.&#13;<\/p>\n<h2>Kampagne zur Verbesserung der H\u00e4ndehygiene<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der gleichbleibenden Infektionsrate \u00fcber die letzten Jahre hat Swissnoso beschlossen, eine Promotionskampagne zur Verbesserung der H\u00e4ndehygiene durchzuf\u00fchren (siehe&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2<\/b>&#13;<br \/>\n<b>Die 5 Momente f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der H\u00e4ndehygiene:<\/b>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. Unmittelbar vor dem Ber\u00fchren eines Patienten;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2. Unmittelbar nach dem Ber\u00fchren eines Patienten;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n3. Unmittelbar vor einer \u00absauberen\u00bb Handlung;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n4. Unmittelbar nach Kontakt mit K\u00f6rper-fl\u00fcssigkeiten;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5. Unmittelbar nach dem Ber\u00fchren der unmittelbaren Patientenumgebung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Die 6 Strategien zur Promotion der H\u00e4ndehygiene(Genfer Modell):<\/b>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. Sichtbare, anhaltende Unterst\u00fctzung durch die Spitalleitung;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2. Bereitstellen der H\u00e4ndedesinfektions-mittel an jedem Patientenbett (Spender oder Kittelflaschen);&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n3. Schriftliche, leicht zug\u00e4ngliche Anord-nungen;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n4. Einweisung jeder\/s Mitarbeiters\/-in in H\u00e4ndehygiene;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5. Wiederholte Messung der H\u00e4ndehygiene beim Personal mit R\u00fcckmeldung der Resultate;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n6. Erinnerungshilfen am Arbeitsort.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.swisshandhygiene.ch\">www.swisshandhygiene.ch<\/a>. ). Die H\u00e4ndehygiene ist eine einfache und meist untersch\u00e4tzte Massnahme gegen Spitalinfektionen, basierend auf der h\u00e4ufigen und gezielten Anwendung einer alkoholischen H\u00e4ndedesinfektionsl\u00f6sung. Insgesamt haben 116 Spit\u00e4ler aus der ganzen Schweiz daran teilgenommen. \u00a0Die Kampagne wurde nach dem \u00abGenfer Modell\u00bb geplant. Dieses beruht auf der Erkenntnis, das nur eine mehrschichtige Strategie den n\u00f6tigen Systemwechsel und die gew\u00fcnschte Verhaltens\u00e4nderung herbeif\u00fchren kann. Die objektive Messung der H\u00e4ndehygiene wurde nur m\u00f6glich durch eine aufwendige Entwicklungsarbeit. Die Momente der H\u00e4ndehygiene wurden einfach und pr\u00e4gnant beschrieben. Mittlerweile wurde diese Methode von mehreren L\u00e4ndern \u00fcbernommen und auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer weltweiten Kampagne verwendet.&#13;<\/p>\n<h3>Grosse Erfolge in kurzer Zeit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nK\u00fcrzlich wurden die ersten Resultate publiziert. Die richtige Anwendung der H\u00e4ndehygiene, die vor der Kampagne nur in einem von zwei F\u00e4llen durchgef\u00fchrt wurde, konnte innerhalb von vier Monaten um 25% gesteigert werden. Zwei Spit\u00e4ler haben gleichzeitig die Infektionsrate gemessen und konnten eine Reduktion von 25% ausweisen. Landesweit hochgerechnet, konnten so bereits 17000 Infektionen verhindert und 60 Mio. Franken Mehrkosten eingespart werden. Die Berechnung der Ausgaben f\u00fcr die laufende Kampagne sind noch nicht abgeschlossen; aufgrund der Zahlen aus Genf kann mit einem Ausgaben-Einsparungs-Verh\u00e4ltnis von rund 1:100 gerechnet werden. Das macht die Kampagne zu einer der erfolgreichsten Unternehmungen f\u00fcr die Sache der Patientensicherheit im station\u00e4ren Schweizer Gesundheitswesen und zeigt das Potenzial einer vernetzten Spitalhygiene unter dem Einfluss eines strategischen \u00abInnovation Centers\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: T\u00e4tigkeiten von Swissnoso<\/b>&#13;<br \/>\nDie T\u00e4tigkeiten von Swissnoso beinhaltet Beratungsangebote f\u00fcr das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) in Gebieten wie der Bedrohung durch die neue Variante von Creutzfeldt-Jakob, Sars, der Vogelgrippe und einer Grippepandemie sowie die Herausgabe eines viertelj\u00e4hrlichen Bulletins mit nationalen Richtlinien und Schulungst\u00e4tigkeit. Daneben hat die Gruppe unter Leitung des Autors wiederholte landesweite Messungen der spitalerworbenen Infektionen durchgef\u00fchrt, aufgrund derer das Ausmass des Problems beziffert werden kann. Dies hat zum Aufbau eines Netzwerks gef\u00fchrt, das einen Wissenstransfer von den universit\u00e4ren Zentren in die peripheren Spit\u00e4ler erlaubt. Weitere Informationen sowie die Liste der Mitglieder sind unter www.swiss-noso.ch abrufbar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Swiss Hand Hygiene Campaign<\/b>&#13;<br \/>\n<b>Die 5 Momente f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der H\u00e4ndehygiene:<\/b>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. Unmittelbar vor dem Ber\u00fchren eines Patienten;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2. Unmittelbar nach dem Ber\u00fchren eines Patienten;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n3. Unmittelbar vor einer \u00absauberen\u00bb Handlung;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n4. Unmittelbar nach Kontakt mit K\u00f6rper-fl\u00fcssigkeiten;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5. Unmittelbar nach dem Ber\u00fchren der unmittelbaren Patientenumgebung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Die 6 Strategien zur Promotion der H\u00e4ndehygiene(Genfer Modell):<\/b>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. Sichtbare, anhaltende Unterst\u00fctzung durch die Spitalleitung;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n2. Bereitstellen der H\u00e4ndedesinfektions-mittel an jedem Patientenbett (Spender oder Kittelflaschen);&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n3. Schriftliche, leicht zug\u00e4ngliche Anord-nungen;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n4. Einweisung jeder\/s Mitarbeiters\/-in in H\u00e4ndehygiene;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5. Wiederholte Messung der H\u00e4ndehygiene beim Personal mit R\u00fcckmeldung der Resultate;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n6. Erinnerungshilfen am Arbeitsort.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.swisshandhygiene.ch\">www.swisshandhygiene.ch<\/a>.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 3: Literatur<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; Sax H., Ruef C., Widmer A. F., Quality Standards for Hospital Hygiene in Intermediate and Large Hospitals in Switzerland: A Recommended Concept. Swiss Med Weekly 1999; 129(7), S. 276-284.- Haley R. W., Culver D. H., White J. W. et al., The Efficacy of Infection Surveillance and Control Programs in Preventing Nosocomial Infections in US Hospitals. Am J Epidemiol 1985; 121(2), S. 182-205.- Harbarth S, Sax H, Gastmeier P. The Preventable Proportion of Nosocomial Infections: An Overview of Published Reports. J Hosp Infect 2003; 54(4), S. 258-266; quiz 321.- Berenholtz S. M., Pronovost P. J., Lipsett P. A. et al., Eliminating Catheter-Related Bloodstream Infections in the Intensive Care Unit. Crit Care Med 2004; 32(10), S. 2014-2020.- Pittet D., Hugonnet S., Harbarth S. et al., Effectiveness of a hospital-wide programme to improve compliance with hand hygiene. Infection Control Programme. Lancet 2000; 356(9238): 1307-1312.- Pittet D., Sax H., Hugonnet S., Harbarth S., Cost Implications of Successful Hand Hygiene Promotion. Infect Control Hosp Epidemiol 2004;25(3), S. 264-246.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Spitalhygiene spielt eine wichtige Rolle bei Fragen der Patientensicherheit im Gesundheitswesen. Insbesondere geht es um die Messung und Reduktion der schleichenden Form endemischer Infektionen sowie das Aufdecken, Abkl\u00e4ren und Eind\u00e4mmen von Epidemien. 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