{"id":124564,"date":"2006-10-01T12:00:00","date_gmt":"2006-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/10\/engler-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:59","slug":"engler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/10\/engler\/","title":{"rendered":"Zehn Jahre Regionale Arbeitsvermittlungszentren &#8211; eine Erfolgsgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Anfang 1996 in Kraft getretenen Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Avig) vom 23. Juni 1995 wurden die Kantone verpflichtet, bis 1997 Regionale Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zu er\u00f6ffnen sowie das Angebot an Besch\u00e4ftigungsprogrammen, Qualifizierungskursen und andern arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) auszubauen. Die Finanzierung der RAV und der AMM wurde vollst\u00e4ndig der Arbeitslosenversicherung (ALV) \u00fcbertragen. Nach zehn Jahren kann eine rundum erfreuliche Bilanz der T\u00e4tigkeit der RAV gezogen werden. In der vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) herausgegebenen Schrift \u00ab10 Jahre Regionale Arbeitsvermittlungszentren &#8230;und weiter auf Erfolgskurs\u00bb geht der Autor ausf\u00fchrlicher auf die Entstehung und die Entwicklung der RAV ein. Im Internet downloadbar unter: <a href=\"http:\/\/www.treffpunkt-arbeit.ch\">www.treffpunkt-arbeit.ch<\/a>.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend eines halben Jahrhunderts &#8211; bis 1990 &#8211; hatte die schweizerische Arbeitslosenquote nie mehr als 1,1% betragen. Dann aber setzte sie zu einem H\u00f6henflug an; zwischen 1990 und 1997 stieg sie von 0,5% auf 5,2%. Die damals m\u00f6gliche Arbeitsmarktpolitik war mit dieser Entwicklung v\u00f6llig \u00fcberfordert. Dies bewog den Nationalrat im Jahre 1994, das Heft in die Hand zu nehmen und eine grundlegende Neuausrichtung der ALV durchzusetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Pionierjahr 1996<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Jahre 1996 waren die Kantone mit Hochdruck daran, RAV zu errichten, das dazu erforderliche Personal zu rekrutieren und in die neue Aufgabe einzuf\u00fchren. Die RAV \u00fcbernahmen die bisher von rund 3000 Gemeindearbeits\u00e4mtern &#8211; meist mehr schlecht als recht &#8211; wahrgenommenen Aufgaben der Beratung, Kontrolle und Unterst\u00fctzung Arbeitsloser bei der Stellensuche, der Kontaktpflege zu Arbeitgebern und der Beobachtung des regionalen Arbeitsmarktes. Bis Ende 1996 hatten bereits 125 RAV mit 805 Personalberatenden (Vollzeitstellen) den Betrieb aufgenommen; Anfang 1997 folgten weitere 25 RAV und der Personalbestand wurde um 800 Personalberatende erh\u00f6ht. Parallel dazu wurden &#8211; teilweise durch neu gegr\u00fcndete Institutionen &#8211; die Angebote an AMM von rund 10000 Jahrespl\u00e4tzen (1995) auf rund 31500 (1997) ausgebaut. Im Jahre 2006 feiern daher nicht nur die RAV, sondern auch zahlreiche Anbieter arbeitsmarktlicher Massnahmen ihren 10. Geburtstag.&#13;<\/p>\n<h2>Einsparungen von 1 Mrd. Franken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Anfangszeit stiessen die neu geschaffenen RAV mit ihren rund 3000 meist noch unerfahrenen Mitarbeitenden vielerorts auf Skepsis. Man bezweifelte ihre Professionalit\u00e4t und Effizienz. Private Personaldienstleister f\u00fcrchteten, durch die RAV konkurrenziert zu werden. Das Image der RAV hat sich dann aber bald verbessert. Die RAV sind auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt zu wichtigen Akteuren geworden, deren Dienstleistungen von Arbeitgebern und Stellensuchenden gesch\u00e4tzt und die von den privaten Personaldienstleistern als Partner empfunden werden. Dank systematischer Personalschulung Alle Personalberatenden m\u00fcssen beispielsweise den eidgen\u00f6ssischen Fachausweis f\u00fcr Personalberatung erwerben. wird die Professionalit\u00e4t der RAV heute kaum mehr angezweifelt, sondern oft ausdr\u00fccklich gew\u00fcrdigt. Die Effizienz der RAV ist anerkannt. Eine Studie von Prof. George Sheldon (Universit\u00e4t Basel) zeigt, dass die an den Eingliederungserfolgen gemessene Effizienz der RAV zwischen 1998 und 2003 um 22% zugenommen hat. Ohne diese Effizienzsteigerung w\u00e4ren die Taggeldzahlungen der ALV im Jahre 2003 um rund 1 Mrd. Franken h\u00f6her gelegen &#8211; das sind dreimal mehr als die Gesamtkosten der RAV! In den letzten Jahren konnte die Effizienz der RAV gar noch weiter gesteigert werden, wie die Studien der zweiten Welle der Evaluation zeigen.&#13;<\/p>\n<h2>Zwei deutlich verschiedene Entwicklungsperioden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vergangenen 10 Jahre der RAV-T\u00e4tigkeit lassen sich in zwei Perioden aufteilen (siehe Tabelle 1).&#13;<\/p>\n<h3>Phase sinkender Arbeitslosigkeit (1997-2001)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie erste Periode war von sinkender Arbeitslosigkeit gepr\u00e4gt. Die RAV passten sich dieser Entwicklung flexibel an und begannen kurz nach Beendigung der hektischen Aufbauphase damit, Personal und Kapazit\u00e4ten wieder abzubauen. Dies war nicht einfach, da sich K\u00fcndigungen nicht vermeiden liessen. F\u00fcr die Weiterentwicklung der RAV waren die sinkenden Arbeitslosenzahlen aber vorteilhaft. Sie erm\u00f6glichten es ihnen, sich ganz auf qualitative Verbesserungen &#8211; insbesondere auf die Betriebsabl\u00e4ufe, die Schulung der Mitarbeitenden und die Entwicklung wirksamer Instrumente zur Steuerung der RAV durch Bund und Kantone &#8211; zu konzentrieren. Was in der von quantitativen Vorgaben und Zeitdruck gepr\u00e4gten Aufbauphase vernachl\u00e4ssigt werden musste, konnte nun nachgeholt werden; erste praktische Erfahrungen liessen sich auswerten. \u00a0Anfang 2000 erfolgte eine Pioniertat auf dem Gebiete des New Public Managements: Die traditionelle inputorientierte Steuerung wurde durch eine wirkungsorientierte Steuerung ersetzt, die sich an den von den einzelnen RAV erzielten Eingliederungserfolgen orientiert. Kantone, die mit ihren RAV eine deutlich \u00fcberdurchschnittliche Wirkung erzielten, erhielten zugunsten der RAV-Mitarbeitenden einen Motivationsbonus. Diese Bonuszahlungen wurden 2003 allerdings wieder eingestellt, weil es nicht gelang, die Wirkungen der RAV so \u00fcberzeugend zu messen, dass ein echtes Bonus-Malus-System h\u00e4tte eingef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die Wirkungsindikatoren werden aber weiterhin berechnet und sind nach wie vor wichtige Orientierungsgr\u00f6ssen. Die Zielsetzung, ein Bonus-Malus-System einzuf\u00fchren, wurde nicht aufgegeben.&#13;<\/p>\n<h3>Phase steigender Arbeitslosigkeit (2001-2004)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Jahre 2001 begann die zweite Entwicklungsperiode. Die Arbeitslosenquote erreich-te mit 1,7% den Tiefststand und begann sofort wieder zu steigen. Der notwendige Wiederaufbau der Kapazit\u00e4ten wurde zu strukturellen Verbesserungen sowie systematischen Qualit\u00e4ts- und Effizienzsteigerungsmassnahmen genutzt. Um den Personalberatenden eine st\u00e4rkere branchen- und berufsspezifische Spezialisierung zu erm\u00f6glichen, wurden die RAV im Vergleich zur Vorperiode im Durchschnitt gr\u00f6sser; zum Ausgleich wurde die Zahl der RAV reduziert. Der Personalbestand nahm zwischen 2001 und 2004 wesentlich weniger stark zu als die Zahl der Stellensuchenden. Es erstaunt daher nicht, dass der gr\u00f6sste Teil der Effizienzsteigerung nach 2001 realisiert wurde .&#13;<\/p>\n<h2>Kein Ausruhen auf Lorbeeren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung der RAV in den vergangenen zehn Jahren ist eine eindr\u00fcckliche Erfolgsgeschichte. Anlass, sich auf Lorbeeren auszuruhen, besteht aber nicht &#8211; im Gegenteil. Der Arbeitsmarkt ver\u00e4ndert sich dauernd und stellt die RAV vor immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen. Die Chancen der Stellensuchenden auf dem Arbeitsmarkt h\u00e4ngen immer mehr auch von Merkmalen und Eigenschaften ab, welche die RAV mit ihren Bildungs- und Besch\u00e4ftigungsmassnahmen nicht beeinflussen k\u00f6nnen. Um Stellensuchende erfolgreich in den Arbeitsmarkt eingliedern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie daher immer intensiver und systematischer mit andern Institutionen zusammenarbeiten, insbesondere mit jenen des Gesundheits-, Invaliden- und Sozialwesens. Die vor Jahren begonnene Interinstitutionelle Zusammenarbeit (IIZ) muss weiterentwickelt und auf weitere Bereiche ausgedehnt werden. \u00a0Mit ihrer Beratungst\u00e4tigkeit und den von ihnen initiierten AMM tragen die RAV zur Verbesserung der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit der schweizerischen Erwerbsbev\u00f6lkerung bei. Die wirksame Eingliederungsarbeit der RAV erleichtert es der Schweiz, eine sozialvertr\u00e4gliche und dennoch liberale, Marktmechanismen wenig einschr\u00e4nkende Arbeitsmarktpolitik zu betreiben. Sie erh\u00f6hen damit die Attraktivit\u00e4t des Wirtschaftsstandortes Schweiz und verbessern die Chancen, dass in unserem Land Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden oder erhalten bleiben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abGesamtschweizerische Entwicklung der RAV, 1997-2005\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Anfang 1996 in Kraft getretenen Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Avig) vom 23. Juni 1995 wurden die Kantone verpflichtet, bis 1997 Regionale Arbeitsvermittlungszentren (RAV) zu er\u00f6ffnen sowie das Angebot an Besch\u00e4ftigungsprogrammen, Qualifizierungskursen und andern arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) auszubauen. Die Finanzierung der RAV und der AMM wurde vollst\u00e4ndig der Arbeitslosenversicherung (ALV) \u00fcbertragen. 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