{"id":124544,"date":"2006-10-01T12:00:00","date_gmt":"2006-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/10\/buchs-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:46","slug":"buchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/10\/buchs\/","title":{"rendered":"S\u00fcd-S\u00fcd-Direktinvestitionen: Ein neuer Vektor der wirtschaftlichen Entwicklung?"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren tauchen auf der internationalen Wirtschaftsb\u00fchne regelm\u00e4ssig neue multinationale Unternehmen aus Entwicklungsl\u00e4ndern auf. Im Sommer 2005 zum Beispiel sorgte das &#8211; allerdings erfolglose &#8211; \u00f6ffentliche \u00dcbernahmeangebot der chinesischen CNOOC an die Adresse der amerikanischen Unocal f\u00fcr Aufsehen. Vor kurzem hat der indische Stahlriese Mittal die europ\u00e4ische Arcelor \u00fcbernommen. Diese spektakul\u00e4ren Transaktionen lenken jedoch von einer anderen Facette der Internationalisierung von Unternehmen aus dem S\u00fcden ab, n\u00e4mlich ihren Direktinvestitionen in andere Entwicklungsl\u00e4nder. Solche S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen In der Fachliteratur zum Thema S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen sind die Begriffe S\u00fcd und Nord im Allgemeinen unklar definiert. Grunds\u00e4tzlich sind damit aber die beiden grossen Kategorien \u00abEntwicklungsl\u00e4nder\u00bb bzw. \u00abentwickelte L\u00e4nder\u00bb gemeint. In gewissen Arbeiten wird f\u00fcr den Begriff \u00abS\u00fcden\u00bb eine restriktivere Definition verwendet, die namentlich von der Zuverl\u00e4ssigkeit der Daten zu den Auslandinvestitionen abh\u00e4ngig ist (siehe zum Beispiel Aykut &amp;Ratha 2003, S.151). &#8211; und insbesondere ihr Potenzial f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung &#8211; sind Thema des vorliegenden Artikels.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200610_19_Buchs_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"217\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Wachsende S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen und sektorspezifische Trends<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss aktuellen Daten der Weltbank Weltbank (2006), S. 107\u2013126 ff. flossen 2005 rekordhohe 491 Mrd. US-Dollar netto an Privatkapital in die Entwicklungsl\u00e4nder. Gegen\u00fcber 397 Mrd. US-$ 2004. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sich die finanzielle Verflechtung zwischen den Entwicklungsl\u00e4ndern erheblich intensiviert hat und die S\u00fcd-S\u00fcd-Kapitalstr\u00f6me &#8211; insbesondere die Direktinvestitionen &#8211; deutlicher angewachsen sind als die Mittelzufl\u00fcsse vom Norden in den S\u00fcden. Der Anteil der Direktinvestitionen aus dem S\u00fcden an den gesamten Direktinvestitionen in Richtung Entwicklungsl\u00e4nder erh\u00f6hte sich von 15,5% im Jahr 1995 auf 37% im Jahr 2003. Diese Zahlen untersch\u00e4tzen vermutlich den Umfang der Kapitalstr\u00f6me auf Grund von Statistik- und Buchungsproblemen (siehe insbesondere Weltbank 2006, S. 129 und Aykut &amp;Ratha 2003, S.160\u2013168). Ein weiterer Hinweis auf einen Aufw\u00e4rtstrend bei den S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen ist das kr\u00e4ftige Wachstum bei den abgeschlossenen Investitionsvereinbarungen: Die Zahl der bilateralen Investitionsschutzabkommen zwischen L\u00e4ndern des S\u00fcdens ist von rund 44 im Jahr 1990 auf \u00fcber 650 im Jahr 2004 angestiegen. Entsprechend waren 2004 \u00fcber 300 Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft, gegen\u00fcber lediglich 96 im Jahr 1990. Dadurch wurde der R\u00fcckgang bei den Investitionen aus den Industriel\u00e4ndern teilweise kompensiert (siehe Tabelle 1).\u00a0Die Unternehmen des S\u00fcdens investieren tendenziell in L\u00e4nder, die einen vergleichbaren oder tieferen Entwicklungsstand aufweisen und in geografischer N\u00e4he liegen. Entsprechend fliesst der gr\u00f6sste Teil der Auslandinvestitionen Thailands in s\u00fcdostasiatische L\u00e4nder, w\u00e4hrend bei den s\u00fcdafrikanischen Unternehmen die L\u00e4nder im S\u00fcden des afrikanischen Kontinents im Vordergrund stehen. Siehe Games (2004). Allerdings gibt es auch Unternehmen, die den Schritt in die Ferne wagen. Neben einigen &#8211; eingangs erw\u00e4hnten &#8211; Investitionen in Industriel\u00e4ndern sind die chinesischen Unternehmen zum Beispiel in Lateinamerika und Afrika sehr aktiv. Gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen sollen \u00fcber 700 chinesische Firmen in Afrika pr\u00e4sent sein. Brasilien, Indien oder Malaysia zeigen Interesse an den Erd\u00f6l- und Bergbauressourcen in Afrika.\u00a0Trotz unvollst\u00e4ndiger Daten ist klar zu erkennen, dass sich ein Grossteil der S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen auf den Sektor der Rohstoff-F\u00f6rderung konzentriert, allen voran Erd\u00f6l und Erdgas. Einen hohen Stellenwert hat zudem der Infrastrukturbereich, wo das Engagement von Unternehmen des S\u00fcdens h\u00e4ufig mit einem Partner aus dem Norden begann: In Afrika stammten 80% der Infrastruktur-Auslandinvestitionen zwischen 1998 und 2003 aus L\u00e4ndern des S\u00fcdens. In der Telekommunikationsbranche machen die S\u00fcd-S\u00fcd-Direktinvestitionen fast einen Drittel aus. Multinationale Unternehmen des S\u00fcdens haben im Allgemeinen kr\u00e4ftig in den Dienstleistungsbereich investiert, namentlich ins Bankwesen, in den Distributionssektor, in die Luftfahrt oder ins Gesundheitswesen. Auch im Bereich Forschung und Entwicklung waren einige Investitionen zu verzeichnen. Der Industriesektor profitierte ebenfalls von diesem Trend, wenn auch in bescheidenerem Ausmass (siehe Tabelle 2).&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftswachstum und Liberalisierung des Kapitalverkehrs als Schl\u00fcsselfaktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese regionalen und sektoriellen Trends sind mit verschiedenen Faktoren zu erkl\u00e4ren. In den vergangenen Jahren trugen das kr\u00e4ftige Wirtschaftswachstum und eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs verschiedener Schwellenl\u00e4nder entscheidend zur Ausweitung der Investitionen bei. Gewisse Regierungen haben Anreizmechanismen &#8211; zum Beispiel steuerlicher Art &#8211; f\u00fcr Auslandinvestitionen eingef\u00fchrt. Manchmal wurden diese im Rahmen regionaler Integrationsabkommen vereinbart, Beispiele sind die Vertr\u00e4ge von Mercosur, Andengemeinschaft oder Asean, die steuerliche Anreize vorsehen und die Gewinnr\u00fcckf\u00fchrung f\u00fcr Unternehmen erleichtern, die in der betreffenden Region S\u00fcd-S\u00fcd-Direktinvestitionen t\u00e4tigen. was Investitionen in geografisch nahe gelegene und kulturell vertraute M\u00e4rkte beg\u00fcnstigt. F\u00f6rderlich waren zudem die Liberalisierung des Dienstleistungssektors nach Fortschritten im Rahmen der Uruguay-Runde und Privatisierungswellen in Sektoren wie der Telekommunikation. Die Unternehmen des S\u00fcdens konnten so ihre spezifischen Vorteile nutzen und neue M\u00e4rkte erobern.\u00a0Das Wirtschaftswachstum, das manchmal mit einem hohen Bev\u00f6lkerungsdruck einhergeht, geh\u00f6rt zu den Hauptgr\u00fcnden f\u00fcr Investitionen in die Rohstofff\u00f6rderung. Dabei soll die Versorgung mit Energie- und Bergbauprodukten sichergestellt, aber auch diversifiziert werden (beschaffungsorientierte Investitionen). Die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil dieser Investitionen durch staatliche Unternehmen get\u00e4tigt wird, verleiht ihnen nicht nur eine rein wirtschaftliche, sondern auch eine politische und strategische Bedeutung.\u00a0Da die Unternehmen des S\u00fcdens zudem vermehrt in globale Produktionsprozesse einbezogen und internationaler Konkurrenz ausgesetzt sind, haben sie ein Interesse daran, sich Zugang zu strategischen Vorteilen zu verschaffen, indem sie weltbekannte Marken \u00fcbernehmen oder Forschungs- und Entwicklungseinheiten kaufen. Der letztgenannte Aspekt ist allerdings heute in erster Linie bei S\u00fcd-Nord-Investitionen ausschlaggebend.\u00a0Interessant ist, dass multinationale Unternehmen des S\u00fcdens bei Investitionen in Entwicklungsl\u00e4nder gewisse komparative Vorteile haben. Sie verwenden Produktionsabl\u00e4ufe und -techniken und produzieren Waren und Dienstleistungen, die dem Umfeld des Ziellandes sowie den Bed\u00fcrfnissen der Konsumenten besser entsprechen und eine h\u00f6here Marktdurchdringung erm\u00f6glichen. Zum Beispiel produziert die chinesische Firma TCL in Vietnam Fernseher f\u00fcr 50 US-$. Sie wissen mehr \u00fcber die Funktionsweise dieser Volkswirtschaften, insbesondere \u00fcber administrative H\u00fcrden und informelle Gepflogenheiten, da diese \u00e4hnlich sind wie im Heimmarkt. Andererseits haben sie im Vergleich zur Konkurrenz aus dem Norden gewisse zus\u00e4tzliche Hindernisse zu \u00fcberwinden. Dazu geh\u00f6ren der relativ begrenzte Zugang zu in- und ausl\u00e4ndischen Finanzierungsquellen Mit Ausnahme von Einzelf\u00e4llen wie der Exim Bank of China, deren Aufgabe unter anderem darin besteht, Auslandengagements chinesischer Unternehmen zu finanzieren. sowie fehlende Stellen zur F\u00f6rderung von Auslandinvestitionen, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem 1994 erschienenen Artikel Zitiert von Gelb (2005), S. 203. kommt der \u00d6konom Yeung zum Schluss, dass multinationale Unternehmen des S\u00fcdens eine besondere Kategorie gewinnorientierter Akteure darstellen und den Volkswirtschaften in den Ziell\u00e4ndern mehr bringen als solche aus dem Norden. Die Auswirkungen der S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung sind noch unklar. \u00dcber einige wichtige Aspekte besteht jedoch kein Zweifel.\u00a0Zun\u00e4chst steht den Ziell\u00e4ndern durch die S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen mehr Kapital zur Verf\u00fcgung, da Investoren aus dem S\u00fcden eher bereit scheinen, die mit diesen M\u00e4rkten verbundenen Risiken einzugehen. Besonders wichtig ist dieser Punkt in kleinen, rohstoffarmen Volkswirtschaften, steht doch die Gr\u00f6sse der M\u00e4rkte f\u00fcr Investoren aus dem Norden &#8211; neben dem Rohstoffaspekt &#8211; im Vordergrund. So stammen mehr als die H\u00e4lfte der Auslandinvestitionen in Nepal aus China und Indien. Ein Drittel der ausl\u00e4ndischen Investitionen im Bankensektor der am wenigsten entwickelten L\u00e4nder kommt aus dem S\u00fcden. F\u00fcr einige L\u00e4nder erm\u00f6glicht dieser Kapitalzufluss aus dem S\u00fcden eine Diversifizierung der Investitionsgelder. Dies kann einen antizyklischen, stabilisierenden Effekt haben, der sich in schwierigen Zeiten auszahlt. Zwischen 1994 und 2000 waren die S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen gegen\u00fcber konjunkturellen, politischen und wirtschaftlichen Krisen tats\u00e4chlich resistenter als Investitionen aus dem Norden. Aykut &amp;Ratha (2004), S. 155.\u00a0Welche Auswirkungen Investitionen auf die Handelsstr\u00f6me, die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen, die Bildung und den Technologietransfer haben, h\u00e4ngt weit gehend von der Art der Mittelzufl\u00fcsse ab. Nunnenkamp &amp;Spatz (2004), S. 57\u201358. So generiert theoretisch eine Investition, die Zugang zu Ressourcen schaffen soll, Exporte in Richtung des Herkunftslandes, die aber h\u00e4ufig auf eine ausl\u00e4ndische Enklave im Heimmarkt beschr\u00e4nkt bleiben. Eine Marktinvestition erh\u00f6ht hingegen das Angebot an G\u00fctern und Dienstleistungen und hat in der Regel gr\u00f6ssere Effekte auf die vor- und nachgelagerten Branchen, wie lokale Zulieferer und Vertriebsunternehmen. Dazu ist anzumerken, dass die von der Export Import Bank of China (Exim Bank) gew\u00e4hrten Kredite einer Klausel unterliegen, wonach 50% der Ausr\u00fcstungsg\u00fcter, Rohstoffe, Technologien und Dienstleistungen aus China kommen m\u00fcssen (http:\/\/english.eximbank.org.cn\/business\/ government.jsp). Die Auswirkungen auf die Entwicklung h\u00e4ngen indes vor allem von der Aufnahmekapazit\u00e4t des Ziellandes ab. Gerade in dieser Hinsicht erweisen sich Investitionen aus dem S\u00fcden als besonders interessant, sind doch die Produktionsmethoden meistens besser auf die lokalen Voraussetzungen abgestimmt, was den Technologietransfer beg\u00fcnstigt. Luiz de Mello (1997), zitiert von Nunnenkamp &amp;Spatz (2004), S.56, hat folgenden Zusammenhang aufgezeigt: Je gr\u00f6sser die technologische Kluft zwischen Ziel- und Ursprungsland der Direktinvestition, desto geringer ist die Wirkung auf das wirtschaftliche Wachstum.&#13;<\/p>\n<h3>Neben positiven auch negative Aspekte<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDiesen positiven Aspekten stehen allerdings gewisse Vorbehalte im Zusammenhang mit Investitionen aus dem S\u00fcden gegen\u00fcber. Die multinationalen Unternehmen des Nordens haben angesichts gut abgestimmter Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Druck der Konsumentenseite grosse Anstrengungen unternommen, ihre Auslandt\u00e4tigkeit transparenter zu gestalten sowie gesellschaftlich und \u00f6kologisch verantwortungsbewusster zu handeln. Zahlreiche Unternehmen haben im Bereich Kinderarbeit gute Praktiken eingef\u00fchrt, die sie &#8211; mit mehr oder weniger Erfolg &#8211; auch bei ihren lokalen Zulieferern geltend machen. Ein Beispiel daf\u00fcr sind Probleme, mit denen sich die Firma Nike 1997 konfrontiert sah (siehe Webseite der Erkl\u00e4rung von Bern, www.evb.ch). Im Sektor der Rohstofff\u00f6rderung halten sich verschiedene Bergbauunternehmen an einen Kodex mit guten Praktiken f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung. Siehe International Council on Mining and Minerals, www.icmm.org. Im Bestreben um Transparenz und Korruptionsbek\u00e4mpfung publizieren Unternehmen im Rahmen der Ieti-Initiative Siehe Extractive Industries Transparency Initiative, www.eiti.org. die Betr\u00e4ge, die sie von ihren Einnahmen aus der T\u00e4tigkeit im Ausland an die Beh\u00f6rden der Ziell\u00e4nder \u00fcberweisen. Die Unternehmen des S\u00fcdens sind in diesem Bereich noch nicht aktiv, da sie im Ursprungsland keinem \u00f6ffentlichen Druck ausgesetzt sind. Zudem sind auch die F\u00fchrungsstrukturen dieser Unternehmen (z.B. bei nicht b\u00f6rsenkotierten Firmen) weniger durchl\u00e4ssig f\u00fcr Ausseneinfl\u00fcsse. Allerdings haben einige Unternehmen besonders relevanter Sektoren &#8211; zum Beispiel in der Textil- und Rohstoffindustrie &#8211; nun erste Massnahmen getroffen. Ein Beispiel ist das chinesische Erd\u00f6lunternehmen Sapet, dem die peruanische Regierung eine Lizenz f\u00fcr F\u00f6rderaktivit\u00e4ten in einem von indigenen V\u00f6lkern bewohnten Gebiet erteilt hat. Sapet liess sich f\u00fcr dieses Projekt von Umweltexperten beraten. Friedman (2006). Schliesslich braucht es zur Einhaltung \u00f6kologischer und gesellschaftlicher Normen auch entsprechende gesetzliche Regelungen im Zielland.\u00a0Die manchmal hitzigen Debatten in den Industriel\u00e4ndern \u00fcber Auslandinvestitionen und damit verbundene Auslagerungen leiten \u00fcber zur Frage, wie sich S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen auf das Ursprungsland auswirken. Die Auswirkungen h\u00e4ngen insbesondere davon ab, ob mit einer Investition die Produktion auf dem Heimmarkt erg\u00e4nzt oder ersetzt wird. Investitionen im Sektor der Rohstofff\u00f6rderung, die den gr\u00f6ssten Teil der S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionsfl\u00fcsse ausmachen, werden in der Regel zus\u00e4tzlich get\u00e4tigt und sollten deshalb f\u00fcr das Land, aus dem die Investition kommt, nur beschr\u00e4nkt mit nachteiligen Folgen verbunden sein. Selbst wenn die Investition in erster Linie erg\u00e4nzend erfolgt, kann der Zugang zu neuen M\u00e4rkten f\u00fcr die Leistungsf\u00e4higkeit eines Unternehmens und die Sicherung der Arbeitspl\u00e4tze im nationalen Markt entscheidend sein. Siehe dazu die in Anmerkung 10 erw\u00e4hnte Klausel der Exim Bank of China. Durch die Diversifizierung des geografischen Risikos lassen sich n\u00e4mlich Nachfrageschwankungen im Heimmarkt teilweise ausgleichen. Zudem steigt durch die Anforderung, dem internationalen Konkurrenzdruck gen\u00fcgen zu m\u00fcssen, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Unternehmens im Heimmarkt.\u00a0Zusammenfassend scheinen also S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung ein interessantes Potenzial aufzuweisen. Gleichzeitig sind sie sowohl f\u00fcr die Zielals auch f\u00fcr die Ursprungsl\u00e4nder mit gewissen Risiken verbunden. Die Herausforderung besteht darin, m\u00f6glichst viele positive Aspekte dieser S\u00fcd-S\u00fcd-Mittelfl\u00fcsse zu nutzen und gleichzeitig die negativen Auswirkungen m\u00f6glichst gering zu halten. Wie bei Investitionen aus Industriel\u00e4ndern ist es zudem unabdingbar, dass die Ziell\u00e4nder einen koh\u00e4renten, ausgewogenen Investitionsrahmen vorgeben.&#13;<\/p>\n<h2>Aktivit\u00e4ten der Weltbankgruppe bez\u00fcglich S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVor diesem Hintergrund f\u00fchrt die Weltbankgruppe &#8211; insbesondere \u00fcber die IFC International Finance Corporation. und die Miga Multinational Investment Guarantee Agency. &#8211; verschiedene Programme zur F\u00f6rderung von S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen durch. Zu erw\u00e4hnen sind dabei unter anderem Massnahmen, die zur Verbesserung des allgemeinen Investitionsklimas beitragen (Analysen, fachliche Unterst\u00fctzung bei der Umsetzung von Reformen) und die damit die L\u00e4nder des S\u00fcdens f\u00fcr Investitionen sowohl aus dem Norden als auch aus dem S\u00fcden attraktiver machen. In eine \u00e4hnliche Richtung gehen die Programme von Fias Foreign Investment Advisory Service. und Miga zum Ausbau der Kapazit\u00e4ten im Bereich der Investitionsf\u00f6rderung in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens.\u00a0Bez\u00fcglich der eigentlichen Investitionen hat die IFC das Ziel, langfristige Partnerschaften mit aufstrebenden Akteuren des S\u00fcdens einzugehen. Zu diesem Zweck organisierte die IFC im November 2005 in Mumbai eine Konferenz, an der die meisten multinationalen Unternehmen des S\u00fcdens teilnahmen. Der Anteil der S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen am Portefeuille der IFC hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Auf 484 Mio. US-$ im Jahr 2005. So hat sie zum Beispiel k\u00fcrzlich eine srilankische Investition im Textilsektor Madagaskars und eine Investition aus Mali in ein Hotel in Burkina Faso unterst\u00fctzt. Die IFC leistet nicht nur finanzielle Beitr\u00e4ge an ihre Kunden, sondern sorgt auch daf\u00fcr, dass die Investitionen einen m\u00f6glichst positiven Einfluss auf die Entwicklung haben. Um die Wirkung von Investitionen auf die lokale Wirtschaft zu vergr\u00f6ssern, f\u00fchrt die IFC Programme zur Vernetzung mit den lokalen Unternehmen &#8211; u.a. in den Bereichen Kapazit\u00e4tsbildung und Mikrofinanz &#8211; durch. Vor allem aber sind die Partner der IFC verpflichtet, die Umwelt- und Sozialbestimmungen einzuhalten. Diese regeln Fragen wie die Umsiedlung und Entsch\u00e4digung von Personen im Zusammenhang mit der Rohstofff\u00f6rderung. Zudem gibt die IFC auch Empfehlungen im Bereich Gouvernanz (Anwendung internationaler Buchf\u00fchrungsstandards, B\u00f6rsenkotierung usw.).\u00a0Auch die Miga hat ihre Kommunikation an die Adresse potenzieller Kunden aus dem S\u00fcden intensiviert und k\u00fcrzlich ein Programm lanciert, das vereinfachte Abl\u00e4ufe f\u00fcr Garantien bei relativ kleinen Investitionen vorsieht (\u00abSmall Investment Program\u00bb). Dass dieses Programm einem Bed\u00fcrfnis der Investoren aus dem S\u00fcden entspricht, zeigt die Tatsache, dass f\u00fcnf der sieben bisher abgeschlossenen Transaktionen S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen betreffen.\u00a0Zur Vervollst\u00e4ndigung dieses kurzen \u00dcberblicks geh\u00f6rt auch der Hinweis, dass die Weltbank \u00fcber die Fias in Zusammenarbeit mit Unctad United Nations Conference on Trade and Development. und der Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Forschungsprogramm zu den S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen lanciert hat. Die erste Phase besteht darin, einen Standardfragebogen f\u00fcr Investoren aus dem S\u00fcden auszuarbeiten. Damit sollen zuverl\u00e4ssige Daten gesammelt und Erkenntnisse zu den Besonderheiten, Beweggr\u00fcnden, Hindernissen und wirtschaftlichen Auswirkungen solcher Investitionen gewonnen werden. Diese Studie wird zu einer noch sinnvolleren Strategie bei der F\u00f6rderung von S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen beitragen. Zum Beispiel wird sich dann besser bestimmen lassen, welche Position die IFC gegen\u00fcber den weit verzweigten multinationalen Unternehmen einnehmen soll und wie ein gutes Gleichgewicht zwischen rein finanzieller Unterst\u00fctzung und einem Beitrag zur gesellschaftlichen und \u00f6kologischen Verantwortung der Unternehmen des S\u00fcdens gefunden werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abEntwicklung der S\u00fcd-S\u00fcd-Direktinvestitionen, 1995-2003\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2 \u00abS\u00fcd-S\u00fcd-Fusionen und -\u00dcbernahmen &#8211; ausgew\u00e4hlte Transaktionen, 2004-2005\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur &#8211; Aykut, Dilek und Dilip Ratha (2003). South-South FDI flows: how big are they?, in: Transnational Corporations, Band 13, Nr. 1 (April), S. 149-176.- Battat, Joseph und Dilek Aykut (2005). Southern Multinationals: A Growing Phenomenon. Dokument zur Konferenz \u00abSouthern Multinationals: A Rising Force in the World Economy\u00bb, 9.-10. November 2005, Mumbai, Indien.- Friedman, Thomas L. (2006). Red China or Green?, The New York Times, 30. Juni 2006.- Games, Dianna (2004). The Experience of South African Firms Doing Business in Africa: A Preliminary Survey and Analysis (Braamfontein: SAIIA).- Gelb, Stephen (2005). South-South Investment: The Case of Africa, in: Jan Joost Teunissen and Age Akkerman (Hrsg.), Africa in the World Economy -The National, Regional and International Challenges (Fondad, Den Haag), S. 200-205.- Nunnenkamp, Peter und Julius Spatz (2004). FDI and economic growth in developing economies: how relevant are host-economy and industry characteristics?, in: Transnational Corporations, Band 13, Nr. 3 (Dezember), S. 53-83.- Unctad (2005), World Investment Report 2005 (New York, Genf: United Nations).- World Bank (2006). Global Development Finance 2006 (Washington, DC: World Bank).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren tauchen auf der internationalen Wirtschaftsb\u00fchne regelm\u00e4ssig neue multinationale Unternehmen aus Entwicklungsl\u00e4ndern auf. Im Sommer 2005 zum Beispiel sorgte das &#8211; allerdings erfolglose &#8211; \u00f6ffentliche \u00dcbernahmeangebot der chinesischen CNOOC an die Adresse der amerikanischen Unocal f\u00fcr Aufsehen. Vor kurzem hat der indische Stahlriese Mittal die europ\u00e4ische Arcelor \u00fcbernommen. 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